Pooly's Kunst und Schreibforum

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    Menschenrecht minus Mensch ist gleich Recht?

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    Menschenrecht minus Mensch ist gleich Recht?

    Beitrag von Kelly am Do 02 Dez 2010, 20:27

    Dann weihe ich diesen neuen Bereich also gleich ein Wink mit einem kleinen Essay. Würde mich interessieren, was ihr davon haltet.

    Menschenrecht minus Mensch ist gleich Recht?

    Wir schlafen. Wir schlafen gut und schon viel zu lange. Wir schlafen, während die Welt um uns herum in Unmenschlichkeit versinkt, während der „Mensch“ im „Menschenrecht“ immer mehr an Bedeutung verliert und nur noch das „Recht“ in den Mittelpunkt rückt. Mensch oder Unmensch, menschlich oder unmenschlich – das spielt keine Rolle mehr. Wir schlafen ja...

    Aber noch während wir selig schlummern, rücken in allen Teilen der Welt Panzer und Kriegsmaschinen auf, die uns – wenn wir nicht von selbst aufwachen – äußerst unsanft aus unseren Träumen holen werden. Und während wir uns dann noch ungläubig den Schlaf aus den Augen reiben, werden wir spätestens dann erkennen, dass der „Mensch“ im „Menschenrecht“ längst verschwunden ist, eliminiert und liquidiert von jener Allmacht, die sich „Recht“ oder „Gesetz“ nennt.
    Welches „Recht“ ist nun aber berechtigt, diesen Menschen zu töten? Was ist das noch für ein „Recht“, wenn es sich nicht mehr nach dem Menschen sondern gegen ihn richtet? Wenn es nur noch denen zu Ruhm und Ehre gereicht, aus deren Papier und Tinte es einst entstanden ist?
    In genau dem Augenblick ist es an der Zeit, aufzustehen. Wir dürfen nicht länger zusehen, wie Papier und Tinte uns knechten, wie sinnlose Wortakrobatik uns zur Sklaverei verdammt, wie Paragraphen uns zu gefühllosen Schreibtischtätern machen.
    Wenn Recht und Gesetz die Ansprüche der Menschlichkeit nicht mehr erfüllen, wenn ein Blatt Papier über dem Bedürfnis eines Menschen nach Sicherheit steht, und wenn wir alle dann passiv daneben stehen und nichts tun, dann ist unsere Gesellschaft auf dem besten Wege, die schrecklichen Fehler des letzten Jahrhunderts zu wiederholen.

    Es ist ein trauriges Zeugnis unserer Epoche: Paragraphen degradieren Schutzsuchende zu „Sozialschmarotzern“ und Kinder zu Verbrechern. Absätze erlauben es, Familien auseinanderzureißen oder sie schnurstraсks über das Meer zu schicken, wo Ghadaffis Haftanstalten mit Misshandlungen und dergleichen mehr auf sie warten.
    Und als verachtenswerten Höhepunkt ist es dem Staat sogar möglich, die Kinderrechtskonvention zu ratifizieren und sie dennoch nicht in die Verfassung aufzunehmen. Es ist möglich, vor dem Angesicht der Weltpolitik das fortschrittliche, brav westlich orientierte Land zu spielen und gleichzeitig Kinder und Jugendliche einzusperren, nur weil sie aus einem anderen Land kommen und endlich den Mut gefunden haben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
    Vor Gesetzestexten und sogenanntem „Recht“ ist dies alles möglich, ja sogar richtig! Doch wie steht es um unser Gewissen?
    Die selige, westliche Welt, von der wir träumen, gibt es nicht; es gab sie nie. Immer schon waren wir nur auf unseren eigenen Vorteil bedacht, haben ihn auch erreicht und zwar auf simpelstem Wege: einfach die Augen fest zusammenkneifen...
    Auf diese Art und Weise dösen wir vor uns hin, nicken hin und wieder auch ein, können leben, überleben und glücklich sein. So einfach ist das.

    Ab und zu gibt es dann aber doch Menschen, die aufwachen. Sie wachen auf und erkennen die Welt nicht wieder. „Was ist aus dem Menschenrecht geworden?“, fragen sie sich. „Wie kann es sein, dass Repressionen und Einschüchterung, Diskriminierung und Verstöße gegen internationale Konventionen unserer Vorstellung von Recht entsprechen?“
    Sie stellen diese Fragen und handeln.
    Manche dieser Menschen sterben jung, zerbrochen von Passivität und Resignation oder zum Schweigen gebracht von dem, was die allgemeine Rechtslage zulässt: von Repression, Einschüchterung oder Schlimmerem.
    Andere resignieren irgendwann von selbst. Es ist nicht einfach, unbequem zu sein.
    Manche dieser Menschen aber kämpfen weiter: für Menschlichkeit, für eine Zukunft und dafür, dass „Mensch“ und „Recht“ wieder zum „Menschenrecht“ zusammenfinden.
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    Re: Menschenrecht minus Mensch ist gleich Recht?

    Beitrag von Jojo am Do 02 Dez 2010, 21:16

    Hey Marita,

    Ich habe keine Ahnung, ob dieser Essay die Kriterien eines Essays erfüllt, aber das ist dir sicherlich selbst klar.

    Mir hat es jedenfalls gefallen, wie du diese Situation beschrieben hast. Es ist dir wirklich gelungen und du hast es geschafft, dass ich jetzt über das Thema nachdenke.
    Ich finde, dass du dir da wirklich etwas schwieriges herausgesucht hast, aber das durchaus gut und schön verpackt hast.
    Es war sehr angenehm zu lesen.

