Am nächsten Morgen fuhren Amy und Christopher direkt zu Timehacker.com. Das schlichte, funktionelle Gebäude der Firma verfügte über eine Tiefgarage, sodass sie keine Probleme hatten, einen Parkplatz zu finden.
Obwohl Timehacker.com eines der exklusivsten Unternehmen auf dem Planeten – wenn nicht gar DAS exklusivste Unternehmen - war, hielt man nichts davon, seine Kunden mit übermäßigem Prunk zu beeindrucken. Sowohl an der Tiefgarage, als auch am Haupteingang der Firma prangte lediglich ein schlichtes Firmenlogo mit dem Timehacker-Schriftzug.
Amy und Christopher fuhren mit dem Lift in die Empfangshalle, in der sie von dezenter Hintergrundmusik und angenehmer Beleuchtung empfangen wurden. Eine Kunstausstellung, die man hier installiert hatte, vertrieb wartenden Kunden die Zeit, ebenso wie ein Bereich mit warmen und kalten Getränken. Kostenfrei versteht sich.
Sie hielten sich jedoch nicht damit auf, sondern liefen sofort zum Empfangsschalter, hinter dem eine junge Frau stand, die sie sogleich begrüßte: „Willkommen bei Timehacker.com! Wir freuen uns, dass wir Ihnen unsere Dienste anbieten dürfen. Womit können wir Ihnen weiterhelfen?“
„Ich glaube, wir können uns die Höflichkeitsfloskeln sparen“, sagte Christopher und schob seine Polizeimarke über den Tresen. „Wir sind von der örtlichen Polizei und müssen dringend mit einem Ihrer Geschäftsführer oder Manager sprechen.“
Die Frau machte zunächst ein erschrecktes Gesicht, fing sich jedoch schnell wieder und wurde geschäftsmäßig.
„Haben Sie einen Termin? Ich fürchte nämlich, dass ich Ihnen ohne einen Termin keine Hoffnung machen kann.“
Amy, die schon oft solche Abfuhren erlebt hatte, war es mittlerweile leid, dass sie als Polizistin immer wieder wie ein Bittsteller behandelt wurde.
„Nun passen Sie mal auf!“, sagte sie. „Wir wissen beide, dass wir keinen Termin haben, und ich verstehe es vollkommen, dass Sie Ihre Anweisungen haben, Ihren Chefs den Rücken frei zu halten, aber wir sind nicht irgendwer, sondern wir sind die Polizei. Wenn wir mit Ihrer Führungsetage sprechen müssen, dann haben wir unsere Gründe. Besorgen Sie uns nun bitte ein Gespräch mit einer der maßgebenden Personen hier, oder wir kommen mit einigen Kollegen zurück und nehmen Ihren Laden auseinader. Haben wir uns soweit verstanden?“
Die Frau war blass geworden und griff hektisch nach ihrem Sprechgerät.
„Bist du wahnsinnig?“, flüsterte Christopher Amy zu. „Du weißt, dass wir das niemals durchbekommen würden. Der Chief hängt uns auf, wenn das herauskommt.“
Amy lächelte flüchtig und flüsterte: „Das weiß die Kleine doch nicht. Vertrau mir – das funktioniert.“
Nach einigen Minuten machte die Frau einen erleichterten Eindruck und wandte sich wieder den Beiden zu.
„Sie haben Glück. Zufällig ist unser technischer Geschäftsführer, Dr. Eli Hopkins, im Hause und hat ein paar Minuten Zeit für Sie.“
„Sehen Sie, es war doch gar nicht so schwer“, sagte Amy selbstgefällig und grinste sie an. „Wenn Sie uns nun noch sagen würden, wo wir diesen Dr. Hopkins finden, wären wir vollkommen zufrieden.“
Christopher stieß Amy den Ellenbogen leicht in die Seite. Er fand, dass sie dabei war, den Bogen zu überspannen.
„Nehmen Sie bitte den Aufzug zwei in der Halle und fahren mit ihm in den 28. Stock. Dr. Hopkins' Büro ist die Nummer 28.036. Er erwartet Sie bereits.“
Christopher bedankte sich und zog Amy mit sich fort.
