Zu 1.:
Wir sind Menschen Gott ist Gott. Wir können nicht wissen, dass Gott explizit und absolut gut ist. Das würde sowieso viele Fragen aufwerfen: Was ist gut? Kann etwas absolut nicht menschliches das menschliche Empfinden von diesem diffusen Gut überhaupt empfinden?
Wenn Gott der Schöpfer dieser Welt ist, also auch unser Schöpfer, so ist er auch der Schöpfer unseres Begriffes von "gut".
Wenn Gott also möchte, dass er gut ist, dann ist er gut.
Wie kannst du dir als gottgläubiger Mensch erlauben über Gott zu urteilen ohne das geringste von ihm zu wissen? Das ist kein Vorwurf auch wenn es wie einer klingt aber ich verstehe es nicht. Man kann ja sagen "Ich glaube das Gott gut ist weil ...", aber zu sagen Gott ist gut, ist gerade bei einem so gottgläubigen Menschen meiner Meinung nach... naja sagen wir einfach mal komisch.
Ich kann aus obigen Gründen sagen, dass Gott gut ist. Mir erscheint es logisch, dass Gott eine Welt erschafft, die ihn "gut" findet; die also ihm entspricht.
Warum sollte uns Gut die Fähigkeit zur Grausamkeit gegeben haben usw usw, ich denke du weißt was ich meine.
Die Fähigkeit zur Grausamkeit entspringt der Kenntnis des Guten.
Ohne das Gute kann es keine Grausamkeit und kein Böses geben.
Denn Grausamkeit ist eine Empfindung, nicht die Tat selbst.
Um etwas als "grausam" empfinden zu können, muss man davon ausgehen, dass es nicht richtig ist.
Das aber setzt voraus, dass etwas anderes richtig ist: eben das "Gute".
Und jetzte komme ich dazu, warum Gott uns die Fähigkeit zur Grausamkeit gegeben hat.
Wenn es nur das Gute gäbe, gäbe es keine Entscheidungen.
Denn, man könnte sich nicht dagegen entscheiden.
Dann aber könnte der Mensch kein gleichwertiger Beziehungspartner Gottes sein, als den dieser ihn beabsichtigt hatte.
Den dann hätte Gott dem Menschen die Möglichkeit genommen, oder besser: nicht gegeben, sich gegen diese Beziehung zu entscheiden, die ja auf Liebe, Vertrauen, etc. basiert.
Vertrauen setzt die Möglichkeit voraus, dass der andere dich enttäuschen kann.
Liebe ist Selbstaufgabe, d.h. ich übergebe mich dem anderen, und er sich mir.
Das aber ist nur dann möglich, wenn ich mich besitze, also mit mir verfügen, mich entscheiden kann, wie ich will.
Zu 2.:
Ich meine ich weiß auch nicht ob wir jemals Leben außerhalb unseres Sonnensystems finden werden obwohl es durchaus von Bedeutung für uns sein könnte.
Aber die Existenz Gottes beinhaltete den Sinn des Lebens, der durch den Zweck unserer Erschaffung definiert ist.
Außerdem ist es etwas anderes, ob irgendwo im Universum Leben existiert, dass mit uns nichts zu tun hätte, und selbst wenn das der Fall wäre, so könnte ich in keinster Weise darauf reagieren.
Wenn aber Gott existierte, UND er (wie im christlichen Glauben) Beziehung mit dir haben wollte, so würde diese Wahrheit dein ganzes Leben verändern.
Du kennst vielleicht Platons Höhlenbeispiel. Obwohl es eigentlich auf etwas anderes hinaus will, ist es vielleicht ein gutes Beispiel hierfür.
Die Menschen sitzen in einer Höhle, hinter ihnen ist eine Lichtquelle und sie blicken alle auf die Höhlenwand, auf die mittles der Lichtquelle ein Schattenspiel geworfen wird.
Den Rest des Höhlenbeispiels erzähle ich hier jetzt nicht; er ist für diese Thematik nicht von Bedeutung.
Wenn dir jedoch jemand in dieser Höhle erzählte, dass es ein "Draußen" gäbe, und du dich nur umdrehen und hinausgehen müsstest, um dorthin zu gelangen, dann wäre die Frage, ob das der Wahrheit entspricht, von immenser Bedeutung für dich, vor allem wenn er hinzufügte, dass dieses draußen das sei, wofür du gedacht bist, was also das beste ist, das es für dich gibt.
Dein Beispiel mit der Kreuzung ist da auch eigentlich ein falsches. Denn wenn man jetzt ein Ziel vor Augen hat, dann MUSS man sich entscheiden.
Ich hatte in diesem Fall die Wahrheit als Ziel vorrausgesetzt, unter der Annahme, dass diese für den Mensch an der Kreuzung von Bedeutung ist (Weshalb ich das annehme; siehe oben).
Zu III 2:
"WENN ein Gott existiert, ist dies automatisch von großer Bedeutung für das Leben eines Menschen."
Ist das wirklich so? Wann hat Gott in dein Leben eingegriffen? Wäre Gott wirklich wichtig? Jeder mag sich hierauf seine eigenen Gedanken machen Wink
Wenn Gott existiert, ist er per Definition wichtig für die Menschen. Denn, er hat sie geschaffen, und möchte ihr Leben mit ihnen leben.
So viel zum Allgemeinen. Was mich persönlich betrifft...
Gott ist nicht nur von Bedeutung für mein Leben; er ist die Bedeutung und der Grund meines Lebens.
