Pooly's Kunst und Schreibforum

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    Optimismus versus Pessimissmus oder gibt es eine Mitte ?

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    Milena
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    Optimismus versus Pessimissmus oder gibt es eine Mitte ?

    Beitrag von Milena am Mi 16 Jun 2010, 23:36

    Hallo Ihr Lieben,
    Ich war ja schon lange nicht mehr hier, nun versuche ich einfach mit dieser Frage wieder Fuss zu fassen.
    Bisanhin habe ich philosofische Fragen meistens mit einer optimistischen Grundaltung gestellt und zu beantworten versucht. Demgegenüber gibt es die genau so berechtigte pessimistische Grundhaltung. Während meiner langen Abwesenheit dachte ich immer wieder, dass es so etwas wie eine Mitte geben müsste.
    Wir können weder in uneingeschränkter Hoffnung, noch in absoluter Verzweiflung verharren - Denken ist immer ein Wagnis und das Ergebnis dabei kennen wir erst, nachdem wir uns der persönlichen Erfahrung stellen und diese wiederum lässt sich nie oder nur selten voraussehen oder auf einen gemeinsamen Nenner festmachen. Folglich muss es so etwas, wie eine Mitte zwischen Optimismus und Pessimissmus geben. So etwas, wie ein neutrales Denken, das zwar desillusionierend sein kann aber gleichzeitig auch frei von Vorurteilen ist. Wie seht Ihr dies, glaubt Ihr auch, dass es so eine Mitte gibt?

    Miriam

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    Re: Optimismus versus Pessimissmus oder gibt es eine Mitte ?

    Beitrag von FREEMAN am Do 17 Jun 2010, 09:12

    Liebe Miriam,

    die Mitte zwischen Optimismus und Pessimismus ist die realistische Einschätzung.

    Je mehr Faktoren ich kenne, die einen Sachverhalt beeinflussen, desto genauer kann ich eine Vorhersage treffen. Umgekehrt gilt: je weniger Faktoren ich kenne, die einen Sachverhalt beeinflussen, desto mehr hängt die Vorhersage von meiner persönlichen Einschätzung ab. Ob diese Einschätzung optimistisch (das wird schon klappen) oder pessimistisch (das geht bestimmt schief) ausfällt, ist eine Frage des Vertrauens. Je größer das Vertrauen in die unbekannten Faktoren ist, desto optimistischer wird eine Vorhersage ausfallen.

    Ein Beispiel: Ein Bergsteiger will einen Berg besteigen. Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, muss er sehr optimistisch sein und darauf vertrauen, dass er in jeder möglichen Gefahrensituation einen Ausweg finden wird. Wenn er nicht tollkühn oder dämlich ist (je nach Sichtweise), dann wird er sein Vorhaben mit dem Sammeln von Informationen beginnen. Er wird Karten und Fotos der Route studieren, er wird mit Bergsteigern sprechen, die diesen Berg bereits bestiegen haben, er wird sich über das Gestein informieren, um zu wissen, wie groß die Gefahr des Steinschlags ist, er wird sich über das Wetter informieren, um für die Auswirkungen von Wind, Temperaturen, Niederschläge etc. gerüstet zu sein und er wird seine Kletter-Fähigkeiten einer Probe an einer ungefährlichen Stelle (Klettergarten o.ä.) überprüfen. Je mehr Informationen der Bergsteiger sammelt, desto realistischer wird seine Einschätzung werden. Dass er am Ende dennoch ein gewisses Maß an Optimismus benötigt, ist den Unwägbarkeiten der Natur geschuldet.

    Optimismus und Pessimismus haben ihre Ursachen immer im Mangel an Informationen und die Frage, in welche Richtung das Pendel ausschlägt, hängt vom Vertrauen ab.

    Ralf

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    Re: Optimismus versus Pessimissmus oder gibt es eine Mitte ?

