Pooly's Kunst und Schreibforum

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Zu unseren Mitgliedern sage ich: willkommen zurück.

Und unseren Gästen möchte ich empfehlen, sich vielleicht etwas hier umzusehen. Vielleicht lohnt es sich ja für euch.
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Pooly & Co.

    Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Pooly am Mo 06 Sep 2010, 21:09



    Das Warten schien endlos und ich warf immer wieder einen Blick auf den Fahrplan an der Wand und dann auf meine Uhr. Uns blieb nicht mehr viel Zeit, aber im Grunde sah ich es gelassen. Ich hatte bisher noch nie einen Zug verpasst, die hatten ja eh immer Verspätung. Und wenn es nichts mehr wurde, dann würden wir eben morgen fahren.
    Es ging Stück für Stück weiter und ich beobachtete Lylou neben mir, die hin und her ging und ab und zu Nuya etwas beobachtete. Ich fand es immer noch seltsam, dass die Katze sich ihr gegenüber so anders verhielt, aber nun ja, ergründen würde ich es ja sowieso nicht können.
    Als wir endlich an der Reihe waren, traten wir an den Fahrkartenschalter und kauften bei einer müde aussehenden, etwas dickeren, Frau zwei Tickets für den nächsten Zug. Als ich sie hantieren sah, wusste ich, warum es so lange dauerte. Ihre Bewegungen waren ... schwerfällig, um es nett auszudrücken, aber ich bedachte sie mit einem aufmunternden Lächeln. Es musste schrecklich sein, den ganzen Tag immer nur dieselben, ermüdenden Bewegungen machen zu müssen.
    "Danke und schönen Abend noch", sagte ich dann, als ich ihr das Geld hingeschoben hatte und die Karten in meiner Hand hielt.
    "So, jetzt schnell", sagte ich zu Lylou und machte mich mit eiligen Schritten auf den Weg zum Bahnsteig.

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Fuchsfee am Mo 06 Sep 2010, 21:22

    Lylou


    Meine Augen hatten sich gespannt auf Finn gerichtet. Ich war so Aufmerksam wie seit langem nicht mehr, denn ich musste ja lernen wie man Fahrkarten kaufte. Als ich sah wie einfach es eigentlich war, machte ich vollkommen überraschte, große Augen. Ich wusste nicht genau was ich eigentlich erwartet hatte, aber ich hatte zumindest angenommen dass es ein etwas komplizierterer Vorgang sein würde.

    Finn riss mich aus meinen Gedanken. So gut es ging lief ich ihm nach und hoffte einfach, dass wir den Zug rechtzeitig erreichen würden. Ein Blick über die Schulter verriet mir, dass Nuya uns bereits folgte. Jetzt konnte meine Geschichte richtig beginnen. Sie würde davon erzählen wie ich mich selbst überwunden hatte, um meinen verschwundenen Bruder zu suchen.

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Pooly am Mo 06 Sep 2010, 23:12



    Wir rannten eine Treppe hinab und eine andere wieder hinauf und ich sah, dass unser Zug schon bereit stand.
    Rasch sprang ich auf die nächste Tür zu und hinderte den Schaffner, der sie gerade schließen wollte, daran, indem ich ihm rasch meine Hand auf seine legte und dann in die Tür trat.
    "Tut mir leid", sagte ich leicht außer Atem.
    Der ältere Mann seufzte und wir wandten beide unseren Blick Lylou zu, die im nächsten Moment auch den Zug erreicht hatte und zu uns einstieg. Nuya sprang auf meinen Arm. Der Schaffner betrachtete sie skeptisch und sie warf ihm einen giftigen Blick zu.
    "Sie ist ganz pflegeleicht", erklärte ich und der Mann seufzte wieder und nickte dann. Wir zeigten ihm die Fahrkarten, dann machten wir uns in dem fast leeren Zug auf die Suche nach einem Sitzplatz.


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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Fuchsfee am Di 07 Sep 2010, 00:12

    Lylou


    Erleichtert rang ich nach Luft, als ich im Zug war. Für einen kurzen Moment hatte ich Angst gehabt Finn wäre ohne mich losgefahren, aber zum Glück hatte der Schaffner auf mich gewartet. Ich war so einen schnellen Sprint nicht gewohnt. Aber wann musste ein Mädchen aus gutem Hause auch so rennen?
    Lächelnd setzte ich mich auf einen freien Platz, nachdem ich meine Tasche sicher verstaut hatte. Um diese Zeit schien kaum einer unterwegs zu sein, deswegen hatten wir auch keine Platzprobleme. Es war also wirklich noch alles gut gegangen. Erneut atmete ich erleichtert auf.
    Entschuldigend blickte ich Finn an. Ich wollte ihm keine zu großen Umstände bereiten. Die machte ich ihm nämlich schon alleine durch die Tatsache, dass ich stumm war.

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Pooly am Di 07 Sep 2010, 16:34



    Wir setzten uns auf einen Platz für vier Leute und ich nahm Lylou gegenüber Platz. Nuya ließ ich auf dem Platz neben mir nieder.
    Ich lächelte mein Gegenüber an.
    "Sieh nicht so entschuldigen drein", sagte ich. "Es ist ja noch alles gut gegangen. Und wenn nicht, dann hätten wir eben den nächsten Zug genommen. Ach und tut mir leid, dass ich vorgerannt bin, aber ich musste den Schaffner daran hindern, die Tür zu schließen." Ich zwinkerte ihr zu.


