Pooly's Kunst und Schreibforum

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    Beitrag von Vampirmaedchen am Fr 13 Mai 2011, 13:30

    William

    Ich wusste nicht mehr, wie genau ich ins Krankenhaus kam, aber eines wusste ich. Das Ich es nicht mochte hier zu liegen. Seufzend fuhr ich mir durch mein Haar, was zwar kurz war, aber mir dennoch oft ins Gesicht fiel. Meine Mutter hatte es in dieser Länge geliebt, deswegen habe ich wohl es bis heute so gelassen. Ein kleines Lächeln hatte sich bei den Gedanken auf meinen Lippen geschlichen. Ach Mutter, dachte ich und sah aus dem Fenster. Die Sonne schien und ich konnte die Vögel singen hören. Warum war ich hier? Warum hatte mich mein Hausarzt gleich ins Krankenhaus verwiesen? Ich fühlte mich gesund und fit. Also, was war mit mir los? Kaum war ich hier, haben mir die Krankenschwestern und Ärzte Blut abgenommen, verfrachteten mich gleich in ein Einzel Zimmer und blickten mich ernst oder mitleidig an. Na ja, zumindest ein paar Schwestern sahen mich mitleidig an, aber auf meiner Frage hin, was ich denn hätte, konnten oder wollten sie mir nichts sagen, was mich schon fast wahnsinnig werden lies. Ich war nicht gerade freiwillig hier ...
    Die Tür ging auf, der behandelte Arzt kam mit ein paar Zettel in der Hand in mein Zimmer. "Guten Morgen Mr. Baker. Wie geht es Ihnen heute?" Er sah mich kaum an, betrachtete die Dokumente. "Gut, wie jeden Morgen. Verraten Sie mir heute, weswegen ich hier bin und nicht draußen, im Park, auf Arbeit oder am Strand?" Der Doktor räusperte sich, sah zu mir hoch. In diesem Moment sah er um zehn Jahre gealtert aus. Er schien, um die fünfzig zu sein, doch jetzt, sah er aus wie ein noch älterer Mann. "Mr. Baker, was ich Ihnen jetzt sage, ist nicht einfach, aber wir - die Ärzte und Krankenschwestern - werden unser Bestes geben."
    "Was habe ich? Sagen Sie es mir. Bitte."
    "Sie haben Leukämie."


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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Fuchsfee am Fr 13 Mai 2011, 13:45

    Ariane

    Es war eine schwierige Angelegenheit eine Tüte mit Einkäufen und eine Handtasche zu tragen, aber gleichzeitig mit seiner Mutter zu telefonieren.
    "Ich weiß nicht, warum er wieder die Schule geschwänzt hat. Nur weil ich etwas im Sozialbereich studiere, heißt das nicht, dass ich meinen kleinen Bruder perfekt analysieren und einschätzen kann."
    Ich zog missmutig die Augenbrauen zusammen und gab mein bestes, meine Wohnungstür aufzuschließen. Die Post, die ich soeben aus dem Briefkasten gekramt hatte, war unter meinen Arm geklemmt. Verflucht, mein Leben hatte im Moment viel zu viele Schwierigkeiten und Herausforderungen.
    "Nein, läuft alles total locker. Mach dir keine Sorgen um mich."
    Die Post landete auf dem Boden und ich seufzte.
    "Ich ruf dich heute Abend wieder an, okay? Dann können wir in Ruhe reden", sagte ich und legte auf.
    Abgesehen von nerviger Werbung (warum schmissen sie die trotzdem immer rein, obwohl ich einen Aufkleber angebracht hatte, der deutlich machte, dass ich nicht darauf stand?) waren ein paar Briefe dabei, die ich aber später öffnen würde. Es waren garantiert nur Rechnungen und die konnten warten.

