Pooly's Kunst und Schreibforum

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Pooly & Co.

    Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

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    Jadelyn
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mi 19 Jul 2017, 18:09

    Ria Weber

    "Sie leben damit zu wissen, worauf das alles hinausläuft. Sie unterstützen es aktiv. Warum sollte ein Einzelschicksal sie plötzlich kümmern?" Noch immer glaubte sie ihm nicht.
    Dass es sinnlos gewesen wäre, sich inhaftieren zu lassen, glaubte sie jedoch sofort. Ebenso wie die Prognose, was ihr Umfeld betraf. Natürlich würde er das tun. Und damit war es keine Option mehr, selbst wenn sie von Elias' Seite aus aufrichtig gemeint gewesen war.
    "Also haben Sie mir ein Angebot unterbreitet, von dem Sie wussten, dass ich es nicht annehmen werde, um Ihr Gewissen zu beruhigen?", kam sie zu einer anderen Interpretation des Ganzen.
    "Dann ... räumen Sie ihn selbst aus dem Weg", schlug sie eine andere Möglichkeit vor. Unfassbar, sie meinte das noch nicht einmal wirklich unernst. Wenn Elias tatsächlich mit den Zielen der IMA, oder aber zumindest Elias', haderte, war das doch die logischste Option, um ihn loszuwerden und sich vor Rache zu schützen.
    Bitter. Diese ganze Angelegenheit war außerordentlich bitter und sie hatte das Gefühl, von oben herab diese beiden Personen zu beobachten, die so ein Gespräch führten.
    "Wie ... kann ich Lars überhaupt davon überzeugen, mit niemandem darüber zu reden? Wieso sollte er mir glauben, dass ich nicht vorhabe, irgendwem davon zu erzählen?" Verdammt, das hatte sie tatsächlich nicht vor, sie würde nicht mal ihrem verdammten Tagebuch davon erzählen. Das war einfach alles so unmöglich, dass es Dutzende Gründe gab, es für sich zu behalten, der wichtigste war natürlich, andere vor Schaden zu bewahren. Sich retten konnte sie ja offensichtlich ohnehin nicht mehr, aber sie wollte niemanden sonst in diese Misere mit reinreiten.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mi 19 Jul 2017, 18:23

    Elias Vahrenholz

    „Ich …“ Ja, gute Frage, was eigentlich? „Ich war vor über 20 Jahren der Meinung, dass das der richtige Weg wäre. Ich bin mir seit geraumer Zeit nicht mehr so sicher. Ich versuche es mir schönzureden, weil ich weiß, dass ich auf keinen Fall einen Rückzieher machen könnte.“ Er fand ja auch nicht grundsätzlich alles schlecht. Er glaubte zum Teil noch immer an die Ziele der IMA. Nur hatte sich mittlerweile auf der Contra-Seite verflucht viel angestaut. „Ich versuche normalerweise, nicht darüber nachzudenken. Aber als ich deine Panikattacke gesehen habe …“ Er rang mit den Worten. „Es ist einfach wirklich nicht fair.“ Aber welche Möglichkeit hatte Elias schon, etwas daran zu ändern? „Und nein, ich dachte, es wäre vielleicht wirklich eine Möglichkeit für dich. Aber ich kann trotzdem nachvollziehen, dass du es nicht möchtest.“
    Elias lachte auf. Es klang vielleicht ein bisschen wahnsinnig und mit Sicherheit klang es nicht im Geringsten amüsiert. „Bei dem Versuch würde ich draufgehen. Lars würde mich unangespitzt in den Boden rammen.“ Elias hielt sich selbst für keinen schlechten Kämpfer. Als Aktiver war er recht gut trainiert und Lars hatte den Nachteil, zwanzig Jahre im Gefängnis verbracht zu haben. Zwanzig Jahre, in denen er, von ein paar Knastprügeleien vielleicht mal abgesehen, nicht gekämpft hatte. Trotzdem glaubte er nicht daran, dass er eine reelle Chance gegen ihn gehabt hätte. „Und selbst wenn ich gegen ihn eine Chance hätte, würde David ihm zur Hilfe eilen. Und David ist …“ Elias schüttelte nur den Kopf. „Sagen wir, dass David vermutlich in der Lage wäre, mit Lars und mir gleichzeitig den Boden aufzuwischen.“ Was auch nicht weiter verwunderlich war in Anbetracht der Tatsache, dass dessen Vater ihn von Kindesbeinen an zu einer verfluchten menschlichen Kampfmaschine ausgebildet hatte. Das war also auch keine Option.
    „Ich weiß es nicht.“ Das war zumindest ehrlich. „Aber ich weiß auch nicht, ob das eine große Rolle für ihn spielt. Unser Ziel ist es ja, die Magie zu enthüllen. Wenn dein Umfeld davon erfährt, stört es ihn vermutlich nicht einmal.“ War nur möglich, dass er ihrer Familie und ihren Freunden später etwas antun würde, einfach nur um sie zu quälen. Aber das sagte er ihr jetzt lieber nicht auch noch.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mi 19 Jul 2017, 18:33

    Ria Weber

    Noch immer wollte sie nicht recht glauben, dass gerade ihr Zusammenbrechen bei diesem Mann etwas bewirkt hatte. Aber gut, sie wollte einiges nicht glauben und vielleicht war ja sogar doch etwas an seinen Worten dran. Sie wusste es nicht und es machte ja auch im Grunde keinen Unterschied.
    „Ich kann … nicht noch mehr Leute in diese Scheiße mit reinziehen.“
    Sie schwieg einen Moment. Elias' Äußerungen schienen nicht gerade beglückend. „Und wenn man David davon überzeugt, diesen Weg sein zu lassen?“, überlegte sie einen anderen Ansatz, der vermutlich genau so utopisch war, aber wie sollte sie da auch irgendwelche konstruktiven Vorschläge machen können, wenn das nicht mal die Übernatürlichen selber schafften?
    Also sollte es egal sein, ob sie etwas darüber erzählte, oder nicht? Das erschien ihr unwahrscheinlich. Andererseits … sie lachte freundlos auf. „Vermutlich fände er es sogar witzig, wenn die mich dann einweisen lassen würden.“
    Ja, der Kerl schien eine Menge witzig zu finden und vermutlich war tatsächlich jeder Schritt, den sie nun machen konnte, irgendwie erheiternd für ihn.
    „Wieso ich?“, fragte sie Elias. „Er hat sich in dem Chatroom auch mit wie vielen anderen unterhalten. Was war ausgerechnet an dem Gespräch mit mir to toll, dass er ...“ Sie brachte die Worte 'mich nun besitzen will' einfach nicht über die Lippen. Aber Elias würde ja auch so verstehen, worauf sie hinaus wollte.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mi 19 Jul 2017, 18:51

    Elias Vahrenholz

    Elias nickte. Das konnte er bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, denn wer wollte so etwas schon? Niemand wollte irgendwen, der ihm nahe stand, in so etwas mit hinein ziehen. Es war auch der Punkt gewesen, der ihn immer davon abgehalten hatte, eine Familie zu gründen. Er wollte nicht riskieren, dass Lars – oder vielleicht auch David – Leute, die ihm nahe standen, irgendwie als Druckmittel benutzen konnte. Dann war es besser, lieber lockere Beziehungen zu führen, die nicht allzu sehr in die Schusslinie geraten konnten.
    Er schüttelte kurz den Kopf. „Keine Chance. David hat … ziemlich schlechte Erfahrungen gemacht.“ Darüber durfte er mit Sicherheit eigentlich nicht reden, aber er durfte ihr auch nicht anbieten, ihr zur Flucht zu verhelfen, also war das egal. „Er hasst die Menschen. Ausnahmslos alle Menschen. Ich hatte gehofft, dass … er vielleicht doch einen etwas moderateren Kurs fährt und sich die Versklavung spart und sich auf eine Enthüllung der Magie konzentriert, aber das … war nicht seine Absicht. Und jetzt, wo Lars wieder da ist, wird er David auch weiterhin darin bestätigen, dass das der richtige Weg ist.“ Es ließ sich nicht leugnen, Lars war wahnsinnig. Das Gefährlichste daran war aber, dass man es ihm nicht sofort anmerkte. Er war nicht wie diese Verrückten, die bösartig lachend durch die Gegend liefen, er konnte sich theoretisch unauffällig verhalten. Trotzdem war Lars definitiv nicht normal. Er war grausam, charismatisch und gerissen, was eine toxische Mischung ergab.
    Wieso Marianne? Das war eine gute Frage. „Vermutlich sind da mehrere Faktoren zusammen gekommen. Lars hat sich jetzt zwanzig Jahre gelangweilt. Er war früher schon unangenehm, aber dass er zwanzig Jahre im Gefängnis saß, hat es nicht besser gemacht. Und wieso ausgerechnet du …“ Er seufzte leicht. „Wahrscheinlich hatte er aus irgendeinem Grund einfach das Gefühl, dass du ihn nicht langweilen wirst. Lars mag Herausforderungen.“
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mi 19 Jul 2017, 19:00

    Ria Weber

    Ria schnaubte auf. Jeder hatte irgendwelche schlechten Erfahrungen gemacht … das war definitiv kein Grund, sämtliche Menschen dermaßen unterdrücken zu wollen.
    „Wieso glauben die beiden, dass sie in letzter Konsequenz gewinnen werden?“
    Das hatte sie Lars schon an den Kopf geschmissen, denn sie war tatsächlich davon überzeugt, dass ihre Spezies keine war, die sich einfach unterdrücken ließ. Und wenn die Regierungen von all dem wussten, hatten sie mit Sicherheit auch ihre Trümpfe. Warum also trotz Magie diese Sicherheit?
    „Was denn bitte für eine Herausforderung?“ Sie lachte zittrig auf. „Ich stelle es mir echt nicht schwer an seiner Stelle vor, mein Leben zu zerstören. Davon hat er doch nicht mehr oder weniger was, als wenn er andere tyrannisiert. Wenn er Herausforderungen haben will, gibt es da mit Sicherheit geeignetere … Ziele.“
    Wünschte sie gerade tatsächlich irgendjemand xbeliebigen Lars' Interesse an den Hals? Ja, das ließ sich nicht leugnen. Gerade wäre ihr herzlich egal, wer der glückliche Auserwählte wäre, solange nicht sie es war.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mi 19 Jul 2017, 19:12

    Elias Vahrenholz

    Elias zuckte mit den Schultern. „Die beiden denken, dass sie die Menschen schnell genug handlungsunfähig machen können, um zu negative Konsequenzen vermeiden zu können.“ Elias selbst wusste nicht, wie er dazu stand. Vor zwei Jahrzehnten hatte er auch daran geglaubt. Mittlerweile war er älter und war sich nicht sicher, ob sie sich da nicht vielleicht etwas schön redeten. Aber niemand hätte seine Bedenken hören wollen und am Ende brachte er sich damit nur selbst in Schwierigkeiten, also hatte es vermutlich nicht viel Sinn. „Sie glauben, dass wir mit unserer Magie ihre Waffen übertrumpfen können. Ich bin mir auch nicht so sicher, dass das stimmt.“ Aber das würde sich wohl zeigen müssen. Elias war auf jeden Fall die falsche Person, um David da etwas ausreden zu wollen. Vor allem solange Lars in die entgegen gesetzte Richtung zog.
    „Ich weiß es nicht … Vielleicht hast du auch einfach nur irgendetwas gesagt, was ihn massiv verstimmt hat. Er hat nicht genau gesagt, was der Grund für sein Interesse an dir ist. Und ehrlich gesagt habe ich ihn nicht gefragt.“ Das hätte auch keinen Sinn gehabt. So oder so würde Lars es sich am Ende ja doch nicht anders überlegen. Wenn er sich erst einmal auf etwas oder jemanden eingeschossen hatte, ließ er auch nicht mehr locker.
    Schließlich erreichten sie den Zielort. „Okay, da sind wir.“ Er schwieg einen Moment. „Tut mir leid, dass ich dir nicht helfen kann. Du musst mir das nicht glauben. Trotzdem hätte ich gerne versucht, dir dabei zu helfen, dich vor Lars zu verstecken.“ Er zögerte einen Moment. „Für dein Wohlergehen“, und wohl auch sein eigenes, „hoffe ich, dass wir uns nicht wieder sehen werden.“
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mi 19 Jul 2017, 19:22

