Pooly's Kunst und Schreibforum

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    Der Sommer der nach Freiheit roch (Lara & Klarastrophe)

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    Der Sommer der nach Freiheit roch (Lara & Klarastrophe)

    Beitrag von Zitronenfalter am So 26 Sep 2010, 21:20



    Titel
    Der Sommer der nach Freiheit roch

    Schreiber
    Lara und Klara

    Personen
    Luke und Flora

    Inhalt
    Luke gabelt Flora an einer verregneten Bushaltestelle weg. Er will fort, sie will fort, die Beiden finden sich. Deutschland, Frankreich, Italien, England. Es wird ein unvergesslicher Sommer, der nach Freiheit riecht und schmeckt und riecht und ihr Leben völlig verändert.

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    Lara
    Schafft Werke für die Bevölkerung
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    Re: Der Sommer der nach Freiheit roch (Lara & Klarastrophe)

    Beitrag von Lara am Mo 27 Sep 2010, 22:26

    LukeTag 1

    Baby, you can drive my car! Yes, I wanna be your star… dröhnte es aus meinem etwas schäbigen Autoradio und versuchte das laute Surren des Motors zu übertünchen. Doch ich wollte nicht allzu sehr meckern – ich war mit dem zufrieden, was ich hatte. Ich war zufrieden mit dem, was ich geschafft hatte, und was mir bald bevorstehen würde.
    Ziemlich zuversichtlich, schließlich hatte ich keinerlei Ahnung von dem, was in der Zukunft lag. Aber alles war besser als das, was ich die letzten Monate über mich ergehen lassen musste.
    Deshalb fuhr ich auch gut gelaunt meinen alten VW Bus, regte mich nicht über die vielen Roten Ampeln auf -die mir meine Reise anscheinend erschweren wollten- sondern trommelte einfach im Takt der Musik auf meinem Lenkrad herum und grinste vor mich her.
    Sogar der bewölkte Himmel, der stark auf anstehenden Regen schließen ließ, ließ mein Lächeln nicht schwinden. Im Gegenteil. Regen war schön, Regen gehörte zu meinem Leben.
    And maybe I love you.. Ouh-Ouh-ouh-YAEH! Ba-Ba-Ba-by-by-by.
    „Ach verdammt!”, fluchte ich, als meine Anlage nicht weiter den Song abspielen wollte. Etwas zu energisch haute ich mit meiner geballten Faust drauf, und sie verstummte schließlich ganz. Wunderbar.
    „Nein. Alles ist gut. Nur keine schlechte Laune“, redete ich mir gut zu, und dann fielen auch schon die ersten Tropfen auf meine Windschutzscheibe. Anfangs war es noch ein sanftes Prasseln, doch dann verstärkte sich die Aggressivität des Regens erheblich. Es regnete fast so stark, dass ich kaum noch etwas sehen konnte.
    Brummelnd überlegte ich schon, ob ich an der nächsten gelegenen Stelle anhalten und etwas rasten sollte. Aber eigentlich wollte ich nicht nachts inmitten fremder Städte stehen und auf das Ende des kleinen Regenergusses warten. Der Plan war, durchzufahren. Bis ich mein Ziel erreicht hatte.
    Doch das Wetter hatte eindeutig andere Pläne, denen ich mir leider nicht widersetzen konnte. Merde! Fuck! Und wie die Deutschen sagen: Scheiße. Bei mir klingt das nur etwas seltsam, deshalb fluche ich (nun ja, eigentlich spreche ich aus reinem Trotz weiterhin) immer noch auf Englisch. Englisch versteht jeder! Was man von meinem Deutsch leider nicht so behaupten kann.
    Notgedrungen musste ich also irgendwo anhalten und warten. Ich entschied mich dafür an einer Bushaltestelle zu parken. Und ja, ich weiß, dass das illegal ist. Aber es war weit nach ein Uhr morgens – und wie dieses Dorf hier so aussah, würde garantiert kein Bus mehr kommen.
    Eigentlich nahm ich deshalb auch fast schon verständlicherweise an, dass auch niemand mehr an dieser Haltestelle aufhielt, deshalb fuhr ich – ohne groß auf die Straße zu achten – ganz rücksichtslos auf diesen Bushaltebereich.
    „AAH! EY DU IDIOT, HAST DU KEINE AUGEN IM KOPF?“, schrie jemand so dermaßen laut, dass ich kurz zusammenzuckte und mich verstohlen umsah. Hä? Wie? Wo war da jemand? Und tatsächlich, direkt vor meinem VW Bus stand ein Mädchen – zumindest glaubte ich, dass es eines war, der Regen peitschte wirklich stark gegen die Windschutzscheibe – und sie sah mich total wutentbrannt an.
