Pooly's Kunst und Schreibforum

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    Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Pooly am So 06 Apr 2008, 17:21

    Hier könnt ihr eure Lieblingsgedichte vorstellen und diskutieren


    Meins ist eindeutig das hier:


    And Death Shall Have No Dominion

    by Dylan Thomas


    And death shall have no dominion.
    Dead mean naked they shall be one
    With the man in the wind and the west moon;
    When their bones are picked clean and the clen bones gone,
    They shall have stars at elbow and foot;
    Though they go mad they shall be sane,
    Though they sink through the sea they shall rise again;
    Though lovers be lost love shall not;
    And death shall have no dominion.

    And death shall have no dominion.
    Under the windings of the sea
    They lying long shall not die windily;
    Twisting on racks when sinews give way,
    Strapped to a wheel, yet they shall not break;
    Faith in their hands shall snap in two,
    And the unicorn evils run them through;
    Split all ends up they shan't crack;
    And death shall have no dominion.

    And death shall have no dominion.
    No more may gulls cry at their ears
    Or waves break loud on the seashores;
    Where blew a flower may a flower no more
    Lift its head to the blows of the rain;
    Through they be mad and dead as nails,
    Heads of the characters hammer through daisies;
    Break in the sun till the sun breaks down,
    And death shall have no dominion.




    auf Deutsch:



    Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben
    Tote Menschen - nakt sollen sie eins werden
    Mit dem Mann im Wind und im westlichen Mond;
    Wenn die Knochen saubergepickt sind und die sauberen Knochen verschwunden,
    Sollen sie Sterne haben an Ellbogen und Fuß;
    Wenn sie irr werden soll'n sie die Wahrheit seh'n,
    Wenn sie sinken im Meer soll'n sie auferstehn,
    Wenn die Liebenden fallen, die Liebe fällt nicht;
    Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.

    Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.
    Unter den Windungen des Meeres
    Sollen die, die lang leben, nicht leicht leben;
    Verdreht auf der Folterbank, wenn die Sehnen reißen,
    Auf ein Rad festgeschnallt sollen sie nicht brechen,
    Wenn die Hoffnung in ihren Händen entzwei bricht;
    Und das Böse sie überrennt;
    Wenn alle Enden gespaltet wurden, sollen sie nicht brechen;
    Und dem Tod soll keine Reich mehr bleiben.

    Niemals wieder sollen Möven neben ihren Ohren schreien
    Oder Wellen laut an Meeresküsten brechen;
    Wo einst eine Blume blühte, soll fortan keine Blume mehr
    ihren Kopf in den Regen erheben;
    Und wenn sie auch verrückt sind und tot wie Nägel
    So dringen ihre Köpfe durch wie Gänseblümchen;
    Brechen auf in der Sonne bis die Sonne niederbricht,
    Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben.



    Einfach nur genial >.<


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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Die_Moni am So 06 Apr 2008, 18:54

    Das mage ich auch, aber noch einige andere:

    Edgar Allan Poe

    Traumland

    Jenseits des Raums, jenseits der Zeit
    Dehnet sich wild, dehnet sich weit
    Ein dunkles Land.
    Auf schwarzem Thron
    Regiert ein Dämon,
    Die Nacht genannt.

    Auf einem Wege, traurig und einsam,
    Mit bösen Engelscharen gemeinsam,
    Erreichte ich neuerdings
    Dies entlegene Thule.
    Durch Heiden ging's,
    Durch Sümpfe und Pfuhle –
    Da, jenseits der Zeit und jenseits des Raums
    Lag es verzaubert, das Land des Traums.

    Stürzende Berge, gähnende Schlünde,
    Titanenwäler, gespenstische Gründe,
    Wallende Meere ohne Küsten,
    Felsen mit zerrissenen Brüsten,
    Wogen, die sich ewiglich bäumen,
    In lodernde Feuerhimmel schäumen.
    Seen, die sich dehnen und recken,
    Ihre stillen Wasser ins Endlose strecken,
    Ihre stillen Wasser, still und schaurig,
    Mit den schläfrigen Lilien, bleich und traurig.
    An den Seen, die sich so dehnen und recken,
    Ihre stillen Wasser ins Endlose strecken,
    Ihre stillen Wasser, still und schaurig,
    Mit den schläfrigen Lilien, bleich und traurig –

    An den Felsen neben den düstern,
    Unheimlichen Wellen, die ewig flüstern,
    An den Wäldern neben den Teichen,
    Wo die eklen Gezüchte schleichen,
    In jedem Winkel, dunkel, unselig,
    An allen Sümpfen und Pfuhlen, unzählig,
    Wo die Geister hausen –
    Trifft der Wandrer mit Grausen
    Verhülltes Volk aus dem Totenlande,
    Erinnerungen im Leichengewande,
    Weiße Gestalten der Schatteninseln,
    Bleiche Schemen aus toten Zeiten,
    Die verzweiflungsvoll stöhnen und winseln,
    Wie sie am Wandrer vorübergleiten.

