Pooly's Kunst und Schreibforum

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    Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Do 20 Jul 2017, 20:49

    Lars Viklund-Holm

    Das konnte noch ziemlich amüsant werden. Lars hatte das alles immerhin von langer Hand geplant und war sich sicher, dass er seinen Spaß damit haben würde, Marianne zu jagen. Also ließ er sie erst einmal loslaufen.
    „Lars?“ Christian, der dritte Vampir, der sich zunächst in der Wohnung versteckt hatte, war nun an ihn herangetreten.
    „Hm?“
    „Da unten ist schon ordentlich Trubel.“
    „Damit kann ich mich jetzt nicht beschäftigen.“ Lars’ Schritte waren vergleichsweise gemächlich, als er runter ging, trotzdem hatte er nicht vor, unnötig zu trödeln. Aber einen kleinen Vorsprung wollte er ihr natürlich schon lassen. Sonst wäre es ja langweilig gewesen. Und da er ihren Fluchtwagen mit einem Peilsender versehen hatte – völlig bescheuert war Lars schließlich auch nicht – würde er sie so oder so wieder finden. „Kümmert euch um die Polizei und die Sanitäter, ich kann dir jetzt nicht gebrauchen.“ Er griff nach einem Funkgerät, das er sich besorgt hatte, um mit seinen Laufburschen in Kontakt zu bleiben. „Könnte gleich ungemütlich hier werden, haltet mir den Rücken frei.“
    Zunächst nahm niemand so wirklich von ihm Notiz. Die Sanitäter saßen mittlerweile, warum auch immer, wieder im Auto, und Lars ließ sich die Vampire darum kümmern.
    Marianne fuhr gerade mit quietschenden Reifen davon und die Polizistin war gerade auch mehr damit beschäftigt, sie zu verfolgen, als von Lars – der sich allerdings auch im Schatten der Vampire gehalten hatte – Notiz zu nehmen.
    Also ging Lars zu dem Auto, das er für diese Verfolgung extra dort bereit gestellt hatte, gab den anderen IMA-Anhängern ein Zeichen, ihm zu folgen, und fuhr los.
    Die Fahrt war interessant. Die Polizistin hatte sich, aus welchem Grund auch immer – vielleicht dachte sie, Ria hätte einen Mord begangen? – an die Fersen des Menschenmädchens geheftet und Lars für seinen Teil fuhr einfach hinter den beiden her.
    Offenbar wollte die Polizistin Ria allerdings irgendetwas mitteilen. Die genaue Botschaft war ihm auch nicht so ganz klar, aber zumindest war ihm klar, dass sie ihr irgendetwas sagen wollte. War ihm aber auch egal. Um die Polizistin würde er sich kümmern, wenn sie eben dort war. Mit der Menschenfrau würde er leichtes Spiel haben, die stellte wohl kaum ein Hindernis dar. Dann tauchte die Ausschilderung für eine Baustelle auf.
    „Ah.“ Damit war das dann also auch klar.
    „Lars? Ich glaub, wir haben hier ein Auto mit Aktiven am Arsch. Und die Polizistin hat um sich geschossen.“
    „För i helvete“, murmelte Lars auf Schwedisch vor sich hin und griff dann nach dem Funkgerät. „Versucht sie irgendwie loszuwerden.“ Aber gut, die würden wohl kaum auf ihn vorbereitet sein und vermutlich waren sie einfach nur auf den Plan getreten, weil Lars was von Vampiren gesagt hatte. War nun blöd gelaufen, aber er hatte immerhin zwei Autos voll mit IMA-Mitgliedern, die hinter ihm her fuhren, die würden ihm die Aktiven schon vom Hals halten. Die würden ja schließlich nicht damit rechnen, dass Lars Viklund-Holm persönlich hier aufschlug und nicht gleich eine ganze Armada von Aktiven vorbei schicken. Also kein Grund, sich Sorgen zu machen.
    Am liebsten wäre Lars einen Bogen gefahren, nur um die jungen Leute über den Haufen zu fahren, aber dazu war nun keine Zeit. Er musste sich um Marianne kümmern.
    Somit kam auch Lars zum Stehen und stieg aus dem Auto aus. „Du kennst mich nicht, aber glaub mir, du willst mich auch nicht kennen lernen“, rief er der Polizistin in Ruhe. „Wenn du dich verpisst, lasse ich dich vielleicht am Leben. Oder ich mache es zumindest kurz und schmerzlos. Ich will das Mädchen, du bist mir egal.“

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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Do 20 Jul 2017, 21:35

    Anja & Simone

    Simone saß hochkonzentriert hinter dem Steuer. Das Marianne in die Baustelle hineingefahren war, war eine äußerst ungünstige Entwicklung, denn es erschwerte es ihnen nun, schnell zu ihr zu gelangen. Dass sie IMA-Anhänger direkt an den Fersen hatte, war logisch, das hatte Anja gar nicht mehr erwähnen müssen.
    „Wir teilen uns auf“, entschied Simone schließlich knapp.
    Von der anderen Seite in die Baustelle hineinzufahren war durch diese beschissenen Baufahrzeuge unmöglich. Aber Simone hatte gerade wenig Skrupel, durch die Hecken eines Privatgrundstücks zu brettern, während die IMA-Leute mit dem anderen Einsatztrupp beschäftigt sein würden. Die würden annehmen, es mit ein paar aus dem Schlaf gerissenen Aktiven zu tun zu haben, die halt hellhörig geworden waren, weil es um Vampire ging. Da käme eine kleine Überraschung für Lars gerade recht. Der würde sich in Sicherheit wähnen, glauben, dass sich seine Männer um die Aktiven kümmerten, während er sich Marianne schnappte. Wenn ihr Plan aufging, würde ihr Team ihn daran hindern können, mit ihr zu entkommen.
    „Bist du zurechnungsfähig?“, folgte eine Frage aus dem anderen Fahrzeug. Nicht einmal so sehr, weil sie ihre Idee anzweifelten, sondern vielmehr, weil sie fürchteten, dass Anjas sicherer Tod sie zu dummen Ideen verleiten würde.
    Ab dem Moment, in dem Anja über den Funk vermeldet hatte, dass Lars zugegen war, war sie sich sicher gewesen, dass sie sterben würde. Kein Mensch überlebte eine Begegnung mit Lars. Das war so etwas wie ein Naturgesetz. Der Mann war das Gefährlichste, was die Welt bisher hervorgebracht hatte. Dass es ihm wohl nicht darum ging, Marianne zu töten, war nichts, das einen beruhigen sollte, denn sie würde nur noch Schlimmeres zu erwarten haben. Als Viola ihr von dem seltsamen Verhör erzählt hatte, war Simone klar gewesen, dass irgendetwas passieren würde. Sie hatte mit Viola und anderen Aktiven darüber gesprochen, sich – unter der Hand natürlich – die Aufzeichnungen von Mariannes Befragung angeschaut und schnell für sich entschieden, ihr zu glauben. Kein normaler Mensch schloss sich der IMA an und das Mädchen hatte nicht einmal ansatzweise den Eindruck erweckt, irgendetwas ihrer Gefühle nur vorzuspielen. Elias hatte sie nach Hause gefahren und war nur kurz darauf von der IMA getötet worden. Eine unmissverständliche Warnung, dass die Aktiven es sich wagen sollten, dem Menschen zu helfen? Fakt war, dass die ganze Sache von vorne bis hinten stank. Aber vielleicht konnte man Scheiße zu Gold verwandeln, wenn Lars sich nun zu einem Fehler hinreißen ließ.
    „Ja!“, antwortete sie auf die gestellte Frage nachdrücklich, aber nicht zu vehement. Denn sie war es tatsächlich.
    Anja hatte die Entscheidung, Mariannes Sicherheit über ihre eigene zu stellen, selbst getroffen. Es war ein dummer Zufall gewesen, dass ihr Polizeikollege die Schicht hatte tauschen wollen, doch vielleicht rettete das nun Mariannes Leben.
    Ihre Bestätigung reichte dem anderen Team und das Auto ging dazu über, den IMA-Fahrzeugen weiter auf den Pelz zu rücken, während Simone ihres einen anderen Weg lenkte. Ihre Aktiven waren einsatzbereit und instruiert: Lars war das Primärziel. Marianne schützen und zivile Opfer vermeiden stellten ein wichtiges Sekundärziel dar, aber die absolute Priorität lag unbestritten auf dem Kopf der IMA. Ihn wieder einzufangen, würde vielleicht sogar den gesamten von Marianne prophezeiten Krieg verhindern können. Gut, man müsste einen Weg finden, die anderen Vorwürfe zu untersuchen. Eigentlich sträubte sich alles in Simone, anzunehmen, dass David tatsächlich etwas mit der IMA zu tun haben könnte. David war immerhin ihrer aller Held, der Mann, der es damals geschafft hatte, die IMA gemeinsam mit Savio Verusco weitgehend zu zerschlagen. Ungeheuerlich, wenn sich das alles als Trugschluss herausstellen sollte. Sie wollte das nicht glauben. Kein Aktiver wollte es glauben. Und doch war zumindest Simone der Meinung, dass dem nachgegangen werden musste! Aber zunächst einmal hatten sie hier zu tun!

    Anja schlug sich wacker. Die von Simone beschaffte Munition schien tatsächlich zu wirken und es gelang ihr, noch ein paar Widersacher zur Strecke zu bringen. Dann allerdings – fuhr Lars Viklund-Holm höchstpersönlich vor. Sie hörte Geräusche von weiter weg, war sich sicher, dass da ein Aktiven-Team und IMA-Leute bereits gegeneinander kämpfen. Lars schien ihnen zuzutrauen, ihm den Rücken freizuhalten, was bedeutete, dass sie damit die einzige Person war, die noch zwischen ihm und dem Mädchen stand.
    Seine Worte trafen direkt auf den stärksten Instinkt – das eigene Überleben zu sichern. Anja kannte dieses Gefühl nur zu gut. So gut, dass sie wusste, wie sie es zu umgehen hatte. Also positionierte sie sich bewusst neu, ordnete ein letztes Mal ihre Gedanken, und machte durch ihr sich vor der Fahrertür aufbauen unmissverständlich deutlich, dass sie nicht vorhatte zu weichen.
    „Sie würden mich ohnehin nicht am Leben lassen!“, rief sie also zurück. „Ich bin ein Mensch.“
    Sie wusste nicht, ob er das wusste, es ging ihr schlicht darum, bloß dafür zu sorgen, dass er sich schön auf sie konzentrierte, sich vielleicht sogar ärgerte und hinhalten ließ, bis das Debakel dahinten zugunsten der Aktiven entschieden war.
    Das Mädchen allerdings - schien andere Pläne zu verfolgen. Es war offensichtlich erwacht und kletterte mühsam aus dem Auto, sichtlich benommen. Sein Blick huschte von ihr zu Lars und wieder machte sich sichtlich pure Panik in ihr breit.
    „Bitte“, stieß sie mit leiser Stimme hervor.
    Anja tat doch hier eh schon alles, um sie zu beschützen, verdammt! Ihr wurde abwechselnd heiß und kalt, als sie bemerkte, dass das kein Flehen um Hilfe an sie gerichtet war. Stattdessen fixierte das Mädchen Lars, machte tatsächlich Anstalten, auf ihn zuzuwanken, streckte sogar beschwichtigend eine Hand in seine Richtung aus.
    „Lass sie am Leben, i-i-ich komme mit ...“


