Pooly's Kunst und Schreibforum

Liebe Gäste und natürlich auch liebe Mitglieder!


Ich möchte euch alle herzlich willkommen heißen in Pooly's Kunst und Schreibforum!

Zu unseren Mitgliedern sage ich: willkommen zurück.

Und unseren Gästen möchte ich empfehlen, sich vielleicht etwas hier umzusehen. Vielleicht lohnt es sich ja für euch.
Lasst euch nicht abschrecken. Eventuell könnte die Anzahl unserer Foren euch etwas erschlagen. Aber es dauert wirklich nicht lange, bis man sich hier eingefunden hat und im Notfall sind alle User und Teammitglieder bereit, euch unter die Arme zu greifen :)

Viel Spaß!



Pooly & Co.

    Roberto Saviano - Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra

    Teilen
    avatar
    Kelly
    Schafft Werke für die Bevölkerung
    Schafft Werke für die Bevölkerung

    Beiträge : 1444
    Ich schreibe : alles... von Romanen über Gedichte bis hin zu... nein, Songtexte habe ich noch nicht probiert. Mal was neues...
    Texte : Kelly
    Kunst : Kelly

    Roberto Saviano - Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra

    Beitrag von Kelly am So 27 Feb 2011, 16:48

    Roberto Saviano

    Gomorrha
    Reise ins Reich der Camorra

    Verlag: dtv
    ISBN: 9783423345293


    „Kurz gesagt: Verstehen heißt, unvoreingenommen und aufmerksam der Wirklichkeit, wie immer sie aussehen mag, ins Gesicht zu sehen und ihr zu widerstehen.“

    Dieses Zitat der Schriftstellerin und Philosophin Hannah Arendt setzt Roberto Saviano an den Beginn seines Werkes „Gomorrha. Reise ins Reich der Camorra“. Doch ausgerechnet dieses hohe, journalistische Ideal erfüllt er nicht. Er stellt sich der Wirklichkeit nicht unvoreingenommen, denn er ist in Kampanien aufgewachsen, in jener Gegend, wo die Clans der Camorra die Fäden im Hintergrund ziehen, in jener Gegend, in der Menschen umgebracht wurden, als die ETA, die IRA und sogar die sizilianische N'drangheta im Laufe ihrer Geschichte töten konnte. In jener Gegend also, wo jeder Tag aufs Neue eine Herausforderung darstellt.

    „Je eindringlicher Pasquale mich warnte, wie gefährlich die Lage sei, desto mehr war ich davon überzeugt, dass ich unbedingt begreifen musste, wie das Desaster zustande kam. Und begreifen bedeutet, irgendwie beteiligt zu sein. Dazu gab es keine Alternative, und ich glaube, anders kann man die Dinge nicht verstehen. Aus einer Position der Neutralität oder der objektiven Distanz heraus habe ich nie etwas herausgefunden.“
    (Seite 92)


    Aber Saviano schreibt nicht lediglich vom System der Camorra, das alle Ebenen der Wirtschaft durchdringt wie ein engmaschiges Netz. Roberto Saviano erzählt in erster Geschichten von Menschen, die in dieses System hineingeraten, ohne es zu wollen wie Pasquale, von Menschen, die sich dagegen wehren und es mit dem Leben bezahlen wie Don Peppino und von Menschen, die sogar davon träumen irgendwann die großen Gewinner dieses Systems zu sein, wie etwa Cosimo Di Lauro.

    Er beschäftigt sich aber nicht nur mit den Tätern: Obwohl es in diesem Netz aus Korruption, Stolz und Verrat niemanden gibt, der nicht Opfer und Täter zugleich sind, gibt es immer auch solche, die einen hohen Preis dafür zahlen, dass sie überleben wollen – doch andere schlagen ihr Kapital daraus. Es sind die Bauarbeiter, die unter übelsten Bedingungen um ihren Lebensunterhalt schuften.

    „Ich weiß, und ich habe Beweise. Und die Beweise haben Namen. Innerhalb von sieben Monaten kamen auf Baustellen nördlich von Neapel fünfzehn Arbeiter ums Leben. Vom Gerüst gefallen, unter einen Schaufellader geraten, von einem Kran zerquetscht, der von einem übermüdeten Arbeiter bedient wurde. Die Zeit drängt schließlich...“
    (Seite 263)


    Seine persönlichen Erfahrungen, seine Gespräche mit den Leuten seiner Heimat und in erster Linie sein essayistischer Schreibstil weisen auf beeindruckende Art und Weise darauf hin, wie absurd, grausam und menschenfeindliche Situation in Kampanien hin.
    Roberto Saviano ist Journalist, vielleicht ist er auch ein Held, aber das ist nur eine Seite. Vor allem aber ist er ein Mensch, der die Menschlichkeit nicht vergessen hat.

    „Ich dachte noch einmal an den Kampf des Priesters [Don Peppino], an sein Primat des Wortes. Dachte daran, wie revolutionär neu und zwingend der Wille ist, im Kampf gegen das Getriebe der Macht allein auf die Kraft des Wortes zu vertrauen. Worte gegen Betonmischmaschinen und Gewehre. Kein symbolischer, sondern ein realer Akt. Um anzuprangern, zu bezeugen, Präsenz zu zeigen. Das Wort, das allein dadurchseine Kraft gewinnt, dass es ausgesprochen wird. Das Wort als Wächter und Zeuge: wahr, solange es artikuliert wird. Ein solches Wort kann man nicht vernichten, es sei denn, man tötet.“
    (Seite 285)


    Saviano mag vielleicht ein Träumer sein, ein hoffnungsloser Idealist – vielleicht sogar ein Romantiker. Aber er hat verstanden, dass man die Welt nur verändern kann, wenn man den Menschen das notwendige Mittel dazu in die Hand gibt: die Wahrheit. Und um diese zu vermitteln, hat er zur mächtigsten Waffe gegriffen, die jedem Menschen – vor allem aber jedem Journalisten und Schreiberling – gegeben ist: das geschriebenen Wort.
    avatar
    Alania
    Administrator

    Beiträge : 51648
    Ich schreibe : Briefe.
    Sonstiges : Wir wissen, was wir wissen, durch das, was wir wissen.
    Set by Sina

    Re: Roberto Saviano - Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra

    Beitrag von Alania am Di 26 Jul 2011, 14:15

    Hallo, Marita!

    [Wow, schon so lange ist deine Rezension unkommentiert, das ist ja furchtbar! oo]
    Auf jeden Fall: Danke, dass du uns dieses Werk vorgestellt hast.

    Es klingt erschütternd und auch mitreißend und beinhaltet gewiss auch viel Kritik.
    Saviano mag vielleicht ein Träumer sein, ein hoffnungsloser Idealist – vielleicht sogar ein Romantiker. Aber er hat verstanden, dass man die Welt nur verändern kann, wenn man den Menschen das notwendige Mittel dazu in die Hand gibt: die Wahrheit. Und um diese zu vermitteln, hat er zur mächtigsten Waffe gegriffen, die jedem Menschen – vor allem aber jedem Journalisten und Schreiberling – gegeben ist: das geschriebenen Wort.

    Ich finde das ist sehr schön gesagt.
    Irgendwie muss man ja versuchen, den Menschen die Augen zu öffnen. :)

    Da ich noch viel zu lesen habe, wird es jedoch nicht auf meine Liste wandern. Wink Vielleicht später einmal.

    LG
    Angie


    ______________________Poolys Kunst- und Schreibforum______________________



      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Do 20 Sep 2018, 09:07