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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Fuchsfee am Di 07 Sep 2010, 17:35

    Lylou


    Ich strahlte Finn an. Er kümmerte sich einfach so gut um mich und er war immer so verständnisvoll. Was ich doch für ein Glück gehabt hatte ihn zu treffen! Vielleicht hatte meine Mutter doch noch irgendwie ein Auge auf mich und versuchte mir zu helfen, auch wenn sie schon tot war.

    Immer noch lächelnd sah ich aus dem Fenster. Es war so lange her, als ich das letzte Mal Zug gefahren war. Aber dann wurde mein Herz etwas schwer. Wenn diese Zufahrt vorbei war, und wir in der nächsten Stadt angekommen wären, dann würden sich unsere Wege trennen. Und da ich nicht wusste, wohin mein Weg mich führte, konnte ich auch nicht sagen ob ich ihn jemals wieder sehen würde. Oder ob ich die Lylou bleiben würde, die jetzt hier mit ihm im Zug saß.
    Verlegen blickte ich wieder aus dem Fenster, als mir bewusst wurde dass ich ihn bei diesen ganzen Gedanken unbewusst direkt angesehen hatte.

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Pooly am Mi 15 Sep 2010, 01:33



    Selbstverständlich hatte ich Lylous verträumten, nachdenklichen Blick bemerkt, während ich Nuya kraulte. Die Katze neben mir hatte sich zusammengerollt und schnurrte leise, aber ihre Augen hielt sie geöffnet und beobachtete alles aufmerksam. Sie schien mit der Situation noch nicht ganz vertraut.
    Lylou hingegen schien weit weg zu sein. Zu gern hätte ich sie gefragt, was sie wohl gerade dachte, aber ich hätte schwören können, dass es eh Dinge waren, über die sie nicht würde mit mir "reden" wollen. Sicherlich ihr Bruder.
    Ich dachte nach, was wir wohl tun würden, wenn wir ankamen. Wie stellte sie sich die ganze Sache vor? Würde sie erwarten, dass ich wieder abreiste, sobald sie angekommen war und sich eingerichtet hatte? Oder würde sie wollen, dass ich sie weiterhin begleitete? Ich konnte nicht umhin, festzustellen, dass ich lieber noch bei ihr geblieben wäre. Sie war so hilflos und lieb, sie würde nie allein weit kommen und der Gedanke, sie zurückzulassen, nur damit sie später wieder weinend auf einer Bank saß, war schrecklich.
    "Ich denke, du solltest etwas schlafen", sagte ich dann nach einiger Weile. "Die Fahrt dauert noch lange und es ist schon spät."


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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Fuchsfee am Mi 15 Sep 2010, 16:37

    Lylou


    Völlig aus meinen Gedanken gerissen blickte ich auf. Eine Weile lang reagierte ich nicht auf das, was er gesagt hatte. Ich sah mich im Zug um, musterte interessiert Nuya und fragte mich, was wohl in ihr vorging. Doch dann lächelte ich Finn an und nickte langsam. Ich war wirklich sehr müde. Die Tage ohne meinen Zwillingsbruder hatten Spuren hinterlassen. Ich hatte die letzten Tage kaum geschlafen und so gut wie nichts gegessen.

    Ich schloss meine Augen, die schon seit einiger Zeit wegen der Übermüdung leicht brannten. Mein Kopf fühlte sich schwer an. Vielleicht würde die Zeit bis in die nächste Stadt schneller vergehen, wenn ich etwas schlafen würde. Leander hätte auch nichts anderes gewollt. Langsam dämmerte ich weg.

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Pooly am Mi 15 Sep 2010, 20:40



    Kurz glaubte ich, einen unentschlossenen Blick in ihren Augen zu sehen, ein kleines Schimmern, das mir verriet, dass sie erst noch unsicher war, aber dann nickte sie und lehnte sich zurück. Ich betrachtete sie unaufdringlich, während sie aus dem Fenster sah und tat es ihr gleich. Lichter zogen erst noch an uns vorbei, aber als die Stadt aufhörte, wichen auch sie der Dunkelheit und vor dem Fenster war es so schwarz, dass sich mein Gesicht in der Fensterscheibe spiegelte.
    Als sich mein Blick das nächste Mal auf Lylou richtete, sah ich mit Freunde, dass sie eingeschlafen war, ein wenig zusammengesunken in ihrem Sitz und ihr Atem langsam und gleichmäßig. Sie musste müde gewesen sein, nach so einem anstrengenden Tag. Und zugegebenermaßen verspürte ich auch langsam eine gewisse Trägheit, die sich in mir ausbreitete.
    Als der Schaffner das nächste Mal an uns vorüberging, fragte ich ihn, ob es möglich wäre, uns zu wecken, wenn wir in der Stadt ankämen, aber er winkte ab.
    "Keine Angst", sagte er leise, um meine Begleiterin nicht zu wecken. "Die nächste Stadt ist die Endhaltestelle, wir werden also nicht weiterfahren, ohne, dass Sie ausgestiegen sind. Ich werde Sie dann wecken, wenn wir ankommen, aber das ist noch lange hin."
    Ich nickte und lächelte.
    "Ja, ich denke, das ist auch gut so."
    Der Mann nickte und ging weiter, während ich ein Gähnen unterdrückte und mich ebenfalls gemütlicher in meinen Sitz zurücksinken ließ. Es dauerte eine Weile, aber irgendwann hatte auch mich das Wackeln des Zuges in den Schlaf gewiegt.