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Do 20 Jul 2017, 21:58

    Lars Viklund-Holm

    Seine Leute würden ihm die Aktiven schon vom Hals halten. Die IMA war, obwohl offiziell zerschlagen, in den letzten zwanzig Jahren nicht völlig untätig gewesen. Es waren fähige Leute rekrutiert und ausgebildet worden, die bereit waren, notfalls auch für die Sache zu sterben. Viele von ihnen verehrten Lars und somit würden die es vermutlich sogar als Ehre betrachten, für ihn im Zweifelsfall sogar in den Tod zu ziehen. Vermutlich würde es dazu aber auch gar nicht erst kommen. Seine Anhänger waren gut ausgebildet worden und die Aktiven rechneten wahrscheinlich nur mit ein paar Vampiren, die sich einen Snack gegönnt hatten. Auf das hier waren sie nicht vorbereitet.
    Somit hatte Lars keine Ahnung, was hier gerade vor sich ging, aber er dachte auch nicht darüber nach. Ihm kam gar nicht in den Sinn, dass er sich vielleicht zu leichtsinnig verhalten haben konnte.
    Gut, die Polizistin hatte offenbar ein bisschen was von dem Kanonenfutter über den Haufen geschossen, konnte man jetzt halt auch nicht ändern. Beeindruckend, dass sie es überhaupt geschafft hatte. Mit einem flüchtigen Blick registrierte er aber, dass es hauptsächlich Hexen und ein Gestaltwandler waren und die konnte man eben auch mit normaler Munition gut außer Gefecht setzen, wenn man denn richtig traf. Also dachte Lars sich auch dabei nichts weiter.
    Die Polizistin hatte Mumm. Das musste man ihr lassen. Erst als sie sagte, dass er sie ohnehin nicht am Leben lassen würde und dass sie ein Mensch war, wurde Lars klar, dass sie offenbar gar nicht so unwissend war. Sie wusste, wen sie vor sich hatte. Allerdings verunsicherte es Lars nicht. Es schmeichelte ihm eher.
    „Das ist wohl wahr“, sagte er und lächelte spöttisch. „Wenn sich mir ein Mensch schon selbst auf dem Silbertablett serviert, kann ich wohl kaum widerstehen.“ Immerhin war er nicht nur 20 Jahre auf Lítla Dímun eingepfercht gewesen, sondern hatte sich danach auch noch monatelang bei David versteckt. Das Highlight seiner vergangenen Monate war es gewesen, Elias’ verräterisches Herz zum Stillstand zu bringen. Aber verflucht, wenn er einen Menschen töten konnte, konnte er nicht widerstehen. Mariannes Mitbewohnerin hatte er schließlich den Vampiren überlassen.
    „Aber auch, wenn du von mir gehört hast, ist dir offenbar immer noch nicht klar, wozu ich fähig bin. Ich werde dich nicht einfach nur umbringen. Ich werde dir vorher die letzten Momente deines erbärmlichen Daseins zur Hölle machen, bis du darum bettelst, dass ich dir den Todesstoß versetzte“, sagte Lars und ließ einen über einen Meter langen scharfkantigen Eiszapfen erscheinen. Die Kälte machte ihm nichts aus. Sein eigenes Eis schadete ihm nicht.
    Mariannes Flehen amüsierte ihn. „Du hast sie gehört, sie will deinen Tod nicht. Hmm. Ich fürchte nur, dass mir das egal ist. Jetzt sind wir schon mal hier, also werde ich dich auch töten.“ Er lachte kurz auf, ehe er Marianne ansah. „Dich bekomme ich so oder so.“

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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Do 20 Jul 2017, 22:28

    Anja und Simone

    Simones Konzentriertheit wurde von einem BMW in der Seite ihres Einsatzfahrzeuges empfindlich gestört. Verflucht! Offensichtlich war sie nicht die einzige, die die Idee hatte, einfach durch die Gärten zu fahren. Und genau so offensichtlich hatte Lars doch zumindest irgendwelche Schwierigkeiten eingeplant. Schon sprangen IMA-Schergen aus dem Auto und ihre eigenen Leute taten es ihnen gleich. Simone wägte ihren nächsten Schritt ab, überlegte, ob sie das ihren Aktiven überlassen konnte und weiter auf Lars zuhielt, oder ob es sinnvoller war, nicht zu riskieren, dass ihr Team zerschlagen wurde. Ein IMA-Vampir nahm ihr die Entscheidung ab und zerrte sie aus dem Fahrzeug. Sein todbringendes Gebiss war für ihren Geschmack schon viel zu nah an ihrem Hals, als sie es schaffte, ihn mit einem Flammenstoß zurückzutreiben. Nun gut, dann mussten sie sich eben zuerst hierum kümmern. Es war vermutlich ohnehin sinnvoller, Lars nicht ohne etliche Aktive im Rücken gegenüberzutreten, denn das zweite Auto der IMA, das sich ihnen genähert hatte, ohne dass es ihr oder den anderen aufgefallen war, zeigte, dass er für diese Auseinandersetzung nicht unbedingt schlecht gerüstet war.

    Es schien tatsächlich zu funktionieren. Er sprang auf ihre Worte an. Die Drohung prallte an ihr ab, der Teil ihrer Selbst, der darauf angesprungen wäre, ruhte in diesem Augenblick vermantelt und tief vergraben in ihr. Sie wusste, wie sie Drohungen zu nehmen hatte, das war mitnichten die erste. Von allen Möglichen Kriminellen hatte sie sich Dinge teils selben Kalibers anhören dürfen. Nervig war allerdings das Mädchen. Und nervig war gerade wirklich das richtige Wort dafür. Immerhin war SIE die verdammte Ordnunghüterin und hatte hier ihren Job zu machen. Und der bestand nun einmal zurzeit daraus, Lars hinzuhalten. Warum konterkarierte sie das, indem sie seine Aufmerksamkeit wieder auf sich zog.
    „Fresse!“, entfuhr es ihr also, was zum einen gerade echt ein Bedürfnis war, zum anderen aber auch wieder Lars etwas zum Nachdenken geben sollte, das ihn davon abhielt, kurzen Prozess zu machen und mit Marianne zu verschwinden. Es wäre bitter, umsonst zu sterben. „Lass das die Erwachsenen regeln.“ Ihr Ton hatte wieder diesen militärischen Touch, auf den das Mädchen, wenn auch nur temporär, bereits vor dem Haus reagiert hatte.
    Seinen geschaffenen Eiszapfen quittierte sie mit einem Durchladen der doppelläufigen Schrottflinte.
    „Ich war beim Heer und lange genug Kriegsgefangene, um mir sicher sein zu können, dass Sie mir nichts antun können, was nicht bereits einem Mensch eingefallen wäre.“
    Sie betonte das Wort Mensch bewusst, um ihm deutlich zu machen, dass der Übernatürlichkeitsfaktor sie nicht beeindruckte. Und natürlich trug sie hier ein bisschen dicker auf, aber im Endeffekt hatte sie tatsächlich schon genug gesehen und erlebt, um zu wissen, zu was Menschen fähig waren. Einer der Gründe, seit mehreren Jahren im Polizeidienst und nicht mehr in der Armee zu sein. Ihr Inneres mochte nicht, dass sie über diese Zeit sprach. Und schon gar nicht mit einem Mann wie ihm. Das waren Themen, die sie nicht einmal mit Simone sonderlich gerne anschnitt. Sie ignorierte das Nagen. Hier ging es schließlich um etwas und Lars schien ein Mann zu sein, der auf verbale Gegenwehr zu stehen schien. Vermutlich kratzte es an seinem Ego, das Gefühl zu haben, herausgefordert zu werden. Und das hatte sie nun mal jetzt zu ihrem Job gemacht.
    „Die Idee, mit gefrorenem Wasser zu spielen, ist im Übrigen auch schon uralt, Herr Viklund-Holm.“
    Ja, es war gut, dass sie mit ihrem Leben bereits abgeschlossen hatte, auch wenn sie sich vom Polizeidienst eigentlich erhofft hatte, das nie wieder tun zu müssen. Es machte die Frage weniger drängend, ob ihre Spezialmunition auch bei Lars irgendeine Wirkung zeigen würde.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Fr 21 Jul 2017, 01:16