    Ria Weber

    Das Gespräch klang immer mehr so, als wäre es doch ehrlicher Natur seitens Elias. Er beantwortete ihre Fragen und im Gegensatz zum Vortag schien sich seine Haltung ihr gegenüber gänzlich geändert zu haben.
    „Was für Magie könnt ihr überhaupt?“, kam ihr eine weitere Frage in den Sinn. Vampire konnte sie sich vorstellen, Werwölfe waren auch noch irgendwie nachvollziehbar, aber Hexen, Dämonen … was konnten die alles? Und was gab es da noch? Sie steckte in etwas drin, das sie noch nicht einmal verstand!
    Oh, wenn es das war, hatte sie sicher eine Menge gesagt, wie einen Mann wie Lars verärgern konnte. Immerhin hatte sie seine Einstellung angeprangert, ihm vorgehalten, seine Ziele eh nicht umsetzen zu können und überhaupt aus ihrer Abneigung keinen Hehl gemacht. Das reichte sicherlich locker aus, um in seinem offensichtlich kranken Hirn einen solchen Entschluss zu treffen.
    Sie erreichten ihre Heimat und ein letztes Mal überlegte sie, ob sie nicht doch sein Angebot annehmen sollte. Aber wie sollte das auch aussehen? Abgesehen von dem, was sowieso dagegen sprach? Sie tauchte irgendwo unter, konnte sich nirgends blicken lassen, war auf sich alleine gestellt und musste doch vermutlich genau so wie hier jeden Augenblick mit einer Aktion von Lars rechnen. Das brachte alles einfach nichts.
    „Ich hoffe, Sie bekommen meinetwegen keine Schwierigkeiten“, erwiderte sie seine Worte. Wenn das alles doch ein von Lars inszeniertes Gespräch gewesen war, hatte sie es halt gesagt. Aber für den Fall, das Elias nicht gelogen hatte, hätte sie sich schlecht gefühlt, es nicht zu sagen.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mi 19 Jul 2017, 19:31

    Elias Vahrenholz

    „Das kann völlig unterschiedlich aussehen. Ich kann mich zum Beispiel in andere Leute verwandeln. Lars ist in der Lage, aus dem Nichts Eis zu erschaffen, den Boden gefrieren zu lassen und so weiter. Magie kann völlig unterschiedlich ausgeprägt sein und dementsprechend unterschiedlich können auch die Fähigkeiten sein.“ Es war eben eigentlich alles möglich. Er schwieg noch einen Moment. „Möchtest du noch wissen, wie er aussieht, damit du ihn zumindest erkennst, wenn er sich in deiner Nähe aufhält?“ Nicht, dass es wirklich viel bringen würde, aber zumindest wusste sie dann, die das Gesicht aussah, vor dem sie weglaufen musste. Andererseits wollte sie ihn vielleicht ja noch ein bisschen länger aus ihren Albträumen fernzuhalten versuchen.
    „Danke.“ Wenn er doch Schwierigkeiten bekam, war das wohl etwas, was sich nicht vermeiden lassen würde. Plötzlich durchzuckte Elias jedoch ein Gedanke: Was war, wenn Lars das Auto verwanzt hatte?! Scheiße. Ihm wurde gleichzeitig heiß und kalt bei dem Gedanken und er hätte sich am liebsten geohrfeigt, weil er nicht vorher auf die Idee gekommen war. Aber vielleicht wurde er auch nur paranoid. Er hatte Lars doch bisher gar keinen Grund geliefert, ihm gegenüber misstrauisch zu sein, oder? Er hatte brav ausgeführt, was Lars ihm aufgetragen hatte. Wahrscheinlich war er nur langsam paranoid. Lars würde schon nicht herausfinden, worüber er hier und heute mit Marianne gesprochen hatte. Zumindest hoffte er das zutiefst, denn ansonsten hatte er hier gerade sein Todesurteil unterschrieben. Trotzdem ließ er sich das nicht anmerken, denn selbst wenn es so war, musste er sie da jetzt nicht auch noch mit hineinziehen. Es änderte so oder so nichts. Und bestimmt hatte Lars das nicht getan.  
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mi 19 Jul 2017, 19:58

    RIa Weber

    Der kleine Einblick in die Welt der Magie reichte, um für Ria auch schon wieder genug zu sein. Offensichtlich war so gut wie alles möglich.
    „Ja“, erwiderte sie auf die Frage bezüglich seines Aussehens hin.
    Natürlich würde sie das umso paranoider machen, aber andererseits war sie das ja ohnehin schon und so vermutete sie dann vielleicht nicht in jedem männlichen Wesen gleich ihren Verfolger.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mi 19 Jul 2017, 20:07

    Elias Vahrenholz

    An ihrer Stelle hätte er sich Lars vermutlich auch eher zeigen lassen. Natürlich wollte man das eigentlich in so einer Situation nicht wissen, andererseits wusste man dann zumindest, nach wem man Ausschau halten musste. Also holte Elias sein Handy hervor. Ein normales Foto von Lars hatte er natürlich auch nicht mal eben auf seinem Handy. Das wäre unnötiges, potentiell belastendes Bildmaterial gewesen, das ihn mit Lars verknüpfte und es war auch nicht gerade so, dass sie Hauspartys bei David veranstalteten und dort fleißig Selfies machten. Aber natürlich gab es Fahndungsfotos von Lars und selbstverständlich hatte Elias als Leiter der Aktiven diese auch griffbereit. Offiziell war ihm immerhin nach wie vor daran gelegen, Lars wieder einzufangen, auch wenn die inoffizielle Version etwas anderes war.
    Somit suchte Elias das Foto heraus. Fahndungsfotos schmeichelten niemandem. Schon die bloße Tatsache, dass sofort erkennbar war, dass es sich nun einmal auf dem Foto um einen Gefängnisinsassen handelte, sorgte rein psychologisch schon dafür, dass die Person auf ihre ganz eigene Art gefährlich wirkte. Lars war aber tatsächlich auch eine dieser Personen, die einfach auch diese Ausstrahlung hatten. Er konnte das kaschieren, wenn er wollte, konnte freundlich wirken, immerhin war in seiner Zeit beim Rat auch kaum jemandem aufgefallen, wie er wirklich tickte, aber mittlerweile hatte Lars ja auch keinen Grund mehr, nicht gefährlich wirken zu wollen. Elias glaubte sogar, dass Lars es genoss, dass so viele Leute ihn fürchteten. Er genoss seinen eigenen Ruf.
    Dabei hätte Lars mit den grauen Augen und den kurzen, blonden Haaren wahrscheinlich wie ein Engel wirken können, wenn er gewollt hätte. Schon allein der ernste Blick und die fest aufeinander gepressten, dünnen Lippen machten aber deutlich, dass er niemand war, mit dem man sich anlegen wollte – Fahndungsfoto hin oder her. Eine kleine Narbe über der linken Augenbraue rundete das Bild noch zusätzlich ab.
    „Das ist er“, sagte Elias überflüssigerweise und schwieg ansonsten aber.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mi 19 Jul 2017, 20:15

    Ria Weber

    Ria starrte auf das Gesicht des Mannes, der beschlossen hatte, ihr Leben zur Hölle zu machen. Sie wusste nicht, ob es an dem Gefängnisphoto an sich lag, der Tatsache, wie er dreinblickte oder eben der Tatsache, dass sie einfach wusste, dass er ein gefährlicher, wahnsinniger Mann war, aber das Photo jagte ihr bereits jetzt Angst ein, während sie in seinem Blick zu ergründen versuchte, was bei ihm so fürchterlich schiefgelaufen war. Schließlich wandte sie den Blick wieder ab, schaute hoch in Elias' Gesicht, der nicht den Bruchteil der Gefährlichkeit zu vermitteln schien.
    "Danke."
    Damit umfasste sie sowohl das Zeigen des Bildes, was ja nun mal eine nützliche Information für sie war, als auch die immer wahrscheinlicher werdende wirkliche Hilfe von ihm.
    "Ich ..." Sie deutete ungeschickt nach draußen.
    Es gab nichts mehr zu sagen, sie hatte sein Angebot schließlich abgelehnt und was auch immer da noch auf sie zukommen würde, ließe sich nicht durch ein in die Länge ziehen des Gesprächs verbessern. Wobei ... eine Sache war da noch ...
    "Haben Sie eine Ahnung, wie lang das ganze Spielchen dauern soll?"


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mi 19 Jul 2017, 20:22

    Elias Vahrenholz

    Elias nickte nur erneut, es gab dazu nichts zu sagen. Im Grunde genommen hatte er ja nicht wirklich etwas für sie tun können. Sie wusste jetzt nur, wie das Monster aussah, das es auf sie abgesehen hatte, aber das änderte im Grunde genommen ja auch nichts. Mehr konnte er ja sowieso nicht für sie tun.
    Elias zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Tut mir leid. Lars hat sich dazu nicht geäußert. Ich … könnte mir vorstellen, dass er wartet, bis die Magie enthüllt ist. Aber vielleicht will er auch gar nicht so lange abwarten. Lässt sich wirklich nicht beantworten. Ich bin mir nicht mal sicher, ob Lars selber das im Moment schon so genau weiß.“ Und wenn doch, war Elias vermutlich nicht die Person, mit der er diese Erkenntnis teilen würde. War ja nicht so, als stünden sie sich sehr nahe, nur weil sie relativ eng zusammen arbeiteten.
    „Viel Glück.“ Mehr konnte er ihr nicht sagen. Es war nicht übertrieben, aber aufrichtig gemeint.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mi 19 Jul 2017, 20:28

    Ria Weber

    Eigentlich hatte sie auch gar keine Antwort auf diese Frage erwartet. Das gehörte schließlich zu Lars Spielchen, alles offen zu lassen.
    Sie nickte Elias noch einmal zu, bevor sie sein Auto verließ und überfordert vor dem Mehrparteienhaus, in dem ihre WG die Wohnung gemietet hatte, stand. Sie zögerte eine Weile, bis sie hinein ging, versucht, auf dem Absatz herumzudrehen und Elias doch noch anzuflehen, ihr bei einem Untertauchen zu helfen. Sie musste sich gewaltsam daran erinnern, weshalb sie sich dagegen entschieden hatte. Sie schlich die Treppe nach oben, schloss die Wohnungstür mit zitternden Fingern auf, wollte über den Flur in ihr Zimmer huschen, doch Dennis, einer der Mitbewohner, hatte sie offenbar doch gehört.
    "Frühstück!", brüllte er vom Wohnzimmer aus in den Flur, doch Ria war überhaupt nicht danach zumute, nun auch nur ansatzweise so tun zu müssen, als wäre alles in Ordnung.
    "Keinen Hunger", schrie sie also zurück und war in ihrem persönlichen, kleinen Reich verschwunden, bevor Dennis noch einmal sein Glück versuchen konnte.
    Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss und sie schaffte es gerade noch, zum Bett zu wanken, bevor sie vor Verzweiflung schluchzend zusammenbrach.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mi 19 Jul 2017, 20:50