    Für das Herz, dessen Schmerzen Legionen,
    Sind dies friedvolle, milde Regionen;
    Für den umnachteten, dunklen Geist
    Sind es himmlische, selige Auen.
    Doch der Pilger, der es durchreist,
    Darf es nicht unverhüllt erschauen.
    Unergründlich bleibt es für jeden,
    Dieses geheimnisvolle Eden –
    Das ist des finsteren Königs Willen –
    Und der Wandrer, von ungefähr
    Dorthin verschlagen, erblickt es daher
    Nur durch verdunkelte, matte Brillen.

    Auf einem Wege, traurig und einsam,
    Mit bösen Engelscharen gemeinsam,
    Schritt ich jüngst heim durch Sümpfe und Pfuhle
    Aus diesem öden, entlegenen Thule.


    Stoppt alle Uhren

    Stoppt jede Uhr, lasst ab vom Telefon,
    Verscheucht den Hund, der bellend Knochen frisst, die roh'n.
    Lasst schweigen die Pianos und die Trommeln schlagt,
    Bringt heraus den Sarg, ihr Klager klagt.

    Lasst die Flieger kreisend - Trauer sei Gebot
    An den Himmel schreiben: Er ist tot.
    Straßentauben gebt um den Hals starre Kreppkragen,
    Polizisten lasst schwarze Handschuh' tragen.

    Er war mir Nord, mir Süd, mir Ost und West;
    Des Sonntags Ruh' und der Woche Stress
    Mein Tag, mein Gesang, meine Rede, meine Nacht.
    Ich dachte, Liebe währet ewig - falsch gedacht.

    Sterne sind jetzt unerwünscht, will nichts sehn davon,
    Verpackt den Mond, zertrümmert die Sonn'.
    Fegt weg den Wald und des Meeres Flut,
    Nie wird es sein, so wie es war. Nie wieder gut.
    Wystan Hugh Auden

    Silentium

    Schweige verbirg dich und halte deine Gefühle und Träume geheim,
    lass sie in der Tiefe deiner Seele lautlos auf- und untergehen wie Sterne
    in der Nacht; erfreue dich an ihnen - und schweige.

    Wie soll das Herz sich offenbaren? Wie soll ein anderer dich verstehen?
    Begreift er, wodurch du lebst? Ein ausgesprochener Gedanke ist eine Lüge.
    Wenn du die Quellen aufwühlst, trübst du sie; zehre von ihnen - und schweige.

    Verstehe, nur in dir selbst zu leben: es gibt in deiner Seele eine ganze Welt
    geheimnisvoll-zauberhafter Gedanken; sie betäubt der äußere Lärm,
    die Strahlen des Tages vertreiben sie; lausche ihrem Gesang - und schweige ...
    Fedor Tjutchev (1803 - 1873)
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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Pooly am So 08 Jun 2008, 22:10

    Was ich noch total cool finde, ist die Ballade vvon Friedrich Schiller: der Handschuh


    Der Handschuh
    von Friedrich Schiller


    Vor seinem Löwengarten,
    Das Kampfspiel zu erwarten,
    Saß König Franz,
    Und um ihn die Großen der Krone,
    Und rings auf hohem Balkone
    Die Damen in schönem Kranz.

    Und wie er winkt mit dem Finger,
    Auf tut sich der weite Zwinger,
    Und hinein mit bedächtigem Schritt
    Ein Löwe tritt,
    Und sieht sich stumm
    Rings um,
    Mit langem Gähnen,
    Und schüttelt die Mähnen,
    Und streckt die Glieder,
    Und legt sich nieder.

    Und der König winkt wieder,
    Da öffnet sich behend1)
    Ein zweites Tor,
    Daraus rennt
    Mit wildem Sprunge
    Ein Tiger hervor,
    Wie der den Löwen erschaut,
    Brüllt er laut,
    Schlägt mit dem Schweif
    Einen furchtbaren Reif,
    Und recket die Zunge,
    Und im Kreise scheu
    Umgeht er den Leu
    Grimmig schnurrend;
    Drauf streckt er sich murrend
    Zur Seite nieder.

    Und der König winkt wieder,
    Da speit das doppelt geöffnete Haus
    Zwei Leoparden auf einmal aus,
    Die stürzen mit mutiger Kampfbegier
    Auf das Tigertier,
    Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen,
    Und der Leu mit Gebrüll
    Richtet sich auf, da wird's still,
    Und herum im Kreis,
    Von Mordsucht heiß,
    Lagern die gräulichen2) Katzen.

    Da fällt von des Altans3) Rand
    Ein Handschuh von schöner Hand
    Zwischen den Tiger und den Leun
    Mitten hinein.

    Und zu Ritter Delorges spottenderweis
    Wendet sich Fräulein Kunigund:
    »Herr Ritter, ist Eure Lieb so heiß,
    Wie Ihr mir's schwört zu jeder Stund,
    Ei, so hebt mir den Handschuh auf.«

    Und der Ritter in schnellem Lauf
    Steigt hinab in den furchtbarn Zwinger
    Mit festem Schritte,
    Und aus der Ungeheuer Mitte
    Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.

    Und mit Erstaunen und mit Grauen
    Sehen's die Ritter und Edelfrauen,
    Und gelassen bringt er den Handschuh zurück.
    Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,
    Aber mit zärtlichem Liebesblick -
    Er verheißt ihm sein nahes Glück -
    Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
    Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht:
    »Den Dank, Dame, begehr ich nicht«,
    Und verlässt sie zur selben Stunde.