    Lars Viklund-Holm

    Mit einer Sache hatte Elias auf jeden Fall Recht gehabt: Lars mochte Herausforderungen. Einfach langweilte ihn. Generell war Lars ziemlich schnell gelangweilt, seit seiner Zeit im Gefängnis nur umso mehr. Den Weg hatte er zwar selbst gewählt, trotzdem gab es für ihn einfach wahnsinnig viel aufzuholen und er wollte keine Sekunde seines Lebens mehr verschwenden. Das bedeutete nicht, dass er bereute, was er getan hatte, aber trotzdem wollte er seine Zeit nach Lítla Dímun so sinnvoll wie möglich nutzen. Sinnvoll war dabei natürlich Auslegungssache. Aber seinen Spaß zu haben, fand Lars auf jeden Fall ziemlich sinnvoll und das war einer der Gründe, wieso er sich so auf dieses Marianne-Projekt versteift hatte. Gewissermaßen war sie seine Belohnung für zwanzig verpasste Jahre.
    Die Polizistin fing an, interessant zu werden. Sie zeigte Stärke und das war nach wie vor etwas, was Lars anerkennen konnte, auch wenn es ihn nicht dazu bringen würde, seine Meinung zu ändern, was Menschen betraf. Trotzdem ließ sich auf jeden Fall festhalten, dass sie mutig war und das war eine Eigenschaft, die bei weitem nicht jeder besaß. Offensichtlich hatte sie sich in den Kopf gesetzt, Marianne zu retten. Aber sie unterschätzte ihn, dessen war Lars sich sicher. Sonst hätte sie nicht angenommen, dass sie Marianne in irgendeiner Form eine Hilfe hätte sein können.
    Dass Lars hier derjenige war, der massiv die Situation, Anja und die Aktiven unterschätzte, war ihm natürlich nicht bewusst. Aber Lars war auch viel zu sehr von sich selbst überzeugt als dass er auch nur eine Sekunde lang angenommen hätte, dass hier irgendetwas anders ausgehen würde, als er es seit Wochen geplant hatte. Immerhin funktionierten seine Pläne immer. David war der Gründer und der Anführer ihrer Bewegung. Er war derjenige, der die Idee gehabt hatte, derjenige, der die finalen Entscheidungen traf und derjenige, ohne den die ganze Sache nicht funktioniert hätte, weil er ihnen den nötigen Einfluss verschafft hatte – aber Lars war der kreative Kopf. David war gut darin, politische und geradezu militärische Strategien zu entwickeln, Lars hingegen war unschlagbar darin, Angst und Terror zu verbreiten. Er war derjenige, der sich die meisten Anschläge ausgedacht hatte, derjenige, der dafür gesorgt hatte, dass David ein Held und ein Präsident werden konnte; seine Pläne trafen ins Schwarze, egal ob es jetzt darum ging, dass eine Gruppe von IMA-Mitgliedern vorzugsweise am helllichten Tage und so öffentlich wie möglich Menschen unter Zuhilfenahme von magischen Fähigkeiten tötete oder darum, die Revolution insgesamt im Hintergrund voran zu bringen. Lars war noch nie gescheitert. Selbst den Tag, den viele als sein Scheitern interpretierten, den Tag seiner Verhaftung, hatte er schließlich von langer Hand geplant. Es war alles nur inszeniert gewesen. Und schon allein deswegen hätte Lars in diesem Moment niemals auch nur ansatzweise in Erwägung gezogen, einen Fehler gemacht zu haben. Schon allein deswegen konnte er die Polizistin auf keinen Fall als Hindernis annehmen. Ansonsten hätte Lars sich jetzt vielleicht gefragt, welche Motivation sie denn bitteschön haben konnte, sich zu verhalten, wie sie es tat; David, der Kampfstratege, hätte vermutlich sofort begriffen, dass sie ihn hinhalten wollte und folgerichtig geschlossen, dass die Aktiven auf dem Weg waren.
    Aber Lars war nicht David und vor allem war er viel zu selbstverliebt, um irgendetwas davon in Erwägung zu ziehen.
    Ihre Waffe nahm er zur Kenntnis und ja, sie war ein Grund, zumindest nicht zu leichtsinnig zu sein. Denn auch ein Hexer, wie Lars es war, überlebte einen gut gesetzten Kopfschuss nicht. Drauf ankommen lassen wollte er es schließlich auch nicht.
    „Ich verstehe“, sagte Lars gedehnt. „Ich kann anerkennen, dass du mutig bist. Das gefällt mir. Aber mach dich nicht lächerlich, ich würde dich trotzdem zerstören. Sieh dir das Mädchen an“, und Lars konnte sich ein triumphierendes Lächeln nicht verkneifen. „Sie hat mir heute zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht gegenüber gestanden und das hat bereits ausgereicht, um sie derart zu verängstigen. Es hat mich nicht einmal eine halbe Stunde gekostet. Mag sein, dass du weniger leicht zu beeindrucken bist, aber deswegen solltest du nicht leichtsinnig sein. Du hast offensichtlich schon von mir gehört, obwohl du ein Mensch bist, das spricht dafür, dass du eng mit jemandem verwoben bist, der es nicht ist. Die Person hat dir doch sicher erzählt, zu was ich alles fähig bin.“ Was Lars bereits genug anwiderte. Im schlimmsten Fall hatte sie eine Beziehung mit einem Übernatürlichen und das war nun wirklich etwas, wofür Lars absolut kein Verständnis hatte. Eine der ersten Sachen, die sie verbieten würden, wenn die Zeit reif war. „Ich meine, was denkst du denn, wie das jetzt laufen wird? Denkst du, dass ausgerechnet du mich aufhalten wirst? Die Waffe ist eine Unannehmlichkeit, aber ich habe auch noch ein paar Vorteile. Du bist keine Aktive. Du überschätzt dich, Mensch.“ Damit ließ Lars den Boden unter Marianne und der Polizistin gefrieren, in der Hoffnung, sie dadurch aus dem Gleichgewicht bringen zu können.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Fr 21 Jul 2017, 06:29

    Anja, Marianne, Simone

    Simone ächzte auf, als sie von einem riesigen Gorilla auf die hölzerne Doppelschaukel im Garten geschleudert wurde. Eine praktische Tiergestalt, musste sie anerkennen, als der IMA-Gestaltwandler sich mit einem Mal von ihr abwandte. Etwas hatte seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen und der Aktiven wurde beinahe schlecht, als sie erkannte, was es war. Natürlich entging den Anwohnern die inzwischen nicht mehr leise Auseinandersetzung hier draußen nicht. Und natürlich gab es ein paar Idioten, die nicht im Haus blieben, wenn draußen ein Krieg zugange war! Tatsächlich stand da gerade ein Mann mit Jagdgewehr im Türrahmen und war sich nicht zu fein, „Raus aus meinem Garten!“, in die Runde zu brüllen. Waren sie hier in Amerika oder was?! Simone hätte sich die Haare gerauft, wenn die Zeit dafür gewesen wäre. So schwang sie sich nur über die Rückenlehne aus der Schaukel, um den Kerl davor zu bewahren, vor den Augen seiner Familie, die natürlich hinter ihm stand, in Fetzen gerissen zu werden. Mikael, ein Hexer, hielt ebenfalls auf ihn zu und es reichte für einen kurzen Blickwechsel, der die geistige Qualität dieser Glanzleistung treffend beurteilte. Manchmal musste sie tatsächlich zugeben, dass sich ihr Bild von Menschen, zumindest, was deren Dummheit betraf, gar nicht so sehr von dem mancher IMA-Anhänger unterschied. Mikael schuf eine Wand aus Nebel um den Gestaltwandler, um zumindest die Sicht der Menschen zu behindern, während Simone nahe an ihn herantrat, sich von der Seite an ihn klammerte und Flammen über ihren und durch das Überspringen auch seinen Körper wandern ließ. Es stank gottserbärmlich, die Hitze drang definitiv ins Haus der Menschen ein, doch als sich der Nebel wieder lichtete, sahen sie nichts mehr außer der mit Ruß und Asche verschmierten Aktiven. Ihre Kleidung war nach wie vor in Takt, die Forschungseinrichtungen der Aktiven hatten mit dem nicht entflammbaren Stoff hervorragende Arbeit geleistet. Ihre eigenen Flammen schadeten ihr nicht, aber nach jedem Einsatz ihrer Fähigkeiten splitterfasernackt dazustehen war nun mal auch keine Option. Auch wenn Mikael schon oft genug beteuert hatte, das anders zu sehen.
    „Bitte bleiben Sie im Haus und bewahren Sie Ruhe“, wandte sie sich mit ruhiger Stimme an den Mann, der aussah, als würde er jeden Moment sie abknallen.
    Also griff sie mit der linken Hand nach dem Lauf des Gewehres, um diesen von sich weg zu drücken, und legte die rechte auf seine Brust, um ihn nach hinten zu schieben.
    „Es besteht kein Grund zur Beunruhigung und es wird für diesen Vorfall natürlich eine offizielle Erklärung geben.“
    Mit diesen Worten schloss sie die Tür, die nach außen aufgegangen war, vor seiner Nase. Die offizielle Stellungsnahme würde eine Menge Einsatzkräfte, die spezialisiert auf Gedankenlöschung waren, beinhalten. Verdammt, das konnten sie vermutlich bei dem gesamten Straßenzug vornehmen. Und das Internet war wahrscheinlich jetzt schon voll von irgendwelchen Aufnahmen durch die Fenster. Was für ein Desaster, die Aufmerksamkeit, die die IMA so liebte, hatte sie hier auf jeden Fall bekommen! Simone wollte noch gar nicht daran denken, was das wieder für einen, nicht zuletzt auch bürokratischen, Aufwand geben würde.
    „Manchmal ...“, stöhnte Mikael auf, als sie wieder auf seiner Höhe war.
    Zusammen eilten sie ihren Kollegen beim Einsatzfahrzeug zu Hilfe.

    Lars Viklund-Holm tickte tatsächlich so, wie sie aufgrund der bisherigen Einschätzung einkalkuliert hatte. Anstelle sie aus dem Weg zu räumen, und es bestand ja eigentlich noch immer kein Zweifel daran, dass sie das können müsste, ließ er sich auf das zeitschindende Geplänkel geradezu vor Begeisterung platzend ein. Ja, der Mann liebte es definitiv, eine Bühne für seine nötige Aufmerksamkeit zu bekommen. Anja durchzuckte kurz der Gedanke, warum die Aktiven sich das nie zunutze gemacht hatten. Das musste denen in den letzten Jahrzehnten doch mal aufgefallen sein. Aber Simone hatte ihn immer nur als Schrecken der übernatürlichen Welt dargestellt, obwohl sie eigentlich immer eine sehr professionelle Arbeitseinstellung hatte und sich nicht durch Horrorgeschichten so leicht aus der Ruhe bringen ließ. Viklund-Holm ließ demnach selbst die Aktiven vor Angst zittern; er musste ein Wahnsinnsbild rund um seine Persönlichkeit aufgebaut haben.
    Das Mädchen sah sie sich sicher gerade nicht an, immerhin ruhte ihr Blick noch immer auf ihm und auch wenn sie glaubte, verstanden zu haben, wie er funktionierte, hieß das ja noch lange nicht, dass da nicht etwas Unerwartetes kommen würde, wenn sie sich ablenken ließ. Marianne sollte einfach aus der Schusslinie bleiben!
    „Natürlich kennen die Polizeistationen Sie“, erwiderte sie auf die Feststellung, wie sie wohl schon von ihm gehört hatte, hin. Das war zum einen nicht gelogen. Zum anderen wäre es ihr unklug erschienen, etwas über ihr Verhältnis zu Übernatürlichen zu enthüllen. Gegnern derlei persönliche Informationen in die Hände zu spielen, konnte sich schnell als Fehler herausstellen. Zudem würde ihn diese Leugnung wohl auch noch mal gedanklich beschäftigen. Und darum ging es hier schließlich.
    Das Eis unter ihren Füßen überraschte sie tatsächlich und ihr fester Stand stellte sich in dem Moment, als es glatt unter ihr wurde, als Problem heraus. Mit einer schlitternden Bewegung versuchte sie das Gleichgewicht zu wahren und vermutlich bewahrte sie nur das Auto hinter ihr vor dem Fall auf den Hosenboden. Nicht dramatisch, immerhin wollte sie hier ja gar nicht unbesiegbar erscheinen. Sie wollte, dass es ihm nicht langweilig wurde, wollte, dass er es sich zum Ziel setzte, mit ihr zu spielen. Das funktioniert nun einmal nur, wenn sie dafür auch einstecken musste. Deshalb erwiderte sie auch keinen Feuerschuss, immerhin wären sie dann wohl in einem offenen Duell und sie wusste nicht im Detail, was er noch für Tricks auf Lager haben könnte, um sie dann sehr schnell zu überwältigen.
    „Vielleicht sollte ich es nach der Sache hier aber mal mit einem Versetzungsantrag versuchen“, knüpfte sie nahtlos an die Bemerkung bezüglich der Aktiven an, die fast gepresst ausgestoßenen Worte verrieten, dass das Krachen gegen das Auto unangenehm gewesen sein musste. Der kurze Schmerz am Rücken war jetzt nichts, das sie schachmatt setzte, aber der Körper reagierte nun einmal darauf, wenn ihn plötzlich unerwartet ein Schlag traf.
    Anja spielte ihre Rolle ziemlich perfekt, analysierte der Teil ihres Verstandes, der für das erfolgreiche Abwickeln dieses Einsatzes zuständig war. Viklund-Holm sah da wohl nun gerade einen ziemlich größenwahnsinnigen, in seinen Augen absolut dämlichen, Menschen vor sich, der es irgendwie zu seinem Traum gemacht hatte, einen der gefährlichsten Kerle der Übernatürlichen schnappen zu wollen. Im Grunde müsste sie damit den Nerv treffen, der seine Missbilligung den Aktiven gegenüber darstellte. Denn die stellte sie mit ihrem Auftritt ja als unfähig dar und zu selbiger Einschätzung musste er bereits gekommen sein, immerhin war er ihnen zwischen den Händen hindurch aus dem Gefängnis hinausgeschlüpft.