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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Fuchsfee am Mi 15 Sep 2010, 21:36

    Lylou


    Jemand rüttelte mich zaghaft. Verschlafen öffnete ich langsam die Augen und begann dann zu blinzeln. Ich blickte in das etwas verlegene Gesicht des Schaffners. "Junges Fräulein, wir sind angekommen! Ich hoffe Sie hatten eine angenehme Fahrt.", sagte er freundlich.
    Ich rieb mir die Augen und nickte lächelnd. Immer noch etwas bedröppelt stand ich langsam auf und blickte aus dem Fenster. Mittlerweile war es tiefe Nacht geworden.

    Ich strahlte Finn dankbar an. Der Schlaf hatte meine düsteren Gedanken etwas betäubt, aber sie waren trotzdem immer noch da. Genauso wie das Wissen, dass unsere Wege sich jetzt trennen würden, obwohl ich es weit von mir geschoben hatte. Er hatte mir so sehr geholfen. Aber das allein war es nicht, warum ich eine seltsame Niedergeschlagenheit fühlte. Es war die Tatsache, dass ich noch gerne mehr von ihm erfahren hätte. Wer er war, was er dachte, was er erlebt hatte und was ihn ausmachte.

    Etwas unbeholfen trat ich draußen von einem Fuß auf den anderen. Ich fühlte mich merkwürdig. Wie sollte ich mich am besten von jemanden verabschieden, der sich die Mühe gemacht hatte mich zu verstehen, obwohl ich nicht sprechen konnte? Der sich um mich gekümmert hatte, obwohl ich nichts anderes als ein weltfremdes, unbeholfenes Mädchen war, das so wenig von der wirklichen Welt da draußen verstand. Er hatte mir einfach geholfen, obwohl es mit Sicherheit so viele andere wichtige Dinge in seinem Leben gab.

    Meine Tasche fiel zu Boden. Es störte mich in diesem Moment nicht wirklich. Ich konnte nicht mit Worten 'Danke' sagen. Ich tat es auf meine Art. Ich tat das, was ich im Moment einfach fühlte. Umarmte ihn fest. Nein, eigentlich klammerte ich mich viel mehr an ihn. Bis auf ein paar anhaltende Züge war es ganz still um uns herum.

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Pooly am Do 16 Sep 2010, 17:36



    Ich spürte ein Ruckeln an meiner Schulter und erwachte sofort aus dem sanften Halbschlaf, in dem ich mich befunden hatte und blickte in das Gesicht des Schaffners, der mich anlächlte.
    "Wir sind da", sagte er und ich nickte, richtete mich schwerfällig auf. Draußen sah ich die Lichter des Bahnsteiges und einige Leute, die sich dort befanden und in Richtung Ausgang strömten. Nachdem der Schaffner auch Lylou vorsichtig geweckt hatte, wünschte er uns eine schöne Zeit hier und war verschwunden.
    Als ich in Lylous strahlendes Gesicht blickte, zeichnete sich auch ein Lächeln auf meinen Lippen ab und ich nahm Nuya auf den Arm, um meiner Begleiterin nach draußen zu folgen. Die Luft war kühl und frisch, aber insgesamt noch angenehm.
    Wir hatten uns vor dem Zug postiert und ich überlegte, was wohl jetzt am schlausten wäre. Sicherlich würde sie sich nun von mir trennen wollen, auch wenn sie unentschlossen wirkte und irgendwie ... hatte ich ein unbestimmtes Gefühl der Freude darüber im Bauch. Es schien ihr nicht egal zu sein, dass wir uns würden trennen müssen - nach ihrer Auffassung. Und überrascht stellte ich fest, dass es mir auch nicht egal war - und das hatte nichts damit zu tun, dass durch sie an Informationen kommen würde. Ich hatte sie gern, sie war jetzt schon so etwas wie eine kleine Schwester, auf die ich Acht geben musste, obwohl ich sie kaum kannte.
    Ich hatte zu einer Frage ansetzen wollen, als ihre Tasche zu Boden fiel und ich mich bücken wollte, um sie aufzuheben, aber sie war schneller. Mit einem Schritt war sie bei mir und umarmte mich stürmisch. Vollkommen verwirrt von dieser Geste, bewegte ich mich für einen Moment nicht, war unentschlossen und etwas hilflos, aber dann fing ich mich langsam und schloss meine Arme sanft um sie.
    "Hey, das muss noch kein Abschied sein", sagte ich leise und immer noch etwas unsicher. Eigentlich hatte ich ja auch noch keinen wirklichen Plan. Ich nahm sie an den Schultern, löste die Umarmung vorsichtig und sah lächelnd zu ihr hinab. "Ich ... weiß nicht was du vorhast, aber ich muss selbst noch ein Weile hier bleiben. Es gibt ein ... Treffen der Alchemisten, hier und ich bin eingeladen. Also wenn du kein Problem damit hast, dann könnten wir uns ja zusammen eine Unterkunft suchen."
    Ich sah sie etwas unsicher lächelnd an und hoffte, dass sie meiner Notlüge glaubte und sie sich nicht von meiner Aufdringlichkeit beängstigt fühlte oder Ähnliches.


