Pooly's Kunst und Schreibforum

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Pooly & Co.

    Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Austausch

    Jadelyn
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 01:22

    Ria Weber

    Natürlich wussten sie ihren Namen bereits. Vermutlich hatten sie die Akte ebenfalls ausführlich in Augenschein genommen. Ria konnte also nur abermals nicken, nachdem eine Vorstellung ja überflüssig geworden war.
    Cillian wirkte umgänglicher auf sie, zumindest er machte kein Geheimnis daraus, ein Artgenosse zu sein und Ria musste zugeben, sich doch ein kleines bisschen erleichtert zu fühlen. Instinktiv beschloss sie, sich in erster Linie an ihn zu halten, sollte ihr Anwalt Fragen haben, würde er schließlich intervenieren können.
    Die erste Frage kam prompt und sie zuckte unsicher mit den Schultern. Was zählte in diesen Kreisen zu unter Druck setzen? „Marco hat mich an menschliche Geheimdienste verwiesen“, antwortete sie schließlich. „Und mir die angelegt.“ Sie klimperte mit den Handschellen. „Daran bin ich aber nicht ganz unbeteiligt, fürchte ich. Viola war umgänglicher und hat sich zumindest bemüht, mir zuzuhören, auch wenn sie mir wohl genau so wenig glaubt.“
    Im Anschluss wiederholte sie, was sie den Aktiven im Großen und Ganzen erzählt hatte, diesmal direkt anführend, dass sie wusste, wie krude sich das anhörte. „Ich hab ihnen mehrmals gesagt, sich alles zu diesen Gesprächen, sowohl Adrian, als auch Lars betreffend, anschauen zu können. Sie haben sich vehement geweigert“, fügte sie noch hinzu, um deutlich zu machen, dass sie in keiner der Angelegenheiten etwas zu verbergen hatte.
    Während sie das tat, musste sie an Lars' Worte zurückdenken. Die Äußerungen, dass sie nicht weniger rassistisch war als er. Das hatte wehgetan, weil es einen Punkt in ihr berührt hatte, an dem sie selbst ins Grübeln gekommen war. Aber bewies sie nicht gerade, dass seine Anschuldigungen, sie würde etwas gegen Vampire tun, wenn sie könnte, falsch waren? Immerhin hätte sie gerade DIE Gelegenheit, Adrian zumindest Schwierigkeiten zu machen. Bei den Aktiven vorhin hatte sie noch nicht daran gedacht, aber selbst jetzt würde das wohl noch locker reichen, um ihn ebenfalls in den Dreck mit hineinzuziehen. Aber sie sah einfach keinen Grund dazu, da konnte sie noch so sauer auf ihn sein. Sie war definitiv nicht wie Lars! Ob das indirekte in Schutz nehmen nun aus ihr kam oder sie einfach nicht wie Lars unterstellt hatte, reagieren zu wollen, wusste sie nicht. Und sie hatte auch gerade definitiv andere Sorgen, als ihre eigenen Beweggründe zu analysieren.
    „Ich halte das mit David nach wie vor für wahr“, betonte sie noch einmal diese absolut schräge Behauptung. „Und irgendeinen Wahnsinnigen, der aus dem Gefängnis geholt wurde, will er wohl auch noch rekrutieren. Um ihm zu helfen, angeblich. Ich denke, er ist schlicht auf die Fähigkeiten scharf. Das habe ich vorhin vergessen zu erzählen … wobei sie mir vermutlich eh nicht geglaubt hätten.“
    Oder würde Marco das nun so drehen, dass sie widersprüchliche Aussagen gemacht hatte und dadurch noch verdächtiger war, wenn er davon erfuhr?
    „Ich habe und hatte mit Lars außer diesem Gespräch nichts zu tun! Auch wenn Marco das ständig zu widerlegen versucht“, betonte sie noch einmal ihre Position in dem Ganzen. „Er hat mir sogar zumindest indirekt ein sexuelles Interesse an Lars unterstellt.“
    Alleine bei dem Gedanken schüttelte es sie
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 08:22

    Cillian Cavanaugh


    Die ganze Sache gefiel Cillian jetzt schon nicht. Abgesehen davon, dass sich da rein diplomatisch gesehen ein wahres Desaster ankündigte, tat ihm die junge Frau auch wirklich leid. Womöglich hatte sie Lars sogar nur als irgendeinen Spinner aus dem Internet abgetan, dann war sie von zwei Übernatürlichen zum Verhör abgeholt worden und jetzt war sie auf einmal mehr oder weniger offiziell eine Verdächtige in übernatürlichen Terrorismusermittlungen. Cillian versuchte sich vorzustellen, wie er sich an ihrer Stelle gefühlt hätte, allerdings war er, obwohl er ein Mensch war, seit so vielen Jahren fest mit dem Übernatürlichen verbandelt, dass ihn kaum noch etwas schockieren konnte. Der letzte große Schock war gewesen, dass sein kleiner Bruder ein Serienmörder war. Schlimmer konnte es – für ihn persönlich – kaum noch werden, oder?
    Carsten machte sich Notizen zu dem, was sie sagte und vermutlich entwickelte er im Kopf schon eine Strategie, wie er seine Mandantin hier heraus hauen konnte. Hoffte Cillian zumindest, denn besonders motiviert wirkte der Kerl in seinen Augen nicht, aber das würde er nun nicht noch laut äußern. Er hoffte einfach, dass er sich irrte oder dass der Typ trotzdem seinen Job angemessen erledigte.
    „Ich verstehe“, sagte der Anwalt also erst einmal nur.
    Dann erzählte Marianne ihre Version der Geschichte und ja, es klang wirklich absurd.
    „Das mit den Chatverläufen versucht der Rat zu vermeiden“, sagte Cillian ruhig, denn er fand, dass sie zumindest die Wahrheit verdiente. „Das würde bedeuten, sie entweder von den Menschen offiziell anfordern zu müssen oder sie auf anderem Wege zu beschaffen und so oder so gibt das entweder ein bürokratisches oder ein diplomatisches Chaos. Das machen die nur, wenn sie der Meinung sind, dass es wirklich sein muss und weil es Ermessenssache ist, wann es wirklich sein muss, zögern sie es heraus.“ Damit war das zumindest schon mal erklärt. „Die gute Nachricht ist, dass Sie, selbst wenn es zu einer Verhandlung kommen sollte – was unwahrscheinlich ist – die Chatverläufe anfordern MÜSSEN, das heißt allerspätestens dann würden Sie entlastet werden.“ Was natürlich nur ein sehr schwacher Trost gewesen wäre, zumal das in einem Fall wie diesem vermutlich erst einmal eine Untersuchungshaft voraus gesetzt wurde und im schlimmsten Fall konnten auch schon mal zwei bis drei Monate ins Land ziehen, bis die Gerichtsverhandlung dann auch tatsächlich stattfand.
    „Ihre Geschichte klingt wirklich unglaublich absurd“, hielt auch Cillian noch einmal fest. „Aber unter anderem gerade deswegen denke ich nicht, dass Sie sie sich ausgedacht hätten. Wenn Sie wirklich mit Lars zusammen arbeiten würden, würde das voraussetzen, dass er irgendetwas von Ihnen haben will. Solange er das nicht hätte, würde er Sie nicht fallen lassen, das heißt, er würde sich vermutlich etwas Besseres einfallen lassen als diese Geschichte. Darüber hinaus bin ich wie gesagt selbst ein Mensch und ich schätze Sie für klug genug ein, sich nicht einer rassistischen Bewegung anzuschließen, die sich gegen Menschen richtet.“
    Und dann … dann war da noch die Sache mit David. Ob das stimmte, war fraglich. Allerdings musste man zugeben, dass es auf eine schräge Art und Weise irgendwie Sinn ergab. Wenn Lars tatsächlich die Bereitschaft besessen hatte, sich für die Sache zu opfern, dann war das die perfekte Tarnung für David. Natürlich war so eine Geschichte der perfekte Karrieresteigbügel und wahrscheinlich hatte jeder, einschließlich der beiden, gewusst, dass David irgendwann Präsident werden würde, wenn er es wollte. Die Frage war nur, ob Lars bereit war, für jemand anderes über die Klinge zu springen. Was stand denn dafür bei Lars auf der Habenseite? Irgendetwas musste er sich ja davon versprechen. Andererseits war der Typ nun einmal ein völliger Rassist. Ein Terrorist, um jeden Preis die Welt zu seinen kruden Vorstellungen verändern wollte. Er war kaltblütig und möglicherweise überzeugt genug von seiner Sache, um notfalls auch dafür ins Gefängnis zu gehen. Und wenn man die Sache mal weiterspann, war er bei seinen Leuten wahrscheinlich ein großer Held, ein Märtyrer, der die Sache über seine persönlichen Vorteile gestellt hatte … Cillian wurde spontan schlecht.
    „Okay. Es … ergibt auf eine sehr merkwürdige Art und Weise Sinn. Wenn das wahr sein sollte, haben wir alle ein riesiges Problem, aber ich würde es nicht kategorisch ausschließen.“ Er wollte nicht sagen, dass es möglicherweise wahr war, aber zumindest wollte er diese Tür nicht schließen. Schon allein deshalb – und das verstanden die meisten beim Rat vielleicht auch nicht – weil sie, Menschen wie Cillian selbst oder Marianne – nach der Vorstellung der IMA ganz unten standen. Wenn die geringste Möglichkeit bestand, dass der Präsident des Magischen Rates Teil der IMA war – womöglich sogar der wahre Anführer – dann wollte er, dass das geklärt wurde. Auch wenn leider verdammt unwahrscheinlich war, dass sie irgendetwas dagegen machen konnten.
    Korrektur: Anscheinend konnte es doch noch schlimmer werden. Cillians Gesichtszüge entgleisten regelrecht, als sie von dem Wahnsinnigen, der aus dem Gefängnis geholt worden war, erzählte.
    Noah …? Cillian wollte das nicht glauben, aber es ergab Sinn. Cillian wusste, dass Noah im Gefängnis mit Lars herumgehangen hatte, dass den Gerüchten zufolge sogar irgendetwas zwischen den beiden lief. Cillian hatte sich die ganze Zeit gefragt, warum Lars ausgerechnet um Noah herumschlawenzelte, aber das erklärte es. Irgendwie.
    Wahrscheinlich war Cillian bei der Erwähnung kalkweiß geworden. „Lars hat …“ Er räusperte sich, als seine Stimme versagte. „… nicht zufällig den Namen dieser Person erwähnt? Oder … welche Fähigkeiten er konkret hat?“ Bitte nicht Noah. Oh, bitte nicht.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 10:15

    Ria Weber

    Immerhin wurde ihr diesmal nicht als erste Reaktion vorgeworfen, wie lächerlich ihre Geschichte war. Cillian und Carsten wirkten zwar nicht weniger skeptisch, als die Aktiven zuvor. Aber das konnte sie ihnen ja nicht verübeln und der Ton machte nun einmal die Musik. Ria spürte, wie sie sich zumindest ein stückweit entspannte. Die beiden gaben ihr immerhin eine Chance. Und endlich verstand sie auch das Problem mit den Chatverläufen. Marco hatte das die ganze Zeit umschrifft, ohne sich klar auszudrücken, was das verdammte Problem daran war.
    „Das hätte er mir auch sagen können … ich hab das Zeug gescreenshottet.“ Wobei das vermutlich auch keinen Unterschied machen würde, denn dann hieße es schlicht, sie habe es im Nachhinein verändert oder so.
    Cillians Worte ließen schon wieder Panik in ihr hochsteigen. Er schien also auch mindestens nicht auszuschließen, dass es zu einer Verhandlung kommen könnte, auch wenn er sie als unwahrscheinlich darstellte.
    „Was sollte Lars von einem Menschen wollen?“, gab Ria bitter zurück.
    Die Aktiven hatten bereits rekrutierte Menschen angesprochen, aber Ria verstand weder deren, noch die Motivation der IMA dahinter. Wenn sie die Menschen so verabscheuten, könnten die doch kaum etwas tun. Und zumindest laut Lars war seine Seite mächtig genug, um schlicht kaum jemanden, auf den sie Terrorverdachte schieben konnten, zu brauchen. Ria war erleichtert, dass Cillian ihre Geschichte zumindest in Erwägung zog. Das hätte nachhaltig beruhigen können … wenn er nicht mit einem Mal völlig fassungslos gewesen wäre. Kannte er den Mann, von dem Lars gesprochen hatte, etwa? Waren die hier alle irgendwie familiär miteinander verbandelt?
    „Den Namen hat er nicht genannt. Aber es geht wohl um einen Serienkiller, der mit seiner Gesinnung hadert und laut Lars bei ihm viel glücklicher wäre, weil er nicht mehr etwas sein muss, das er nicht will ...“ So hatte Lars das zumindest inhaltlich ausgedrückt. „Er hat wohl irgendwelche Fähigkeiten, die seinen Verstand zerfressen. Wenn Sie mich fragen, ist an der Mitleidstour nichts dran und er will ihn einfach als Waffe benutzen.“ Und Spaß daran haben, ihn fallen zu sehen, setzte sie in Gedanken hinzu. „Kennen Sie ihn?“, stellte sie eine Gegenfrage, obwohl die Antwort eigentlich offensichtlich war.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 12:19