    Ria schrie auf, als der Boden unter ihr auf einmal glatt wurde. Es warf sie zu Boden, ihre Unterarme kamen in Kontakt mit dem Eis und brannten unangenehm. Ihr Blick war fassungslos auf die Polizistin gerichtet. War das alles ein Spiel von Lars? Hatte er eine seiner Leute instruiert, einen lebensmüden Menschen zu spielen, um ihr hier noch ein bisschen Schau machen zu können? Es wirkte alles einstudiert, sie warfen sich gegenseitig die Bälle zu, es lief zu perfekt, um echt sein zu können. Die Polizistin hatte sie bereits verfolgt, vielleicht sollte das eine Erinnerung an die Verhaftung gewesen sein, um ihr noch einmal das Gefühl zu vermitteln, dass sie, wenn er es wollte, von allen Sicherheitskräften des Planeten gesucht werden würde. Dem verbalen Schlagabtausch folgte sie nicht im Detail, lediglich ihre Erwähnung war ihr nicht entgangen. Und das gegenseitige Auftrumpfen in den Dingen, die sie waren oder erlebt hatten. Ob sie … sich aus der Schusslinie bringen könnte? Unter dem Auto hindurchkriechen und verschwinden, solange sie beschäftigt waren? Nein, sie war sich sicher, dass Lars in Wirklichkeit nicht eine Sekunde den Blick von ihr abgelassen hatte, vermutlich würde die Polizistin ihm einfach signalisieren, wenn sich etwas tat. Es war einfach unvorstellbar, dass da gerade tatsächlich ein Mensch auf die Idee kam, für sie in die Breche zu springen, und sich Lars gegenüberzustellen. Sie hatte in den letzten Monaten verstanden, dass so lebensmüde keiner sein konnte.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Fr 21 Jul 2017, 08:55

    Lars Viklund-Holm

    Der Geräuschkulisse war zu entnehmen, dass der Kampf in einiger Entfernung noch immer am Brennen war. Dieser Umstand machte Lars erstmals doch ein wenig misstrauisch. Er hatte da hinten verfluchte zwei Autos mit fähigen IMA-Kämpfern, die ihm den Rücken frei hielten, also was zur Hölle machten die da eigentlich so lange? So viele Aktive konnten die doch wegen eines simplen Vampirangriffs gar nicht schicken, oder? Aber mit zwei oder drei Aktiven hätten seine Leute doch schon längst kurzen Prozess gemacht … Sein Funkgerät hatte er allerdings im Auto zurückgelassen und um sich einen Statusbericht geben zu lassen, müsste er sich unweigerlich von der Polizistin und Marianne entfernen, was er wiederum auf gar keinen Fall tun würde, aus diversen Gründen nicht. Er würde dadurch auf einen potentiellen Angriff der Polizistin viel schlechter reagieren können und er hatte auch keine Lust, Marianne dann später noch einmal verfolgen zu müssen, wenn sie nun wegrannte. Trotzdem war Lars misstrauisch, was sich auch ein wenig in seinem Blick wieder erkennen ließ, als er Stirn runzelnd aus den Augenwinkeln in die Richtung blickte, aus der die Kampfgeräusche kamen. Allerdings reichte sein Misstrauen noch immer nicht aus, um die ganze Dimension des Problems ermessen zu können. Trotzdem fragte sie sich erstmals, ob die da hinten nicht vielleicht wussten oder wenigstens ahnten, dass er in der Nähe war. Gleichzeitig tat er das als Blödsinn ab, wie sollten die das wissen? War ja nicht so, als würden IMA-Mitglieder irgendein festes Erkennungszeichen tragen, das konnte auch einfach eine Gruppe Übernatürlicher sein, die Stunk machen wollten, so etwas kam schließlich auch nicht unbedingt selten vor. Und selbst wenn sie es irgendwie schafften, auf die IMA zu schließen, würden sie wohl kaum ahnen, dass der vermeintliche Anführer ganz in der Nähe war.
    „Kennen ja, aber du weißt offensichtlich mehr über mich als der Durchschnittspolizist. Die meisten Polizisten haben keine Ahnung vom Übernatürlichen. Ich weiß, welche Informationen die menschliche Polizei über mich hat. Aber du wusstest sofort ganz genau, wer ich bin. Also steckt mehr dahinter. Ansonsten hättest du das Sondereinsatzkommando gerufen, als du mich gesehen hast, so wie ihr dazu angehalten seid.“ Lars machte keinen Hehl daraus, dass er die Regelungen kannte. Dazu gab es keinen Grund. Dass er vielfältige Quellen in verschiedenen Bereichen hatte, war keine neue Information.
    Sein Eis zeigte Wirkung. Die Polizistin geriet ins Taumeln und Marianne fiel sogar. Als die Polizistin jedoch mit dem Versetzungsantrag ankam, musste Lars wirklich kurz auflachen. „Ich würde nun gerne sagen, dass das der Untergang der Aktiven wäre, aber die sind bereits jetzt an Inkompetenz schon kaum zu unterbieten.“ Denn ja, es stimmte, Lars hielt sie für unfähig, nicht zuletzt deshalb, weil sie ihn einfach hatten entkommen lassen. Auch wenn seine Kontakte da natürlich auch eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hatten.
    „Hör mal“, sagte Lars nun wieder ganz ernst und machte zwei Schritte auf sie zu. „So sehr ich es auch genieße, mit dir zu plaudern, da hinten“, er deutete mit der Hand, in der er nicht noch immer den Eiszapfen hielt, grob in die Richtung, in der der Kampf am Brennen war, „ist scheinbar ziemlich viel Trubel und ich habe eigentlich nicht vor, eine Begegnung mit den Aktiven zu forcieren, also bringe ich dich jetzt um, damit ich mir das Mädchen schnappen und mich aus dem Staub machen kann, was hältst du davon?“
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Fr 21 Jul 2017, 17:34

    Anja, Simone

    Simone und ihr Team hatten es endlich geschafft, die IMA-Leute unschädlich zu machen. Bisher war auch kein weiterer Idiot auf der Bildfläche erschienen und so würden sie sich endlich weiter vorarbeiten können. Allmählich wurde ohnehin fraglich, ob Lars überhaupt noch zugegen sein würde. Immerhin würde der sich vermutlich nur Ria über die Schulter geworfen haben und abgehauen sein. Aber das konnten sie ja nun einmal nicht mit Sicherheit sagen, also mussten sie sich selbst überzeugen.
    Ein weiterer Aktiver trat neben sie, hielt ihr einen Bildschirm entgegen, der ihre und die Position des Polizeiautos, das sich nur unwesentlich weit entfernt vom Baustellenfahrzeug befinden konnte, zeigte. Es war nicht mehr weit und wohl sinnvoller zu Fuß weiter zu gehen, immerhin mussten sie Lars, falls er denn noch dort sein sollte, ja nicht unbedingt mit Motorengeräusch ankündigen, dass sie sich näherten. Das andere Team hatte keine flüchtigen Autos gemeldet, also war so gut wie ausgeschlossen, dass Lars mit seinem Fahrzeug entkommen war, denn dazu hätte er wieder an dem anderen Team vorbei gemusst. Blieb also die Frage offen, ob er noch tatsächlich dort war oder ob er zu Fuß weiter gerannt war.
    Simone gab nickend das Zeichen zum Weiterlaufen.

    Das entwickelte sich gerade weniger prächtig. Anja fluchte innerlich, als sie Lars' Blick bemerkte. Der Mann redete zwar offensichtlich gern und schien das gegenseitige Provozieren auch amüsant zu finden, aber er war wohl nicht völlig verblödet. Gut, dass hätte sie dem Anführer einer terroristischen Gruppe auch nicht zugetraut, irgendwie musste er ja so weit gekommen sein. Nichtsdestotrotz entwickelte sich das gerade zum Problem für sie. Denn damit verfiel ihre Taktik, ihn zu beschäftigen. In einem Kampf würde er sie wohl doch recht schnell auseinandernehmen. Seine verboten arrogante Äußerung über die Aktiven machte das nur mehr als deutlich. Er war nicht nur gefährlich, er wusste es auch. Ebenso wie er sich nun wohl doch im Bilde über sein immer kleiner werdendes Zeitfenster war. Marianne hatte bei ihrer Erwähnung erneut einen Laut des Schreckens von sich gegeben. Hier ging es ja eigentlich darum, die Kleine zu retten - wenn sie nun davon ausging, dass die Aktiven nicht früh genug dort waren und sie somit nichts mehr für das Mädchen tun konnte, gab es eigentlich nur noch zwei Optionen. Lars brachte Anja um und schnappte sich sein Opfer, um es den Rest seines Lebens zu quälen und vermutlich noch zusätzlich für die ganze Eskalation hier zu bestrafen. Oder aber, Anja beschloss, das Mädchen vor diesem Schicksal zu bewahren, und tötete es selbst, bevor Lars ihr das Leben zur Hölle machte und wurde dann von ihm getötet. Beides war eigentlich inakzeptabel, aber eine dritte Möglichkeit war nun mal aufgrund der Abwesenheit der Aktiven gerade so gut wie ausgeschlossen. Scheiße, solche Entscheidungen hatte sie nie wieder treffen wollen! Unter anderem auch deshalb war sie längst nicht mehr bei der Armee und in Krisengebieten unterwegs. Über derlei Gnadentode entscheiden zu müssen, machte einen Menschen schier verrückt. Anja spürte, wie ihre inneren Schutzmauern zu bröckeln drohten. Das konnte sie jetzt gar nicht gebrauchen! Sie hatte sich entschieden, für die Sicherheit des Mädchens einzustehen und da musste sie nun durch, gleich welche Handlungen das erforderte.
    „Über das Umbringen lässt sich reden“, antwortete sie also. „Vorher sollten wir aber noch etwas anderes regeln.“
    Mit diesen Worten richtete sie die Pistole auf das Mädchen, das in eine regelrechte Schockstarre verfallen war. Es in Lars' Besitztum übergehen zu lassen, war definitiv keine Option.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Fr 21 Jul 2017, 18:09

