Pooly's Kunst und Schreibforum

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    Jonathan Safran Foer - Alles ist erleuchtet

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    Jonathan Safran Foer - Alles ist erleuchtet

    Beitrag von captaincow am Fr 04 Mai 2012, 13:00



    Informationen
    Taschenbuch | 384 Seiten
    Erschienen 2003
    im Fischer-Verlag
    ISBN: 978-3-596-15628-3
    Preis: 9,95 €



    Inhalt
    Ein junger Amerikaner reist durch die Ukraine. Lebt sie noch, die Frau, die seinem jüdischen Großvater während der Nazizeit das Leben gerettet hat? In einem klapprigen alten Auto macht er sich auf die Suche nach einer gespenstigen Vergangenheit. Zusammen mit einem alten Ukrainer und dessen Enkel Alex, der ein herrliches verballhorntes Englisch spricht. Und dann ist da noch die Promenadenmischung Davis jr.jr.


    Meinung
    Jonathan Safran Foer ist ein Autor, dessen Bücher einem überall begegnen. In vielen Buchläden liegen sie, selbst Jahre nach dem Erscheinen, noch immer aus und von Kinoplakaten blitzt einen das „nach dem Roman von...“ an. Dementsprechend war es keine Frage, dass ich irgendwann mal nach einem Buch von ihm greifen würde. „Alles ist erleuchtet“ hatten wir praktischerweise zu Hause und so widmete ich mich meinem ersten Foer.

    Das Buch ist sehr verschachtelt aufgebaut. Auf der einen Seite liest man aus Alex‘ Sicht, einem Ukrainer, der nicht ganz perfektes Englisch beherrscht und dementsprechend schreibt. Seine Familie wird zunächst beschrieben, sowie sein Leben. Als Leser wird man an der Stelle ziemlich ins kalte Wasser geworfen, denn man weiß kaum, in welchem Zusammenhang diese Geschichte zu der, die auf dem Klappentext beschrieben wird, steht. Nach diesem Abschnitt wird es aber noch verwirrender, denn plötzlich findet man sich Ende des 18. Jahrhunderts in einem Schtetl wieder, in dem gerade ein seltsamer Unfall passiert ist. Der Verwirrung wird die Krone aufgesetzt, indem man einen Brief zu lesen bekommt – von Alex, allerdings nach Jonathan Safran Foers Aufenthalt in der Ukraine.

    Ja, ihr lest richtig, der Autor ist in diesem Buch eine Figur, jedoch liest man nur sehr wenig aus seiner Perspektive. Die meisten Teile werden von Alex beschrieben. Anfangs empfand ich das als sehr gewöhnungsbedürftig, doch schlussendlich thematisiert „Alles ist erleuchtet“ die Geschichte von Foers Großvater und seine Suche danach, sodass ich diesen Kniff nicht weiter störend fand. Auch wenn er durchweg als „der Held“ betitelt wird, merkt man als Leser, dass sich Foer hier nicht als Idealfigur dargestellt hat sondern auch kritisch und mit einer großen Portion Humor mit sich umgeht.

    Einige Dinge mögen einem anfangs übertrieben vorkommen, doch in diesem Buch muss man nicht alles ernst nehmen. Humorvoll sei die einzige wahrheitliche Art, eine traurige Geschichte zu erzählen, heißt es einmal in diesem Buch. Es lässt sich darüber streiten, ob das nun stimmt oder nicht – doch effektvoll ist es auf jeden Fall. „Alles ist erleuchtet“ ist zu weiten Strecken auf diese Art geschrieben. Mit viel Sprachwitz, Humor und Mut zu Seltsamem hat Foer die Geschichte konstruiert. Hinter vielen Begebenheiten oder Worten versteckt sich ein tieferer Sinn, über den man als Leser gerne nachdenkt. Auf den 380 Seiten dieses Buchs wird man zu Trauer und Freude bewegt, zum Grübeln und Lachen gebracht. Dabei deckt der Roman so viele verschiedene Thematiken ab: Das Heranwachsen in einer unperfekten Welt, Liebe, Akzeptanz, Verarbeitung, Verdrängung, Toleranz, ... Die Geschichte nistet sich unwiderruflich in den Gedanken ein, weil sie mit dem Zuklappen des Buchs noch nicht zu Ende ist.

