Hi Thora,
es freut mich, wenn ich dir weiterhelfen konnte :)
Erst einmal: ein Germanistikstudium führt nicht eindeutig auf ein bestimmtes Berufsbild am Ende des Studiums hin, wie z.B. das Medizinstudium oder Jura.
Im Prinzip kann man als Germanist in vielen Bereichen arbeiten, auch in solchen, die nicht offensichtlich erscheinen, weil es bei Bewerbungen dann nicht nur auf fachliche Kenntnisse ankommt, sondern z.B. auch auf die im Laufe des Studiums erworbene Fähigkeit sich ein Thema selbstständig in kurzer Zeit zu erarbeiten. So gibt es z.B. auch ehemalige Germanistikstudenten, die im Bereich Wirtschaft oder in der Werbung arbeiten.
Natürlich gibt es auch "klassischere "Berufe. Wenn man nicht auf Lehramt studieren möchte, kann man z.B. bei einem Verlag unterkommen. Das wollen nach dem, was man so hört, viele Germanistikabsolventen, ich habe aber auch gehört, dass es gerade deshalb nicht ganz leicht sein soll. Marie und Marit (Miyann) kennen sich in dem Bereich aber viel besser aus als ich und können dir, falls du Interesse daran hast, bestimmt mehr dazu erzählen :)
Es gibt auch die Möglichkeit, wie du schon meintest, nach dem Abschluss an der Uni zu arbeiten, indem man in die Forschung/ Lehre geht. Dafür ist es, soweit ich weiß, meistens notwendig, nach dem Master noch eine Doktorarbeit dranzuhängen.
Andere Möglichkeiten wären z.B. die Arbeit bei einer Zeitung (wobei es da ja auch das Journalistik-Studium gibt), im Bereich Kultur oder, wenn du dich auf Linguistik konzentriert, etwas rund um das Thema Sprache zu machen.
Es gibt auch Buchhandlungen, die Germanistikstudenten beschäftigten, das können z.B. Fachbuchhandlungen sein.
Eine Bekannte von mir arbeitet nach ihrem Studium im Buchhandel und sagt, dass sie dafür von ehemaligen Mitstudenten öfters komische Blicke erntet, nach dem Motto, warum sie als Uni-Absolventin denn dort arbeiten würde, dafür hätte ja eine Ausbildung "auch gereicht" . Aber sie sagt, dass ihr die Arbeit viel Spaß macht und sie sich nicht um die Meinung der anderen schert :)
Es kommt also ganz darauf an, was du für Vorstellungen von deinem späteren Beruf hast. Dementsprechend kann man dann am Studienbeginn das Zweitfach wählen und z.B. Germanistik mit BWL kombinieren, wenn man sich für die Arbeit in einem großen Unternehmen interessiert.
Ich habe oft den Rat gehört, von Kombinationen wie Geschichte/ Philospohie usw. mit Germanistik abzusehen, weil diese auch geisteswissenschaftliche Fächer sind und allgemein als "brotlos" gelten und stattdessen Germanistik mit einem gesuchteren/ ungewöhnlichen Fach zu kombinieren, um die Jobchancen zu erhöhen.
Den Spruch "Was willst du den später mit deinen Fächern anfangen?!" kennen bestimmt viele Geisteswissenschaftler und ich glaube, es ist auch nicht verkehrt zu sagen, dass Germanistik oder ähnliche Fächer nicht unbedingt die passenden Fächer für Leute sind, die nach dem Studium einen Job haben möchten, in dem sie schnell Karriere machen/ viel verdienen/ große Sicherheit haben können.
Wenn sich aber jemand wirklich für Fächer wie Geschichte, Musik, Germanistik interessiert und vielelicht sehr gut daran ist, finde ich es von der Umwelt ziemlich vermessen zu sagen, man solle lieber BWL/ Lehramt/ Medizin/ was auch immer studieren und das Geisteswissenschaften nutzlos wären.
Ich weiß nicht, ob ich zu blauäugig bin, aber ich bin der Meinung, dass ein Student, der sich wirklich für seine Fächer interessiert, sie vielleicht sogar "lebt" und sich im Studium Mühe gibt, früher oder später auch eine Stelle finden wird.
Bevor ich jetzt aber noch mehr ausschweife (bei dem Thema, wozu Geisteswissenschaften denn gut seien, reagiere ich immer ein bisschen empfindlich

) : Ganz wichtig ist, dass man sich frühzeitig schon mal Gedanken macht, was für einen Beruf man sich für sich selbst vorstellen könnte.
Praktika zu machen (auch freiwillige) sind da eine super Möglichkeit und werden wohl gerne gesehen :)
Genauso kann man überlegen, ein Auslandsemester einzulegen, eine neue Fremdsprache zu lernen oder ehrenamtlich oder als Nebenjob etwas zu machen, wovon man denkt, dass es einen interessiert und zum eigenen Berufsziel passen könnte.
Beim Master gibt es dann auch noch die Möglichkeit, sich weiter zu spezialisieren, z.B. einen Master nur in Linguistik, Vergleichender Literaturwissenschaft oder in einem Studiengang zu machen, der sich mit Literatur und Medien beschäftigt.
In der Bachelor- oder Masterarbeit kann man sich vielleicht Themen widmen, die einen besonders interessieren oder wenn es von der Uni nicht vorgegeben ist, solche Seminare besuchen, die zu den eigenen Interessen passen.
Ganz wichtig finde ich aber auch, sich neben dem Studium trotz der Berufsfrage noch Zeit fürs "Leben" zu lassen: für Freunde, Familie, Hobbys, einfach auch Freiräume zu haben, um verschnaufen zu können und sich nicht zu überfordern.
So, isch habe fertig

Ich hoffe, es ist nicht zu lang geworden und für dich ist auch etwas Hilfreiches dabei.
Liebe Grüße,
Virgi