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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Tin am So 08 Jun 2008, 22:12

    Der Handschuh find ich auch genial^^ Ich kann mich gar nicht festlegen...ich kenn eindeutig zu viele gute Gedichte^^
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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Bloodangel am So 06 Jul 2008, 16:51

    Dieses Gedicht habe ich in einer Zeitschrift gefunden. Es ist keine bekannte Autorin. Hoffe es passt trozdem hier rein.


    Tod

    Jasmin Buss

    Warum fürchten wir uns vor ihm?
    Vielleicht ist gerade er das Wundervollste auf Erden?
    Und das Leben?
    Ist nicht dies das Gefängnis?
    Es hält und fest, schreibt uns vor, wie wir zu leben haben.
    Feste Regeln, die nicht gebrochen werden dürfen.
    Von klein an erzählt man uns, wie wir zu leben haben.
    Wiederworte werden bestraft.
    Man lehrt uns, das die Liebe das Schönste der Welt ist,
    aber von dem Schmerz, den sie mit sich trägt,
    wird stest geschwiegen.
    Wenn das Leben wirklich so perfekt ist,
    warum leben wir dann mit Krieg, Hass, Eifersucht?!
    Warum müssen täglich tausend Kinder sterben?
    Warum gibt es Vergewaltigungen, prügelnde Eltern, die ein
    unschuldiges Leben zerstören müssen?!
    Ist das wirklich das ach so tolle Leben?
    Wenn ja,
    dann frage ich mich, was im Tod noch schlimmer dein kann?!



    Dieses Gedicht hat mich damals sehr nachdenklich gestimmt.
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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Dawn am Sa 30 Aug 2008, 23:13

    Also auf anhieb fällt mir das hier ein. Ich mag Erich Fried.

    Alles was bleibt

    Erich Fried

    Gefühl, Gedanken, seine Nähe,
    der Ton seiner Stimme,
    der Duft seiner Haut
    all das bleibt

    Der Schmerz über das Vergangene,
    der Platz für ihn im Herzen,
    die schönen Stunden
    all das bleibt.

    Jedes Wort, jede Zärtlichkeit
    jede Minute, an die man sich erinnert
    an seine Worte, wie er sagte,
    dass er sie liebt all das bleibt.

    Schmerz und Zorn über das Goodbye ob nun echt,
    ob Eitelkeit, auch der Kampf zwischen Gefühl und Verstand
    auch das bleibt für sehr lange Zeit.

    Schau nach vorn, denk nicht zurück,
    bewahr die schönen Stunden Dir im Herzen,
    atme durch und lieb das Leben
    denn Leben ist es, was für immer bleibt.
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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Salissa am Do 04 Sep 2008, 15:09

    Hier ein wunderschönes Gedicht von meinem Lieblingsdichter Rainer Maria Rilke, dessen Dichtkunst ich wirklich bewundere:


    Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens


    Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Siehe, wie klein dort,
    siehe: die letzte Ortschaft der Worte, und höher,
    aber wie klein auch, noch ein letztes
    Gehöft von Gefühl. Erkennst du's? —
    Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Steingrund
    unter den Händen. Hier blüht wohl
    einiges auf; aus stummem Absturz
    blüht ein unwissendes Kraut singend hervor.
    Aber der Wissende? Ach, der zu wissen begann,
    und schweigt nun, ausgesetzt auf den Bergen des Herzens.
    Da geht wohl, heilen Bewußtseins,
    manches umher, manches gesicherte Bergtier,
    wechselt und weilt. Und der große geborgene Vogel
    kreist um der Gipfel reine Verweigerung. — Aber
    ungeborgen, hier auf den Bergen des Herzens ...
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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Kelly am Do 04 Sep 2008, 15:57

    Jaa, Rilke mag ich auch, mein LIeblingsgedicht ist sein "Der Panther"

    Der Panther

    Sein Blick ist am Vorübergehen der Stäbe
    so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.

    Der weiche Gang geschmeidig, starker Schritte,
    der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
    ist wie ein Tanz voll Kraft um eine Mitte,
    in der betäubt ein großer Wille steht.

    Nur manchmal hebt der Vorhang der Pupille
    sich langsam auf - Dann geht ein Bild hinein,
    geht durch der Glieder angespannter Stille
    und hört im Herzen auf zu sein.

    Ich mag es einfach wegen dem fantastischen Rhythmus, den genialen Reimen und überhaupt der ganzen Idee.
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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Lea am Do 04 Sep 2008, 17:10

    Bloodangel schrieb:Dieses Gedicht habe ich in einer Zeitschrift gefunden. Es ist keine bekannte Autorin. Hoffe es passt trozdem hier rein.


