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    Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

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    Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

    Beitrag von Gast am Fr 29 Jul 2011, 15:52

    Wusste nicht, wohin genau mit diesem Thema oder wie ichs nun genau nennen soll, aber egal, hier ist es:

    Als jemand, der gelegentlich an nem eigenen Fantasy-Setting herumkramt, hat mich eines immer etwas gestört: Bei praktisch allen Fantasyrassen gibt es keinerlei moralische Abstufungen. Sie sind entweder absolut böse (wie die meisten Orks und ihr leicht zu durchschauenden Ersatz aus schlechten Fantasywerken) oder durchgehend gut und viel reiner und besser als Menschen (Elfen). Und selbst wenn es mal - um ein beliebtes Beispiel zu nennen - böse Elfen gibt, so sind diese gleich eine komplette Unterrasse, die sich vor weiß Gott wievielen Jahrtausenden von ihren baumknuddelnden Hippiekameraden losgesagt haben, leicht mutiert sind und nun mit einer Vorliebe für Peitschen und schwarzes Leder geboren werden, damit der einfältige Leser sie ja von den baumknuddelnden Hippies unterscheiden kann.

    Menschen hingegen können alles sein: Gut oder böse. Zudem werden sie nicht in Unterrassen eingeteilt (von denen jeweils 99% alle die gleichen Wertevorstellungen haben), sondern in Länder und Königreiche, jedes mit völlig unterschiedlichen Individuen.

    Um es kurz gefasst: Menschen werden von ihrem Charakter bestimmt, alle anderen von ihrem jeweiligen Präfix (Hoch-, Wald-, Dunkel-...)

    Woran liegt das wohl? Sind wir so wild darauf, die immer gleichen stereotypischen Fantasyrassen zu benutzen? Wollen wir unser Fatnasy-Epos kinderfreundlicher Machen, indem die Helden nur reine "Monster" abschlachten?

    (Für Gegenbeispiele wär ich natürlich auch offen - solange es sich dabei nicht um säbelschwingende Emo-Drows handelt Mr. Green )
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    Re: Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

    Beitrag von Angoraschka am Fr 29 Jul 2011, 15:57

    Hey doresh,

    Eine interessate Feststellung, die ich auch beobachtet habe. Es gibt aber acuh andere Bücher oder Beispiele, bei denen man das nicht so stereotypisch findet. Leider sind sie sehr selten. Ich denke es liegt daran, dass es einfach etabliert und einfach ist, weil diese Wesen jeder kennt und sofort was mit ihnen anfangen kann.
    Außerdem ist so Wesen neu zu erfinden auch anstrengend. Dazu hat vllt nicht jeder Zeit oder findet den Zugang dazu.
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    Re: Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

    Beitrag von Gast am Fr 29 Jul 2011, 17:49

    Vor allem diese Unterrassen-Sache wurmt mich: Kann man nicht einfach unterschiedliche Elfenkönigreiche haben? Muss man gleich über 2 Dutzend verschiedene Permutationen von Elfen haben (wie es etwa diverse Editionen von D&D gemacht haben)? Ich dachte immer, Elfen wären soooo uralt und passen sich nur langsam an Mr. Green !
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    Re: Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

    Beitrag von Angoraschka am Fr 29 Jul 2011, 18:01

    hmmm ja das ist wahr. Aber das erklärt sich eben so aus dem klassischen Wesen von Elfen denke ich. Wenn man z.B. nach Herr der Ringe geht (ok da sind es Elben) unterliegen Elfen nicht solchen moralischen Handlungsfreiheiten wie Menschen. Da ist es halt schwierig einfach zu sagen ... ja die sind da jetzt böse. Weil dann wären sie ja eben wie Menschen und das sollen sie ja nicht.
    Ausweg ist eben, dass es ein Artenunterschied ist ... so würde ich es mir zumindest erklären ...
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    Re: Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

    Beitrag von Aura am Fr 29 Jul 2011, 19:21

    Hallo Doresh : )