„Was ist denn in dich gefahren?“, fragte er. „Es war doch nicht notwendig, diese Angestellte so schroff zu behandeln.“
„Was willst du denn? Sie wurde doch sehr entgegenkommend, nachdem ich ihr die Spielregeln erklärt hatte.“
Sie fuhren nach oben und fanden Dr. Hopkins' Büro sehr schnell. Nachdem sie angeklopft hatten, öffnete dieser ihnen persönlich die Tür und bat sie herein. Das Büro war relativ groß und besaß eine durchgehende Fensterwand, die einen weitreichenden Blick über die Stadt ermöglichte. Neben einem gewaltigen Schreibtisch gab es noch eine bequeme Sitzgarnitur, zu der ihr Gastgeber sie nun geleitete. Der Mann entsprach so gar nicht ihrem Bild von einem leitenden Mitarbeiter einer Firma wie Timehacker.com. Er trug ein Hemd mit aufgekrempelten Ärmeln und eine locker sitzende Krawatte. Überhaupt machte er einen zupackenden Eindruck.
Nachdem sie sich gesetzt hatten, musterte er Christopher und Amy eingehend.
„Ich muss gestehen, dass Sie mich neugierig machen“, sagte er. „Darf ich wissen, mit wem ich es zu tun habe? Meinen Namen dürften Sie bereits kennen.“
„Mein Name ist Christopher O'Conell“, sagte Christopher, „und das ist meine Kollegin Amy Trehearn. Wir sind von der Polizei und haben mit Ihnen etwas äußerst Wichtiges zu besprechen.“
Dr. Hopkins schenkte ihnen aus einer Karaffe etwas Wasser ein und nippte selbst an seinem Glas, bevor er sprach: „Sie müssen mir glauben, dass mich Ihre Vorgehensweise etwas irritiert. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich die Polizei an uns wendet und um unsere Mithilfe bittet, wenn es um die Bekämpfung von Verbrechen geht. Wir haben in der Vergangenheit ...“, Hopkins lachte leise. „Sie müssen entschuldigen, aber mir wurde eben erst die Komik meiner Formulierung bewusst. Also wir haben in der Vergangenheit schon wiederholt Hilfestellung bei Zeitkorrekturen geleistet. Ich möchte sogar behaupten, dass wir bisher immer sehr gut mit den Polizeibehören zusammengearbeitet haben. Aber Sie müssen mir schon erklären, warum Sie es für nötig erachten, meine Mitarbeiter einzuschüchtern, nur um sofort einen Termin zu erhalten. Was macht Ihr Anliegen so eilig?“
„Wir haben ein Problem“, erklärte Christopher. „Wir überprüfen von Zeit zu Zeit alte Fälle, die bisher ungelöst geblieben sind. Vor kurzem nahmen wir uns einen Fall vor, bei dem wir ebenfalls die Dienste von Timehacker.com in Anspruch genommen haben, doch im Gegensatz zu vielen anderen Fällen, führte dieser nicht zum Erfolg. Es geht um den Diebstahl des Ter Bur-Diamanten, des größten, lupenreinen Diamanten, der jemals gefunden wurde. Er war die absolute Sensation auf diversen Ausstellungen. Er verschwand spurlos. Bereits mehrere Zeitreisen wurden unternommen, doch es gelang trotzdem nicht, diesen Diebstahl aufzuklären, was eigentlich bei Einsatz der Zeitreisetechnologie nicht möglich sein dürfte.“
Hopkins nahm einen weiteren Schluck Wasser.
„Was genau wollen Sie mir damit sagen?“, wollte er wissen.
„Ursprünglich wollte ich Ihnen jetzt eine konstruierte Geschichte auftischen, doch ich finde, dass ich meine Karten aufdecken sollte“, meinte Christopher. „Wenn unsere Mitarbeiter zusammen mit einem Berater von Timehacker.com eine Korrektur in der Vergangenheit vorgenommen haben und hinterher diese Korrektur wirkungslos geblieben ist, müssen wir davon ausgehen, dass wiederum jemand unsere Korrektur unwirksam gemacht haben muss.“
Dr. Hopkins zog überrascht eine Augenbraue hoch und sein Gesicht wurde abweisend.
