von litas am Mi 09 Jun 2010, 15:38
Lieber Racheengel,
die Bilder von Spencer Tunick (ST) kann man nun wahrhaftig unter tausenden von Aspekten beurteilen. Um mich nicht zu verzetteln bleibe ich deshalb streng bei Deiner Frage.
Ich persönlich halte von ST Photos grundsätzlich sehr viel.
Nicht von ungefähr habe ich an fünf Installationen (so nennt er seine Shootings) in Düsseldorf, Amsterdam, Wien, Dublin und auf dem Aletsch-Gletscher teilgenommen.
Ob man die Bilder (ästhetisch) ansprechend findet, hängt natürlich enorm von der inneren Einstellung zur (eigenen) Nacktheit im Allgemeinen und zur Nacktheit in der Öffentlichkeit im besonderen ab.
Wem (öffentliches) Nacktsein, aus welchen Gründen auch immer, zuwider ist, wird sicher auch an den Bildern keinen Gefallen finden.
Wer den nackten Menschen aber einfach nur als das nimmt, was er ist, eben als natürliches Wesen in seinem natürlichen Zustand, der wird sicher an dem einen Bild Gefallen finden und ein anderes ablehnen. Mir persönlich sagen z.B. die "Standphotos" auf dem Aletsch sehr zu. Gleiches gilt für den Bogen aus 12 (?) stehenden Frauen über die Amsterdamer Gracht. Auch die Bilder vom Zocalo finde ich sehr beeindruckend. Gerade bei diesen Bildern wird, was ja auch die Absicht des Künstlers ist, die Kleinheit und Zerbrechlichkeit des Einzelnen im Verhältnis zur "rohen" Natur bzw. städtischen Betonwüsten deutlich. Futter fürs Gehirn. Andere Bilder hingegen, insbesondere die, auf denen außer Hinterteilen nichts oder nicht viel zu sehen ist, sind wiederum nicht so sehr mein Fall.
Egal aber wie man zur Nacktheit steht, nach rein ästhetischen Maßstäben wird man die Photos nie beurteilen können. Immer schwingt auch ein bisschen Politik (Aletsch, Chile), Religionskritik (Mexiko), Humor und Erinnerung (Dutzende nackte Frida Kahlos) oder sonst etwas mit.
ST hat jetzt über 70 Installationen organisiert und fotografiert. Da wiederholt sich natürlich manches. Aber das ist auch bei anderen Künstlern so. Ich freue mich immer, wenn es etwas Neues von ST gibt; ein Foto gefällt mir immer.
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Bestimmt werde ich irgendwann noch einmal an einer Installation teilnehmen. Vielleicht schreibe ich dann auch einen kleinen Aufsatz über die Gefühle und Emotionen eines Teilnehmers, der anfangs einfach mal etwas Verrücktes machen wollte und jede Menge "Schamhaftigkeit" in inneren Kämpfen verdrängen musste (das meine ich wörtlich), bevor das letzte Stückchen Kleidung fiel, bis hin zu dem Fan, der sich auf das tolle Gemeinschaftsgefühl freut, dass sich immer einstellt, wenn auf einmal Alle nackt sind ...
Liebe Grüße
Litas