    Lars Viklund-Holm

    Heute war es soweit. Lars hatte einige Monate gewartet, bis er sich schließlich dazu entschlossen hatte, dass er heute Marianne Weber in Besitz nehmen würde. Er war perfekt vorbereitet. Er hatte sie lange genug unauffällig beschatten lassen, um zu wissen, dass sie heute Abend nicht zu Hause sein würde und erst später wiederkam.
    Natürlich war Lars nicht dumm. Auch wenn sie nur ein Mensch war, konnte es immer noch ein gewisses Restrisiko geben. Für den Fall der Fälle hatte er drei Vampire mitgenommen, die sich vollkommen ruhig in der dunklen Wohnung postierten, so dass sie nicht direkt zu sehen sein würden. Das mussten sie auch nicht. Sie waren schnell genug, um trotzdem innerhalb von Sekundenbruchteilen bei ihr an der Wohnungstür zu sein, wenn es darauf ankam. Sie hatten genaue Anweisungen für den heutigen Abend bekommen. Natürlich hätte Lars sie auch einfach alleine losschicken müssen. Es war immer noch nicht ganz ungefährlich für ihn, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen, aber er hatte auch wirklich keinen Bock, permanent nur bei David zuhause herumzuhängen. Freiheit war nicht so viel wert, wenn man meine Gefangenschaft im Grunde nur verlagert hatte. Und so bewegte sich Lars in der Öffentlichkeit, manchmal, wenn auch vorsichtig. Es gab auf der ganzen Welt wahrscheinlich nicht einen einzigen Aktiven, der nicht wusste, wie er aussah. Und Lars musste zugeben, dass ihm das gefiel. Sein Opfer für David hatte ihn berühmt gemacht. Dabei kannte niemand die vollständige Geschichte. Dass Lars selbst es gewesen war, der überhaupt erst hatte durchsickern lassen, dass der Kopf der IMA in irgendeiner Form beim Rat tätig sein musste, ahnte niemand. Auch nicht bei seinen Mitstreitern. Er hatte immer gewusst, dass es David eines Tages an die Macht bringen würde. Damit auch die IMA und damit indirekt ihn. Aber heute Nacht sollte es nicht darum gehen. Heute Nacht ging es um eine ganz andere Form der Macht. Endlich würden er und seine zukünftige Sklavin sich von Angesicht zu Angesicht kennen lernen.
    Während die Vampire sich postiert hatten, war Lars ein bisschen durch die Wohnung gelaufen, nach Möglichkeit ohne einen sichtbaren Hinweis darauf zu hinterlassen, dass er hier war. Aber er hatte genug Zeit mitgenommen, dass er sich mehr als nur ausführlich hier umsehen konnte. Er fand sogar ihr Tagebuch, las einige Einträge, die unglaublich unspektakulär war. Studentengeschwafel, Urlaubseindrücke, irgendwelcher Kram über ihre beste Freundin und ihren Bruder. Langweilig. Über die beiden wusste er ohnehin alles, was er wissen musste. Das hatten die Aktiven schon für ihn erledigt, ohne es zu wissen. Lars war höchstens beleidigt, dass, abgesehen von dieser Chatgeschichte, nichts über ihn drin stand. Selbst das mit dem Chat wurde ihm nicht einmal ansatzweise gerecht. Hatte es doch nicht gereicht, welchen Eindruck er auf sie gemacht hatte?
    Doch, das musste er getan haben. Spätestens, seit er ihr ein Foto von Elias’ Leiche geschickt hatte, wusste sie sicher, dass Lars alles andere als leere Drohungen ausstieß. Aber es war auch einfach dumm von ihm gewesen, Lars’ zukünftiger Sklavin zur Flucht verhelfen zu wollen. Er hätte sich doch wohl denken können, dass Lars ihn überwachte. Wie auch immer, er war wirklich ein bisschen beleidigt darüber, dass sie ihn nicht weitergehend erwähnt hatte. Aber darüber konnten sie dann ja später sprechen.
    Nachdem Lars sich ein wenig bei ihr umgesehen hatte, bedacht darauf, dass nach wie vor alles aussah wie vorher, ging er ins Wohnzimmer und ließ sich dort nieder. Die Ausstattung hier war nicht berauschend, aber nett.
    Dann hieß es Warten. Warten, bis sie nach Hause kommen würde. Oder wer auch immer vor ihr kommen würde. Falls jemand unglückseligerweise vor ihr nach Hause kam, hatten die Vampire auf jeden Fall die ausdrückliche Erlaubnis bekommen, sich zu vergnügen und satt zu trinken.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mi 19 Jul 2017, 21:27

    Ria Weber

    Heute war einer von Rias besseren Tagen gewesen. Ihr vor einiger Zeit getroffener Entschluss, sich der Hippieclique der Uni anzuschließen, trug tatsächlich Früchte. So kam sie unter Leute, von denen sie sicher sein konnte, dass sie nicht wichtig genug waren, um in den Fokus der IMA zu rücken. Oder der Aktiven. Oder der Geheimdienste. Oder wer auch immer aktuell noch Interesse an ihr hegte. Die würde keiner so schnell umlegen. Und wenn doch, waren es zumindest nicht Tom, Liz, oder ihre Eltern, die es traf. Schuldgefühle durchzuckten sie bei dieser Entscheidung noch immer, aber sich ununterbrochen alleine in der Wohnung zu verkriechen, hatte es auch nicht besser gemacht. Im Gegenteil. Da hatte sie Zeit gehabt, nachzudenken, sich auszumalen, was Lars alles mit ihr vorhaben könnte, kurzweg schlicht wahnsinnig zu werden, weil sie noch nicht einmal mit jemandem über all das reden konnte. So oft hatte sie Cillian anrufen wollen, es aber nie getan. Das Bild von Elias hatte sie davon abgehalten. Lars hatte unmissverständlich klar gemacht, was er mit Leuten tat, die versuchten sie zu unterstützen. Ihr war kotzübel bei dem Anblick geworden, sie hatte sich verzweifelt einzureden versucht, dass Elias dieses Risiko ja selbst eingegangen war; hatte sich gleichzeitig schlecht gefühlt, weil sie ihm nicht geglaubt hatte. Nun wusste sie jedenfalls, dass seine Worte der Wahrheit entsprochen hatten. Das Abhängen in dieser neuen Clique, das Konsumieren der Substanzen, die sie dort so schätzen, ließen sie eine gewisse scheiß-egal-Einstellung annehmen, zumindest solange sie high genug war. Dann traute sie sich auch durch die Stadt zu laufen, ohne bei jedem blondhaarigen Mann, der ihr entgegen kam, beinahe durchzudrehen. Dann schaffte sie es, ihre Vorlesungen zu besuchen und tatsächlich sogar etwas dafür zu tun. Selbst die Bachelorarbeit hatte sie schließlich abgegeben, nachdem sie abgehoben-fröhlicher Runde gemeinsam über einem Thema gebrütet hatten. Die Benotung, die sie gestern erhalten hatte, war nicht herausragend, aber hey, ne 3,3 zu schaffen, während man auf wer weiß wie vielen Abschusslisten stand, war schon keine schlechte Leistung. Also hatte sie heute aus einem Motivationsschub heraus beschlossen, nach dem Besuch im Fitnessstudio, der es ebenfalls ermöglichte, abzuschalten und sich auszupowern, den WG-Einkauf zu übernehmen, obwohl sie gar nicht dran war. Sarah würde bereits daheim sein und anfangen haben zu kochen, während Ria dann die frischen Zutaten mitbrachte.
    Bepackt mit Tüten aus der Frischeabteilung, die zu so später Stunde oft reduzierten, wankte sie also die Treppen nach oben, erschöpft vom Herumgerenne, aber zufrieden mit ihrer Ausbeute. An das ständig unterschwellige Unwohlsein hatte sie sich inzwischen gewöhnt und sah es als normal an, insofern konnte man wirklich von einem guten Tag sprechen, denn es war unterschwellig geblieben und hatte nicht die Oberfläche durchbrochen. Sie versuchte die Tüten am Fallen zu hindern, während sie gleichzeitig das Schloss aufzuschließen probierte. Leise vor sich hinfluchend, schaffte sie es endlich und schubste die Tür mit dem Fuß auf. Es war noch dunkel. Ria hatte die letzten Stunden nicht auf ihr Handy geschaut, überhaupt hatte sie es sich abgewöhnt, irgendwelche Nachrichtendienste regelmäßig zu nutzen. Genauso wie sie jegliche Freizeitbeschäftigung am PC vermied. Das war ihr definitiv vermiest worden. Also hatte sie wohl auch nicht mitbekommen, wenn Sarah versucht hätte sie zu erreichen.
    „Sarah?“, rief sie doch einmal in die Wohnung, vielleicht war die Mitbewohnerin ja auch ins Bad gegangen, durch den Knick des Flures konnte sie nicht sehen, ob dort Licht brannte oder nicht.
    Keine Antwort, dann würde sie gleich noch mal nachschauen, ob eine Nachricht eingegangen war. Aber zuerst musste sie das Zeug loswerden. Sie kannte sich gut genug in der Wohnung aus, um nicht nach dem Lichtschalter zu tasten, während sie noch immer die Einkäufe am Balancieren war. Das Plastik versperrte ihr die Sicht, sie war schon die Treppen mehr hochgetaumelt als gelaufen, also sah sie auch das Hindernis im Eingangsbereich der Küche nicht.
    „Verdammich!“, entfuhr ihr, als sämtliche Bemühungen, alles sicher an seinen Platz zu bringen, mit einem Schlag zunichte gemacht wurden.
    Sie haute mit der Hand auf den Lichtschalter im Flur, erwischte beide, so dass Küche und Flur erleuchtet wurden, und der Gedanke, wer seinen Mist da hatte rumliegen lassen, riss einfach ab.
    Blut. Da war überall Blut. Und Sarah! Scheiße! Scheiße, scheiße, scheiße! Pure Panik überrollte sie, sie fingerte nach ihrem Handy, während sie neben Sarah auf die Knie fiel, um an ihrer Schulter zu rütteln. Der Notruf war bereits gewählt, während ihre Mitbewohnerin einfach reglos liegen blieb.
    „Notrufzentrale? Wie kann ich Ihnen helfen?“
    „Weber! Ich brauche sofort einen Krankenwagen!“
    In ihrem Kopf drehte sich alles, während ihr Gesprächspartner Fragen zu Unfallzeit, -ort und Art Verletzungen stellte. Ria war völlig überfordert, noch immer konnte sie sich überhaupt keinen Reim auf das machen, was passiert sein mochte, sie sah nur das viele Blut … sie riss den Kopf nach oben, um sich auf die Fragen des Mannes konzentrieren zu können. Dabei fiel ihr Blick in das nun vom Flur aus erleuchtete Wohnzimmer und sie erstarrte.
    „Frau Weber? Können Sie mich hören? Hallo?“