    Instinktiv würde ich jetzt eher zur Flucht tendieren, da ich weiß, wie gefährlich Frauen werden konnten. Die durfte man nie unterschätzen. Ansonsten hast du mehr als nur eine Narbe auf deinem Körper zu vermerken.
    Jedoch wusste ich, ohne es sehen zu müssen, dass sie bestimmt komplett durchnässt war. Kein Wunder, bei dem Regen! Und irgendwie konnte ich sie nicht dort draußen stehen lassen, wie sie mich immer noch ziemlich finster anstarrte, da ich sie gerade fast über den Haufen gefahren hatte.
    „Tut mir leid!“, rief ich, nichts ahnend, ob sie mich nun verstand oder nicht.
    Wahrscheinlich nicht.
    Doch bevor ich aus meinem trockenen Auto aussteigen konnte, klopfte schon eine kleine Faust ärgerlich und ziemlich kraftvoll gegen mein Seitenfenster.
    Schnell kurbelte ich es herunter und betrachtete mein fast-Opfer nun etwas genauer.
    „Sag mal, hast du überhaupt keinen Anstand? Du hättest mich fast überfahren! Das ist fahrlässige Tötung! Ich hab weiß Gott besseres zu tun als im Krankenhaus abzuhängen. Und entschuldigen könntest du dich…“
    „Aber über die Straße schauen kennst du wohl auch nicht?“, fragte ich mit ironischem Unterton. Sie atmete tief ein und blähte ihre Backen auf. Interessante Mimik.
    Plötzlich jedoch bemerkt ich, dass ihr ganzer Körper zitterte, sie war für das Wetter etwas zu leicht angezogen – nun ja, eigentlich ja nicht, wenn dieser Regen nicht wäre. Ihr braunes, mittelanges Haar klebte ihr am Gesicht, genauso wie ihr kurzes Blümchenkleid.
    „Als Entschuldigung akzeptiere ich eine Mitfahrgelegenheit bei dir!“, sagte sie und schlotterte heftig mit den Zähnen. Ich grinste fies.
    „Oha. Nachdem du so unglaublich nett zu mir warst, hast du dir das auch verdient.“ Mit diesen Worten, drehte ich das Fenster wieder hoch und drückte etwas auf Gas und ließ den Motor aufheulen, fast schon ein Art Warnzeichen, dass ich jeden Augenblick weg sein konnte und sie weiterhin im Regen stand.
    Etwas verzweifelt wedelte sie mit ihren Armen und bedeutete mir, dass Fenster wieder aufzumachen, doch so kaltherzig war ich auch wieder nicht, und gab ihr mit einem Kopfnicken das Zeichen, dass sie einsteigen konnte.
    Für einen kurzen Moment flog ein überglückliches Lächeln über ihr Gesicht und ich musste ehrlich zugeben – sie war ziemlich hübsch, also ohne ihre Zornesfalten.
    Und schon knallte die Tür neben mir zu und ein pitschnasses Mädchen saß neben mir. Sie schüttelte sich einmal ausgiebig, was mich irgendwie an einen Pudel erinnerte. Ihren braunen Lederrucksack verstaute sie unter sich und schaute mich auf einmal erwartungsvoll an - als sei das gerade eben nie passiert und wir würden uns schon seit Ewigkeiten kennen.
    „Und jetzt?“, fragte sie leise, als würde sie etwas Verbotenes aussprechen. Leise grinste ich in mich hinein – na da hatte ich mir was angelacht.
    „Ich weiß nicht, ich habe keine Ahnung wie du heißt. Ich habe auch keine Ahnung woher du kommst, warum du um halb zwei an einer Bushaltestelle sitzt und bei Fremden Menschen einsteigst. Hat dir deine Mama nie gesagt, dass fremde Jungs gefährlich sind?“
    „Bist du denn ein Serienkiller?“, gluckste sie.
    „Ouuh, dir wird das Lachen schon vergehen!“, lachte ich und sie starrte mich kurz panisch an, bis sie auch in mein Lachen einstimmte.
    „Nun ja, dürfte ich denn erfahren, wie meine Begleitung heißt?“
    Nachdem sie sich etwas in meinem großen Bus umgesehen hatte, blickte sie zu mir und antwortete süßlich: „Flora.“
    „Wie die DARM FLORA?“, fragte ich mit großen Augen. Nicht gerade ein passender Name, für so ein Mädchen!
    „Ja, in der Tat. Hast du ein Problem damit?“, ihr Tonfall war durch und durch schnippisch aber auch irgendwie ironisch.
    „Und wohin willst du?“, überging ich mal mit meiner feinen Englischen Art ihre Gegenfrage.
    Sie seufzte, lehnte sich zurück, legte beide Beine auf das Armaturenbrett und starrte etwas verloren auf meine Windschutzscheibe, auf die sich immer noch ein Strom von Regen ergoss.
    „Egal wohin, hauptsache weg von hier.“
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    Zitronenfalter
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    Re: Der Sommer der nach Freiheit roch (Lara & Klarastrophe)

