Plopp, Plopp-blubb.
Da war es wieder!
Caleenï lag gut versteckt unter dem niedrigen Busch, von außen so gut wie gar nicht zu sehen und lauerte.
Sie hatte es wieder gehört und vielleicht sollte sie diesmal auch etwas sehen.
Nein, diesmal wollte sie ausharren, ganz gleich was geschehen mochte, ganz gleich was sie sich zu Hause anhören musste, geduldig würde sie kauern, gut versteckt, doch mit einem guten Rundumblick auf das Gelände vor sich.
Und genau das tat sie jetzt, geduldig ausharrend starrte sie auf einen Punkt auf dem kleinen Tümpel, der da vor ihr ruhig lag und in dem sie dieses seltsame Geräusch gehört hatte.
Sie fürchtete sich, schon allein wegen des letzten Mals, da sie hier auf der Lauer lag und zu spät nach Hause kam, was ein lange ausführliche Strafpredigt ihrer Craya nach sich gezogen hatte. Sie fürchtete sich auch deswegen, weil sie sich ganz und gar nicht sicher war, was dieses Geräusch da vorne machte.
Immerhin mochte es ja gefährlich sein, Gründe dafür gab es auf Sath ja genug - und immerhin befand sie sich auf einem Gelände, auf dem sie in ihrem Alter überhaupt nichts zu suchen hatte.
Doch sie harrte aus, unbeweglich, wie ein Raubkatze vor dem Sprung, wenn ihr auch die Zweige des harten Strauches mittlerweile unangenehm in die Rippen drückten, wenn sie auch von den kleinen Ringelpelzern bekrabbelt wurde, recht unangenehm Geschöpfchen, deren winzige Bisse nicht nur furchtbar weh taten sondern sich auch für eine ganze Weile tiefschwarz verfärbten und einen zum Gespött der anderen machten, da sie einen nur dann bissen, wenn man sich von ihnen falsch befreien wollte. War man dabei zu hastig und unruhig, zack! - hatte man einen Biss ab - und galt bei den anderen Kindern als noch zu klein - zu unreif.
Plopp! Blubb!
Da war es noch einmal, und Caleenï sah ganz deutlich in dem Wasser des Tümpels Ringe sich ausbreiten, als hätte jemand einen Stein hineingeworfen.
Sie wagte es kaum zu atmen, so angespannt war sie jetzt, was da nun noch käme, doch noch schien es nicht soweit, kein weiteres Geräusch drang mehr an ihr Ohr.
Blubb!
Mit einem lauten Prusten tauchte an der Stelle, auf der ihr Blick wie angeklebt haftete, ein großer graugrüner Kopf, bedeckt mit langem grauem Haar, aus dem Wasser und zwei dunkelgelbe Augen starrten unter dem ab rinnenden Wasser genau in Caleenïs Augen, zumindest glaubte sie dies, denn so sicher, dass niemand sie sehen konnte war sie sich plötzlich gar nicht mehr.
Oh Seddhim a’Leena! Dachte sie beinahe laut bei sich, bitte hilf mir!
Das Wesen vor ihr entpuppte sich als eine Meedo-Frau, die Caleenï tatsächlich gesehen hatte und nun ganz ruhig auf ihr Versteck zu schritt.
Die Meedo sind das ‘zweite Volk’ von Sath und sehr eng mit den Meero, den menschlichen Landbewohnern von Sath, verwandt, nur, leben Meedo die meiste Zeit im Wasser, hauptsächlich in den weiten riesigen Ozeanen, in denen sie ihre tiefen unterseeischen Städte bauten.