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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Fuchsfee am Do 16 Sep 2010, 18:22

    Lylou


    Erleichtert atmete ich auf und nickte, um meine Zustimmung zu zeigen. Ich hatte gar nicht gewusst, dass es hier anscheinend ein Treffen für Alchemisten gab. Aber da ich den Magiern angehörte und ich selbst wenig Informationen von der Welt da draußen bekam, wunderte es mich ehrlich gesagt nicht, dass ich nicht wirklich etwas davon wusste.

    Neugierig auf die neue Umgebung lief ich etwas voraus und sah mich um. Der Bahnhof war ein wenig heruntergekommener, als der unserer Heimatstadt. Es waren kaum noch Leute anwesend. Nur ein paar junge Männer, die offensichtlich noch durch die Straßen ziehen wollten und ein älteres Ehepaar. Ich ertappte mich dabei, dass ich genauer darüber nachdachte, ob ich schon jetzt nach einer Spur von Leander suchen sollte. Ich blickte mich um, und stellte erstaunt fest, dass ich anscheinend etwas zu schnell voraus gegangen war, denn Finn war aus meinem Blickfeld verschwunden.

    Ich hörte ein leicht belustigtes Auflachen hinter mir. Fragend drehte ich mich um und sah einen Mann mittleren Alters, der ziemlich blass war und plötzlich vor mir stand. Obwohl er etwas....wirr auf mich wirkte, trug er unter seinem schwarzen Mantel offensichtliche, vornehmere Kleidung. Wo war er so schnell hergekommen? Obwohl er breit grinste, hatte sein Blick etwas beängstigend tiefes an sich. Er hatte eine auffällige Narbe, die sich über sein Nasenbein zum Auge hin zog. Es sah fast aus....wie ein ehemaliger Schnitt? Sein blondes, längeres Haar war fast weiß und ein paar Strähnen hingen ihm über die Stirn. Aufmerksam, fast stechend musterte er mich mit seinen dunklen, braunen Augen.

    "Junges Fräulein....mein Leben lang habe ich darauf gewartet jemanden wie dich zu treffen."
    Seine Stimme war leise, aber es schwang eine seltsame Stärke mit. Ein dunkler Schatten lag darin, der mir Angst machte. Ich ging ein paar Schritte von ihm weg und blickte mich unsicher um.
    "Habt keine Angst, Lylou. Wollt Ihr nicht einen Teil Eurer Zukunft erfahren?"
    Einladend streckte er seine Hand nach mir aus und lächelte dabei freundlich. Aber auf seinem Gesicht lag etwas unberechenbares.
    Ich erschrak zutiefst über die Tatsache, dass er meinen Namen kannte. "Ich finde es interessant dass Ihr Euch einfach so eine Leine anlegen lässt. Oder besser formuliert einen Maulkorb. Möchtet Ihr nicht Eure Stimme zurück bekommen? Ihr könntest sie jederzeit zurückholen."

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Pooly am Do 16 Sep 2010, 18:46



    Ich war erleichtert, dass sie zustimmte und klaubte ihre Tasche vom Boden auf, während Lylou fröhlich und neugierig ihre neue Umgebung zu untersuchen schien. Ein Glück, dass sie vermutlich nicht über die ganzen Dinge informiert war, was die Alchemisten anging. Das verschaffte mir zumindest etwas Zeit, die ganze Sache noch einmal zu überdenken.
    Sie ging immer weiter vor und ich beschleunigte meine Schritte lächelnd. Nuya folgte ihr auf leisen Pfoten und schien interessiert daran zu sein, was Lylou wohl als nächstes tun würde. Wie ein Raubtier, das seine Beute beobachtete, folgte sie meiner Begleiterin, was mir ein Grinsen entlockte. Die beiden würden sicherlich irgendwann noch Freunde werden.
    Als ich Lylou vollkommen aus den Augen verloren hatten, war auch Nuya bald verschwunden und ich machte mich in die Richtung auf, in der ich die beiden hinter den Hausecken hatte verschwinden sehen.
    Als ich mich näherte, vernahm ich eine männliche Stimme und verlangsamte meine Schritte kurzzeitig.
    "Ich finde es interessant dass Ihr Euch einfach so eine Leine anlegen lasst", hörte ich gedämpft hinter der Ecke des Hauses. "Oder besser formuliert einen Maulkorb. Möchtet Ihr nicht Eure Stimme zurück bekommen? Ihr könntest sie jederzeit zurückholen."
    Irritiert runzelte ich die Stirn. Was meinte er damit?
    Ich schüttelte den Kopf und trat hinter der Ecke hervor, wo ich einen ... seltsam anmutenden Mann erblickte, er vor Lylou stand.
    "Was wollen Sie?", fragte ich ihn irritiert und hielt meine Hand auf, als Geste, dass Lylou besser zu mir kommen sollte.


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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Fuchsfee am Do 16 Sep 2010, 19:10

    Lylou


    Plötzlich hörte ich ein gurrendes Maunzen, und Nuya saß wie aus dem Nichts aufgetaucht einige Meter neben mir. Mein Herz begann nervös zu pochen. Warum wusste dieser fremde Mann so viel von mir? Hatte er vielleicht mit meinem Bruder zu tun?
    Glücklicherweise tauchte Finn genauso plötzlich wie Nuya auf. Er hatte mich gefunden. Und nicht allein zurückgelassen. Ich rannte zu ihm und nahm seine Hand. Jetzt fühlte ich mich etwas sicherer.

