Pooly's Kunst und Schreibforum

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    Jan Costin Wagner - Das Licht in einem dunklen Haus [Kimmo Joentaa #4]

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    Jan Costin Wagner - Das Licht in einem dunklen Haus [Kimmo Joentaa #4]

    Beitrag von Pooly am Sa 25 Feb 2012, 00:11

    JAN COSTIN WAGNER
    - DAS LICHT IN EINEM DUNKLEN HAUS


    Kimmo Joentaa lebte mit einer Frau ohne Namen in einem Herbst ohne Regen. Das Hoch wurde auf Magdalena getauft. Die Frau ließ sich Larissa nennen.
    Sie kam und ging. Er wusste nicht, woher und wohin.


    352 Seiten - Gebunden
    Verlag: Galiani
    Erschienen: 21. Juli 2011
    ISBN-10: 3869710160
    ISBN-13: 978-3869710167
    Preis: 19,99
    - bei amazon bestellen -

    I N H A L T

    Der Mord an einer ohnehin todgeweihten Frau stellt die Polizei im finnischen Turku gleich vor mehrere Rätsel: Wer dringt in ein Krankenhaus ein, um eine Komapatientin zu töten? Und was ist das für ein Mörder, der auf dem Bettlaken des Opfers eine einzige Spur hinterlässt – eine Substanz, die die Kriminaltechnik nach kurzem Zweifel als Tränenflüssigkeit identifiziert.
    Eigentlich müsste Kimmo Joentaas ganze Aufmerksamkeit dem Versuch gelten, die ungewöhnliche Tat aufzuklären – aber der junge Ermittler hat gerade eine andere, für ihn viel existentiellere Sorge: Larissa, die Frau, die unvermutet wieder Licht in sein von Trauer verschattetes Leben brachte, ist spurlos verschwunden.
    Während der rätselhaft souveräne Täter in verschiedenen Städten weitere Opfer findet, führt Kimmo Joentaa die beharrliche Suche schließlich in ein kleines Dorf in der tiefsten finnischen Provinz – und mitten hinein in die Dunkelheit eines lange vergangenen Sommers.


    A U T O R
    Jan Costin Wagner, Jahrgang 1972, lebt als freier Schriftsteller und Musiker bei Frankfurt am Main und in Finnland, seiner zweiten Heimat. Unlängst erschien seine erste Songwriter-CD. Seine Romane wurden vielfach ausgezeichnet und in 14 Sprachen übersetzt.

    "Das Schweigen in einem dunklen Haus" ist der vierte Roman in der Reihe um den Ermittler Kimmo Joentaa, man kann ihn aber auch sehr gut verstehen, ohne die vorherigen Bände zu kennen. Die Titel der ersten Bände lauten "Eismond", "Das Schweigen" und "Im Winter der Löwen".



    L E S E P R O B E
    18. AUGUST 1985

    Es ist etwas passiert. Ich muss es aufschreiben. Alles aufschreiben, um mich später daran erinnern zu können. Alles genau beschreiben, damit sich im Kopf ein Bild entwickeln kann. Hat Lauri gesagt.
    Also. Sie weint nicht. Und sie lacht nicht. Sie sitzt nur da. Ich sitze auf dem Stuhl neben ihr, und in meinem Kopf ist so ein Summen. Wie von Bienen oder Fliegen oder so. Liebes Tagebuch. Wir sitzen nebeneinander. Vor dem Klavier.
    Sie sieht ganz konzentriert die Tasten an. Und dann schlägt sie eine Taste an, und es klingt hell. Und es ist warm. Wir schwitzen beide. Ihr Kleid ist noch so ganz verknäult. Irgendwie durcheinander und faltig.
    Es ist das blau-weiße Kleid, von dem ich Lauri erzählt habe. So ein leichtes Sommerkleid, und darunter kann man die Form ihrer Brüste ziemlich genau sehen oder ahnen vielleicht eher. Es ist ganz faltig und hochgerutscht, und ich sehe fast die Stelle, an der ihr Po beginnt. Der Ton klingt hell und ist etwas lauter als das Summen, und das Summen ist ja auch nicht wirklich da, es ist nur in meinem Kopf.
    Das Fenster ist geöffnet. Wind weht rein, aber warm. Lachen und Planschen vom See. Das sind sicher die Kinder aus dem Nachbarhaus.
    Draußen ist es ganz heiß, ich habe ziemlich geschwitzt, als ich mit dem Fahrrad zu ihr rausgeradelt bin.
    Und dann sitzen wir schwitzend nebeneinander, nachdem das alles passiert ist. Aber sie zittert auch. Ihr ist sicher nicht kalt, weil sie ja schwitzt und irgendwie außer Atem ist, aber sie zittert ja auch, und schlägt wieder eine Taste an. Etwas höher als vorher, also noch heller. Es klingt irgendwie hell und leise. Also beides gleichzeitig.
    Wie so ein geflüsterter Schrei.