    Lars Viklund-Holm

    Die Kampfgeräusche verebbten langsam und Lars ging eigentlich davon aus, dass seine Leute gewonnen haben würden, trotzdem war es wichtig, jetzt nicht leichtsinnig zu werden. Denn irgendetwas stimmte hier vielleicht doch nicht und Lars hatte wirklich keine Lust auf eine unnötige und nicht eingeplante Auseinandersetzung mit den Aktiven. Grundsätzlich machte er sich über solche Konfrontationen keine großen Sorgen – sofern sie eingeplant waren. Aber auch wenn er sich abgesichert hatte, indem er ein paar Laufburschen mit zu dieser Aktion genommen hatte, bedeutete das noch lange nicht, dass er auf einen Großeinsatz entsprechend hätte reagieren können. Und wer wusste schon, ob hier in der Nähe nicht zufällig irgendetwas passiert war, dass gerade viele Aktive hier im Umfeld waren? Lars wollte jedenfalls nicht riskieren, dass hier jemand kam und womöglich auch noch Verstärkung anforderte. Abgesehen davon konnten sich die Aktiven spätestens jetzt, denken, dass hier irgendetwas in Gang war, unabhängig davon, ob sie das hier nun mit der IMA und somit mit ihm in Verbindung bringen konnten oder nicht.
    Wie auch immer, es war also besser, jetzt kurzen Prozess zu machen, damit er sich Marianne schnappen und von hier verschwinden konnte. Allerdings … hatte er seine Rechnung ohne die Polizistin gemacht. Denn deren Aktion überraschte ihn nun wirklich. Lars war abgebrüht genug, es sich nicht anmerken zu lassen, aber er hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass sie nun Anstalten machen würde, Marianne zu töten. Und aus irgendeinem Grund bezweifelte er nicht eine Sekunde lang, dass sie das eher machen würde, als sie ihm zu überlassen. Und das wiederum machte Lars zornig. Was glaubte sie eigentlich, wer sie war? Sie hatte sich da eigentlich gar nicht einzumischen. Immerhin war sie auch nur ein Mensch. Sie hatte verflucht noch mal nicht das Mädchen zu gefährden, das er sich ausgesucht hatte, ihn zukünftig zu unterhalten.
    „Du lässt sie in Ruhe“, blaffte Lars also und hätte sie nicht schon vorher schon gewusst, dass Lars verdammt gefährlich war, hätte spätestens dieser Tonfall sicherlich keinen Zweifel mehr daran zugelassen. Befehlston hatte er auch ganz gut drauf, immerhin glaubten selbst innerhalb der IMA immer noch viele, dass er der Anführer war. Das war wichtig, denn man wusste nicht immer, wie die unteren Fußsoldaten tickten und sie konnten David nicht gefährden. Somit hatte Lars auch seine Erfahrungen damit, Befehle zu erteilen, auch wenn er kein Soldat war. Aber so eine Terrororganisation hatte oftmals ja durchaus ähnliche Strukturen.
    Ohne unnötig viel Zeit vergehen zu lassen, war Lars nun vorgeprescht und warf seinen Eiszapfen nach der Polizistin. Die Kanten waren scharfkantig wie die Klinge eines Messers, wenn er traf, würde es also vermutlich ziemlich schmerzhaft werden – von der Kälte einmal ganz abgesehen.
    Gleichzeitig breitete Lars die Arme aus und beschwor eine möglichst solide und möglichst dicke Eisschicht zwischen der Polizistin und Marianne herauf, die die Kugel notfalls, wenn schon nicht komplett aufhalten, zumindest ein bisschen abfedern würde, falls sie sich dazu entschlossen haben sollte, abzudrücken.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Fr 21 Jul 2017, 18:29

    Anja, Simone

    Würde Anja noch normal über das nachdenken, was hier gerade geschah, würde ihr selbst auffallen, wie skurril diese Szenerie gerade war. Immerhin verwendete Lars gerade seine Energie darauf, einen Menschen zu retten. Nun gut, um ihn danach zu quälen, aber nichtsdestotrotz war das schon ein bisschen paradox im ersten Augenblick. Anja dachte jedoch nicht darüber nach, registrierte den drohenden Angriff von Lars und drückte ab, damit er sie nicht daran hindern konnte, das Mädchen zu retten. Sein Eiszapfen erwischte sie allerdings den Bruchteil einer Sekunde vorher am Oberarm, was dafür sorgte, dass sie verzielte. Nicht, dass das einen großen Unterschied gemacht hätte, vermutlich, denn er hatte zusätzlich eine dicke Eiswand zwischen ihr und dem Mädchen entstehen lassen. Da fühlte sich wohl doch jemand durch sie bedroht. Ihr Arm schmerzte wie die Hölle, aber sie registrierte es kaum, genauso wenig wie sie sich durch das Blut ablenken ließ. Den panischen Schrei des Mädchens, der alles überbot, was sie bisher von ihm gehört hatte, drang nur gedämpft zu ihr durch, der Schall wurde durch die Mauer geschluckt. Eigentlich war die da gerade ganz praktisch, denn so war Lars auch von der Kleinen getrennt und sie konnte sich, ohne noch einen Gedanken an sie zu verschwenden, auf den Mann konzentrieren. Wenn das hier schon jetzt zu Ende ging, wollte sie es ihm wenigstens so schwer wie möglich machen. Mit der Schrotflinte würde sie bei ihm wohl mehr Erfolg haben, allerdings war die ihr bei Lars' Angriff aus der Hand gerutscht, da sie sie mit dem nun verletzten Arm gehalten hatte. Also mussten es doch erst mal ein paar Schüsse tun.

    Hätte Anja die normale, vorschriftsmäßige Bewaffnung, hätte Simones Team die Schießerei hören müssen. Die gedämpfte Pistole verriet so jedoch nichts und so ahnten die Aktiven noch nicht, was für ein Bild sie wohl vorfinden würden. Dafür sahen sie bereits das Flackern der Alarmlichter des Polizeifahrzeugs, sie mussten also in unmittelbarer Nähe sein. Den Schrei des Mädchens registrierten sie sehr wohl. Offensichtlich war Marianne noch nicht tot, was bedeutete, das Lars vermutlich ebenfalls noch zugegen war. Da mussten sie jetzt schnell zugreifen. Simone gab Befehle an das andere Team durch, während sie ihr eigenes weiter führte.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Fr 21 Jul 2017, 18:46

    Lars Viklund-Holm

    Lars’ Meinung nach war er der Einzige, der das Recht hatte, Marianne zu töten. Er hatte sie sich ausgesucht und dementsprechend war er der Einzige, der sie anrühren durfte. Vielleicht würde er sie irgendwann töten, wenn er keine Verwendung mehr für sie hatte, aber bis dahin sollte sie am Leben bleiben. Immerhin gehörte sie jetzt ihm. Somit hatte Lars gar nicht groß darüber nachdenken müssen, als er seine Fähigkeiten einsetzte, um ihr Leben zu retten. Wie konnte die Polizistin es nur wagen, sich da einzumischen? Was fiel ihr ein, seine Sklavin töten zu wollen?
    Die Schüsse überraschten ihn nicht. Somit schaffte er es, auch zwischen ihnen die Luft zu vereisen, so dass die Kugeln nicht zu ihm durchdringen konnten. Da musste sie sich schon etwas Besseres einfallen lassen. Er ließ die Eiswand zwischen sich selbst und der Polizistin augenblicklich wieder verschwinden, preschte vor, griff nach ihrer Waffe und vereiste sie vollständig. Die war erst einmal zu nichts mehr zu gebrauchen. Aber er war noch nicht fertig mit ihr. Diese Polizistin hatte ihn wütend gemacht und jetzt würde er es selbstverständlich auch zu Ende bringen.
    Somit stürzte er sich auf die Polizistin und rang sie zu Boden. Die immer noch vereiste Pistole kickte er möglichst weit beiseite. Langsam reichte es ihm wirklich. Außerdem wusste er immer noch nicht, wie das Handgemenge zwischen den Aktiven und seinen Leuten nun im Detail verlaufen war und es bestand nun einmal immer noch die Möglichkeit, dass er sich vielleicht doch langsam ein bisschen beeilen musste. Also würde er jetzt diese Dreckspolizistin töten, sich Marianne schnappen, sich mit ihr in das Polizeiauto setzen und davon rasten.
    Soviel zum Plan.
    Lars stand nun über der Polizistin und drückte ihren Oberkörper mit dem Fuß runter. „Immer noch keine Angst?“, flüsterte er schon fast und ließ einen neuen Eiszapfen in seiner Hand erscheinen. „Fast ein bisschen schade um dich, du bist nicht uninteressant.“
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Fr 21 Jul 2017, 19:10

    Anja und Simone

    Die Kugeln drangen nicht zu ihm durch. Bevor Anja ihren nächsten Zug planen konnte, hatte Lars seine Eiswand wieder verschwinden lassen und befand sich blitzschnell vor ihr. Sie riss die Arme nach oben, konterte einen Schlag und schaffte es, ihm ebenfalls ein paar zu versetzen. Nichtsdestotrotz war er ihr im direkten Nahkampf überlegen. So schaffte er es auch, sie zu Boden zu ringen, obwohl sie sich durchaus dagegen sträubte. Er fixierte mit dem Fuß ihren Oberkörper, verlagerte sein Gewicht so, dass sie ihn nicht abschütteln konnte. Seine Worte drangen kaum zu ihr durch, es gab keinen Grund mehr, sich die Mühe zu machen, auf seine Stimme zu hören. Dass sie nun sterben würde, war schließlich schon lange entschieden. Dumm, dass sie das Mädchen nicht hatte beschützen können, doch sie hatte alles in ihrer Macht stehende getan.
    Simone sprang über eine flache Rosenhecke, die die Bauarbeiten bisher wie durch ein Wunder überstanden hatte, obwohl sie so nahe bei der Straße war. Ihr blieb beinahe das Herz stehen, als sie Lars Viklund-Holm leibhaftig vor sich sah. Für ihr Schrecken war allerdings keine Zeit, denn offensichtlich befand sich da jemand unter ihr und dem vorherigen Schrei nach zu urteilen bestand die Hoffnung, dass Marianne noch lebte. Also dachte Simone gar nicht weiter darüber nach, machte lediglich eine schnelle Geste in seine Richtung, die dem Team signalisierte, was sie vorhatte zu tun. Sie rannte auf ihn zu, eine Injektionspistole mit einem Kräfteblocker-Beruhigungsmittel-Gemisch bereits in der Hand haltend, Geschosse, ebenfalls mit Kräfteblockersubstanz schossen an ihr vorbei, um Lars bereits eine Ladung zu verpassen, bevor sie ihn überhaupt erreicht hatte. Er musste längst den ersten Treffer gespürt haben, als sie sich abstieß, um mit einem Sprung in seinem Kreuz zu landen und ihr Gemisch in die empfindliche Haut am Hals jagen. Alles in ihr protestierte dagegen, sich ihm in so fast schon lebensmüder Manie zu nähern, doch natürlich hörte sie nicht darauf, landete tatsächlich zielgerichtet auf seinem Buckel und schoss ihre Ladung ab. Einen kleinen Knopf an der Injektionspistole drücken, damit die nächste Dosis scharf wurde und hinterherballern, war eigentlich der nächste Schritt. Praktisch fiel ihr Blick jedoch über seine Schulter, sie erkannte, was, bzw. wer, da eigentlich unter ihm hing, und Anjas definitiv nicht toter Anblick brachte sie dermaßen aus dem Konzept, dass Lars eine minimale Zeitspanne gewehrt wurde, die er eigentlich gar nicht haben durfte.
    Irgendwas stimmte nicht, analysierte Mikael die Lage beim Bemerken des minimalen Zögerns und mit einem Fluchen wendete er seine Nebelfähigkeit auf Lars an, diesmal im Gegensatz zu zuvor allerdings in giftiger Variante, die Lars die Luft zum atmen nehmen sollte. Dabei war nicht vorgesehen, dass Simone noch auf seinem Rücken klebte, aber darauf konnte er gerade keine Rücksicht nehmen, denn er war sich nicht sicher, ob die injizierte Dosis bereits reichte, um ihn zu stoppen. Alleine gepanzerte Kleidung hätte zumindest die Schüsse schon einmal abgewehrt und er wusste ja nun mal nicht, was Lars am Morgen so aus seinem Kleiderschrank gezogen hatte.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Fr 21 Jul 2017, 19:37

