Pooly's Kunst und Schreibforum

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Ich möchte euch alle herzlich willkommen heißen in Pooly's Kunst und Schreibforum!

Zu unseren Mitgliedern sage ich: willkommen zurück.

Und unseren Gästen möchte ich empfehlen, sich vielleicht etwas hier umzusehen. Vielleicht lohnt es sich ja für euch.
Lasst euch nicht abschrecken. Eventuell könnte die Anzahl unserer Foren euch etwas erschlagen. Aber es dauert wirklich nicht lange, bis man sich hier eingefunden hat und im Notfall sind alle User und Teammitglieder bereit, euch unter die Arme zu greifen :)

Viel Spaß!



Pooly & Co.

    Michael Ende ► Interview

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    Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Amira am So 08 Aug 2010, 16:56

    Das magische Bereich des Imaginären ist eben Phantasien, in das man ab und zu reisen muss, um dort sehend zu werden. Dann kann man zurückkehren in die äußere Realität, mit verändertem Bewusstsein,
    und diese Realität verändern oder sie wenigstens neu sehen oder erleben.


    MICHAEL ENDE



    Man darf von jeder Tür in den literarischen Salon treten: aus der Gefängnistür, aus der Irrenhaustür oder aus der Bordelltür. Nur aus einer Tür darf man nicht kommen, aus der Kinderzimmertür.


    Michael Ende, der mit vollem Namen Michael Andreas Helmut Ende heißt, wird ein Jahr nach Ausbruch des ersten Weltkrieges in Deutschland, als Sohn des Malers Edgar Ende und dessen Ehefrau Luise Bartholomä, geboren. Michael Ende selbst erlebt eine Kindheit inmitten einem bunten Trubel von Bildhauern, Literaten und Malern.
    Als er 1936 in die Volksschule kommt, wird seinem Vater verboten, weiterhin zu arbeiten; Edgar Ende war einer der ersten deutschen Surrealisten und seine Bilder wurden als "entartete Kunst" betitelt. Während dieser Zeit werden viele Freunde des Vaters, sowohl Juden als auch Nichtjuden, abgeholt und, wie man damals nur hinter vorgehaltener Hand erzählte, in Konzentrationslagern verschleppt.
    Als es Michael Ende mit Müh' und Not ins Gymnasium schafft, erreicht dem Vater ein Bescheid vom Militär; bis Kriegsende muss er als Soldat dienen.
    Als im Jahr 1943 die meisten Schulen im Raum München evakuiert werden, kehrt Michael Ende, wie viele andere Kinder, an seinen Geburtsort zurück und beginnt, zu schreiben; anfangs hauptsächlich Gedichte und Erzählungen.
    Im letzten Kriegsjahr brennt das gesamte Atelier des Vaters mit 500 Bildern ab und Endes Mutter sieht sich gezwungen, in eine Wohnung am Stadtrand zu ziehen. Nun werden auch die Vierzehn- und Fünfzehnjährigen zur Wehrmacht geschickt um gegen amerikanische Panzer zu kämpfen - drei von Michael Endes Klassenkameraden fallen am ersten Tag des Einsatzes. Michael Ende zerreißt jedoch seinen Stellungsbefehl und beginnt als Kurier bei einer Zeitung zu arbeiten.
    Im Jahr darauf, kurz nach Kriegsende, kehrt der Vater aus amerikanischer Gefangenschaft zurück; die Familie zieht ein weiteres Mal um, Ende wechselt die Schule.
    Da das Geld für ein Studium nicht reicht, schließt Michael Ende 1950 die Schauspielschule ab; sein Ziel ist aber das Schreiben.
    In der darauffolgenden Silvesternacht lernt Michael Ende seine spätere Frau, die Schauspielerin Ingeborg Hoffmann, kennen und lieben. Geld ist zu dieser Zeit knapp bemessen und Ende gerät in eine künstlerische und literarische Krise; er beschließt, das Schreiben aufzugeben.
    Er gibt sich eine letzte Chance - ohne Plan und Absicht beginnt er zu schreiben und verfasst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts das Manuskript „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Sowohl das Buch als auch die Fortsetzung werden ein Erfolg und finanziell unabhängig widmet sich Michael Ende nun völlig seiner Leidenschaft - dem Schreiben von Theaterstücken.
    Fünf Jahre nach dem Tod seines Vaters 1965 zieht das Ehepaar in eine Villa in Italien; es herrscht eine Zeit in der die phantastische Literatur in Deutschland als "Fluchtliteratur" abqualifiziert wird.
    In Italien entsteht der Roman "Momo"; auch wenn er sich anfangs nur langsam durchsetzt, wird er später in mehr als 20 Sprachen übersetzt.
    Ein Jahr darauf stirbt auch seine Mutter.
    1977 beginnt Michael Ende schließlich mit der Arbeit an "Die unendliche Geschichte"; nach dreijähriger Arbeit erscheint der Roman, der in 40 Sprachen übersetzt und zehn Millionen Mal verkauft wird und Michael Endes Weltruhm begründet.
    Als Endes Frau stirbt, kehrt er alleine nach München zurück. Er heiratet die Japanerin Mariko Sato, die einige seiner Bücher ins Japanische übersetzt.
    Im Sommer 1995 stirbt Michael Ende an einer schweren Krankheit in Stuttgart.