    Tod

    Jasmin Buss

    Warum fürchten wir uns vor ihm?
    Vielleicht ist gerade er das Wundervollste auf Erden?
    Und das Leben?
    Ist nicht dies das Gefängnis?
    Es hält und fest, schreibt uns vor, wie wir zu leben haben.
    Feste Regeln, die nicht gebrochen werden dürfen.
    Von klein an erzählt man uns, wie wir zu leben haben.
    Wiederworte werden bestraft.
    Man lehrt uns, das die Liebe das Schönste der Welt ist,
    aber von dem Schmerz, den sie mit sich trägt,
    wird stest geschwiegen.
    Wenn das Leben wirklich so perfekt ist,
    warum leben wir dann mit Krieg, Hass, Eifersucht?!
    Warum müssen täglich tausend Kinder sterben?
    Warum gibt es Vergewaltigungen, prügelnde Eltern, die ein
    unschuldiges Leben zerstören müssen?!
    Ist das wirklich das ach so tolle Leben?
    Wenn ja,
    dann frage ich mich, was im Tod noch schlimmer dein kann?!




    Dieses Gedicht hat mich damals sehr nachdenklich gestimmt.

    Das regt wirklich zum Nachdenken an. Suspect
    Wenn das Leben wirklich so perfekt ist,
    ich würd statt perfekt schön schreiben, denn niemand hat behauptet, dass das Leben perfekt ist.
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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Tin am Mi 14 Jan 2009, 17:18

    Ich habe eigentlich ziemlich viele Lieblingsgedichte. Eines davon ist dieses hier. Es ist das vorletzte Gedicht von Elizabeth Barrett Brownings (1806 - 61).

    "How do I love thee? Let me count the ways.
    I love thee to the depth and breadth and height
    My soul can reach, when feeling out of sight
    For the ends of being and ideal Grace.
    I love thee to the level of everyday's
    Most quiet need, by sun and candle-light.
    I love thee freely, as men strive for Right;
    I love thee purely, as they trun from Praise.
    I love thee with the passion out to use
    In my old griefs, and with my childhood's faith.
    I love thee with a love I seemed to lose
    With my lost saints, - I love thee with the breath,
    Smiles, tears, of all my life! - and, if God choose,
    I shall but love thee better after death."

    Ich finde den Inhalt, die Botschaft des Gedichtes einfach wunderschön! Die Wortwahl ist sehr gelungen und dem Leser wird sehr deutlich vor Augen geführt, wie sehr die Dichterin ihren Mann (das Gedicht schildert ihre Liebe zu ihm) liebt!
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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Caro am Mo 09 Mai 2011, 09:21

    Oh, das ist aber eine sehr schöne Sammlung, hier. Ich hatte gerade schon ein paar Themen durchstöbert, als ich noch nicht eingeloggt war und dachte, dass ich hierzu aber mal etwas schreiben müsste.
    So viele schöne Gedichte, die alle total zum Nachdenken anregen. Richtig coole Idee, dieser Thread.

    Ich selbst habe leider kein Lieblingsgedicht, denke ich. Zumindest habe ich es noch nicht gefunden. Ich denke, es gibt einfach zu viele gute :)

    Viele liebe Grüße
    Lisa
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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Toschka am Do 10 Apr 2014, 21:01

    Wie schön, wenn man mal ein schönes Gedicht sucht, muss man nur hier rein schauen!  What a Face 
    Meins ist momentan (denn das wechselt manchmal) "der Fremde" von Rilke.

    Ohne Sorgfalt, was die Nächsten dächten,
    die er müde nichtmehr fragen hieß,
    ging er wieder fort; verlor, verließ -.
    Denn er hing an solchen Reisenächten

    anders als an jeder Liebesnacht.
    Wunderbare hatte er durchwacht,
    die mit starken Sternen überzogen
    enge Fernen auseinanderbogen
    und sich wandelten wie eine Schlacht;

    andre, die mit in den Mond gestreuten
    Dörfern, wie mit hingehaltnen Beuten,
    sich ergaben, oder durch geschonte
    Parke graue Edelsitze zeigten,
    die er gerne in dem hingeneigten
    Haupte einen Augenblick bewohnte,
    tiefer wissend, dass man nirgends bleibt;
    und schon sah er bei dem nächsten Biegen
    wieder Wege, Brücken, Länder liegen
    bis an Städte, die man übertreibt.

    Und dies alles immer unbegehrend
    hinzulassen, schien ihm mehr als seines
    Lebens Lust, Besitz und Ruhm.
    Doch auf fremden Plätzen war ihm eines
    täglich ausgetretnen Brunnensteines
    Mulde manchmal wie ein Eigentum.


    Fall irgendwer Spotify hat, möge er sich das Gedicht einmal anhören - es ist das "Best of Rilke Projekt" von Schönherz und Fleer. Einfach wunderbar - auch alles andere, was die so auf die Beine stellen ist absolut hörenswert! :)


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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von CassediMcCollens am Do 10 Apr 2014, 22:21

    "Und es hebt sich aus dem Schatten
    Auf dem Estrich, dumpf und schwer
    Meine Seele - Nimmermehr"

    Mein Lieblingsgedicht, seit vielen Jahren, seit ich es zum ersten mal hörte, ich erwähne jetzt lieber nicht in welchem Zusammenhang, ist und bleibt Der Rabe, von Edgar Allan Poe

    Once upon a midnight dreary, while I pondered weak and weary,
    Over many a quaint and curious volume of forgotten lore,
    While I nodded, nearly napping, suddenly there came a tapping,
    As of some one gently rapping, rapping at my chamber door.
    `'Tis some visitor,' I muttered, `tapping at my chamber door -
    Only this, and nothing more.'