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mi 19 Jul 2017, 21:49

    Lars Viklund-Holm

    Sie waren wirklich nicht allein geblieben. Lars hatte sich nicht von der Stelle bewegt, als Mariannes Mitbewohnerin Sarah nach Hause gekommen war. Er hatte die Vampire einfach machen lassen. Er hatte ihnen versprochen, dass eventuelle Kollateralschäden ihnen zustanden und dass er sich nur für Marianne interessierte – die sollte dafür aber auch niemand außer ihm anfassen. Gut, natürlich durften die Vampire sie aufhalten, sollte sie versuchen, wegzulassen, aber Lars hatte deutlich gemacht, dass sie ihr nicht wehzutun hatten. Und er wusste, dass sie sich auch daran halten würden. Sie waren IMA-Mitglieder, keine hochrangigen, sie wussten nicht einmal, dass in Wahrheit David der Anführer war, aber sie hatten auf jeden Fall Interesse daran, Lars’ Anweisungen zu befolgen.
    Als sich die Wohnungstür erneut öffnete, lächelte Lars erwartungsvoll. Hoffentlich war sie das. Er wollte nicht länger warten müssen. Als er ihre Stimme hörte, wurde Lars’ Lächeln noch ein bisschen breiter. Wahrscheinlich hatten die Vampire sich nun schon längst an der Wohnungstür postiert, damit sie nicht mehr weglaufen konnte, falls sie es sich anders überlegte.
    Mit langsamen, gemächlichen Schritten, ging Lars in die Küche. Dort saß sie. Endlich.
    Einen Moment bedauerte Lars fast, dass er Noah nicht mitgenommen hatte. Aber es war noch immer schwierig mit ihm; er ließ sich nun mehr auf ihn ein als noch im Gefängnis oder unmittelbar danach, aber seine Gesinnung schwankte noch immer so sehr wie seine Stimmung und Lars hatte kein Risiko eingehen wollen. Immerhin hatte er lange auf den heutigen Tag gewartet.
    Fluchtversuche würden ihr nichts bringen, aber es war nachvollziehbar, wenn sie es versuchte. Lars beschäftigte sich aber auch gar nicht unmittelbar mit ihr, sondern hob ihr Handy auf und hielt es sich ans Ohr.
    „Es gab hier einen Mord“, sagte er ruhig. „Drei Vampire haben eine Studentin getötet.“ Damit legte er auch schon wieder auf. Vielleicht würden sie es für einen Scherzanruf halten, wahrscheinlich aber zumindest den Anruf zurückverfolgen und dann Krankenwagen und Polizei vorbeischicken. Sollte ihm Recht sein. Er wandte sich den Vampiren zu: „Wenn jemand kommt, dürft ihr sie fressen.“ Mehr hatte er dazu nicht zu sagen.
    Somit ging er weiter auf Marianne zu, die spätestens an der Wohnungstür ihr Endziel erreicht haben würde, denn egal, wohin sie von dort aus zu fliehen gedachte, im Zweifelsfall würde sie von einem Vampir festgehalten werden.
    „Endlich lernen wir uns kennen“, sagte er ruhig und der schwedische Akzent schwang in seiner Stimme mit, ließ seine Worte auf absurde Weise fast schon weicher klingen. „Ich muss dir ja nicht erst sagen, wer ich bin. Elias hat dir ja ein Foto gezeigt, auch wenn du dir sicher ohnehin hättest denken können, wer ich bin.“ Im Grunde genommen unterschied Lars sich in natura nicht wirklich von seinem Fahndungsfoto-Ich. Sein Haar war mittlerweile etwas länger geworden, er trug es nun mittellang, und statt der grimmigen Miene lag nun ein spöttisches Lächeln auf seinen Lippen. Die Ausstrahlung war aber die gleiche geblieben und so stand er nun einfach nur noch dort und sah sie an.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mi 19 Jul 2017, 22:16

    Ria Weber

    Ria konnte ihn nur anstarren, als er beinahe gemütlich herübergeschlendert kam. Das Handy war ihr längst aus der Hand auf die blutverschmierte Kleidung ihrer Mitbewohnerin gefallen. Ein Teil von ihr wusste, dass das mit absoluter Sicherheit Lars war, ein anderer klammerte sich noch an die Hoffnung, zu halluzinieren. Sie wollte um Hilfe schreien, doch kein Ton kam über ihre Lippen, während der Teil, der bereits die richtigen Schlüsse gezogen hatte, sich fragte, warum sie überhaupt überrascht war. Sie hatte doch gewusst, dass dieser Tag kommen würde. Daran änderten immer wieder verschobene Selbstmordversuche und künstliche herbeigeführte Rauschzustände nichts.
    Erst bei dem Klang seiner Stimme schien etwas in sie zu fahren, sie sprang auf die Beine, wirbelte herum, um aus der noch offenen Tür zu rasen, prallte jedoch gegen ein menschliches Hindernis. Ohne überhaupt darüber nachzudenken, versuchte sie sich vorbei zu quetschen, doch keine Chance. Sie wurde mühelos festgehalten, und das obwohl sie sich wie eine Wilde gebärdete. Ein Blick in das Gesicht der Gestalt, die sie an der Flucht hinderte, ließ das Wort VAMPIR penetrant wie eine Leuchtreklame in ihrem Kopf erscheinen. Hatte Lars das nicht eben am Telefon gesagt? Sie starrte in die blutverschmierte Fratze, wusste genau, dass sie in das Gesicht von Sarahs Mörder blickte. Der Gedanke ließ sie wiederum erneut einen Augenblick erstarren, bevor sie ein letztes Mal versuchte, sich zu befreien. Mehr Bewegungsfreiheit, als sich herum zu Lars drehen zu können, gewährte ihr der Vampir allerdings nicht. Der hatte inzwischen zu sprechen angefangen, erwähnte Elias und das Bild des Toten erschien vor ihrem inneren Auge. Nur Tod, überall war nur der Tod. Sie versuchte automatisch vor Lars zurückzuweichen, doch mehr, als sich dadurch mit dem Rücken gegen den Vampir hinter ihr zu pressen, erreichte sie damit nicht. Das bemerkte sie gar nicht bewusst, ihr Blick war wieder hinter Lars in die skurrile Szenerie um Sarah gerichtet. Die Rettungskräfte würden da eine Leiche inmitten von Obst und Einkäufen vorfinden … nein, erinnerte der Teil ihres Verstandes, der Lars' Worte trotz aller Panik mitbekommen hatte. Die würden gar nichts vorfinden, denn sobald sie auch nur in die Nähe der Wohnung kämen, wären sie tot.
    „Ohgottohgottohgott“, begann Ria hilflos vor sich hinzumurmeln.
    Sie hatte sie gerufen, weil sie es nicht geschnallt hatte. Sie war Schuld, wenn sie starben … sie war an Sarahs Tod Schuld, weil sie es nicht gepackt hatte, tatsächlich auszuziehen, wie sie es zwischenzeitlich erwogen hatte. Sie war an Elias' Tod Schuld. Nur sie, sie würde nicht sterben. Sie fokussierte Lars erneut, musste dafür schräg nach oben blicken, weil er relativ dicht bei ihr stand und sie um einiges überragte. In diesem Augenblick würde sie alles dafür geben, mit einem der Toten tauschen zu können.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mi 19 Jul 2017, 23:26

    Lars Viklund-Holm

    Lars genoss jede einzelne Sekunde. In den letzten Monaten hatte er sich häufiger vorgestellt, wie es ablaufen würde, wenn er sie abholte, aber ihm war schon damals klar gewesen, dass die Vorstellung vermutlich nicht mit der Realität würde mithalten können. Das war meistens so. Das hier war das Risiko wert, sich in die Öffentlichkeit hinaus zu wagen, auch wenn er wusste, dass es durchaus mit einem gewissen Leichtsinn verbunden war. Um die menschliche Polizei machte er sich keine Sorgen, nicht mal um deren Sondereinsatzkommandos oder wen auch immer sie gedachten, jemandem wie ihm auf den Hals hetzen zu wollen – damit würden die Vampire schon fertig werden. Die Aktiven waren eine andere Frage. Im Großen und Ganzen hatte David dafür gesorgt, dass wieder jemand Leiter der Aktiven wurde, den sie im Griff hatten, aber das hieß ja nicht, dass hier, viele Kilometer von der Hauptzentrale entfernt, trotzdem eine Gruppe von Aktiven vielleicht auf die Idee kommen konnte, dass sie ihn wieder verhaften wollten. Für den Fall der Fälle hatte Lars draußen noch acht weitere Kleinmitglieder der IMA postiert, für den Fall, dass sie Verstärkung brauchten. Mitglieder aller Rassen hielten sich dort bereit, falls es hier ungemütlich zu werden drohte. Lars war schließlich kein Idiot. Wenn die Aktiven auf die Idee kamen, dass er hier war – und völlig schloss er das nicht aus – dann würden sie sicher nicht zwei Anfänger schicken, sondern eine größere Gruppe gut ausgebildeter Leute, die vor allem auch im Kampf sehr erprobt waren. Die Spitze der Abteilung war unter Kontrolle und hatte demnach nach wie vor kein Interesse daran, Lars wieder hinter Gitter zu bringen – Elias war in dieser Hinsicht fast schon frappierend austauschbar gewesen – aber natürlich konnte das nicht die offizielle Darstellung sein und somit wollten die meisten Aktiven ihn natürlich nur zu gerne wieder verhaften. Manchmal fühlte Lars sich wirklich geschmeichelt davon, wie unbedingt ihn die meisten Leute im Gefängnis wissen wollten.
    Vermutlich würden aber gar keine Aktiven hier aufschlagen. Und er wollte sich mit der Vorstellung auch gar nicht weiter aufhalten, denn jetzt ging es einzig und allein um Marianne.
    Das spöttische Lächeln auf Lars’ Lippen wurde noch ein wenig breiter, als sie ihr Murmeln begann. „Ich bin geschmeichelt, Marianne, aber Gott brauchst du mich nicht zu nennen. Wir werden uns zusammen eine angemessene Anrede überlegen.“ Er musterte sie wieder einen Moment lang. „Das kann jetzt auf verschiedene Arten laufen.“ Damit wandte er sich erst einmal wieder von ihr ab, ging zurück in die Küche – der Vampir würde sie ja sowieso weiterhin festhalten – öffnete den Kühlschrank und nahm sich eine Cola heraus, mit der er zu ihr zurückging. Er machte die Dose auf, trank in aller Seelenruhe einen Schluck und sah Marianne dann wieder fest an. „Du kannst versuchen, dich mit Händen und Füßen zu wehren, das wird aber nicht funktionieren – meine Freunde hier sind viel schneller und viel stärker als du.“ Damit schied das wohl schon mal aus. „Oder aber du ergibst dich einfach deinem unvermeidlichen Schicksal, akzeptierst, dass du jetzt mir gehörst und dann wird es nicht schlimm für dich.“ Er trank noch einen Schluck Cola. „Okay, das war gelogen, es wird trotzdem schlimm für dich, aber nicht ganz so schlimm wie wenn du dich wehrst.“ Eigentlich hatte er auch noch eine Möglichkeit drei im Sinne, die vorsah, dass er ihr die Möglichkeit gab, ihm zu entkommen – was sie ohnehin nicht schaffen würde – aber die würde er sich für später aufheben.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Do 20 Jul 2017, 06:27