    Cillian Cavanaugh


    „Das würde vermutlich nicht als Beweis zugelassen werden“, bestätigte Cillian. „Aber wie gesagt, ich glaube nicht, dass es überhaupt zu einer Verhandlung kommen würde.“ Immerhin gab es, soweit er das verstanden hatte, bisher ja auch gar keine handfesten Beweise. Wenn sie die Wahrheit sagte, noch umso weniger. Das Einzige, was ihm ein bisschen Sorgen bereitete, war, dass eben wirklich die Möglichkeit bestand, dass womöglich ihr Präsident in der ganzen Sache drin hing. Und dann konnte es wiederum sehr hässlich werden, denn wenn das mit David stimmte, dann zweifelte Cillian nicht an, dass er die nötige Macht besaß, Beweise verschwinden zu lassen und zu fingieren, wenn er es wirklich wollte. Die Frage war nur, was sie davon hatten, irgendeine Studentin in die Scheiße zu reiten. Allerdings behielt Cillian seine Gedanken für sich, sie war schon panisch genug und er hoffte nun einfach mal nicht, dass die IMA um jeden Preis eine Verhandlung forcieren wollte und möglicherweise auch noch den nötigen Einfluss besaß, es zu einer Verurteilung kommen zu lassen. An diesem Punkt hätte Cillian zumindest aber auch das nicht mehr überrascht. Schockiert, ja, aber nicht überrascht.
    „Ich rede mal mit den Aktiven“, warf Carsten plötzlich ein. „Machen Sie sich keine Sorgen, ich hau Sie da raus.“ Besonders motiviert wirkte er nach wie vor nicht, aber wahrscheinlich war das einfach so eine kühle Anwaltart. Oder irgendwie so. Damit verließ Carsten den Verhörraum.
    „Es gab schon häufiger Fälle, in denen die IMA Menschen rekrutiert hat. Wenn sie die Möglichkeit haben, finden sie es gut, wenn sie Menschen opfern können statt Übernatürliche. Aber ich glaube, der Hauptgedanke ist politischer Art. Lars und seine Leute wollen immer mehr Öl ins Feuer gießen, damit die Lage zwischen Menschen und Übernatürlichen irgendwann eskaliert. Wenn von übernatürlichen Gerichten Menschen verurteilt werden, ist das jedes Mal ein politischer Albtraum. Die IMA findet solche diplomatischen Spitzfindigkeiten toll. Es geht also vermutlich weniger darum, dass die Menschen direkt etwas Nützliches machen sollen als um die Dinge, die dann im Hintergrund ablaufen.“ So oder so war Marianne für diese Leute Kollateralschaden, bestenfalls. Und wahrscheinlich auf irgendeine Art auch Lars’ Spielball, mit dem er sich amüsierte, jetzt, wo er die Gelegenheit dazu hatte.
    Leider ließen Mariannes Erklärungen absolut keinen Zweifel daran zu, dass sie von Noah gesprochen hatte. Die Beschreibung konnte nur auf einen einzigen Serienmörder zutreffen, den Lars hätte kennen lernen können – und das war nun einmal Cillians kleiner Bruder. Verflucht. Noah zog den Ärger nicht nur magnetisch an, er sprang auch noch kopfüber hinein. Verdammt.
    Natürlich war ihr nicht entgangen, dass Cillian ihn kannte. Seine Reaktion war ja auch eindeutig gewesen. Und er ärgerte sich wirklich darüber, weil es ihn automatisch in ein unprofessionelles Licht rückte, wenn er bestätigte, mit einem Serienmörder verwandt zu sein. Ihm war nicht entgangen, welche Blicke ihm manche Leute beim Rat seit Noahs Verhaftung zuwarfen. Spätestens seit seinem Prozess, der nun einmal unausweichlich jede Menge Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, wussten die Leute einfach, dass sie Brüder waren. Sie sahen sich sogar ähnlich genug, dass man, wenn man beide kannte, die Familienähnlichkeit erkennen konnte. Das Misstrauen ihm gegenüber hatte sich gebessert, seit er sich in einem Interview von Noah und seinen Taten distanziert hatte, aber trotzdem ließ es sich nicht ändern. Der einfachere Weg wäre daher nun gewesen, zu lügen. Allerdings war offensichtlich, dass sie sich kannten – und dass sie nicht gerade nur flüchtige Bekannte waren – insofern wirkte er mit Sicherheit sogar noch unprofessioneller, wenn er ihr nicht die Wahrheit zählte.
    Also seufzte Cillian kurz auf. „Mein Bruder“, gestand er dann schließlich. Dass Lars ihn als Waffe benutzen möchte, macht leider absolut Sinn und ich befürchte, dass er labil genug ist, um auch noch darauf einzugehen, wenn Lars lange genug auf ihn einredet.“ Verflucht, sie mussten Noah dringend wieder einfangen. Und Lars sowieso.

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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 12:51

    Ria Weber

    Noch einmal versuchte Cillian sie offensichtlich zu beruhigen und das Mädchen war mehr als dankbar dafür. Wenn es zu einem Prozess käme, wollte sie sich gar nicht ausmalen, wie sie das durchstehen sollte. Der Gedanke, vor einem menschlichen Gericht stehen zu müssen, war ja schon der Horror. Vor einem Haufen übernatürlicher Richter und Anwälte würde sie wohl einfach umkippen oder so.
    Mit einem Mal schwebten Töne vom Game-of-Thrones-Theme durch den Raum und Ria zuckte auf ihrem Stuhl zusammen. Ihr verdammtes Handy.
    „Tut mir leid“, entschuldigte sie sich automatisch.
    Zum Glück war Marco nicht mehr hier, der wäre vermutlich ausgezuckt und hätte ihr unterstellt, Lars persönlich versuche sie zu erreichen. So konnte sie das Klingeln ignorieren. Daran, ihr Handy leise zu stellen, hatte sie nun echt am allerwenigsten seit der Unterbrechung ihres Tages mit Liz gedacht.
    "Danke", wandte sie sich an den Anwalt, als dieser erklärte, noch einmal mit den Aktiven reden zu wollen.
    „Macht Sinn“, ging sie auf Cillians Erklärung, die Begründung, warum die IMA Menschen rekrutieren wollte, ein. „Aber … ich bin mir sehr sicher, dass mir aufgefallen wäre, wenn er das überhaupt bei mir versucht hätte. Da war nichts in der Richtung. Er hat mir einfach vom ersten Moment an unmissverständlich klar gemacht, dass ich der letzte Dreck bin, der höchstens zum Amüsieren gut genug ist.“
    Sie rieb sich übers Gesicht. „Er war sogar ganz scharf darauf, dass ich der Regierung davon erzähle, damit die Menschen einen Erstschlag ausführen“, erzählte sie weiter Einzelheiten, die sie vorhin nicht erwähnt hatte. „Hätte … ich mich irgendwie anders verhalten können oder sollen? Euren Rat hätte ich für einen warnenden Brief ja wohl kaum erreicht. Den hat Marco übrigens auch als Drohung interpretiert.“
    Das erneute Klingeln ihres Handys ließ sie abermals zusammenzucken. „Herrgott!“, stieß sie aus. „Darf ich es bitte ausschalten?“ Vermutlich versuchte da gerade Tom, sie hysterisch zu erreichen, weil Liz ihm von der Polizeiaktion erzählt hatte. Da kam ihr noch etwas anderes in den Sinn. „Hab ich … meine Freundin in Schwierigkeiten gebracht? Ich hatte ihr erzählt, dass ich mich mit einem Bekloppten unterhalten habe. Keine Einzelheiten, aber sie weiß, dass da was war.“ Nicht auszudenken, wenn Aktive auch noch irgendwann vor Liz' Tür standen.
    „Scheiße“, hauchte Ria, als Cillian ihr offenbarte, was es mit seiner Reaktion auf sich gehabt hatte.
    Ohne darüber nachzudenken, ob ihr das überhaupt zustand, beugte sie sich über den Tisch nach vorne, um Cillians Unteram tröstend zu drücken, irgendwie Beistand zu leisten. Für sie machte ihn seine Reaktion nicht unprofessionell, sie war absolut verständlich! Egal, wie gut man es drehen und wenden konnte, damit war der Mann in einer absolut beschissenen Lage.
    „Kannst du … nicht mit ihm reden? Mit deinem Bruder? Ihm das irgendwie austreiben? Laut Lars ist er so labil, dass da ja vielleicht doch eine Chance besteht.“
    Cillians Lage berührte sie beinahe mehr als ihre eigene aktuelle Position. Bei der Vorstellung, sie würde etwas Vergleichbares über Tom hören, spürte sie einen unangenehmen Würgreiz. Und sie stellte es sich nur vor. Cillian war betroffen.
    „Das tut mir wirklich so leid!“


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 13:51

    Cillian Cavanaugh


    Das Klingeln des Handys machte die ganze Situation irgendwie noch ein bisschen absurder, als sie ohnehin war, sofern das überhaupt noch möglich war. Nicht mal weil es klingelte, sondern wegen des Klingeltons an sich. Wenn sie Pech hatten, hatten sie hier ihr ganz persönliches, modernisiertes Game of Thrones laufen. Cillian interessierte sich für Politik, sonst hätte er es nicht studiert und nicht beim Rat angefangen zu arbeiten, aber wenn wirklich David da mit drinhing und hier eine politische Verschwörung am Laufen war, war das selbst für ihn langsam ein bisschen zu viel. Verflucht, er war auch nur ein Mensch und obwohl er schon immer irgendwie mit Übernatürlichen konfrontiert war, war diese ganze Geschichte rund um die IMA auch für ihn extrem beängstigend. Die Übernatürlichen hatten auch Angst, natürlich war das so oder so eine ernste Situation für alle, aber verflucht, die waren nicht die, die getötet oder versklavt werden sollten, wenn die IMA gewann!
    „Ja. Mittlerweile glaube ich, dass Lars vermutlich einfach ein bisschen seine Macht demonstrieren wollte. Ihnen vielleicht schon deswegen, weil Sie ein Mensch sind und dem Rat, weil er beweisen will, dass er immer noch genau weiß, welche Knöpfe er drücken muss, damit alle wie aufgescheuchte Hühner durch die Gegend laufen.“ Denn genau das war es im Prinzip ja, was gerade ablief. Alle waren total nervös und das hier war das Ergebnis davon. Und das einfach nur, weil Lars offenbar im Internet gechattet hatte. Wahrscheinlich amüsierte sich der Terrorist gerade königlich darüber, wie viel Chaos er mit so einer simplen Sache anrichtete.
    „Nein, Sie haben schon alles richtig gemacht … denke ich. Das Problem ist, dass die IMA früher oft Warnungen geschrieben hat, um die Regierungen unter Druck zu setzen. Das haben ein paar Leute in den falschen Hals gekriegt. Die Bundesregierung war sich auch nicht ganz sicher, was sie davon halten sollen, die fanden es aber hauptsächlich ein bisschen merkwürdig. Normalerweise werden sie ja nicht von Menschen gewarnt. Zumindest nicht so akkurat vor Dingen, die tatsächlich stimmen.“ Denn Verschwörungstheoretiker, die von Aliens faselten, gab es ja immer mal, aber Lars war schon eine ziemlich konkrete und leider auch sehr reelle Bedrohung.
    „Ja, machen Sie ruhig das Telefon aus. Brauchen Sie Hilfe?“ Immerhin war sie in ihrer Bewegungsfreiheit mit den Handschellen gerade doch deutlich eingeschränkt und er wollte sich zumindest angeboten haben. „Nein, Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Wenn der Rat denkt, dass es ein Problem wäre, löschen sie diese kleine Information vielleicht aus ihrem Gedächtnis, sie werden aber versuchen, das zu vermeiden. Und wenn sie es doch machen müssen, ist das kein schlimmer Eingriff oder so. Es würde ihr nicht wehtun und auch nicht in sonst irgendeiner Form schaden.“ Bis auf dass die Vorstellung gruselig war, dass ein Übernatürlicher im eigenen Kopf etwas umgrub. Das wusste Cillian aus Erfahrung, denn Noah hatte in seiner Pubertät durchaus manchmal eine unsichtbare Grenze übertreten und seine Fähigkeiten spielen lassen.
    Ihre Reaktion auf Noah überraschte ihn. Einfach weil sonst niemand so reagierte. Sonst wurde er gefragt, wie viel Kontakt sie noch hatten, ob er wusste, dass Noah mit Lars herumhing, dass zwischen den beiden wahrscheinlich irgendetwas lief und wahlweise, ob er ihn zufällig bei sich zuhause versteckte, jetzt, wo Noah aus dem Gefängnis verschwunden war. Und manchmal war es so verdammt schwierig, Noah nicht für alles zu hassen. Dafür, dass er bereit gewesen war, sein Leben einfach so wegzuwerfen und dass er nicht einen verfluchten Gedanken an seine Familie verschwendet hatte und dafür, dass er deswegen drei unschuldige Frauen getötet hatte. Dafür, dass Cillian ständig in irgendeiner Form mit ihm in einen Topf geworfen wurde, obwohl er nie etwas anderes gewollt hatte, als anderen Leuten zu helfen, in seinem Fall eben, indem er kontinuierlich daran arbeitete, die Beziehungen zwischen Menschen und Übernatürlichen irgendwie zu verbessern.
    Es war aber auf jeden Fall ein gutes Gefühl, dass sie so herzlich reagierte. Die Reaktion entlockte ihm sogar ein leichtes Lächeln. „Danke. Gerade habe ich keine Ahnung, wo er ist. Wahrscheinlich wäre ich aber auch nicht die beste Wahl für ein Gespräch. Unsere Beziehung ist eher kompliziert. Auch wenn es natürlich einen Versuch wert wäre.“ Was auch immer seinen Bruder davon abhielt, sich in seinem möglichen Wahnsinn und voraussichtlicher Verzweiflung Lars zuzuwenden, sollte ihm Recht sein. Denn auch wenn es ihm manchmal schwer fiel, Noah nicht zu hassen, tat er es in letzter Instanz eben nicht. Sie waren Brüder. Und letzten Endes war Cillian ja auch klar, dass Noah nur in begrenztem Rahmen für seine Situation verantwortlich war.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 14:25

