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    John Connolly - Das Buch der verlorenen Dinge

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    John Connolly - Das Buch der verlorenen Dinge

    Beitrag von Miyann am So 22 Mai 2011, 19:59

    Das Buch der verlorenen Dinge - John Connolly





    Übersetzung: Aus dem Englischen von Claudia Feldmann
    Originaltitel: The Book of Lost Things
    Kartoniert, 336 Seiten
    € 8,95 [D], € 9,20 [A], sFr 16,90
    ISBN-10: 3548609228
    ISBN-13: 9783548609225
    Erschienen: Januar 2010 im List Taschenbuch Verlag

    Quelle: http://www.ullsteinbuchverlage.de/listtb/buch.php?id=15379&page=suche&auswahl=a&pagenum=1&page=buchaz&PHPSESSID=9b1a0a98009923cb7565c467f9fcb158


    Inhaltsangabe:

    Nach dem Tod seiner Mutter flüchtet sich der zwölfjährige David in die Welt der Bücher. Schon bald merkt er, dass sich Realität und Fantasie vermischen. Es beginnt eine abenteuerliche Reise an die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit.

    Als Davids Mutter nach schwerer Krankheit stirbt, verkriecht sich der Junge in seine Bücher. Bald schon fangen sie an, mit ihm zu sprechen, und im Garten vor seinem Zimmerfenster taucht immer öfter eine seltsame Gestalt auf: der »Krumme Mann«. Eines Abends folgt der Junge ihm durch einen Mauerspalt und findet sich in einem dunklen Wald wieder. Geleitet und gelockt vom »Krummen Mann« macht David sich auf die Suche nach dem König des Waldes. Von ihm wird gesagt, er besitze ein geheimnisvolles Buch, »Das Buch der verlorenen Dinge«, in dem alle Wahrheiten des Lebens aufgezeichnet seien. Endlich am Schloss des Königs angelangt, muss David erkennen, dass er dem Bösen in die Falle gegangen ist.

    Quelle: http://www.ullsteinbuchverlage.de/listtb/buch.php?id=15379&page=suche&auswahl=a&pagenum=1&page=buchaz&PHPSESSID=9b1a0a98009923cb7565c467f9fcb158


    Über den Autor:


    John Connolly ist seit seinem Debüt einer der erfolgreichsten Thrillerautoren weltweit. Seine Serie um Ex-Cop Charlie Parker begeistert auch Kollegen und Kritiker. Der preisgekrönte „Meister des Gänsehautmoments” konfrontiert seine Leser immer wieder mit der allgegenwärtigen Kraft des Bösen.
    Mehr über den Autor findet ihr unter: www.johnconnolly.co.uk

    Quelle: http://www.ullsteinbuchverlage.de/listtb/autor.php?id=5432&page=buchaz&sort=autor&auswahl=A&pagenum=1


    Meine Meinung:

    Ich habe die Lektüre erst vor einer Stunde beendet, also ist mein Eindruck noch sehr frisch. Die Hauptperson des Buches ist der Junge David, der sich nach dem Tod seiner Mutter von der Welt alleingelassen und betrogen fühlt, obwohl er doch alles in seiner Macht Stehende getan hat, um ihren Tod zu verhindern. Und nun findet sein Vater eine neue Frau, er muss zu dieser in ihr Haus ziehen, um den drohenden Krieg in London zu entkommen, und dann bekommen die beiden auch noch einen gemeinsamen Sohn. David ist verzweifelt und kommt mit dieser neuen Situation nicht klar und obwohl er weiß, dass sein verhalten nicht ganz richtig ist, versucht er Rose, die neue Frau seines Vaters, seine Abneigung immer deutlich zu zeigen.
    Die einzige Sache, in der David sich wohlfühlt, ist die Welt seiner Bücher. Bis diese Welt eines Tages Realität wird.

    Dieses Buch ist - auch wenn es auf den ersten Blick anders klingen mag - kein Kinderbuch. Ganz im Gegenteil: David erlebt auf seiner (typischen) Reise zum Erwachsenwerden Dinge, die einen eher an Pans Labyrinth erinnern als an Die unendliche Geschichte oder ähnliche Bücher. Die Märchen, die Connolly in seinem Buch aufgreift, sind teilweise noch brutaler als die der Gebrüder Grimm, doch es ist keine sinnlose Gewalt, es steckt stets eine Aussage dahinter. Ich würde jetzt gerne spoilern, um euch Beispiele zu nennen, aber ich lasse es lieber, denn ich möchte nicht zu viel verraten. David muss auf seiner Reise jedenfalls viele Herausforderungen bestehen, um an sich selbst zu wachsen.

