So, hab mir mal was Kleines erlaubt ... Hoffe, das ist für dich okay, Marie

Zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit warf Andrew Morgan einen Blick auf seine Armbanduhr. Kurz vor halb vier. Er hatte also immer noch ausreichend Zeit. Aber einen fremden Typen treffen, der in seiner Geheimnistuerei noch nicht einmal seinen Namen nennen wollte?
Wer weiß, was das für eine zwielichtige Gestalt war. Morgan hatte immerhin so viele Horrorstreifen gesehen, dass ihm einiges dazu einfiel, was man nach dieser Lockmethode mit ihm anstellen könnte.
Aber wie so oft wurde seine Angst von Neugierde besiegt.
„Selbstverständlich“, sagte er und gab seiner Stimme einen leicht entrüsteten Unterton.
„Gut“, erwiderte der Mann am anderen Ende der Funkleitung. „Wir sehen uns dann in einer halben Stunde im Stadtpark an der hohlen Eiche. Die kennen Sie doch, oder?“
Morgan fühlte sich ein wenig überrumpelt, aber er sagte nichts deswegen. „Ja.“
„Noch besser. Bis dann.“ Und schon hatte der Fremde aufgelegt.
„Warten Sie!“, rief der Anwalt noch nervös in den Hörer, aber natürlich bekam er keine Antwort mehr.
Wie sollte er den Mann bloß erkennen? Und weshalb nahm der sich die Frechheit heraus, ihn gleich, ohne sich vorzustellen, mit derartig mysteriösen Dingen zu konfrontieren? Wirklich sehr rätselhaft.
Morgan drückte auf den roten Knopf des Handtelefons, klappte es zu und ließ es wieder in der Tasche seines schwarzen Jacketts verschwinden, während er noch den Kopf schüttelte.
Dann setzte er seinen Gang fort und schlug die Richtung zu der großen Grünanlage in der Innenstadt ein.
Er wollte zu Fuß gehen, denn den Mercedes hatte er heute zu Hause stehen lassen, weil man früh bei dem Verkehr mit dem Auto ohnehin langsamer war als ohne. Und ein Taxi kostete unnötig Geld.
Andrew Morgan beschleunigte seinen Schritt, um ja nicht zu spät zu kommen. Dennoch war es kurz nach halb, als er besagte Eiche am Rande des Parks erreichte. Aber es stand niemand dort, der auf ihn wartete. Sowohl gespannt als auch irritiert sah er sich um. Auf einer Bank in der Nähe saß eine junge Frau und las in einem Magazin. Sonst war kein Mensch zu sehen.
Morgan hasste Unpünktlichkeit. Der Mann hatte doch selbst die Uhrzeit vorgeschlagen, weshalb kam er dann zu spät? Oder machte es ihm Spaß, ihn zappeln zu lassen? Gehörte das etwa zu einem perversen Spiel, wie es in so manch einem Horrorfilm gezeigt wird?
Ungeduldig warf er schon wieder einen Blick auf seine Rolex – es war inzwischen Viertel vor vier – und wippte mit seinem Fuß auf und ab. Entnervt stöhnte er auf und fuhr herum, um zu sehen, ob sich dieser Kerl vielleicht aus der anderen Richtung näherte. Schlagartig zuckte er vor Schreck zusammen. Hinter ihm stand ein Mann und grinste ihn an, während er ihm die Hand reichte.
„Sie müssen Mister Morgan sein, schätze ich“, sagte er. Er war augenscheinlich schon ein paar Jahre älter als der Jurist, denn sein dunkles Haar war bereits grau meliert.
„Ja“, entgegnete der Angesprochene verdutzt, schüttelte die ihm dargereichte Hand und wusste im ersten Moment nichts zu sagen, da er sich noch von dem Schrecken erholen musste, den ihm das plötzliche Auftauchen des Mannes eingejagt hatte. Morgan hatte ihn mit keinem Anzeichen kommen hören. „Und wer sind Sie?“
„Zoc. Mein Name ist Professor Zoc.“