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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Vampirmaedchen am Fr 13 Mai 2011, 13:57

    William

    Ich lachte bitter auf. "Leukämie." Ich sah ihn mit einem Lächeln an, was nicht meine Augen erreichte. Als ich aufgelacht hatte, sah mich der Arzt erschrocken an, fasste sich aber schnell. Es schien üblich zu sein, das die Patienten weinten, ihn mit Fragen löcherten, es aber nicht so hinnahmen wie ich. "Ja, Leukämie Mr. Baker. Es werden viele weiße Blutkörperchen gebil-"
    "Ich weiß, was Leukämie bedeutet, das müssen Sie mir jetzt nicht alles erklären", sagte ich in einem ruhigen und ernsten Ton und sah dabei wieder aus dem Fenster. "Meinen Sie ich werde es überleben? Natürlich meinen Sie es. Sie sind Arzt, Sie können nicht einfach so zu einem Patienten sagen, das er sterben wird, wenn die Behandlung gegen der Krankheit noch nicht angefangen hat."
    "Mr. Baker."
    Ich sah wieder zu meinen behandelten Arzt. "Tun Sie einfach das, was Sie für nötig halten. Ich stimme zu allem zu, denn ich hänge, wie jeder andere auch, an meinem Leben."


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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Fuchsfee am Fr 13 Mai 2011, 14:06

    Ariane

    Die Briefe öffnete ich erst, nachdem in den nächsten zwei Tagen weitere dazu kamen. Ich hatte irgendwie keinen Kopf dafür. Ich kapierte zur Zeit nur zwei Drittel meines Studiums und das letzte Drittel war beängstigend wichtig. Wenn ich das nicht in den Griff bekam, würde ich garantiert deswegen durchfliegen. Aus einem Drittel konnte schnell die Hälfte werden. Trotzdem hat jeder seine Pflichten, also musste ich mich den Briefen stellen. Die meisten davon waren Rechnungen, aber ein Brief fiel völlig aus dem Rahmen. Ich musste ihn zweimal lesen, um endgültig zu kapieren, um was es ging. Vor Ewigkeiten hatte ich mich als Spender gegen Leukämie registrieren lassen. Das war schon einige Jahre her und jetzt hatte ich einen Brief in der Hand, dass ich für jemanden als Spender in Frage kam und mich unter einer bestimmten Nummer melden sollte, um alles weitere zu besprechen.

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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Vampirmaedchen am Fr 13 Mai 2011, 17:41

    William

    Der Doktor nickte mir zu, räusperte sich wieder. "Ich habe auch schon etwa ohne ihr wissen in die Gänge geleitet. Wir haben ein Ausschreiben, an einen Spender geschrieben. Dieser wird in den nächsten Tagen zu uns ins Krankenhaus kommen und wir werden dann alles weitere testen und untersuchen, wenn dieser eingetroffen ist. Sie werden den Spender, wie es das Gesetz will, nicht kennenlernen oder auch irgendwie Kontakt zu demjenigen haben, denn wir haben ja keinen ihrer Familie erreichen können."
    Wie denn, wenn ich mit keinem Kontakt habe?, fuhr es mir durch den Kopf, doch ich sah den Arzt weiterhin einfach nur an.
    "Die Krankheit wird sich bald bemerkbar machen. Ihnen werden die Haare ausfallen, sie werden körperlich schwächer und ihr Imunsystem ... Nun ja, das wird, wie man so schön sagt, den Bach hinab gehen."
    Ich musterte den Arzt ernst. "Das haben Sie ja sehr nett gesagt. Aber wissen Sie, ich würde schon gerne 'mal diesen Spender kennenlernen, wenn er denn Kompatibel ist und mein Leben in dem Sinne rettet."
    Er schüttelte den Kopf. "Nein, das geht absolut nicht, Mr.Baker."
    Ich knirschte mit den Zähnen, der Arzt besah noch mal kurz in die Zettel, nickte mir dann zu und ging.