    Ria Weber

    Bei dem Klang seiner Stimme schrie alles in ihr, kilometerweit fort zu sein. De fakto konnte sie sich jedoch nach wie vor kaum rühren. Der Vampir hinter ihr hielt sie zwar nicht so fest, dass es wehtat, tatsächlich wirkte es gerade sogar geradezu leichtsinnig leicht, doch bei der noch so kleinsten Bewegung, die Lars vielleicht noch nicht einmal sah, spürte sie, wie das Monster hinter ihr automatisch darauf reagierte. Sich losreißen war definitiv keine Option. Und dann hätte sie ja auch immer noch an Lars vorbei zum Balkon gemusst, was vermutlich genau so unmöglich war zu schaffen, wie diese Vampire zu überwältigen. Einen weiteren hatte sie im Flur entdeckt, aber es musste mindestens noch ein weiterer da sein. Immerhin hatte Lars zuvor von dreien gesprochen.
    Sie sackte beinahe in sich zusammen, als Lars mitten in seiner Ansage zurück in die Küche ging. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie förmlich an dem Vampir hinter ihr klebte und sie versuchte ein bisschen Abstand zwischen ihn und sich zu bringen. Mehr als ein paar Zentimeter waren nicht drin. Die Horrorvorstellung, das der Vampir nun ihr etwas tun würde, hatte sich längst manifestiert und unter diesen Umständen wusste sie gar nicht, ob es so gut war, dass Lars sich von ihr abgewandt hatte. Nicht, dass die Kreatur nun doch ihre Chance sah ... bevor sie das weiterspinnen konnte, war Lars schon wieder zurück mit etwas zu trinken in der Hand. Eine Geste, die wohl einzig und allein dazu diente, ihr klar zu machen, dass das nun alles sein Revier war. Nicht, dass sie daran irgendwelche Zweifel gehabt hätte …
    Eine weitere, diesmal offensichtlichere Drohung, auf deren Inhalt sie auch schon selbst gekommen war. Vermutlich würde es für keinen gut ausgehen, sich zu versuchen gegen diese Vampire zu wehren. Also eigentlich … blieb da keine andere Wahl, als sich in das, was auch immer kam, zu fügen. Denn, wie sie schon festgestellt hatte, an Lars käme sie ja nun einmal auch nicht vorbei. Und selbst er es darauf ankommen lassen würde, sich ohne Hilfe seiner Vampire mit ihr zu messen, war immer noch absolut vorstellbar, worauf das hinauslaufen würde.
    Ria sagte nichts dazu. Außer ihrem Gemurmel von vorhin hatte sie noch überhaupt nichts gesagt, starrte Lars einfach nur nach wie vor an, weil jeder andere Anblick dieser Wohnung gerade auch nicht besser war. Warum hatte sie das mit dem Umbringen nicht durchgezogen? Der Mann machte keinen Hehl daraus, dass es ab nun einfach schrecklich werden würde, egal, was sie tat. Die, mit denen sie sich zuvor darüber unterhalten hatte, hatten auch nicht im Ansatz durchklingen lassen, dass da noch Hoffnung bestand, wenn es ihnen nicht gelang, Lars zu schnappen, bevor er sich sie schnappte. Ganz offensichtlich war ihnen das nicht gelungen.
    „Warum?“, bahnte sich ihr das alles nicht fassen können schließlich doch einen Weg nach draußen. Das Wort umfasste alles, was irgendwie mit Lars zusammenhing. Ihre Stimme zeugte davon, dass sie ihre Lage durchaus realistisch einschätzte und eigentlich gar nicht in Erwägung zog, etwas zu versuchen, aus Gründen, die ihr ununterbrochen klar vor Augen standen.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Do 20 Jul 2017, 10:59

    Lars Viklund-Holm

    Ihre Angst war regelrecht spürbar. Sie reicherte die Luft an und ein wohliger Schauer lief Lars über den Rücken. Er genoss das Gefühl der Überlegenheit. Und nach seinem Weltbild war das alles hier ja auch völlig gerechtfertigt. Sie war ein Mensch und Lars lebte nach der Überzeugung, dass Menschen es nicht verdienten, mit Übernatürlichen auf einer Stufe zu stehen. Sie wusste mit Sicherheit ebenso gut wie er, dass sie ihm nicht entkommen konnte und dass es keinen Sinn hatte, sich zu wehren. Trotzdem würde er ihr später die Chance dazu geben. Nicht, dass es eine wirkliche Chance gewesen wäre, denn so oder so würde er sie nicht wirklich oder dauerhaft entkommen lassen, aber sie sollte zumindest weglaufen können. Lars hatte kein Problem damit, sie ein bisschen zu jagen.
    Die Vampire würden ihr natürlich nicht wehtun. Lars hatte sie im Griff und sie wussten, was ihre Anweisungen waren. Sie waren alt und erfahren genug, sich unter Kontrolle zu haben und nicht in jeden Hals zu beißen, der sich ihnen vielleicht gerade anbot. Dafür würden sie auch entsprechend belohnt werden. Abgesehen davon, dass Lars ihnen die Kollateralschäden für den heutigen Abend zugesichert hatte, hatte er ihnen bereits eine ganze Gruppe von Menschen versprochen, die sie haben durften. Nur Marianne war für Lars allein und sie waren nicht so dumm, darüber mit ihm streiten zu wollen.
    Offensichtlich hatte sie keine Lust, sich groß mit ihm zu unterhalten. Abgesehen von ihrem Gemurmel hatte sie immerhin noch gar nichts zu ihm gesagt, offenbar war sie einfach so verängstigt, dass sie verlernt hatte, vollständige Sätze zu bilden. Auch das erlebte Lars nicht zum ersten Mal, auch wenn es selten war, diese Reaktion bei einem Menschen hervorzurufen. In der übernatürlichen Welt wusste jeder, wie er aussah. Bei den Menschen war ebenfalls ein Fahndungsfoto mit einem stark aufs Wesentliche reduzierte Steckbrief von ihm rumgegangen – natürlich ohne den Hinweis auf seine magischen Fähigkeiten und so weiter – und dem Hinweis, auf keinen Fall selbst etwas zu unternehmen, sondern sich bei Sichtung direkt an ein Sondereinsatzkommando zu wenden. Die entsprechende Telefonnummer von diesem Sondereinsatzkommando führte, natürlich ohne dass die menschliche Polizei das ahnte, direkt zu den Aktiven. Insofern musste Lars auch mit einkalkulieren, dass menschliche Polizisten ihn auch von Fotos wieder erkannten, wenn sie hier eintrafen und ihn zu Gesicht bekommen sollten. Aber darüber machte Lars sich keine Sorgen. Er hatte das lange durchgeplant und weder menschliche Beamte – was sollten die ihm auch schon anhaben? – noch eine Gruppe von Aktiven würden ihn heute Abend aufhalten.
    Und dann sprach sie endlich. Warum. Eine einfache Frage, in der doch aber so viel mitschwang. „Warum du?“ Wahrscheinlich war das sogar nur ein Bruchteil der eigentlichen Frage, aber es war etwas, worauf sie sich zunächst konzentrieren konnten. „Weißt du, ich bin völlig ohne Erwartungen in diesen Chat gegangen. Ich wollte mir nur mal ansehen, was ich in den letzten zwanzig Jahren so verpasst habe. Du weißt, wie ich über euch Menschen denke. Ihr habt euch überall ausgebreitet und fühlt euch wie die Krone der Schöpfung, obwohl ihr im Vergleich zu uns vielleicht gerade einmal so gut entwickelt seid wie Affen im Vergleich zu euch. Wir haben gemeinsame Vorfahren, aber ihr seid nicht einmal ansatzweise so mächtig wie wir. Trotzdem glaubt deine Spezies daran, dass wir im Hintergrund stehen und uns brav an irgendwelche Geheimhaltungsabkommen halten sollten. Sie glauben, dass sie uns eine große Geste erweisen, indem sie uns das Gefühl geben, halbwegs auf diesem Planeten geduldet zu werden und ich konnte es nie beweisen, aber ich würde meinen Arm darauf verwetten, dass sie welche von uns einfangen und irgendwo Versuche an Übernatürlichen durchführen. Gleichzeitig stellen sie uns seit Jahrzehnten als die Monster hin, die sie durch unsere bloße Existenz gefährden. Schon bevor die International Magical Association“, war fraglich, ob sie schon gehört hatte, wofür IMA eigentlich stand, vielleicht konnte sie den Bogen gedanklich jetzt auch gar nicht spannen, aber Lars hatte gar nicht weiter darüber nachgedacht, „auf den Plan getreten ist. Wenn sie könnten, würden sie uns ausrotten oder versklaven. Auch, wenn es die IMA nicht gäbe – einfach nur, weil sie wissen, dass wir mächtiger sind als sie. Uns.“ Lars’ Stimme zitterte vor Wut. „Sie wagen es, uns als ein Ärgernis hinzustellen. Seit Jahrzehnten. Obwohl doch eigentlich wir die sind, die sie dulden, denn wir sind die, die euch überlegen sind. Nicht umgekehrt.“ Gut, damit hatte er das Warum ich? immer noch nicht beantwortet, dafür aber das Warum tust du, was du tust?, von dem er ihr jetzt einfach mal unterstellte, dass es irgendwie auch in der Frage mitgeschwungen war.
    „Warum also du? Ich war völlig ohne Erwartungen in diesem Chatroom, habe ein paar belanglose Gespräche geführt und dann warst du da. Du hast ein paar Dinge gesagt, die mich verstimmt haben und man verstimmt mich nicht.“ Selbst im Gefängnis war das den meisten Leuten klar gewesen, obwohl es dort auch andere sehr gefährliche Leute gegeben hatte. Natürlich hatte es ab und zu mal jemanden gegeben, der geglaubt hatte, sich mit ihm anlegen zu müssen, einem von ihnen hatte er seine feine Narbe über der linken Augenbraue zu verdanken, aber Lars hatte sich gebührlich revanchiert. Der Andere hatte eindeutig die schlimmeren Verletzungen davon getragen. „Ich wusste immer, dass ich mir irgendwann einen Menschen aussuchen würde. Ich wollte auch nicht allzu lange mehr darauf warten müssen – immerhin habe ich zwanzig Jahre auf alles warten müssen.“ Da schwang kein Groll mit, er hatte sich diesen Weg selbst ausgesucht, weil er überzeugt davon gewesen war, dass es das war, was die IMA am weitesten voran brachte, es war lediglich eine blanke Tatsache. „Ich hatte das Gefühl, dass du jemand bist, den ich effektiv zerstören kann, dass du es mir aber gleichzeitig auch nicht zu leicht machen wirst. Außerdem hast du mich ja irgendwie herausgefordert, indem du gesagt hast, dass all meine Pläne sowieso scheitern würden. Hast du noch mehr Fragen?“ Lars war, wie man sah, in Plauderstimmung, also hatte er kein Problem damit, ihr noch mehr zu erzählen.  
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Do 20 Jul 2017, 17:48