    Ah, distinctly I remember it was in the bleak December,
    And each separate dying ember wrought its ghost upon the floor.
    Eagerly I wished the morrow; - vainly I had sought to borrow
    From my books surcease of sorrow - sorrow for the lost Lenore -
    For the rare and radiant maiden whom the angels name Lenore -
    Nameless here for evermore.

    And the silken sad uncertain rustling of each purple curtain
    Thrilled me - filled me with fantastic terrors never felt before;
    So that now, to still the beating of my heart, I stood repeating
    `'Tis some visitor entreating entrance at my chamber door -
    Some late visitor entreating entrance at my chamber door; -
    This it is, and nothing more,'

    Presently my soul grew stronger; hesitating then no longer,
    `Sir,' said I, `or Madam, truly your forgiveness I implore;
    But the fact is I was napping, and so gently you came rapping,
    And so faintly you came tapping, tapping at my chamber door,
    That I scarce was sure I heard you' - here I opened wide the door; -
    Darkness there, and nothing more.

    Deep into that darkness peering, long I stood there wondering, fearing,
    Doubting, dreaming dreams no mortal ever dared to dream before;
    But the silence was unbroken, and the darkness gave no token,
    And the only word there spoken was the whispered word, `Lenore!'
    This I whispered, and an echo murmured back the word, `Lenore!'
    Merely this and nothing more.

    Back into the chamber turning, all my soul within me burning,
    Soon again I heard a tapping somewhat louder than before.
    `Surely,' said I, `surely that is something at my window lattice;
    Let me see then, what thereat is, and this mystery explore -
    Let my heart be still a moment and this mystery explore; -
    'Tis the wind and nothing more!'

    Open here I flung the shutter, when, with many a flirt and flutter,
    In there stepped a stately raven of the saintly days of yore.
    Not the least obeisance made he; not a minute stopped or stayed he;
    But, with mien of lord or lady, perched above my chamber door -
    Perched upon a bust of Pallas just above my chamber door -
    Perched, and sat, and nothing more.

    Then this ebony bird beguiling my sad fancy into smiling,
    By the grave and stern decorum of the countenance it wore,
    `Though thy crest be shorn and shaven, thou,' I said, `art sure no craven.
    Ghastly grim and ancient raven wandering from the nightly shore -
    Tell me what thy lordly name is on the Night's Plutonian shore!'
    Quoth the raven, `Nevermore.'

    Much I marvelled this ungainly fowl to hear discourse so plainly,
    Though its answer little meaning - little relevancy bore;
    For we cannot help agreeing that no living human being
    Ever yet was blessed with seeing bird above his chamber door -
    Bird or beast above the sculptured bust above his chamber door,
    With such name as `Nevermore.'

    But the raven, sitting lonely on the placid bust, spoke only,
    That one word, as if his soul in that one word he did outpour.
    Nothing further then he uttered - not a feather then he fluttered -
    Till I scarcely more than muttered `Other friends have flown before -
    On the morrow he will leave me, as my hopes have flown before.'
    Then the bird said, `Nevermore.'

    Startled at the stillness broken by reply so aptly spoken,
    `Doubtless,' said I, `what it utters is its only stock and store,
    Caught from some unhappy master whom unmerciful disaster
    Followed fast and followed faster till his songs one burden bore -
    Till the dirges of his hope that melancholy burden bore
    Of "Never-nevermore."'

    But the raven still beguiling all my sad soul into smiling,
    Straight I wheeled a cushioned seat in front of bird and bust and door;
    Then, upon the velvet sinking, I betook myself to linking
    Fancy unto fancy, thinking what this ominous bird of yore -
    What this grim, ungainly, ghastly, gaunt, and ominous bird of yore
    Meant in croaking `Nevermore.'

    This I sat engaged in guessing, but no syllable expressing
    To the fowl whose fiery eyes now burned into my bosom's core;
    This and more I sat divining, with my head at ease reclining
    On the cushion's velvet lining that the lamp-light gloated o'er,
    But whose velvet violet lining with the lamp-light gloating o'er,
    She shall press, ah, nevermore!

    Then, methought, the air grew denser, perfumed from an unseen censer
    Swung by Seraphim whose foot-falls tinkled on the tufted floor.
    `Wretch,' I cried, `thy God hath lent thee - by these angels he has sent thee
    Respite - respite and nepenthe from thy memories of Lenore!
    Quaff, oh quaff this kind nepenthe, and forget this lost Lenore!'
    Quoth the raven, `Nevermore.'

    `Prophet!' said I, `thing of evil! - prophet still, if bird or devil! -
    Whether tempter sent, or whether tempest tossed thee here ashore,
    Desolate yet all undaunted, on this desert land enchanted -
    On this home by horror haunted - tell me truly, I implore -
    Is there - is there balm in Gilead? - tell me - tell me, I implore!'
    Quoth the raven, `Nevermore.'