    Auf den ersten Seiten herrschte bei mir noch viel Verwirrung, aber irgendwann verband sich dann Alles zu einem einheitlichen Ganzen. Die Wahl, das Buch auf verschiedenen Ebenen aufzubauen, gefiel mir dann auch sehr gut, denn so wirkt es echter, als wären diese Begebenheiten tatsächlich geschehen. Beeindruckend ist auch, dass Foer die verschiedenen Teile glaubwürdig macht, in dem die Stile sich unterscheiden. Bei den Berichten aus der Vergangenheit ist der Stil sehr überlegt, bildhaft und mit zumeist schönen Worten und komplexen Gedankengängen. In den Abschnitten aus Alex‘ Sicht muss sich der Leser jedoch mit Grammatik- und Ausdrucksfehlern abfinden, doch auch diese Teile können sehr nachdenklich sein. In seinem Stil hält Foer den Charakter eines jeden Erzählers fest.

    Ein negativer Aspekt dieser Verschachtelung sind jedoch eindeutig die Briefe – denn da setzt sich Alex mit Foers Romanteilen auseinander. Ich hätte das lieber ganz auf meine Art und Weise interpretiert, ohne Gedankenstützen des Autors – denn so hatte ich das Gefühl, er würde den Leser auf eine Art bevormunden und ihn in eine bestimmte Richtung lenken wollen. Glücklicherweise passierte das jedoch nur stellenweise, sodass ich die restlichen Teile des Romans genießen konnte.


    Fazit
    „Alles ist erleuchtet“ verbindet viele Thematiken, sowie Aufarbeitung des Holocausts in einem Wirbelwind von Roman. Auch wenn die Geschichte mit sehr viel Witz glänzen kann, sollte man sich davon nicht fehlleiten lassen – denn ein einfacher Roman ist „Alles ist erleuchtet“ keinesfalls. Er regt zum Nachdenken an und ist deshalb eher an Leser zu empfehlen, die aus Büchern etwas mitnehmen möchten und sich dabei auf skurrile Inhalte und Erzählweisen einlassen können.

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    Re: Jonathan Safran Foer - Alles ist erleuchtet

    Beitrag von Ash Lynne am Sa 05 Mai 2012, 22:21

    Hey :)

    Klingt ja echt mal nach etwas anderem.
    Ich hab von dem Auto bisher noch nichts gelesen, auch wenn ich tatsächlich schon öfters an seinem Namen hängen geblieben bin.
    Mir gefällt auch das Cover, das hat auf jeden Fall was.

    Klingt auf jeden Fall wirklich humorvoll und auch nach der Thematik, die ich ab und zu auch gern mal lese.
    Werde das Buch und den Autor mal im Hinterkopf behalten, vielleicht stolpere ich ja zwischendurch wieder über ihn. Mr. Green

    Liebe Grüße,
    Chrissi

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    Re: Jonathan Safran Foer - Alles ist erleuchtet

    Beitrag von Jojo am So 06 Mai 2012, 11:34

    Hey Hannah,

    Vielen Dank für deine ausführliche Meinung.
    Und das Buch schient dir ja am Ende doch noch ganz gut gefallen zu haben. Das freut mich :)

    Ich habe es auch noch im Regal stehen - auf Englisch - und bin schon gespannt, wie es ist. Wann ich es lesen werde, weiß ich aber noch nicht. Ich werde wohl doch erst demnächst was Spannendes lesen, wenn ich meine anderen Bücher alle abgearbeitet habe.

    Aber wenn ich's gelesen habe, lasse ich hier meine Meinung da.

