Pooly's Kunst und Schreibforum

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    Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Daenerys am 06.11.10 23:25




    "Wer bin ich?"
    Diese Frage stelle ich mir schon seit geraumer Zeit. Nicht "wo bin ich?" oder "was geschieht mit mir?". Dies ist für mich völlig irrelevant. Hier hat nichts eine Bedeutung.
    Zeit vergeht. Mal schneller, mal langsamer. Ein richtiges Zeitgefühl habe ich schon lange nicht mehr. Gestern, morgen. Was spielt das schon für eine Rolle, hier in der Dunkelheit.
    Drei kalte, glitschige, feuchte Wände und eine schwere, hölzerne Tür mit einem kleinen Gitterfenster umgeben mich. Ich weiß nicht wie lange ich schon darauf warte, dass sich diese Tür öffnet. Wenigstens um nach einen zu sehen.
    Jetzt wo ich darüber nachdenke, hab ich hier noch keine richtige Nahrung zu mir genommen. Aber Hunger oder Durst fühle ich nicht. Seltsam. Ein fahler Lichtschein bahnt sich den Weg in mein kleines, bescheidenes Zellenreich. Ich kann noch nicht einmal sagen, ob es Tag oder Nacht ist. Die Sonne habe ich das letzte mal vor einer Ewigkeit gesehen. Mittlerweile ist für mich die Finsternis mein stetiger Begleiter.

    Meine Augen werden schwerer. Ich bin müde. Müde von der Einsamkeit. Müde von der Unwissenheit. Müde von der Dunkelheit.
    Das Licht vermischt sich mit dem Dunkeln. Stück für Stück. Bis wieder vollkommene Schwärze existiert. Das Licht hat verloren.

    Mein Körper bewegt sich nicht. Liege ganz still. Halte meinen Atem an. Kein Ton. Einfach nur ruhig sein. Unbemerkt bleiben.
    Warum? Instinkt?
    Dumdum...Dumdum...
    Still... sei still...
    Dumdum...DumDUM
    Verräter, sei endlich still!
    Dumdum DumDum DUMDUM
    Hör auf zu schlagen!

    Etwas ertönt aus weiter Ferne und ich weiß, dass es nicht mein verräterisches Herz ist, das mir in den Ohren dröhnt.
    Nein, irgendein bedeutungsvollre Klang. Es kommt näher. Wird lauter.
    In mir versucht etwas hinauf zu kommen. Erst schleicht es sich vorsichtig heran, zaghaft, doch dann wird es mutiger.
    Vorfreude? Auf was?
    Aufregung? Warum?
    Was ist das für ein Gefühl, das mir nicht erlaubt vor dem Unbekannten weg zu rennen?
    Neugier? Vielleicht.

    Da! Schon wieder! Ein lauter, dröhnender Ton. Es kommt mir so bekannt vor. Diese Melodie hab ich irgendwo vor langer Zeit schon einmal gehört.
    Ein Jagdhorn! Jemand ruft zur Jagd aus.
    Jetzt erinnere ich mich wieder.
    Ich war jagen. Im Herbst. Wollte für meine Verlobte ein Wild erlegen, welches wir dann gemeinsam beim anschließenden Fest verspeist hätten.

    Um mich herum erstreckt sich ein dicht bewachsener Wald. Bäume, Sträucher soweit das Auge reicht und ich stehe mittendrin.
    Allein.
    Wieso bin ich allein? Wo ist mein treuer Gaul? Wo ist mein Knappe? Wo mein Gefolge?
    Ich versuche ihre Namen zu rufen, doch wie hießen sie noch gleich?
    Egal.
    Irgendwer wird mich schon finden.
    Und was wenn nicht?
    Es ist vollkommen still, als wäre der Wald tot. Kein Vogel zwischert vergnügt in den Bäumen, kein Wind der durch die Äste weht.
    Mein Fuss macht einen Schritt, dann der andere. Ich muss hier raus. Hier findet mich niemand.
    Ich laufe einfach gerade aus. Beschleunige meine Schritte.
    Verdammte Wurzeln!
    Die Bäume versperren mir den Weg. Lasst mich durch!
    Irgendwie schlüpfe ich durch enge Lücken, zwischen den Bäumen hindurch. Langsam komme ich vorwärts.
    Spitze Äste streifen mein Gesicht. Egal. Nur nach vorne.
    Licht! Eine Lichtung!
    Nur noch ein Stückchen....
    Es ist als ob mich diese Bäume davon abhalten wollen würden dahin zu gelangen. Sie schieben sich vor mich. Aber irgendwie komm ich da schon durch. Stur wie ich bin nehm ich die schmale Lücke vor mir. Ich quetsche mich durch. Einatmen und halten.
    Dann stolpere ich. Endlich draußen.
    Mein Gesicht ist dem Boden ziemlich nah. Naja, ein paar Kratzer oder Schürfwunden mehr macht jetzt auch nichts mehr aus. Aber der Grund unter mir ist kein Waldboden. Nicht weich, sondern hart wie Stein.
    Es sind aber auch keine Steine zu sehen. Wo bin ich?




    Erst jetzt nahm ich die Geräusche um mich herum wahr. Gemurmel, dann Klatschen und Gelächter. Dort wo vorher noch der Wald war, stehen Menschen. Seltsam gekleidete Menschen. Einige Frauen tragen Hosen. Manche Männer haben komische Gewänder an. Bin ich auf einem Kostümball der besonderen Art?
    Hinter mir führten Narren in bunten Gewändern lustige Kunstsücke auf. Aber auch die sahen anders als die Narren aus, die ich kannte. Die trugen nämlich Narrenkappen.
    Immer noch am Boden sitzend, starrte ich mit weit aufgerissenen, verunsicherten Augen die Menschenmenge an. Ein paar von den Schaulustigen betrachteten mich aufmerksam. Manche zeigten mit den Finger auf mich. Jetzt zog ich schon mehr Blicke auf mich. Das Getuschel wird lauter. "Hilfe. Wo bin ich hier?" schoss es mir durch den Kopf und ängstlich, wie ein junger, geschlagener Hund wollte ich zurück weichen. Doch ich bin der Prinz. Was fällt dem gemeinen Volk eigentlich ein ihren Prinzen so anzustarren. Meine Unsicherheit versuchte ich so gut es ging zu unterdrücken, denn ein unsicherer König ist kein starker König. Also stand ich langsam auf. strich meine dunkelblaue Kleidung zurecht und klopfte noch ein bisschen Staub aus meinen Ärmeln. Dann räusperte ich mich und strich meine schwarzen Haare aus dem Gesicht um etwas erhabener, trotz des Walddrecks, zu wirken. Kinn nach oben, Brust raus, Bauch rein.