    Beitrag von Zitronenfalter am Di 28 Sep 2010, 23:26

    Spoiler:
    Hab mir das ganze jetzt nicht noch mal durchgelesen, mach ich morgen, bitte verzeih mir die ganzen Fehler Tiisherlein Wink

    Tag 1
    Flora


    Unsere Geschichte beginnt für mich an einer verregneten Bushaltestelle. Ich ahnte damals natürlich noch nicht, dass es unsere Geschichte werden würde, dass Einzige was ich wusste war, dass neue Tage für mich anbrechen mussten und Altes nun darauf wartete mit mir abzuschließen.
    Das Pappschild in meiner Hand war schon ganz weich vom vielen Regen und die einzigen wohl noch halbwegs trockenen Sachen befanden sich in dem Koffer zu meinen Füßen. Knallrotes Leder neben abgenutzten Schuhen. Wie lange ich schon in die Leere starrte wusste ich nicht, irgendwann würde schon ein Auto kommen das mich eine Weile begleiten würde auf meinem Weg ins Ungewisse. Den letzten Bus hatte ich schon um Stunden verpasst, doch hier am Ende der Welt war es sowieso ein Wunder wenn man alle Paar Tage mal einen zu Gesicht bekam. Hier war das Ende der Welt, jedenfalls für mich. Ich musst einen Horizont finden, meinen Horizont erweitern, überhaupt hier einmal raus kommen.
    Die Ereignisse der letzten Wochen und Monate waren schließlich ausschlaggebend gewesen für meine Entscheidung zu gehen. Ab hier zog ich einen Schlusstrich. Nun ja nicht ganz, Christopher würde ich nicht ganz hinter meine innere Grenze sperren können. Doch das war ein anderes Thema...
    Unerbitterlich weinten die Wolken über mir und von Minute zu Minute schwand meine gute Laune ins Bodenlose. Bis auf die Unterwäsche durchnässt stand ich also da und wartete. Gott seis gedankt - ich hatte meine Kamera noch in den Koffer bekommen! Sie und das Fotoalbum hätten diesen Regen wohl nicht überlebt.
    So stand ich also da, ein einziger Farbklecks, der schließlich dem Grau und der Dunkelheit wich. Stunden vergingen und ich malte mit meinem linken Fuß Kreise in den schlammigen Boden. Nass war ich sowieso schon, da machte ein bisschen Schlamm auch nichts mehr.
    Da hörte ich von weiter das Rauschen eines näherkommenden Autos. Sofort blickte ich auf und sah die Lichter der Scheinwerfer die sich in meine Richtung bewegten. Meine Reiselust kam wieder zum Vorschein udn ich stellte mich näher an den Rand der Bushaltestelle und versucht auf mich aufmerksam zu machen. Das, was frühereinmal ein Pappschild gewesen war warf ich in den nächstbesten Busch, auf gut oder lang würde es verroten. Fälschlicherweise hatte ich das sich mri nähernde Ungetüm für ein Auto gehalten, allerdings stellte sich nun auf die letzten paar Meter heraus, dass es sich um einen alten VW Bus handelte. Soweit ich sehen konnte war ziemlich viel darauf gemalt worden, näheres lies sich bei der Dunkelheit jedoch...
    WAS IN ALLER WELT?!?!?! „AAH! EY DU IDIOT, HAST DU KEINE AUGEN IM KOPF?“, schrie ich und sprang zur Seite. Was verdammt noch mal dachte sich dieser Hornochse von Autofahrer bitteschön dabei mich fast rücksichtslos umzumähen? BUSHALTESTELLE? Sollte das nicht schon heißen das hier normalerweise Leute stehen? IDIOT! Wütend klopfte ich gegen die Fensterscheibe. Dem würde ich jetzt erstmal eine gehörige Standpauke verpassen! So wieder Bus aussah hatte der wohl an der letzten Haltestelle einen zu viel gekifft und war dann weitergefahren! Nach einer halben Ewigkeit wurde endlich das Fenster heruntergekurbelt, doch ich ließ meinem Gegenüber gar keine Zeit sich in irgendeiner Weise zu rechtfertigen: „Sag mal, hast du überhaupt keinen Anstand? Du hättest mich fast überfahren! Das ist fahrlässige Tötung! Ich hab weiß Gott besseres zu tun als im Krankenhaus abzuhängen. Und entschuldigen könntest du dich…“