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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Fuchsfee am Fr 13 Mai 2011, 19:39

    Ariane

    Großer Gott, als ich mir von der netten Dame am Telefon erklären lassen ließ, wie eine Spende genau ablief, bekam ich doch weiche Knie. Aber gut, wenn ich jemanden damit helfen konnte, dann war alles in Ordnung. Immerhin ging es hier um viel mehr, als nur meine Wehleidigkeit. Die Organisation kam für die gesamten Kosten auf, die die Anreise und mein Krankenhausaufenthalt verursachen würden. Nach Ablauf von ein paar Jahren konnte ich mich entscheiden, ob ich jemals den Empfänger meiner Spende kennen lernen wollte, aber das wusste ich ehrlich gesagt noch nicht. Ein komisches Gefühl. Der Eingriff an sich würde nicht einmal zwei Stunden in Anspruch nehmen und nach etwa drei Tagen wäre ich wieder in meinem alten Leben. Trotzdem behagte es mir nicht, mich von Kopf bis Fuß untersuchen zu lassen. Ich seufzte und stützte mein Kinn auf meinem Arm auf, während ich nachdenklich mit dem Telefon herumwedelte. Es machte mich aber auf jeden Fall glücklich, jemandem helfen zu können.

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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Vampirmaedchen am Sa 14 Mai 2011, 07:11

    William

    Jetzt war ich alleine mit meinen Gedanken. Und mit meiner Krankheit.
    Leukämie. Blutkrebs. Hyperleukozytose. Sie hatte viele Namen, doch lief es immer auf das eine hinaus: Der Patient hatte zu viele weiße Blutkörperchen im Blutkreislauf. Ich fuhr mir seufzend durch mein - jetzt noch- längeres Haar.
    Ich hoffte, dass sich die Entscheidung ob ich sterben oder Leben würde schnell entscheiden würde.
    Nach dem Tag, als der Doktor mir die Nachricht überbracht hatte, vergingen drei Tage und ich konnte zu sehen, wie es mir langsam immer schlechter wurde. Auch ein paar Büschel Haare fielen mir aus. Es schien, als hätte die Krankheit nur auf den Tag gewartet um dann richtig loszulegen. Aber für mich, so ernst und mit bitteren Humor ich die Sache aufnahm, war es am schlimmsten, das ich mit keinem reden konnte, der nicht Krankenschwester oder Arzt vom Beruf her war. In einem Einzelzimmer hatte ich nur mich oder einen Imaginären Freund, der auch nicht all zu verlässig war. "Du wirst verrückt, Will", murmelte ich und lies mich in meine Kissen zurück sinken, nachdem ich ein halbes Brötchen zum Frühstück gegessen hatte. Irgendwie schien mir grad alles auf den Magen zu liegen. Nach einer Weile kam die Krankenschwester wieder, tadelte mich, das ich wenigstens etwas mehr essen sollte und verschwand dann wieder. Ich machte das Radio an - was sie mir netterweise gegeben hatten- und wie es der Zufall so will lief gerade das Lied: Allein, allein von Polarkreis 18. Ich lachte so laut, wie es mir nur erging auf. Gott oder das Schicksal waren immer noch für ein paar Scherze bereit.

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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Fuchsfee am Sa 14 Mai 2011, 14:18

    Ariane

    "Nun, Ihre Werte sind alle ganz wunderbar. Allerdings scheinen Sie zu wenig zu schlafen und sie sollten sich etwas besser ernähren. Aber das ist nicht schlimm oder bedenklich."
    Der Arzt legte meine Unterlagen auf den Tisch ab und lächelte mir aufmunternd zu, während ich mich unsicher räusperte. Ich gehörte zu den Menschen, die sich schon in einen kleinen Eingriff reinsteigern konnten.
    "Es wird schon alles halb so wild, wie Sie wahrscheinlich im Moment denken. Ehe Sie sich versehen, sind Sie wieder zuhause", sagte er gut aufgelegt. Ich nickte und hoffte, dass er Recht behalten würde.