    Eigentlich wollte ich den Pöbel dazu ermahnen sich vor ihrem Prinzen angemessener zu verhalten, doch wozu unnötig Worte vergeuden? Also schritt ich durch das Volk erhobenen Hauptes hindurch. Nur war dieses auch noch so ungehobelt und ließen einen nicht einfach so passieren.
    Nein, ich musste mich wieder durchschieben. Das gefiel mir überhaupt nicht. "Wo ist nur meine Leibgarde, wenn man sie braucht?" dachte ich. Wenn man nicht alles selber erledigt. "Macht Platz für euren Prinzen!" rief ich genervt aus und drückte ein paar meinen Ellenbogen in die Nieren. Einige wichen sogar erstaunt zurück, aber die meisten lachten nur. Vielleicht weil sie dachten die Vorstellung ist noch nicht vorbei. Wütend und voller Empörung drückte ich mich durch die letzte Reihe hindurch, wer mir im Weg stand wurde zur Seite geschoben oder angerempelt. Was ihnen lieber war. Doch am Ende angekommen stolperte ich schon wieder. Jemand hat mir ein Bein gestellt. Da bin ich mir sicher.
    So eine Demütigung hab ich, glaube ich, noch nie erfahren. Mit einem zornesrotem Gesicht und einem angewiderten Schnauben stand ich auf.

    Fuchsfee
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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Fuchsfee am 07.11.10 0:42

    Myriel


    „Was mache ich hier überhaupt?“
    Kopfschüttelnd lief ich durch den Park und war eigentlich mehr als nur froh mit meinem Bruder telefonieren zu können. Der sandige Boden knirschte ein wenig unter meinen Stiefeln und jetzt bereute ich es fast nur einen kurzen Jeansrock angezogen zu haben, denn es begann mich an den Beinen zu frieren.
    „Du tust es für die grenzenlose Liebe deiner Schwester“, antwortete Javier, nicht ohne einen gewissen ironischen Unterton.
    Ich schnaubte.
    „Ich meine…wer ist diese Frau bloß? Also ich meine nicht Lucita, sondern…keine Ahnung wie sie heißt. Weißt du wie sie heißt? Für mich ist sie nur die Frau die penetrant ‚sehr schön’ säuselt. Ich kann es nicht mehr hören. Ich steck ihr ihren Kugelschreiber quer in den Mund, wenn sie es noch einmal sagt! Oder ich durchbohre damit ihr Herz. Damit erledigt man selbst Vampire.“
    „Bei der dicken Schicht Puder könnte man sie fast dafür halten…“, lachte Javier.
    „Das ist nicht witzig! Hör auf zu lachen. Warum lachst du immer wenn ich mich aufrege?“
    „Doch ist es. Aber okay, ich versuche nicht mehr zu lachen.“
    Ich schwieg eine Weile, bis ich meinen Verdacht, den ich schon lange in mir trug, äußerte.
    „Javier, es ist bei Lucita und mir wie mit Schneeweißchen und Rosenrot.“
    „Myriel, was willst du mir damit sagen?“, seufzte mein Bruder und ich konnte regelrecht sehen wie er sich verwirrt durch die Haare fuhr.
    Ich wollte gerade auf seine Frage antworten, da hörte ich laute Musik. Ich sah bunte Lichter in der Dunkelheit des Parks aufglimmen als würden sie in eine andere Welt einladen. Viele Menschen standen herum und es war jede Menge Gelächter zu hören. Gebannt lauschte ich den Klängen und mein Blick schweifte durch die belebte Menschenmenge. Die Nachtluft roch leicht rauchig nach Lagerfeuer und nach gegrilltem Fleisch.
    „Myriel? Hallo?“
    Javiers Stimme brachte mich in die Wirklichkeit zurück.
    „Oh Entschuldige. Im Park haben sich wieder Zigeuner niedergelassen und es geht voll die Party ab.“
    „Und ich dachte schon es sei dir was zugestoßen.“
    Ich lachte kurz auf und wollte auf Javiers Bemerkung eingehen, da packte mich etwas am Arm. Mit einem lauten Aufschrei taumelte ich ein paar Schritte zurück und mein Handy wäre mir fast aus der Hand gefallen. Ich atmete erleichtert auf, als ich bemerkte dass nur eine alte Frau meinen Jackenärmel ergriffen hatte.
    „Ehrenwertes Fräulein, hast du ein paar Minuten Zeit für mich?“
    Obwohl ihre Stimme etwas rau war, fast schnarrte, klang sie nicht unfreundlich.
    Ich konnte es schwer erklären, aber etwas in mir fühlte sich zu ihr hingezogen und wusste, dass es gut war ihr zuzuhören.