    „Aber über die Straße schauen kennst du wohl auch nicht?“, kam auf Englisch zurück. Na klasse. Ich hielt dem Kerl eine Standpauke und dann war es auch noch ein Engländer! Ganz toll! Aber er schien mich schon verstanden zu haben, sonst hätte er ja nicht geantwortet... oder? Also Flora, sprich einfach weiter deutsch! Du bist hier in Deutschland, er sollte deutsch sprechen. Was glaubte der eigentlich wer er war? Erstmal ne Runde Leute umfahren und dann sowas? ER war es doch der hier einfach auf die Bushaltestelle gefahren war, er hatte aufzupassen, nicht ich! Tiiiiiiieeeeeef durchatmen. Ein.... und auss..... Unter Druck blähte ich meine Backen auf und drückte eine ganze Menge Luft aus mir heraus. Alles wird gut Flora, du musst nur hier weg, ob der Kerl der dich fährt keine Ahnung vom Verkehr hat ist doch zweitranig... Ich entschloss mich also einzusteigen. Hauptbeweggrund war wohl, dass der Kerl nicht wirklich älter war als ich selbst. Ein oder zwei Jahre höchsten. Ich fühlte mich wie ein Eiszapfen und so kamen die folgenden Worte wohl etwas lächerlich rüber und nicht ganz in den schnippischen Ton, den ich eigentlich hatte anschlagen wollen. „Als Entschuldigung akzeptiere ich eine Mitfahrgelegenheit bei dir!“
    Er grinste. Idiot. „Oha. Nachdem du so unglaublich nett zu mir warst, hast du dir das auch verdient.“ OH JA! Er lies den Motor aufheulen und tat so als würde er im nächsten Moment losfahren. Aha. Angeber auch noch. Klasse. Und nun? Ich versuchte ihm zu verstehen zu geben das Fenster doch bitte erneut zu öffnen, doch er grinste nur wieder und nickte mir zu. Ich durfte einsteigen. Glück gehabt.
    Ich lächelte ihn freudestrahlend an. Endlich! Raus und fort von diesem Dorf! Von diesen Menschen! Er wusste gar nicht wie sehr er mir in diesem Moment half. Mein Retter...
    Schnell rannte ich zum Ende des Busses und warf meinen Koffer in den hintern Teil. Irgendwas schepperte. Ich ignorierte es, knallte die Tür zu und begab mich in Richtung Beifahrersitz. Kaum saß ich versuchte ich erstmal Kälte und Nässe von mir abzuschütteln. Doch es war vergebens. Ich würde schon wieder trocknen. Statt weiteren unmöglichen Trocknungsversuchen verstaude ich meinen Rucksack unter meinen Füßen und es konnte losgehen. Ich blickte kurz zu Mr. Engländer neben mir, der mich anstarrte. War noch was?
    Ich wurde verlegen. Ich mochte es noch nie wenn mich wer beobachtete, generell zog ich es lieber vor unbeobachtet zu bleiben. Blicke hatten für mich immer schon etwas von Röntgenstrahlen, als ob jeder der mich nur eine bestimmte Zeit lang beobachtete in mich hineinsehen konnte...
    „Und jetzt?“, fragte ich sichtlich verunsichert. Blicke verunsicherten mich, fremde Menschen verunsicherten mich. Ach Flora, sei mal ein bisschen selbstbewusster! Wenigstens von außen! Er grinste wieder.... was sollte das? Jetzt auch noch über mich lustig machen? Ich lehnte mich in den Sitz, der zwar schon ziemlich ausgesessen war aber zugegeben auch ziemlich bequem und schaute aus der Windschutzscheibe.
    „Ich weiß nicht, ich habe keine Ahnung wie du heißt. Ich habe auch keine Ahnung woher du kommst, warum du um halb zwei an einer Bushaltestelle sitzt und bei Fremden Menschen einsteigst. Hat dir deine Mama nie gesagt, dass fremde Jungs gefährlich sind?“
