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    Steve Tesich: Ein letzter Sommer

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    Baltimore
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    Steve Tesich: Ein letzter Sommer

    Beitrag von Baltimore am Mi 14 März 2012, 20:16

    STEVE TESICH
    Ein letzter Sommer




    KURZBESCHREIBUNG:
    Ein letzter Kleinstadt-Sommer kurz vor dem Erwachsenwerden: Daniel Price ist siebzehn und hat gerade die Highschool abgeschlossen. Er lenkt sich mit Ringkämpfen ab von der Verbitterung seines krebskranken Vaters und der bröckelnden Ehe der Eltern. Als Daniel die schöne, unergründliche Rachel kennenlernt, wird die Welt auf einmal schrecklich und wunderbar weit.
    Taschenbuch / Kartoniert: 491 Seiten
    Verlag: List bei Ullstein
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 3548608523

    Bevor ich die pure, essentielle Meinung - die ich mir während des Lesens gebildet habe - vergesse, werde ich diese Rezension gleich von der Leber weg schreiben. Dabei bin ich noch etwas durcheinander und mitgenommen, wenn ich ehrlich sein soll, von dem Werk. Ich könnte nicht sagen, ob ich das Buch gut finde oder nicht; ich könnte nicht sagen, dass es schlecht ist ... aber favorisieren möchte ich es auch nicht.
    In 'Ein letzter Sommer' fand ich in den letzten Tagen eine spannende Entwicklungsgeschichte, vielseitige Charaktere und einen guten, ausgeglichenen Schreibstil, der mit schönen Seiten zu überzeugen vermochte. Die Geschichte handelt von Daniel, der die High-School abschließt und über den Sommer über herauszufinden versucht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Dabei bricht er alte Brücken ab, verliert Freunde und findet Liebe. All das Schöne und vor allem auch das Schreckliche begegnet ihm auf seinem Weg, als sein Vater an Krebs erkrankt und er Rachel kennenlernt.
    Das ganze beginnt recht harmonisch und doch mit einer Kraft, die einem sofort klar macht, dass es kein einfaches Buch werden wird. Mich hat die Geschichte von Anfang an mitgerissen. Ich habe mit einem unwohlen Gefühl im Bauch Daniels Familie ergründet, ich habe fast 500 Seiten darüber nachgegrübelt, was mit Rachel nicht stimmt ... und ich habe vor allem gelernt, ein wenig Angst vor dem Protagonisten (und dem Autoren) zu haben. So spannend und mitreißend es war, habe ich mich bei dem Text immer mal gegruselt, bin von Theorie zu Theorie gewankt und habe eigentlich auch teilweise richtige Schlüsse gezogen, doch eben jene kamen mir währenddessen einfach zu abstrus vor. Besonders in der zweiten Hälfte des Buches fiel es mir schwer, mit dem Protagonisten mitzuhalten, da er in meinen Augen regelrecht wahnsinnige Schachzüge tätigte - und im ganzen Buch habe ich zwar Rachels Art und Weise ebenfalls als Bezaubernd befunden, doch bin nichtsdestotrotz zu dem Schluss gekommen, dass sie Daniel nicht einmal im entferntesten Sinne gut getan hat. Inwiefern will ich hier gar nicht sagen - es ist einfach ein Gesamtbild, das sich schließt, eine Meinung, die zu einem finalen Resultat kommt. Ich bin regelrecht mit ihm an Rachels Verhalten verzweifelt und habe mir Gedanken über all das gemacht, ohne eine sinnvolle Lösung für all das zu erhalten.
    Ich liebe und hasse dieses Buch. Einerseits hat es mich Tag und Nacht beschäftigt, weil ich mit Daniel durch Chicago gestreift bin, andererseits erschrickt mich noch immer die unverblümte, direkte Art mit der Steve Tesich als Autor seinen Protagonisten gedanklich ausgestattet hat. In nur wenigen Worten habe ich mich selbst wiedergefunden und manchmal war es mir zu heftig, doch gleichzeitig bewundere ich die Art, mit der der Autor seine Geschichten erzählt und keinen Blatt vor den Mund nimmt und ich doch nicht an seiner Glaubwürdigkeit zweifle - etwas, womit ich bei manch anderem Buch schon zu kämpfen hatte.
    Das Ende ist mir einerseits lieb, andererseits ein Gräuel, was auch wieder an der Denkweise des Protagonisten liegt, an dessen Stelle ich mir wahrscheinlich noch eine wesentlich drastischere Meinung gebildet hätte und in vielen Konfliktsituationen zum Ende hin anders reagiert hätte. Ja, doch, ein tolles Buch, sehr direkt, wahnsinnig spannend und wunderbar geschrieben ebenso wie in sich geschlossen und schockierend harmonisch zum Schluss hin.


    Zuletzt von Baltimore am Mi 14 März 2012, 21:31 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

    captaincow
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    Re: Steve Tesich: Ein letzter Sommer

    Beitrag von captaincow am Mi 14 März 2012, 21:08

    Hey Juls,

    herzlichen Dank für deine Rezension hier. Wirklich eine schöne Rezension, die dem Buch sehr gerecht wird.
    Ich habe es vor ein paar Jahren gelesen und, wenn ich mich recht entsinne, das Buch ebenso gesehen wie du. Obwohl es mir schlussendlich ziemlich sicher sehr gut gefallen hat, einfach weil die Zweifel und Gefühle in diesem Buch so greifbar waren und mir so realistisch erschienen. Aber ja, einfach ist es auch nicht.

    Liebe Grüße
    Hannah

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    Re: Steve Tesich: Ein letzter Sommer

    Beitrag von Pooly am So 22 Apr 2012, 23:22

    Hallo Juls,

    danke für deine schöne Rezension. Ich muss gestehen, dass ich von diesem Buch bisher noch nichts gehört hatte, aber es klingt wirklich sehr interessant. Da ich in letzter Zeit sowieso in alle Genres hereinschaue und viele verschiedene Dinge lesen möchte, klingt das hier sogar nach einem potenziellen Bewerber für meine Wunschliste. Deine Meinung klingt zwar nicht durchweg positiv, aber doch irgendwie berührt und beeindruckt, deswegen werde ich mich mal näher zu diesem Buch informieren.
    Danke dafür :)

    Liebe Grüße,
    Marie


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    Re: Steve Tesich: Ein letzter Sommer

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