    `Prophet!' said I, `thing of evil! - prophet still, if bird or devil!
    By that Heaven that bends above us - by that God we both adore -
    Tell this soul with sorrow laden if, within the distant Aidenn,
    It shall clasp a sainted maiden whom the angels name Lenore -
    Clasp a rare and radiant maiden, whom the angels name Lenore?'
    Quoth the raven, `Nevermore.'

    `Be that word our sign of parting, bird or fiend!' I shrieked upstarting -
    `Get thee back into the tempest and the Night's Plutonian shore!
    Leave no black plume as a token of that lie thy soul hath spoken!
    Leave my loneliness unbroken! - quit the bust above my door!
    Take thy beak from out my heart, and take thy form from off my door!'
    Quoth the raven, `Nevermore.'

    And the raven, never flitting, still is sitting, still is sitting
    On the pallid bust of Pallas just above my chamber door;
    And his eyes have all the seeming of a demon's that is dreaming,
    And the lamp-light o'er him streaming throws his shadow on the floor;
    And my soul from out that shadow that lies floating on the floor
    Shall be lifted - nevermore!


    zu Deutsch

    Der Rabe



    Einst, um eine Mittnacht graulich, da ich trübe sann und traulich
    müde über manchem alten Folio lang vergess'ner Lehr'-
    da der Schlaf schon kam gekrochen, scholl auf einmal leis ein Pochen,
    gleichwie wenn ein Fingerknochen pochte, von der Türe her.
    "'s ist Besuch wohl", murrt' ich, "was da pocht so knöchern zu mir her -
    das allein - nichts weiter mehr.



    Ah, ich kann's genau bestimmen: im Dezember war's, dem grimmen,
    und der Kohlen matt Verglimmen schuf ein Geisterlicht so leer.
    Brünstig wünscht' ich mir den Morgen;- hatt' umsonst versucht zu borgen
    von den Büchern Trost dem Sorgen, ob Lenor' wohl selig wär'-
    ob Lenor', die ich verloren, bei den Engeln selig wär'-
    bei den Engeln - hier nicht mehr.



    Und das seidig triste Drängen in den purpurnen Behängen
    füllt', durchwühlt' mich mit Beengen, wie ich's nie gefühlt vorher;
    also daß ich den wie tollen Herzensschlag mußt' wiederholen:
    "'s ist Besuch nur, der ohn' Grollen mahnt, daß Einlaß er begehr'-
    nur ein später Gast, der friedlich mahnt, daß Einlaß er begehr':-
    ja, nur das - nichts weiter mehr."



    Augenblicklich schwand mein Bangen, und so sprach ich unbefangen:
    "Gleich, mein Herr - gleich, meine Dame - um Vergebung bitt' ich sehr;
    just ein Nickerchen ich machte, und Ihr Klopfen klang so sachte,
    daß ich kaum davon erwachte, sachte von der Türe her -
    doch nun tretet ein!" - und damit riß weit auf die Tür ich - leer!
    Dunkel dort - nichts weiter mehr.



    Tief ins Dunkel späht' ich lange, zweifelnd, wieder seltsam bange,
    Träume träumend, wie kein sterblich Hirn sie träumte je vorher;
    doch die Stille gab kein Zeichen; nur ein Wort ließ hin sie streichen
    durch die Nacht, das mich erbleichen ließ: das Wort "Lenor'?" so schwer -
    selber sprach ich's, und ein Echo murmelte's zurück so schwer:
    nur "Lenor'!" - nichts weiter mehr.



    Da ich nun zurück mich wandte und mein Herz wie Feuer brannte,
    hört' ich abermals ein Pochen, etwas lauter denn vorher.
    "Ah, gewiß", so sprach ich bitter, "liegt's an meinem Fenstergitter;
    Schaden tat ihm das Gewitter jüngst - ja, so ich's mir erklär';-
    schweig denn still, mein Herze, lass mich nachsehn, daß ich's mir erklär':-
    's ist der Wind - nichts weiter mehr!"



    Auf warf ich das Fenstergatter, als herein mit viel Geflatter
    schritt ein stattlich stolzer Rabe wie aus Sagenzeiten her;
    Grüßen lag ihm nicht im Sinne; keinen Blick lang hielt er inne;
    mit hochherrschaftlicher Miene flog empor zur Türe er -
    setzt' sich auf die Pallas-Büste überm Türgesims dort - er
    flog und saß - nichts weiter mehr.



    Doch dies ebenholzne Wesen ließ mein Bangen rasch genesen,
    ließ mich lächeln ob der Miene, die es macht' so ernst und hehr:
    "Ward dir auch kein Kamm zur Gabe", sprach ich, "so doch stolz Gehabe,
    grauslich grimmer alter Rabe, Wanderer aus nächtger Sphär'-
    sag, welch hohen Namen gab man dir in Plutos nächtger Sphär'?"
    Sprach der Rabe, "Nimmermehr."



    Staunend hört' dies rauhe Klingen ich dem Schnabel sich entringen,
    ob die Antwort schon nicht eben sinnvoll und bedeutungsschwer;
    denn wir dürfen wohl gestehen, daß es keinem noch geschehen,
    solch ein Tier bei sich zu sehen, das vom Türgesimse her -
    das von einer Marmor-Büste überm Türgesimse her
    sprach, es heiße "Nimmermehr."