    "Oh, verzeiht meine Unhöflichkeit. Wenn ich mich vorstellen darf: mein Name ist Vincent Chevallier. Ich bin Hellseher. Vielleicht hat Fräulein Lylou meine auffällige Narbe erschreckt? Ich habe sie vor einigen Jahren von meinem Aufseher bekommen.", schmunzelte er vielsagend und sein Blick fiel interessiert auf Finn. Dann auf Nuya.

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Pooly am Do 16 Sep 2010, 21:31



    ich betrachtete ihn etwas misstrauisch, aber das ließ ich in meinem Gesicht nicht sehen. Erst als er seinen Namen nannte, kam mir die Erkenntnis, woher mir seine Stimme und sein Aussehen so bekannt vorkamen. Er war schon einmal bei uns gefangen gewesen, aber irgendwie entkommen, niemand hatte gewusst, wie. Ich war damals noch recht neu gewesen, deswegen hatte ich nur den ganzen Trubel mitbekommen.
    "Hm", machte ich und lächelte verschmitzt. Wäre Lylou nicht dabei gewesen, hätte ich ihn gern gefragt, wie er es geschafft hatte, seinen Aufseher zu überlisten.
    "Hellseher", sagte ich bedeutend und legte den Kopf schief. "Und womit können wir Euch helfen?"


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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Fuchsfee am Do 16 Sep 2010, 22:09

    Lylou


    Obwohl Finn so selbstsicher wirkte, ging meine eigene Unsicherheit einfach nicht weg. Ich klammerte mich regelrecht an seine Hand und traute mich kaum, diesen Mann vor mir, der sich Vincent nannte, anzusehen. Ich spürte, dass er mehr über mich wusste, als er im Moment sagte.

    Vincent grinste süffisant und legte vielsagend seinen Kopf schief. "Lylou und Ihr könnt nichts für mich tun. Oder das, was Ihr für mich tun könntet, werdet Ihr sowieso nicht tun."
    Fragend blickte ich zu Finn. Ich verstand nicht, was Vincent mit dieser Aussage meinte.
    "Aber ich, ich kann etwas für das junge Fräulein tun."
    Als unsere Blicke sich trafen, wurde seiner für einen kurzen Moment weich.

    Zögernd lockerte sich mein Griff um Finns Hand.
    "Gestattet mir einen kurzen Blick in Eure Zukunft. Ich kann Euch helfen. Ich kann Euch sagen ob Euer Maulkorb für immer bestand haben wird oder nicht. Ihr müsst mir nur kurz Eure Hand geben."
    Wenn er so einfach in die Zukunft sehen konnte, wieso musste er mich dafür anfassen? Er schien meinen misstrauischen Gesichtsausdruck richtig zu deuten. "Es gibt Dinge, die ich sehen muss. Dazu bin ich gezwungen. Das ist bei Euch der Fall. Dann überkommen mich meine Visionen. Aber um alles zu sehen, muss ich Kontakt zu dem anderen herstellen."

    So war das also. Ich hatte mich eigentlich längst damit abgefunden, dass diese Kette niemals wieder abgehen würde. Dass ich mein Leben lang gezwungen war, zu schweigen und nur davon träumen konnte, jemals wieder sprechen und richtig lachen zu können. So wie früher.

    Ich ließ Finns Hand los und lief langsam, aber immer noch zögernd auf Vincent zu. Außerdem ging es ihm wie meinem Bruder. Er hatte auch einen Aufseher oder zumindest einen gehabt.
    "Ich kann auch gerne versuchen herauszufinden ob Ihr jemals heiraten werdet und Kinder bekommt.", grinste auf einmal Vincent breit, und begann zu kichern. Ich errötete und zog missmutig die Augenbrauen zusammen.

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Pooly am Sa 18 Sep 2010, 13:48



    Ich lauschte den Worten des Mannes interessiert. Er hatte eine seltsame Ausstrahlung, die einerseits bedrohlich wirkte, andererseits aber auch auf eine gewisse Art und Weise entgegenkommend. Ich betrachtete ihn interessiert, war nicht ganz sicher, was ich von ihm, seinen Worten und seiner Erscheinung halten sollte.
    Maulkorb? Was meinte er damit? Bedeutete das vielleicht, dass ... Lylou nicht durch eine natürliche Ursache stumm geworden war? Das war vielleicht etwas weit hergeholt, aber in meinen Ohren klang es danach.

    Lylous Griff um meine Hand lockerte sich und ich sah zu ihr hinab. Sie schien dem Angebot des Mannes nicht abgeneigt zu sein, was ich verstehen konnte und es würde ihre Entscheidung sein, wenn sie sich dazu entschloss, auf ihn zu hören. Anhaben würde er ihr nichts können, nicht wenn ich hier war. Schließlich war ich für den Umgang mit solchen Leuten ausgebildet und ...

    Mir kam der Gedanke, dass die Alchemisten wahrscheinlich von mir erwarten würden, dass ich ihn ausschalten und wieder hinter Gitter bringen würde. Aber wenn ich darüber nachdachte, dann sah ich keinen Grund dafür. Ich war nicht sein Aufseher und er wirkte nicht gemeingefährlich. Sicherlich irgendwie bedrohlich und anders, aber ich hatte ein gutes Gespür für Menschen und er wirkte nicht bösartig.

