Einleitung
Es war nicht die erste Nacht gewesen, in der ich von dem Mädchen träumte. Still lag sie in ihrem Bett, blass und bewegungslos. Es schien, dass jegliches Leben aus ihr geglitten sei, die Brust hob sich nicht und auch das Herz machte ganz den Anschein, als ruhe es. Zumindest konnte ich kein Schlagen vernehmen. Doch da war kalter Schweiß, der ihre Stirn benetzte und ihre Lippen begannen zu bebben, als sie versuchten ein einziges Wort zu formen. Dennoch, so oft ich diesen Traum in den vergangen Wochen geträumt hatte, war ich nicht dazu im Stande hören zu können, was sie sagte. Dabei war ich mir sehr sicher, dass dies nicht nur einfach ein Traum war, sondern etwas, dass die Menschen das zweite Gesicht nennen. In all den Jahrhunderten meines Lebens war es zwar selten gewesen, dass mich dieses sogenannte zweite Gesicht heimsuchte, aber ab und zu kam dies nun doch vor. Dann schien es, als träume ich und doch war da die Gewissheit, dass es viel mehr war. Aber dieses Mal war es anders: Noch nie zuvor hatte ich das zweite Gesicht mit ein und dem selben Bild so oft gehabt. Etwas in mir wusste bereits vom ersten Augenblick an, dass es nicht mein Gesicht war, das mich zu dem Mädchen führte, sondern mich ihres rief. Aber es war mir egal. Aus welchem Grund sie mich auch rief - sie ging mich nichts an. Ich kümmerte mich um meine eigenen Sachen, um nicht mehr und nicht weniger.
In der Nacht, in der ich mit Schmerzen erwachte, welche drohten meinen Kopf zu zereißen, war jedoch ein kleines Detail anders als sonst. Klar und deutlich konnte ich hören, was das Mädchen dort flüsterte und spürte, wie ein kalter Schauder über meinen Rücken lief, obwohl ich nichts mit dem Wort anfangen konnte: "Seelenleuchtturm."
Und genau hier beginnt unsere gemeinsame Geschichte...
Darcen
Ich erwachte von den rasenden Kopfschmerzen, welche mich heimsuchten nachdem ich endlich das Wort verstanden hatte. Sie waren so heftig, dass ich nicht einmal im Stande war zu schreien. Der Schmerz brannte sich von der rechten Seite zur linken hindurch und von da aus in die Augen. Alles um mich herum verschwamm, färbte sich einen Augenblick rot und ich dachte schon, ich wäre am Kopf verwundet worden, da ließ der Schmerz genauso blitartig nach wie er gekommen war. Und ich konnte endlich wieder die Umgebung um mich herum erkennen...