Gott greift nicht nur in das Leben ein, er formt es. Ich hätte ein anderes Leben ohne Gott.
"WENN ein Gott existiert, so ist er gut.
Denn, warum sollte ein Gott, der in uns das empfinden für das Gute geschaffen hat, dieses so formen, dass es ihm nicht entsprechen würde?"
Hier wird eine scheibar absolute Tatsache geäußert, die durch einen Satz mit einem Fragezeichen am Ende erklärt wird.
Der "Satz mit einem Fragezeichen am Ende" ist eine rhetorische Frage, gleichbedeutend mit der Aussage: "Denn ein Gott, der in uns ein Empfinden für das Gute (gleichbedeutend mit "das Perfekte", "so, wie es sein sollte") geschaffen hätte, das nicht mit ihm übereinstimmte, WOLLTE böse ("unperfekt") sein, obwohl es ihm ein leichtes gewesen wäre, sich selbst als "gut" zu definieren.
Gegenthese:
Hast du früher auch mit Lego gespielt (so wie ich) ? Hast du da nicht versucht, alles etwas besser zu machen, als es in wirklichkeit ist? Was, wenn es Gott genauso ergeht... er versuchte, etwas zu erschaffen, was in mancher Beziehung besser ist, wobei er natürlich nicht fähig wäre, dem geschaffenen seine eigene Größe zu geben. Könnte man daraus nicht folgern, dass Gott ein noch schlechterer "mensch" ist, als wir es sind?
Wenn wir mit Lego spielen, dann ist es uns weder möglich, Naturgesetze, noch die Handlungsweisen der Menschen zu definieren.
Gott aber ist das wohl möglich gewesen.
Und er hat eine gute Welt geschaffen, der er tatsächlich "seine eigene Größe" gegeben hat.
Außerdem: Besser als was sollte die Welt denn sein?
Der Satz hat zwei Prämissen, die ich verneinen muss:
1. Er setzt voraus, dass etwas außerhalb von Gott die Definition von "gut" vorgibt.
2. Er setzt voraus, dass Gott in einer Welt ähnlich der unsren(?) lebt, die ebenfalls nicht gut/perfekt ist.
Zum Abschluss möchte ich noch einmal klarstellen, dass ich absolut nichts dagegen habe, wenn Leute an Gott glauben.
Warum sollte man etwas gegen eine Überzeugung haben?
Wenn jemand glaubt, dass Katzen fliegen können, so ist das vollkommen in Ordnung, wenn er gute Gründe dafür hat.
Einzig, wenn er das wider besseres Wissen glaubt, nur weil es ihm beispielsweise gefiel, wenn Katzen fliegen könnten, finde ich diese Überzeugung verwerflich.
Verwerflich in dem Sinne, dass er, um es mit Josef Joubert zu sagen, "sich selbst mehr liebt, als die Wahrheit".
Aber verleitet nicht Gott uns dazu, sich mit vielem einfach zufrieden zu geben, weil es einfach gerade so ist?
Gott sicherlich nicht. Ich kann aus dem Satz nicht mit letzter Sicherheit schließen, wovon genau du sprichst, aber ich gehe mal davon aus, dass du Meinungen, Weltbilder, etc. meinst.
Aber ich glaube, dass du da von einer irrigen Vorstellung der christlichen Religion ausgehst.
Sie ist keineswegs so einfach und dogmatisch, wie oft angenommen wird; allein ist sie glücklicherweise nicht das letztlich bedeutende des christlichen Glaubens.
Aber dennoch muss ich dir damit Recht geben, dass die christliche Religion oft dazu verleitet, sich mit vielem zufrieden zu geben.
Das liegt weniger daran, dass sie dem Christen sein Weltbild klar vorgeben würde (sondern nur Teile davon; wenn er diesen zustimmt - das Weltbild macht die Angehörigkeit zur christlichen Religion, nicht umgekehrt); sonder es liegt vielmehr daran, dass viele Christen von einer der zwei folgenden (irrigen) Aussagen ausgeht.
1. Die christliche Religion widerspricht ohnehin der Vernunft, der Wissenschaft, etc.; also darf man sich gar nicht damit auseinandersetzten, sondern muss dem einfach widerstehen und glauben.
2. Ich bin ohnehin nicht fähig, die christliche Religion zu verstehen und all die Bedeutungen der Bibel zu ergründen, also übernehme ich sicherheitshalber alles wörtlich (auch Psalmen [=Liedtexte], etc.) und prüfe es nicht auf Zusammenhang, und Intention.
Glaube ist mit Sicherheit etwas positives, solange man Kraft daraus schöpft und die Fähigkeit nicht verliert, anderer Leute Meinung zu akzeptieren (sage ich als Heide/"Agnostiker")
Glaube (Das was du hier darunter verstehst) ist nichts positives, sondern etwas natürliches. Es ist das "Fürwahrhalten" eines bestimmten Umstandes, z.B. einer Lehre, oder eines Weltbildes.
Jeder Mensch "glaubt" etwas (sogar der Agnostiker, wen auch in begrenztem Maße).
Wenn einem also dieses Fürwahrgehaltene Kraft gibt, aber nicht der Wahrheit entspricht, so liegt die Quelle der Kraft nicht in diesem Fürwahrgehaltenen, sondern in dem Glaubenden selbst.
Falls das der Grund eines Menschen ist, aus dem er glaubt, so empfehle ich ihm NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren), Selbsthypnose, oder Yoga.
Gruß, Amlughur