    Lars Viklund-Holm

    Das war nicht Lars’ erster Feldeinsatz. Natürlich hatte er sich vor seiner Inhaftierung zurückgehalten, da er aufgrund seiner Arbeit einigermaßen im Licht der Öffentlichkeit gestanden hatte und das Risiko, erkannt zu werden, relativ hoch gewesen war. Trotzdem hatte er sich – natürlich stets maskiert – an dem einen oder anderen Anschlag auch persönlich beteiligt, zum Einen um seine Leute auch selbst zu unterstützen und Präsenz zu zeigen und zum Anderen, weil er Kämpfe und Angriffe tatsächlich in gewissem Rahmen genoss. Dementsprechend war Lars natürlich nicht gänzlich unvorbereitet. Er war ja auch kein Dummkopf. Er hatte keine größeren Störungen direkt mit eingeplant, aber natürlich war er sich zu gut der Tatsache bewusst, dass er nun einmal ein international gesuchter Verbrecher war und dass es sich vielleicht anbot, dann auch die entsprechende Kleidung zu tragen, wenn man eine Nummer wie die hier durchzog. Die Tatsache, dass er eigentlich nur Marianne hatte abholen wollen hin oder her, natürlich trug Lars unter seiner schwarzen Jacke entsprechend gepanzerte Kleidung.
    Auch wenn die Schüsse ihn also nicht stoppten, war das Überraschungsmoment doch eindeutig auf der Seite der Aktiven gewesen. Lars hatte sie nicht kommen hören, war auch viel zu sehr mit der Polizistin beschäftigt gewesen, als dass er das hätte bemerken können und innerlich verfluchte sich Lars dafür, dass er so dumm gewesen war, seine Deckung außer Acht zu lassen.
    Gleichzeitig war das nichts, woran er jetzt zu viele Gedanken hätte verschwenden können, denn er hatte hier ein verficktes Problem, um das er sich kümmern musste.
    Die Geschosse waren nicht durch seine Kleidung gedrungen, aber die Injektion am Hals tat ihren Dienst. Lars brüllte auf – nicht vor Schmerz, sondern vor Wut – und ließ sich auf den Rücken fallen. Das war gerade auch nahe liegend, denn nicht nur, dass er seine Magie flackern spürte, er merkte die Auswirkungen auf seinen Kreislauf und für einen Moment wurde ihm schwummrig. Dennoch reichte das noch nicht, um ihn vollständig von seinen Fähigkeiten abzuschneiden, denn Lars hatte immerhin zwanzig Jahre lang mehrere Kräfteblocker täglich gespritzt bekommen und tendenziell hatte man ihm im Zweifelsfall lieber einen bis zwei mehr gespritzt über den Tag verteilt, als vielleicht unbedingt nötig gewesen wäre – bei jemandem wie Lars wollte man schließlich für gewöhnlich keinen Fehler riskieren. Dementsprechend hatte sich aber auch eine gewisse Toleranz diesem Mittel gegenüber aufgebaut im Laufe der Jahre. Er war nicht immun dagegen – nach allem, was Lars wusste, war das auch nicht möglich – aber er brauchte doch mehr davon als jemand, der das Zeug zum ersten Mal injiziert bekam.
    Die Eiswand flackerte, weil der Zugriff auf seine Fähigkeiten bröckelte und Lars ließ sie einfach verschwinden, weil er seine Energie gerade für wichtigere Dinge brauchte als dafür, Marianne versteckt zu halten. Vor allem, als ihm auch noch der Nebel den Atem zu rauben begann. Scheiße.
    Also hatte Lars sich auf den Rücken fallen lassen und damit auch auf die Aktive in seinem Rücken, falls sie nicht vorher abgesprungen war. Er versuchte sich mit letzter Energie zu drehen, damit er ihr ins Gesicht sehen konnte – und sah dabei nun erstmals, dass sie nicht alleine war.
    Scheiße, er war am Arsch und die Tatsache, dass er nicht atmen konnte, verhinderte gerade auch, dass er irgendetwas machen konnte. Er versuchte, den Boden unter den Aktiven zu vereisen, in Anbetracht des Kräfteblockers und des fehlenden Sauerstoffs war das aber auch eher ein halbherziger Versuch.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Fr 21 Jul 2017, 20:00

    Simone Bach

    Lars reagierte auf die einzige logische Art und Weise, die Simone ursprünglich auch mehr oder minder eingeplant hatte. Zwei Ladungen absetzen, von ihm weg springen und ihn dann mit mehreren überwältigen. Nur hatte Mikael offensichtlich beschlossen, dass es Schwierigkeiten gab, und bereits angegriffen, als Simone noch an Lars klebte. Also landete sie schmerzhaft auf dem Rücken und Lars' gesamtes Gewicht fiel zusätzlich auf sie drauf, was ihr die Luft aus den Lungen trieb. Dummerweise konnte sie auch gerade noch immer nicht einatmen, denn der giftige Nebel waberte noch immer um sie herum und gegen andere Magieanwendungen als ihre eigene war sie nicht resistent. Ihr wurde also ebenfalls schwummerig. Dass Lars es dann auch noch schaffte, sich herumzudrehen, machte es nicht besser, denn egal, wie benebelt er gerade sein mochte, er war noch gefährlich genug, um zumindest sie mit in den Tod zu reißen. Zudem schien er auch noch immer nicht komplett von seinen Fähigkeiten abgeschnitten zu sein, denn es wurde unangenehm kalt in ihrem Rücken. Natürlich hatte Simone die Injektionspistole beim Sturz verloren und viele Möglichkeiten blieben ihr gerade nicht. Also versuchte sie ihn schlicht zu blockieren, es konnte schließlich nur noch Sekunden dauern, bis andere Nahkämpfer bei ihnen waren. Sie klammerte sich an Lars, als würde ihr Leben davon abhängen – gut, in gewisser Weise war das ja auch vermutlich noch immer so – versuchte sogar ihre Beine um seine zu schlingen, nur um ihn in seiner Bewegungsfreiheit einzuschränken und wirkte gleichzeitig ihre Flammen, um seine Eismagie zu blockieren, nicht, dass er ihr noch einen Eisdolch durch den Kopf rammte oder so. Außer Gefecht war der jedenfalls noch lange nicht!
    Mikael bekam die Krise. War ja toll, dass sie da gerade so viel Spaß hatte in ihrer Onewomanshow und sich enthusiastisch mit Lars auf dem Boden herumwälzte, aber leider hinderte sie auch die Nahkämpfer daran, endlich effektiv eingreifen zu können, denn so wie seine Nebelschwaden ihr Bedrang antaten, konnten ihre Flammen auch die anderen Aktiven gefährden. Und in die Feuerbrunst eines kämpfenden Dämon packte nun mal keiner so leichtfertig hinein. Die Sicht der Fernkämpfer war durch das flackernde Licht ebenfalls deutlich behindert und keiner konnte sagen, ob ein Schuss nicht viel eher Simone treffen würde, wenn sich die Position der beiden inzwischen in irgendeiner Form geändert hatte. Also veränderte Mikael seine Anwendung wieder, entzog ihr das Gift, machte sie dafür dichter, um die Flammen, die um Lars und Simone herumtanzten und ihn vermutlich nur noch nicht gegrillt hatten, weil er mit seiner Eismagie noch immer dagegen halten konnte, zumindest zu einem gewissen Teil eindämmen zu können, damit Daria und Ian sich endlich auf ihn stürzen konnten und eine weitere Dosis Kräfteblocker in seinen verdammten Organismus jagten.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Fr 21 Jul 2017, 20:33