    Beitrag von Milena am Fr 18 Jun 2010, 23:18

    Lieber Ralf,

    die Mitte zwischen Optimismus und Pessimismus ist die realistische Einschätzung.


    Das ist eine treffende Definition, beschrieben anhand eines schönen Beispiels. Was mir dabei aber nicht entgeht, eine Mitte scheint es nicht wirklich zu geben, der Anteil an Optimismus muss also doch etwas stärker sein:

    Ein Bergsteiger will einen Berg besteigen. Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, muss er sehr optimistisch sein


    Wäre der Bergsteiger ein Pessimist, nach Deiner Definition: (das geht bestimmt schief) so würde er das Wagnis als solches nicht eingehen und folglich auch gar nicht erst mit dem Sammeln von Informationen beginnen.
    Hier ein ähnliches Beispiel aus einem meiner Lieblingsbücher : "Die Entdeckung der Langsamkeit" von Stane Nadolny. Es geht hierbei, wie bereits der Titel verrät, um eine Art langsames Denken, oder anders gesagt, ein Denken das nicht Flucht nach vorne macht, also weitgehend frei von negativ oder positiv geprägten Vorurteilen ist. Dies anhand einer, wie ich finde äusserst subtil geschriebenen Biographie über den Seefahrer und Polarforscher John Franklin. Was wir dabei über seine ersten Lebensjare erfahren: Er wurde in seiner Kindheit als äusserst träger Geist eingeschätzt, ein Junge der bei sämtlichen Sportveranstaltungen versagte, seine Reaktionen waren sozusagen zu langsam. Er war dadurch auch viel Spott ausgesetzt, bis zum Glück ein Lehrer in seinem neunten Lebensjahr seine ganz besonderen Fähigkeiten entdeckte: Mit seinem inneren Kompass umzugehen. Dies war der Anfang seiner grossen Seefahrerkarriere.
    Hier ein Auszug aus dem Buch, als John Franklin das "Kap der guten Hoffnung" bereits bewältigt hatte und mit seiner Expeditionstruppe auf einer Eisscholle im Polarmeer beinahe ums Leben gekommen wäre, hätte er nicht auf seine Intuition, oder seine innere Stimme die ihm schon als kleiner Junge gegeben war, vertraut:

    Die nächste Fusswanderung wurde noch gefährlicher, weil dicker Nebel aufkam, jeder Mann musste den anderen an der Jacke fassen. Auf den eigenen Spuren wollten sie zum Schiff zurückwandern, John Franklin kontrollierte die Richtung mit dem Kompass. Aber an den Spuren fiel auf, dass sie merkwürdig frisch waren, zudem wurden sie immer zahlreicher. Dem Kompass und der Zeit nach hätte die Gruppe schon längst wieder beim Schiff sein müssen.
    Sie hatten sich verirrt und waren im Kreis gelaufen.
    John befahl, ein Notlager aus Eisplatten zu bauen. Reid machte keinen Hehl daraus, dass er lieber weitergegangen wäre, einfach querab von der bisherigen Richtung.
    "Dabei bleiben wir warm, und irgendwo müssen wir ja ankommen!"
    "Ich nehme mir Zeit, bevor ich einen Fehler mache" entgegnete Franklin freundlich.
    Er befahl, dass sich alle so warm wie möglich einpackten uns um die Tranlampe setzten. Die Musketen waren für den Fall, dass sich ein Eisbär hier umasah, gut geladen.
    John kauerte und überlegte. Was die andern ihm auch sagten, Vorschläge, Theorien Fragen - er nickte nur und überlegte weiter.
    Selbst als Reid zu Back hinüberraunte: "Du hattest recht mit `Handicap`", schob John alle Fragen, die sich stellen liessen, weit weg. Er brauchte jetzt nur Zeit.
    Eine Weile später fragte Reid: "Wollen wir hier einfach nur warten, Sir?" Aber John war immer noch nicht fertig. Mochte auch der Tod bevorstehen, das war kein Grund, eine Überlegung vorzeitig zu beenden. Schliesslich stand er auf:
    "Mr. Back, Sie schiessen alle drei Minuten eine Muskete ab, insgesamt dreissigmal. Danach schiessen Sie alle zehn Minuten, drei Stunden lang, danach zu jeder Stunde einmal, zwei Tage lang. Wiederholen Sie!"
    "Sind wir dann nicht tot, Sir?"
    "Möglich. Aber bis dahin schiessen wir. Bitte die Bestätigung."
    Back wiederholte stotternd. Als niemand mehr mit einer Erklärung rechnete, sagte John: "Das ganze Eisfeld dreht sich. Es ist die einzige Lösung. Deshalb gehen wir im Kreis, auch wenn wir nach dem Kompass immer in der selben Richtung marschieren. Bei Wind hätten wir es sofort gemerkt."