    Ria Weber

    Lars war anzusehen, dass er die Situation genoss, bevor er überhaupt auf ihre Frage antwortete. Sein ganzes Auftreten schrie sein Weltbild geradezu heraus und Ria konnte einfach nach wie vor nicht fassen, wie es jemandem so viel Spaß machen konnte, sich dermaßen aufzuführen. Daran änderte auch seine Erklärung nichts. Ria verstand ohnehin nur die Hälfte, weil Panik ihr Denken noch immer überlagerte und somit gar nicht alles zu ihrem Verstand durchdrang. Aber es reichte, um zu verstehen, dass er nur sein krankes Weltbild wiederholte, dieselbe Leier, die sie auch schon im Chat hatten und die es damit absolut hinfällig machte, überhaupt etwas dazu zu sagen. Er wusste, wie sie dachte. Und er wusste, dass sie unmöglich einsehen konnte, das es irgendwie gerechtfertigt war, eben nun sie geschnappt zu haben, um ihr all das anzutun, was Menschen seiner Meinung nach verdienten.
    Ja, verdammt, sie war auch vollkommen ohne Erwartungen in diesen Chatraum unterwegs gewesen, hatte nichts anderes als ein bisschen gepflegte Prokrastination im Sinn gehabt. Natürlich konnte man nun sagen, sie wusste doch, wie schief Internetgeschichten gehen konnten. Doch zum einen hatte sie nach Adrian beschlossen, sich gar nicht erst in diese Furcht vor dem virtuellen Raum drängen zu lassen, denn es konnte ja nun mal nicht sein, dass alle Internetbekanntschaften kranke Idioten waren. Und zum anderen, selbst wenn sie von dieser Möglichkeit an diesem Abend aktiv ausgegangen wäre, hätte das noch lange nicht bedeutet, dass es sonderlich wahrscheinlich gewesen wäre, auf DEN Kriminellen der Übernatürlichen zu stoßen. Der eigentlich überhaupt keine Zeit für so eine Scheiße haben sollte, wenn er doch so beschäftigt damit war, den Untergang der Menschheit einzuläuten.
    Was … sollte sie ihm denn bitte entgegenzusetzen haben? Elias hatte so etwas schon angedeutet, dass sie eine Herausforderung für ihn wäre. Doch sie fragte sich beinahe verzweifelt, wie er überhaupt darauf kam. Immerhin hatte er doch gerade mehr als deutlich klar gemacht, dass sie nichts als ein mickriger, unwürdiger Mensch war. Was sollte sie ihm da nicht leicht machen?
    Ah, das war es also gewesen. Oder zumindest ein vermutlich nicht unerheblicher Aspekt seines Ärgers. Ihre Aussage, dass sein Plan nicht funktionieren würde. Nun, da glaubte sie nach wie vor dran. Denn nur weil sie ihm nichts entgegen zu setzen hatte, hieß das nicht, dass die Menschen der IMA nichts entgegen zu setzen hatten. Und darum war es ihr gegangen. Dass die Menschen sich nicht kampflos ergeben würden. Und dass seine Arroganz sein Untergang sein würde, denn er kalkulierte die Wehrhaftigkeit ihrer Spezies einfach nicht ein, wie es ihr schien.
    „Wenn man solche Meinungen kundtut, muss man halt auch mit nicht zustimmenden Reaktionen rechnen“, zwang sie sich zum Antworten, bezog sich damit auf die Aussage, dass sie ihn verstimmt hatte.
    Warum stellte man etwas zur Diskussion, wenn man dann mit einer gegenteiligen Ansicht nicht klar kam? Genau das war das hier ihrer Meinung nach. Es wäre unter albernes Kindergartengetue abzutun, wenn sein sich beleidigt fühlen nicht bereits zwei Tote bedeutet hätte.
    Seine Frage, ob sie noch etwas wissen wollte, schien in purer Plauderlaune gestellt zu sein. Als ob sie hier beim Kaffeekränzchen säßen und eine nette Diskussion führen würden. In ihrem Kopf herrschte gähnende Leere, sie hatte einfach nichts, dass sie mit ihm bereden wollte. Seine Ansichten brauchte sie ja wohl nicht noch mal zu kommentieren, ihn anzuflehen, sie in Ruhe zu lassen, würde wohl genau so wenig bringen, immerhin hatte seine Motivation ja bisher auch ausgereicht, um Elias und Sarah zu töten.
    „Es gibt nichts, dass das verhindern kann, oder?“, fragte sie dann doch, wenn auch mehr aus dem Gefühl heraus, etwas sagen zu müssen, wenigstens zu versuchen, hier noch irgendwie heil raus zu kommen.
    Gleichzeitig wollte sie aber auch eigentlich gar nicht mehr mit ihm in dieser Wohnung bleiben und im Grunde hoffte sie schon fast, dass er sie verschleppte, damit es zu nicht noch einer Begegnung zwischen den Vampiren und ihren Mitbewohnern kam. Denn nachdem sie ja schon seit längerem eingesehen hatte, dass sie verloren war, war ihre höchste Priorität, ihr Umfeld vor ihm zu bewahren.

    Anja Hansen

    Anja Hansen hatte derweil ganz andere Probleme. Sie saß in ihrem Streifenwagen, hatte die Füße aufs Armaturenbrett gelegt und wartete auf Frank, der gerade engere Bekanntschaft mit einer öffentlichen Toilette schloss. Sie hatte ihm gesagt, dass dieser dämliche Schuppen eher eine Gesundheitskontrolle als einen weiteren zahlenden Kunden brauchte, doch Frank war in so gut wie allen Belangen belehrungsresistent. So hatte er sich an dem siffig wirkenden Imbiss, bei dem sich Anja nicht einmal eine verschlossene Limo geholt hätte, ein Currywurst-Menü gegönnt, nur um das Klischee, das sämtliche Polizisten ständig in irgendwelchen Imbissen herumhingen und Hotdogs oder ähnliches Fastfood aßen, zu erfüllen. Ein paar Stunden später war es dann spaßig geworden. Seufzend spielte Anja mit ihrem alten Nokia herum, schlug sich die Zeit mit Snake tot. Die meisten Kollegen belächelten sie für das alte Modell, doch sie fand das wesentlich angenehmer als dieser ganze neumodische Schnickschnack. Vielleicht war sie mit ihren Paarundvierzig auch einfach schon zu alt dafür. Eigentlich wäre dieser Abend Benjamins Problem gewesen, doch der Kollege hatte sie angefleht, seinen Dienst zu tauschen, weil er die Chance auf ein Date hatte. Wieder etwas zum Augenverdrehen, aber er hatte ihr einen so passenden Termin, der mit einer Theaterschulaufführung ihrer Kinder zusammenfiel, angeboten, dass sie seine Bitte nicht hatte ablehnen können. Benjamin wusste schon, wie er sie rumzukriegen hatte.
    Das Knacken des Funkgeräts riss sie aus ihren Gedanken und Anja drehte es lauter. Ein Notruf war eingegangen, nicht allzu weit von ihr entfernt.
    „Wagen 38“, meldete sie sich bei der Zentrale. „Wir können übernehmen.“
    Zumindest wenn Frank bald mit Kotzen fertig war und sich irgendwas eingeworfen hatte, dass er wieder arbeitsfähig war. Dass er das tun würde, wusste sie, denn er war jemand, der nicht nach Hause fuhr, wenn es ihm schlecht ging. Solange er nichts Ansteckendes hatte, sollte ihr das egal sein und hier wusste sie ja nun einmal genau, was Sache war und konnte sich auch relativ sicher sein, dass er noch imstande war, seinen Job zu machen.
    „In Ordnung“, kam die Bestätigung und genaue Daten wurden übermittelt. „Seien Sie vorsichtig und rechnen Sie mit Problemen. Die Notrufmeldung war seltsam.“ Es folgte ein Abspielen des Originals, man hörte eine panische, weibliche Stimme, einen kurzen Moment der Stille, und schließlich einen Mann, der etwas von Mord und Vampiren erzählte.
    Anja setzte sich blitzschnell gerade hin. Scheiße. Wenn da was dran war, klang das überhaupt nicht seltsam, sondern nur schrecklich.
    „Sie sollten auf Verstärkung warten, wir geben diesen Fall weiter.“
    „Verstanden.“
    Um ihre Verstärkung wusste sie sich selbst zu kümmern und falls da tatsächlich Übernatürliche im Spiel waren, gab es eigentlich nur eine Ansprechpartnerin. Noch während sie die Funkverbindung zu ihrer Freundin aufbaute, fuhr sie schon los, ohne Rücksicht auf Frank zu nehmen. Der erste Verstoß gegen die Vorschriften, der zumindest ein Menschenleben retten würde.
    „Es gab vermutlich einen Vampirüberfall“, informierte sie Simone und schob die Adresse gleich hinterher. „Ich fahre hin, riegel den Bereich ab und stelle sicher, dass die Sanitäter nicht hineinlaufen.“
    „Vermeide Kontakt!“ Simones Stimme klang eindringlich und Anja musste trotz der Nervosität lächeln.
    Ihre Freundin war eine Aktive und schon eine gefühlte Ewigkeit hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, Anja über alles zu informieren, was es mit der übernatürlichen Welt auf sich hatte, und sie nicht davon ausschließen, wie manch andere Übernatürliche es mit ihrem Umfeld taten. Andererseits war Anja nun einmal ein Mensch und auch wenn sie einen ohnehin gefährlichen Beruf hatte, war es doch noch einmal ein Unterschied.
    „Ich bin doch nicht lebensmüde!“, beruhigte Anja sie also nur und sie hatte ja wirklich nicht vor, sich unbedingt ins übernatürliche Kreuzfeuer zu begeben. Aber sie musste ja nun auch mal sicherstellen, dass da nicht irgendwelche Zivilisten in etwas hineingerieten. Es war auf jeden Fall gut gewesen, nicht auf Frank gewartet zu haben, den bei ihm war sie sich sicher, dass er nichts von Übernatürlichen wusste und den Aktiven und deren Rat war daran gelegen, es auch dabei zu belassen, dass so wenig Leute wie möglich informiert waren. Das sah Anja ein, immerhin könnte da ja tatsächlich Panik ohne Ende entstehen.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Do 20 Jul 2017, 18:14

    Lars Viklund-Holm

    Sie waren noch nicht ganz an dem Punkt angelangt, an den Lars mit ihr kommen wollte, aber das machte nichts. Sie kannte ihn eben auch noch nicht richtig und wusste noch nicht, dass ein gelangweilter Lars noch einmal fünfhundert Mal schlimmer war als ein Lars, der einigermaßen bei Laune war. Nach Möglichkeit nicht mit ihm reden zu wollen, war also auf jeden Fall schon mal nicht die beste Entscheidung, auch wenn sie objektiv natürlich nachvollziehbar gewesen wäre. Lars fehlte diese Objektivität natürlich ohnehin komplett. Er besaß nicht die Empathie, um mit ihr mitfühlen zu können und war so sehr von sich selbst überzeugt, dass er ohnehin der Meinung war, dass er ja wohl tendenziell eher jemand war, mit dem man sich ja wohl unterhalten würde. Denn auch wenn man mit seinen Ansichten nicht konform ging, war er seiner eigenen bescheidenen Meinung nach ja wohl so oder so interessant genug, um ihn nicht zu ignorieren. Zumal sie vorher doch auch so liebend gern mit ihm diskutiert hatte. Aber sie war vielleicht auch nur im Internet so mutig.
    Als sie dann doch sprach, weckte sie für einen Moment aber doch wieder dieses Gefühl in ihm, das ihn ursprünglich dazu gebracht hatte, sie haben zu wollen. Sie war verängstigt, trotzdem hielt sie noch immer zumindest zu einem Teil dagegen. „Ah, aber du hättest dich theoretisch auch bedeckt halten können. Du hättest mich viel früher ignorieren können. Aber das hast du nicht. Das war interessant.“ Auch wenn du da natürlich noch nicht ahnen konntest, mit wem du diskutierst.“ Wahrscheinlich hatte sie ihn für irgendeinen Verrückten gehalten am Anfang, nicht wissend, dass alles, was er gesagt hatte, der Wahrheit entsprach. Andererseits hatte er sie damals ja auch offensichtlich schon genug verunsichert, um die Regierung vor ihm zu warnen. „Ich hätte nicht gedacht, dass du dich tatsächlich an den Bundestag wendest, um vor mir zu warnen. Ich war überrascht, als ich davon gehört habe.“ Natürlich war die Information relativ schnell wieder bei ihm angekommen. Er wusste nicht, welchen Weg das genau innerhalb der deutschen Regierung gegangen war, aber irgendjemand hatte am Ende David angerufen und der hatte natürlich ihm davon erzählt. David hielt ihn schließlich immer über alles auf dem Laufenden; auch wenn David nun einmal Gründer und eigentlicher Anführer der IMA war – das konnte Lars nicht leugnen und es war auch in Ordnung für ihn – war Lars nun einmal nicht irgendein dummer Laufbursche, sondern gab auch mit den Ton an. David hatte zwar in der Regel das letzte Wort, allerdings waren sie oft sowieso einer Meinung, also war das nicht schlimm.
    „Nein, gar nichts“, entgegnete Lars schlicht. „Es sei denn, du schaffst es, vor mir zu entkommen.“ Mittlerweile hatte Lars dem Vampir auch das nonverbale Zeichen gegeben, Ria lockerer zu lassen und nicht aufzuhalten, falls sie sich noch entschließen sollte, wegzulaufen.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Do 20 Jul 2017, 18:32