    Ria Weber

    „Ich hab ihn wohl auch provoziert“, resümierte sie das Gespräch weiter. „Immerhin hab ich ziemlich deutlich gemacht, was ich davon halte. Und ihm gesagt, dass er verlieren wird, weil er die Menschen maßlos unterschätzt.“
    Wenn sie so überlegte, WEM sie das an den Kopf geschmissen hatte, wenn sie sich klar machte, dass sie tatsächlich mit DEM Terroristen der übernatürlichen Welt gechattet hatte, war das doch ein Grund, abermals zu verzweifeln. Ein undefinierbares Geräusch kam aus ihrer Kehle.
    „Er hat … mir konkret gedroht“, sagte sie noch einmal das, was sie bei den Aktiven zuvor mehr angedeutet hatte.
    Cillian erweckte das Gefühl, ihm vertrauen zu können, er war ein Mensch, er würde ihr nicht unterstellen, nur mit vorgeschobener Panik von ihrer Zusammenarbeit mit Lars ablenken zu wollen.
    „Er meint, er hätte Spaß daran, mich persönlich zu seiner Sklavin zu machen. Und dass er jemand ist, der seine Vorstellungen auch verwirklicht. Ich … habe ein Problem, oder?“ Die Frage war offen heraus gestellt, ihr Blick verriet sämtliche Befürchtungen dahinter. Sie hatte versucht, Lars' Drohungen von sich zu schieben und war damit erfolgreich gewesen. Aber verdammt, nun erklärten sie ihr hier seit geraumer Zeit, was es mit diesem Mann auf sich hatte, und das trug nicht im Geringsten dazu bei, sich irgendwie von seinen Aussagen distanzieren zu können. Klar konnte er das nur so dahin gesagt haben. Aber wenn man es zuende dachte, wenn man überlegte, warum er überhaupt erst in einem Chat-Channel gehangen hatte, ließ sich eigentlich kein anderer Schluss treffen, als das daran etwas wahr war. Sie hatte die Aufmerksamkeit einer der gefährlichsten Personen dieses Planeten auf sich gezogen. SIE! Eine verdammte, durchschnittliche Geowissenschaftsstudentin, die nichts außer einem guten Abschluss und später einen ausfüllenden Job haben wollte. Von Leuten wie ihr sollten Leute wie Lars nicht einmal wissen, dass sie existierten.
    „Es geht schon“, antwortete sie fahrig, als sie nach ihrer Tasche angelte und sie ein bisschen umständlich auf ihren Schoß zog, um darin herumzukramen, darum bemüht, nichts zu tun, das vielleicht doch noch verdächtig aussah. So legte sie das Handy auch offen auf den Tisch. Das letzte Mal, als diese Handtasche Thema gewesen war, hatte es ihr Handschellen eingebracht. Cillian hatte ungehinderte Einsicht auf den Bildschirm, falls er das wollte, als sie ihn entsperrte und nicht nur die Anrufe, sondern auch blinkende WhatsApp-Nachrichten ihre Aufmerksamkeit auf sich zogen. Natürlich Tom, sah sie sofort in der Vorschau. Sie machte das Fenster nicht auf, immerhin wollte sie nur das verdammte Ding stummschalten, aber sein einsehbarer Kommentar „Bist du nun unter die Schwerverbrecher gegangen, oder was ist verdammt noch mal los?!“ ließ sie schon wieder dieses Geräusch ausstoßen.
    „Was … soll ich ihnen denn sagen, wenn ich hier wieder raus komme?“, murmelte sie hilflos in Cillians Richtung.
    „Nein!“, stieß sie im nächsten Augenblick umso deutlicher hervor.
    Sie wollten Liz' Gedächtnis manipulieren? Dinge herauslöschen? Einen Moment ihres Lebens verändern!
    „Das tut ihr verdammt noch mal nicht!“, knurrte sie geradezu.
    Sie wusste, wie es sich anfühlte, Dinge zu fühlen oder zu glauben, die man nicht sehen oder emfpinden sollte, weil sie unpassend waren. Das war etwas anderes als das, was Cillian beschrieben hatte, aber das machte in ihren Augen gerade nur einen minimalen Unterschied.
    „Sie weiß doch überhaupt nichts!“, versuchte sie ihre heftige Reaktion zu erklären. „Sie weiß noch nicht mal, was er mir gesagt hat. Nur, dass ich mich mit einem Spinner unterhalten habe. Der einzige Idiot, der Lars' Namen ins Spiel gebracht hat, war Viola!“
    Ja, weil sie gefragt hatte. Ria war Schuld, dass man nun in Liz' Gedanken herumpfuschen würde. Scheiße! Sie schmiss das Handy wieder in die Tasche und diese von ihrem Schoß auf den Boden. Ihre Wut machte es schwierig, auf Cillians Bruder normal einzugehen, aber Cillian war schließlich wohl kaum der, der so einen Eingriff anordnen würde. Er war nur der unglückliche Bote.
    „Versuch es trotzdem“, riet sie ihm also, sich wieder einigermaßen zusammenreißend. „Wenn dein Bruder so labil ist, dass ein Terrorist ihn beeinflussen kann, hast du da doch sicher mehr Einfluss, auch wenn es schwierig ist.“ Sie an ihrer Stelle könnte sich nicht verzeihen, nicht alles zu versuchen, wenn sie sich in Cillians Lage versetzte. „Lars darf einfach nicht noch mehr Leute so wahnsinnig machen“, setzte sie noch hinterher. „Ich würde selber mit dem Kerl reden, wenn ich könnte, und ihm verklickern, dass es vollkommen sinnlos ist, auch nur über Lars' Worte nachzudenken!“
    Nicht, dass Lars ihre Gedanken nicht infiltriert hatte. Sie hatte wohl nur das Glück, eben nicht so empfänglich für kriminelle und rassische Anschauungen zu sein. Und zumindest irgendwie reflektieren zu können, dass sie nichts aus seinen Botschaften für sich herauszuziehen hatte, außer dieser Einwand bezüglich der Vampire vielleicht …
    „Bin ich rassistisch, weil ich Angst vor Vampiren habe?“, führte sie ihre eigene Aussage bezüglich der Sinnlosigkeit des Nachdenkens über Lars' Worte ad absurdum.
    Bei Cillian hatte sie das Gefühl, tatsächlich offen reden zu können. Und der würde sich denken können, warum sie gerade jetzt auf so eine Frage kam. Da musste sie wohl noch nicht einmal den Zusammenhang erklären.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 14:57

    Cillian Cavanaugh


    Lars zu provozieren, war wirklich eine dumme Entscheidung gewesen, aber Cillian sparte sich den Hinweis. Das hatte sie schließlich mit Sicherheit selbst bereits gemerkt und sie hatte es auch gar nicht wissen können. Wie hätte sie auch ahnen sollte, dass sie ausgerechnet an so etwas wie den Oberterroristen der übernatürlichen Welt geraten war? Dass Lars ihr gedroht hatte, zweifelte Cillian auch nicht einen Moment lang an. Es war aber kein gutes Zeichen, denn nach allem, was er über ihn wusste, war das wirklich kein Mann, der leere Drohungen ausstieß. Cillian hätte nun also lügen können. Er hätte ihr sagen können, dass bestimmt alles halb so schlimm war und dass Lars sie einfach nur hatte ärgern wollen. Vielleicht wäre das einfacher für sie gewesen. Vielleicht war es auch das, was sie hören wollte. Aber es wäre nicht wahr gewesen und Cillian wollte sie nicht belügen. „Unter Umständen“, räumte er also ein, dass sie eventuell ein Problem hatte. „Aber wir hoffen natürlich, dass es nicht so weit kommen wird. Die Aktiven suchen nach Lars, damit er zurück ins Gefängnis kommt.“ Fragte sich nur, wie groß die Aussicht auf Erfolg war, wenn ihr Präsident wirklich mit ihm zusammen arbeitete. Wenn wie hoch war dann die Wahrscheinlichkeit, dass Elias auch mit drin hing? Wenn David wirklich ein Terrorist sein sollte, würde er nicht so dumm sein, jemanden zum Leiter der Aktiven zu machen, der ihm Steine in den Weg warf. Mit Sicherheit hatte er dann jemanden genommen, der brav tat, was er wollte. Und Elias konnte die Suche nach Lars perfekt blockieren, wenn er wollte. Oh Gott. Wenn das alles stimmte, dann hatten sie ein echtes Problem. Konnten sie die IMA dann überhaupt noch irgendwie aufhalten? Der Gedanke versetzte Cillian selbst in Panik. Wenn die IMA die Welt umkrempelte, war ein Krieg zwischen Menschen und Übernatürlichen wahrscheinlich unvermeidlich und der würde verdammt hässlich werden. Blieb dann am Ende überhaupt noch etwas von irgendjemandem übrig?
    Ihren Handybildschirm beachtete Cillian nicht weiter. Er besaß genug Anstand, da nicht mitzulesen, denn es ging ihn schlicht und ergreifend nichts an. Er wünschte sich manchmal, dass andere Leute sich auch ein bisschen mehr aus seinem Leben heraushielten, statt wegen Noah immer weiter nachzubohren.
    Mit ihrer heftigen Reaktion wegen dieser Gedächtnissache hatte er nicht gerechnet und er hob fast schon abwehrend die Hände. „Das ist etwas, was vollkommen außerhalb meines Wirkungsbereiches liegt. Tut mir leid. Aber ich nehme an, dass die Aktiven das auch vermeiden wollen.“ War nur wieder ein bürokratischer Aufwand, den man nur in Kauf nahm, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Dafür war das, was Rias Freundin wusste, einfach nicht gravierend genug.
    „Ja, versuchen werde ich es natürlich auf jeden Fall, wenn ich herausfinde, wo er ist. Ich befürchte nur, dass Lars das im Gegensatz zu mir weiß. Er hat da also auf jeden Fall einen Vorsprung …“ Aber verflucht, am liebsten wäre Cillian jetzt aufgesprungen und hätte Noah selbst gesucht. Er hatte furchtbare Fehler gemacht und ja, er verdiente seine Gefängnisstrafe, aber er hatte es nicht verdient, dass ein Terrorist wie Lars in seinen Kopf kroch und ausnutzte, dass Noah psychisch nicht auf der Höhe war.
    Ihre Frage überraschte Cillian nicht einmal mehr groß. „Nein“, sagte er ganz entschieden. „Angst kann sehr gesund sein. Es kann sehr beängstigend sein, plötzlich mit übernatürlichen Wesen konfrontiert zu sein. Natürlich ist es schwierig, generell zu pauschalisieren, dass alle Vertreter einer Art schlecht wären. Vampire … sind auch nicht alle schlecht. Aber ich finde sie auch manchmal noch etwas gruselig.“ Das war nicht einmal gelogen. „Und das sage ich, obwohl mein anderer Bruder inzwischen ein Werwolf ist. Ich finde Vampire trotzdem unheimlich.“ Er lehnte sie nicht ab, er würde sie auch niemals einfach alle über einen Kamm scheren, aber er war auch definitiv nicht extrem gern allein mit ihnen.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 15:22

