Pooly's Kunst und Schreibforum

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    Julianna Baggott - Memento. Die Überlebenden

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    Julianna Baggott - Memento. Die Überlebenden

    Beitrag von captaincow am Di 10 Apr 2012, 21:19




















    Festeinband | 461 Seiten
    Erstmals erschienen im März 2012
    bei Bastei Lübbe
    ISBN: 978-3-8339-0113-3
    Preis: 16,99 €
    LESEPROBE




    »Wir wissen, dass ihr hier seid, Brüder und Schwestern.
    Eines Tages werden wir aus dem Kapitol treten, um uns in Frieden
    mit euch zu vereinen.
    Bis dahin jedoch beobachten wir euch aus der Ferne,
    voller Gnade.«



    Inhalt


    Eine amerikanische Stadt, neun Jahre, nachdem die Bomben fielen. Majestätisch thront die Kuppel des Kapitols über den Trümmern – in ihr leben die Reinen, die Makellosen. Sie wurden auserwählt, eine neue, bessere Menschheit zu begründen. Unten in der Stadt kämpfen alle Übrigen ums Überleben.
    Auch die 16-jährige Pressia hat es schwer, sich und ihren Großvater durchzubringen. Und dann soll sie auch noch eingezogen werden, um für das grausame Militärregime zu arbeiten, das Angst und Schrecken in der Stadt verbreitet. Als sie den Verschwörungstheoretiker Bradwell kennenlernt, scheint das zunächst ihre Rettung zu sein. Er kennt den Untergrund und hilft ihr, unterzutauchen. Doch dann wird sie erwischt ...




    »[...] Da sitzt ihr Großvater, zurückgelehnt in seinen Sessel gleich neben
    der Hintertür. Der Ventilator in seiner Kehle surrt leise vor sich hin
    - die Plastikflügel drehen sich in die eine Richtung, wenn er einatmet,
    und in die andere, wenn er ausatmet. Sie ist so sehr an den Ventilator
    gewöhnt, dass sie ihn manchmal monatelang überhaupt nicht bewusst
    wahrnimmt, bis zu einem Augenblick wie diesem, wenn sie sich unversehens
    losgelöst fühlt von ihrem Leben und alles überraschend ist.«



    Meinung


    Katniss, Peeta & Co. – aufgepasst! Hier kommt endlich mal wieder ernstzunehmende Konkurrenz, die sich neben euch blicken lassen und es mit euch aufnehmen kann!

    Aber gehen wir zurück zum Anfang. Meine Erwartungen hielten sich – gelinde gesagt – in Grenzen, als ich „Memento. Die Überlebenden“ aufschlug. Schließlich waren die zuletzt gelesenen Dystopien mehr schlecht als recht: nichtssagende Liebesgeschichten verpackt in ein bisschen Wischiwaschi aus der Zukunft; Geschichten, die sich irgendwo auf der Mitte des Buchs in ganz viel Pathos verlieren oder einfach aus unglaubwürdigen Charakteren bestehen. Dementsprechend hatten meine Hoffnungen was „Memento“ anbetrifft eine fallende Tendenz, wenngleich ich einige vielversprechende Rezensionen dazu gelesen hatte.

    Jetzt bleibt mir aber nichts anderes übrig als zu sagen, wie froh ich bin, dass ich mich auf das Buch eingelassen habe. Denn „Memento“ reiht sich nicht in die schiere Masse von durchschnittlichen Dystopien ein, sondern lässt diese weit hinter sich zurück! Es beginnt alles mit einem ziemlich verwirrenden Prolog, der so kryptisch ist, dass man gleich weiterblättern muss. Mit einer der Hauptfiguren, Pressia, taucht man zunächst in die Zukunft ein und lernt eine Welt voller Schmerz, verlorener Hoffnungen und Hässlichkeiten kennen. Auch wenn die Gegend und die Menschen ziemlich trostlos beschrieben werden, konnte ich nicht anders, als eine Faszination für Pressias Umfeld zu entwickeln. Denn es ist so detailliert ausgearbeitet, so glaubwürdig überlegt, dass es mir beinahe wirklich vorkam. Auch die Details, die man durch die Augen der anderen Hauptfiguren kennen lernt, wirken stets realistisch und weitestgehend lückenlos. Als besonders positiv empfand ich jedoch die politischen Hintergründe, die in „Memento“ eine Rolle spielen. Julianna Baggott hat hier nicht lediglich eine Abenteuergeschichte kreiert, sondern sich auch Gedanken zu den Ursachen der Katastrophe, deren Vorboten und den Konsequenzen gemacht. Allerdings nicht nur auf einer oberflächlichen Ebene. Statt sich mit einfachen Erklärungen zu begnügen, hat sie eine komplexe, manchmal vielleicht nicht ganz einfach zu durchschauende Welt aufgebaut. Schreckliches spielt darin eine große Rolle, sodass ich mich immer wieder dabei ertappte, wie ich das Buch selbst an spannendsten Stellen weglegen und alles verbildlichen und verdauen musste.