    Schreiben ist eine Art Abenteuer, bei dem man nie weiß, wohin es einen führen wird.


    Romane, Märchen und Erzählungen:

    ♦ Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
    ♦ Jim Knopf und die Wilde 13
    ♦ Das Schnurpsenbuch (Stuttgart 1969).
    ♦ Tranquilla Trampeltreu, die beharrliche Schildkröte
    ♦ Momo oder Die seltsame Geschichte von den Zeitdieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte Rezension
    ♦ Das kleine Lumpenkasperle
    ♦ Das Traumfresserchen
    ♦ Lirum Larum Willi Warum
    ♦ Die unendliche Geschichte
    ♦ Der Lindwurm und der Schmetterling oder Der seltsame Tausch
    ♦ Die Schattennähmaschine
    ♦ Der Spiegel im Spiegel. Ein Labyrinth.
    ♦ Filemon Faltenreich
    ♦ Norbert Nackendick
    ♦ Ophelias Schattentheater
    ♦ Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch
    ♦ Die Geschichte von der Schüssel und vom Löffel
    ♦ Lenchens Geheimnis
    ♦ Der lange Weg nach Santa Cruz
    ♦ Das Gefängnis der Freiheit
    ♦ Der Teddy und die Tiere
    ♦ Die Vollmondlegende. Bilderbuch für Erwachsene
    ♦ Die Zauberschule und andere Geschichten
    ♦ Der seltsame Tausch und andere Geschichten
    ♦ Vom Wunsch aller Wünsche und andere Geschichten
    ♦ Die Zauberschule im Wünschelreich
    ♦ Die Rüpelschule

    Weiteres veröffentlichte er Theaterstücke, Essays, Gedichte und Sachbücher; viele Bücher wurden auch verfilmt und/oder vertont.


    Einen Erwachsenen nennt man jenes Krüppelwesen, das in einer entzauberten Welt sogenannter Tatsachen existiert.


    Michael Ende und die Schildkröten:

    Man hat mich des öfteren gefragt, warum fast in jedem meiner Bücher eine Schildkröte vorkommt. Ich muss zugeben, dass mir diese Tatsache selbst erst durch die Frage auffiel.
    Eigentlich hat sich die jeweilige Schildkröte (Uschaurischuum, Morla, Kassiopeia, Tranquilla usw.) sozusagen immer ganz von selbst eingestellt, ohne meine Absicht. Aber vielleicht können einige Hinweise auf die Bildersprache der Mythen und Märchen die Frage wenigstens teilweise beantworten.
    In der Weltmythologie wimmelt es ja geradezu von Schildkröten. Der Noah der nordamerikanischen Indianer z.B. rettet sich nicht wie der biblische in einem Schiff, sondern auf dem Rücken einer riesigen Wasserschildkröte mit seiner Familie über sie Sintflut.
    Im indischen Mythos steht die Welt auf dem Panzer einer kosmischen Schildkröte.
    Wenn man das I-Ging, das chinesische "Buch der Wandlungen", aufschlägt, so wird man finden, dass die 64 Ur-Hexagramme, von denen, wie es heißt, alle Schriftzeichen abstammen, von einem vorgeschichtlichen Weisen aus den Mustern auf den einzelnen Platten eines Schildkrötenpanzers abgelesen worden sind. (Wer Momo gelesen hat, wird sich hier vielleicht an Kassiopeias Mitteilungshinweise erinnert fühlen.) Die Beispiele sind fast beliebig vermehrbar.