    Doch der droben einsam ragte und dies eine Wort nur sagte,
    gleich als schütte seine Seele aus in diesem Worte er,
    keine Silbe sonst entriß sich seinem düstren Innern, bis ich
    seufzte: "Mancher Freund verließ mich früher schon ohn' Wiederkehr -
    morgen wird er mich verlassen, wie mein Glück - ohn' Wiederkehr."
    Doch da sprach er, "Nimmermehr!"



    Einen Augenblick erblassend ob der Antwort, die so passend,
    sagt' ich, "Fraglos ist dies alles, was das Tier gelernt bisher:
    's war bei einem Herrn in Pflege, den so tief des Schicksals Schläge
    trafen, daß all seine Wege schloß dies eine Wort so schwer -
    daß' all seiner Hoffnung Lieder als Refrain beschloß so schwer
    dies "Nimmer - nimmermehr."



    Doch was Trübes ich auch dachte, dieses Tier mich lächeln machte,
    immer noch, und also rollt' ich stracks mir einen Sessel her
    und ließ die Gedanken fliehen, reihte wilde Theorien,
    Phantasie an Phantasien: wie's wohl zu verstehen wär'-
    wie dies grimme, ominöse Wesen zu verstehen wär',
    wenn es krächzte "Nimmermehr."



    Dieses zu erraten, saß ich wortlos vor dem Tier, doch fraß sich
    mir sein Blick ins tiefste Innre nun, als ob er Feuer wär';
    brütend über Ungewissem legt' ich, hin und her gerissen,
    meinen Kopf aufs samtne Kissen, das ihr Haupt einst drückte hehr -
    auf das violette Kissen, das ihr Haupt einst drückte hehr,
    doch nun, ach! drückt nimmermehr!



    Da auf einmal füllten Düfte, dünkt' mich, weihrauchgleich die Lüfte,
    und seraphner Schritte Klingen drang vom Estrich zu mir her.
    "Ärmster", rief ich, "sieh, Gott sendet seine Engel dir und spendet
    Nepenthes, worinnen endet nun Lenor's Gedächtnis schwer;-
    trink das freundliche Vergessen, das bald tilgt, was in dir schwer!"
    Sprach der Rabe, "Nimmermehr."



    "Ah, du prophezeist ohn' Zweifel, Höllenbrut! Ob Tier, ob Teufel -
    ob dich der Versucher sandte, ob ein Sturm dich ließ hierher,
    trostlos, doch ganz ohne Bangen, in dies öde Land gelangen,
    in dies Haus, von Graun umpfangen,- sag's mir ehrlich, bitt' dich sehr -
    gibt es - gibt's in Gilead Balsam?- sag's mir - sag mir, bitt' dich sehr!"
    Sprach der Rabe, "Nimmermehr."



    "Ah! dann nimm den letzten Zweifel, Höllenbrut - ob Tier, ob Teufel!
    Bei dem Himmel, der hoch über uns sich wölbt - bei Gottes Ehr'-
    künd mir: wird es denn geschehen, daß ich einst in Edens Höhen
    darf ein Mädchen wiedersehen, selig in der Engel Heer -
    darf Lenor', die ich verloren, sehen in der Engel Heer?"
    Sprach der Rabe, "Nimmermehr."



    "Sei denn dies dein Abschiedszeichen", schrie ich, "Unhold ohnegleichen!
    Hebe dich hinweg und kehre stracks zurück in Plutos Sphär'!
    Keiner einz'gen Feder Schwärze bleibe hier, dem finstern Scherze
    Zeugnis! Laß mit meinem Schmerze mich allein!- hinweg dich scher!
    Friß nicht länger mir am Leben! Pack dich! Fort! Hinweg dich scher!"
    Sprach der Rabe, "Nimmermehr."



    Und der Rabe rührt' sich nimmer, sitzt noch immer, sitzt noch immer
    auf der bleichen Pallas-Büste überm Türsims wie vorher;
    und in seinen Augenhöhlen eines Dämons Träume schwelen,
    und das Licht wirft seinen scheelen Schatten auf den Estrich schwer;
    und es hebt sich aus dem Schatten auf dem Estrich dumpf und schwer
    meine Seele - nimmermehr.




    Ich finde es einfach faszinierend...
    Dieser Gedanke dahinter...
    Denn der Mann in diesem Gedicht, zerstört sich letzten Endes selbst, mit den Fragen die er stellt, obwohl er sich der Antwort doch bewusst sein müsste...
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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Clouchen am So 27 Apr 2014, 21:52

    Ich lese zwar nicht gezielt irgendwelche Gedichtbände (würde ich gerne, ich besitze/finde nur keine), bin aber in der Werkesammlung von Ödön von Horváth (den ich sehr sehr sehr gern habe) auf das hier gestoßen, das mir sehr gefiel:

    Das Teehausmädchen

    Das Teehausmädchen erwachte... 
    und alles lag vom Tau berauscht im Kreise, nur leise 
    enteilte die Zeit.
    und das Teehausmädchen tanzte... 
    und da tanzten die Wogen, die Wälder, die Wolken, die 
    Welten ... und alles spielte und sang im Kreise, nur leise 
    enteilte die Zeit. 
    Sieh, sogar die rote Sonne tanzt! 
    doch schon glitt sie aus ... saust hinab in endlosem 
    Raum... 
    Sieh, die rote Sonne starb.
    Und da Mond und Sterne noch schliefen ward es ewige 
    Nacht.
    Es erwachte nie wieder ... 
    Das Teehausmädchen.
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    Von allen bewunderter Meister der Künste
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    Ich schreibe : Momentan an Sie Sagen Van Gogh Hat Gelbe Farbe Gefressen.
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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Baltimore am So 27 Apr 2014, 22:40

    Ich liebe Gedichtebände! Habe selbst hauptsächlich mehrere Sammelwerke von Rainer Maria Rilke und Goethe, mag aber auch John Keats und e e cummings und sylvia plath und überhaupt.
    Mein absolutes Lieblingsgedicht ist von Rilke:

    "Das ist die Sehnsucht: Wohnen im Gewoge
    und keine Heimat haben in der Zeit.
    Und das sind Wünsche: Leise Dialoge
    täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

    Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
    die Einsamste von allen Stunden steigt,
    die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
    dem Ewigen entgegenschweigt."

    Mit seinen späteren Werken kann ich nicht so viel anfangen. Vor allem die Elegien sind mir ein Graus ^_^°
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    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Teleri am Do 08 Mai 2014, 13:30

    Kurt Tucholsky

    Mutters Hände

    Hast uns Stulln jeschnitten
    un Kaffe jekocht
    un de Töppe rübajeschohm -
    un jewischt und jenäht
    un jemacht und jedreht ...
    alles mit deine Hände.

    Hast de Milch zujedeckt,
    uns Bonbons zujesteckt
    un Zeitungen ausjetragen -
    hast die Hemden jezählt
    und Kartoffeln jeschält ...
    alles mit deine Hände.

    Hast uns manches Mal
    bei jroßen Schkandal
    auch n Katzenkopp jejeben.
    Hast uns hochjebracht,
    Wir wahn Sticker acht,
    sechse sind noch am Leben ...
    alles mit deine Hände.

    Heiß warn se un kalt.
    Nu sind se alt.
    Nu bist du bald am Ende.
    Da stehn wa nu hier,
    und denn komm wir bei dir
    und streicheln deine Hände.

    Ich bin ein großer Fan von Tucholsky und das war eines der Gedichte, das ich ausgewählt habe, als ich selbst auswählen durfte, welches Gedicht ich in der Schule auswendig war. Ich war vierzehn. Das weiß ich ganz genau.
    Ich habe eine sehr sehr persönliche Beziehung zu dem Gedicht ^^
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    Alix
    Diener eines Meisters der Künste
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    Texte : Alix
    Kunst : Alix

    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Alix am So 20 Jul 2014, 23:11

    Erich Kästner
    Kleines Solo

    Einsam bist du sehr alleine.
    Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
    Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
    Träumst von Liebe. Glaubst an keine:

    Kennst das Leben. Weißt Bescheid.
    Einsam bist du sehr alleine –
    und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

    Wünsche gehen auf die Freite.
    Glück ist ein verhexter Ort.
    Kommt dir nahe. Weicht zur Seite.
    Sucht vor Suchenden das Weite.
    Ist nie hier. Ist immer dort.

    Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
    Einsam bist du sehr alleine –
    und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

    Schenkst dich hin. Mit Haut und Haaren.
    Magst nicht bleiben, wer du bist.
    Liebe treibt die Welt zu Paaren.
    Wirst getrieben. Musst erfahren,
    dass es nicht die Liebe ist…

    Bist sogar im Kuss alleine.
    Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
    Gehst ans Fenster. Starrst auf Steine.
    Brauchtest Liebe. Findest keine.

    Träumst vom Glück. Und lebst im Leid.
    Einsam bist du sehr alleine –
    und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.
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    Lia
    Freier Kunstschaffender
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    Beiträge : 989
    Laune : Ich bin so gut, ich krieg Heroin Chic ohne Heroin hin.
    Ich schreibe : Mal dies, mal das.
    Texte : Lia
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    Sonstiges : Keep calm and rock on.

    Re: Eure Lieblingsgedichte

    Beitrag von Lia am Mo 21 Jul 2014, 11:40

    Eines meienr absoluten lieblingsgedicht ist das hier. ^^

    Die Irren
    (Rainer Maria Rilke)

    Und sie schweigen, weil die Scheidewände
    weggenommen sind aus ihrem Sinn,
    und die Stunden, da man sie verstände,
    heben an und gehen hin.

    Nächtens oft, wenn sie ans Fenster treten:
    plötzlich ist es alles gut.
    Ihre Hände liegen im Konkreten,
    und das Herz ist hoch und könnte beten,
    und die Augen schauen ausgeruht

    auf den unverhofften, oftentstellten
    Garten im beruhigten Geviert,
    der im Widerschein der fremden Welten
    weiterwächst und niemals sich verliert.

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    Re: Eure Lieblingsgedichte

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      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Fr 20 Okt 2017, 19:43