    Vier Stunden später hörten sie dünn einen Schuss durch den Nebel, und dann immer wieder Antworten auf die ihrigen. Eine Stunde danach vernahmen sie rufende Stimmen, schliesslich wurden Männer mit Seilen sichtbar, und hinter ihnen, kaum hundert Fuss entfernt das ragende Heck der Trent.
    "Sie haben ein Schweineglück, Sir!" bemerkte Back erleichtert und frech, aber von Geringschätzung war nichts zu spüren, im Gegenteil. Reid verzog das Gesicht. Zu ihm sagte Back: "Wenn wir auf dich gehört hätten, wären wir jetzt sonstwo, und zwar als Eiszapfen!" Reid schwieg. Er gab sich plözlich einen Ruck und trat heftig nach einer Schneeflocke. John wunderte sich. Wie konnte man nach einer Schneeflocke treten? War da noch etwas anderes?
    Im hellen Licht und aus dem Grosstopp liess sich anderntags der ganze Irrgarten gut überblicken. Von dort, wo sie gewesen waren, hätten sie auch in der "richtigen" Richtung das Schiff bei weitem verfehlt. Sie wären auf der entgegengesetzten Seite irgendwo hingekommen, wo keiner sie gesucht hätte.
    Es war eine Todesfalle ersten Ranges gewesen , und John Franklin war nicht hineingegangen.


    Liebe Grüsse

    Miriam

    Jenova
    Schafft Werke für des Königs Privatbestand
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    Re: Optimismus versus Pessimissmus oder gibt es eine Mitte ?

    Beitrag von Jenova am Di 03 Aug 2010, 22:19

    Hey Miriam,

    Also ich denke, dass es einen Mittelweg gibt. Es gibt bestimmt Menschen auf der Welt (auch wenn sie wahrscheinlich sehr gering ist...glaub ich...), die vollkommen Vorurteilsfrei sind. Ich bin eigendlich(so wie ich mich sehe) ziemlich Vorurteilsfrei, jedoch gibt es bestimmte Sachen, bei den das Vorurteil zum scheine kommt. Aber das auch nicht sehr oft.

    Ich denke auch, dass es auf jeden Menschen selbst anders ist: Jeder hat eine andere Mischung aus Optimisischem und persimisstischem Denken.

    Klar, imm Internet gibt es 10.000 Tests dafür, was man ist, aber ich halte nicht viel von dennen. Diese Mischung kann sich ja zum Beispiel von der einen Sekunde zur anderen ändern. Deswegen kann man den bestimmten Wert an Optimimus und Persimimus nicht genau bestimmen. Genauso wenig wie man nur persimistisch denkt oder auch nur optimistisch. Es mag zwar Phasen geben, da ost man mies drauf und denk, dass alles doof ist, aber das ist nur eine Phase. Man kehrt zum normalstand der Mischung wieder zurück.

    So seh ich das^^

    liebe Grüße
    Jyn

      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Do 24 Mai 2012, 23:10