    Was mir persönlich an Schildkröten (ich spreche hier von der mediterranen Landschildkröte) so besonders sympathisch ist, das ist:

    1. ihre vollkommene Nutzlosigkeit. Schildkröten haben weder Freunde noch Feinde in der Natur (außer dem Menschen, versteht sich, der ja inzwischen der gefährlichste Feind aller Kreatur geworden ist, aber ist kein "natürlicher" Feind). Sie nützen niemand und sie schaden niemand. Sie sind einfach da. Das scheint mir in einem Weltbild wie dem gegenwärtigen, in dem alles in der Natur vom Nützlichkeitsstandpunkt aus erklärt wird, eine bemerkenswerte und tröstliche Tatsache.

    2. ihre Bedürfnislosigkeit. Schildkröten können mit fast nichts existieren. Täglich ein paar Blättchen, damit kommen sie über Wochen und Monate aus.

    3. ihr Alter. Ich meine damit nicht nur, dass sie im einzelnen sehr alt werden können, sondern das Alter ihrer Spezies. Es hat sie schon gegeben, als der Mensch noch in Abrahams Wurstkessel schwamm, und es wird sie vermutlich noch geben, wenn wir längst wieder abgetreten sind.

    4. ihr Gesicht. Haben Sie einer Schildkröte schon mal direkt ins Gesicht gesehen? Sie lächelt. Sie scheint etwas zu wissen, was wir nicht wissen.

    5. ihre Form. Dies ist der am schwersten zu erklärende Punkt, weil er dem gegenwärtigen Denken ungewohnt ist: Wenn man eine Schildkröte einmal nicht anatomisch, sondern symbolisch betrachtet, also das ins Auge fasst, was ihre Gestalt ausdrückt, dann hat man es eigentlich mit einer wandelnden Hirnschale aus Horn zu tun. Die Hirnschale spielt in den Mythen der Welt ebenfalls eine bedeutsame Rolle. Nach der Edda wurde das gestirnte Himmelsgewölbe aus der Hirnschale des Ur-Eisriesen gebildet. In der Hirnschale befindet sich die Fontanelle, eine kleine Öffnung nach oben, die beim neugeborenen Kind noch für eine kurze Weile offen bleibt und sich dann nach und nach schließt. Das ist die Erinnerung des physischen Leibes, so sagen einige Quellen des alten Wissens, an eine Ur-Zeit, in der diese Fontanelle des Menschen sein Leben lang offen blieb. An dieser Stelle befand sich ein Organ (man kann seine eigentümliche Form noch jetzt an allen Buddha-Statuen als "Frisur" sehen), mit dem der Mensch wie träumend über die Welt von Raum und Zeit hinaus, also jenseits des Himmelsgewölbes, wahrzunehmen vermochte. Die Inder nennen es den "tausendblättrigen Lotos". Vielleicht sind sogar unsere Königskronen noch eine, inzwischen unbewusste, Nachbildung dieses Organs.
    Bei den Schildkröten ist die Schale geschlossen. Das denkende Ich ist mit sich allein und wird sich seiner selbst bewusst. Mit anderen Worten: "Sie trägt ihre eigene kleine Zeit in sich."


    Ein Interview mit Michael Ende:

    Hier zu finden.

    Es gibt Menschen, die können nie nach Phantásien kommen, und es gibt Menschen, die können es, aber sie bleiben für immer dort.
    Und dann gibt es noch einige, die gehen nach Phantásien und kehren wieder zurück. Und sie machen beide Welten gesund.


    Quellenangabe: Zwei liebevoll gestaltete Websites standen mir helfend zur Seite: http://www.thienemann.de/me/galerie.htm und http://www.michaelende.de/. Ein Besuch lohnt sich!




    Zuletzt von Amira am Mo 08 Apr 2013, 21:18 bearbeitet; insgesamt 22-mal bearbeitet

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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Miyann am So 08 Aug 2010, 17:36

    Oh, wow, was für eine ausführliche Vorstellung. Der sieht man an, wie sehr du den Autor schätzt. Michael Ende hat mich auch immer sehr beeindruckt. Die unendliche Geschichte, der Wunschpunsch, Momo.... Großartig.