    Aber neben den Intrigen, die gesponnen wurden und werden, spielt sich auch eine atemberaubende Geschichte in dieser furchtbar realistischen Welt ab. Für mich war es schwer zu durchschauen, in welche Richtung sich der Plot entwickeln würde, was auch daran liegen kann, dass man zunächst ziemlich viele lose Fäden in der Hand hält. Die Vielzahl an wichtigen Charakteren ist erstmal ungewöhnlich für eine Dystopie, die man zumeist nur aus einer oder maximal zwei Perspektiven geschildert bekommt. Doch hier wird mehreren Charakteren eine Stimme verliehen, sodass man als Leser Beweggründe und selbst gegensätzliche Motivationen gut nachvollziehen kann. Anfangs hatte ich noch Befürchtungen, die Perspektivwechsel könnten durcheinander gestaltet sein oder in einem schier undurchschaubaren Durcheinander enden, doch dem ist nicht so. Obwohl ich die meiste Zeit über aufgeschmissen war und wenige Ideen zum Fortkommen der Geschichte hatte, fügt sich irgendwann alles auf erstaunliche Weise.

    Auch der Schreibstil bereitete mir auf den ersten Seiten noch Sorge. Im Präsens lese ich zwar mittlerweile sehr gerne, doch das eigentlich nur in der Ich-Perspektive. Julianna Baggott hat jedoch die Perspektive des personalen Erzählers gewählt und daran musste ich mich erst einmal gewöhnen. Doch schon nach ein paar Seiten war selbst das kein Problem mehr und ich konnte vollständig in der Geschichte versinken. Nicht einmal über den recht knappen Stil kann ich mich beklagen, denn er rückt die Charaktere und Geschichte in den Vordergrund. Zudem hält er immer wieder interessante Formulierungen und Beschreibungen bereit. Er ist auf die Außenwelt sowie auf das Innenleben der Charaktere konzentriert, sodass auch die Gefühle nicht zu kurz kommen. Ganz im Gegenteil: Neben der abenteuerreichen Handlung ist „Memento“ auch so etwas wie ein Bildungsroman, denn seine Hauptcharaktere müssen sich in vielerlei Hinsicht anpassen und Dinge akzeptieren. Positiv dabei fand ich aber auf jeden Fall, dass in diesem Roman keine Liebesgeschichte im Vordergrund steht.

    „Memento“ ist eine Geschichte, die alle möglichen Arten von Liebe, Hass und Freundschaft beschreibt und konnte mich deshalb ganz besonders berühren.



    »Sie nimmt einen der Schmetterlinge und
    zieht ihn auf. Die Flügel erzittern, wirbeln ein
    wenig Asche auf. Die wirbelnde Asche - sie ist
    nicht nur schlimm. Sie können sehr schön sein,
    die kleinen Wirbel. Sie will die Schönheit nicht
    sehen, aber es passiert einfach. Sie findet überall
    kleine Momente der Schönheit - selbst im Abscheulichen.«



    Fazit


    „Memento. Die Überlebenden“ ist eine Dystopie, die es nicht verdient hat, in Bücherregalen zu verstauben. Selbst ich, die ich mittlerweile etwas übersättigt von dem Genre bin, zeige mich noch immer fasziniert von der Geschichte, die Julianna Baggott geschaffen hat. Nicht nur glaubwürdige Charaktere und ein spannender Handlungsverlauf machen „Memento“ zu etwas ganz besonderem, sondern auch der detailreiche Aufbau der Zukunftswelt.

    Von mir bekommt das Buch ganz klar eine (fast) uneingeschränkte Leseempfehlung. Lediglich Leute, die nicht gern über Schlechtes lesen oder sehr zimperlich bei Gewaltbeschreibungen sind, sollten die Finger von dem Buch lassen.