    Ria Weber

    Das warf sie sich inzwischen selbst vor. Ihn nicht einfach früher ignoriert zu haben. Aber den ganzen Mist, den er von sich gegeben hatte, hatte sie nicht einfach ignorieren können. Dafür war sie dann doch zu überzeugt davon, dass das alles absoluter Blödsinn war.
    „Sollte es darauf nicht hinauslaufen? Dass der Regierung Panik gemacht wird? Damit die noch nervöser werden?“
    Zumindest war sie zu diesem Schluss gekommen. Wie beunruhigt die Aktiven gewesen waren, als sie davon mitbekommen hatten, hatte Ria ja schließlich am eigenen Leib erfahren … wobei …
    „Was sollte das mit den Aktiven? Wäre es sowieso dazu gekommen, unter Terrorverdacht zu stehen oder war das auch bewusst eingefädelt?“
    Bei Lars' nächsten Worten starrte sie ihn nur an. Nicht einmal aus Panik heraus, sondern aus purem Unglauben. Tatsächlich bahnte sich da gerade sogar das Gefühl an, verarscht zu werden.
    „Hahaha!“, stieß sie hervor. „Wir wissen beide, dass das Bullshit ist!“
    Natürlich war der Gedanke, es zu versuchen, nach wie vor präsent. Aber trotzdem wusste sie mit absoluter Sicherheit, dass da rein gar nichts zu machen war. Sie, ein Mensch, gegen drei Vampire und einen Hexer? An der Unmöglichkeit dieses Versuchs hatte sich in den letzten fünf Minuten schließlich nichts geändert.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Do 20 Jul 2017, 18:49

    Lars Viklund-Holm

    „Ja, definitiv. Uns hast du damit auf jeden Fall einen ziemlich großen Gefallen getan. Hat leider nicht gereicht, damit sie uns auch angreifen, aber ich denke, wir haben sie bald soweit.“ Wahrscheinlich war es nicht gerade diese Regierung, die den ersten Schritt machen würden, da gab es andere mit mehr Temperament, aber die standen ja schließlich alle miteinander in regem Kontakt und erzählten sich gegenseitig von allem, was sie zwischenzeitlich so in Erfahrung bringen konnten.
    „Schwer zu sagen. Die Sache ist direkt auf Elias’ Schreibtisch gelandet und er hat brav David davon erzählt. Zumindest hatte er zu dem Zeitpunkt noch gemacht, was von ihm erwartet wurde. „Insofern hatten wir da natürlich schon irgendwie unsere Hände im Spiel. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass es hier um mich geht“, und er betonte das Personalpronomen so deutlich, dass nicht offensichtlicher hätte sein können, mit wie viel Zufriedenheit ihn diese Panik um seine Person erfüllte, „hätte vermutlich auch ein normaler Leiter der Aktiven in die Wege geleitet, dass sich vielleicht mal ein paar Leute mit dir unterhalten. Die sind da immer ein bisschen panisch. Immer, wenn es in den letzten 20 Jahren irgendwo einen etwas größeren Anschlag gab, haben die mir sofort Aktive vorbei geschickt, damit die sich mit mir unterhalten. Dass sie dann Kontakt mit jemandem aufnehmen, der offensichtlich Kontakt mit mir hatte, ist nur logisch.“ Zumindest dachte Lars sich das so. „Aber so war es natürlich ziemlich amüsant. Fast ein bisschen schade um Elias, aber er hat sich offensichtlich etwas anderes unter seinen Aktivitäten für uns vorgestellt. Kann man nicht ändern.“ War nun auch nicht so, als hätte Lars ihm eine Träne nachgeweint. David war ebenso wütend gewesen wie Lars, weil Elias es gewagt hatte, ihnen in den Rücken zu fallen, aber er hatte Lars ihn ermorden lassen. Das hatte gut getan.
    Lars lachte heiser. „Ja, vielleicht. Aber an deiner Stelle würde ich es ja zumindest versuchen – könnte deine einzige Chance sein, oder? Wenn wir erst einmal Zuhause sind, wirst du von dort nicht mehr wegkommen.“ Damit griff Lars in die Tasche und zog einen Autoschlüssel hervor, den er ihr zuwarf. "Dein Fluchtwagen steht fast direkt vor der Tür. Wenn du es schaffst, mir zu entkommen, lasse ich dich in Ruhe." Würde er natürlich nicht, aber behaupten konnte man das ja mal. "Die Vampire werden dich gehen lassen." Und zur Bestätigung ging der Vampir, der sie bisher von der Wohnungstür getrennt hatte, beiseite.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Do 20 Jul 2017, 19:54

    Ria Weber

    Ria drehte sich der Magen um bei dem Gedanken, der IMA einen Gefallen getan zu haben. Aber sie hätte sich doch nicht anders entscheiden können, hätte sie etwa einfach nichts tun sollen? Lars' Selbstverliebtheit entging selbst ihr in ihrer beschissenen Lage nicht. Er erwähnte erneut Elias und Schuldgefühle durchzuckten Ria. Er hatte ihr geholfen und war nun tot …
    'Zuhause' war das Wort, das Rias, wenn auch unsinnige, Hoffnung – oder eher Angst – aktivierte. Sie verharrte noch einen kleinen Moment voller Unglauben, doch der zugeworfene Schlüssel ließ sie dann endgültig herumfahren und die Treppe in waghalsigem Tempo hinunterstürmen. Ab da übernahmen nur noch Panik und der Wille zu Überleben, ihr Handeln, das normale Denken wurde komplett ausgeschaltet.