    Lylou löste ihre Hand vollkommen aus meiner und trat auf den Mann zu. Seine Bemerkung ignorierte ich, Nuya trat hinter mich und fauchte ihn böse an. Mit einer Hand hob ich sie vom Boden auf und nahm sie in meine Arme, wo sie den Mann feindselig anstarrte und böse knurrte.
    "Tut mir leid", entschuldigte ich mich und kraulte sie, ließ aber Lylou und den Hellseher keinen Moment aus den Augen, immer bereit, einzugreifen, falls er doch unerwarteterweise etwas versuchen sollte. "Sie mag keine Fremden."


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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Fuchsfee am Sa 18 Sep 2010, 15:30

    Lylou


    Ich wandte mich für einen Moment etwas durch Nuyas Knurren und Fauchen aufgeschreckt um. Jetzt verstand ich, was Finn damals gemeint hatte, als er sagte dass Nuya mich nicht so sehr ablehnen würde wie andere Fremde. Doch ich fasste mich wieder und begann unsicher den Mann vor mir zu mustern. Freundlich lächelnd streckte er mir seine Hand entgegen. Aber die Düsternis und das Wissen in seinen Augen machte mir Angst. Es war wie ein tiefer Abgrund, der mir entgegen sah.
    "Wenn ich Euch etwas antäte, würde mich dieser Mann ohne zu zögern umbringen.", flüsterte Vincent mir verschwörerisch zu.

    Entschlossen holte ich tief Luft. Ich spürte dass ich mich dieser Angst stellen musste, um meinen Bruder zu finden. Irgendwo ganz tief in mir drin. Ich nahm Vincents Hand. Sie fühlte sich warm an, so wie jede andere Hand. Er schloss seine Augen und schien sich zu konzentrieren. Auf was, wusste ich nicht. Er hielt mich eisern fest, aber bis jetzt hatte ich noch keinen Impuls weglaufen zu wollen. Ich vertraute auf Finn und solange er nicht eingriff, war alles in Ordnung. Oder etwa nicht?
    In mir wurde es warm. Ich wusste nicht was es war, aber etwas in mir rührte sich, wühlte in mir herum, ließ mein Herz rasen. Um mich herum wirkte alles plötzlich so unwirklich. Ich wollte mich gerade von ihm losreißen, da hatte es auch schon aufgehört.
    Vincent grinste schief. Fast als würde ihn meine Reaktion amüsieren. Doch dann wurde er wieder so wie immer und betrachtete mich lange nachdenklich. "Meine liebe Lylou....ich habe noch nie so viele vorherbestimmte Dinge für so eine junge Existenz gesehen, wie bei Euch. Doch was Ihr daraus machst, und welchen Ausgang alles nehmen wird, liegt in Eurer Hand."

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Pooly am Mi 22 Sep 2010, 11:57



    Ich beobachtete die Szene eine Weile, aber Lylou machte nicht den Eindruck, dass sie sich unwohl fühlte, trotzdem war ich ein wenig unruhig. Ich wusste nicht, was ich von diesem Vincent halten sollte - Ich zumindest fand ihn interessant, aber ich wusste nicht, was er plante und eigentlich behagte es mir nicht, dass er sie für seinen kleinen Versuch benutzte.

    Als Nuya sich wieder beruhigt hatte, setzte ich sie wieder auf den Boden und sie schlich sich ein paar Schritte von uns weg. In diesem Moment waren die beiden fertig und Vincent öffnete seine Augen wieder. Ich lauschte seinen Worten, aber ich war ein wenig enttäuscht davon.
    "Gibt es denn da nichts Konkreteres zu sagen?", fragte ich und trat einen Schritt auf die beiden zu.


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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Fuchsfee am Mi 22 Sep 2010, 18:59

    Lylou


    Vincent musterte Finn eine Weile lang, ehe er antwortete. Er schien etwas innerlich abzuwägen, oder über etwas genauer nachzudenken. Doch dann seufzte er und lächelte etwas versonnen.
    "Ihr, werter Herr, seid in der Lage Fräulein Lylou zu einem sehr glücklichen Mädchen zu machen. Und nur Ihr. Oder um genauer zu sein: Ihr seid der einzige, bei dem es einen guten Ausgang nehmen würde."
    Überrascht legte ich den Kopf schief, und starrte die beiden Männer unsicher an. Wollte Vincent auf meine Stimme hinaus? Er lächelte mich beschwichtigend an und winkte mich wieder zu sich. "Lylou, bitte kommt noch einmal zu mir."
    Vorsichtig lief ich wieder zu ihm, auf jede meiner Bewegungen bedacht, so als hätte ich die Situation dadurch besser im Griff. Vincent beugte sich zu mir hinunter.