    Ria Weber

    'Unter Umständen' hieß in diesem Zusammenhang vermutlich nichts anderes als definitiv. Ria starrte ihn hilflos an. Was sollte sie denn jetzt machen? Das Land verlassen, sobald sie aus diesem Gebäude raus war? Irgendwas in Marcos Nähe tun, dass ihn in seinen Behauptungen, dass sie eine IMA-Sympathisantin war, bestärkte, damit er sie unter keinen Umständen hier heraus ließ, sondern sie in Haft steckte, was sie vielleicht vor Lars' Zugriff beschützte, wenn das überhaupt möglich war? Auf ein Zeugenschutzprogramm pochen, falls der Rat so etwas hatte? Wobei er sicher nicht ausgerechnet für sie großartige Mittel bereitstellen würde. Sie war ja noch nicht mal eine wichtige Zeugin, denn mehr als wiederholen, was Lars gesagt hatte, konnte sie ja auch nicht.
    „Ich hab doch nicht gewusst, wer er ist“, wiederholte sie zum wievielten Male ihre Position in der ganzen Sache. „Ich dachte, er ist ein dämlicher Troll. Wenn ich nicht wüsste, dass es Vampire gibt und deshalb vielleicht auch andere Übernatürliche, wäre ich mir sicher gewesen, dass er nichts anderes als ein Spammer ist. Scheiße, auf sowas kommt man doch nicht, wenn ihr uns nicht sagt, dass es euch gibt!“
    Irgendwie bezweifelte Ria, dass die Aktiven Lars finden würden, bevor er seine Pläne umgesetzt hatte. Immerhin war er mehr als abgesichert. Was ja überhaupt erst der Grund für seine Arroganz gewesen war.
    „Was soll ich denn jetzt machen?“ Ihre Stimme klang ungesund hoch, ihre Fingernägel bohrten sich in ihre eigene Hand, doch sie merkte es kaum.
    „Ich weiß … es tut mir leid“, entschuldigte sie sich für ihren Ausbruch. „Aber Gedanken manipulieren macht mir einfach Panik.“
    Würden sie das auch bei ihr tun? Immerhin war sie wohl auch immer noch unbeteiligt genug, um nichts von Lars wissen zu sollen. Oder hatte seine Drohung sie so sehr in all das hineingezogen, dass sie nun unweigerlich drin steckte?
    „Steht das bei mir auch zur Debatte?“, sprach sie den Gedanken aus, hin und her gerissen zwischen Panik, wenn es so wäre und Panik, wenn sie definitiv nicht mehr aus der Sache raus kam.
    Cillian räumte ein, wohl definitiv nicht vor Lars bei seinem Bruder zu sein, was nur noch mal deutlich machte, wie überlegen der Kerl tatsächlich allen hier war. Wie konnte das so weit gekommen sein? Was für marode Strukturen herrschten in dem Laden vor, wenn sich ein Haufen Terroristen an die Spitze setzen konnte?
    „Ich hoffe, du findest ihn bald. Könnte es nicht auch sein, dass er zu dir kommen will? Weil er scheint ja nicht so wirklich überzeugt von Lars zu sein, sonst wäre er doch schon längst auf seiner Seite. Vielleicht will er davon abgehalten werden?“
    Wie diese Menschen, die androhten, sich umzubringen, aber eigentlich doch gar nicht springen wollten, sondern schlichtweg auf drastische Art und Weise um Hilfe schrieen.
    Zumindest in dem Rassismuspunkt konnte Cillian sie ein bisschen beruhigen und räumte ein, das gut nachvollziehen zu können.
    „Ich weiß, dass ich in dem Punkt nicht klar denken kann“, erklärte sie ihre eigene Lage dazu. „Aber ich weiß auch, dass das womöglich nicht gut ist. Und ich will mir nicht nachsagen lassen, Vampire zu vernichten, wenn ich es könnte.“
    Es nagte nach wie vor an ihr, dass ein Mann wie Lars tatsächlich versucht hatte, sie auf eine Stufe mit ihm zu stellen, was einen Teil der Weltansicht betraf.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 16:08

    Cillian Cavanaugh


    Sie tat ihm wirklich leid. Das waren einfach keine tollen Zukunftsaussichten, aber eine wirklich andere Antwort konnte er ihr nicht liefern. Zumindest nicht, solange er noch ehrlich zu ihr sein wollte. Und er hatte einfach keinen Grund, sie anzulügen. „Das konnten Sie ja auch nicht wissen. Und ich bin auch nur ein ganz normaler Mensch“, rief er ihr in Erinnerung. Gut, ein ganz normaler Mensch, der für die magische Regierung arbeitete, aber nichtsdestotrotz ein Mensch. Er hatte nun einmal keine besonderen Fähigkeiten wie Noah und war kein Werwolf wie Matt, er hing zwar mittendrin, aber konnte sich im Ernstfall auch nicht gegen die Übernatürlichen wehren. Er musste das alles einfach so nehmen, wie es eben war. „Ich weiß, dass das leichter ist als gesagt, ich verstehe Ihre Angst absolut. Aber versuchen Sie, sich nicht verrückt machen zu lassen.“ Immerhin bestand auch immer noch die Chance, dass Lars sie in Ruhe ließ. Auch wenn Cillian eigentlich selbst kaum daran glaubte.
    „Ist schon gut. Nein, bei Ihnen wird das nicht in Erwägung gezogen.“ Dafür wusste sie offenbar schon zu lange und mittlerweile auch einfach zu viel. Und die Tatsache, dass sie seit Jahren von der Existenz von Vampiren wusste, aber nichts verraten hatte, machte deutlich, dass sie vermutlich nicht jedem dahergelaufenen Menschen von Magie erzählen würde. Davon abgesehen hätten die meisten Leute es ihr ohnehin nicht geglaubt.
    „Ja, vielleicht. Das wäre zumindest schön.“ Zum Teil wünschte sich Cillian auf jeden Fall, dass Noah das machen würde und er bereute wirklich, dass er sich nicht schon viel früher mehr um seinen Bruder bemüht hatte. Natürlich war das auch nicht immer so gewesen; als Jugendlicher und junger Erwachsener hatte Cillian sich wirklich viel Mühe gegeben, den Kontakt zu seinem Bruder aufrecht zu erhalten, selbst als dieser ihn vergessen hatte, auch wenn es schmerzhaft gewesen war. Irgendwann hatte er aber genug davon gehabt, von Noah ständig vor den Kopf gestoßen zu werden und sich von ihm zurückgezogen. Wenn er nun hörte, dass Noah offenbar Gefahr lief, von Lars rekrutiert zu werden, bereute er das. Noah war mit Sicherheit alles andere als ein Rassist, aber er war labil und wahrscheinlich bereit, demjenigen zu helfen, der ihm am ehesten Verständnis und Rückhalt lieferte. Selbst wenn das, wie in Lars’ Fall, nur geheuchelt war.
    „Das verstehe ich. Aber Lars ist generell niemand, auf den man hören sollte.“ Sie hatte nicht sagen müssen, dass Lars ihr das eingeredet hatte, damit Cillian es sich denken konnte. „Der Typ hat einfach nur unglaubliche Freude daran, Leute zu manipulieren.“ Fragte sich nur, wen er noch alles manipulierte.
    Cillian wandte den Kopf zur Tür, als Carsten, Viola und Marco wieder rein kamen. Carsten sah alles andere als begeistert aus. Irgendwie gefiel Cillian das nicht.
    „Der Leiter der Aktiven möchte persönlich mit dir reden“, sagte Marco. „Er ist auf dem Weg hierher.“
    Das kam Cillian nur umso merkwürdiger vor. Elias kam persönlich aus Kopenhagen hierher, um sich mit einer jungen, menschlichen Studentin zu unterhalten? Es ging um Lars, ja, trotzdem erschien ihm das völlig übertrieben.
    „Und ich sagte schon, dass sie sowieso nicht mit ihm reden wird, weil sie jetzt gar nichts mehr sagt, also verschwendet er seine Zeit“, schloss Carsten ab.
    Es war und blieb merkwürdig.

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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 16:31

    Ria Weber

    Cillians Antwort half ihr nicht im Geringsten. Aber gut, was hatte sie auch erwartet? Für so etwas gab es wohl kein Patentrezept. Die Übernatürlichen selber hätten ja wohl auch eher mit allem anderen, als mit einem Lars, der sich im Internet einen Spaß draus machte, Leute verrückt zu machen, gerechnet.
    „Ja …“, reagierte sie nur auf die Erinnerung hin.
    Dafür, dass Cillian nur ein Mensch war, steckte er tief drin. Aber im Endeffekt war er vermutlich genau so, wenn nicht sogar als IMA-Gegner noch mehr, im Arsch wie sie.
    „Ich … kann mich von ner Menge nicht verrückt machen lassen“, setzte sie zu einer Antwort an und tatsächlich waren es eigentlich immer nur irgendwelche Übernatürliche gewesen, die sie komplett aus der Fassung gebracht, oder zumindest für eine angeknackste Grundverfassung gesorgt hatten, „aber die Vorstellung, ins Fadenkreuz von jemandem wie Lars geraten zu sein, gehört nicht gerade zu den chilligen Aspekten meines Lebens.“
    Ria entschied sich, doch beruhigt zu sein darüber, dass nicht an ihrem Gedächtnis herumgepfuscht werden sollte. So wusste sie zumindest, WARUM Lars irgendwann vor ihr auftauchte, wenn er es wirklich tat.
    „Gib deinen Bruder noch nicht auf“, betonte sie noch einmal.
    Mit einem lauten Aufseufzen griff sie wieder einmal nach dem Becher, der inzwischen fast leer war. „Ich weiß“, erwiderte sie. „Trotzdem denkt man über sowas nach ...“
    Gerade, als sie das Trinkgefäß wieder abgestellt hatte, kamen der Anwalt und die Aktiven zurück. Sie mussten sehen, das was auch immer für ein Gespräch gelaufen war, Ria sichtlich mitgenommen davon war. Hatte sie zuvor noch Marco provoziert, wirkte sie nun mehr als demoralisiert. Und Marcos Aussage macht es nicht besser.
    „Der Leiter?“, krächzte sie perplex. „Warum?“
    Marco hatte ihn zuvor erwähnt, in eindeutig spöttischer Absicht. Und doch war die Möglichkeit, dass etwas an der verhöhnenden Aussage dran gewesen war, durchaus gegeben. Keiner konnte es wissen. Und egal, ob dieser Leiter wirklich nur der Leiter oder ein Spitzel von Lars war, verschlechterte es ihre Situation. Entweder war sie im Arsch … oder im Arsch. Die Frage war nur, ob ihr dieser Aktive oder dieser Aktive unter Lars' Kommando letztendlich mehr Schwierigkeiten einbringen könnte.
    Carstens indirekte Anweisung an sie drang nur mühsam zu ihr durch. Nichts sagen, versuchte sie sich einzuhämmern, noch bevor er überhaupt da war. Einfach nichts sagen. Fresse halten, Zähne zusammenbeißen.
    „Ich will nicht mit ihm alleine sein!“, stieß sie an Cillian gewandt aus.
    Denn egal, wer er war, er würde ihr in irgendeiner Weise zusetzen. Verdammt, es war wirklich schon wurscht, ob er nun unter Lars stand oder nicht, dieser Mann, den sie noch nie gesehen oder gehört hatte, jagte ihr schon jetzt eine Heidenangst ein.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 16:49