    Die Unsicherheit war verflogen. „Bist du denn ein Serienkiller?“, gluckste ich hervor und blickte wieder zu ihm hinüber.
    „Ouuh, dir wird das Lachen schon vergehen!“, lachte er. Halt stop. Das war Spaß oder? Kurz schaute ich ihn fragend an. Manchmal verlies mich mein Sinn für Ironie einfach... Doch ich entschied das sein Lachen ehrlich war und stimmte mit ein. Er hatte ein schönes Lachen, es war mitreißend und klang nach... ja, einfach von Grund auf nach Fröhlichkeit. Ich schaute mich um in dem kleinen Bus der jetzt für eine ganze Weile mein Transportmittel sein sollte. „Nun ja, dürfte ich denn erfahren, wie meine Begleitung heißt?“ Zu meinen Füßen lagen, neben meinem Lederrucksack, verschieden Landkarten. Am Spiegel baumelten verschiedene Dinge die ich in der Dunkelheit nicht genau identifizieren konnte. An der Anlage hatte er wohl etwas umgebaut, sie schien mir etwas "aufgepimpt", allerdings war sie aus. Was er wohl für Musik hörte?
    Ich schüttelte kurz meinen Kopf und antwortete auf seine Frage: "Flora."
    Die Reaktion war. Nun ja. „Wie die DARM FLORA?“ Idiot.
    „Ja, in der Tat. Hast du ein Problem damit?“ Ich war solche Kommentare schon gewöhnt. Er hatte es auf eine seltsame Weise noch nett formuliert, von Klassenkameraden war ich schlimmeres gewohnt gewesen. Ich hatte gelernt damit umzugehen, so irgendwie. Doch es kränkte mich jedes mal aufs neue... ein bisschen. Ich mochte meinen Namen und in Momenten wie diesem würde ich gerne meinem Gegenüber eins über ziehen.
    „Und wohin willst du?“, kam als nächstes. Das er meine Frage überging war mir fast recht.
    Ich seufzte. Wenn ich das blos wüsste. Weg war so ein schönes Wort, doch wie genau sollte ich meinem Fahrer das erklären... Ich beschloss es mir erstmal bequem zu machen. Vorsichtig streifte ich meine schlammigen Schuhe ab und legte meine Füße auf das Amaturenbrett. Die Windschutzscheibe war kalt und immer mehr Tropfen klatschten auf uns herab.
    „Egal wohin, hauptsache weg von hier.“
    Er nickte. Fragte nicht, obwohl ich ihm ansah, dass er gerne mehr gewusst hätte. Ich war ihm dankbar dafür und dankbar das er kommentarlos losfuhr. Meinen Kopf drehte ich in Richtung Fenster.
    "Und wie heißt du?"
    "Luke."
    Kurz und knackig also. Ich musste bei dem Gedanken grinsen. "Aha. Und weiter?"
    ".....(hier wird noch der name ergänzt)...."
    Stille. Ich veranstalte ein Regentropfenrennen. Innerlich feuerte ich die von mir ausgewählten Tropfen itusdiastisch an 'LOS SCHNELLER SCHNELLER DU SCHAFFST DAS!'
    "Und du?", seine Frage überrumpelte mich. Mist. Verloren. Ich schwenkte meinen Kopf zurück in seine Richtung.
    "Was?", fragte ich stirnrunzeldn.
    "Und weiter?" Er wendete seinen Blick von der Straße ab und sah mir direkt in die Augen.
    "Schau weiter auf die Straße. Es regnet. Das ist gefährlich, ich will nicht das wir im Graben landen." Ich kauerte mich auf dem Sitz zusammen und versuchte irgendwie meine Körperwärme zusammenhalten. Mir war so unbeschreiblich kalt.
    "Hinter deinem Sitz müsste eine Decke liegen.", sagte er leise, seinen Blick nun star auf die Straße geheftet.
    "Danke", flüsterte ich und dämmerte vor mich hin. Irgendwann hörte ich leise die Beatles aus den Lautsprechern der anlage klingen und eine Stimme neben mir die voller Inbrust mitsang.
    Baby, you can drive my car!