„Wollen Sie unserer Firma etwa unterstellen, dass wir dahinter stecken? Dass wir unsere eigene Technik einsetzen, um uns zu bereichern? Sind Sie sich der Ungeheuerlichkeit eines solchen Vorwurfs bewusst?“
„Bevor Sie weiter reden ...“, unterbrach Christopher ihn, „... überlegen Sie doch selbst. Sobald wir eine Korrektur zur Bekämpfung eines Verbrechens vornehmen lassen, sind Ihrer Firma alle Fakten dazu bekannt. Die Technik gehört Ihnen und nicht uns. Wir haben also keinerlei Einfluss darauf, was in der Folge einer Korrektur hier in Ihrem Hause geschieht.“
Dr. Hopkins' Gesicht verfärbte sich etwas. Man konnte ihm ansehen, dass er wütend wurde.
„Ich bin fast sprachlos, mit welcher Unbefangenheit Sie hier solche Vorwürfe erheben!“, ereiferte er sich. „Sie wissen überhaupt nicht, wovon Sie hier eigentlich reden! Bei uns im Hause wird jeder – ich betone: jeder – Einsatz der Zeitmaschine in allen Details protokolliert. Sie dürfen gern die Protokolle sehen und prüfen. Seien Sie nur vorsichtig mit dem, was Sie sagen. Wenn diese haltlosen Vorwürfe auf die falschen Ohren treffen und wir dadurch einen Schaden erleiden, können Sie sich warm anziehen, das kann ich Ihnen versprechen! Wer weiß, vielleicht sind es ja Ihre eigenen Leute, die korrupt sind und in der Vergangenheit Dinge tun, die nichts mit ihrem eigentlichen Auftrag zu tun haben.“
Jetzt war es Christopher, der sprachlos war.
„Sie wollen behaupten, dass Kollegen von mir selbst dafür verantwortlich sind, dass der Fall nie geklärt werden konnte? Nun machen Sie mal einen Punkt!“
Der technische Geschäftsführer lachte leise.
„Wenn Sie solche Behauptungen aufstellen, dann schieße ich eben zurück! Beweisen lässt sich sicherlich weder das eine, noch das andere. Aber können Sie wirklich sicher sein, dass Sie für jeden Ihrer Agenten Ihre Hand ins Feuer legen können?“
„Chris, er hat recht“, sagte Amy.
„Hören Sie auf Ihre Kollegin“, sagte Hopkins. „Menschen sind gierig und nicht jeder hat die nötige Stärke, wenn ihm eine große Summe auf dem Silbertablett serviert wird. Ich kann Ihnen anbieten, sich die Protokolle anzusehen, mehr kann ich nicht tun. Oder wie haben Sie sich die Lösung dieses Problems gedacht?“
„Wenn ich ehrlich bin, hatte ich gehofft, dass Sie mir eine erneute Zeitreise anbieten.“
„Das stellen Sie sich etwas einfach vor, junger Mann“, sagte Dr. Hopkins. „Wir haben bereits vier Korrekturen vorgenommen. Jede von Ihnen verursacht Wellen in der Zeit, die berechnet werden müssen. Nicht in jedem Fall ist eine Manipulation wünschenswert. Wenn zum Beispiel errechnet wird, dass die Verhinderung eines Verbrechens zu anderen, schwerwiegenderen Situationen führt, ist sie nicht zu verantworten. Nach vier durchgeführten Maßnahmen interagieren bereits vier temporale Erschütterungen im Zeitfluss! Wenn Sie jetzt auch noch dort auftauchen, sprengt es fast den Rahmen unserer analytischen Möglichkeiten.“
„Mir ginge es nicht um eine Korrektur, sondern darum, zu beobachten“, sagte Christopher. „Ich will wissen, wer es war und wie er es angestellt hat. Ich würde keine Korrektur vornehmen wollen. Das verspreche ich Ihnen.“
Der Mann überlegte.
„Eine interessante Idee ist es in jedem Fall“, sagte er. „Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, müsste es aber mit unseren Analytikern besprechen. Sie wären also selbst bereit, sich dieser Reise zu unterziehen?“
„Ja.“
„Haben Sie bereits Erfahrungen damit? Haben Sie sich mit der Zeit bereits befasst, in die Sie Reisen werden? Es ist zwar nicht sehr weit zurück, aber auch in diesen Jahren hat sich einiges getan. Sie müssen vollständig in dieser Zeit aufgehen, um keinen zu großen Abdruck in der Realität zu hinterlassen. Wir würden Ihnen sowieso einen Mitarbeiter zur Seite stellen, der Sie vor Dummheiten bewahrt, aber stellen Sie es sich nicht so einfach vor. Sie müssen unauffällig sein, wie ein Geist. Man darf sich nicht an Sie erinnern. Sie dürfen nur beobachten.“
„Darf ich das als Zustimmung verstehen?“, wollte Christopher wissen.