    Gerade die unendliche Geschichte mag ich wie du unheimlich gerne. (: Ich sollte die mal wieder lesen. Wir haben auch so eine schöne Ausgabe davon.

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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Amira am So 08 Aug 2010, 23:27

    Schön, das dir die Vorstellung gefällt :)

    Ja, auch mir ist die unendliche Geschichte ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Schon allein das Cover gefällt mir so, ich habe eines der ältesten Ausgaben. Türkis, Blau und mit dem Oval das zwei Schlange bilden.

    Morgen möchte ich euch dann noch ein Interview mit ihm zeigen, nur das das auf einmal nicht zu viel ist :)

    Liebe Grüße,
    Amira


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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Miyann am Mo 09 Aug 2010, 07:50

    Ich kenne unsere unendliche Geschichte nur ohne Schutzumschlag (keine Ahnung, wo der abgeblieben ist), der Leineneinband ist dunkelrot und die Schlange sind auch draufgeprägt. Innen ist dann alles hübsch zweifarbig. Vielleicht ist das bei der unendlichen Geschichte auch Standard. Wo wir gerade davon schreiben, fürchte ich, dass das Buch auch bei meinen Eltern geblieben ist. Unglaublich!

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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Amira am Mo 09 Aug 2010, 11:40

    Ja, stimmt. Innen ist die Schrift in zwei Farben gehalten ... hach, ich könnte es gleich wieder lesen :]






    Interview mit Michael Ende:

    Wie schreiben Sie? Haben Sie einen roten Faden im Kopf?
    "Das ist sehr unterschiedlich. Ich habe den Jim Knopf wirklich so geschrieben, dass ich mit dem ersten Satz angefangen habe, ohne jedes Konzept und
    ohne zu wissen, wie der zweite Satz heißen und worauf das Ganze hinauslaufen wird. In diesem Fall ist die Geschichte wirklich erst mit dem Buch entstanden,
    und ich war während des Schreibens zum Teil selber ganz gespannt, wie es weitergehen würde.
    Bei anderen Geschichten, zum Beispiel bei der Momo, hatte ich ein ungefähres Konzept im Kopf, das sich dann allerdings während der Arbeit noch sehr stark
    geändert hat. Und wieder anders war es bei der Unendlichen Geschichte, da habe ich eigentlich mittendrin angefangen. Die ersten Sätze, die ich von
    der Unendlichen Geschichte geschrieben habe, sind heute das zwölfte Kapitel."

    Wie kamen Sie auf die Idee für die Unendliche Geschichte?
    "Das Buch ist dadurch entstanden, dass mein Verleger in meinem Haus in Italien abends bei einigen Rotweinflaschen am Kamin meinte, ich sollte doch mal
    wieder ein Buch schreiben. Ich habe also meinen Zettelkasten hervorgeholt und darin lag u. a. ein Zettel, auf dem stand: 'Ein Junge gerät während des Lesens buchstäblich in die Geschichte hinein und findet nur schwer wieder heraus.'
    Da sagte mein Verleger: 'Das hört sich gut an, das solltest Du machen.' Und ich sagte zu ihm: 'Na ja, weißt Du, da ist nicht viel drin, höchstens so `ne Hundertseitengeschichte.' 'Na, das ist ja wunderbar, da schreibste eben mal wieder ein kürzeres Buch, Deine Bücher sind ja eh immer alle zu dick. Also kann ich im nächsten Jahr damit rechnen?' 'Na', sag`ich, 'hundert Seiten werd` ich ja wohl schaffen.'
    Ich habe mich dann an die Arbeit gemacht - und nun passiert es manchmal tatsächlich, dass einem so ein Stoff unter den Händen explodiert.
    Die erste Frage hieß eben: Was für ein Junge ist denn das, dem so etwas geschieht? Es gerät ja nicht jeder buchstäblich in eine Geschichte hinein.
    Er muss also eine bestimmte Disposition mitbringen, damit so etwas geschehen kann. Und so entstand langsam die Figur des Bastian.
    Auf der anderen Seite habe ich mich gefragt: Was für eine Geschichte muss das denn sein, die die Anwesenheit des Lesers tatsächlich erzwingt, in die der Leser hinein muss ... So entstand langsam Fantásien, aber dann dehnte sich das nach allen Seiten auf mich zu, und ich hatte wirklich alle Hände voll zu tun, damit das Ganze überhaupt noch eine Gestalt kriegt ..."