    M E I N U N G

    Ich lese nicht sehr oft Krimis, das muss ich sagen, bevor ich meine Meinung zu diesem Buch hier darlege. Zumindest habe ich in letzter Zeit wenige gelesen, früher mehr, aber diese "Phase" war irgendwann vorbei. Aber dieses Buch interessierte mich auf den ersten Blick, der Klappentext klang interessant und anders. Ohne zu wissen, dass der Roman der vierte Teil einer Reihe war, habe ich ihn mir zugelegt - erst später herausgefunden, dass es noch Bände vorher gibt, aber auch ohne sie gelesen zu haben, ist dieses Werk in sich geschlossen und stimmig. Ich denke, ich kann schon zu Anfang sagen, dass mir dieses Buch wieder richtig Lust auf das Genre gemacht hat. Und dass ich vorhabe, mir die ersten drei Teile gleich bei meinem nächsten Einkauf zuzulegen.

    Aber der Reihe nach. Schon bei auf den ersten Seiten fiel mir auf: Dieses Buch ist außergewöhnlich. Anders. Knapp. Wenn ich ein Wort suchen müsste, um den Stil des Autoren zu beschreiben, dann würde ich "knapp" wählen, ich habe bisher kein Buch mit einem ähnlichen Stil gelesen - und ich muss gestehen, dass ich mir anfangs nicht sicher war, ob ich das gut finden sollte. Wenn ich das Buch nun aber nach dem Lesen beschreiben müsste, würde ich an "Knapp" noch "Genial" und "Poetisch" fügen. Und nachdenklich. Ruhig. Stimmig. Leise. Und fesselnd.

    Ich habe "Das Licht in einem dunklen Haus" innerhalb von 3 Tagen durchgelesen. Wer jedoch einen spannungsgeladenen Thriller mit wilden Verfolgungsjagden erwartet, ist hier an der falschen Adresse. Viel mehr ist es gekennzeichnet durch eine tiefe Traurigkeit, einen kühlen Zustand der Nachdenklichkeit. Manchmal wirre Dialoge, die so nah am Leben sind, so seltsam verzerrt und echt, dass es sich surreal angefühlt hat, sie in dieser Form zu lesen. In positiver Art und Weise.

    Es gab einen Vorfall. Einen Vorfall, der schon so lange zurück liegt, dass er schon fast vollkommen aus der Erinnerung des Ortes gewichen zu sein scheint - und doch alle Betroffenen und jene, die davon gehört haben, in Ohnmacht versetzt, der in all seiner bedrückenden Schrecklichkeit noch immer über den Seelen derer hängt, die mit ihm zu tun hatten. Hier spielt weniger die Jagd nach dem Mörder eine Rolle, als die Seele des Menschen, die Verletzlichkeit, die so lange andauern kann, dass man selbst Jahre später noch an Erinnerungen zerbrechen kann.