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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Vampirmaedchen am Sa 14 Mai 2011, 22:25

    William

    Ich hatte meine Augen geschlossen, lächelte über das Lied. Es war so ein banales Lied, dennoch erschien es mir schon als Ohrwurm im Kopf. Müde lächelte ich darüber. Die Zimmertür ging auf und wieder zu, öffnete aber nicht meine Augen. Es waren nur Krankenschwestern oder Ärzte die in meinem Zimmer hineinkamen. Kein anderer. "Mr. Baker ich soll Ihnen ausrichten, das der Spender vor einer Stunde eingetroffen ist und somit die Operation morgen früh stattfindet." Jetzt sah ich doch auf. "Kann das denn schon in dem frühen Stadius stattfinden?" Die Krankenschwester lächelte mild. "Mr. Baker ... wir versuchen Sie so schnell wie möglich wieder gesund zu machen. Darf ich ehrlich zu Ihnen sein?" Ich nickte und lauchte ihren Worten. "Die Ärzte und wir Krankenschwestern freuen uns, wenn ein Patient schnell wieder das Krankenhaus verlässt, denn dann wissen wir, das wir unseren Job richtig gemacht haben und auch nicht gegen den Tod verloren haben. Der Spender hat sich schnell gefunden und so wie es aussieht momentan sind Sie miteinander kompatibel."
    "Aber ich darf meinen Retter nicht kennenlernen."
    Sie setzte wieder dieses milde Lächeln auf. "Nein, aber in ein paar Jahren vielleicht."
    Ich atmetete tief durch, sah dann die Krankenschwester mit einem charmanten Lächeln an. "Da gibt es aber keine ... Ausnahmen bei der Regel?"
    "Mr. Baker ..."

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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Fuchsfee am Sa 14 Mai 2011, 23:32

    Ariane

    Natürlich fühlte ich mich ziemlich fertig, als ich aus der Vollnarkose erwachte. Mir taten die Knochen etwas weh, aber sie sagten mir, dass dies völlig normal nach einer Spende sei. Ich würde nach drei Tagen entlassen werden und ein leichtes Schmerzmittel mitbekommen. Kurz sah der gleiche Arzt vorbei, der mich schon vor ein paar Tagen gesprochen hatte. Irgendwie erinnerte er mich an meinen Vater. Er schien gut gelaunt zu sein und sah sich kurz meine Werte an, plauderte mit mir über mein Studium und fragte mich, ob ich noch etwas brauchen würde. Hunger hatte ich keinen. Vielmehr fragte ich mich, wie wohl die Person war, die meine Spende bekam. Würde ich dieser Person das ... Leben retten? Wenn ich das geschafft hätte, dann wäre dies zum ersten Mal eine wirkliche Leistung von mir. Ich hätte ein Leben wirklich verändert.

    Ein paar Stunden später kam trotzdem eine Krankenschwester vorbei und brachte mir etwas zum Essen.
    "Ein wenig brauchen Sie doch was im Magen. Gerade Sie als Studentin sollten doch wissen, dass ein leerer Magen nicht gerne studiert", lachte sie und stellte vor mir das Tablett ab.
    "Machen Sie sich keine Sorgen, die Spende ist gut verlaufen und wir sind alle sehr zuversichtlich. Es ist zu schade, dass der Empfänger gar nicht weiß, dass er alles einer hübschen jungen Dame zu verdanken hat", schmunzelte sie, was mich irgendwie ziemlich peinlich berührte.

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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Vampirmaedchen am So 15 Mai 2011, 12:07

    William

    Die Krankenschwester sagte nichts mehr weiter und ging. Ob sie zu dem Spender gerade ging? Ich fuhr mir durchs Haar - hatte wieder 'mal Haarbüschel in der Hand - und schlief dann irgendwann ein.
    Am nächsten Morgen wurde ich früh geweckt. Mir wurden meine restlichen Haare abrasiert, wurde zum OP-Raum gebracht und dann in Vollnarkose gelegt. Ich hatte alles über mich ergehen lassen, aber bevor ich einschlief auf dem OP-Tisch fragte ich: "Wer ist mein Spender?" Natürlich bekam ich keine Antwort; oder ich war schon so benebelt und habe sie nicht mitbekommen.

    Nach der Operation wachte ich benommen auf, hörte meinen Herzschlag von einem dieser Geräte und sah, wie eine dicklichere Krankenschwester auf mich zukam. Sie fragte, wie es mir ginge und ich meinte das es soweit mir gut ginge. Sie nickte, sah auf eines der Geräte und verschwand dann wieder zu ihrem Tisch und las weiter ein Frauenmagazin. Würde ich jemals in einem Raum liegen, wo andere Patienten auch waren?