    „Ich rufe dich nochmal an, wenn ich zu Hause bin. Es ist nichts passiert, mach dir keine Sorgen.“, verabschiedete ich mich von meinem Bruder, der wahrscheinlich jetzt noch verwirrter war.
    „Soll ich dir die Zukunft deuten?“
    Natürlich, sie war eine Zigeunerin und Zigeuner hatten zwangsläufig mit so einem Zeug zu tun.
    „Nein Danke. Ich denke, dass ich es auch gut ohne eine Deutung schaffen werde durchs Leben zu kommen.“
    Die alte Frau lächelte wissend und ihre Ketten und Armreifen klirrten, als sie mir freundlich zunickte. „Oh, es kostet dich nichts.“
    Verdutzt legte ich den Kopf schief und stopfte mein Handy in meine Handtasche.
    „Wenn das Schicksal gesagt werden muss, dann spielt ein Preis keine Rolle“, flüsterte sie mir geheimnisvoll lächelnd zu.
    Wenn es nichts kostete und nicht gleich ihre Komplizen schreiend aus dem Gebüsch springen würden, um mich auszurauben, sprach eigentlich nichts dagegen. Ich zuckte mit den Schultern.
    „Na gut.“
    Sofort nahm sie meine Hand und führte mich ein wenig zu der Menschenmenge, damit sie mehr Licht hatte.
    „Du glaubst nicht an solche Dinge, nicht wahr?“, bemerkte sie beiläufig und begutachtete meine Handfläche, als sei sie ein neuer Bestseller-Roman.
    „Naja…ich bin eher ein Skeptiker, würde ich sagen“, lachte ich verlegen und fühlte mich etwas unsicher.
    „Aber als Kind hast du an solche Dinge geglaubt.“
    Als ob so ein Satz mich überzeugt hätte. Ich meine, welches Kind glaubte nicht an Geister, magische Dinge und so einen Kram?
    „Ich sehe einen großen Verlust. Deine Mutter? Du fühlst dich einem Familienmitglied unterlegen. Armes Mädchen, du hattest eine wertvolle Gabe und man hat sie dir genommen.“
    Okay, auch wenn ich bei diesen Worten etwas erschauderte, es gab dafür sicherlich eine Erklärung. Menschenkenntnis?
    „Ein junger Mann wird in dein Leben treten.“
    „Oh, das wird Lucita sicherlich freuen, dann kann sie gleich ein Tischkärtchen für ihn basteln“, antwortete ich zynisch.
    Die alte Zigeunerin lächelte und die Lichter warfen unheimliche Schatten auf ihr Gesicht.
    „Nicht so…nicht so. Sondern viel stärker und wichtiger. Zwei Schicksale die miteinander verbunden sind.“
    „Ich glaube ich wüsste wenn mein Schicksal mit einem Mann verbunden wäre“, räusperte ich mich verlegen und zog meine Hand weg.
    Die alte Frau lachte. „Wenn du das denkst. Aber du wirst noch an meine Worte denken.“
    „Wir werden sehen. Danke für das…Handlesen“, verabschiedete ich mich.
    „Er wird dich mit deiner Kindheit konfrontieren. Der Schlüssel ist deine Kindheit, wenn du ihn verstehen willst“, rief sie mir hinterher.
    Ich entspannte mich erst wieder, als ich in der Menschenmenge verschwunden war. Ich schlang meine dunkelbraune Jacke fester um mich, denn es fröstelte mich immer noch.

    Gelächter riss mich aus meinen Gedanken. Ein paar junge Männer und halbstarke Jungen standen um einen ziemlich…freakigen Typen herum. Entweder er war von einem Mittelaltermarkt entlaufen oder er gehörte zu diesen Rollenspielern, die in den Wäldern herumrannten und versuchten Elfen und Zauberer zu imitieren.
    Aber irgendwie wirkte er hilflos auf mich und das Gehabe der anderen Kerle nervte mich gewaltig.
    „Hola. Geht ihr mal bitte zur Seite? Ihr steht im Weg rum. Muchas Gracias!“, sagte ich etwas überspitzt, während ich mir den Weg frei rempelte. Die Männer waren so überrascht dass sie sogar zur Seite gingen.
    „A propósito…Eure Klamotten outen euch auch nicht gerade als männliche Topmodels“, fügte ich kopfschüttelnd hinzu während ich weiterging.



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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Daenerys am 07.11.10 1:39




    Verdutzt über die seltsame Sprache und Worte trat ich ebenfalls einen Schritt beiseite, damit die junge Frau passieren konnte. "Entschuldigt vielmals, Mylady.", antwortete ich, auch wenn ich nicht wusste ob sie von hoher Geburt war. Aber etwas an ihrer Art machte mich das glauben und lieber höflich sein, bevor man Ärger mit einer Dame bekommt.
    Als sie mir den Rücken zuwandte, bemerkte ich erst, dass sie einen ziemlich knappen Rock trug. Keine mir bekannte Freudendame zeigte so viel Bein. Zumindest glaubte ich das, sicher war ich mir aber nicht. Hier schien so einiges anders zu sein. Errötet blickte ich ihr nach.
    Die anderen Männer pfeiften ihr hinterher. Durch deren Gejohle wurde ich ihrer Anwesenheit wieder bewusst und die seltsamen Anreden gingen mir auf die Nerven. Besaßen die keinen Anstand?
    "Hey, Kleine! Hast du heute schon was vor?" oder "Na kleines Kätzchen, kannst du auch zarter sein und für mich schnurren?" riefen ihr die jungen Männer lachend zu.
    Trortzdem konnte ich es ihnen auch nicht übel nehmen. Wenn eine Frau so viel Bein zeigt, löst es leider eine gewisse Lust in einem Mann hervor.
    Da ich aber mit diesen Männern nicht in Verbindung gebracht werden wollte, entfernte ich mich von diesen und schritt schnellen Schrittes auf die leicht bekleidete Frau hinzu. Während ich auf sie zulief, öffnete ich die Fibel meines Umhanges.

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Fuchsfee am 07.11.10 1:59

    Myriel


    Ich verdrehte extrem genervt die Augen. Dachten die wirklich dass ich bei derartigen Kommentaren vor ihnen auf die Knie fallen würde? Ich seufzte und spielte gedankenverloren mit einer meiner Haarsträhnen. Eigentlich gab es für diesen seltsamen Tag kaum noch eine Steigerung. Vielleicht nur noch dass mich Lucita anrief und mich zwingen würde irgendwelche potthässlichen Brautjungfernkleider anzuprobieren. Sie sah entschieden zu viele Hollywood-Kitsch-Filme.

    Doch, anscheinend gab es noch eine Steigerung der Freakshow, die mir hier untergekommen war. Der Rollenspieler lief mir nach und sein Gesichtsausdruck verriet mir, dass er mit irgendetwas nicht ganz glücklich war. Hatte er sein Plastikschwert verloren oder suchte er nach seiner Zwergenbegleitung?
    Ich konnte nicht verhindern dass meine rechte Augenbraue bei seinem Anblick kritisch nach oben schnellte. Meine Schritte verlangsamten sich und als ich seine Armbewegung sah, fragte ich mich was er tun würde.