Dr. Hopkins schmunzelte leicht. „Sie sind ein hartnäckiger Bursche, oder?“
„Ich habe meine Ziele“, sagte Christopher unbestimmt.
„Lassen Sie mir Ihre Nummer da, Mr. O'Conell. Ich werde nach unserem Gespräch sofort Kontakt mit unserer Rechenabteilung aufnehmen und dann das Weitere mit dem Leiter Ihrer Dienststelle besprechen. Ich werde Sie informieren, wenn es soweit ist. Geben Sie mir zwei Wochen Zeit.“
Er reichte Christopher die Hand, der sie ergriff und drückte.
„Ich danke Ihnen, Dr. Hopkins“, sagte er.
„Mr. O'Conell, ich bin nicht Ihr Gegner“, antwortete Hopkins, „auch, wenn Sie es zunächst angenommen haben. Wenn die Vorwürfe, die Sie erhoben haben, auch nur annähernd zutreffen, haben auch wir ein Interesse daran, diesen Verdacht abzuwehren.“
Er gab auch Amy die Hand.
„Mrs. Trehearn, es war mir ein Vergnügen. Wenn Sie gleich in der Halle sind, wäre es nett, wenn Sie ein freundliches Wort für unsere Dame an der Anmeldung finden würden. Sie haben ihr wohl sehr zugesetzt.“
„Kein Problem“, sagte sie und grinste.
Die Rückkehr verlief weitgehend schweigend. Nun war der Weg festgelegt. Amy war sich sicher, dass es keine Möglichkeit mehr geben würde, der Christopher von seinem Vorhaben abbringen würde. Sie machte sich darauf gefasst, dass es bald einen Abschied geben würde.
Obwohl Timehacker.com eines der exklusivsten Unternehmen auf dem Planeten – wenn nicht gar DAS exklusivste Unternehmen - war, hielt man nichts davon, seine Kunden mit übermäßigem Prunk zu beeindrucken. Sowohl an der Tiefgarage, als auch am Haupteingang der Firma prangte lediglich ein schlichtes Firmenlogo mit dem Timehacker-Schriftzug.
Amy und Christopher fuhren mit dem Lift in die Empfangshalle, in der sie von dezenter Hintergrundmusik und angenehmer Beleuchtung empfangen wurden. Eine Kunstausstellung, die man hier installiert hatte, vertrieb wartenden Kunden die Zeit, ebenso wie ein Bereich mit warmen und kalten Getränken. Kostenfrei versteht sich.
Sie hielten sich jedoch nicht damit auf, sondern liefen sofort zum Empfangsschalter, hinter dem eine junge Frau stand, die sie sogleich begrüßte: „Willkommen bei Timehacker.com! Wir freuen uns, dass wir Ihnen unsere Dienste anbieten dürfen. Womit können wir Ihnen weiterhelfen?“
„Ich glaube, wir können uns die Höflichkeitsfloskeln sparen“, sagte Christopher und schob seine Polizeimarke über den Tresen. „Wir sind von der örtlichen Polizei und müssen dringend mit einem Ihrer Geschäftsführer oder Manager sprechen.“
Die Frau machte zunächst ein erschrecktes Gesicht, fing sich jedoch schnell wieder und wurde geschäftsmäßig.
„Haben Sie einen Termin? Ich fürchte nämlich, dass ich Ihnen ohne einen Termin keine Hoffnung machen kann.“
Amy, die schon oft solche Abfuhren erlebt hatte, war es mittlerweile leid, dass sie als Polizistin immer wieder wie ein Bittsteller behandelt wurde.
