Pooly's Kunst und Schreibforum

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    Drinnen vor der Tür

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    Drinnen vor der Tür

    Beitrag von IamChasingKeanu am Di 06 Dez 2011, 11:03

    Drinnen vor der Tür

    Vertrauen. Ein großes Wort.
    Kann man dem Glauben schenken, was man hört,
    wenn man weiß, wie es endet?


    Alt und verbittert liegt das junge, versteinerte Herz da.
    Ihr sagtet, das Leben wäre schön, hell,
    fröhlich, während ich mit halb geschlossenen Augen
    die Bilder im Fernsehen betrachte.
    Ich war kurz davor einzunicken, als
    es mir jemand ins Ohr flüstert. Alles eine Lüge.
    Eine Lüge? Das kann nicht sein. Schau
    der Prinz bekommt die Prinzessin; Spiderman
    rettet sie alle und auch er findet die Liebe
    seines Lebens. Das soll alles eine Lüge sein?
    Ja, dreh dich doch mal um. Und da sehe
    ich sie, wie sie mich alle mit großen Augen
    anstarren. Vereinzelt zeigen sie mit ihren großen,
    dunklen, bedrohlichen Zeigefingern auf mich, so als
    wollten sie sagen, das ist er.
    Das ist er. Der da, auf der Couch.
    Und wie er denkt, das Fernsehen wäre Realität.
    Auf einmal wird mir alles klar. Ich halte mich am Rahmen
    fest und steige langsam über die wohl größte aller Hürden.
    Erst mit einem Bein, dann rücke ich mit dem anderen hinterher, bis
    ich vor ihnen stehe.
    Ja, seid ihr denn total übergeschnappt? Blickt euch doch mal
    um und seht, wie ihr manipuliert werdet.
    Ihr sollt euch über die Unwissenheit anderer lustig
    machen, dass ihr vergesst, wie unwissend ihr selbst seid.
    Das ist wohl das eigentlich gefährliche. Könnt ihr sie denn nicht sehen?
    Da,
    die anderen!
    Was hast du schon zu sagen, sagt einer und überschlägt
    sich schon, während er ansetzt, vor Lachen, so dass ich ihn kaum verstehen
    kann. Du hast ja auch noch an die Geschichten im Fernseher geglaubt.
    Ich weiß, dass es ein Trugschluss war. Doch wir alle machen Fehler und
    müssen uns früher oder später mit diesen Tatsachen konfrontiert sehen, falsch
    gelegen zu haben. Aber ihr müsst mir glauben. Da, hinter euch!
    Habt ihr sein Gesicht gesehen? Wie dumm er ausgesehen hat?
    Finde ich auch, wie eine Missgeburt!
    Danach verstehe ich nichts mehr. Die einzelnen Worte gehen in einer Welle aus
    Belustigung, Euphorie und Selbstbeweihräucherung unter.
    Der Reihe nach schaue ich sie mir an:
    Der Alkoholabhängige, der seine Frau und seine Kinder schlägt; der Makler, der sein ganzes Geld verspielte; die Gläubige Christin, die in der Kirche meist reumütig in der ersten Reihe saß und zu Hause ihre Familie tyrannisiert; der Politiker, der öffentlich von neuen Verhörmethoden redete und Folter damit meinte; der Massenmörder, welcher sich, nach der letzten erfolgreichen Nacht, zeitgleich mit dem Arbeitslosen, der es sich mit einem Bier auf dem Sofa gemütlich macht, eine Pause gönnt; der Rest der Menge war ohne jegliche Eigenschaften und nahm wie die vorher genannten, an jenem Schauspiel teil.
    Sie wollen in diesem Moment nichts von dem Blut in ihrer Welt wissen, sondern wollen nur andere, fernab von ihnen, bluten sehen.
    Nachdem ich begreife, dass die Sache keinen Zweck hat, ziehe ich mich resigniert zurück und steige Stück für Stück zurück in den Kasten, vom Flutlicht und von Blitzen verfolgt.
    Auf der Couch lasse ich mich nieder, stelle meine Ohren auf Durchzug, nehme die Fernbedienung in die Hand und zappe weiter.
    Ich hatte es von Anfang an gewusst.
    Nach einigen Sekunden schlafe ich ein.


    Zuletzt von Izo am Di 13 Dez 2011, 16:28 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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    Re: Drinnen vor der Tür

    Beitrag von Jojo am So 11 Dez 2011, 01:11

    Hey Micha,

    Ein interessanter, kleiner Gedankensplitter.

    er hat mir gut gefallen. Ich weiß gerade gar nicht recht, was ich schreiben soll, weil ich noch ziemlich beeindruckt bin, von dem, was ich gelesen habe. Ich finde, dass du es sehr gut geschrieben hast. Es war angenehm zu lesen und man konnte irgendwie schön alles vorstellen. Ich fand es trotzdem etwas konfus. das klingt negativ, ist aber nicht so gemeint. Ich finde es toll, dass man nach dem Lesen mit einem etwas merkwürdigen Gefühl dasteht und nicht so recht weiß, was man jetzt davon denken soll und erstmal überlegen muss. Das ist dir sehr gut gelungen.