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Daenerys am 07.11.10 2:11




    Bei der skeptischen Dame angelangt, streifte ich meinen Umhang ab und legte ihr diesen um die Schultern. Zum Glück war er lang genug um ihr bis zu den Waden zu reichen. "Verzeiht, Mylady. Dies sollte euch schützen... Vor der Kälte und vor den Blicken lüsterner Gesellen." Dann schloss ich den Mantel wieder mit der Fibel, trat zwei Schritte anstandshalber zurück und verbeugte mich leicht vor ihr.

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Fuchsfee am 07.11.10 2:18

    Myriel


    Ich war so verdutzt, als er mir seinen Mantel umlegte, dass mir der Unterkiefer leicht runterfiel und ich einige Momente brauchte, um meine Worte wieder zu finden - die er mit seinem Gehabe sofort wieder im Keim erstickte. Ich glaube wenn der Osterhase persönlich vor einem Kind stehen würde, hätte es keinen anderen Gesichtsausdruck als ich in diesem Moment.
    "Ähm...also...lüsterne Gesellen? Was?", stammelte ich. Warum zog er so eine Show ab? Ich blickte mich ratlos um, ob es einen Grund für sein Benehmen gab. Dieser Mann sah gut aus. Sehr gut sogar, also musste er sich doch nicht in ein Cape schmeißen, um bei anderen gut anzukommen.

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Daenerys am 07.11.10 2:34




    Bei ihren Worten räusperte ich mich verlegen und blickte dadurch zur Seite. "Nun ja... dieses knappe... Kleid und eure...", wieder räusperte ich mich und die Röte stieg mir ins Gesicht. Merkte diese Frau nicht, wie sie dadurch auf andere Männer wirkt? So leichtgläubig kann doch keine sein. Oder ist sie doch eine Freudendame? Eine wohl bekannte Freudendame?
    Diese Gedanken versuchte ich aus meinen Kopf zu bannen, doch da es möglich sein konnte, schaffte ich es nicht wirklich. Nur nichts anmerken lassen.
    "...nackten Beine wirken sehr aufreizend." beendete ich den Satz, während ich ihr in die honigbraunen Augen blickte, die versuchten mich in ihren Bann zu ziehen.
    Damit meine Gedanken nicht über die Lippen kamen, presste ich die Lippen aufeinander. Ich sah bestimmt dümmlich aus und so fühlte ich mich auch. "Nimm wieder Haltung ein! Du bist ein Prinz!" schallte ich mich in meinem Kopf. Hoffentlich nahm sie meine Bemerkung nicht all zu übel.

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Fuchsfee am 07.11.10 2:46

    Myriel


    Gespannt lauschte ich seinen Worten. Ich weiß nicht warum, aber bei jedem anderen Typen wäre ich schon längst gegangen, nur bei ihm nicht. Seine unbeholfene Art verriet mir, dass es ihm irgendwie zu schaffen machte, wie ich herumlief. Und das nicht auf eine machohafte Art und Weise, sondern einfach...ehrlich. Doch als er seinen Satz beendete musste ich herzhaft lachen. Ich lachte so sehr dass ich in die Knie ging und Angst hatte zu ersticken. Verlegen wischte ich mir die Tränen ab und irgendwie tat mir meine Reaktion Leid, denn er musste sich gerade wie ein kompletter Idiot fühlen. Ich schnappte nach Luft, fuhr mir erneut durch mein langes Haar und räusperte mich förmlich, um zur Ruhe zu kommen.
    "Okay. Okay...", atmete ich nochmals tief durch und richtete mich langsam auf. Ich musterte ihn neugierig, aber lächelte dabei.
    "Ich laufe nicht absichtlich aufreizend herum. Sondern weil ich mir so gefalle."
    Ich schlug seinen Mantel beiseite und machte eine ausladende Geste.
    "Wenn dich sowas schon fertig macht, dann möchte ich nicht wissen was du machst, wenn du an den Strand gehst, oder sowas in der Art."


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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Daenerys am 07.11.10 3:00



    Mit großen Augen starrte ich sie ungläubig an. "Nun, ähm... euer bezaubernder Körper kann sich wahrlich zeigen lassen. Doch ist es nicht etwas zu kalt um sich in dieser Tageszeit so zu... kleiden?"
    Dass sie den Mantel beiseite schlug und wieder einen Blick auf ihre weiblichen Rundungen bot, ließ mich die Röte aus meinen Gesicht nich vertreiben. Eher wurde es noch mehr.
    Diese Frau weiß, wie man einen Mann verrückt macht... und hilflos.
    Die Bemerkung mit dem Strand ließ ich erst einmal unbeachtet, denn was soll da schon außergewöhnliches sein? Außer Sand, Meer, Steine, Muscheln und vielleicht ein paar Menschen, die schwimmen gehen. Da sind doch alle angezogen, oder?
    Jetzt war ich wirklich verunsichert, also fragte ich zögerlich, "Was soll am Strand schon... besonderes sein?"

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Fuchsfee am 07.11.10 3:11

    Myriel


    Jetzt war ich diejenige, die bei seinen Worten errötete. Ich schnaubte kurz und schüttelte ungläubig den Kopf.
    "Naja, für die Uhrzeit schon."
    Ich verschränkte die Arme und begann mit den Füßen zu wippen, weil ich irgendwie nervös war.
    "Aber ich war vorher woanders und ich hatte keine Ahnung dass es so...lange dauern würde. Ja, es war eine lange, lange, lange, lange Zeitspanne."
    Seine Frage, die kurz darauf folgte überraschte mich so sehr, dass ich auf den Fersen stehen blieb, um dann wie in Zeitlupe wieder nach vorne zu kippen.
    "Hotpants? Binkinis? Wirklich extrem kurze Röcke?"
    Ich hätte gerne gewusst ob er wirklich so weltfremd war, oder ob er nur so tat. Aber um so weltfremd zu sein, hätte man ihn doch die letzten Jahre komplett wegsperren müssen?
    "Sag mal...gehört das zu deinem...Rollenspiel? Oder was auch immer du hier veranstaltest. Ich kenn mich mit dem Zeug nicht aus. Aber mir gegenüber kannst du doch normal sein?"