Selten traf man welche von diesem Volk in Flüssen oder Seen an, ganz und gar ungewöhnlich war es, dass sie in Wasser lebten, das nicht ganz sauber war, wie es bei diesem Tümpel der Fall sein mochte. Deshalb ahnte Caleenï furchterfüllt, dass diese Gestalt, eine noch gar nicht so alt erscheinende Frau, die meedoüblich nackt bis auf einen metallenen Harnisch, der Rücken und Oberkörper eng umschmiegt und Armen und Beinen genug Freiheit ließ sich im Wasser zu bewegen, dass jene Frau vor ihr eine bestimmt außergewöhnliche Meedo sein müsse.
Caleenï verspürte einen unheimlichen Drang, aufzuspringen und davon zu rennen, doch Reste des Vertrauens auf ihr Versteck und die so gut eingeübte ‘Kaltblütigkeit’, die bei den Kindern der Meero als das Höchste zu erreichende Gut galt, hinderten sie ebenso wie die Angst, sich damit endgültig preis zu geben, wusste ob dies Frau sie überhaupt gesehen hatte?
Sie hatte.
An eines hatte Caleenï nämlich nicht gedacht, Meedo lebten unter Wasser und da lernt man bald etwas, sei es Fisch, Krebs oder sonstiges Getier, das meistens darauf aus ist, wenn es eine bestimmte Größe hat, einen zu fressen, zu spüren, was man weder sieht noch hört. (Das können die Meero zwar auch, doch lange nicht so gut und ausgeprägt wie die Meedo)
Die Frau vor ihr hatte sie tatsächlich lange gespürt, bevor sie auftauchte und Caleenï war auch der Grund weshalb sie jetzt an die Luft kam, wollte sie doch einmal sehen, wer da immer an ihr herauskam und sie bei ihrer nachmittäglichen Beschäftigung beobachtete.
Denn das spürte die Frau, dass sie beobachtet wurde, und zwar auf dem Grunde ihres ‘Hauses’, wie sie ihren ‘Tümpel’ nannte.
Tümpel war übrigens nicht ganz die richtige Bezeichnung, denn das was wie ein Tümpel aussieht, ist in Wirklichkeit nicht so schmutzig und unrein, ungepflegt wie Caleenï sich das vorstellte, wäre zu wünschen sie hüte ihre Zunge, das gegenüber einer, noch dazu dieser, Meedo-Frau, auch nur zu erwähnen - zu denken!
Der Tümpel war tatsächlich eher wie ein Haus, denn irgendeine Laune der Natur hat just dort, inmitten des großen Waldes einen Tiefen Riss entstehen lassen, dessen zerklüftete Kanten unter dem Wasser geräumige Kavernen bildeten, die einer großen Höhlenanlage in einem Berg glichen, nur dass sie überflutet waren und den Ausgang an dem Caleenï auf der Lauer nach einem unbekannten neugierreizenden Etwas, wie ein kleiner schmutziger Tümpel aussah.
Die Frau war nun mittlerweile fast bei Caleenï angelangt, welche vor Aufregung so zitterte, dass ein Ringelpelzer, der gerade über ihre gerade noch unbewegte Hand mit seine sieben Saugtentakeln kroch, vor Schreck zu biss.
Der Schmerz durchfuhr Caleenï heiß und ihr Mund wurde nur von einem Schrei verschlossen, weil sie sich vor Aufregung eh’ auf die Zunge biss, doch all das half ihr nichts, denn in diesem Moment rief die Meedo Frau sie an.
‘Hey Du! Komm heraus! Wer immer du sein magst!’
Vor Schreck, entdeckt und von einem Ringelpelzer gebissen zu sein, lies ihr nur ein entsetztes Auuaaaa einfahren, am liebsten wäre sie jetzt weg, weit weit weg, im Palast des dritten El von Casuy, ihres Vaters, in den Armen ihrer Craya Seddhim a’Leena gewesen. Doch es war zu spät Reue zu zeigen, sie war nicht mehr fähig sich zu bewegen, noch sonst was zu tun.
Die Frau war nun durch den Schrei vergewissert, an das Gebüsch Caleenïs herangetreten und besah sich aus der Nähe, was sich dort verbarg.