„Nun passen Sie mal auf!“, sagte sie. „Wir wissen beide, dass wir keinen Termin haben, und ich verstehe es vollkommen, dass Sie Ihre Anweisungen haben, Ihren Chefs den Rücken frei zu halten, aber wir sind nicht irgendwer, sondern wir sind die Polizei. Wenn wir mit Ihrer Führungsetage sprechen müssen, dann haben wir unsere Gründe. Besorgen Sie uns nun bitte ein Gespräch mit einer der maßgebenden Personen hier, oder wir kommen mit einigen Kollegen zurück und nehmen Ihren Laden auseinader. Haben wir uns soweit verstanden?“
Die Frau war blass geworden und griff hektisch nach ihrem Sprechgerät.
„Bist du wahnsinnig?“, flüsterte Christopher Amy zu. „Du weißt, dass wir das niemals durchbekommen würden. Der Chief hängt uns auf, wenn das herauskommt.“
Amy lächelte flüchtig und flüsterte: „Das weiß die Kleine doch nicht. Vertrau mir – das funktioniert.“
Nach einigen Minuten machte die Frau einen erleichterten Eindruck und wandte sich wieder den Beiden zu.
„Sie haben Glück. Zufällig ist unser technischer Geschäftsführer, Dr. Eli Hopkins, im Hause und hat ein paar Minuten Zeit für Sie.“
„Sehen Sie, es war doch gar nicht so schwer“, sagte Amy selbstgefällig und grinste sie an. „Wenn Sie uns nun noch sagen würden, wo wir diesen Dr. Hopkins finden, wären wir vollkommen zufrieden.“
Christopher stieß Amy den Ellenbogen leicht in die Seite. Er fand, dass sie dabei war, den Bogen zu überspannen.
„Nehmen Sie bitte den Aufzug zwei in der Halle und fahren mit ihm in den 28. Stock. Dr. Hopkins' Büro ist die Nummer 28.036. Er erwartet Sie bereits.“
Christopher bedankte sich und zog Amy mit sich fort.
„Was ist denn in dich gefahren?“, fragte er. „Es war doch nicht notwendig, diese Angestellte so schroff zu behandeln.“
„Was willst du denn? Sie wurde doch sehr entgegenkommend, nachdem ich ihr die Spielregeln erklärt hatte.“
Sie fuhren nach oben und fanden Dr. Hopkins' Büro sehr schnell. Nachdem sie angeklopft hatten, öffnete dieser ihnen persönlich die Tür und bat sie herein. Das Büro war relativ groß und besaß eine durchgehende Fensterwand, die einen weitreichenden Blick über die Stadt ermöglichte. Neben einem gewaltigen Schreibtisch gab es noch eine bequeme Sitzgarnitur, zu der ihr Gastgeber sie nun geleitete. Der Mann entsprach so gar nicht ihrem Bild von einem leitenden Mitarbeiter einer Firma wie Timehacker.com. Er trug ein Hemd mit aufgekrempelten Ärmeln und eine locker sitzende Krawatte. Überhaupt machte er einen zupackenden Eindruck.
Nachdem sie sich gesetzt hatten, musterte er Christopher und Amy eingehend.
„Ich muss gestehen, dass Sie mich neugierig machen“, sagte er. „Darf ich wissen, mit wem ich es zu tun habe? Meinen Namen dürften Sie bereits kennen.“
„Mein Name ist Christopher O'Conell“, sagte Christopher, „und das ist meine Kollegin Amy Trehearn. Wir sind von der Polizei und haben mit Ihnen etwas äußerst Wichtiges zu besprechen.“
Dr. Hopkins schenkte ihnen aus einer Karaffe etwas Wasser ein und nippte selbst an seinem Glas, bevor er sprach: „Sie müssen mir glauben, dass mich Ihre Vorgehensweise etwas irritiert. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich die Polizei an uns wendet und um unsere Mithilfe bittet, wenn es um die Bekämpfung von Verbrechen geht. Wir haben in der Vergangenheit ...“, Hopkins lachte leise. „Sie müssen entschuldigen, aber mir wurde eben erst die Komik meiner Formulierung bewusst. Also wir haben in der Vergangenheit schon wiederholt Hilfestellung bei Zeitkorrekturen geleistet. Ich möchte sogar behaupten, dass wir bisher immer sehr gut mit den Polizeibehören zusammengearbeitet haben. Aber Sie müssen mir schon erklären, warum Sie es für nötig erachten, meine Mitarbeiter einzuschüchtern, nur um sofort einen Termin zu erhalten. Was macht Ihr Anliegen so eilig?“
„Wir haben ein Problem“, erklärte Christopher. „Wir überprüfen von Zeit zu Zeit alte Fälle, die bisher ungelöst geblieben sind. Vor kurzem nahmen wir uns einen Fall vor, bei dem wir ebenfalls die Dienste von Timehacker.com in Anspruch genommen haben, doch im Gegensatz zu vielen anderen Fällen, führte dieser nicht zum Erfolg. Es geht um den Diebstahl des Ter Bur-Diamanten, des größten, lupenreinen Diamanten, der jemals gefunden wurde. Er war die absolute Sensation auf diversen Ausstellungen. Er verschwand spurlos. Bereits mehrere Zeitreisen wurden unternommen, doch es gelang trotzdem nicht, diesen Diebstahl aufzuklären, was eigentlich bei Einsatz der Zeitreisetechnologie nicht möglich sein dürfte.“
Hopkins nahm einen weiteren Schluck Wasser.