    Spontan hätte ich jetzt darauf getippt, dass einige Autoren davor scheuen sich ernsthaft mit diesem vorgefertigten 'Gut gegen Böse' Muster auseinander zu setzen und es zu hinterfragen. Ich persönlich mag auch Geschichten mehr, in denen die Grenzen verschwimmen, also kein Geschöpf vollkommen böse oder vollkommen gut ist (obwohl ich immer das Gefühl habe, dass es bei Elfen einfach dazu gehört, dass sie rein sind und über jedwege Bosheit erhaben). Jeder Charakter braucht einen Grund, wieso er oder sie handelt, ob nun Ork oder Elf. Ein, weil er ist abgrundtiefböse finde ich irgendwie unglaubwürdig.

    Ich denke so ähnlich wie Angoraschka, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen ist vielen zu anstrengend und nach einem Muster zu schreiben, ist auf den ersten Blick auch viel einfacher.

    Vor allem diese Unterrassen-Sache wurmt mich: Kann man nicht einfach unterschiedliche Elfenkönigreiche haben?
    Das könnte daran liegen, dass es zu zeitaufwendig wäre, so viele Königreiche zu 'erschaffen', sich Namen auszudenken und die Besonderheiten jedes Einzelnen. Ein Königreich ist viel komapkter, der Autor kann sich das besser beim Schreiben merken und der Leser wird nicht durch zu viele Namen verwirrt

    Ich denke, viele trauen sich auch nicht, an diesem Stereotyp zu kratzen, da sich gerade diese Gut/Böse Geschichten besser verkaufen oder mehr Anklang finden.
    Ich glaube da greift der Satz, der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Viele Leute sind diese stereotypen Elfen und Orks gewöhnt und einige schreckt es vielleicht deshalb ab, z.B Bücher wie 'Die Orks' zu lesen. Man hat einfach schon ein festes Bild von ihnen im Kopf und ist dann eher abgeschreckt von solchen Geschichten.
    Ich würde das Buch auch nicht lesen, muss ich gestehen, da ich durch die 'Herr der Ringe' Filme zu viele Vorurteile gegen die Orks habe, um es mal so auszudrücken xD
    Als ich mich an einer Elfengeschichte versucht habe, gab es keine Unterarten, im Grunde habe ich sie so handeln lassen, wie Menschen, nur eben dass sie im Gegensatz zu denen Magie wirken und heilen konnten, wie sie das dann genutzt haben hing eben vom Charakter der Personen ab.

    Hoffe meine Antwort war nicht zu verworren ^^


    Liebe Grüße, Aura
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    Re: Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

    Beitrag von Gast am Fr 29 Jul 2011, 20:21

    @Angoraschka schrieb:hmmm ja das ist wahr. Aber das erklärt sich eben so aus dem klassischen Wesen von Elfen denke ich. Wenn man z.B. nach Herr der Ringe geht (ok da sind es Elben) unterliegen Elfen nicht solchen moralischen Handlungsfreiheiten wie Menschen. Da ist es halt schwierig einfach zu sagen ... ja die sind da jetzt böse. Weil dann wären sie ja eben wie Menschen und das sollen sie ja nicht.
    Ausweg ist eben, dass es ein Artenunterschied ist ... so würde ich es mir zumindest erklären ...

    Genau das stört mich ja: Elfen und Co. sing gleichgepolt wie Ameisen Mr. Green

    @Aura schrieb:Jeder Charakter braucht einen Grund, wieso er oder sie handelt, ob nun Ork oder Elf. Ein, weil er ist abgrundtiefböse finde ich irgendwie unglaubwürdig.