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Daenerys am 07.11.10 3:21




    Diese Worte wie Hotpants und Bikinis sagten mir überhaupt nichts. Deshalb schaute ich bei diesen Worten nur noch erstaunter und verwirrter drein, als ich eh schon war. Wovon redet sie?
    "Es tut mir schrecklich Leid, Mylady, aber ich kann euch nicht ganz folgen... was sind Hotpants und Bikinis?", diese neuen, seltsamen Laute sprach ich vorsichtig und langsam aus, "Und welches Rollenspiel? Ich benehme mich euch gegenüber ganz normal. So wie es sich für einen Prinzen geziehmt. Aber wenn ich euch durch mein Verhalten gekränkt haben sollte, so bitte ich vielmals um Entschuldigung." Wieder verbeugte ich mich leicht vor ihr.
    Warum glaubt sie nur, dass ich mich anders verhalte? Dafür gibt es doch keinen Grund. Außerdem warum sollte ich, der Prinz von Irland, mich verstellen? Diese Welt ist wirklich seltsam...

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Fuchsfee am 07.11.10 3:32

    Myriel


    "Prinz? Alles klar. Weißt du, ich hatte heute einen echt anstrengenden Tag. Ich bin total fertig und eigentlich bin ich ja für Spaß zu haben, aber nicht heute, jetzt und hier. Wenn es dir so viel Spaß macht in die Vergangenheit abzutauchen, dann bitte. Aber ich für meinen Teil lebe aktuell gerne im Jahre 2010 in Schottland."

    Ich war ihm nicht einmal böse oder so. Er nervte mich nur ein wenig und da er sich mit gegenüber trotzdem irgendwie nett verhielt, gab er mir auch keinen Grund ihn komplett anzufahren. Er wirkte auch nicht auf mich wie jemand, der mich auf den Arm nehmen wollte weil er es lustig fand, sondern der einfach...Spaß daran hatte sich in solche Klamotten zu werfen und so zu tun, als sei er aus einer anderen Epoche.

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Daenerys am 07.11.10 12:22




    Die Antwort die mir diese seltsame Frau gab, ließ mich erschrocken zurückweichen. Mein Mund klappte unwillkürlich auf und meine Augen waren vor Erschrecken so weit geöffnete, dass sie mir hätten rausfallen können.
    Mit erstarrter Miene versuchte ich das gesagte zu wiederholen, aber ich stammelte nur so unbeholfen, wie ein Kleinkind, welches versucht sprechen zu lernen. "J...ja...jahre...2010? Sch...Scho...Schott...?" Diesmal musste ich schlucken. Mein Mund war so trocken wie eine Wüste. Aber selbst der Speichel konnte diesen nicht im geringsten befeuchten..
    "Schottland?", brachte ich mit Müh und Not noch gezwungen hervor. "Nicht Irland?" Ich versuchte noch ein bisschen Hoffnung in meine Stimme zu bringen, aber die Tatsache, dass hier wirklich einfach alles anders ist, machte dies zunichte.
    Immer noch benommen von ihren Worten und der Wahrscheinlichkeit, dass sie mich nicht auf den Arm nehmen wollte, torkelte ich weiter zurück. Mein Blick verlor sich im Nichts und so meinte ich mit zittriger Stimme, "Es lag...n..nicht in meiner... Ab..Absicht euch zu...be...belä...belästigen."
    Bei dieser Floskel versuchte ich mich zu verbeugen, was noch einigermaßen funktionierte ohne dass ich nach vorne fiel. Das Aufrichten war das Problem. Es ging irgendwie zu schnell. Denn ich lag danach auf meinem Hinterteil.
    "Wo ist nur meine Würde geblieben? Kann mir diese fremde Welt nicht ein bisschen noch davon übrig lassen?" waren meine einzigen Gedanken und so saß ich vor der Dame auf den Boden. Wie erniedrigend.

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Fuchsfee am 07.11.10 13:11

    Myriel


    Er war ein ziemlich guter Schauspieler, das musste man ihm lassen. Wenn er eine andere Rolle spielen würde - ich hätte sie ihm abgenommen. Aber irgendetwas in mir beunruhigte mich, und es war nicht die Tatsache dass er seltsam war. Trotzdem verschränkte ich erneut die Arme. "Ja, Schottland. Sollten die Gesetze der Physik nicht urplötzlich geändert worden sein, befinden wir uns hier in Schottland. Wenn du nach Irland wolltest und hier gelandet bist, dann warst du wohl ziemlich schlecht im Erdkunde-Unterricht oder die Reisegesellschaften haben dich über den Tisch gezogen."
    Bei meinem letzten Satz lachte ich leise auf. Als er aber dann nach hinten fiel machte ich mir wirklich Sorgen. Hoffentlich hatte er sich nichts eingeworfen oder kippte einfach um. Aber zumindest ersteres hätte erklärt, warum er so schräg drauf war.
    "Hey...Alles in Ordnung?", fragte ich und meine Stimme klang einen Tick besorgter als ich es eigentlich beabsichtigt hatte. Ich ging in die Hocke und musterte den Typen eindringlich. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, dann würde ich sagen dass er wirklich schockiert war über meine Worte. Wenn er nicht sogar Angst hatte.