    Ich hatte nicht bemerkt, das ich noch einmal eingeschlafen war, aber als ich dann wieder aufwachte, war ich schon wieder in meinem Zimmer. Mein Körper fühlte sich noch schwächer an, als vor der Operation, aber mir war es in dem Moment egal, denn ich konnte hören, dass das Radio lief. War das schon die ganze Zeit an? Aber wer ... ? Und warum war mein Schrank auf? Ich versuchte mich etwas aufzusetzen, als die Schranktür wieder zu gemacht worden ist und ich erkannte Mary, meine Kollegin, wieder. "Bist du endlich aufgwacht, Will?" Sie hatte grüne Krankenhaus-Kleidung an und einen Mundschutz. Die Ärzte und Krankenschwestern hatten zwar auch einen auf, aber bei Mary ... es versetzte mir einen Stich. War das wirklich so schlimm?
    Ich merkte, wie trocken meine Kehle war, nickte deswegen nur. "Oh, du willst bestimmt etwas zu trinken haben, oder?" Sie war immer so aufmerksam ...
    Wieder nickte ich und musterte Mary, die gerade die Wasserflasche aufschraubte. Sie war unsere Auszubildende im Bücherladen, aber gleich vom ersten Tag an hatten wir uns gut verstanden. Es war, als hätte ich eine kleine Schwester gefunden, als sie unseren Buchladen betreten hatte. Sie gab mir das Glas Wasser und lächelte mir dann aufmunternt zu. Schon fast gierig, hatte ich das Glas an meine Lippen geführt und das kühle Nass hinuntergestürzt. Sie zog sich einen Stuhl ran und setzte sich dann an mein Bett. Nachdem ich das Glas wieder abgestellt hatten, besahen wir uns einen Moment, bevor sie wie ein Wasserfall loserzählte was alles im Laden passiert war während ich hier im Krankenhaus lag. Manchmal lachte ich leise auf, weil Mary ihren Redefluss nicht stoppen wollte, aber auch, weil sie so lieb zu mir war. Ich war zwar nur ein Verkäufer, dennoch erzählte sie mir alles, als wäre ich der Chef gewesen, der über alles bescheid wissen müsste.

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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Fuchsfee am So 15 Mai 2011, 14:29

    Ariane

    Die drei Tage gingen erstaunlich schnell vorbei. Mir taten die Knochen zwar noch etwas weh und ich fühlte mich etwas matt, aber ich wollte mich nicht beschweren. Es gab wesentlich mehr Leute hier, die größere Beschwerden und Probleme hatten. Mein Vater hatte sich bemüht, mich so schnell wie möglich abzuholen. Aber da er Lehrer war, konnte er sich nicht so einfach frei nehmen. Besorgt lächelte mich mein Vater an, als er meine Koffer nahm. Immer machte er sich irgendwie Sorgen.
    "Wenn es dir noch nicht so gut geht, kannst du gerne für eine Woche zu uns kommen", bot er an und musterte mich.
    Ich winkte etwas verlegen ab.
    "Nein, das geht schon, wirklich. Ich fühle mich nur etwas schlapp, aber das ist okay. Es war ja nur ein kleiner Eingriff, also mach dir keine Gedanken, ja?"
    Natürlich schnaubte er etwas, aber ich ignorierte es.
    "Wie läuft es mit Brüderchen?", fragte ich beiläufig, als wir durch die Krankenhausflure gingen.
    "Wie immer. Wäre er auf meiner Schule oder gar ein Schüler von mir, könnte ich ihm viel besser die Ohren lang ziehen ...", seufzte er.
    "Keine Ahnung, wo er gerade wieder steckt."
    Nachdenklich lauschte ich meinem Vater. Kurz drehte ich mich um, denn jetzt, kurz vor dem Abschied, tauchte wieder die Frage in meinem Kopf auf, wer und wie wohl der Spendenempfänger war. Ob er oder sie es schaffen würde?