    Zudem muss man bedenken, dass sich "die Bösen" unserer Weltgeschichte IMMER für im Recht hielten. Bei den meisten Fantasygeschichten können die Schurken dass der Bevölkerung jedoch nur schwerlich verkaufen, wenn man mit Dämonen im Bunde ist, ihr eigenes Land in eine tote Einöde verwandeln und nie ohne ihre Schwarze Rüstung mit Totenschädeln und Stacheln anzutreffen sind... Rolling Eyes

    Vor allem diese Unterrassen-Sache wurmt mich: Kann man nicht einfach unterschiedliche Elfenkönigreiche haben?
    Das könnte daran liegen, dass es zu zeitaufwendig wäre, so viele Königreiche zu 'erschaffen', sich Namen auszudenken und die Besonderheiten jedes Einzelnen. Ein Königreich ist viel komapkter, der Autor kann sich das besser beim Schreiben merken und der Leser wird nicht durch zu viele Namen verwirrt

    Also der Grund, warum die Menschheit in futuristischen Geschichten immer zu höchsten 3 riesigen Weltmächten verschmolzen ist Mr. Green

    Das erklärt aber immer noch nicht, warum sich die Schreiber dann besonders viel Zeit damit lassen, jede wichtige Kultur unseres Planeten in mindestens 2 Fantasy-Länder abzuändern.

    Ich denke, viele trauen sich auch nicht, an diesem Stereotyp zu kratzen, da sich gerade diese Gut/Böse Geschichten besser verkaufen oder mehr Anklang finden.
    Ich glaube da greift der Satz, der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Viele Leute sind diese stereotypen Elfen und Orks gewöhnt und einige schreckt es vielleicht deshalb ab, z.B Bücher wie 'Die Orks' zu lesen. Man hat einfach schon ein festes Bild von ihnen im Kopf und ist dann eher abgeschreckt von solchen Geschichten.
    Ich würde das Buch auch nicht lesen, muss ich gestehen, da ich durch die 'Herr der Ringe' Filme zu viele Vorurteile gegen die Orks habe, um es mal so auszudrücken xD

    Mich haben die überflüssigen Sex-Szenen mehr gestört Razz

    Als ich mich an einer Elfengeschichte versucht habe, gab es keine Unterarten, im Grunde habe ich sie so handeln lassen, wie Menschen, nur eben dass sie im Gegensatz zu denen Magie wirken und heilen konnten, wie sie das dann genutzt haben hing eben vom Charakter der Personen ab.

    Sowas schwebt mir ja auch vor. Meine "Dunkelelfen" (muss mir wirklich angewöhnen, sie nach ihrem LAND zu nennen ^^ ) unterscheiden sich von den anderen - den "Traditionalisten" - ohnehin nur dadurch, dass sie der bösen neuen Technologie nicht abgeneigt sind. Damit bekämpfe ich ein weiteres Klischee: Dass der Bösen, deren Armeen nur aus hirnlosen Steinzeitmenschen (oder eben Orks) bestehen.

    Hoffe meine Antwort war nicht zu verworren ^^

    Aber nicht doch Mr. Green !
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    Re: Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

    Beitrag von Pooly am Di 02 Aug 2011, 17:35

    Hallo Doresh!

    Nun, ich denke, das sind einfach Klischees, die sich absolut in das Verständnis vieler Schreiber eingeschlichen haben. Ich zum Beispiel muss gestehen, dass ich am Anfang meines Schreibens irgendwie auch dachte: Wenn ich etwas schreiben will, das so gut ist wie Herr der Ringe (war damals mein Lieblingsbuch), muss ich auch solche Wesen verwenden. Da war mir auch gar nicht bewusst, dass das Thema und das alles schon so abgegriffen ist.
    Andererseits denke ich, dass es auch viele Leute gibt, die diese Genreklischees einfach als klassisch ansehen. Wie Metallkörperteile im Steampunkgenre oder der "Ich hasse und liebe dich" Beziehung in allen modernen Vampirbüchern. Die Menschen mögen eben Altbekanntes.
    Vielleicht finden viele ihren Reiz ja auch gerade in diesen schwarz-weiß Szenarien. Wer weiß, das kann ja viele Gründe haben. :]

    Liebe Grüße
    Marie


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    Re: Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

    Beitrag von Gast am Do 04 Aug 2011, 16:34

    Herr der Ringe ist nicht Herr der Ringe, weil Tolkien viele "klassische" Fantasyrassen verwendet hat (bzw. sie erst richtig etabliert hat). Er hat vielmehr wer weiß wieviele Jahre damit verbracht, die Welt des Romans und seine Geschichte zu gestalten. Da hätte er genausogut die Elben durch dreiköpfige Teddybären ersetzen können Mr. Green !