    Schreiben Sie per Hand oder mit Maschine? Korrigieren Sie viel?
    "Ich schreibe immer zunächst per Hand. Meine Manuskripte wimmeln von Pfeilen, Rausgestrichenem, Drüber- und Duntergeschriebenem usw.
    Erst wenn`s einigermaßen so weit ist, schreib ich`s als kleine Objektivierungshilfe auf die Maschine, damit ich sehe, wie es sich liest. Und dann wird meistens
    noch mal dran rumkorrigiert, es entwickeln sich auch neue Notwendigkeiten ... Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine einzige Seite nicht nachträglich
    sehr heftig korrigiert zu haben.
    Das liegt wohl ein wenig daran, dass meine Arbeitsmethode eigentlich weniger die eines Schriftstellers ist, als ... - vielleicht liegt es auch an meiner Herkunft
    als Sohn eines Malers - ich arbeite eigentlich eher wie ein Maler. Maler gehen oft so vor, dass sie erst einmal mit irgendeiner Ecke des Bildes anfangen,
    wo dann etwas entsteht, sei es eine besondere Farbigkeit, oder sei es irgend etwas, das danach verlangt weitergeführt zu werden ... So malt man dann
    langsam das ganze Bild. Man hat zwar am Anfang ein bestimmtes Konzept, aber das Konzept ändert sich unterwegs, die Zielrichtung ändert sich dann auch."

    Ich denke, auch der Klang der Sprache ...
    "Ja, auch der Klang der Sprache. Ich schreibe sehr langsam, ich brauche keine Beschleunigungsmittel wie Computer oder Diktiergeräte, weil ich oft minuten-, viertelstundenlang, oft sogar noch länger über einem einzigen Satz sitze und versuche, ihn abzuschmecken: Wie muss man ihn jetzt drehen, damit er auch klingt ... Das ist ja nicht nur Bild, das ist auch Melodie."

    Autoren von Büchern, die so oft in phantastischen Welten spielen, wie die Ihren, wird gern der Vorwurf des Eskapismus gemacht. Flüchten Sie vor der Realität?
    "Wenn ich Geschichten schreibe, die einen kindlichen Tonfall anschlagen, dann gerade, weil ich das Unerträgliche kennen gelernt habe.
    Ich will keine Abbildung der Realität im Maßstab eins zu eins. Das halte ich für unmöglich. Jeder Roman ist eine Wirklichkeit an Worten, die ich erschaffe.
    Wenn der Leser trotzdem sagt, das erinnere ihn an seine spezifische Situation - um so besser. Dann ist die Erfindung sozusagen ein Modell für die Wirklichkeit.
    Mehr, glaube ich, kann man nicht machen."

    Was brauchen Sie unbedingt im Leben?
    "Eine Katze. Ohne Katze kann ich nicht leben."

    Wen oder was bewundern Sie am meisten?
    "Von allen historischen Figuren: Shakespeare."

    Wen oder was verabscheuen Sie am meisten?
    "Jede Art von Steckenbleiben in Konventionen, was immer eine Art Dummheit oder eine Art Feigheit mit einschließt."

    Ihr Lieblingsmaler?
    "Goya und Grünewald."

    Ihre Lieblingsmusik?
    "Von der klassischen Musik natürlich Mozart, unter der neuen Musik Strawinsky: aber ich habe auch einen sehr starken Hang zu guten Schlagern."

    Kämen Sie noch einmal auf die Welt, wer oder was möchten Sie sein?
    "Seiltänzer, weil es das Können und die Grazie schlechthin ist, ohne jeden Zweck."

    Aus welchen Wurzeln ziehen Ihre Bücher die Kraft?
    "Ein Schlüsselerlebnis hatte ich mit 24 in Palermo. Dort gibt es noch die Märchenerzähler auf dem Marktplatz. Ich habe einen gefragt, woher er seine
    Geschichten habe. Er sagte, aus einem Roman von Alexandre Dumas, vom Großvater geerbt. Das einzige Buch, das er je gelesen hat ...
    Und in den verschiedenen Ausschmückungen erzählt er die Story weiter und weiter.
    Da dachte ich mir: So muss man schreiben. So, dass später ein Geschichtenerzähler auf der Straße deine Geschichte mit eigenen Ideen schmückt und weitergibt."