    Mich persönlich hat die Geschichte um David gefesselt und auch das Ende entsprach meinen Erwartungen. Das Thema an sich ist natürlich nicht neu, aber es wurde in meinen Augen sehr außergewöhnlich verarbeitet, auf eine neue, teilweise auch schockierende Weise. Über allem liegt von Anfang an eine düstere Atmosphäre. Sicher kann man über das Für und Wider einiger Darstellungen diskutieren, aber mich persönlich hat es nicht so sehr abgeschreckt. Dennoch: Wer mit viel Gewalt nicht so gut umgehen kann, ist hier vielleicht falsch. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich auch einige lustige Szenen.

    Das Buch ist aus Davids Sicht geschrieben und somit natürlich auch von der Erzählweise her eher kindlich angehaucht, aber das erscheint aus meinen Augen nur passend. Grobe Übersetzungsfehler konnte ich nicht entdecken. Einige werden sich vielleicht noch besonders an den schönen Kapitelüberschriften erfreuen, um ein Beispiel anhand des ersten Kapitels zu geben: Von allen, was gefunden, und allem, was verloren wurde


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    Re: John Connolly - Das Buch der verlorenen Dinge

    Beitrag von Amira am So 22 Mai 2011, 22:26

    Hallo Marit!

    Vielen lieben Dank für die ausführliche Vorstellung (: Ich war schon sehr gespannt, wie es dir denn gefallen hat.

    Ich denke, du hast mich jetzt doch überzeugt es mir zuzulegen [: Mich reizt der Inhalt und was du darüber erzählst. Vor allem macht mich das Erscheinen dieses besonderen Buches so neugierig.
    Ah, solche Kapitelnamen finde ich immer sehr schön :3

    Ja, ich denke, das werde ich mir in nächster Zeit einmal zulegen Very Happy

    Liebe Grüße,
    Naomi
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    Re: John Connolly - Das Buch der verlorenen Dinge

    Beitrag von Miyann am So 29 Mai 2011, 20:10

    Huhu Naomi,

    dann hoffe ich mal, dass dir das Buch ebenso gefällt wie mir, wenn es seinen Weg in dein Regal findet.
    Ob jetzt das Äußere des Buches so gut zum Inneren passt... Es sieht aus wie ein verspieltes Kinderbuch, aber das ist es eben nicht. Andererseits sind Dinge auf dem Umschlag abgebildet, die Bestandteil des Buches sind und die Schrift sieht auch etwas verkorkst aus. (;

    Die Kapitelnamen waren auch mein Highlight, normalerweise achte ich nicht so sehr auf Kapitelüberschriften, aber diese hier sind wirklich toll.

    Viele Grüße
    Marit
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    Re: John Connolly - Das Buch der verlorenen Dinge

    Beitrag von Amira am Mi 19 Sep 2012, 23:00

    Hallo Marit!

    Ich entdecke gerade, dass die Rezension ja schon mehr als ein Jahr her ist - lange hat's gedauert, aber nun habe ich es gelesen (zum Glück!) und eine Rezension verfasst, die ich hier gerne posten möchte (:




    „Hat ihnen ständig die Teller leer gefuttert. Nach einer Weile hatten die Bären die Nase voll von ihr [Goldlöckchen],
    na ja, und damit hatte es sich. Sie floh aus der Bärenhütte und kehrte nie wieder dorthin zurück. Das ich nicht lache!“
    „Du meinst … sie haben sie getötet?“, fragte David.
    „Sie haben sie gefressen“, sagte Bruder Nummer Eins. „Zusammen mit dem Brei. Das bedeutet floh und kehrte nie wieder dorthin zurück hierzulande. Es bedeutet gefressen.“
    „Hm, und was ist mit glücklich bis an ihr Ende?“, fragte David ein wenig verunsichert. „Was bedeutet das?“
    „Schnell gefressen“, sagte Bruder Nummer Eins.