    Cillian Cavanaugh


    Sie hatte in allen Aspekten Recht. „Ich weiß. Es sagt sich auf jeden Fall wesentlich leichter, als es getan ist. Aber mehr kann ich Ihnen leider gerade nicht raten, solange die Aktiven Lars noch nicht wieder eingefangen haben.“ Und die Tatsache, dass Lars – und Noah – überhaupt aus dem Gefängnis entkommen waren oder befreit worden waren, machte das alles sowieso noch kurioser. Wie war das überhaupt so ohne Weiteres möglich gewesen? Immerhin gehörten die beiden zu den am schwersten bewachten Gefangenen auf Lítla Dímun. Alle beide. Und ohne Weiteres waren sie verschwunden und jetzt nicht auffindbar. Dass Lars mächtige Freunde hatte, Freunde, von denen niemand so genau wusste, wer sie waren, war ihnen immer klar gewesen. Das war kein Geheimnis. Aber wie viel Einfluss hatten die eigentlich?
    Er nickte ihr nur zu und zwang sich zu einem Lächeln, als sie ihm sagte, dass er Noah noch nicht aufgeben sollte. Zumindest war sie auf jeden Fall nett. Schon allein deswegen hoffte er, dass sie irgendwie möglichst unbeschadet aus dieser ganzen Sache hervorging, bei der es so oder so wahrscheinlich eigentlich kaum um sie persönlich ging, sondern viel eher um die ganzen Dinge, die im Hintergrund so liefen. Und gut, dass Lars sie aus irgendeinem Grund offenbar interessant fand, verbesserte ihre Situation natürlich auch nicht unbedingt.
    Das mit Elias war und blieb allerdings merkwürdig. Was sollte das?
    „Es geht hier immer noch um Lars. Deshalb will Elias dich persönlich sprechen“, erklärte Marco.
    Und damit fasste er es eigentlich schon perfekt zusammen, was Cillian sich gedacht hatte: Es ging hier um Lars, nicht um Ria. Sie war nur leider diejenige, die den Schaden davon trug, wenn hier irgendetwas schief ging und vermutlich auch, wenn Lars es ernsthaft darauf anlegte.
    „Sie bleiben nicht mit ihm alleine“, war es nun Carsten, der das Wort ergriff. „Ich bleibe hier.“ Wenigstens das. Dass er nicht motiviert ausgesehen hatte, bedeutete offenbar nicht, dass er vorhatte, sie den Wölfen zu überlassen. Okay. Blödes Sprichwort, wenn man einen Werwolfsbruder hatte.
    „Ich bleibe auch hier“, versprach Cillian, auch wenn ihm klar war, dass Elias möglicherweise darauf bestehen würde, dass zumindest er das Feld räumte. Aktive konnten da manchmal sehr eigen sein. Aber sie war ein Mensch und Cillian war der Überzeugung, dass sie es verdiente, dass wenigstens ein anderer Mensch hier bei ihr blieb und zu ihr hielt.
    Also warteten sie. Cillian hoffte, dass Elias nicht eben erst losgefahren war, denn dann saßen sie vermutlich heute Nacht noch hier.
    Allerdings dauerte es tatsächlich nicht einmal eine halbe Stunde, bis die Tür sich wieder öffnete und Elias eintrat. Offenbar war er sowieso schon seit einer Weile auf dem Weg hierher gewesen.
    „Hallo. Ich bin Elias Vahrenholz.“ Er zog sich einen Stuhl heran, der etwas weiter weg an der Wand stand und setzte sich neben Cillian. „Du bist Marianne Weber, ist das richtig? Fragen zu deiner Person musst du wahrheitsgemäß beantworten, unabhängig davon, ob du von deinem Recht, zu schweigen, Gebrauch machen willst oder nicht.“ Bevor sie etwas sagen konnte, wandte er sich Cillian und den beiden Aktiven zu. „Danke, ihr drei könnt jetzt gehen.“
    „Danke, aber ich bleibe“, stellte Cillian klar und sah Elias an.
    Dieser schien zu überlegen, ob er sich darüber jetzt streiten wollte oder nicht, seufzte dann aber und wandte sich wieder Marianne zu. „Meinetwegen. Soll mir Recht sein.“
    Viola und Marco kamen seiner Aufforderung allerdings nach und verließen den Raum.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 17:19

    Ria Weber

    Das … war keine Begründung. Denn selbst ihr war klar, dass das, was sie wusste, bzw. wie sie es erfahren hatte, eigentlich nicht so krass sein konnte, dass sich gleich der Chef der übernatürlichen Polizei mit ihr unterhalten wollte. Was wieder dazu führte, dass sie entweder dermaßen einer Mittäterschaft verdächtigt wurde, dass sie hier nie wieder rauskommen würde, oder doch Lars hinter all dem steckte und sein Spielchen mit ihr bereits begonnen hatte. Warum gleich noch mal hatte sie an IHN geraten müssen? Hätte es ein spanischer Mafiosi nicht auch als Chatpartner getan?
    Zum Glück waren sowohl der Anwalt, als auch der Diplomat, gewillt, bei ihr zu bleiben. Die beiden waren ihr auch die liebsten! Den Aktiven traute sie nicht, vor allem Marco nicht. Ein Gefühl, dass ihr nicht gefiel, dass nun aber einmal da war. Also nickte sie ihnen dankend zu, um die Unterstützung zu honorieren.
    Eine ganze Weile geschah nichts und nach einer Viertelstunde hielt das Mädchen es nicht mehr aus. Sie hatte bereits mehrfach unruhig die Beine übereinander geschlagen und ihre Sitzposition geändert, das mit der nonverbalen Kommunikation mussten sie aber wohl noch mal üben.
    „Gibt es hier eine Toilette?“, wurde sie schließlich konkret, als immer noch niemand hereingekommen war und sie sicher war, dass sie das besser die Leute hier und nicht diesen Oberaktiven fragte.
    Als es weiter ging und Elias den Raum betrat, stieg eine erneute Welle der Unruhe in ihr auf. Nicht reden!, hämmerte sie sich wieder in den Schädel und tatsächlich bestand ihre einzige Reaktion darauf, Carsten sogleich einen fragenden Blick zuzuwerfen. Sollte sie solche Fragen beantworten? Ein Gefühl von Dankbarkeit für Cillian überkam sie. Der Mann war eine wirkliche Hilfe! Sie hoffte, dass sie später noch Gelegenheit haben würde, sich zu bedanken.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 18:20

    Cillian Cavanaugh


    Viola führte Ria zur Toilette, nachdem sie gefragt hatte und Cillian hoffte wirklich, dass die Aktiven Ria bald gehen ließen. Theoretisch konnten sie sich bis zu 48 Stunden Zeit nehmen. Die menschlichen Behörden hätten es sicherlich nicht toll gefunden, wenn sie davon hörten, dass eine junge, menschliche Frau so lange ohne stichhaltigen Beweis von den Aktiven festgehalten worden war, in Anbetracht der Tatsache, dass es aber ihre Absicht war, Lars’ wahren Aufenthaltsort herauszufinden, war das aber vermutlich auch nichts, was sie ihren langfristig übel nehmen würden. Immerhin wollten sie alle, dass Lars möglichst schnell wieder im Gefängnis landete.
    Sogar Cillian empfand Elias’ Anwesenheit als unangenehm, als er den Raum betrat, dabei hatte er den Chef der Aktiven bisher nie als unfreundlich oder unsympathisch empfunden. Das hier war aber einfach etwas anderes. Immer wieder versuchte Cillian, sich irgendwie in die Situation der armen Studentin hinein zu versetzen, die in etwas hineingeraten war, mit dem sie selbst mit Sicherheit absolut nichts zu tun haben wollte. Nur weil Lars offenbar unbedingt deutlich hatte machen wollen, dass er sie noch immer alle dazu kriegen konnte, zu tun, was er eigentlich wollte.
    Carsten nickte Ria zu. „Sie sollten solche Fragen beantworten.“ Er sah noch einmal zu Elias. „Mehr wird sie allerdings nicht dazu sagen. Du hättest dir den Weg hierher also auch getrost sparen können.“
    Elias musterte Ria. „Sind Sie sich sicher, dass Sie sich nicht mit mir unterhalten möchten, Marianne? Ich finde nicht, dass Ihr Anwalt Sie da besonders gut berät. Es erweckt den Anschein, dass Sie nicht kooperieren möchten – und wenn Sie nichts zu verbergen haben, sollte das doch kein Problem sein, nicht wahr? Was genau hat Lars über David gesagt? Hat Lars Ihnen irgendwelche Anhaltspunkte darüber gegeben, wo er sich aufhalten könnte?“
    Cillian sagte vorerst nichts, aber er glaubte nicht, dass das einen besonders guten Verlauf nehmen würde. Irgendetwas an dieser ganzen Sache stank gewaltig, nur wollte das außer ihm – und Ria – wahrscheinlich keiner sehen.

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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 19:07

    Ria Weber

    Es war kein Problem, zur Toilette zu gehen. Viola nahm ihr die Handschellen ab und während der Verrichtung rieb sie sich über die Handgelenke. Zu ihrem Bedauern wurde die Hoffnung, die Dinger nicht mehr tragen zu müssen, nicht erhört und sie bekam sie nach dem Händewaschen wieder angelegt. Innerlich schnaubend folgte sie Viola zurück in den Verhörraum.
    Carsten gab das Okay, die persönlichen Fragen zu beantworten, also bestätigte sie ihre Identität, obwohl diesem Elias doch ohnehin vermutlich schon alles klar war.
    Innerhalb kürzester Zeit wurde klar, dass ihr Anwalt und Elias sehr verschiedene Auffassungen von dem, wie sie sich zu verhalten hatte, hatten. Carsten sagt noch einmal, dass sie nichts sagen würde, Elias hingegen erklärte, dass sie das nur verdächtiger machte.
    Rias Entschlossenheit schwankte. Sollte sich die Paranoia bezüglich Elias' Gesinnung tatsächlich als nichts anderes als eine falsche Argwöhnung herausstellen, wäre sie wohl wirklich besser damit bedient, zu kooperieren. Nicht, dass er in Marcos Breche schlug und ihr daraufhin eine Mittäterschaft andichtete. War er einer von Lars' Leuten … war es dann nicht ohnehin egal, was sie sagte? Dann war das alles hier sowieso eine einzige Farce.
    „Liegt Ihnen meine Aussage nicht bereits längst vor?“, stellte sie eine Gegenfrage, denn ihn anzuschweigen wie ein stummer Fisch käme ihr auch reichlich schräg vor.
    Andererseits … könnte Lars das davon abbringen, sie irgendwie interessant zu finden? Wenn sie sich in der Realität als in irgendeiner Form eingeschränktes, vollkommen langweiliges und unnützes Menschlein entpuppte, was Elias Lars dann ja wohl mitteilen würde, sofern ihre Paranoia doch gerechtfertigt war? Oder … sollte sie in die Vollen gehen, ohne Rücksicht auf Verluste, den Spiel umdrehen und IHM vor allen Anwesenden eine IMA-Sympathie vorhalten? Nein, das wäre zu krass. Dann war sie in beiden der möglichen Fälle geliefert … verdammt, über alles und jeden hatte Lars irgendeine Scheiße herausgekramt, außer über irgendeinen Leiter der Aktiven, da hatte er sich – wohl aus gut durchdachten Grund – vollkommen ausgeschwiegen.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 19:34