    Lars Viklund-Holm

    Sogar Lars war selbstreflektiert genug, um zu wissen, dass er verloren hatte. Spätestens in dem Moment, in dem er die anderen Aktiven gesehen hatte, war Lars klar geworden, dass dieser Kampf entweder mit seiner Verhaftung oder mit seinem Tod enden würde und er hoffte inständig, dass es nur Ersteres war, denn das war etwas, aus dem David ihn schon irgendwie rausholen würde, auch wenn der bestimmt nicht gerade begeistert sein würde. Er ging auch nicht davon aus, dass die Aktiven ihn leichtfertig töten würden, er machte sich zwar keine Illusionen darüber, dass es durchschnittlich mindestens einen oder zwei in einer Gruppe von Aktiven gab, die es gern getan hätten, aber grundsätzlich war die Anweisung, ihn nach Möglichkeit lebend zu fassen, das wusste Lars. Aktive töteten für gewöhnlich auch nicht leichtfertig.
    Fuck, wie hatte das nur so kolossal schief laufen können?
    Die Tatsache, dass er am Arsch war, bedeutete allerdings nicht, dass er vorhatte, sich kampflos zu ergeben. Das wäre nicht sein Stil gewesen und immerhin hatte er hier auch einen Ruf zu verlieren. Am Leben zu sein brachte halt auch nicht viel, wenn einen dann niemand mehr ernst nahm. Grundsätzlich nahm er eher in Kauf, im Kampf zu sterben als sich unehrenhaft und wie ein Feigling kampflos zu ergeben. Aber wie gesagt, er ging eigentlich sowieso nicht davon aus, dass sie ihn leichtfertig töten würden und vermutlich war ihnen genauso klar wie ihm, dass alles, was in den nächsten Minuten passieren würde, ein Aufbegehren war, das vorrangig dazu diente, es ihnen zumindest nicht leicht zu machen. Außerdem pisste diese ganze Situation ihn ganz gewaltig an und es tat gut, diese Wut zumindest noch rauslassen zu können. Und wenn er bei der Gelegenheit noch jemanden töten oder wenigstens verletzten konnte, sollte es ihm Recht sein.
    Das Feuer abzuwehren, war schwierig, denn er hatte nach wie vor Probleme mit dem Atem und der Kräfteblocker in seinem Blutkreislauf machte es keinesfalls besser. Trotzdem schaffte es sein Eis zumindest, seinen Körper weit genug herunterzukühlen und ihn einigermaßen zu schützen, dass er zumindest keine allzu schlimmen Verbrennungen erlitt. Ganz unverletzt würde er aus diesem Gefecht sicher nicht hervor gehen, aber auch das war etwas, was er in Kauf nahm. Und auch hier erwies es sich als praktisch, sich für Kampfmontur entschieden zu haben, denn auch gegen die Flammen konnte das nun ein wenig helfen.
    Er versuchte, während die Aktive noch möglichst abgelenkt war, an das Messer zu gelangen, das er an seinen Unterschenkel geschnallt hatte und war erleichtert, als er es zumindest zu fassen bekam. Allerdings hatte er gerade nun wirklich nicht die nötige Weitsicht – auch im wahrsten Sinne des Wortes – um wirklich zu wissen, auf wen oder was er da gerade einstach. Er wusste, dass er irgendjemanden wohl erwischt haben musste, hatte aber keine Ahnung, wen und an was für einer Stelle. In dem Moment spürte er den nächsten Einstich, der ihn nun endgültig von seinen Fähigkeiten trennte und dafür sorgte, dass er für einen Augenblick völlig die Orientierung verlor.
    Während Lars nun also mit der linken Hand noch immer um sich stach, in der Hoffnung, dass er wenigstens noch irgendjemanden in den Tod reißen – oder wenigstens ins Krankenhaus befördern – konnte bei der ganzen Angelegenheit, schlug er gleichzeitig mit dem rechten Arm in die Richtung, in der er die Aktiven vermutete, die ihm gerade den zweiten Kräfteblocker injiziert hatten. Dabei war Lars’ Wahrnehmung allerdings verzögert und so war das nächste Ziel, das er mit dem Messer erwischte, nicht irgendeiner der Aktiven, sondern sein eigener rechter Arm. Lars brüllte auf – diesmal vor Schmerzen – als sich die Klinge in sein eigenes Fleisch bohrte.
    Lars war noch immer weitestgehend orientierungslos, als ihm wer-auch-immer das Messer abnahm.
    Aber Lars wäre nicht Lars gewesen, wenn er sich von mindestens zwei Kräfteblockern in seinem Blutkreislauf, ein paar Brandwunden und einer Stichwunde im Arm bereits hätte aufhalten lassen. Also rangelte er immer noch mit Simone auf dem Boden herum, schlug und trat um sich, so gut es ihm eben möglich war und war sich dabei auch nicht für den Einsatz seiner Zähne zu schade. Er war sich sogar ziemlich sicher, dabei irgendwessen Arm erwischt zu haben. Wen oder was – und ob – er mit seinen Schlägen und Füßen erfasste, konnte er nicht lokalisieren. Es ging hier nur noch darum, sich mit allem zu wehren, was er noch hatte – was ohne Magie und unbewaffnet zugegebenermaßen jetzt auch nicht mehr allzu viel war – auch wenn wohl abzusehen war, dass sie es schaffen würden, ihn jetzt bald gemeinschaftlich so festzuhalten, dass ihm keine Optionen mehr bleiben würden.  
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Fr 21 Jul 2017, 21:08

    Anja und Aktive

    Anja war inzwischen von dem Kampfherd weggerückt. Nun war es nicht mehr ihre Auseinandersetzung, Simone und ihr Team würden sich darum kümmern und Zuständigkeiten mussten schließlich gewahrt werden. Noch immer bemerkte sie ihre Blessuren kaum, obwohl Lars sie ordentlich erwischt hatte, und musste sich durch nachschauen ein Urteil über ihren Zustand bilden. Der Arm blutete, nachdem die Kälte von seiner Magie verschwunden war, nur umso heftiger. Er hatte sie im Gesicht erwischt, wie ein Wischen durch ebendieses und im Anschluss daran lauter Blut an ihrer Hand verriet. Die Augen waren nicht getroffen, der Rest war vernachlässigbar. Das Atmen fiel ihr schwer, weil sie nahe an dieser giftigen Wolke gewesen war und ein Teil ihrer Beinkleidung war versenkt, weil eine von Simones Flammen wohl ausgebüxt war. Aber wie es aussah, schwebte sie nicht in direkter Lebensgefahr, also kein Grund, beunruhigt zu sein. Sie war schon in schlimmerem Zustand gewesen.
    Zeit, sich nach dem Mädchen umzusehen. Es hatte seinen Platz nicht verlassen, die Eiswand war inzwischen verschwunden. Es starrte mit weit aufgerissenen Augen auf den Kampf, hatte eine Faust vor ihren Mund gehoben und biss offensichtlich vor Panik in einen der Fingerknöchel. Als Anja sich auf es zubewegte, gab es ein quiekendes Geräusch von sich und versuchte von ihr wegzurücken. Dummes Gör, sie wollte doch nur schauen, ob es in Ordnung war. Aber offensichtlich hatte alles, was Anja getan hatte, nur dazu beigetragen, ihm Angst vor ihr zu machen. Was absurd war, denn immerhin hatte sie mit ihrem Leben bereits abgeschlossen gehabt, um das Kind zu retten. Dass das einen Tötungsversuch beinhaltet hatte, war wohl zu viel für das Mädchen gewesen, aber bei Gott, Anja brauchte Lars nicht näher zu kennen, um sich vorstellen zu können, was er mit der Kleinen angestellt hätte. Dagegen wäre eine Kugel im Kopf das reinste Paradies gewesen. Dieser Terrorist hatte sie sogar vor Anjas Angriff geschützt, somit war ja dann wohl ganz offensichtlich, wie dringend es ihm gewesen war, ihr die Hölle auf Erden zu bereiten. Anja verstand die Furcht vor ihrer Entscheidung nicht. Sie kannte Soldaten, die dankbar gewesen wären, wenn ihnen Dinge wie Leute wie Lars sie taten, erspart geblieben wären. Anja beschloss, die Zivilisten daran zu hindern, ihre Hand komplett zu zerbeißen, denn da lief bereits einiges an Blut hinab, das darauf schließen ließ, dass sie wirklich nicht bei Sinnen war. Doch das Mädchen rappelte sich nach oben, hechtete in das Polizeiauto hinein, mit einer durch offensichtliche Todesangst gespeisten Energie, das Anja sich nur wundern konnte. Echt jetzt? War SIE jetzt etwa die Böse? Na, dann konnte sie auch nichts daran ändern, vorwerfen musste sie sich nichts, sie hatte nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und im Zweifelsfall war es nun mal immer besser, Ziele nicht in die Hand des Gegners geraten zu lassen. Also lehnte sie sich einfach mit dem Rücken gegen ihr Auto, um den Kampf weiter zu beobachten.

    Als Mikael die Flammen so weit eingedämmt hatte, das Ian eingreifen konnte, hatte Lars bereits ein Messer in der Hand. Geradezu vollkommen unkoordiniert schlug er damit um sich und Ian beschloss spontan, sein Bein so zu drapieren, dass es das Ziel des wahllosen Angriffs wurde. Der Aktive spürte nichts davon, obwohl es ihn gut erwischt hatte. Keinen Schmerz zu empfinden, war seine Fähigkeit. Nicht, dass er dadurch Heilungsfähigkeiten hatte oder grundsätzlich schwerer zu töten war, es tat halt nur einfach nicht weh. Eigentlich gar nicht so praktisch, wenn man bedachte, dass ihm dadurch sämtliche Warnsignale des Körpers fehlten, aber er eignete sich dennoch so wunderbar als Tank. Und er hätte die Rolle gerne gespielt, wenn nicht die Teamleiterin noch immer an Lars hängen würde. Die hatte aber auch gerade gar nicht so gute Möglichkeiten, von ihm loszukommen, denn inzwischen waren sie wirklich ziemlich ineinander verhakt, weil sie versuchte ihn zu fixieren und er versuchte, irgendetwas zu erwischen. Fast schon lustig anzusehen.
    „Mach doch mal was!“, hörte er die helle Stimme Darias. Offensichtlich war er ihr zu entspannt geblieben.
    Aber außer einer weiteren Dosis in seinen Hals zu jagen, brauchte er brauchte da auch eigentlich gerade gar nicht wirklich weiter aktiv zu werden, denn Lars schaffte es von selbst, das Messer anstelle in Simone oder ihn zu rammen, im eigenen Arm zu versenken. Nett. So war es zumindest leicht, es ihm zu entwinden. Also konzentrierte sich der Terrorist wieder auf Simone, die verzweifelt versuchte ihr Gesicht zu schützen, als er sogar um sich zu beißen begann und tatsächlich ihren Unterarm erwischte, der wegen der Kämpfe vorher einen Teil des schützenden Ärmels eingebüßt hatte. Simone brüllte vor Schmerz auf. Offensichtlich brachten sie Lars ja gerade echt in Bedrängnis, wenn er zu solchen Methoden griff! Dabei hatte Daria noch gar nicht angefangen. Ian begann zu feixen, als sie sich neben den Rangelnden in die Hocke sinken ließ und leise zu pfeifen begann. Eine unhörbare Melodie drang in Lars' Ohr, brachte das Trommelfell zum Vibrieren, löse Ohren- und Kopfschmerzen hervor, was seine Gegenwehr eindämmte. Simone plagten dieselben Symptome, doch nun war Mikael zugegen und sie griffen von zwei Seiten nach Lars Armen, um ihn endlich von Simone runter zu zerren. Die Aktive war durch Darias Magie selbst viel zu abgelenkt gewesen, um noch Energie aufgewendet zu haben, sich großartig an ihn zu klammern. Der IMA-Anführer gebärdete sich noch immer wie wild in ihren Armen, doch Daria legte mit einer weiteren Dosis Kräfteblocker inklusive Beruhigungsmittel nach und allmählich erstarb seine Gegenwehr, so dass er zwar nicht bewusstlos wurde, aber es zumindest nun verhältnismäßig leicht war, ihm die Handschellen anzulegen, was Simone persönlich übernahm. Ian hatte sich so gestellt, dass er trotz seiner festhaltenden Position in Lars' Gesicht gucken konnte. Gar nicht so beeindruckend eigentlich. Der Kerl war zwar recht groß und durchtrainiert, aber so übertrieben übermächtig doch nun auch nicht, dass die gesamte Welt vor ihm erzitterte. Eigentlich hing er da sogar gerade ziemlich schlaff herum. Ian rüttelte ein bisschen an ihm, um zu schauen, ob er ihn aus dem Gleichgewicht bringen konnte. Fallen würde er ja eh nicht können, weil Mikael und er ihn noch immer festhielten.
    „Du hättest auch mal eher was machen können!“, pfiff Daria ihn an. „Irgendwann bringt deine verdammte stoische Ruhe noch jemanden um!“
    Simone machte eine abschneidende Handbewegung. Ian war ein Typ für sich, das war schon richtig. Aber zumindest wusste er, wann er wie einzugreifen hatte und solange er in der Lage war, das richtig einzuschätzen, schrieb sie ihm nicht vor, wie er sich im Kampf zu verhalten hatte. Stattdessen stellte sie sich dicht vor Lars.
    „Sie sind verhaftet.“ Die Gründe dafür aufzuzählen, sparte sie sich.
    Im Gegensatz zu Ian fühlte sie sich aber noch immer alles andere als wohl in seiner Gegenwart und hoffte, dass sie ihn einfach schnell ins Auto und fort schleppen konnten.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Fr 21 Jul 2017, 21:33