Na so was! Eine Meero, der ersten Reife! Was machst du denn um diese Zeit hier draußen alleine? Ist dir was zugestoßen? Du neugieriges Etwas, oder warum schreist du so laut, noch habe ich dir ja gar nicht weh tun können, komm mal raus da aus deinem Gebüsch.’
Gehorsam und ganz blass um ihre dunkelrote Nase, stand Caleenï, den Biss des Ringelpelzers reibend, auf und trat vor die Frau hin.
„Zeig mal her, was ist denn das? Oha! Deswegen also AU! Das war wohl ein Brirllo, wie sagt ihr Kinder dazu, ein Ringelpelzer, nicht wahr? Das gibt ne schöne schwarze Beule. HaHaHa, guter Preis für Neugier, nicht wahr? Zeig mal her!
Na, was treibst du hier heraußen? raus mit der Sprache, lass dir was Gutes einfallen, El’s Tochter, sonst schlepp ich dich persönlich zu deiner Craya!“
Bei dieser Drohung vergaß Caleenï ihren Schmerz und ihre Angst, denn diese Ankündigung erschien ihr weit schlimmer als alles was sie bisher ans schlechten Erfahrungen gemacht hatte.
„Nein! Nein! Bitte tu das nicht! Stammelte sie.... „Bitte...! ich....“
„Na, was?“
„Ich.... ich hab’ hier ein Geräusch gehört, nicht das erste mal, ich war schon einmal hier, vor ein paar Tagen, da hab ich es auch gehört, so : Plopp und Blubb!, da wollte ich wissen, was es ist, das das macht.“
„So So, Neugierig ist die kleine Dame!, nun, ist denn deine Neugierde befriedigt? Was erwartest du jetzt? Weißt du, was dich jetzt erwartet?“
Caleenï war ganz klein, noch kleiner als sie schon war, geworden und wimmerte ein wenig. Mit ihrer kunstvoll eingeübten Selbstbeherrschung war es endgültig vorbei. Nein, war das einzige, was sie noch stammeln konnte, auch wagte sie ihre Blicke nicht zu der fremden Meedo zu erheben, so viele Gedanken schwirrten ihr durch den Kopf.
„Naja, du scheinst mir noch jünger zu sein als man es von deiner Größe her meinen könnte, immerhin kannst du ja froh sein, dass ich kein Lemja bin, der hätte dich gefressen, bevor du auch nur das Blubb noch den Plopp gehört hättest, oder wenn du dich tatsächlich ins Wasser gewagt hättest, meinem kleinen Wächter, der übrigens das Geräusch, das du da gehört hast verursacht. Unangenehm, auch für mich, aber besseren Schutz kann eine alleine lebende Meedo-Hexe nicht verlangen!
Ja, du hast richtig gehört! Meedo-Hexe nennt ihr Balgen doch die euch so seltsamen Weisen der Meedo. Doch keine Angst!, nicht wir fressen Kinder, die zu neugierig sind, das erledigen unsere Shwaa, sollte jemand mit bösen Absichten in unsere Gefilde eindringen.
Doch ich sehe, du kannst mir kaum zuhören, vor wem hast du mehr Angst?, Vor mir - oder vor deiner Craya? Es wird schon bald Vyn aufgehen, Zeit, längst Zeit, für dich, dich abzumelden, wenn sich in euren Gebräuchen nichts geändert hat. Für heute sollst du gehen und um nicht nur mit dem Schrecken davongekommen zu sein, will ich dir sogar ein Geschenk machen.“
Sie nestelte von ihrem Harnisch ein kleines Ringlein und reichte es Caleenï.
Hier, nimm - und besuche mich das nächste Mal ohne Angst und Neugier! Und mit mehr Zeit! Werfe das Ringlein in meine Pforte, womit sie den Tümpel hinter sich bedeutete, und ich werde zu dir kommen. Doch, nun ab! Im Eiltempo!!“