    Und mir ist letztens was seltsames aufgefallen: Unter den stereotypischen Fantasyrassen haben wir...

    ... die stets gutaussehenden, nahezu perfekten Übermenschen (Elfen)
    ... die "Verräter" dieser Übermenschen (Dunkelelfen)
    ... die haarigen, etwas streng riechenden Säufer (Zwerge)
    ... übergewichtige Faulpelze (Halblinge)
    ... geldgeile Raffzähne mit Hakennasen (Kobolde und Gnome in bestimmten Settings)
    ... geistig zurückgebliebene, hässliche Schläger (Oger und ggf. Trolle)
    ... unterentwickelter Abschaum mit anderer Hautfarbe, der um jeden Preis abgeschlachtet werden muss (Orks und Goblins)

    Ersetzt der Fantasy-Autor nun jede Rasse durch eine menschliche Ethnie, wird man ihn garantiert als Rassist beschimpfen Razz
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    Re: Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

    Beitrag von Shira am Do 04 Aug 2011, 16:50

    Doresh schrieb:Und mir ist letztens was seltsames aufgefallen: Unter den stereotypischen Fantasyrassen haben wir...

    ... die stets gutaussehenden, nahezu perfekten Übermenschen (Elfen)
    ... die "Verräter" dieser Übermenschen (Dunkelelfen)
    ... die haarigen, etwas streng riechenden Säufer (Zwerge)
    ... übergewichtige Faulpelze (Halblinge)
    ... geldgeile Raffzähne mit Hakennasen (Kobolde und Gnome in bestimmten Settings)
    ... geistig zurückgebliebene, hässliche Schläger (Oger und ggf. Trolle)
    ... unterentwickelter Abschaum mit anderer Hautfarbe, der um jeden Preis abgeschlachtet werden muss (Orks und Goblins)

    Ersetzt der Fantasy-Autor nun jede Rasse durch eine menschliche Ethnie, wird man ihn garantiert als Rassist beschimpfen Razz

    Hehe, da ist was dran. Mir fiel zwar auch schon auf, dass man die Rassen immer bestimmten Bevölkerungsgruppen zuordnen kann, aber zu Ende gedacht habe ich das wohl nie.

    Aber mal zu deiner Ausgangsfrage, die ich gerne aus meiner ganz subjektiven Sicht beantworten möchte.
    Ich liebe Elfen. Ganz klar. Ich finde diese Idee einfach faszinierend, diese Wesen, die scheinbar alles können, aber eben doch nicht perfekt sind. Sie scheinen es, doch sie haben mindestens genauso viele charakterliche Schwächen wie die Menschen, wenn nicht sogar noch mehr. Ich wollte immer über Elfen schreiben. Wenn ich etwas gemalt habe, war es immer ein Elf mit seinen spitzen Ohren und den eleganten Gesichtszügen, zu edel um menschlich zu sein.
    So glaube ich, geht es auch anderen, die gerne über diese Rassen schreiben. Ich habe mich letzten Endes davon distanziert, weil ich über anderes schreiben wollte, fernab des Fantasybereiches. Egal ob Ork, Zwerg, Gnom oder Elf. Es sind einfache Rassen, die für jeden etwas eigenes verkörpern. Darüber schreibt man dann gerne. Warum sollte man etwas Neues erfinden, mit dem man nichts verbindet?