    ~

    Ich hatte nie wirklich geschlafen, war lediglich immer mal wieder für einige Minuten das Land der Träume geschlummert, doch hatte er sich wohl ungehört gefühlt. Beatles konnte er auswendig. Ich auch.
    Doch sobald das Album zu Ende gewesen war hatte er angefangen ununterbrochen eine mir unbekannte Melodie vor sich herzusummen. Aus dem Idioten war innerhalb weniger Stunden ein Musiker geworden, in meinen Augen... äh, Ohren. Ich grunzte. Erstes Zeichen für ihn, dass seine Mitfahrerin gleich "aufwachen" würde. Langsam drehte ich mich im Sitz um, was durch den Anschnallgurt gar nicht so leicht war. Mit gespielt müden Augen schaute ich ihn an und er grinste auf mich herab. "Willst du nicht vielleicht mal eine Pause machen? Du fährst doch schon so lange...", fragte ich betont verschlafen.
    Er schüttelte den Kopf "Nein, später vielleicht. Es sei denn,...?"
    "Nein! Wegen mir brauchst du doch nicht anhalten." Mist. Ich musste echt aufs Toilette und umziehen würde ich mich auch irgednwie gerne, doch die Genugtum könnte ich ihm nicht. Ich setzte mich gerade auf und versuchte meine nun halbwegs trockenen Haare in eine Richtung zu bändigen. Zehn Minuten hielt ich es auch und konnte dem wachsenden Druck meiner Blase wiederstehen.
    "Okay. BITTE! Halt an!", presste ich zwischen meinen Lippen hervor.
    Er lachte, versprach aber bei der nächsten Haltemöglichkeit ranzufahren. Allmählich warf die Sonne Strahlen über den Horizont und das Grau der Nacht wich einem hellen Orange. Luke setzte den Blinker und bedeutete mir auzusteigen. Noch nicht ganz beisammen, immerhin war es früh am Morgen, warf ich die Decke wieder hinter mich und stieg aus. Kaum hatte ich die Tür geöffnet entwich mir ein leiser Schrei. Nein. Das war nicht sein Ernst, der Kerl legte es doch wohl darauf an! "W A S SOLL D A S?", keifte ich ihn an, "Wo, zur Hölle nochmal, soll ich in dieser Landschaft hier Pinkeln können, geschweige denn mich umziehen, kannst du mir das mal bitte sagen?" Kein Baum weit und breit. Nicht mal ein winziges Büschlein.
    Ich hasste Autobahnen und Luke, der Idiot, er grinste.

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    Re: Der Sommer der nach Freiheit roch (Lara & Klarastrophe)

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