    Eine Frage habe ich nur noch:
    Hast du die obere Einteilung extra so zerstückelt gemacht oder ist das irgendwie beim Posten einfach so passiert. Denn sonst würde ich gerne wissen, wieso du es so eingeteilt hast.

    Liebe Grüße
    Jojo

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    Re: Drinnen vor der Tür

    Beitrag von IamChasingKeanu am Di 13 Dez 2011, 16:36

    Erstmal Danke für dein Comment.^^

    Es ist absichtlich so, da ich damit dieses unkoordinierte, entrückte in dieser Situation darstellen will,
    weshalb ich auch um dies zu verstärken die Wörtliche Rede nicht kennzeichnete.
    Alles ist der selbe Brei.
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    Re: Drinnen vor der Tür

    Beitrag von Pooly am Fr 03 Feb 2012, 18:25

    Hallo Micha,

    komme ich nun auch endlich dazu, deinen Text zu kommentieren, nachdem ich ihn schon einige Male gelesen hatte, aber nie wirklich die richtigen Worte fand, um etwas dazu zu schreiben. Wieder ein Text, den ich aus hundert anderen erkannt und dir zugeordnet hätte.

    Deine Werke haben die seltsame Eigenschaft, wie Jojo schon sagte, konfus zu sein, aber je öfter man sie liest, umso mehr erschließt man sich den Sinn dahinter, entdeckt immer wieder neue Facetten. Wie zum Beispiel die abgehackte Stückelung des Textes. Anfangs dachte ich "Was soll das denn?", aber spätestens am Ende, wo die Zeilen länger werden, war mir klar, dass es beabsichtigt sein muss. Der Effekt, den du damit erzeugst, hat auf jeden Fall seine Wirkung: Man stauchelt immer wieder, wenn man ins Lesen kommt, man macht Pausen an den falschen Stellen, stoppt und erkennt erst später, dass es weiter geht. Das passt wunderbar zum Inhalt, zur Verwirrung der Hauptperson, zum Wanken ihres Denkens.

    Am Ende werden die Zeilen "normal" lang und das Denken wird klarer. Der Blick auf die Gesellschaft und das Erkennen ihres wahren Charakters. Es ist egal, was man sich selbst zu Schulden hat kommen lassen, wenn man sich dabei noch immer über andere aufregen oder lustig machen kann. Und das kann wohl niemand ändern, jedem, der einen Fehler begeht oder sich nicht in die Allgemeinheit einreiht, wird mit Spott begegnet.
    Und so folgt die unweigerliche Resignation, der Rückzug vor einer Menschheit, die man sowieso nicht ändern kann. Ein bedrückendes Ende. Wer kann es ihm verdenken?

    Liebe Grüße,
    Marie


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    Die ganze verdammte Nacht lebt in meinem Kopf.«

     

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    Re: Drinnen vor der Tür

    Beitrag von IamChasingKeanu am Di 07 Feb 2012, 10:22

    Danke Marie,

    ich persönlich hätte dir vor einigen Monaten absolut recht gegeben, und aus diesem Gefühl entstand das ganze wohl auch.
    Durch die Ausgrenzung anderer, wird man ausgegrenzt und sucht aus Frust Schutz in Einsamkeit und Resignation.
    Aber es gibt sie wirklich. Leute mit denen man sich versteht. Keiner muss Einsam sein. Man muss es öffnen, das Fenster und frische Luft reinlassen und fühlen und atmen. Manchmal braucht es andere die einen retten.
    Manchmal braucht es einen selbst den ersten Schritt zu gehen. Ganz egal was ist, wir müssen uns für einen Weg entscheiden und wissen, dass wir es waren der sich so entschieden hat um mit dem Weg glücklich zu sein. Denn wenn es andere tun, dann ist es vergebens.
    Dann haben wir uns verschenkt.
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    Re: Drinnen vor der Tür

    Beitrag von Pooly am Di 07 Feb 2012, 10:37


    Manchmal braucht es einen selbst den ersten Schritt zu gehen. Ganz egal was ist, wir müssen uns für einen Weg entscheiden und wissen, dass wir es waren der sich so entschieden hat um mit dem Weg glücklich zu sein.

    Das sind sehr wahre Worte, Micha. Am Ende ist Passivität zwar ein guter Weg, sich selbst zu schützen, aber wenn man sich in seiner Wohnung verkriecht, um nicht mit der Außenwelt in Berührung zu kommen, dann sieht man auch nicht, dass es auch gute Menschen gibt, die anders sind als der Rest (:


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    Re: Drinnen vor der Tür

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