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Daenerys am 07.11.10 13:25




    Ihre Frage brachte mich aus meinen Gedanken wieder zurück in die Wirklichkeit oder träumte ich immer noch? Um mich wieder zu fassen und ein Stück meiner Würde zurück zubekommen, strich ich mit meiner rechten Hand mir durch die Haare. An dieser Hand glänzte am Ringfinger ein auffälliger, goldener Ring mit filigranen Schmetterlingsflügeln, die in der Mitte mit einem furchteinflössenden Totenkopf verbunden waren.
    Ein echt seltsames Schmuckstück, wenn man es objektiv betrachtete, aber für mich ein Stück aus meiner Vergangenheit.
    "Ja, ich denke schon.", gab ich weniger überzeugend zur Antwort. Dann wollte ich aufstehen, doch meine Beine waren so wackelig, dass ich mir wie ein gebrechlicher, alter Mann vorkam, der zudem noch zu viel Wein getrunken hat.
    Es sind ziemlich viele Jahre, nein, Jahrhunderte vergangen. Wie ist das möglich? Meine...Gefangenschaft?
    "Diese miesen, hinterhältigen Feen...Wenn die nicht gewesen wären..", murmelte ich unverständlich vor mich hin.

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Fuchsfee am 07.11.10 13:51

    Myriel


    Ich seufzte, fragte mich erneut was ich hier eigentlich machte und warum es immer ich war, der so etwas passierte, dann half ich ihm auf. Es war gar nicht so einfach sein Gewicht einigermaßen zu stemmen.
    Er murmelte irgendetwas vor sich hin, was ich nicht verstehen konnte und wenn ich ehrlich war, ich wollte es auch gar nicht wirklich wissen, was er da von sich gab. Ich setzte ihn auf eine Parkbank, zog seinen Umhang von den Schultern und reichte ihm diesen etwas schief grinsend.
    "Ich glaube den hast du nötiger als ich."
    Ich atmete von der Anstrengung ein paar Mal ein und aus, denn eigentlich war ich es nicht gewohnt Männer zu retten.
    Mein Handy klingelte. Am Ton erkannte ich, dass es sich um Lucita handelte.
    "Oh Nein, nicht auch das noch", seufzte ich erneut ziemlich genervt und ging ran.
    "Hola meine Liebe. Was kann ich für dich tun?", grüße ich sie überspitzt freundlich. Sofort ging ein Donnerwetter auf Spanisch los.
    "Mann ey Lucita, woher soll ich wissen dass du mich ohne verbale Kommunikation dazu beauftragt hast die Serviettenproben abzuholen. Es sind Servietten, okay? Damit geht man keine Ehe ein, sondern man benutzt sie und wirft sie wieder weg. Alles klar?"
    Ich hielt mit zerknirschtem Gesicht das Handy von mir weg und verdrehte die Augen. Als es am anderen Ende der Leitung wieder ruhiger wurde, räusperte ich mich.
    "Ob ich die Muster heute oder morgen hole ist egal. Ich denke nicht dass es dich in einen moralischen Konflikt bringen wird ob du nun die Servietten mit den komischen Blumen nimmst oder die mit den Schnörkeln. Es ist keine Sache wie...das Hochzeitskleid. Also krieg dich wieder ein oder ich nehme mit Absicht die mit den Hunden. Die waren süß und sie waren cool."
    Ein erneuter spanischer Redeschwall ergoss sich über mich. Spanier reden meistens so, als wären sie extrem begeistert oder erzürnt über etwas, oder als wären sie wahnsinnig gestresst, was man oft am Redetempo vermuten konnte. Wenn Spanier aber wirklich wütend waren, konnte man nur noch in Deckung gehen. Das galt auch für Halbspanier.
    "Ohhh, Danke, das ist aber lieb. Dann werde ich mir für meine zukünftige Hochzeit, die noch nicht einmal ein Gedanke ist eine andere Unterstützung als dich suchen. Den Verlust deiner Hilfe werde ich verkraften können", grinste ich.
    "Außerdem werde ich nie heiraten, du weißt doch. Ich werde nach meinem Studium irgendein Superhirn was die Welt rettet. Fast wie ein Nerd, nur erfolgreicher, sozialer und hübscher"
    Das hatte ihr den Rest gegeben, denn Lucita schnaufte gequält am anderen Ende der Leitung und gab auf.
    "Jaaaa, ich liebe dich auch trotz allem und werde dich immer unterstützen, selbst dann wenn es sich nur um potthässliche Serviettenmuster handelt"

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Daenerys am 07.11.10 15:18




    Diese seltsame Melodie, die aus ihrer Tasche zu kommen schien, erschreckte mich so sehr, dass ich zusammen zuckte. Doch als sie aus der Tasche ein kleines Gerät, das diese Melodie anscheinend spielte, holte, war ich noch mehr verwirrt.
    "Zauberei..." flüsterte ich ehrfürchtig.
    Mit großen, erstaunten Augen folgten ihrer Bewegung hin zum Ohr, dann sprach sie mit diesem Magieding und es antwortete in einer mir unbekannten Sprache.
    Anscheinend ging es um eine Hochzeit, die noch vorbereitet werden musste. Ist sie dann eine Zofe? Aber der Stimme gegenüber verhielt sie sich nicht wie es sich für einer Zofe gehörte.
    Skeptisch zog ich eine Augenbraue nach oben und lauschte dem Gespräch.

    Hinter der jungen Frau bewegte sich etwas im Schatten, das meine Aufmerksamkeit erregte. Langsam schlich es sich von hinten an sie heran, wie eine hungrige Schlange.
    Es hat sicherlich etwas mit diesem Magieding zu schaffen. Denn erst als sie es benutzte, kam dieses Wesen.
    Während sie redete, stand ich so plötzlich auf, dass die Frau erschreckte. In dieser Sekunde schlug ich ihr das Gerät aus den Fingern.
    Doch das Etwas bewegte sich weiter auf sie zu.
    Jetzt im Licht, konnte ich erkennen was es war. Es waren lange spitze Äste, die aus dem Dunkeln auf uns zugekrochen kamen und deren Ursprung die Finsternis war.
    Dieses Ding bemerkte mich und schoss nun so rasch auf uns zu, dass ich nur noch im Reflex handeln konnte. So warf ich das Mädchen zur Seite, damit ihr nichts passieren konnte und wollte mein Schwert zücken.
    Ich griff ins Leere.
    "Bei den heiligen....", fluchte ich zähneknirschend und ehe ich mich versah traf mich schon ein schwerer Schlag in die Magengrube.
    Die Schlagwucht schleuderte mich ein paar Meter weiter direkt an eine schwere Eisensäule. Der Aufprall quetschte mir die restliche Luft aus der Lunge und nur ein schweres Keuchen kam aus meiner Kehle noch heraus. Dann schmeckte ich einen leicht metallischen, süßlichen Geschmack in meinem Mund. Blut. Blut lief aus meinem Mund heraus und ich musste es ausspucken. Ein widerliches Gefühl.