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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Vampirmaedchen am So 15 Mai 2011, 20:08

    William

    Mary ist dann gegangen, aber an der Tür hielt sie inne und fragte mich, wie lange ich noch im Krankenhaus bleiben würde. Ehrlich und lächelnd sagte ich: "Wohl ein, zwei Monate." Sie nickte und ging dann. Ich fuhr mir über den Kopf - es war eine Angewohnheit von mir, die ich nicht abstellen konnte.


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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Fuchsfee am So 15 Mai 2011, 20:17

    Ariane

    Es dauerte einige Zeit, bis ich die Meldung bekam, dass alles gut verlaufen war. Obwohl ich den Empfänger meiner Spende nicht kannte, fühlte ich mich unglaublich erleichtert und ... irgendwie glücklich. Natürlich änderte sich nichts an meinem Leben. Ich quälte mich weiterhin durch bestimmte Fächer, versuchte mich anzustrengen und ging nebenbei arbeiten. Mein Bruder bereitete meinen Eltern und mir Sorgen und ich machte mir oft viel zu viele Gedanken. Aber ich hatte wenigstens ein anderes Leben verändert.

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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Vampirmaedchen am So 15 Mai 2011, 20:33

    William

    Die Monate vergingen und am Tag meiner Entlassung konnte ich eine der vertrauten Krankenschwestern dazu bringen, mir etwas über den Spender zu sagen. "Bitte. Ich werde es keinem sagen, das sie mir den Namen gesagt haben."
    "Mr. Baker ... "
    "Kaleen", sagte ich und lächelte sie warm an. Sie hatte mir ihren Namen verraten, als wir eines Abends - wie immer - in meinem Zimmer waren und geredet hatten, wenn sie Pause hatte. Aber jetzt, hatte sie mich mit meinem Nachnamen angeredet, was nichts gutes verheißen wollte.
    "Ich könnte meinen Job verlieren. Sogar vielleicht meine Lizens!"
    "Kaleen", versuchte ich es nocheinmal, "Ich werde es keinem sagen. Bitte sage mir den Namen des Spenders."
    "Okay, aber ich vertrau es dir wirklich nur an, wenn du es KEINEM sagst!!"
    Ich nickte und sie verratete mir den Namen und dass das Mädchen Studentin sei. "Danke, mein Schatz." Ich küsste Kaleens Wange, nahm meine Tasche und ging dann aus dem Krankenzimmer. Jetzt müsste ich nur noch ihre Adresse finden ..


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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Fuchsfee am So 15 Mai 2011, 21:24

    Ariane

    "Und das gibt dir nicht zu denken, dass ein Betrunkener auf dich los ist?"
    Haylie zog eine Augenbraue nach oben und schüttete sich noch etwas mehr Milch in ihren Kaffee.
    "Ach Mensch, das ist eine Ausnahme gewesen. Irgendwann darf ich ihnen eben nichts mehr zum Trinken bringen, weil zu betrunkene Leute auch nicht gut für die Bar sind und da ist er eben ausgerastet."
    Der Gesichtsausdruck meiner besten Freundin verriet, dass sie das ganze nicht so harmlos betrachtete.
    "Ariane, ich kenne dich. Ich weiß, dass dich sowas total erschreckt und du nicht wirklich damit klar kommst. Ich will nur nicht, dass das Spuren hinterlässt, die dich noch mehr belasten."
    "Ich werde mir in nächster Zeit was anderes suchen", beruhigte ich sie und blickte mich gedankenverloren in dem Cafe um. Mittlerweile waren seit meiner Spende ein paar Monate vergangen.
    "Die Arbeitszeiten sind irgendwie nicht so toll und es ist keine passende Arbeit für mich."
    "Dann ist ja gut, meine Liebe. Aber es sind deine Gedanken. Du solltest positivere Gedanken haben, denn deine Wünsche formen sich daraus ..."
    Ich unterbrach sie mit einer Handbewegung und einem Kopfschütteln.
    "Haylie, ich glaub nicht an sowas. Das weißt du."
    "Das ist ziemlich schade Ariane, denn ich habe zum Beispiel einmal einen Wunschbrief an das Universum geschrieben und ein paar Monate später ging der Wunsch in Erfüllung."
    Ich lächelte versonnen und seufzte.
    "Oh ja, was für ein Ergebnis."