    Liebe Grüße,
    Naomi


    Zuletzt von Amira am Sa 14 Apr 2012, 18:34 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet

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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Miyann am Mo 09 Aug 2010, 12:01

    Ah, was für ein tolles Interview. Das nenne ich mal spontanes Schreiben und irgendwie ist mir sowas viel sympathischer, als so exakt durchgeplantes Schreiben. (:

    So ein Zettelkasten ist sicher etwas tolles - wo der wohl heute steht?

    Ich weiß noch, wie traurig ich war, als ich die Unendliche Geschichte gelesen habe, mich dann für den Autor interessierte und erfuhr, dass er gar nicht mehr lebt. :/

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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Pooly am Di 10 Aug 2010, 15:41

    Hey Amira!

    Wow! Danke für diese sehr ausführliche Vorstellung! Daran merkt man ja schon, wie sehr du diesen Autor liebst. Ich muss gestehen, dass ich noch nie etwas von ihm gelesen habe, aber ich kenne die Filme und Serien zu seinen Werken und hab mir schon immer einmal vorgenommen gehabt, seine Bücher zu kaufen. Seine Geschichten sind so wundervoll phantasievoll.

    Und hier habe ich ja gerade noch wirklich viel zu ihm erfahren. Das mit den Schildkröten klingt wirklich interessant und er hat recht. Das mit dem seltsamen Gesichtsausdruck war mir bei den Schildkröten einer Freundin auch aufgefallen. Sie sehen irgendwie immer verträumt und zufrieden aus.
    Voll schön (:

    Liebe Grüße
    Marie


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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Amira am Di 10 Aug 2010, 19:48

    @Marit
    Ah, was für ein tolles Interview. Das nenne ich mal spontanes Schreiben und irgendwie ist mir sowas viel sympathischer, als so exakt durchgeplantes Schreiben. (:
    Das dachte ich mir auch :] Er kommt richtig nett, "normal" und sympatisch rüber - schade, das wir ihn so nicht mehr erleben können =(

    @Marie
    Freut mich wenn dir die Vorstellung gefällt. Schätze tu ich in, ja, und unabhängig davon habe ich gerne eine schöne, geordnete Vorstellung :]

    Noch nicht? Dann würde ich das, vorallem mit der unendlichen Geschichte auf alle Fälle nachholen :)

    Ja, mit den Schildkröten hat er Recht. Ich habe bei ihnen auch immer das Gefühl in ein zufriedenes Gesicht zu blicken, das mit seinem Lächeln, so viel mehr als wir zu wissen scheint :)

    Liebe Grüße,
    Amira











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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Jojo am Sa 14 Aug 2010, 23:36

    Hey!
    danke für die Vorstellung.
    Das ist ja alles schon interessant, was du rausgeschrieben hast über ihn :]

    Ich kenne den Film zu der unendlichen Geschichte. Aber das Buch habe ich nicht gelesen. Jedenfalls kann ich mich nicht dran erinnern, wobei es glaube ich auch irgendwo bei uns im Regal liegt.
    Momo haben wir und natürlich Jim Knopf.
    Jim Knopf war eins meiner Lieblingsbücher früher. Die fand ich wirklich klasse. Die Idee mit Lummerland und Frau Malzahn und der wilden 13 :] Das ist wirklich klasse.
    Ich glaube, ich muss noch mal die unendliche Geschichte lese und vllt auch noch mal Momo, weil ich mich da auch nicht richtig dran erinnern kann. Da hab ich eher immer auf KiKa so ne Zeichentrick-Serie zu gesehen ^^

    LG

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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von ExituS am Do 09 Sep 2010, 13:15

    Michael Ende ist natürlich eine Klasse für sich ^^
    Momo hab ich gelesen, Der Wunschpunsch und (natürlich) die unendliche Geschichte ^^
    Da hab ich zwei Ausgaben von, eine Neue und eine eher Alte, mit dem Schlangen-Oval drauf, die ich unserer Bücherei abgeschwatzt hab ;D
    Die unendliche Geschichte ist ein wirklich wundervolles Buch (:

    LG
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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Amira am Sa 25 Dez 2010, 16:09

    Hallo ihr beiden!