    Auf der anderen Seite kann ich dir aber eine Rasse nennen, die sich bei mir in jedem Buch unterschiedlich gelesen hat: Dämonen. Klar, dass sie bei einem Autor meist die gleichen Eigenschaften hatten, aber sobald man ein Autor von einem anderen Autor griff, hatte der eine ganz andere Vorstellung, was nun ein Dämon ist. Denn Dämonen sind für jeden nunmal anders.

    Demnach behaupte ich einfach mal, dass es gewisse Eigenschaften gibt, die sich etabliert haben zu Rassen, die der Leser bzw. Schriftsteller einfach liebgewonnen hat. An die hält man sich. Und alles andere wird frei erfunden.

    ICh halte das Ganze aber auch nicht für wirklich schlimm, solange diese Rassen dann überzeugend vermittelt werden. Wenn ich mir dann abe die Unterrassen anschaue, die du nennst, stelle ich oft fest, dass sie zu einseitig gestaltet werden. Demnach mag ich die auch nicht. Aber warum sollte es sie nicht geben? Es gibt schließlich auch unterschiedliche Menschen, verschiedene Rassen an Pferden oder Hunden. Da kann es doch auch verschiedene Elfen geben?!

    Ich hoffe, das war nun nicht zu unübersichtlich.
    Lg Shira

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    Re: Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

    Beitrag von theo am Do 04 Aug 2011, 22:40

    Klschees in Fantasygeschichten. :-) Da habe ich in einem anderen Forum eine ähnliche Diskussion verfolgt.

    Brauchen wir das denn wirklich?
    Tad Williams hat im Krieg der Blumen was anderes versucht. Und trotzdem Erfolg gehabt. Es gibt diese Beispiele, aber warum gibt es soviele, die auf der Welle mit reiten?
    Tolkien hat aus den Elfen, aus den Wesen aus der Anderswelt, die im britischen Raum, respektive im keltischen Teil, durchaus auch heute noch in den Volkssagen und -Legenden lebendig sind, diese ach so reinen Übermenschen gemacht. Doch, das stimmt ja eigentlich gar nicht so. Verrat unter den Guten! Allenthalben, auch bei den Elben. Die Orks? Sind sie nicht umfunktionierte Elben?
    Und wer das Solmarillion gelesen hat, weiß dass das schon bei den Ainur, also den "Göttern" von Mittelerde der Fall war: Der eine, und grade wieder der Beste, Mächtigste hat falsch gesungen :-); Bei den Zauberern ja doch auch: Saruman, der mächtigste, der Beste hat den Verrat begangen.

    Warum nehmen dann viele trotzdem als Quintessenz den ewigen Kampf um gut und Böse, den nur das Gute gewinnen kann?
    Disney. Unsere Seh- und Lesegewohnheiten kommen zum großen Teil aus Disneyland oder Hollywood. Und dort gibt es diesen Kampf des absolut Guten gegen das absolut Böse, denn das ist einfach zu verstehen, allseits aus der Bibel (!Amerika) bekannt und funktioniert daher immer. Weil eben sofort ein Bezug hergestellt werden kann.

    Das absolut Böse ist dann auch leichter zu vernichten, weil es den Punkt überschritten hat, an dem ein Leser noch Gefühl dafür entwickeln kann. Die Orks im HdR schleudern die Köpfe der Gefallenen in die Burg. Sie fressen ihre Gefangenen am liebsten gleich auf, am besten wenns noch zappelt. So was bringt man gerne um. Und dieser Trick funktioniert ja schon seit Jahrtausenden beim Menschen wunderbar. (Da brauche ich jetzt nicht nach Serbien oder nach Ruanda schauen oder in unsere Vergangenheit schauen, ein Blick in die Bibel reicht da aus)
    Die griechische Mythologie ist voll davon.
    Ein Volk vereinnahmt das andere, das minderwertigere, hässlichere, fertig. Altbekannt, altbewährt.
    Die Elfen?
    Die Forscher glauben, dass die Legende von den Überwesen der Anderswelt entstanden ist aus den Verdrängen schon zu Zeiten der Bronzezeit. Da kam ein Volk das hatte eiserne Schwerter und schlug die mit den Bronzenen. Die flüchteten. Da es sich aber um die "Helden" des Bronzezeitvolkes handelte, konnten diese ja nicht einfach verschwinden. Die leben heute also noch. Es gibt in Irland etliche Hügel, wo man die wilde Jagd der alten Könige hören und auch sehen kann. (Aus der Zeit kommt auch die Alltergie der Elfen gegen Eisen)
    Artus war ein etwas modernere Version dieser Legendenbildung.
    Das sind die Guten, die aber gehen müssen, weil ihre Zeit einfach abgelaufen ist. Weil eben die "neuen" Völker kommen, die Menschen.