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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Vampirmaedchen am Di 17 Mai 2011, 08:47

    William

    Als ich zu hause war packte meine Tasche aus und machte mir erstmal eine Kanne Kaffee. Gott, wie sehr hatte ich meinen eigenen Kaffee vermisst. Nichts war besser als eine Tasse Kaffee. Während das Wasser kochte sah ich mich etwas um. Es war ... schon fast eigenartig wieder in meiner Wohnung zu sein. Ich öffnete einige Fenster, besah mich nach etwas essbaren um. Wenigstens ein Apfel ... irgendwo ... "Scheibenkleister", fluchte ich, denn die Äpfel, die ich noch in meiner Wohnung fand waren schon längst verfault oder hatten große Druckstellen. "Dann muss wohl ein Kaffee reichen ..." Als ich in der Küche zurück war, klingelte mein Handy. Mary war dran und wir redeten darüber, das wir nachher in ein Café gehen würden.
    Seufzend legte ich nach dem Gespräch auf. Warum hatte ich mir dann Kaffee gerade gemacht?! Ich trank trotzdem etwas von meinem Kaffee und lauschte der Musik, die ich gerade angemacht hatte, nachdem ich mit meiner Tasse ins Wohnzimmer gegangen war.


    Fuchsfee
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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Fuchsfee am Di 17 Mai 2011, 13:34

    Ariane

    "Es ist denkbar einfach und doch so wirkungsvoll", fuhr Haylie fort, ohne auf meinen (wie so oft) skeptischen Gesichtsausdruck zu achten.
    "Du schreibst einen Brief."
    Ich zog eine Augenbraue nach oben. Briefe an Schutzengel schreiben, das hatten wir schon öfters gehabt.
    "Du musst nicht an das glauben, woran ich glaube. Aber wenn du deinen Wünschen und Gefühlen in einem Brief Ausdruck verleihst, werden sie konkreter. Du musst es nicht unbedingt an einen Engel schreiben. Schreib es an das Universum."
    Ich seufzte und fuhr mir müde durch mein Gesicht.
    "Universum ... Engel ... das ist für mich alles das gleiche", lachte ich verlegen.
    "Ach Ariane. Mach es doch einfach. Du hast nichts zu verlieren und ich erzähle es auch niemandem, falls du das befürchtest."
    "Haylie, ich habe so viele Baustellen in meinem Leben, dass ich bezweifle, dass ein Engel ... das Universum ... wer auch immer ... das alles regeln könnte, wenn nicht einmal ich selbst das schaffe."

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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Vampirmaedchen am Fr 20 Mai 2011, 21:13

    William

    Ich hatte es mir auf meinem Sofa gemütlich gemacht und genoß meine Tasse Kaffee, aber wieder klingelte mein Handy. "Ja?", bellkte ich hinein und bekam dann eine Ermahnung von Mary zu hören. "Du meintest 'nachher' und nicht 'gleich'!"
    "Ja. Nein. Mensch, Willy! Ich will dich wiedersehen! Jetzt beweg deinen Hintern endlich ins Café!!"
    Ich seufzte und konnte sie nicht dazu bringen anders mit mir zu reden. Sie war eben wie eine kleine Schwester für mich ...
    Schnell trank ich den Rest meines Kaffees aus, steckte mein Handy zurück in meiner Hosentasche und zog mir meine schwarze Lederjacke an. Den Bio-Müll nahm ich auch gleich mit um ihn dann wegzuschmeißen.