    4.5 von 5 Sternen



    Zitate von Julianna Baggott aus "Memento. Die Überlebenden"
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    Re: Julianna Baggott - Memento. Die Überlebenden

    Beitrag von Nakyo am So 29 Jul 2012, 03:18

    Hey

    wow, wenn das mal nicht nach einem Roman klingt, der es mir wirklich antun könnte! Wobei du es ja auch gekonnt schaffst, einen mit deiner Begeisterung anzustecken! :)
    Aber allein schon die kleinen, herausgesuchten Textstücke machen ja Lust, sich das Buch zu kaufen und selbst reinzuschauen. Mal schauen, ob ich das schon sehr bald machen werde! Auf jedenfall vielen, vielen Dank für das Vorstellen! :)

    LG
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    Re: Julianna Baggott - Memento. Die Überlebenden

    Beitrag von Tan am Fr 31 Aug 2012, 19:25

    Hey!
    Ich hab mir das Buch nun bei rebuy gekauft (ist ja auch egal wo - hautpsache ich habe es ^^) und werde es bald lesen (: Vorher msus ich paar andere beenden, aber ich bin guter Dinge dass ich es verschlingen werde!!! (:
    wenn ich es fertig hab, werde auch ich hier meine Meinung offenbaren Wink
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    Re: Julianna Baggott - Memento. Die Überlebenden

    Beitrag von Tan am Di 30 Okt 2012, 16:16

    Hallo Leute,
    sorry für den Doppelpost.

    Ich habe Memento nun schon vor ein paar Wochen fertig gelesen.
    Meine Meinung dazu: Es ist ein wirklich außergewöhnliches Buch, aber ich kann nicht wirklich sagen ob es mir gefällt oder nicht. Der Stil der Autorin ist an manchen Stellen doch sehr einfach, und das hat mich irgendwie gestört. Manchmal kam dadurch die Verbundenheit der Autorin mit ihren Charakteren (die doch eigentlich da sein sollte, oder nicht) gar nicht herüber, nicht einmal bei den Hauptprotagonisten.
    Die Ideen die sie in ihrem Buch verwirklicht hat fand ich jedoch gelungen, und teilweise ungewöhnlich. Die Beschreibungen waren auch gut und man konnte sich die Welt dementsprechend gut vorstellen.
    Aber ich weiß nicht, einiges hat mich einfach an diesem Buch gestört, das ich gar nicht genau definieren kann. Ich musste zwar manchmal weiterlesen, aber an etlichen Stellen verlor ich auch mal den Faden und wie schon gesagt, der Stil hat mich schon sehr gestört.

    Entgegen meiner Erwartungen fiel das Buch eher dürftig aus ... aber das ist ja immer Geschmackssache Wink Es gibt hier ja auch viele denen es wirklich gut gefallen hat, und die, die es wirklich unbedingt lesen möchten, sollten sich eine eigene Meinung bilden Wink

    LG Tan
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    Re: Julianna Baggott - Memento. Die Überlebenden

    Beitrag von Pooly am Sa 27 Jul 2013, 14:39

    Huhu Hannah,

    ich hatte lange Zeit einen Bogen um Dystopien gemacht, weil ich von dem Genre bisher denselben Eindruck gewonnen habe, wie du: Meist einfache Tennie-Liebesgeschichten nach dem üblichen "Einer ist von den Guten/Armen/Rebellen, der andere von den Bösen/Reichen/Machthabern", verpackt in einer meist nicht sehr glaubwürdigen Zukunftswelt. Dabei liebe ich dieses Genre eigentlich wirklich sehr. Dass du dieses Buch als so gut befunden hast, kommt mir ehrlich gesagt auch sehr recht. Ich habe vor einiger Zeit einen großen Haufen Bücher von einer Freundin geschenkt bekommen. Sie ist umgezogen und hat nur ihre Lieblinge mit in ihre neue Wohnung genommen. Einige der Bücher - unter anderem auch dieses hier - waren sogar noch ungelesen. Es staubt nun tatsächlich schon eine ganze Weile in meinem Regal voll, deine fast durchweg positive Meinung dazu macht mich aber schon sehr neugierig.

    Es ist zwar nicht abzusehen, dass ich es in nächster Zeit lesen werde, deine Rezension hierzu hat mir aber auf jeden Fall gezeigt, dass es sich durchaus lohnen könnte, mal reinzuschnuppern, wenn ich wieder Lust auf das Genre verspüre. Deswegen vielen Dank für diese Vorstellung.

    Liebe Grüße,
    Marie


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    UND DUNKELHEIT EIN WARMER HOFFNUNGSSCHIMMER.
    Die ganze verdammte Nacht lebt in meinem Kopf.«

     

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    Re: Julianna Baggott - Memento. Die Überlebenden

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