    Zwei leuchtende, hellgrüne Augenpaare blickten mich belustigt aus dem Schatten an und ein tiefes, grollendes Lachen ertönte aus dem Dunkeln.
    Wieder schnellten drei oder fünf Äste auf mich zu. Es ging so schnell, dass ich gar nicht genau wahrnahm wieviele es sein mochten. Der Lichtkegel, der von der großen, brennenden Kerze über mir kam, erzeugte um mich herum einen wabernden Schatten und ein stärkendes Gefühl überkam mich.
    Ich fasste neuen Mut.
    Mein langsam aufsteigender Schatten wurde zu starken Eisenketten, die sich um mich wanden, aber mich nicht zu zerquetschen drohten. Es waren meine Ketten, mein Schatten, mein Körper. Es war mit mir eins.
    Der Impuls der mich so plötzlich überkam, ließ die Eisenketten wie Peitschen nach vorne auf die Äste schlagen.
    Bevor diese mich auch nur erreichen konnten, säbelte mein treuer Schatten den Gegner die Äste ab.
    Vor mir lagen nun vier verkrümte Würmer, die sich langsam und mit einem schrillen, qüalernen Kreischen in ihrem Schmerz wanden und schließlich zu Staub zerfielen.

    Eine dunkle, unheilvolle Stimme sagte drohend, "Das war erst der Anfang! Werde stärker und werde einer von uns. Denn du bist kein Mensch!"
    Mit diesen Worten verabschiedete sich das Etwas wieder mit diesem unheimlichen, grollenden Lachen.

    Meine Augen brannten und ich zitterte vor Erschöpfung. Oder vor Angst?

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Fuchsfee am 07.11.10 17:30

    Myriel


    Ich unterhielt mich mit meiner Schwester über banalen Hochzeitskram als er plötzlich wie von der Tarantel gestochen aufsprang.
    Okay, ich wusste dass das Thema Hochzeit bei Männern Panik auslöst - aber so eine Panik? Ehe ich mich versah schlug er mir mein Handy aus der Hand.
    "Hey was soll das...?", beschwerte ich mich und versuchte etwas in der Umgebung zu finden, was mir in irgendeiner Art und Weise sein seltsames Verhalten erklärte. Aber ich spürte nur einen kühlen Luftzug, das war alles.
    Wütend bückte ich mich nach meinem Handy und er starrte mich an als wäre ICH es, die vollkommen durchgeknallt wäre.
    "Weißt du, langsam reicht es. Ich werde nie, nie mehr jemand Fremden der seltsam erscheint helfen", fauchte ich und hoffte inständig dass Lucita nicht dachte ich wäre von Verbrechern verschleppt worden. Während ich mein Handy vorerst in meine Handtasche zurückstopfte fühlte ich mich trotzdem beunruhigt. Nicht wegen dem Rollenspieler-Typen. Es war eine seltsame Angst in mir, die man fast als Urangst bezeichnen konnte. Wie auf ein Stichwort schubste er mich. Mit einem erstickten Aufschrei fiel ich zu Boden und wusste gar nicht wie mir geschah. Was sollte das jetzt? War er doch ein vollkommen gemeingefährlicher Irrer? Egal wie sehr ich mich anstrengte, ich konnte nichts sehen was mir erklärt hätte, warum er so panisch reagierte. Ich wollte gerade aufstehen und gehen, da bekam ich Kopfschmerzen. Es fühlte sich seltsam an, denn schlagartig kamen sie und waren so heftig, dass ich mir erschrocken an den Kopf fasste. Und da sah ich es. Seltsame Schatten, die sich blitzschnell bewegten. Ungläubig riss ich meine Augen auf und wollte aufstehen und weglaufen, aber meine Beine bewegten sich kein Stück. Das konnte doch nicht sein? Das widersprach allen bekannten Naturgesetzen dass ein Schatten so etwas konnte.
    Der Schatten schleuderte mein Gegenüber weg, als sei er eine einfache Puppe. Das sah nicht gut aus...

    Aber noch bevor ich aufspringen und zu ihm laufen konnte, verwandelte er sich ebenfalls in ein seltsames Ding. Das war keine Freakshow mehr, das war ein Alptraum! Meine Füße zitterten und ich konnte gar nichts dagegen tun. Jetzt wusste ich nicht einmal ob es richtig war zu ihm zu gehen, ich wusste gar nichts mehr außer dass ich mich in einer seltsamen, gefährlichen und für mich noch nicht erklärbaren Situation befand.
    Er zerlegte zwar den Schatten als wäre es das gewöhnlichste auf der Welt, aber für mich war es das nicht. Als das eine Ding verschwunden war sprang ich auf und rannte davon. Fasste mir ungläubig an den Kopf. Mein Herz schlug voller Angst so schnell, dass ich Angst hatte er könnte es hören. In meinem Inneren rauschte es und ich wollte nur noch hier weg.