    Ein Mörder, der intelligenter und sympathischer ist als seine skrupellosen Opfer. Und Kimmo Joentaa: ein Ermittler, der das einzige "Licht" in seinem Leben - seine Freundin Larissa - verloren zu haben scheint und nicht weiß, wo ihm der Kopf deswegen steht. Wie in Trance durchlebt er immer wieder Erinnerungen an seine eigene Vergangenheit, den Tod seiner geliebten Frau Sanna, an den ihn so vieles immer wieder erinnert und die zerrenden Sorgen um Larissa, die ihm keine Ruhe lassen.
    Schritt für Schritt kommen er und seine Kollegen dabei nur den geheimnisvollen Morden auf die Spur, entdecken aufgrund eigenartigster Hinweise die richtigen Spuren, die alle an einem Tag im Sommer 1985 zusammenlaufen. Durchsetzt ist die Ermittlung, die aus verschiedenen Sichten erzählt wird, dabei immer wieder durch verschiedene Tagebucheinträge des Mörders, die zwischen dem Jetzt und dem Sommer von vor 25 Jahren wechseln. Eine berührende und traurige Geschichte - und bald muss man sich fragen: Wer ist der eigentliche Böse in dieser Geschichte? Denn eines steht fest: Erkennt man das Motiv des Mörders und auch die weiteren Opfer sehr viel schneller als die Ermittler, fiebert man - zumindest bei mir war es so - nicht mit den Polizisten, sondern mit dem Mörder mit, dessen Motiv man - verrückterweise - einfach so gut verstehen kann.

    Und als sich die Spannung am Ende steigert und alle Spuren immer weiter führen, sich die Fäden verstricken und zu einem Punkt führen kommt der Wendepunkt der Geschichte - so überraschend, war man sich doch die ganze Zeit über sicher, alles genau zu wissen. Ein Ende mit dem ich nie gerechnet hätte und das ich gleichzeitig so erschreckend und berührend fand.

    Ein wundervolles, bedrückendes, berührendes und vor allem außergewöhnliches Buch über Liebe, Gewalt, Rache und die Suche nach einem Weg zurück ins Leben. Interessante und liebenswerte Charaktere, die man gern begleitet, mit ihnen forscht und leidet. "Das Licht in einem dunklen Haus" bekommt von mir

    5 von 5 Sternen Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven

    Ich tue mich immer schwer, 5 Sterne zu vergeben, aber dieses Buch hat sie mehr als verdient. Trotz anfänglicher Zweifel habe ich den Schreibstil zu lieben gelernt und ich bin restlos überzeugt. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der offen für einen etwas ruhigeren Kriminalroman ist - versetzt mit viel Menschlichkeit.


    An dieser Stelle bedanke ich mich auch vielmals beim Galiani Verlag,
    der mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


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    Re: Jan Costin Wagner - Das Licht in einem dunklen Haus [Kimmo Joentaa #4]

    Beitrag von Miyann am Sa 25 Feb 2012, 07:35

    Huhu Marie,

    du bist ja eine schnelle Rezensionsschreiberin. Ich tue mich damit immer so schwer - und dann auch noch so eine scöne Rezension. Also gut geschrieben. (:

    Das Buch klingt wirklich sehr interessant und ich finde es gerade schön. dass es nicht reißerisch ist - meine Krimiphase liegt nämlich auch hinter mir (die Bücher stehen alle ganz unten im egal ...) und mittlerweile habe ich eine Abneigung gegen zu schnelle, "krasse" Krimis entwickelt. Oder was heißt Abneigung ... ich bevorzuge eben andere Bücher.

    Dieses Buch hier klingt aber nach einem guten Weg, sich dem Genre wieder zu nähern. Das ruhige, nachdenkliche klingt ja fast nach einem skandinavischen Kriminalfall, umso überraschender, dass es ein deutscher Autor ist, der dieses Buch geschrieben hat. Und das macht mich noch neugieriger.