    Elias Vahrenholz

    Elias hatte noch nie zu Lars’ größten Fans gehört. Natürlich ließ er sich das niemals anmerken. Innerhalb der IMA galt Lars als Held. Bei den einen, weil sie nach all den Jahren noch immer glaubten, dass er sie gegründet hätte, bei den anderen, weil sie wussten, dass es nicht so war, er sich aber für David und die Sache geopfert hatte. Elias konnte nicht leugnen, dass Lars die ganze Sache deutlich erleichtert hatte, denn hauptsächlich ihm und seinem Opfer war es zu verdanken, dass David heute Präsident war. Und Elias war überzeugt davon, dass David ein guter Präsident war. Doch wenn Elias völlig ehrlich zu sich selbst war, musste er sich eingestehen, dass sogar er in nicht geringem Maße Angst vor Lars hatte. Elias war es nie in erster Linie darum gegangen, Menschen zu töten und zu versklaven, er wollte einfach nur, dass die Menschen von ihnen erfuhren, damit das Versteckspiel vorbei war. Dazu war er bereit, zu radikalen Maßnahmen zu greifen. Lars hingegen goss Öl ins Feuer, wann und wo immer er konnte, er wollte einfach Gewalt und Hass säen und manchmal hatte Elias den Eindruck, dass es ihm egal war, wer zu Schaden kam – egal ob Mensch oder Übernatürlicher – Hauptsache war nur, dass Lars in irgendeiner Form davon profitierte. Und wenn es nur um seinen eigenen Spaß ging. Sogar für Elias’ Verständnis war Lars zu radikal und es besorgte ihn, dass er Davids radikale Seite auch immer weiter anheizte.
    Warum also war er trotzdem hier? Vielleicht, weil Lars es verlangt hatte. Aus irgendeinem Grund hatte Lars sich in den Kopf gesetzt, dass er dieses Mädchen haben wollte und bis dahin wollte er sie schon mal fertig machen, ohne selbst in Erscheinung zu treten. Und zumindest zu sich selbst konnte er ehrlich sein: Er besaß nicht den Mut, den es gekostet hätte, Nein zu Lars Viklund-Holm zu sagen.
    „Natürlich gibt es bereits eine Aussage. Aber ich würde es gerne von Ihnen hören. Wenn Sie nicht kooperieren möchten, ist das aber natürlich Ihre Entscheidung.“
    Der Anwalt war nicht das Problem. Als Pflichtverteidiger beim Magischen Rat verdiente man nicht allzu viel und Elias rechnete schon fast damit, dass er innerhalb der nächsten Minuten einen Anruf bekommen würde, Ria nicht zu sehr zu helfen, im Austausch gegen eine anständige Summe. Alternativ würde die Person, die Lars mit dem Anruf beauftragen würde, Carsten vermutlich drohen, dass sein siebenjähriger Sohn noch heute Abend ermordet wurde, wenn er nicht bereit war, mitzuspielen. Elias musste den genauen Plan nicht einmal kennen, um zu wissen, dass es vermutlich auf etwas in der Richtung hinauslaufen würde. Im Moment war aber noch alles ruhig und Carstens Handy klingelte noch nicht.
    Cillian war die härtere Nuss. Er war ein Mensch, weshalb er Mariannes Dilemma noch am ehesten nachvollziehen konnte und er war leider sowohl klug als auch aufrichtig. Und er hing zu dicht an Alkan dran, als dass man ihn sich unauffällig hätte vornehmen können. Letzten Endes hätte Elias aber auch darauf bestehen können, dass er sie mit Elias und dem Anwalt allein ließ, also machte er sich da auch keine zu großen Sorgen.
    „Sie machen ihre Situation wirklich nicht besser. Wenn Sie nichts zu verbergen haben, warum haben Sie sich dann geweigert, Viola und Marco zu begleiten? Warum haben Sie Marco gedroht? Unschuldige Menschen haben keinen Grund, sich so zu verhalten, das weiß ich so sicher wie dass Pluto kein Planet mehr ist.“ Er lächelte fast schon nachsichtig und zog eine Augenbraue hoch, was allerdings aufgrund seiner Sitzposition nur sie sehen konnte. Das mit Pluto konnte eine unbedeutende Floskel sein und die meisten Leute hier würden es wahrscheinlich auch so auffassen, aber Elias hoffte, dass Ria die Andeutung begreifen würde. Denn um herauszufinden, ob sie und Lars aus der gleichen Welt kamen, hatte sie immerhin ein paar Daten mit ihm abgeglichen und ihn unter anderem gefragt, ob sie einen Planet hatten, der Pluto hieß. Vielleicht hatte er Glück und sie begriff, dass das eine Anspielung war, dass er ganz genau wusste, worüber sie mit Lars gesprochen hatte. Was er wiederum nur wusste, wenn er mit Lars zusammen arbeitete. Und den Punkt wiederum durfte sie ruhig wissen. Dagegen machen konnte sie sowieso nichts.

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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 20:00

    Ria Weber

    Ria erwiderte Elias' Blick vielsagend, während sie ihn weiterhin einzuschätzen versuchte. Seine Stimme klang einigermaßen freundlich, zumindest noch wirkte er so, wie man sich einen verhörenden Beamten eben so vorstellte. An sich also nichts Beunruhigendes. Hatte sie in Marcos ohnehin nicht ernst gemeinte Aussage tatsächlich zu viel hineininterpretiert? Immerhin würde sie sich in dem Fall ohnehin vermutlich nur unnötig selbst belasten.
    Sie überlegte bereits ihre Antwort auf seinen Schwall an Fragen, als die auffällige Schlussbemerkung sie stocken ließ. Seine für die anderen unscheinbare Geste machte offensichtlich, dass er etwas Bestimmtes damit sagen wollte und als sie noch der Meinung gewesen war, nichts als einen sehr skurrilen Exzentriker vor sich zu haben, war dieser Planet tatsächlich erwähnt worden. Ihr Herz begann augenblicklich schneller zu schlagen und dieses Gefühl einer bedrohlichen Vorahnung stieg in ihr auf. Elias könnte die Chatverläufe doch besorgt haben, versuchte sie sich zu beruhigen. Aber warum sollte er das aufgreifen? Was hätte er davon mit ihr zu spielen, wenn er nicht mit Lars unter einer Decke steckte? Eigentlich war mit seinem Hinweis offensichtlich geworden, dass sie verloren hatte. Ihr Blick huschte automatisch zur Tür. Hinausgelangen würde sie wohl kaum. Und selbst wenn, stolperte sie damit vermutlich nur Marco und Viola in die Arme. Und diese Reaktion war Elias vermutlich nicht entgangen, also würde es rein gar nichts mehr bringen, nun so zu tun, als hätte sie seinen Satz nicht verstanden ...
    „Ich bin doch mit her gekommen“, gab sie schließlich eine erste Antwort, um überhaupt etwas zu sagen.
    Immerhin war sie tatsächlich freiwillig eingestiegen. Nicht, dass das hier noch einen Unterschied machte. Gedroht hatte sie ebenso wenig jemandem … sie hatte eine sarkastische Bemerkung gemacht, die so offensichtlich an den Haaren herbei gezogen war, dass man schon viel Unmut gegen sie hegen musste, um die Aussage als etwas anderes als einen dummen Spruch abzutun. Kam das von Marco? Oder übertrieb Elias hier absichtlich, um sie vor Carsten und Cillian schlecht dastehen zu lassen?
    „Was soll das alles überhaupt?“, ergriff sie erneut das Wort und bezog sich damit auf alles gleichermaßen; diese Befragung an sich, aber auch den Sinn dahinter, dass Lars ihr offensichtlich zusetzen wollte. Hatte dieses Arschloch nicht einen Krieg zu planen? Woher zum Teufel nahm er überhaupt die Zeit, sich mit so einer Scheiße zu beschäftigen?
    „Warum beschäftigt sich jemandem in Ihrer Position mit jemandem wie mir?“, konkretisierte sie die mehrdeutige Frage.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 20:19

    Elias Vahrenholz

    Die Bombe war eingeschlagen. Elias war ihr Blick zur Tür nicht entgangen und somit konnte er sich denken, dass sie zumindest für einen kleinen Moment in Erwägung gezogen hatte, einfach aufzuspringen und wegzulaufen. Allerdings wären dort noch immer Viola und Marco gewesen, an denen sie nicht vorbei kommen würde. Und danach musste sie immer noch aus diesem Gebäude wieder raus finden, bevor sie irgendjemand eingefangen haben würde. Nein, das machte keinen Sinn.
    „Ja, aber erst, nachdem Ihre Freundin Sie davon überzeugt hat, Sie zu begleiten – Eliza Rams, richtig?“ Auch das war wieder eine vollkommen unscheinbare Frage, immerhin hatten die Aktiven Informationen über sie und ihr gesamtes Umfeld gesammelt, aber mit dem Hintergrundwissen, dass Elias zur IMA gehörte, das Marianne nun besaß, konnte sie sich sicherlich denken, dass darin auch eine subtile Drohung mitschwang. Immerhin zeigte Elias damit, dass er sich auskannte und genau wusste, wer ihre Freundin war. Wenn sie wollten, konnten sie ihr einen Besuch abstatten und ihr etwas antun.
    „Alles, was mit den Ermittlungen um Lars und die IMA zu tun hat, hat oberste Priorität für uns“, was ebenso doppeldeutig war, denn mit wir konnte in dem Fall sowohl der Rat als auch die IMA selbst gemeint sein. „Da Sie darin verwickelt sein könnten, wollte ich mich persönlich mit Ihnen auseinander setzen.“
    Cillian räusperte sich. Super. Auf den hatte Elias jetzt mal so gar keine Lust.
    „Ich denke nicht, dass sie wirklich etwas mit Lars zu tun hat. Wahrscheinlich will er unbedingt, dass sie eingesperrt wird. Oder er will zumindest, dass es zu einer Verhandlung kommt, damit der Rat das später irgendwie vor den Menschen rechtfertigen muss und es wieder zu Streitigkeiten kommt.“
    Natürlich war das für Lars auch ein willkommener Nebenfaktor. Allerdings hatte Lars auch deutlich gemacht, dass er Ria nicht im Gefängnis wissen wollte. Vielleicht für eine Nacht in einer Zelle, um ihr vor Augen zu führen, wie viel Macht er bereits jetzt über sie besaß, aber mehr auch nicht. Spätestens, wenn die 48 Stunden abgelaufen waren, würde Ria aus Mangel an Beweisen gehen gelassen werden. Wahrscheinlich früher, weil es lächerlich wirkte, wenn Elias den Zeitraum länger ausweitete als unbedingt nötig. Aber die Nacht über würde er sie vielleicht schon hier beim Rat behalten. Einfach nur aus dem schlichten Grund heraus, weil er es konnte. Elias musste zugeben, dass das auch ihn selbst ein bisschen amüsierte.
    „Das ändert nichts daran, dass wir für alle möglichen Wendungen offen sein müssen“, entgegnete Elias ruhig. „Es ist schon spät. Vielleicht sollten wir morgen früh weiter darüber reden“, schlug er vor.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 20:33

    Ria Weber

    Die Erwähnung von Liz schnürte Ria beinahe die Luft ab. So beiläufig wie das klang, so sicher war es, dass Elias ihr damit eine Drohung vermitteln wollte; ihr nahelegen, dass sie am besten ganz genau das machte, was Lars von ihr wollte. Nur dass sie überhaupt keine Ahnung hatte, was der wollte. Das alles brachte ihm rein gar nichts. Es brachte ihn weder näher an seine Ziele ran, noch weiter davon weg. Sie war unbedeutender als ein Regenschauer für ihn.
    „Ich bin in überhaupt nichts verwickelt“, gab Ria heftig zurück. „Ich habe überhaupt keine Ahnung, was Lars mit dieser ganzen Scheiße bezweckt!“
    Gut, Cillians Erklärung dazu klang logisch, aber warum sollte da plötzlich Liz mit im Spiel sein?
    „Morgen früh?“, ächzte sie.
    Nicht, dass sie das gerade am meisten beschäftigen sollte, aber die hatte Morgen den gesamten Tag über Vorlesungen, bei denen sie zumindest teilweise keine unnötigen Fehlstunden fabrizieren sollte. Natürlich sagte sie das nicht, war ja auch lächerlich im Vergleich dazu, wie beschissen eigentlich gerade alles war.
    „Also halten Sie mich nun hier fest, weil ich unter Terrorverdacht stehe?“, pampte sie Elias die offizielle Erklärung, die das Ganze wohl haben würde, entgegen. „Oder weil Sie in dem ganzen IMA-Much drin stecken und eindeutige Anweisungen diesbezüglich haben?“


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 20:43

    Elias Vahrenholz

    Elias war sich sicher, dass auch die nächste Bombe kräftig eingeschlagen hatte. Marianne wusste schon, dass er ihr damit hatte vermitteln wollen. „Das werden wir herausfinden. Sowohl, ob Sie beteiligt sind als sicherlich auch, was Lars’ Motivation dahinter sein könnte, falls Sie sich als unschuldig herausstellen.“ Sollte sie ruhig eine Nacht in Angst und Schrecken verbringen, dass Lars sie im Gefängnis sehen wollte. Denn dass er das hinbekommen würde, wenn er es wirklich wollte, war ihr mittlerweile wahrscheinlich auch klar geworden.
    Wieder zog Elias eine Augenbraue hoch, als sie ihn auf eine mögliche Beteiligung bei der IMA ansprach. „Wirklich? Jetzt auch noch ich? David, war nicht Marco auch schon ein mögliches Mitglied der IMA? Ich auch? Wer denn noch alles?“ Sie machte sich damit nun wirklich nicht glaubwürdiger. „Ja, wir halten Sie hier zumindest vorerst fest, weil Sie unter Terrorverdacht stehen, Marianne. Sie dürfen einen Anruf tätigen, falls Sie jemandem Bescheid geben möchten, dass Sie heute nicht nach Hause kommen werden. Sagen Sie ruhig, dass es um Anschuldigung im Zusammenhang mit Terrorismus geht, falls Sie die Wahrheit sagen möchten. Lassen Sie nur den übernatürlichen Faktor weg. Wenn sich herausstellen sollte, dass Sie unschuldig sind, werden wir Ihnen helfen, zu erklären, dass unsererseits ein Fehler vorlag. Sie können sich aber natürlich über den Grund Ihres Aufenthaltes hier auch einfach bedeckt halten, die Wahl liegt bei Ihnen.“
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 20:57

