von Imaginary am Fr 20 Jan 2012, 21:41
Dann werd ich einfach mal ein uraltes Thema wieder ausgraben xD
Bei der ersten Frage würde ich den Fluggast nicht wecken. Dadurch nimmt ja nun niemand wirklich Schaden. Es mag ein wenig nerven, aber na ja, es gibt auf jeden Fall Schlimmeres und ich finde nicht, dass man jemanden wegen sowas nun wecken müsste.
Die zweite Frage ist da natürlich schon ein ganz anderes Kaliber, ich würde aber sagen, dass man es grundsätzlich niemandem wirklich ehrlich verdenken kann, wenn er sich selbst rettet. Es ist nunmal so, dass der Selbsterhaltungstrieb des Menschen extrem stark ist und dass man in solchen Situationen für gewöhnlich auch gar nicht mehr rational nachdenkt. Was anderes ist es vielleicht, wenn es nun um Menschen geht, die man wirklich liebt, denn da kann ich mir durchaus vorstellen, dass man sich dann doch eventuell opfern. Zu hundert Prozent sagen kann aber letztlich niemand, wie er sich verhalten würde, wenn er in einer solchen Situation wäre.
Generell ist Utilitarismus generell ein sehr schwieriges Thema. Manchmal halte ich Utilitarismus für ... hm, nennen wir es sinnvoll. Manchmal ist es leider nicht zu vermeiden, dass bestimmte Leute Schaden nehmen und man kann leider nicht immer auf jeden Rücksicht nehmen. Es ist dann aber schon sinnvoll (in meinen Augen jedenfalls), dass es zumindest möglichst vielen Leuten gut gehen sollte. Trotzdem ist es irgendwie ein zweischneidiges Schwert, weil es eben vor allem einigen wichtigen Menschenrechten widerspricht, utilitaristisch zu handeln. Wenn zum Beispiel ein Entführer gefoltert wird, damit man das Leben anderer Leute retten kann (da gab es ja mal diesen Fall mit dem Kind), dann ist das utilitaristisch, widerspricht aber den Menschenrechten.
Trotzdem halte ich es eben manchmal für sinnvoll. Eine ewige Diskussion, die mir dabei in den Kopf kommt, ist die zum Thema Stammzellenforschung. Ich weiß, dass viele Leute aus ethischen Gründen dagegen sind und ich verstehe es irgendwie - trotzdem wäre ich dafür, dass es erlaubt wird. Wenn es möglich wäre, dadurch irgendwann schwere Krankheiten wie Krebs zu heilen oder dergleichen, dann wäre ich absolut dafür - aber das ist eben die utilitaristische Betrachtungsweise. Das Problem ist nur einfach, dass sich generell beim Utilitarismus (bzw. bei der Frage, in welchen Situationen er vielleicht angebracht wäre) sehr schwer eine Grenze ziehen lässt :/ Und Glück lässt sich eben auch nicht wie in einer mathematischen Gleichung berechnen.
Um mal ein paar neue Fragen aufzuwerfen (und vielleicht wieder ein bisschen Leben in das Thema hier zu bringen xD):
1. In welchen Situationen haltet ihr Utilitarismus unter Umständen für angebracht? Oder seid ihr generell völlig dagegen? Wenn ja, warum?
2. Glaubt ihr, dass ein wirklich utilitaristisches System funktionieren könnte? (Die moralischen Schwierigkeiten seien da jetzt mal dahingestellt xD)
3. Und eine konkrete Fragestellung, die ein bisschen an eine angelehnt ist, die wir mal im Philosophieunterricht hatten: Angenommen, ihr wärt Staatsoberhaupt eines Landes (oder so) und in eurem Land würde sich ein (oder mehrere) Menschen aufhalten, von denen ein anderes (militärisch übermächtiges) Land verlangt, dass ihr ihn/sie ausliefert - andernfalls wird euer Land angegriffen: Wie würdet ihr entscheiden? Würdet ihr, trotz der moralischen Bedenken, die Person/die Personen ausliefern oder würdet ihr euch dagegen entscheiden und riskieren, dass euer Land angegriffen wird?
So, mehr fällt mir zu dem Thema gerade nicht ein, aber vielleicht bringt das ja wieder ein bisschen Schwung ins Thema :)