„Was genau wollen Sie mir damit sagen?“, wollte er wissen.
„Ursprünglich wollte ich Ihnen jetzt eine konstruierte Geschichte auftischen, doch ich finde, dass ich meine Karten aufdecken sollte“, meinte Christopher. „Wenn unsere Mitarbeiter zusammen mit einem Berater von Timehacker.com eine Korrektur in der Vergangenheit vorgenommen haben und hinterher diese Korrektur wirkungslos geblieben ist, müssen wir davon ausgehen, dass wiederum jemand unsere Korrektur unwirksam gemacht haben muss.“
Dr. Hopkins zog überrascht eine Augenbraue hoch und sein Gesicht wurde abweisend.
„Wollen Sie unserer Firma etwa unterstellen, dass wir dahinter stecken? Dass wir unsere eigene Technik einsetzen, um uns zu bereichern? Sind Sie sich der Ungeheuerlichkeit eines solchen Vorwurfs bewusst?“
„Bevor Sie weiter reden ...“, unterbrach Christopher ihn, „... überlegen Sie doch selbst. Sobald wir eine Korrektur zur Bekämpfung eines Verbrechens vornehmen lassen, sind Ihrer Firma alle Fakten dazu bekannt. Die Technik gehört Ihnen und nicht uns. Wir haben also keinerlei Einfluss darauf, was in der Folge einer Korrektur hier in Ihrem Hause geschieht.“
Dr. Hopkins' Gesicht verfärbte sich etwas. Man konnte ihm ansehen, dass er wütend wurde.
„Ich bin fast sprachlos, mit welcher Unbefangenheit Sie hier solche Vorwürfe erheben!“, ereiferte er sich. „Sie wissen überhaupt nicht, wovon Sie hier eigentlich reden! Bei uns im Hause wird jeder – ich betone: jeder – Einsatz der Zeitmaschine in allen Details protokolliert. Sie dürfen gern die Protokolle sehen und prüfen. Seien Sie nur vorsichtig mit dem, was Sie sagen. Wenn diese haltlosen Vorwürfe auf die falschen Ohren treffen und wir dadurch einen Schaden erleiden, können Sie sich warm anziehen, das kann ich Ihnen versprechen! Wer weiß, vielleicht sind es ja Ihre eigenen Leute, die korrupt sind und in der Vergangenheit Dinge tun, die nichts mit ihrem eigentlichen Auftrag zu tun haben.“
Jetzt war es Christopher, der sprachlos war.
„Sie wollen behaupten, dass Kollegen von mir selbst dafür verantwortlich sind, dass der Fall nie geklärt werden konnte? Nun machen Sie mal einen Punkt!“
Der technische Geschäftsführer lachte leise.
„Wenn Sie solche Behauptungen aufstellen, dann schieße ich eben zurück! Beweisen lässt sich sicherlich weder das eine, noch das andere. Aber können Sie wirklich sicher sein, dass Sie für jeden Ihrer Agenten Ihre Hand ins Feuer legen können?“
„Chris, er hat recht“, sagte Amy.
