" Hallo Kinder! Ich bin Eure Oma Trude. Das ist die Geschichte von meiner Enkelin Carolin und mir. Wie langweilig denkt ihr jetzt bestimmt...?! Aber da irrt ihr euch gewaltig! Ich bin nämlich nicht irgendeine Omi, die nur sabbernd ihren Kaffee schlürft und Socken stopft, nee nee - na ja , manchmal schon ein klein wenig, aber nur, wenn ich meine Dritten im Glas habe - sondern ich bin Powertrude, eine Oma für´s Leben. Was es damit auf sich hat, werdet ihr erfahren, wenn ihr eure Schundromane beiseite legt und meiner Geschichte lauscht. Manche mögen mich für schrullig halten, aber in Wahrheit bin ich das Resultat eines unglaublichen (fehlgeschlagenen) Experiments..."
Powertrude – Eine Oma für’s Leben
Teil 1 (Heralina)
Oma Gertrude saß gemütlich in ihrem Lehnstuhl vor dem Fernseher und strickte an einem Schal für Carolin. Das Mädchen fläzte sich ihr gegenüber auf der Couch und las in einem Buch. Gertude hatte vorhin gefragt, was das denn für ein Roman sei, aber nachdem ihre Enkelin davon erzählt hatte, wollte sie diesen „Texterguss“ nicht mehr Roman nennen. Ihrer Meinung nach war das Schund. Und nannte sich „Deutsche Jugendliteratur“. Literatur! Solche Schriften zogen diesen Begriff in den Dreck. Eine Schande war das. Als sie noch jung war, da gab es noch anständige Literatur; Tucholsky, Kafka, Mann, Hesse … Ja, das waren damals noch Zeiten.
Plötzlich zuckte die alte Frau zusammen. Oh nein, nicht doch … Ein paar Maschen waren abgerutscht. Gertrude seufzte und zog sie sorgfältig wieder auf. Jetzt musste sie einen Teil noch einmal machen.
„Alles okay, Oma?“, erkundigte sich Carolin.
Diese widerlichen Anglizismen … okay.
„Freilich. Hatte bloß ein paar Maschen verloren.“
Als sie noch in dem Alter ihrer Enkelin gewesen war, war es modern, Französisch zu sprechen. Doch inzwischen war das längst von Englisch abgelöst worden. Ebenso eine Schande.
„Zefix!“ Schon wieder waren Maschen abhandengekommen.
Carolin horchte auf. „Oma?“
„Jaa?“, fragte Gertrude genervt.
„Vielleicht solltest du das Stricken für heute sein lassen.“
„Wieso?“
Das Mädchen klappte ihr Buch zusammen und legte es auf den Couchtisch. „Du scheinst dich nicht mehr richtig konzentrieren zu können.“
„Ach, ist schon in Ordnung.“
„Nun komm schon, ich mach’ mir Sorgen“, erwiderte Carolin und baute sich vor ihrer Oma auf.
„Nein ehrlich, mir geht’s gut“, erwiderte diese stur. Ein guter Zeitpunkt, um das Thema zu wechseln. „Keine Lust mehr auf Lesen?“
„Nee, die Story ist dumm.“
Schrecklich, dieser Jugendjargon. „Dumm? Vorhin warst du doch noch so begeistert von der Geschichte.“
„Ja, aber der Hauptcharakter macht ständig mit anderen Frauen rum. Das ist voll nervig.“
„Hab dir gleich gesagt, dass das nichts taugt“, entgegnete Gertrude und strickte unbeirrt weiter. Carolin schwieg und starrte zur Seite aus dem Fenster.
„Lies doch mal etwas Niveauvolles, Kind.“
Powertrude – Eine Oma für’s Leben
Teil 1 (Heralina)
Oma Gertrude saß gemütlich in ihrem Lehnstuhl vor dem Fernseher und strickte an einem Schal für Carolin. Das Mädchen fläzte sich ihr gegenüber auf der Couch und las in einem Buch. Gertude hatte vorhin gefragt, was das denn für ein Roman sei, aber nachdem ihre Enkelin davon erzählt hatte, wollte sie diesen „Texterguss“ nicht mehr Roman nennen. Ihrer Meinung nach war das Schund. Und nannte sich „Deutsche Jugendliteratur“. Literatur! Solche Schriften zogen diesen Begriff in den Dreck. Eine Schande war das. Als sie noch jung war, da gab es noch anständige Literatur; Tucholsky, Kafka, Mann, Hesse … Ja, das waren damals noch Zeiten.
Plötzlich zuckte die alte Frau zusammen. Oh nein, nicht doch … Ein paar Maschen waren abgerutscht. Gertrude seufzte und zog sie sorgfältig wieder auf. Jetzt musste sie einen Teil noch einmal machen.
„Alles okay, Oma?“, erkundigte sich Carolin.
Diese widerlichen Anglizismen … okay.
„Freilich. Hatte bloß ein paar Maschen verloren.“
Als sie noch in dem Alter ihrer Enkelin gewesen war, war es modern, Französisch zu sprechen. Doch inzwischen war das längst von Englisch abgelöst worden. Ebenso eine Schande.
„Zefix!“ Schon wieder waren Maschen abhandengekommen.
Carolin horchte auf. „Oma?“
„Jaa?“, fragte Gertrude genervt.
„Vielleicht solltest du das Stricken für heute sein lassen.“
„Wieso?“
Das Mädchen klappte ihr Buch zusammen und legte es auf den Couchtisch. „Du scheinst dich nicht mehr richtig konzentrieren zu können.“
„Ach, ist schon in Ordnung.“
„Nun komm schon, ich mach’ mir Sorgen“, erwiderte Carolin und baute sich vor ihrer Oma auf.
„Nein ehrlich, mir geht’s gut“, erwiderte diese stur. Ein guter Zeitpunkt, um das Thema zu wechseln. „Keine Lust mehr auf Lesen?“
„Nee, die Story ist dumm.“
Schrecklich, dieser Jugendjargon. „Dumm? Vorhin warst du doch noch so begeistert von der Geschichte.“
„Ja, aber der Hauptcharakter macht ständig mit anderen Frauen rum. Das ist voll nervig.“
„Hab dir gleich gesagt, dass das nichts taugt“, entgegnete Gertrude und strickte unbeirrt weiter. Carolin schwieg und starrte zur Seite aus dem Fenster.
„Lies doch mal etwas Niveauvolles, Kind.“