    Ria Weber

    Seine Worten waren nichts als Schau, gedacht für Cillian und Carsten. Dass sie hier bleiben musste, war offensichtlich auch keine Überlegung oder leere Drohung mehr, sondern eine beschlossene Tatsache. Ob das von Lars entschieden worden war oder Elias sich austoben durfte, war dabei ja letztendlich auch egal.
    Bei Marco glaubte sie inzwischen eigentlich schon gar nicht mehr daran. Es war ja offensichtlich geworden, dass sie die ranghöchsten Positionen mit IMA-Leuten besetzt hatten, da wäre es wahrscheinlich sogar unsinnig, die niedrigen Gehaltsklassen in ihre Pläne einzubeziehen. Die dienten wohl weiterhin als unwissendes Fußvolk oder so.
    „Das zu wissen ist Ihr Job, nicht meiner.“ Das war sowohl an ihn in Rolle als Aktiver als auch an ihn als IMA-Terrorist gerichtet.
    Ein Anruf? Wen sollte sie darüber informieren? Tom, der sich vermutlich immer noch die Finger wundwählte, um sie endlich zu erreichen? Ihre WG, dass die Leute bescheid wussten, dass sie nicht nach Hause kam? Ihre Eltern? Nein, die definitiv am allerwenigsten. Machte es irgendeinen Sinn, irgendjemanden hier herauszuhalten? Die IMA wusste inzwischen wahrscheinlich besser über ihren Freundeskreis bescheid, als sie selbst … schließlich entschied sie sich für Liz. Die würde Tom und auch ihrer WG bescheidgeben können, weil sie einen der Jungs aus ihrer Studentenbude kannte. Vermutlich saß sie ohnehin schon im Auto und wartete nur auf eine Adresse, bei der sie sie abholen sollte.
    „Ich möchte jemanden anrufen“, ging sie auf das Angebot ein, betend, dass sich Elias endlich aus ihrer Nähe begeben würde.
    Wer auch immer sie dann zu diesem verdammten Telefon brachte, sie würde ihm noch einmal dringlichst anraten, David, Elias und alle anderen hochrangig positionierten Leute zu überprüfen, gleich wie viel ungläubiger sie das noch machen würde. Mehr konnte sie nicht tun und ihre Lage könnte es wohl auch kaum noch verschlimmern.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 21:12

    Elias Vahrenholz

    Damit war das also geklärt. Ob sie dann noch eine Nacht hierbleiben durfte danach oder ob Elias ihr den Gefallen tat, die 48 Stunden nicht voll auszureizen, würde er dann mehr oder weniger spontan entscheiden. Auf jeden Fall würde sie jetzt aber die kommende Nacht hier verbringen. Eine Nacht in einer Zelle würde ihr nicht schaden. Also doch, vielleicht schon, aber zumindest nicht in einem so gravierenden Maße, dass Lars sich darüber beschweren würde. Manchmal hasste Elias es, von Lars abhängig zu sein. Dass David der Anführer der IMA war, war zumindest in den oberen Kreisen unumstritten, aber Lars war die unangefochtene Nummer 2. Ihm zu widersprechen wäre dumm gewesen, denn dann zog man nicht nur seinen eigenen Zorn auf sich, sondern auch noch den von David, denn dieser hatte natürlich nicht vergessen, welch großes Opfer Lars für ihn gebracht hatte und war ihm wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit dankbar dafür.
    „Muss das wirklich sein?“, versuchte Cillian es noch einmal. „Sie hat bestimmt nichts mit Lars zu tun.“ Er sah hilfesuchend zu Carsten.
    Dieser zuckte jedoch mit den Schultern. „Mir gefällt das auch nicht, aber es ist nun einmal leider Elias’ gutes Recht, sie bis zu 48 Stunden hier festzuhalten.“
    Gut, schon allein mit diesem Recht setzte sich der Rat über die Gesetze weg, die zumindest hier in Deutschland für normale Menschen galten, andererseits würde kein Mensch, der wirklich etwas zu sagen hatte, sich darüber beschweren, dass bei einer mutmaßlichen Terroristin eine Vorsichtsmaßnahme ergriffen wurde.
    „In Ordnung“, sagte Elias und stand auf. „Ich bringe Sie zu dem Telefon und werde Sie danach auch in Ihre Zelle führen.“ Gut, dass der Chef persönlich sich dazu herabließ, war vielleicht ungewöhnlich, aber andererseits würde es auch niemandem zu merkwürdig vorkommen. Nicht, nachdem Elias sowieso schon persönlich hier aufgeschlagen war. Und er wollte nur zu gern ein paar unbeobachtete Minuten allein mit Marianne haben.
    „Gehen wir. Ihre Sachen können Sie in diesem Raum lassen. Viola wird sie beschlagnahmen und Ihren wieder aushändigen, falls Ihre Unschuld bewiesen werden kann.“ Und er formulierte das gerne im Konjunktiv, denn ja, nach wie vor sollte sie ruhig denken, dass das durchaus reelle Risiko bestand, dass hier niemand ihre Unschuld bewies.
    Also setzte Elias sich mit ihr zusammen in Bewegung, ließ sich draußen von Marco den Schlüssel für ihre Handschellen aushändigen, nahm sie ihr ab und ging mit ihr auf den Gang zu einem Telefon.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 21:48

    Ria Weber

    Ria versuchte Cillians Blick einzufangen, als der anfing, für sie zu argumentieren. Aber er war auf den Blickwechsel mit Carsten fokussiert. Verdammt, sie hatte ihm eigentlich nur vermitteln wollen, es dabei zu belassen. Aus der Nummer kam sie eh nicht mehr raus und wenn Cillian nun auch noch anfing, Elias zu nerven, würde das wohl eher negative Folgen für ihn haben. Am Ende saß er dann noch an ihrem Platz und wurde ebenfalls als Terrorverdächtiger verhört, weil er eben diesen wahnsinnigen, für die IMA interessanten Bruder hatte …
    Natürlich würde es Elias sein, der sie zu diesem Telefon brachte … Einspruch erheben brachte wohl nichts, also erhob sie sich, ihre Sachen nicht weiter beachtend.
    „Danke“, wandte sie sich noch einmal ganz konkret an Carsten und Cillian, hoffend, dass die Männer wegen ihrer Dummheit, sich ein Wortduell mit Lars zu liefern, keine Schwierigkeiten bekamen. Auf dem Mensch ruhte ihr Blick einen Moment länger. Wenn die IMA ihre Pläne umsetzte, stand er auf der Abschlussliste, Lars und Elias planten vielleicht jetzt schon seinen Tod … sie wandte den Blick bei diesem Gedanken wieder ab und ging auf Elias' Wink hin nach draußen, wo sie die Handschellen abgenommen bekam. Nicht, dass sie das nun noch in irgendeiner beruhigen könnte …
    Kaum war das Telefon in Sicht, beschleunigte sie ihren Schritt, um Elias gar nicht erst die Zeit zu geben, sie mit weiteren Drohungen zu sekkieren. Schon hatte sie Liz' Nummer gewählt.
    „Rams?“, meldete sie sich fragend bei der unbekannten Nummer.
    „Weber“, gab sie zurück, versucht, dem Gespräch einen witzigen Unterton zu geben.
    „Herrgott, Ria!“, schallte es schon durch den Hörer, so laut, dass Elias vermutlich jedes Wort verstand. „Was ist los?!“ Geraschel verriet, dass Tom bei ihr war und ihr das Handy entreißen zu versuchte.
    „Alles cool“, sponn sie ihre Geschichte weiter.
    Dass sie gerade mit einem von Lars' Männern im Gang des übernatürlichen Rates stand, war nicht die Information, die sie weiterzugeben gedachte.
    „Dominik und Mirco sind eskaliert. Die haben Freunde beim Theater und nachdem ich letztens ihre Lieblingscouch mit Rotwein vollgekippt habe, sind sie der Meinung gewesen, eine würdige Rache inszenieren zu müssen.“
    Stille am Ende der Leitung. Liz musste ihr das glauben! Elias' Drohung sie betreffend war deutlich gewesen. Wenn sie nun auch nur den Hauch einer Ungereimtheit hier aufbaute, machte das ihre Freundin für die IMA unnötig interessant.
    „Also haben sie sich Requisiten geschnappt und Alarm für Cobra 11 gespielt. Mein Gott, sie haben sich bepisst vor Lachen, als ich in das verdammte Auto eingestiegen bin.“ Bepisst vor Lachen hatte sich vermutlich wirklich jemand. „Die haben sich sich dafür tatsächlich diese Karre geliehen. Die haben Geld gesammelt, um das durchzuziehen ...“
    „Also … ist alles in Ordnung?“ Liz wirkte ganz und gar nicht überzeugt, was beschissen war, weil Ria nicht wusste, wie viel Zeit Elias ihr noch lies.
    „Ja!“ Sie zwang sich zu einem Lachen, von dem sie hoffte, dass es halbwegs echt wirkte. „Jennifer hat mein Handy in Beschlag genommen und es in den Safe ihrer Eltern gesperrt. Das seh ich wohl erst wieder, wenn sie aus dem Urlaub zurückkommen.“
    Sie hatte kurz überlegt, gefakte Namen zu nehmen, aber das hätte Liz wohl noch misstrauischer gemacht. Und sie wollte Elias nun echt nicht noch das Gefühl vermitteln, irgendwelche Dummheiten in Form von geheimen Botschaften oder so zu riskieren. Und den erwähnten Partyabend hatte es tatsächlich gegeben. Sie wollte Liz einfach komplett da raus halten, das musste doch nun wirklich offensichtlich sein! Gleichzeitig hatte sie Namen von Personen gewählt, zu denen Liz keinen engeren Kontakt hatte, nicht, dass sie gleich noch bei einem von denen Terror schob.
    „Du du rufst mich jetzt wie genau an?“
    „Lass mich mit ihr reden!“, hörte sie Toms Stimme im Hintergrund.
    „Von Jennifers Festnetz?“, stellte sie gespielt ironisch eine Gegenfrage.
    Verdammt, die Zeit lief ihr hier davon. „Sie sind ein bisschen paranoid und haben die Nummer zur Einblendung nicht freigegeben.“
    „Oh …“
    Entweder war der Groschen gefallen oder sie kaufte ihr die Geschichte endlich ab. Auf jeden Fall konnte sie nicht mehr tun.
    „Die zwangsbeglücken mich nun zu einem Saufgelage und ich werd dich anrufen, wenn ich feststelle, dass mein Geld fürs Taxi in Spirituosen verwandelt worden ist.“ Wieder ein Lachen. „Genießt die Zweisamkeit! Wir sprechen spätestens übermorgen noch mal über die Farben! Ich bin immer noch für irgendwas außer weiß!“
    Die Zeit war abgelaufen und sie hatte das Beste rauszuholen versucht. Mit einem letzten „Bussy, ciau!“, beendete sie das Gespräch und hängte den Hörer wieder ein.
    Spätestens jetzt kam sie um ein Gespräch mit Elias wohl nicht mehr herum. Und was Liz' Schicksal anbelangte, konnte sie das nun nicht mehr beantworten. Das lag … in den Händen der IMA. Sie versuchte die Verzweiflung mit Gewalt hinunter zu schlucken.
    „Zufrieden? Keine Informationen, keine Leute, die denken, das irgendwas nicht stimmt“, zischte sie Elias entgegen.
    Sie war … so wütend. Auf Lars. Auf Elias. Auf sich, weil sie sich da überhaupt erst reinmanövriert hatte. Gleichzeitig war ihr absolut unbegreiflich, wie man überhaupt für einen Mann wie Lars arbeiten konnte …
    „Was … haben SIE davon? WAS bringt es IHNEN, Menschen vernichten zu wollen.“ Ja, sie meinte ganz konkret Elias, nicht die IMA allgemein. Sie wollte von ihrem Gegenüber hören, was dieser ganze Zirkus eigentlich sollte!