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Daenerys am 07.11.10 18:26




    Diese unglaublich starke Emotion Angst, die mich wie ein starker Windstoß erfasste, kam nicht von mir. Sie kam von dem Mädchen. Durch die große Anstrengung war ich ziemlich geschwächt und verspürte in diesen Moment einen großen Hunger.
    Aber keinen Hunger auf Fleisch oder Gemüse oder ähnliches. Ich hatte Hunger nach Energie. Und diese Energie würde ich von dem Mädchen bekommen.
    Nun ja. Eher von ihrem Gefühl.
    Auch wenn sie mir nichts getan hat, so brauchte ich diese spezielle Nahrung um wieder zu Kräften zu kommen.
    Während sie versuchte davon zu rennen, streckte ich meine Finger nach ihr aus. Oder soll ich diese eher als Klauen bezeichnen. Spitze lange Finger, die wie Krallen ihre Silhouette umgriffen. Um meinen Arm zogen sich dünne, durchsichtige, immer wieder aufflackernde weiße Fäden.
    Ich zog ihre Angst in mich auf und verspeiste sie, wandelte sie in reine Energie in meinem Körper wieder um. Es war ein herrliches Gefühl wieder Macht zu verspüren

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    Re: Vanitas (Fuchsfee & Daenerys)

    Beitrag von Fuchsfee am 07.11.10 18:58

    Myriel


    Ich kam erst nach einigen Minuten zum Stehen und schnappte immer noch vollkommen panisch nach Luft. Da hatten wir es wieder, im Grunde meines Herzens war ich ein totaler Angsthase. Ich war wie diese kleinen Hunde die erst recht bei großen Hunden kläfften, um ihre Unsicherheit zu verbergen. Nervös fuhr ich mir durch die Haare und versuchte mich zu beruhigen, als mein Handy wieder klingelte. Es war Lucita, natürlich, nach dem was sie vermutlich am anderen Ende der Leitung gehört hatte, hätte ich auch nichts anderes erwartet. Und irgendwie war ich froh dass sie mich anrief, denn ich brauchte irgendjemanden zum reden, egal wer, wenn er mir nur zuhörte und mir zeigte dass das echte Leben vollkommen erklärbar und verständlich war.
    Trotzdem strengte ich mich an meine Stimme normal klingen zu lassen.
    "Myriel, was ist passiert?", fragte mich Lucita zutiefst besorgt, als ich abnahm.

    "Ach...ach...nichts wichtiges. Da waren ein paar komische Jugendliche, die miteinander gerangelt haben und die haben mich total erschreckt. Sie haben einfach nicht aufgepasst genauso wie ich, ich war so in unser Gespräch vertieft."
    "Achsoooo. Und ich dachte schon....", atmete meine Schwester hörbar erleichtert auf.
    "Ist wirklich alles in Ordnung? Du hörst dich so komisch an."
    "Na klar. Mach dir keine Sorgen Lucita, ich muss mich natürlich von dem kleinen Schreck erholen. Es war nur ein kleiner Schreck."
    "Okay, dann ruf mich morgen Nachmittag einfach an, ja? Du hast ja gerade Semesterferien und da musst du ja nicht zur Uni."
    Ich nickte stumm, verabschiedete mich und drückte mein Handy an mich, als sei es ein magischer Schutzschild.

    Was hatte ich da nur gerade eben gesehen? Nein, das war Einbildung gewesen und bestimmt hatte ich mich so in meine Angst reingesteigert, dass ich mir dann solche Dinge eingebildet hatte. Ich atmete erneut tief durch und schüttelte alle beunruhigende Gedanken ab. Als ich noch ein seltsames kleines Mädchen gewesen war, hatte mir mein Kinderpsychologe geraten zu zählen, wenn ich Angst hatte oder nervös war, weil es mich beruhigen würde.
    Ein paar Straßenlaternen begannen zu flackern, um dann auszugehen. Verdutzt blickte ich mich um. Ich seufzte zerknirscht und ging einfach weiter. Doch aus dem Gebüsch um mich herum hörte ich schwere Schritte. Ziemlich schwere Schritte. Schlurfend stampften sie neben mir her. So schwer konnte kein in einer Stadt lebendes Tier sein, außer ein Elefant wäre aus dem Zoo ausgebrochen. Zerknirscht grinste ich und beschleunigte meine Schritte. Halblaut begann ich zu zählen. Ich hätte niemals gedacht dass ich es jemals wieder tun würde. Ich hörte ein schweres Atmen. Unsicher blieb ich stehen, aber es war zu dunkel um etwas genauer auszumachen.
    "Verfluchter Mist", schimpfte ich halblaut vor mir her und versuchte für mich weiter zu zählen. Etwas begann zu klirren, es hörte sich ganz nach Ketten an. Moment, Ketten? Eine unglaublich riesige Gestalt baute sich vor mir auf und als ich sah von wem, oder besser gesagt von was das Klirren kam, setzte mein Herschlag gefühlt für einige Augenblicke aus.

    "Das...das gibt's nicht...", sagte ich mehr zu mir selbst mit erstickter Stimme und geriet ins Taumeln. Dieses Ding konnte unmöglich so einfach aus dem Gebüsch aufgetaucht sein. Es war ein Riese. Eine andere Bezeichnung fiel mir nicht dafür ein. Und es war unglaublich hässlich. Siedend heiß fiel es mir plötzlich ein.
    "Ketten-Jack?", stammelte ich ungläubig. Anscheinend war es nicht gut diesen Namen auszusprechen denn die Gestalt polterte auf mich zu. Die vielen Ketten, die um seine Hüfte wie Gürtel geschlungen waren, klirrten bei jedem Schritt.
    "Sind das Köpfe? Oh Gott, das sind Köpfe!", rief ich hysterisch als ich sah was an diesen Ketten baumelte. Namenlose, zu stummen Schreien verzogene, eingefallene Fratzen.
    Jack, oder wie auch immer er hieß holte mit einer Kette aus und schlug nach mir. Erst dann entwich mir ein Schrei, so als wäre mir erst jetzt bewusst geworden in welcher Gefahr ich mich befand. Ich wich zwar aus, aber er erwischte mich am Oberschenkel. Es tat ziemlich weh und brannte nicht weniger, als wenn ich mir mit einer Rasierklinge einen tiefen Schnitt zugefügt hätte. Das war zu viel für mich und ich sackte in mich zusammen, unfähig noch irgendetwas zu tun. Es wäre auch nicht einmal gegangen wenn mein Kopf noch gewollt hätte, denn meine Beine trugen mich nicht mehr. Das war einfach nur noch ein Alptraum. Etwas anderes konnte es nicht mehr sein, denn das was hier passierte, bekam man eigentlich nur in Büchern oder Filmen mit. Der Riese stampfte auf mich zu und verzweifelt stellte ich fest dass ich bereits vor Angst so sehr gelähmt war, dass ich kaum noch atmen konnte.


      Aktuelles Datum und Uhrzeit: 25.05.12 9:35