    Anja Hansen

    Als Anja die Adresse erreichte, wirkte alles ruhig. Das Rettungsteam traf fast im selben Augenblick ein wie sie und die Polizistin ging schon davon aus, dass der Vorfall, was auch immer nun genau geschehen war, bereits über die Bühne gegangen war. Nichtsdestotrotz blieb sie wachsam, als sie ausstieg. Irgendetwas war seltsam, ohne dass sie benennen konnte, was es war. Sie fühlte sich beobachtet, was zum einen heißen konnte, dass noch Vampire in der Nähe waren, zum anderen aber auch, dass sie eben wusste, dass sie da gewesen waren. Sie überbrückte den Weg zum Rettungsteam. Zwei Sanitäter hatten ihr Einsatzfahrzeug direkt vor dem Haus geparkt, ihres stand nur unweit daneben, ebenfalls noch mit Blinklicht an, wenn auch ohne Ton. Jemand, der aus dem Fenster schaute oder aber vorbei kam, musste sehen, dass etwas im Gange war. Nun bereute sie doch, Frank nicht dabei zu haben, denn sie konnte nicht gleichzeitig mit den Rettungskräften nach oben gehen und hier unten aufpassen, dass niemand das Gebäude betrat. Also doch auf die Aktiven warten? Wegen der Sanitäter wäre das kein Problem, die würden sie für normale Polizisten halten. Sie kam nicht dazu, eine Entscheidung zu treffen. Die Haustür flog auf und schon hielt Anja ihre Pistole in der Hand, sich für sämtliche Anblickte wappnend. Das Mädchen, das durch den Eingang stolperte, überraschte sie dennoch. Es fiel förmlich in sie hinein, hatte weit aufgerissene Augen, aus denen pure Panik sprach. Scheiße, das war nicht gut.
    „Lars“, stieß es hervor.
    „Beruhigen Sie sich“, versuchte Anja auf sie einzuwirken, nach ihrer Schulter zu greifen, doch das Mädchen schien sie nicht einmal richtig wahrzunehmen.
    „Lars säuft meinen Kühlschrank leer!“ Die Mimik der Flüchtigen wirkte beinahe wahnsinnig und Anja war durch diesen Ausruf tatsächlich einen Augenblick perplex.
    Bei 'Lars' machte es allerdings schnell klick. Vampire, Mord und dieser Name in Kombination klang absolut nach keiner Situation, in der sie sich befinden wollte. Das Mädchen hatte sich indes schon fast an ihr vorbei gequetscht, Anja bekam es gerade noch am Ärmel zu fassen, doch der Versuch, sie festzuhalten, um sie ins Polizeiauto zu setzen, riss die Polizistin mit. Die Kleine schien einen unheimlichen Horror ausstehen zu müssen und die Polizistin wollte sich gar nicht vorstellen, was da oben passiert sein musste. Fakt war jedenfalls, wenn wirklich der Lars, den sie mit diesem Namen in Verbindung mit Übernatürlichen verband, das Mädchen durch den Fleischwolf gedreht hatte, dass es absolut nicht verwunderlich war, dass es so eine seltsame Aussage von sich gab, offensichtlich war ihr Gehirn bereits jetzt dabei, irgendwelche Erinnerungen extrem zu kodieren. Diesmal packte sie bestimmter zu, kalkulierte die Gegenwehr mit ein und zerrte das Mädchen Richtung ihres Autos. Es lebte noch, und sie selbst lebte auch noch. Also lief hier irgendein krudes Spiel. Vermutlich hockten in allen möglichen Ecken IMA-Agenten, die das Opfer durch die Gegend jagen sollten oder so.
    „Alles ist gut!“, herrschte sie die Flüchtige in einem dermaßenen Militärton, sie war jahrelang Soldatin gewesen und konnte sämtliche Tonlagen, die Menschen dazu brachten, zur Besinnung zu kommen, perfekt, an, dass es sich tatsächlich auf die Rückbank drücken ließ.
    „Da geht keiner rein!“, herrschte sie dann eben so bestimmend die überaus unsicher wirkenden Sanitäter an. „In ihr Auto!“
    Schon griff sie durch die Scheibe nach dem Funkgerät, mit dem miesesten Gefühl aller Zeiten die Häuserwand des Wohnhauses nach oben blickend. Das Aufblinken eines Wagens, der gerade geöffnet wurde, zog ihre Aufmerksamkeit auf sich und mit einem Fluchen musste sie feststellen, dass das Mädchen gerade in ihn hinein hastete, sie war einfach auf der Rückbank durchgerutscht und wieder ausgestiegen. Dummer Anfängerfehler, sie nicht im Auge zu behalten! Schon raste das dunkle Auto rückwärts los, touchierte einen Blumenkübel und raste ohne Licht davon.
    „Scheiße!“, brüllte Anja, hastete zur Fahrerseite und startete ebenfalls den Motor. Das brachte es doch jetzt voll nicht!
    Eine Gestalt löste sich aus einem der Schatten, nahm Kurs auf ihr eigenes Fahrzeug und es war offensichtlich, dass da jemand nicht wollte, dass Anja sich einmischte. Mit einer schnellen Bewegung griff sie unter ihren Sitz, förderte eine abgesägte Schrottflinte, ein weiterer Verstoß gegen die Vorschriften, hervor und wartete, bis die Gestalt so nah dran war, dass sie ins Visier nehmen konnte. Mit einer Aktiven zusammen zu sein, die ebenfalls so ihre Kontakte über die eigentlichen Kollegen hinaus hatte, war äußerst hilfreich. Anderenfalls hätte dieser zielgerichtete Schuss vermutlich nichts gebracht. So verschoss die doppelläufige Waffe jedoch zwei Projektile auf einmal, ein normales und eins mit einem Präparat, dass die Kräfte der Übernatürlichen hemmte. Sie wartete das Ergebnis nicht ab, hatte nur den Weg frei gebraucht, sondern raste ebenfalls los, der Flüchtigen hinterher. Einhändig die Waffe nachladend, konnte sie endlich den Funkverkehr aufnehmen.
    „Viklund-Holm“, gab sie die brisante Information direkt weiter.
    Sie hörte Ausbrechen der Hektik im Hintergrund, offensichtlich das Team von Simone.
    „Du hältst dich da raus!“, folgte eine prompte Anweisung in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete.
    „Zu spät. Ich hab gerade einen seiner IMA-Anhänger über den Haufen geschossen.“
    Stille, ein unverständlicher Zwischenruf von einem der Aktiven im Hintergrund. Simone blieb professionell genug, um sich eine emotionale Reaktion auf diese Entwicklung zu sparen. Es brauchte keine Worte, um ihnen beiden klar zu machen, dass das wohl Anjas letzter Einsatz gewesen war ...
    „Behaltet meine Position im Auge, wenn er es auf das Mädchen abgesehen hat, könnt ihr ihn vielleicht schnappen! Ich versuch an ihr dran zu bleiben.“
    Einen Versuch stellte das bisher wirklich eher da. Das Mädchen raste durch die Gegend, so dass Anja sich nicht sicher war, ob sie durch Panik gesteuert wurde, oder ob sie bereits eine Rennfahrerkarriere hinter sich hatte. Scheiße, selbst sie hatte Mühe dran zu bleiben, dabei fuhr sie echt nicht zimperlich. Die Polizistin konzentrierte sich ganz auf das Ziel vor ihr, was hinter ihr geschah, wollte sie gar nicht wissen. Priorität hatte das immer noch unbeleuchtete Auto, jede Ablenkung würde nur dafür sorgen, dass sie es aus den Augen verlor.
    Irgendwann wurde offensichtlich, welchen Weg das Mädchen einzuschlagen gedachte, die Strecke führte direkt in Richtung des Unterratsgebäudes. Gar nicht dumm! Hatte sie vor, Lars dorthin zu locken? Den Aktiven entgegenfahren schien jedenfalls eine sinnvolle Taktik. Nur – schien Lars' Opfer nicht zu wissen, dass es in den letzten Wochen eine Streckenänderung gegeben hatte. Der direkte, schnelle Weg, war gesperrt und die Straße aufgerissen worden. War ja auch irgendwie verständlich, hätte sie diesen Irren im Nacken, wäre ihr auch nicht nach einem Verkehrsnetzupdate. Anja versuchte durch abwechselndes Rechtslinksblinken darauf aufmerksam zu machen, dass etwas nicht stimmte und sie geradewegs auf die gesperrte Strecke zuhielt. Was an sich ja nicht dramatisch wäre, wenn Anja nicht wüsste, dass die Baustellenfahrzeuge auch nachts nicht fort geräumt wurden und somit unweigerlich als Straßensperren dienten. Da musste sie wohl deutlicher werden! Sie schaltete die Anzeigetafel auf dem Dach ein, auf der normalerweise Dinge wie „Bitte folgen“ zu lesen waren. Sie blendete einen Abbiegepfeil ein, in der Hoffnung, das Mädchen würde in den Rückspiegel blicken. Doch sie schien so voller Panik zu sein, dass sie das alles fehlinterpretierte. Und auf jegliche Warnschilder achtete sie natürlich auch nicht!
    „Sie fährt durch die Baustelle!“, meldete sie über Funk, was die Aktiven nun einen nicht unerheblichen Umweg kosten würde, wenn es Anja nicht gelang, sie auf die letzten Abbiegemöglichkeiten hinzuweisen. Aber als sie sich zu einem kurzen, akustischen Alarmsignal entschied, war alles zu spät und ihr Ziel drückte nur noch mehr drauf. Die Polizistin spürte das unangenehme Poltern, als sie auf den noch nicht mit Belag überzogenen, dadurch tieferen Teil der Straße, donnerte.
    „Verdammte Scheiße!“, fluchte Anja los, beschleunigte ebenfalls noch mehr, betend, dass sich keiner in der Baustelle aufhielt.
    Wahrscheinlich übernahm sie da gerade einen Großteil von Lars' Arbeit, ganz offensichtlich fühlte sich das Mädchen nämlich gerade durch sie bedroht, und das, obwohl Anja ihr nur irgendwie weiß zu machen versuchte, dass sie gerade an der verfickten letzten Abbiegemöglichkeit vor dem Hindernis vorbei fuhr! Scheiße! Ein Impuls riet ihr, sie zu nehmen, denn sie wusste, das hier würde sonst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tödlich enden. Doch sie machte es nicht. Stattdessen versuchte sie mit Lichthupe wenigstens darauf hinzuweisen, dass da vorne bald ein Baustellenfahrzeug kam …
    Mit einem Mal bremste das Mädchen schlagartig ab, das Auto geriet ins Schleudern und Anja musste ebenfalls in die Eisen steigen. In gefühltem Zeitlupentempo sah sie das Auto in die Seite schlittern, sie selbst wurde geradeso nicht erwischt und kam schräg hinter ihm zum Stehen. Noch während sie sich fragte, was dieses verdammte Manöver sollte, erkannte sie im Scheinwerferlicht zwei Teenager, die wie erstarrt vor ihrer Motorhaube standen. Scheiße!!! Die hatte SIE beinahe erwischt! Keine Zeit, sich dem Schreckmoment hinzugeben! Anja schnappte sich die Schrottflinte, griff noch einmal unter den Sitz und zerrte zwei Pistolen hervor!
    „Verschwindet!“, brüllte sie die jungen Leute an und sah sich schließlich sogar dazu genötigt, ihnen vor die Füße zu schießen, als sie keine Anstalten machten, sich zu rühren.
    Endlich rannten sie schreiend davon, denn was hier gleich ablaufen würde, musste man echt nicht noch mehr Menschen antun. Noch war jedoch alles ruhig und Anja hastete zum Auto. Es war halb in den breiten Spalt zwischen ungeteerter Straße und dem Bürgersteig gekippt, definitiv zu sehr mit dem Reifen in dem Graben verkeilt, um hinausgefahren werden zu können. Das war allerdings nicht das größte Problem, denn sie hätten ja auch ihres nehmen können. Nur hing das Mädchen reglos da. Die Polizistin riss die Tür auf, fasste nach dem Mädchen, um es hinauszuziehen und bemerkte die Platzwunde an der Stirn. Es war nicht angeschnallt gewesen und hatte zumindest für den Moment das Bewusstsein verloren.
    Wieder ein Fluch. Etwas hinter ihr ließ Anja herumfahren und sie betätigte ohne zu zögern den Abzug. Eine weise Entscheidung. Mit dem Rücken zum Auto stehend, alles anvisierend, was näher kam, wusste sie endlich, was Simone damit gemeint hatte, das Menschen in so einer Auseinandersetzung nichts zu suchen hatten. Es war utopisch, dass sie hier eine reelle Chance hatte. Sie würde noch ein paar Gegner erledigen können, doch im Endeffekt hielt das Lars vermutlich noch nicht einmal auf. Auch wenn das natürlich ihre Hoffnung war, so lange Zeit schinden zu können, bis die Aktiven endlich vor Ort waren. Da sie die Lage bereits realistisch analysiert hatte, bestand ihr einziges Ziel nun darin, dem Mädchen diese wenn auch geringe Chance zu ermöglichen. Was immer Lars mit ihr auch vorhatte, was diesen Schrecken in ihr ausgelöst hatte, war nichts, das einem Menschen angetan werden sollte. Und wenn ihre letzte Handlung daraus bestand, diesem Mann, der die gesamte übernatürliche und eingeweihte menschliche Welt in Angst und Schrecken versetzte, in die Augen zu gucken und ihm voller Inbrunst vor die Füße spucken zu können, war das eben so. Sie bereute nicht einmal wirklich, ihren Dienst getauscht zu haben. Ihre Kinder waren versorgt, Simone wusste die Bankdaten zu einem Konto, auf dem Anja seit Jahren Geld für sie gespart hatte. Dass irgendwann der Punkt kommen würde, an dem sie aus einem Einsatz nicht zurückkam, war immer unterschwellig für alle in ihrer Nähe klar gewesen. Ihr Leben beim Militär hatte dieses Risiko mit sich gebracht, und auch das bei der Polizei war da im Endeffekt nur unwesentlich ungefährlicher. Sie bereute nicht, bei der letzten Abbiegung dieses wahnsinnige Rennen nicht verlassen zu haben. Selbst wenn sie das tatsächlich noch aus Lars' Fokus gerückt hätte, hätte sie es niemals mit ihrem Gewissen vereinbaren können.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Do 20 Jul 2017, 20:49

    Lars Viklund-Holm

    Das konnte noch ziemlich amüsant werden. Lars hatte das alles immerhin von langer Hand geplant und war sich sicher, dass er seinen Spaß damit haben würde, Marianne zu jagen. Also ließ er sie erst einmal loslaufen.
    „Lars?“ Christian, der dritte Vampir, der sich zunächst in der Wohnung versteckt hatte, war nun an ihn herangetreten.
    „Hm?“
    „Da unten ist schon ordentlich Trubel.“
    „Damit kann ich mich jetzt nicht beschäftigen.“ Lars’ Schritte waren vergleichsweise gemächlich, als er runter ging, trotzdem hatte er nicht vor, unnötig zu trödeln. Aber einen kleinen Vorsprung wollte er ihr natürlich schon lassen. Sonst wäre es ja langweilig gewesen. Und da er ihren Fluchtwagen mit einem Peilsender versehen hatte – völlig bescheuert war Lars schließlich auch nicht – würde er sie so oder so wieder finden. „Kümmert euch um die Polizei und die Sanitäter, ich kann dir jetzt nicht gebrauchen.“ Er griff nach einem Funkgerät, das er sich besorgt hatte, um mit seinen Laufburschen in Kontakt zu bleiben. „Könnte gleich ungemütlich hier werden, haltet mir den Rücken frei.“
    Zunächst nahm niemand so wirklich von ihm Notiz. Die Sanitäter saßen mittlerweile, warum auch immer, wieder im Auto, und Lars ließ sich die Vampire darum kümmern.
    Marianne fuhr gerade mit quietschenden Reifen davon und die Polizistin war gerade auch mehr damit beschäftigt, sie zu verfolgen, als von Lars – der sich allerdings auch im Schatten der Vampire gehalten hatte – Notiz zu nehmen.
    Also ging Lars zu dem Auto, das er für diese Verfolgung extra dort bereit gestellt hatte, gab den anderen IMA-Anhängern ein Zeichen, ihm zu folgen, und fuhr los.
    Die Fahrt war interessant. Die Polizistin hatte sich, aus welchem Grund auch immer – vielleicht dachte sie, Ria hätte einen Mord begangen? – an die Fersen des Menschenmädchens geheftet und Lars für seinen Teil fuhr einfach hinter den beiden her.
    Offenbar wollte die Polizistin Ria allerdings irgendetwas mitteilen. Die genaue Botschaft war ihm auch nicht so ganz klar, aber zumindest war ihm klar, dass sie ihr irgendetwas sagen wollte. War ihm aber auch egal. Um die Polizistin würde er sich kümmern, wenn sie eben dort war. Mit der Menschenfrau würde er leichtes Spiel haben, die stellte wohl kaum ein Hindernis dar. Dann tauchte die Ausschilderung für eine Baustelle auf.
    „Ah.“ Damit war das dann also auch klar.
    „Lars? Ich glaub, wir haben hier ein Auto mit Aktiven am Arsch. Und die Polizistin hat um sich geschossen.“
    „För i helvete“, murmelte Lars auf Schwedisch vor sich hin und griff dann nach dem Funkgerät. „Versucht sie irgendwie loszuwerden.“ Aber gut, die würden wohl kaum auf ihn vorbereitet sein und vermutlich waren sie einfach nur auf den Plan getreten, weil Lars was von Vampiren gesagt hatte. War nun blöd gelaufen, aber er hatte immerhin zwei Autos voll mit IMA-Mitgliedern, die hinter ihm her fuhren, die würden ihm die Aktiven schon vom Hals halten. Die würden ja schließlich nicht damit rechnen, dass Lars Viklund-Holm persönlich hier aufschlug und nicht gleich eine ganze Armada von Aktiven vorbei schicken. Also kein Grund, sich Sorgen zu machen.
    Am liebsten wäre Lars einen Bogen gefahren, nur um die jungen Leute über den Haufen zu fahren, aber dazu war nun keine Zeit. Er musste sich um Marianne kümmern.
    Somit kam auch Lars zum Stehen und stieg aus dem Auto aus. „Du kennst mich nicht, aber glaub mir, du willst mich auch nicht kennen lernen“, rief er der Polizistin in Ruhe. „Wenn du dich verpisst, lasse ich dich vielleicht am Leben. Oder ich mache es zumindest kurz und schmerzlos. Ich will das Mädchen, du bist mir egal.“


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

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      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Sa 16 Dez 2017, 21:42