    Vielen Dank für die Vorstellung. Ich werde auf jeden Fall die Augen nach diesem Buch offen halten, wenn ich das nächste Mal Bücher shoppen gehe. (:

    Liebe Grüße
    Marit
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    Re: Jan Costin Wagner - Das Licht in einem dunklen Haus [Kimmo Joentaa #4]

    Beitrag von Pooly am Sa 25 Feb 2012, 10:29

    Hallo Marit,

    ja, ich schreibe die Rezension meist direkt nach dem Lesen, wenn die Eindrücke noch frisch sind und ich noch alles im Kopf habe. Ich mache es inzwischen auch so, dass ich mir während des Lesens - wenn ich denn etwas da habe - direkt aufschreibe, was mir so auffällt, das macht es am Ende dann leichter, alles noch mal zusammen zu bringen. Wäre eigentlich mal ein interessantes Thema, das Rezensionen schreiben. Hm (:

    Freut mich auf jeden Fall, dass dir die Vorstellung gefallen hat und dass dich das Buch interessiert. Ich bin zurzeit eher auch weniger interessiert an solchen "reißerischen" Krimis, wie du schon gesagt hattest, ich mochte es, dass sich hier die Ermittlung eben über einen längeren Zeitraum erstreckte. Ich finde, dass es in Krimis generell öfter so ist, dass die Suche nach Informationen so leicht wirkt und teilweise auch so zufällig, wie man dann zu Ergebnissen kommt. Hier hat man gesehen, dass richtig Arbeit dahinter steckte, für die Ermittler, das mochte ich sehr gern. Einige Hinweise wurden viele Male angesehen und wieder weggelegt, bis sie als wichtig erachtet wurden.

    Das Buch spielt generell in Finnland - ich sehe gerade, dass das in der Beschreibung gar nicht auftaucht. Ich habe gelesen, dass die Frau des Autoren dort lebt und er deswegen oft in Finnland ist - eben sozusagen seine zweite Heimat. Deswegen sind seine vier Kriminalromane dieser Reihe dort auch angesiedelt. Die Stimmung war sehr stimmig, sehr kalt und bedrückend. (:

    Wenn dir das Buch mal über den Weg läuft und du es liest, wäre ich auf jeden Fall auf deine Meinung gespannt!


    Liebe Grüße,
    Marie


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    Re: Jan Costin Wagner - Das Licht in einem dunklen Haus [Kimmo Joentaa #4]

    Beitrag von Jojo am Sa 25 Feb 2012, 23:47

    Hey Marie,

    Vielen Dank erstmal für die Rezension.

    Freut mich total, dass dir der Krimi so gut gefallen hat, wobei du so lange keine mehr gelesen hast. Da hast du wohl Glück gehabt, dass du gerade einen guten erwischt hast. Es gibt nämlich auch ziemlich viel ... Müll ^^"

    Aber nun zu dem Buch:
    Du machst mich wirklich sehr neugierig. Allein der Klappentext klingt super und auch der Schreibstil des Autors lockt mich irgendwie. Aber auch die Tatsache, dass es sich hier um einen Krimi und um keinen Thriller handelt. Ich lese so was immer wieder gerne und bin immer wieder auf der Suche nach guten, ruhigen Büchern in diesem Genre.

    Mal sehen, wann ich es lesen werde. Vielleicht würde ich auch erstmal schauen, ob die ersten Teile mir zusagen, um dann mit dem ersten zu beginnen. Mal sehen, was sich ergibt.
    Wenn ich das Buch gelesen habe, schreibe ich hier auf jeden Fall meine Meinung.

    Liebe Grüße
    Jojo
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    Re: Jan Costin Wagner - Das Licht in einem dunklen Haus [Kimmo Joentaa #4]

    Beitrag von Pooly am Sa 25 Feb 2012, 23:56

    Hallo Jojo,

    danke fürs Lesen, es freut mich, dass dich die Rezension neugierig auf das Buch machen konnte! Wie gesagt, hat mich der Stil anfangs schon etwas verwirrt und ich dachte über die ersten Seiten hinweg immer wieder "Hm, ob ich mich damit anfreunden kann?". Aber irgendwann verschmolz es einfach so gut, es passte einfach perfekt und war stimmig. Von daher denke ich, dass es dir vielleicht auch gefallen könnte.

    Ich werde die ersten Teile, wie gesagt, sicherlich auch bald bestellen. Also wenn ich den ersten Part vor dir lesen sollte, dann stelle ich ihn natürlich auch vor und schaue mal, wie er so ist (:

    Viele liebe Grüße,
    Marie


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    Re: Jan Costin Wagner - Das Licht in einem dunklen Haus [Kimmo Joentaa #4]

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