Chaperon Rouge
Der Wald, sieh nur, wie schön er ist.
Sieh dort, die Blumen und Pilze im grünen Grase.
Willst du sie nicht pflücken gehen?
Und die roten Beeren, wie sie leuchten.
Riech nur einmal an ihnen.
Spürst du das Verlangen sie auf der Zunge zergehen zu lassen?
Geh nur und iss sie.
Komm näher.
Immer tiefer ins Gesträuch.
Komm zu mir.
Doch bedenke, hinter jedem lichtbestrahlten Baum, lauern Schatten.
Prolog
Die Nacht war eiskalt und der winterliche Wind der um das alte Haus fegte drang durch alle Ritzen der morschen Wände.
Zitternd lag das kleine Mädchen im Bett und versuchte sich schnellst möglich aufzuwärmen um einschlafen zu können. Sie zog sich die Decke bis unters Kinn und presste das Kissen auf ihren Kopf.
Der Sturm und das Klatschen der Regentropfen auf dem Dach machten ihr angst.
Die Schatten der Nacht schienen sie fressen zu wollen.
Nach einer Weile war es ihr genug.
Schlotternd stieg sie aus dem Bett, schlüpfte in die alten Pantoffeln und stieg die Treppe herab zum Zimmer ihrer Mutter.
„Mama??“
Sie klopfte zaghaft an die Tür, hinter welcher schmatzende Geräusche zu hören waren. Ein Schauer fuhr durch den zierlichen Körper und jagde der Kleinen eine lähmende Panik durch die Knochen.
Ihre winzigen Hände wanderten zum Türknauf und öffneten sie einen Spalt weit.
Es war stockfinster im Raum der Mutter. Nur das Fenster stand sperangel weit offen.
Der Wind blähte die Gardinen gespenstisch auf und lies sie durchs Zimmer flattern wie hungrige Geister.
Das schmatzende Geräusch verstummte augenblicklich und sie sah einen großen Schatten vom Bett springen.
Mit geweiteten Augen wich das Mädchen zurück und krallte sich an den Türrahmen.
„M... Mama??“
Ihre Stimme war nicht mehr als ein heiseres Flüstern.
Die Angst schnürte ihr die Kehle zu.
Plötzlich kamen schwere Schritte auf sie zu. Man hörte Krallen über den Holzboden kratzen und bald schon stank es nach Blut und schmutzigem, besudelten Fell.
Sie wich weitere Schritte rückwärts, lehnte sich an die Wand und hielt erschrocken den Atem an.
„Bist du es Mama?“, hauchte sie schließlich schwach, doch anstatt der ersehnten Antwort durchdrang ein tiefes Grollen den Flur.
Stinkender, feuchter Atem schlug ihr ins weiße Gesicht.
„Dummes kleines Kind. Dachtest doch wirklich euer Retter in der Not hätte mich damals erledigt. Doch nur durch eine kleine Kugel löscht man mir nicht das Leben. Vielleicht sollte ich dir die weiteren seelischen Qualen ersparen und dich auf der Stelle zerfetzen, doch was wäre ich dann für ein Spielverderber? Ich hoffe wir sehen uns wieder kleines Rotkäppchen.“, knurrte eine tiefe Stimme und ein ekelerregender Gestank fuhr dem Mädchen in die Nase.
Dann war der Wolf verschwunden.
Panisch rannte sie in die Küche, entzündete eine Kerze und hastete zurück zum Zimmer ihrer Mutter.
Sie trat ein und ging zum Bett.
Die Kerze fiel der Kleinen aus den zarten Händchen als sie den Anblick der geliebten Mutter ertragen musste und das Licht erlosch.
In sich zusammengesunken übergab sich das Mädchen auf dem Boden und blieb zitternd und weinend liegen.
„Nein... Mutter, bitte nicht.“











Oder doch ganz oben als "Einleitung??" 