    "Meine liebe Lylou, Ihr wollt Euren Bruder mit aller Macht finden, nicht wahr?", flüsterte er. Bei seinen Worten fühlte sich mein Inneres an, als würde ein elektrischer Schlag hindurchgehen.
    "Aber das, was Ihr im Moment vor habt, ist der falsche Weg. Wenn Ihr so weiter macht, werdet Ihr ihn nie finden."
    Entsetzt blickte ich Vincent an. Fast traurig lächelte er und es lag viel Verständnis und Mitgefühl in seinem Blick. So einen Ausdruck sah ich bei ihm zum ersten Mal.
    "Manchmal muss man einen Umweg oder sogar einen völlig anderen Weg nehmen, um zum Ziel zu gelangen......wenn Ihr so weitermacht, bleibt Ihr einfach zu schwach. Ihr seid ohne Euren Bruder sehr einsam, nicht wahr?", fuhr er leise fort.
    Meine Augen füllten sich mit Tränen und ich konnte gar nichts dagegen tun. Kraftlos ließ ich die Arme hängen. Ich begann zu schluchzen, und während sich dieses bittere Gefühl in mir ausbreitete, begann es langsam zu regnen. Beschämt versuchte ich mich zu fassen. Vincent ließ tröstend seine Hand auf meiner Schulter liegen und schwieg. Doch dann seufzte er. "Ich weiß, ich weiß. Aber manchmal muss man sich selbst finden, um jemanden finden zu können."
    Meine Tränen fühlten sich heiß auf meinen Wangen an, trotz der vielen kühlen Regentropfen. Und während ich verzweifelt in den Himmel blickte und mein Inneres allem entzog, um mein schwaches Herz zu beschützen, trat Vincent langsam zurück und verabschiedete sich.
    "Lylou, wenn wir uns das nächste Mal sehen, wird sich einiges geändert haben. Nur wie es für Euch sein wird, steht im Moment auf dem Scheideweg."
    Er verbeugte sich ausladend und entfernte sich dann. Verzweifelt blickte ich ihm hinterher.

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Pooly am Do 23 Sep 2010, 02:08



    Ich war etwas verwundert, als er wieder mit mir zu sprechen begann und seine Worte verwirrten mich. Er konnte kaum das meinen, wonach es sind anhörte. Ob es etwas mit dem "Maulkorb" zu tun hatte, von dem er vorhin gesprochen hatte?
    "Hm", machte ich leise für mich selbst und beschloss, Lylou später danach zu fragen.
    Sie trat auf Vincents Bitte noch einmal auf den Mann zu und die beiden flüsterten etwas, von dem ich kein Wort verstehen konnte. Die Situation behagte mir nicht, aber ich wusste, dass Lylou sich entschieden hatte und dass es unfair wäre, sie jetzt davon abhalten zu wollen.

    Seufzend trat ich an die Wand und lehnte mich dagegen, während Nuya wieder auf mich zukam und um meine Beine herumstrich. Ich wandte meine Augen nicht von den beiden ab, nur für denen Moment, als ich einen kleinen Tropfen auf meinem Gesicht wahrgenommen hatte und es zu regnen begann.
    Erst als ich meine Augen wieder ihnen zuwandte, bemerkte ich, dass Lylous Gestalt ziemlich eingesunken wirkte und dass sie leise zu schluchzen schien. Ich stellte mich aufrechter hin und auch Nuya begann wieder leise zu knurren.

    Gerade wollte ich auf die beiden zutreten, als Vicent von ihr zurücktrat und sich dann langsam zum Gehen wandte.
    Rasch trat ich auf Lylou zu und legte meine Hand auf ihre Schulter.
    "Lylou", sagte ich etwas erschrocken, als ich ihr verweintes Gesicht sah. "Was hat er denn gesagt?", fragte ich leise.


    Zuletzt von Pooly am Do 23 Sep 2010, 19:26 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet


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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Fuchsfee am Do 23 Sep 2010, 18:48

    Lylou


    Ich zuckte kurz zusammen, als ich seine Hand auf meiner Schulter fühlte, auch wenn ich wusste, wer es war. Ich war so eine schreckliche Heulsuse. Obwohl es mir bisher wenig ausgemacht hatte, dass ich etwas überschwänglicher als andere mit meinen Gefühlen war, wollte ich in diesem Moment nicht, dass Finn mich so sah. Ich fühlte mich so verletzlich. In meinem Inneren breitete sich eine Bitterkeit aus, die ich bisher immer in meinem Herzen verstecken konnte. Und von der ich nicht wusste, wie ich sie zeigen sollte.

    Irgendwann hatte ich aufgehört, meine Tränen wegzuwischen. Ich seufzte bei seiner Frage und blickte wieder zu Boden. Ich konnte es ihm nicht erzählen. Mein schreckliches Geheimnis. Ich konnte ja nicht einmal richtig sprechen. Und nur weil ich war wie ich war, würde ich Leander vielleicht nie finden. Oder ihm helfen können. Warum nur? Lag es daran dass ich so schwach war? War es mein Schicksal? Wir waren seit unserer Geburt nie lange getrennt gewesen und hatten seitdem alles miteinander geteilt. Mein geliebter Bruder....Er hatte mich immer verstanden und sich nie etwas daraus gemacht, dass ich stumm war. Leander hatte vielmehr Verantwortung für mich übernommen. Und immer ganz normal mit mir geredet, so wie Finn.

    Verzweifelt sah ich ihn an und schüttelte ratlos den Kopf. Ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Was hatte Vincent nur mit mir gemacht? Und was noch viel wichtiger war: was sollte ich Finn sagen?