    "Es ist so schön dich wiederzusehen!" Mary legte ihre Arme um mich und küsste meine Wange. "Hey, seit wann bist du SO vetraut mit mir?", fragte ich zwinkernd, zog dann meine Jacke aus und hängte sie über meinen Stuhl. Mary setzte sich mir gegenüber hin, streckte mir die Zunge raus. "Ich mag dich einfach ... und hab dich vermisst. Also, lass mich jetzt in meinem Gefühlsausbruch rumtaumeln." Ich lachte leise und sah mich kurz im Café um.
    Es war ganz nett hier und nicht viel los, doch zwei Frauen fielen mir sofort auf. Na ja, besser gesagt eine. Sie wirkte etwas zurückhaltender, schien sich aber nicht gerade über die Worte der anderen zu freuen. Ich bekam auch nur ein paar Wortfetzen mit und grob schienen sie sich über Esoterik oder so zu unterhalten. Ich schüttelte darüber den Kopf. Menschen, die an Engeln oder Gott glaubten verstand ich nicht. So etwas gab es doch nicht!
    "Hörst du mir überhaupt zu, Willy?!"
    "Nenn mich noch einmal Willy und ich kipp dir deinen Kaffee in den Schoß", sagte ich Lächelnd zu Mary. Sie schnappte nach Luft.
    "Das würdest du NIE tun!" Wie zum beweis lies ich meine Hand nach ihrer Tasse gleiten. "NEIN!" Sie hebte schnell die Tasse an, sah mich mit großen Augen an. Mit einem wissenden Grinsen lehnte ich mich zurück und mein Blick glitt wieder zu den beiden Frauen die sich wohl weiterhin über Esoterik zu unterhalten schienen. Dennoch versuchte ich nebenbei auch Mary zuzuhören, wie sie über ihre Arbeit sprach.


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    Re: Thank you for being alive (Fuchsfee & Vampirmaedchen)

    Beitrag von Fuchsfee am Fr 20 Mai 2011, 21:36

    Ariane

    "Irgendwie ... klebt mein Lipgloss total", bemerkte ich und zog mit Absicht meinen Mund übertrieben lang.
    "Lenk nicht vom Thema ab. Schreib einen Brief und fertig."
    "Vielleicht ist es auch so gedacht, dass er klebt und antrocknet, damit er nicht so schnell abgeht ...", fuhr ich grinsend fort und kräuselte die Nase, wie so oft, wenn ich lachte oder lächelte.
    "Ariane! Du bist manchmal furchtbar!", lachte aber Haylie dann doch letzten Endes.
    "Schau mal, ich habe neue Handyfotos von meinen Bärchen!", flötete ich gut gelaunt und meine Freundin lachte noch mehr.
    "Du bist der einzige Mensch auf diesem Planeten, der süße Hunde als Bärchen bezeichnet."
    Trotzdem sah sie sich artig die Bilder an.
    "Oh, hier liegen wir gemeinsam in einer Blumenwiese. Ist das nicht hinreißend? Und hier machen wir zusammen einen Stadtbummel. Schau nur, wie sie strahlen!"
    "Liebes ... du brauchst dringend wieder einen Mann in deinem Leben."
    Verlegen nippte ich an meinem Cappuccino und errötete. Ich mochte es nicht so sehr, wenn man mich direkt auf solche Themen ansprach.
    "Als erstes würde er dich aus dieser grauenvollen Bar herausholen."
    "Haylie, du tust ja gerade so, als würden sie mich da anketten und total mies behandeln. Ich bin da freiwillig. Die Trinkgelder sind super und ich mag meinen Chef. Er hört sich coole Musik an. Und ich lerne extrem viel über Saufen und Cocktails."
    Ein junger Mann fiel mir auf, der mit einem jüngeren Mädchen herumalberte. Ein wenig erinnerten die beiden mich an meinen Bruder und mich, nur mit dem Unterschied, dass mein kleiner Bruder meistens der vorlautere und frechere von uns beiden war. Ohne dass ich es wollte, musste ich kurz lächeln, sah aber sofort beschämt weg. Er wirkte auf eine seltsame Art und Weise ernst. Das fiel mir sofort auf. Und trotzdem war er so nett zu diesem Mädchen und schien auf seine Art aus sich herauszugehen.



      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Fr 25 Mai 2012, 15:27