    Liebe Grüße
    Jojo

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    Re: Jonathan Safran Foer - Alles ist erleuchtet

    Beitrag von Amira am Sa 19 Mai 2012, 20:59

    Hallo Hannah!

    Vielen Dank für deine ausführliche und begründete Meinung!

    Ich habe ja das Buch bereits bei mit zu Hause bzw. im Bücherregal meiner Eltern stehen und bin selbst schon ungemein gespannt! Den beiden Büchern "Extrem laut und unglaublich nah" sowie "Tiere essen" ist es bereits gelungen, mich vollends zu überzeugen und so wird es wohl auch nicht mehr lange dauern, bis ich "Alles ist erleuchtet" zur Hand nehme ...
    Dieses "Verwirrtheit" kommt mir bekannt vor; war dem nicht auch so in "Extrem laut und unglaublich nah"? - Stellenweise war ich da vor allem durch die anfangs nicht näher betitelten Perspektiven etwas verwirrt, aber wenn sich das nicht durch das ganze Buch zieht ... (:

    Liebe Grüße,
    Naomi


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    Re: Jonathan Safran Foer - Alles ist erleuchtet

    Beitrag von captaincow am Sa 19 Mai 2012, 23:09

    Salut (:


    @ Ash: Etwas "anderes" ist dieses Buch auf jeden Fall. Man muss schon in der Stimmung dazu sein, aber sollte das der Fall sein, dann ist das Buch wirklich gut (:
    Ich wünsch dir schon mal viel Spaß beim Lesen und bin natürlich auf deine Meinung gespannt.


    @ Jojo: Aw, auf Englisch! Dann mal viel Spaß. Mich würde besonders interessieren, ob das Englisch schwer ist, sobald du es gelesen hast. Auf Deutsch wirkte die Sprache für mich nämlich doch recht wortreich, zumindest in den aus Foers Perspektive erzählten Abschnitten. Ebenfalls bin ich mal gespannt, wie die nicht ganz korrekte Sprache von Alex so wirkt.
    Wie du siehst, bin ich also sehr neugierig auf deine Meinung (: Viel Spaß beim Lesen!


    @ Naomi: Na ja, die Perspektiven werden irgendwann auch sehr schlüssig und man braucht da gar keine großen Kennzeichnungen mehr. Mir ist irgendwann aufgefallen, dass die Kapiteltitel anders designed sind, je nach Erzähler, und die Schriftgröße sich verändert. Das war sehr lustig, weil man dadurch dann auch einen Durchblick erlangt. Aber es ist eben nicht ganz so offensichtlich - was ja auch gut ist, weil man dann ein wenig überlegen muss Razz
    Ich kann mir aber vorstellen, dass dir das Buch gut gefallen wird. Einen Vergleich kann ich nicht ziehen, da die anderen Bücher von Foer noch irgendwann gelesen werden müssen, aber insgesamt kann dieses Buch hier doch überzeugen
    Viel Spaß beim Lesen und ich bin natürlich sehr gespannt auf deine Meinung!


    Liebe Grüße
    Hannah

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    Re: Jonathan Safran Foer - Alles ist erleuchtet

    Beitrag von Pooly am Mi 03 Jul 2013, 00:20

    Hallo Naomi,

    danke für diese sehr ausführliche und interessante Rezension. Ich habe auf das Buch und den Autoren generell schon sehr lange ein Auge geworfen und inzwischen steht das Buch sehr weit oben auf meiner Wunschliste, weil dies zurzeit die Art von Literatur ist, für die ich mich interessiere. Deine sehr positive Meinung zu diesem Thema - trotz des kleinen Abzugs - machen es für mich nun natürlich noch reizvoller, dieses Buch so schnell wie möglich zu kaufen. Ich hoffe sehr, dass ich bald dazu komme. Wenn ich es lesen sollte, werde ich natürlich meine Meinung dazu auch hier hinterlassen.

    Viele liebe Grüße,
    Marie


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