Ivoire
Der Wind strich mir durch mein offenes Haar, während ich auf dem Dach der Kirche saß. Verborgen in den hintersten Winkeln und versteckt in den Schatten tauschte ich mich mit den anderen Assassinen aus. Ich kannte sie gut, so gut wie man Assassinnen kennen konnte und durfte. Der Sonnenuntergang war bereits weit fortgeschritten und ich hatte nicht mehr viel Zeit, bis ich zurückkehren sollte. Die Männer nickten schweigend, um mir zu zeigen, dass es nichts mehr zu besprechen gab. Mit einem Satz sprang ich lautlos ein Dach tiefer. Aufgeschreckt flatterten einige Tauben auf und schienen fast empört zu gurren. Ich kletterte weiter hinunter, bis ich wieder auf sicherem Boden stand. Versonnen lächelnd warf ich noch einen Blick nach oben. Man konnte sie wirklich nicht von hier aus sehen. Dann lief ich mit eiligen Schritten davon, schlängelte durch die Gassen und als die Glocken dumpf zu läuten begannen, war ich bereits auf dem Palasthof angekommen. Der Himmel wurde von einem zarten Dunkelblau überzogen, in dem noch etwas Lila war. Sofort kamen ein paar andere Hofdamen angetrippelt. "Ivoire! Ein Glück. Die Königin wartet schon sehnsüchtig auf Euch ... und Ihr müsst Euch noch fertig machen. Ihr wisst doch ... Wir werden Euch dabei helfen."
Ich seufzte, verlor aber wie so oft mein Lächeln nicht dabei. "Natürlich meine Damen, natürlich." Wenn Königin Cosette Alexiane XII wünschte, dass ich einen Mann wirklich auf Herz und Nieren prüfte, dann würde ich es tun. Ich hätte lügen müssen, wenn ich behauptet hätte, dass es mich nicht selbst interessierte, was sich tatsächlich hinter den vielen Geschichten verbarg, die man sich über ihn erzählte.