„Hören Sie auf Ihre Kollegin“, sagte Hopkins. „Menschen sind gierig und nicht jeder hat die nötige Stärke, wenn ihm eine große Summe auf dem Silbertablett serviert wird. Ich kann Ihnen anbieten, sich die Protokolle anzusehen, mehr kann ich nicht tun. Oder wie haben Sie sich die Lösung dieses Problems gedacht?“
„Wenn ich ehrlich bin, hatte ich gehofft, dass Sie mir eine erneute Zeitreise anbieten.“
„Das stellen Sie sich etwas einfach vor, junger Mann“, sagte Dr. Hopkins. „Wir haben bereits vier Korrekturen vorgenommen. Jede von Ihnen verursacht Wellen in der Zeit, die berechnet werden müssen. Nicht in jedem Fall ist eine Manipulation wünschenswert. Wenn zum Beispiel errechnet wird, dass die Verhinderung eines Verbrechens zu anderen, schwerwiegenderen Situationen führt, ist sie nicht zu verantworten. Nach vier durchgeführten Maßnahmen interagieren bereits vier temporale Erschütterungen im Zeitfluss! Wenn Sie jetzt auch noch dort auftauchen, sprengt es fast den Rahmen unserer analytischen Möglichkeiten.“
„Mir ginge es nicht um eine Korrektur, sondern darum, zu beobachten“, sagte Christopher. „Ich will wissen, wer es war und wie er es angestellt hat. Ich würde keine Korrektur vornehmen wollen. Das verspreche ich Ihnen.“
Der Mann überlegte.
„Eine interessante Idee ist es in jedem Fall“, sagte er. „Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, müsste es aber mit unseren Analytikern besprechen. Sie wären also selbst bereit, sich dieser Reise zu unterziehen?“
„Ja.“
„Haben Sie bereits Erfahrungen damit? Haben Sie sich mit der Zeit bereits befasst, in die Sie Reisen werden? Es ist zwar nicht sehr weit zurück, aber auch in diesen Jahren hat sich einiges getan. Sie müssen vollständig in dieser Zeit aufgehen, um keinen zu großen Abdruck in der Realität zu hinterlassen. Wir würden Ihnen sowieso einen Mitarbeiter zur Seite stellen, der Sie vor Dummheiten bewahrt, aber stellen Sie es sich nicht so einfach vor. Sie müssen unauffällig sein, wie ein Geist. Man darf sich nicht an Sie erinnern. Sie dürfen nur beobachten.“
„Darf ich das als Zustimmung verstehen?“, wollte Christopher wissen.
Dr. Hopkins schmunzelte leicht. „Sie sind ein hartnäckiger Bursche, oder?“
„Ich habe meine Ziele“, sagte Christopher unbestimmt.
„Lassen Sie mir Ihre Nummer da, Mr. O'Conell. Ich werde nach unserem Gespräch sofort Kontakt mit unserer Rechenabteilung aufnehmen und dann das Weitere mit dem Leiter Ihrer Dienststelle besprechen. Ich werde Sie informieren, wenn es soweit ist. Geben Sie mir zwei Wochen Zeit.“
Er reichte Christopher die Hand, der sie ergriff und drückte.
„Ich danke Ihnen, Dr. Hopkins“, sagte er.
„Mr. O'Conell, ich bin nicht Ihr Gegner“, antwortete Hopkins, „auch, wenn Sie es zunächst angenommen haben. Wenn die Vorwürfe, die Sie erhoben haben, auch nur annähernd zutreffen, haben auch wir ein Interesse daran, diesen Verdacht abzuwehren.“
Er gab auch Amy die Hand.
„Mrs. Trehearn, es war mir ein Vergnügen. Wenn Sie gleich in der Halle sind, wäre es nett, wenn Sie ein freundliches Wort für unsere Dame an der Anmeldung finden würden. Sie haben ihr wohl sehr zugesetzt.“
„Kein Problem“, sagte sie und grinste.
Die Rückkehr verlief weitgehend schweigend. Nun war der Weg festgelegt. Amy war sich sicher, dass es keine Möglichkeit mehr geben würde, der Christopher von seinem Vorhaben abbringen würde. Sie machte sich darauf gefasst, dass es bald einen Abschied geben würde.
Zuletzt von moriazwo am Mi 10 März 2010, 10:21 bearbeitet, insgesamt 2 mal bearbeitet












für diesen Teil :)
























