
Anmerkung der Autorin; Eins: Da die Geschichte (noch?) nicht im Forum zu lesen ist, folgt im folgenden Abschnitt eine vage Beschreibung von "Tennessee". Ich kann nicht versprechen, "Tennessee" in nächster Zeit ins Forum zu stellen, da es einige Tabu-Themen thematisiert, die jeglicher FSK böse Blicke zuwirft. Sollte ich doch die etwas harmlosere Schiene fahren, steht dem natürlich nichts im Weg.
Achtzehn Jahre und am Tiefpunkt des Lebens angekommen - wie eine Gravur zeichnet diese Gewissheit die zerrissene Seele von Anya. Die Welt um sie herum hat an Reiz und Farbe verloren, vergiftet sie mit Tristesse. Das Leben hat ihr Freunde und Familie geraubt und zu einem Mädchen gemacht, das sich selbst als einzige Freundin nicht erträgt. Am Abend ihres Geburtstages betritt ein Mann die staubige Bühne ihres Lebens, der alles verändern soll. Alles.
Blind vor Liebe zu dem älteren Mann und kindlicher Hoffnung, die von seiner Nähe geweckt wird, zieht sie eine Mauer zu ihrem alten Leben auf; sie begleitet ihn in seine Heimat, einer Geisterstadt, die nahezu ausgestorben ist. Und einst innerhalb eines Monats von den Bewohnern verlassen wurde - die Ursache dafür wird zu einem Geheimnis gemacht, welches vor Anya verborgen wird. Doch die Stadt hat ihren Herzschlag noch nicht verloren: in einem leeren Supermarkt lebt eine kleine Gruppe zusammengewürfelter Menschen. Jeder ein undurchschaubares Mysterium, schwankend zwischen Freund und Feind. Unerwartet schnell wird Anya ein Teil der Gruppe und mit offenen Armen empfangen. Sie wird zur Freundin, zur Geliebten, zur Schwester ... und zur Sklavin.
Anmerkung der Autorin; Zwei: Fiktiver Zeitpunkt dieser Interviewsequenz: Kurz nachdem Anya in der Geisterstadt namens Tennessee angekommen ist, findet die Polizei die illegal dort hausende Gruppe an Menschen. Somit besteht keine Gefahr bezüglich Spoiler, die den entscheidenden Verlauf der Geschichte und somit das Ende verraten. Wenn eine Frage innerhalb des Interviews einen zu extremen Spoiler darstellen, besteht die Möglichkeit, dass die Charaktere Ihnen eiskalt ins Gesicht lügen (wird im Offtopic gekennzeichnet) oder ein Beamter einschreitet und zur nächsten Frage überleitet. Manches Mal wird die Frage auch einfach nur vage und ungenau beantwortet. Ordinäre und beleidigende Ausdrücke der Charaktere sind Teil der Charaktere und Teil der Geschichte, sollten somit nicht persönlich genommen werden.
Und was haben Sie mit all dem zu tun?
Ein Teil der bestehenden Charaktere werden der Presse vorgeführt; man erhofft sich eine Titel-Story von der ungewöhnlichen Ausreißer-Geschichte. Zu Ihrem Unglück wissen Sie so gut wie [i]nichts über den Fall - das verdanken Sie einem Kollegen, der sich intensiv mit der „Akte Tennessee“ beschäftigt hat, aber im letzten Augenblick abgesprungen ist. Er hat Ihnen seine Unterlagen überlassen, die vollkommen unleserlich sind. Einzige Ausnahme ist ein Fax, in welchem berichtet wird, dass nur vier der Gruppe bei der Besprechung anwesend sein werden, die beiden anderen wären ,unpässlich‘. Sie haben keine Ahnung, was darunter zu verstehen ist und langsam ein ungutes Gefühl bei dem Thema, zumal Sie bisher nur alberne Mitleidsgeschichten für Ihre Zeitung verfasst haben. Nun heißt es von ganz oben: Sie sollen die einzelnen Charaktere beleuchten. Leser wären immer an Lebensgeschichten interessiert, nicht an trocknen Erlebnisberichten.
Daher liegt es nun an Ihnen, so viel wissenswertes aus den anwesenden Personen - und vielleicht auch jenen, die nicht im Raum sind - herauszufinden.[/i] Viel Glück!
Es ist Freitag Mittag, zwölf Uhr. In dem kleinen, fensterlosen Beratungszimmer des Gerichts herrscht eine unangenehme Hitze. Neben dem drohenden Magenknurren scheint eben dies den anwesenden Reportern - ungefähr fünfzehn Stück, ausgerüstet mit Notizblock und Aufnahmegerät - auf die Laune zu schlagen. Die ersten unzufriedenen Stimmen werden laut, ein Murren erfüllt den Raum wie der Klang eines Bienenstocks. Verächtliche Blicke werden in die Richtung des Tischs geworfen, der hinter einer Absperrung waagrecht zu den Journalisten steht ... und leer ist. Keiner der Angeklagten ist anwesend. Noch nicht. Der angesetzte Termin für die Interviews war auf elf Uhr angesetzt worden. Zu spät. Und wenn Journalisten eines nicht mögen, dann ist das Verspätung und der Geruch einer faulen Geschichte im Raum.
Bis sich plötzlich eine Tür öffnet und die Stimmung im Raum kippt; aus Zorn wird Neugierde. Aus kindlicher Enttäuschung augenblicklich gezielte Professionalität.
Zuerst wird die Tür einen Spalt geöffnet, dann hält sie inne. Harrt aus. Die ersten interessierten Köpfe drehen und verrenken sich; man sieht nichts, nur ein dezentes Stimmgewirr auf der anderen Seite der Tür ist zu vernehmen. Nach kurzer Zeit betritt ein bulliger, uniformierter Mann den Raum, der den Journalisten zunickt. Ihm folgen weitere Personen - unübersehbar die Opfer für die journalistische Meute.
Ein Junge mit schwarzen Haaren, blass, unauffällig und der Blick eines verängstigten Tieres. Eine Frau, Ende zwanzig. Schwarzes, glattes Haar, eine Schicht Schminke und deutliche Desinteresse als Maske über dem eigentlich schönen Gesicht. Gefolgt von einem hochgewachsenem Mann, der einige Jahre älter als sie sein durfte; Drei-Tage-Bart, ungekämmtes, braunes Haar und zwei silberne Handschellen an den schlanken Handgelenken erzählten vom Aufenthaltsort seiner letzten Tage. Als letzte folgt ein junges Mädchen an den Tisch. Sie wirkt mit ihren langen, blonden Haaren jung und unschuldig; deplatziert zwischen den restlichen Festgenommenen. Ihr Blick senkt sich rasch, als ihr die Menge an interessierten Journalisten bewusst wird. Das Unbehagen, das sie beherrscht, ist unübersehbar. Zusammen mit den anderen nimmt sie Platz an dem Tisch. Nachdem drei weitere Polizisten den Raum betreten, kehrt wieder Ruhe ein.
Kaum fällt die Tür ins Schloss, meldet sich einer der Reporter verstimmt: „Haben Sie keine Namensschilder?“ Die Frage wird wortkarg verneint.
„Sie können nun anfangen, Ihre Fragen zu stellen - sofern sie nichts mit Namensschildern und dem Kantinenessen zu tun haben“, leitet ein Polizist seufzend das Interview ein und tritt mit seinen Kollegen in den Hintergrund.
Der Fokus liegt nun auf den vier anwesenden Angeklagten, zwei Plätze sind leer.
Viel Glück.