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Pooly am Do 23 Sep 2010, 20:23



    Sie schüttelte den Kopf, machte keine Andeutungen, dass sie antworten wollte und weinte einfach nur vor sich hin, während wir im Regen immer nasser wurden. Nuya stand immer noch neben uns und mauzte leise, als wollte sie uns zum Gehen überreden.
    "Komm schon", sagte ich und legte meinen Arm um Lylou. "Du wirst ganz nass."
    Ich geleitete sie sie durch die regenüberströmten, leeren Gassen, bis wir ein Gasthaus gefunden hatten, das auch ein Hotel zu sein schien. Von innen heraus schimmerte noch gedämpftes Licht aus den Fenstern hervor und das Schild über der Tür wies das Gebäude als "Zur schwarzen Katze" aus.



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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Fuchsfee am Do 23 Sep 2010, 21:20

    Lylou


    Ich glaube wenn mich jetzt jemand gefragt hätte, wie ich mich in diesem Moment fühlte, dann hätte ich geantwortet 'Hey, ich bin vollkommen durchnässt, war noch nie wirklich alleine auf mich gestellt, habe so sehr geweint wie seit Jahren nicht mehr und mir wurde gerade gesagt, dass ich meinen Bruder nie finden werde, wenn ich so weitermache. Wie fühlt man sich da?'
    Instinktiv ergriff ich Finns Hand. Warum wusste ich nicht. Ich wusste so vieles nicht im Moment. Verlegen rubbelte ich mir über die Augen und blickte ihn entschuldigend an, genauso wie vor einigen Stunden im Zug. Ich war wirklich nur eine Belastung für ihn, jemand der ihm irgendwie auf eine seltsame verquerte Art und Weise Ärger bereitete. Naja, und Nuya gehörte auch dazu, also wanderten meine Augen niedergeschlagen zu dieser mürrischen, geheimnisvollen Katze, die ich trotz der kurzen Zeit so lieb gewonnen hatte.

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Pooly am Do 23 Sep 2010, 23:22



    Ich drückte Lylous Hand und lächelte ihr aufmunternd zu, dann stieg ich die drei Stufen hinauf und versuchte die Tür zu öffnen, aber sie war verschlossen. Natürlich, um diese Stunde. Deswegen klopfte ich deutlich daran und schon nach wenigen Momenten vernahm ich Schritte von Innen. Ein Schlüsselbund klirrte und jemand öffnete die Tür einen Spalt breit, als er uns gesehen hatte, etwas weiter.
    "Womit kann ich dienen?", fragte ein älterer, hagerer Mann, der mit seinem Monokel seltsam streng aussah.
    "Wir sind auf der Suche nach einem Zimmer", sagte ich mit gehobener Stimme, um das Raschen des Regens zu übertönen. "Zwei Zimmer", fügte ich dann rasch an. "Zwei ..."
    Der Mann musterte uns und sein Blick glitt von mir zu Lylou.
    "Gut, dann kommt schnell herein", sagte er und als wir in die Wärme getreten war, schloss der die Tür hinter uns sorgfältig und schloss sie wieder ab. Erst dann fiel sein Blick auf Nuya, die ebenfalls abschätzend zu ihm hochsah. So nass sah sie ziemlich unheimlich aus.
    "Gehört die Katze zu ihnen?", fragte er mit geschürzten Lippen und ich nickte eifrig.
    "Ich bitte darum, sie mitnehmen zu dürfen. Sie ist auch ganz lieb."
    "Hm", machte er, aber schien es dabei belassen zu wollen. "Kann ich fragen, warum Sie zu so später Stunde hier eintreffen?"
    Er schien misstrauisch zu sein.
    "Wir kamen mit dem Nachtzug", erklärte ich und der Hausherr nickte, trat hinter einen Tresen und schien eine Liste durchzusehen.
    "Wir haben im dritten Stock noch zwei nebeneinander liegende Einzelzimmer. Wäre das recht?" Ich nickte. Er nannte den Preis und ich bezahlte für die erste Nacht im Voraus, alles andere würde er dann nach unserer Abreise haben wollen.
    "Gut, dann geleite ich sie zu ihren Zimmern."



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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

    Beitrag von Fuchsfee am Sa 25 Sep 2010, 14:49

    Lylou


    Als uns der ältere Herr herein ließ, atmete ich erleichtert auf. Gut, dass es um diese Uhrzeit noch einen Platz für uns gab. Der alte Mann musterte mich kurz fragend, weil er sah dass ich etwas verweint war und ich bis jetzt geschwiegen hatte. Ich lächelte ihm etwas verlegen zu, um dann Finn hinterher zu eilen. Irgendwie waren wir schon eine sehr seltsame Gruppe.

    Als wir bei den Zimmern angekommen waren, schaute ich mich etwas genauer um. Sie waren gemütlich eingerichtet und sauberer, zwar kein extrem luxeriöser Standard, aber wirklich mehr als annehmbar. Und vor allem war es warm, denn langsam hatte ich zu frieren begonnen. Ich stellte meine Tasche ab, setzte mich seufzend in einen Sessel und schaute Finn nachdenklich an. Konnte ich ihm in jeder Lebenslage vertrauen? Ich rappelte mich auf und holte mein Notizbuch hervor. Etwas unsicher schrieb ich hinein. Meine Finger zitterten etwas. Als ich fertig war, atmete ich mehrmals aus, um mich zu beruhigen. Erst dann ging ich zu Finn und reichte ihm mein Buch.

    Wenn ich etwas Schlimmes getan hätte, könnte ich dir dann trotzdem vertrauen?

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    Re: Law of Attraction (Pooly & Fuchsfee)

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