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 22:37

    Elias Vahrenholz

    Sie hatte es nun offensichtlich ziemlich eilig, zum Telefon zu kommen, aber das überraschte Elias eigentlich nicht weiter. Interessant war dann aber die Geschichte, die sie lieferte. Vielleicht reichte die ja auch bereits aus, damit ihre Freundin und ihr Bruder nicht noch weiter misstrauisch wurden. Und wenn doch, sollte es Elias auch egal sein. Man konnte die beiden im Zweifelsfall leicht aus dem Weg räumen oder ihnen alternativ, wenn man die Konsequenzen harmloser umgehen wollte, einfach die Erinnerungen an das hier löschen. Das wäre immerhin kein Problem gewesen.
    Allerdings zog Marianne das Gespräch auch ziemlich in die Länge, wie Elias fand, weshalb er ihr nach einer Weile mit einer Handbewegung signalisierte, doch bitte langsam zum Ende zu kommen. Daran hielt sie sich dann wenigstens auch.
    „Ich denke schon. Wenn die beiden nicht zu misstrauisch sind, sollte es ja keine Probleme geben. Ansonsten werden wir das Problem schon lösen können.“ Mit wir war hier nun natürlich wieder vorrangig die IMA gemeint, aber das musste er sicher nicht deutlich äußern, damit Ria es begriff. Immerhin hatte sie sich bisher auch als relativ pfiffig erwiesen.
    Elias sah sich kurz um, ob jemand in der Nähe war, der das Gespräch hätte belauschen können. Als er niemanden fand, wandte er sich ihr wieder zu. „Ich persönlich?“ Er schwieg einen Moment. „Ich habe nicht vor, die Menschen zu vernichten. Zumindest ist das nicht n erster Linie das Ziel. Ich will, dass die Übernatürlichen sich nicht mehr vor den Menschen verstecken müssen. Da der Rat und die menschlichen Regierungen es nicht auf die Reihe bekommen, die Magie zu enthüllen und bisher einfach auch nicht besonders großes Interesse daran gezeigt haben, ihre Haltung in dieser Sache noch einmal zu überdenken, müssen wir ja offensichtlich zu extremeren Mitteln greifen.“ Elias war sicher kein Heiliger, das wusste er selbst. Er machte sich keine Illusionen darüber, dass sie nun einmal Terroristen waren. Er sah nur keine andere, realistische Möglichkeit, sein Ziel zu erreichen. Unabhängig davon, was David und Lars sich davon vielleicht noch so alles versprachen. Aber er war auch ehrlich zu sich selbst: Wenn er die Gelegenheit bekam, sich einen menschlichen Sklaven zuzulegen, würde er den Luxus wahrscheinlich nicht ausschlagen. Dazu war die Verlockung zu groß. Aber die Menschen zu vernichten? Nein, das lag eigentlich nicht in seiner Absicht.
    Er ging mit Ria weiter und führte sie zu der Untersuchungszelle, wo bereits Viola wartete.
    „Tragen Sie noch Schmuck oder andere Wertsachen bei sich? Wenn ja, geben Sie mir diese Sachen bitte jetzt. Ich muss Sie auch noch kurz abtasten, um sicher zu gehen, dass Sie nichts Verbotenes oder Gefährliches dabei haben.“
    Elias genoss die Situation nach wie vor. Es war wirklich amüsant.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Di 18 Jul 2017, 06:38

    Ria Weber

    Wenigstens hatte er sie das Telefonat zu Ende führen lassen. Alles andere hätte auch nur mehr als deutlich gemacht, dass er gar keine Ärger vorbeugenden Maßnahmen haben wollte.
    „Die sind nicht misstrauisch“, gab Ria zurück.
    Der Vorfall war schließlich wirklich theoretisch möglich. Gut, Liz und Tom würden sicher darüber debattieren und es immer noch ein bisschen komisch finden, aber da hatte sie ja nun mal von hier aus keinen Einfluss drauf. Sie konnte nur hoffen, dass sie es glaubten oder aber verstanden, dass es einen Grund gab, warum sie das gesagt hatte, und es dabei beließen.
    Die Erklärung, was Elias' Motivation war, war Bullshit in ihren Augen und ihr Blick dazu sprach bereits Bände. „Normale Leute“, eigentlich sollte es ihr noch gar nicht so leicht fallen, automatisch Leute und nicht Menschen zu sagen, das bewies doch nur, wie tief sie bereits in etwas drin steckte, mit dem sie überhaupt nichts zu tun haben sollte, „bloggen, wenn sie wollen, dass die Welt was erfährt. Gehen zu Radio- oder Fernsehsendern. Wenden sich an Zeitungen. Wir leben im 21. Jahrhundert, man muss keinen Krieg mehr anfangen, um irgendjemanden über irgendetwas aufzuklären. Auch in abstrusen Angelegenheiten nicht. Ihr wollt … nichts als Eskalation.“
    Lars hatte sie diese Dinge bereits mehr oder minder im Chatraum gesagt, ihre Meinung nun einem Terroristen von Angesicht zu Angesicht unter die Nase zu reiben, konnte es da vermutlich auch nicht mehr schlimmer machen, auch wenn sie innerlich gerade tausend Tode starb. Er würde sie ja kaum hier in diesem Flur abstechen. Und das konnte sie einfach nicht unkommentiert stehenlassen. Außerdem war da noch etwas, das sie so rein überhaupt nicht verstand, noch viel weniger als jegliche Motivation dieser Verbrecher, die ihr ja zumindest durch menschliche Kriminelle theoretisch bekannt war.
    „Und was zum Teufel noch mal hat die IMA davon, MIR auf den Sack zu gehen?!“
    Scheiße, sie wusste ja noch nicht einmal, für was IMA überhaupt stand, sofern es überhaupt wirklich eine Abkürzung war. Sie wurde von einer ihr im Grunde vollkommen unbekannten Gruppierung in Schwierigkeiten gebracht, die der IMA ja noch nicht einmal etwas brachten. Weil sie einfach dermaßen unwichtig war, dass es die Mühe eigentlich gar nicht wert sein dürfte, sich vor Umsetzen ihrer Pläne überhaupt mit ihr zu beschäftigen. Gut, theoretisch wusste sie es bereits. Cillian hatte seine Vermutungen vom Stapel gelassen, Lars hatte sich selbst dazu geäußert, aber wenn sie sich vorstellte, irgendjemand Wichtiges in so einer Gruppierung zu sein, fiel ihr eine Menge ein, das mehr zeitliche und personelle Aufmerksamkeit verdient hätte.
    Sie ließ sich von Elias zur Zelle führen, wo Viola auf sie wartete. Wortlos gab sie eine Kette mit einem Vulkansteinanhänger und ein Lederarmband ab, griff in die Hosentasche und förderte ihren Schlüssel, den sie extra nicht in der Tasche aufbewahrte, um ihn nicht suchen zu müssen, einen alten Kassenzettel und ein benutztes Taschentuch, das sie vergessen hatte wegzuschmeißen, zutage.
    „Das brauch ich nicht wieder“, konnte sie sich nicht verkneifen zu sagen, obwohl Viola hier wohl eine der wenigen waren, die wirklich nur ihren Job machte.
    Nur kurz darauf wurde die Aktive deshalb mit einem geradezu um Hilfe schreienden Blick bedacht. „Ist das echt nötig?“, entwich es Ria, obwohl sie im gleichen Moment verfluchte, dass Elias noch daneben stand.
    Natürlich würde Viola nicht helfen können, die machte nur ihren Job. Was ein Hohn, dass sie einen unschuldigen Menschen wegsperrten, während der IMA-Kerl direkt daneben stand.
    „Überprüfen Sie Ihre Leute!“, versuchte sie ihr noch einmal ins Gewissen zu reden. „JEDEN. Wenn die IMA so gefährlich ist, ist es doch nicht unwahrscheinlich, dass sie irgendwo ihre Spitzel haben.“
    Mehr als immer wieder darauf beharren konnte sie nicht. Und Viola machte zumindest den Eindruck, einen anständigen Job zu machen. Ria hatte extra keinen Präsidenten oder überhaupt einen konkreten Namen erwähnt, das machte sie ja nur wieder unglaubwürdig. Sie breitete vor Viola die Arme aus, um sich abtasten zu lassen. Das letzte Mal, als sie so vor jemandem gestanden hatte, hatte es im Anschluss daran ein geniales Konzert gegeben. Nun … eine triste Zelle. Definitiv uncooler.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Di 18 Jul 2017, 09:51

    Elias Vahrenholz

    „Wer würde das schon ohne Weiteres glauben? Der Rat und die menschlichen Regierungen tun seit Jahrzehnten einfach alles dafür, die Wahrheit nicht ans Licht dringen zu lassen. Sie würden Gedächtnisse verändern und Beweise vernichten, so wie sie es immer getan haben. Wir müssen so unwiderruflich öffentlich werden, dass sie diese Wahl nicht mehr haben.“ Trotzdem fragte Elias sich natürlich öfter als nur manchmal, ob das wirklich das richtige Vorgehen war. Andererseits steckte er so oder so schon tief genug in dieser ganzen Angelegenheit drin, um nicht einmal mehr dann umkehren zu können, wenn er gewollt hätte. Wenn er sich entschließen sollte, sich gegen Lars und David zu wenden, würden sie ihn umbringen. Oder er schaffte es wie durch ein Wunder, dafür zu sorgen, dass David und Lars im Gefängnis landeten … dann landete er selbst jedoch ebenfalls dort und entweder machten sie ihm dort das Leben zur Hölle oder sie töteten ihn spätestens dann. So oder so war das keine Alternative und somit würde Elias an der IMA festhalten. Auch wenn ihm sicher nicht alles gefiel, was sie taten.
    „Mir persönlich bist du egal“, gab Elias schlicht zurück. „Aber du hast es leider irgendwie geschafft, dass Lars dich interessant findet. Er will dich unbedingt besitzen.“ Es ließ sich nicht schöner ausdrücken. Oder er hätte es schöner ausdrücken können und es hätte am Ende nicht dem entsprochen, was es tatsächlich war. Lars wollte, dass sie seine Sklavin wurde, damit sie ihn bedienen musste, wenn ihm der Sinn danach stand und er sie nach Lust und Laune quälen konnte. „Dein Leben, wie du es gekannt hast, ist auf jeden Fall vorbei. Lars wird dich nicht in Ruhe lassen und er wird dich nicht vergessen.“ Das sagte er ihr nicht einmal, um hier irgendwie ihre unterlegene Position zu genießen und dementsprechend klang er nicht triumphierend oder genussvoll. Er sagte es, weil es eine schlichte Tatsache war. Sie hatte die Python geärgert und die würde nun keine Ruhe geben, ehe sie ihr Opfer nicht langsam und möglichst qualvoll zu Tode gewürgt hatte. Nur dass Lars Ria vermutlich nicht töten würde. Das wäre ihm zu langweilig gewesen. Wenn Marianne schlau war, beging sie einfach Selbstmord, solange sie noch die Möglichkeit dazu hatte. Aber am Ende war der Selbsterhaltungstrieb ja meistens mächtiger und  somit würde sie irgendwann wohl unausweichlich in Lars’ Fänge geraten. „Die Frage ist nur, ob er dir bis dahin die Freiheit lässt oder ob er Beweise fingiert, damit du vorher noch ein paar Monate oder Jahre im Gefängnis verbringst.“ Eigentlich überraschte es ihn fast, dass Lars das nicht so handhaben wollte. Auf der anderen Seite wollte er sich wahrscheinlich einfach die Mühe sparen, sie dafür später aus dem Gefängnis befreien zu müssen. Nicht, dass das normalerweise ein großes Problem gewesen wäre.
    Wie auch immer, die nächste Nacht würde sie auf jeden Fall in einer Zelle verbringen. Viola handhabte die Angelegenheit wie erwartet professionell und verzog keine Miene, als Marianne ihr das benutzte Taschentuch in die Hand drückte.
    „Leider ja“, versicherte Viola ihr, dass das nötig war. Wahrscheinlich war sie trotz Mariannes merkwürdiger Geschichte nicht überzeugt davon, dass das hier wirklich nötig oder auch nur wichtig war. Aber sie war gleichzeitig pflichtbewusst genug, um nicht zu hinterfragen, was ihr Vorgesetzter angeordnet hatte.
    Also stand Elias einfach nur daneben, während Marianne von Viola abgetastet wurde. „Wir werden natürlich allen Hinweisen nachgehen“, antwortete Elias statt Viola.
    Viola hatte in der Zeit sicher gestellt, dass Ria nichts mehr am Körper trug, was man ihr hätte abnehmen müssen und öffnete die Zelle, damit Ria hinein gehen konnte und sie hinterher zuzuschließen.
    „Wie sie sehen, gibt es hier ein Waschbecken und Plastikbecher, falls Sie Durst bekommen und eine Toilette. Wir reden morgen früh weiter.“
    Mit diesen Worten ging Elias und nahm Viola mit.

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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

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