    Freut mich, dass ihr hier vorbeigeschaut habt :]

    ²Jojo
    Stimmt, der gleichnahmige Film zu "Die unendliche Geschichte" ist wirklich klasse, wenn ich auch einmal über einen Artikel gestoßen bin, in dem es hieß, dass Michael Ende ziemlich unzufrieden mit der Verfilmung war.
    Ich muss aber sagen, dass es mir gefallen hat :)
    Ah, genau! Da gab es zu Momo und Jim Knopf eine Zeichentrickserien. Die hatte ich mir auch oft angesehen :]

    ²Sarah
    Ja, die alte Ausgabe ist wirklich toll *-* Das Buch, dass ich besitze ist soweit ich weiß, noch das von meiner Mutter.

    Liebe Grüße,
    Naomi

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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Cleopha am Sa 08 Jan 2011, 16:57

    hey,

    die einzigste Geschichte, die ich von Michael Ende kenne ist "Momo". Wir habensie vor Jahren in der Schule gelesen und als Klassenspiel aufgeführt. Ich habe damals "Bibigirl" gespielt. waren das Zeiten... ^^
    Ich finde, dass die Geschichte einfach Zeitlos ist.

    Eine schöne Vorstellung. Da hast du dir echt viel Mühe gemacht.

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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Amira am Sa 08 Jan 2011, 18:28

    Hey :)

    Freut mich, dass du hier vorbeischaust und dir die Vorstellung gefällt :] Es macht mir selbst auch immer Spaß einen kleinen Einblick in das Leben eines Autoren zu geben, da ich nebenbei auch noch einiges bisher nicht gekanntest, erfahren habe.

    Ah, das war sicher toll, Momo als Klassenspiel aufzuführen :)

    Liebe Grüße,
    Naomi


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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Cleopha am Sa 08 Jan 2011, 18:43

    Durch die eigenen Vorstellungen selber noch hinzuzulernen kenne ich auch. Das ist sehr schön, wenn man das Eine mit dem Anderen verbinden kann.

    Ja, naja. ^^ Wir waren 13 und schauspielerisch noch nicht so reif um uns in einer angemessenen Weise auf dieses Anspruchsvolle Stück einzulassen. Hätten wir es ein Jahr später aufgeführt, dann wäre es bestimmt besser geworden.
    Trotzdem hat es damals sehr Spaß gemacht.

    Gast
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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Gast am Mo 01 Aug 2011, 14:02

    Das ist eine echt tolle Vorstellung. Ich bin immer noch platt von so vielen Informationen.

    Ich bewundere die Fantasie von Michael Ende. Diese vielen, völlig unterschiedlichen Ideen in seinen Büchern..das ist...toll.
    Momentan lese ich gerade Momo, aber am besten gefällt mir bis jetzt "Der Wunschpunsch"

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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Amira am Do 01 Sep 2011, 19:48

    Vielen lieben Dank! Es freu mich sehr, dass dir die Vorstellung so gut gefällt (: Ich hatte ja Zweifel, ob nicht der Eindruck entsteht, man wird von all den Informationen hier "erschlagen", aber wenn ich etwas interessantes finde, kann ich mich selbst oft nicht bremsen Very Happy

    Stimmt, ja (: Ich nehme an du hast "Momo" schon fertig gelesen, wie hat es dir denn gefallen?
    Ich denke, ich mag "Die unendliche Geschichte" am meisten (:

    Liebe Grüße,
    Naomi

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    Re: Michael Ende ► Interview

    Beitrag von Amira am Sa 14 Apr 2012, 19:08

    Hallo!

    Lediglich ein kurzer Bescheid - auch diese Vorstellung (hiermit die letzte ~lach~) wurde von mir überabeitet, sowohl was den Inhalt als auch die Gestaltung anbelangt. Sollte etwas eurer Meinung nach interessantes, besonders witziges, trauriges etc. fehlen - einfach Bescheid geben und ich kann es nachträglich in die Vorstellung einfügen (:

    Liebe Grüße,
    Naomi

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    Re: Michael Ende ► Interview

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