    Du hast wohl Recht mit dem, was du schreibst und das ist irgendwie erschreckend. Ich weiß nicht, es ist wirklich etwas Wahres dran und da fragt man sich doch wirklich, wieso man gegen solche Umstände nichts unternimmt. Wir sind wohl wirklich zu bequem und das ist ... schrecklich ...

    Schönes Thema und tolle Umsetzung kann ich da nur sagen.
    Der Text regt zum Nachdenken an Wink

    Liebe Grüße
    Jojo
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    Re: Menschenrecht minus Mensch ist gleich Recht?

    Beitrag von Kelly am Do 02 Dez 2010, 21:49

    Hey Jojo!

    Danke für dein Kommentar. Es freut mich natürlich, wenn dir mein Essay gefallen hat. Was ich an Essays so mag, ist die Tatsache, dass es keine eindeutigen Kriterien gibt. Wink Deshalb ist es mir gar nicht klar, ob der hier irgendwelche Kriterien erfüllt.

    Das Thema beschäftigt mich seit einiger Zeit, weil die aktuelle Situation einfach untragbar ist. Da werden wirklich Familien abgeschoben, während die Mutter im Krankenhaus ist und dergleichen. Und der Witz: Nach einiger Zeit ist das Thema in den Medien totgeschrieben und niemand interessiert sich mehr dafür.

    DAS finde ich schrecklich und deshalb habe ich darüber geschrieben.
    lg
    Marita

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    Re: Menschenrecht minus Mensch ist gleich Recht?

    Beitrag von FREEMAN am Di 19 Apr 2011, 18:24

    Liebe Marita,

    der Ansatz Deines Essays gefällt mir, der Inhalt jedoch nicht. Alle Beispiele, die Du gewählt hast, sind vage und undifferenziert. Hier hätte ich mir mehr Tiefgang, mehr Erklärung gewünscht. So schreibst Du z.B., dass Menschen abgeschoben werden und prangerst diesen Umstand an. Das ist so ähnlich, als ob jemand die Sonne verurteilt, weil sie Sonnenbrand hervorruft.

    Ich selbst habe mich in Form praktizierter Nachbarschaftshilfe einer Familie (politische Flüchtlinge aus dem Kosovo) angenommen und sie beim "Einleben" unterstützt. Nach einigen Jahren wurde einer der vier Söhne ausgewiesen und in den Kosovo zurück geschickt. Ich hätte aufschreien und sein Schicksal beklagen können - eine Familie wurde zerrissen - doch ich musste die Tatsache akzeptieren, dass er innerhalb kürzester Zeit ein beachtliches Vorstrafenregister angesammelt hatte (Einbruch, Diebstahl, Drogen, Waffen etc.) und ich musste mir selbst die Frage stellen, ob unsere Gesellschaft ein Individuum intergrieren kann, das sich selbst außerhalb der Regeln der Gesellschaft stellt. Auch wenn ich den Jungen mochte, so fiel meine Antwort eindeutig aus: nein!

    Es ist alles weder schwarz noch weiß, aber genau diese Grautöne dazwischen hätte ich mir in Deinem Essay gewünscht.

    Ralf
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    Re: Menschenrecht minus Mensch ist gleich Recht?

    Beitrag von Shira am Mi 08 Jun 2011, 22:28

    Hallo Kelly,

    auch mir haben die fehlenden Argumente sehr missfallen. Du hast einen wunderbaren Aufbau in dein Essay gebracht und es geschafft, mit einer wunderbaren Wortwahl das Thema darzustellen. Beim ersten Absatz habe ich mich allerdings gefragt, worauf du hinauswillst. Das "Recht", dass du beschreibst, unterscheidet sich nicht eindeutig von dem "Menschenrecht", womit du mich ordentlich verwirrt hast.
    Auch hast du meiner Meinung nach etwas hochtrabend angefangen: Alles werde nur auf Kriege hinauslaufen und wir werden uns selbst zerstören, weil wir schlafen und nicht merken, wie viel wir von der Menschlichkeit verlieren. Also bitte, wenn du so etwas einfach behauptest, dann mach es doch als Höhepunkt, sodass es den Leser auch wirklich wachrüttelt.
    Auch muss ich Ralf zustimmen, dass die Reihe an Gesetzen, die unser Land überflutet, durchaus Sinn und Zweck hat. Die Frage ist meiner Meinung nach vielmehr die der Ausführung der Gesetze. Gegen Ende habe ich mich deshalb gefragt, ob du vielleicht einfach nur darauf hinausmöchtest, dass wir Gesetze haben, die man nicht mehr im richtigen Sinne wahrnimmt und die daher eher von Nachteil für die Bevölkerung sind. In diesem Sinne wäre dann deine Darstellung einleuchtender. Aber wie gesagt, mir ist nicht ganz klar, worauf du hinauswillst.
    Mein Fazit ist also, dass du einen wunderbaren Stil hast, der das Thema gut aufgreifen kann, aber leider inhaltlich nicht wirklich überzeugend warst.
    Doch ich glaube, aus dem Text lässt sich noch einiges machen, wenn er eine ordentlich ausgearbeitete Argumentationsstruktur aufweist.
    Lg Shira

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    Re: Menschenrecht minus Mensch ist gleich Recht?

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