    Rassistisch im heutigen Sinne, ja, so kann man das durchaus nennen. Ist auch J.R.R. mehrfach vorgeworfen worden.
    Aber, das ist halt einfach ein altbewährtes Schema in der Erzählkunst, vermutlich seit überhaupt erzählt wird.
    Und zumindest im Fantasybereich oder SciFi-Bereich kommt auch noch der Eskapismus dazu.
    Jemand der die Grautöne haben will, liest kaum Fantasy. Wer den Menschen in seiner Tiefe ausloten will, liest kein SciFi. Der liest Handke, der liest T. Mann oder Dostojewski.
    Fantasyleser wollen aus der Kompliziertheit der Welt auch einfach mal fliehen. Weg von dem ganzen ewigen Hickhack. Keine emanzipierten Frauen sondern welche die bedingungslos lieben. Keinen Vorgesetzten der heute so und morgen so sagt und dann doch Quatsch macht. Der "Führer" in den Fantasygeschichten macht nicht immer alles richtig, aber er versucht es wenigstens, und so, dass man es erkennt. Keine tretmühlenartige Arbeit, die keinen Sinn erkennen lässt sondern den Kampf, der am besten gleich die ganze Welt rettet.

    Wenn du davon abweichst?
    Das geht schon, aber bei allen Beispielen die gelungen davon abgewichen sind, war die Story so gut, dass sie das überspielen konnte, oder es lief zwar aufs alte Spiel raus, aber zumindest mal auf einen abwechslungsreichen Weg.




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    Re: Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

    Beitrag von Gast am Do 04 Aug 2011, 23:55

    @Shira schrieb:Auf der anderen Seite kann ich dir aber eine Rasse nennen, die sich bei mir in jedem Buch unterschiedlich gelesen hat: Dämonen. Klar, dass sie bei einem Autor meist die gleichen Eigenschaften hatten, aber sobald man ein Autor von einem anderen Autor griff, hatte der eine ganz andere Vorstellung, was nun ein Dämon ist. Denn Dämonen sind für jeden nunmal anders.

    Ein Dämon ist kein einzelnes, stereotypische Fantasywesen, sondern lediglich eine Sammelbezeichnung für böse Kreaturen aus einer anderen Exitenzebene. Hindert die meisten trotzdem nicht daran, Hörner und gelegentlich Flügel zu haben. Manche sind auch nichtbeschreibbare Tentakel-Ansammlungen, aber bei denen nimmt man meist eine von Lovecraft geborgte Bezeichnung. "Dämon" ist ja sooo abgedroschen... Mr. Green

    ICh halte das Ganze aber auch nicht für wirklich schlimm, solange diese Rassen dann überzeugend vermittelt werden. Wenn ich mir dann abe die Unterrassen anschaue, die du nennst, stelle ich oft fest, dass sie zu einseitig gestaltet werden. Demnach mag ich die auch nicht. Aber warum sollte es sie nicht geben? Es gibt schließlich auch unterschiedliche Menschen, verschiedene Rassen an Pferden oder Hunden. Da kann es doch auch verschiedene Elfen geben?!