    Grund Nummer Eins, warum ich den Roman interessiert näher beäugt hatte, lag an dem märchenhaften Cover und der goldenen, einem Theatervorhang nachempfundenen ersten Seite. Grund Nummer Zwei war dem Umstand zuzuschreiben, dass ein Buch mit derartiger Gestaltung nicht, wie ich erwartet hatte, in der Kinder- und Jugendabteilung, sondern in der allgemeinen Etage mit Erwachsenenliteratur auflag (warum dem so war, sollte ich später erfahren). Der Klappentext, die ersten neugierig gelesenen Seiten und Marits Rezension taten ihr übriges, so dass ich mich kopfüber in die Handlung stürzte …
    Und ich bereue es nicht, im Gegenteil! Doch alles der Reihe nach …
    Der irische Autor John Connolly webt viele der bekanntesten Märchen bzw. deren innenwohnenden Charaktere und Wesen in seine Romanhandlung ein; die Rede ist von Schneewittchen, Dornröschen, Rotkäppchen, Hänsel und Gretel, Rumpelstilzchen usw. Als Leser erlebt man ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus der Kindheit, doch hier ist Einhalt geboten – die Treffen verlaufen gänzlich anders, als man es erwarten mag. All jenen Märchenfiguren verleiht der Schriftsteller ein neues, fremdartiges Gesicht - Connolly kehrt ihre allseits bekannten Wesenszüge um, dichtet ihnen andere (grotesk seltsame) Eigenschaften an, vertauscht gekonnt Rollen und die Guten werden zu Bösen und umgekehrt.
    Sowohl der Handlung als auch den zwischendurch immer wieder eingebauten eigenständigen Kurzgeschichten (Beispiel eines Titels: Die erste Geschichte des Försters) werden darüber hinaus das rosa-alles-ist-gut-und-lieb-Gewand genommen – gibt es teilweise zwar durchaus lustige (siehe Zitat) und berührende Szenen, nehmen vor allem die Themen Gewalt, Tod, Sterben, unnötiges (Wann ist dem nicht so?) Blutvergießen und Krieg, aber auch Pädo- und Zoophilie eine bedeutende Rolle ein. Auch - normalerweise in Märchen abwesende - Themen, wie Hetero- und Homosexualität werden angesprochen.
    Vorrangig geht es jedoch ums Erwachsenwerden; um den zwölfjährigen Protagonist David, der einen beschwerlichen Weg entlang schreitet, in dessen Verlauf er von einem Jungen zu einem Mann heranreift – Rache, Liebe, Verlust, Verantwortungsbewusstsein, Flucht aus der Realität, Wunsch- und Alpträume, sowie sowohl das Gute als auch Böse in jedem von uns kommen zu Sprache.
    Wie in jedem klassischen Märchen ist die Handlung relativ vorhersehbar und die Wesen und Menschen, denen der zwölfjährige Junge begegnet, verkörpern mehr oder weniger Stereotypen, doch, ich denke, dem Autor lag weniger das heldenhafte Ziel, als vielmehr der Prozess des Heranreifens – und den damit verbundenen Hürden, die es zu meistern gilt - im Auge.
    Die Geschichte selbst umschließt ein Rahmen – als Leser bewegen wir uns in der fantastischen Märchenwelt einerseits und in der realen Welt England während des 2. Weltkrieges andererseits . Doch nicht immer lassen sich diese beiden Welten klar voneinander abgrenzen; Gegenstände oder Personen finden sich an scheinbar falschen Orten wider oder entwickeln ein Eigenleben – diese schleichend von sich gehende Wandlung erlebt auch David mit ...
    Und wie in jedem Märchen schwingt auch in diesem Roman eine weise Botschaft mit. Ich selbst wurde verzaubert und schloss das Buch mit einem verweinten Lächeln.
    Zu guter Letzt möchte ich mich noch mit ein paar Worten dem Schreibstil des Autors widmen; dieser war wunderbar beschreibend – unweigerlich hörte man die Bücher miteinander flüstern, die Dielen knarren, die Wölfe bedrohlich nahe heulen … Ein besonders Highlight sind, von Marit bereits angsprochen, die Kapitelanfänge!





    Die einzige Sache, in der David sich wohlfühlt, ist die Welt seiner Bücher. Bis diese Welt eines Tages Realität wird.
    Spoiler:
    Eine meiner Lieblingsbeschreibungen waren ja die Bücher; die Art, wie sie der Autor beschrieben hat, ihre jeweiligen Eigenheiten, Stimmlagen, Macken etc. - darin habe ich mich als Leserin komplett verloren Very Happy

    Und stimmt, witzige Stellen gab es auch ein paar!
    Spoiler:
    Am besten fand ich ja das unfreundliche Schneewittchen, das beinahe von den Zwerge vergiftet worden wäre ... Ich musste so heftig lachen Very Happy Very Happy Einen sich erbarmenden Herren hat aber auch David nicht gefunden, wie es scheint (;
    Besonders grausam fand ich hingegen beispielsweise die Jägerin. Brrr. Der möchte ich weiß Gott nicht begegenen!

    Liebe Grüße,
    Naomi

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    Re: John Connolly - Das Buch der verlorenen Dinge

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