Mailin
Ich nutzte eine kurze Verschnaufpause, um mir die Hände zu waschen. Mittlerweile war es in der Bar ziemlich schwül und stickig geworden. Der Zigarettenrauch hing schwer in der Luft und zu so fortgeschrittener Stunde machte er mir zu schaffen. Mein Arbeitsplatz gehörte zu den gehobeneren Etablissements, aber dies änderte nichts an der Tatsache, dass ein bekanntes Vergnügungsviertel in der Gegend lag. Und dem entsprechend verhielten sich selbst die reicheren Typen oft nicht besser als irgendein betrunkener Kerl im Halbdunkel, der seine Erziehung vollkommen vergessen hat.
Ich begann mit leicht mürrischem Gesichtsausdruck die Tische abzuwischen. Zu so später Stunde war ich häufiger gestresst. Ich musste nicht einmal aufsehen um zu bemerken, dass mich die prüfenden Blicke meiner Chefin regelrecht durchbohrten. Genervt warf ich mir meine locker nach hinten gebundenen Haare über die Schulter. Während ich damit fortfuhr die ersten Tische abzuräumen, versuchte ich das schwere Tablett auf einem Arm ohne größere Verluste zu tragen. Mit gerunzelter Stirn stellte ich noch ein Glas darauf ab und gab dann auf. Ich war nicht besonders stark. Ich gehörte nicht zu den breitschultrigen Kellnerinnen, die mehrere gefüllte Krüge ohne Schwierigkeiten schleppen konnten.
"Mailin, geht das nicht ein bisschen schneller?", raunzte meine Chefin mir schnippisch zu.
"Natürlich, kein Problem.", antwortete ich lächelnd. Aber innerlich dachte ich mir, dass sie ja auch zur Abwechslung mal etwas anderes tun könnte, als im dämmrigen Licht zu sitzen, zu rauchen und der eigenen verganenen Jugend hinterher zu trauern. Sie beschwerte sich öfters über Langeweile. Kein Problem, arbeitenden Leuten war nicht langweilig. Ich seufzte kurz, als ich nach hinten lief, um das benutzte Geschirr abzuladen.