    Es gibt ja auch verschiedene Elfen, nur sind die ja Teil einer Unterrasse. Wer sich der Norm nicht fügt, wurde früher bei den Elfen offenbar verbannt - falls diese Unterrasse überhaupt mit dem Standard-Elf verwandt ist Rolling Eyes

    @theo schrieb:Das absolut Böse ist dann auch leichter zu vernichten, weil es den Punkt überschritten hat, an dem ein Leser noch Gefühl dafür entwickeln kann. Die Orks im HdR schleudern die Köpfe der Gefallenen in die Burg. Sie fressen ihre Gefangenen am liebsten gleich auf, am besten wenns noch zappelt. So was bringt man gerne um. Und dieser Trick funktioniert ja schon seit Jahrtausenden beim Menschen wunderbar. (Da brauche ich jetzt nicht nach Serbien oder nach Ruanda schauen oder in unsere Vergangenheit schauen, ein Blick in die Bibel reicht da aus)

    Das mit den "Köpfen über die Burg" klingt für mich nach durchaus nicht unüblicher Belagerungspraxis. Psychologische Kriegsführung ist die halbe Belagerung Mr. Green

    Vielleicht haben wir Menschen einfach so einen Tick, das absolut böse in Form von "Monstern" Gestalt zu geben. Selbst heute noch bezeichnen wir psychotische Massenmörder als "Monster". Irgendwie wollen wir nicht wahrhaben, dass der Mensch selbst für dieses Böse verantwortlich ist...

    In Sachen Rassimus fällt mir grad diese unsägliche Dungeon Siege Verfilmung ein, in der die Orks (okay, die heißen hier "Krug", aber da könnte ich meine Elfen auch genausogut "Saladriels" nennen) von den menschlichen Generälen bei jeder sich bietenden Gelgenheit als dumm und minderwertig abtituliert werden (die Orks in dem Film sind im Prinzip schlecht verkleidete Höhlenmenschen). War vielleicht als eine Art Parodie gedacht oder so, aber der Film ist von Uwe Boll, also klappt das nicht sooo gut... Rolling Eyes

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    Re: Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

    Beitrag von theo am Fr 05 Aug 2011, 16:38

    den menschlichen Generälen bei jeder sich bietenden Gelgenheit als dumm und minderwertig abtituliert werden
    Erinnert mich jetzt wieder an die "Unter dem Weltenbaum" Reihe. Dort werden die sog. Skrälinge als so was wie Orks verheizt. Die werden in dem Buch als so richtig hässliche Biester beschrieben. Dabei hält sich die Autorin hier glatt an das Vorbild:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Skraelinger
    Skrälinge sind nichts anderes als Eskimos.

    Du hast vermutlich sehr recht, mit dem, dass wir Monster brauchen. Wie steht immer in der Zeitung? Man sieht es ihm gar nicht an...
    Dabei ist jeder irgendwo ein Monster. Die Grenze ist so verflixt winzig. Und, vielleicht brauchen wir das ja auch um uns eben leichter davon abzugrenzen, von den Monstern, von denen wir fühlen, dass wir eigentlich auch dazu gehören. Vielleicht lesen wir auch deshalb so gerne das hollywoodschen Gut/Böse Böse klischee. Wenigstens im Buch soll es funktionieren...
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    Re: Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

    Beitrag von Gast am Fr 05 Aug 2011, 17:44

    Und zudem ist es - wie in meinem ersten Post angedeutet - kinderfreundlicher, wenn die Helden hässliche Monster abschlachten.

    Eines meiner Lieblingsbeispiele stammt aus Star Wars (vielleicht keine klassische Fantasy, aber immerhin Science Fantasy): Die Sturmtruppen sind allesamt gesichtslos und sehen aus wie Roboter. Die Prequel-Trilogie geht da noch einen Schritt weiter und benutzt als Gegner NUR Roboter. Wenn man diese durch Menschen ersetzen würde, wäre diese neue Trilogie genauso blutrünstig wie Peter Jacksons Dead Alive Mr. Green

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    Re: Fantasyrassen: hartnäckige Stereotypen oder Faulheit?

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