    Lars Viklund-Holm

    Was genau da gerade mit der Polizistin und Marianne passierte, nahm Lars nicht weiter wahr, dafür hatte er gerade auch wirklich keinen Kopf. Er war immer noch damit beschäftigt, sich mit Händen und Füßen zu wehren. Natürlich war Lars klar, dass es letztlich aussichtslos war, aber er war nun einmal niemand, der sich einfach kampflos ergab. Da schlug er lieber fünfmal daneben bei dem Versuch, jemanden zu erwischen und hatte es aber zumindest probiert als dass er sich einfach widerstandlos abführen ließ. Allerdings hatte er natürlich keine Chance. Lars unterdrückte einen Schrei, als seine Ohren und sein Kopf zu schmerzen begangen und seine Gegenwehr erstarb langsam, als ihm ein weiterer Kräfteblocker injiziert wurde. Er hatte getan, was er tun konnte, offenbar hatte er dabei niemanden allzu schlimm verletzt, aber zumindest hatte er sich nicht einfach kampflos ergeben. Jetzt allerdings ließ er sich die Handschellen anlegen, sich da noch groß wehren zu wollen, hatte sowieso keinen Zweck. Er war noch immer verdammt angepisst, weil der Abend sich völlig anders entwickelt hatte als geplant und einen Moment lang warf er der menschlichen Polizistin einen langen Blick zu. Diese verfickte Menschenschlampe hatte immerhin einen nicht unwesentlichen Teil zu dieser Situation beigetragen und auch wenn Lars nichts sagte, sprach sein Blick doch eindeutig aus, was er dachte: Irgendwann kriege ich dich.
    Was glaubte dieser Aktive nun eigentlich, wer er war, dass er einfach an ihm herumrüttelte? Lars schaffte es gerade so, nicht in sich zusammen zu sacken, allerdings wurde er ja auch noch immer festgehalten, also hätte er so oder so zumindest nicht umfallen können. Allerdings sagte Lars noch immer nichts und somit war ein finsterer Blick in Richtung des Aktiven, der ihn gerüttelt hatte, seine einzige nonverbale Reaktion.
    Die Aktive, mit der er gerangelt hatte, erklärte ihm nun also, dass er verhaftet war. Das hatte er selbst bereits bemerkt, auch das war aber eine Bemerkung, die er sich sparte. Was nicht bedeutete, dass Lars jetzt brav den Mund halten würde.
    „Wirklich?“, fragte er also und klang nun wieder deutlich ruhiger, was nicht zuletzt wahrscheinlich auch an dem Beruhigungsmittel im Kräfteblocker lag. Außerdem war das nun auch nicht das erste Mal, dass Lars in Handschellen war und er war sich auch nach wie vor ziemlich sicher, dass David, obwohl er sicherlich angepisst sein würde, ihn nicht erneut einer langjährigen Haftstrafe überließ. Schon deshalb nicht, weil er ihn eigentlich brauchte, um die unteren Ränge der IMA effektiv kontrollieren zu können.
    Seine Nachfrage bezog sich allerdings nicht auf die Verhaftung an sich, sondern dass sie offenbar nicht mehr als das sagen wollte. Objektiv konnte man ihr das nicht einmal verübeln, wahrscheinlich fühlte sie sich in seiner Nähe nicht gerade wohl und vermutlich musste ihr Gehirn auch noch verarbeiten, dass sie gerade tatsächlich den großartigen Lars Viklund-Holm festgenommen hatte, aber er konnte ihr ja auch ein bisschen weiterhelfen. War ja kein Problem, er war da ja nicht so. „Ich meine, dir ist schon klar, dass meine Anwälte dich, meine Vorgeschichte hin oder her, zerfleischen werden, wenn sich herausstellt, dass du mich weder über meine Rechte aufgeklärt noch mir die genauen Punkte, wegen der du mich verhaftet hast, gesagt hast, oder?“ Wesentlich gönnerhafter hätte er dabei sicher nicht klingen können und es war offensichtlich, dass Lars entweder gut am Wahnsinn kratzte oder sich verdammt sicher war, dass er immer noch in irgendeiner Form die Oberhand hatte. Hatte er ja auch. War schon praktisch, mit dem Präsidenten der Übernatürlichen zusammen zu arbeiten. Der würde sich schon was einfallen lassen. „Aber ich will mal nicht so sein, ich tu so, als hätte ich das gerade nicht gehört und du kannst es noch einmal üben.“
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Fr 21 Jul 2017, 21:59

    Aktive

    Lars' finsterer Blick beeindruckte Ian nicht weiter, im Gegenteil, er quittierte es nur mit einem schiefen Grinsen. Der Typ konnte einfach mal froh sein, an normal denkende Aktive gekommen zu sein, Ian kannte genug, die wohl einfach aus Versehen einen tödlichen Angriff bei dem Übergriff gewählt hätten. Aber Ian wusste ja, dass es Simone wichtig war, sich an die allgemein gültige Regel, lebende Gefangene zu machen, zu halten, also hatte er das gar nicht in Erwägung gezogen. Ihm persönlich war das egal, er hätte ihn auch platt gemacht, aber Simone war hier nun mal der Boss. Und so konnte er die nächsten Minuten damit zubringen, zu beobachten, wie Lars sich verhalten würde. Der riss tatsächlich schon wieder das Maul auf, nicht zu glauben. Sein Ruf eilte ihm voraus, aber selbst ihm hätte Ian an sich doch zugetraut, bei einer Gefangennahme den Ball etwas flacher zu halten. Stattdessen bedrohte er Simone. Und die schien damit gar nicht so gut klar zu kommen.
    Das Gefühl, ihm postwendend einen weiteren Blocker reinzuhauen, überkam die Aktive. Sie wusste, dass er Psychospielchen mit allen möglichen Leuten trieb. Doch dass er das nun auch hier tat, umreiht von Aktiven, war außerordentlich irritierend. Und sie konnte nicht leugnen, dass dieser Mann sie trotz Handschellen noch wahnsinnig nervös machte. Und ausgerechnet sie war nun in seinen Fokus gerückt, das mochte sie überhaupt nicht! Vor allem … war ihr da im Grunde tatsächlich ein juristischer Fehler unterlaufen. Seine gönnerhafte Art war zum ihm in die Fresse schlagen wollen, doch den Gefallen tat sie ihm nicht, das würde sie seine Anwälte wohl noch viel mehr zerfleischen lassen.
    „Komisch, ich hab es aber gehört!“, intervenierte Mikael von Lars' rechter Seite aus, um seiner Chefin aus der Patsche zu helfen, die sich offensichtlich tatsächlich bedrängt fühlte, obwohl sie es gewesen war, die ihn verhaftet hatte und somit eigentlich die überlegenere Position genoss. „Ziemlich deutlich eigentlich sogar. Ging um Widerstand gegen die Staatsgewalt, Verfolgen und Quälen eines Menschen, Verlassen des Gefängnisses ohne Freispruch, Mord einer Studentin … soll ich weiter machen?“
    Lars war echt Simones Schwachpunkt, musste Daria feststellen. Ihre Leiterin machte an sich einen wahnsinnig guten Job, aber wenn es um Lars Viklund-Holm ging, schien irgendwas in ihr umzukippen. Simone hatte sein Treiben außerordentlich gut studiert, in ihrer Position war es ja auch vonnöten, da absolut informiert zu sein, was die IMA und sonstige Bedrohungen anbelangte, weit mehr, als die Aktiven unter ihr. Vermutlich hatte sie sich seine Horrorspielchen etwas zu genau angeschaut und räumte ihm sogar Macht ein, wenn er gar keine mehr besaß.
    „Vielleicht hat meine Fähigkeit ja doch etwas an seinem Hörvermögen beschädigt?“, sinnierte sie mit beinahe singsangartiger Stimme.
    „Sie meint damit“, ergriff Ian das Wort, „dass sie das gerne nachholen kann, wenn du deine Fresse nicht hältst.“
    Die zierliche, blondhaarige Aktive schenkte Lars ein zuckersüßes Lächeln. Sie musste zugeben, die Vorstellung, ein bisschen mit ihm zu spielen, könnte durchaus Spaß machen, obwohl sie eigentlich gar nicht so gestrickt war. Aber das Bedürfnis, dem Kerl die verdiente Behandlung zukommen zu lassen, verspürte sie genau so wie alle anderen Aktiven auch.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Fr 21 Jul 2017, 22:23

    Lars Viklund-Holm

    Lars war nun einmal niemand, der sich einfach aus der Ruhe bringen oder beeindrucken ließ. Schon gar nicht, wenn er wusste, dass er eigentlich das bessere Blatt auf der Hand hatte. Er konnte es gerade nicht ausspielen, aber er hatte trotzdem noch ein paar Trümpfe. Denn ja, gerade war er eindeutig in der unterlegenen Position, aber wenn sie geglaubt hatten, dass Lars deswegen jetzt einfach den Mund hielt, hatten sie ihn einfach unterschätzt. Er mochte gerade kampfunfähig sein, aber sein Gehirn und sein Mundwerk funktionierten noch ziemlich gut. Und davon würde Lars auch weiterhin Gebrauch machen. Nicht einmal, weil er tatsächlich vorhatte, ihr seine Anwälte auf den Hals zu hetzen – zur Hölle, die wollten ihn selber hinter Gittern sehen, denn so blöd, IMA-Anhänger als Anwälte zu nehmen, war er natürlich nicht gewesen – sondern einfach, weil er Spaß daran hatte, seine Spielchen mit ihr zu treiben.
    „Hey, kein Grund, gleich unfreundlich zu werden, oder? Ich habe ihr ja helfen wollen. Ich verstehe ja, dass ich sie vielleicht ein bisschen nervös mache, das geht vielen so.“ Gut, die anderen ließen sich davon offensichtlich nicht beeindrucken. „Ansonsten vielleicht noch Gründung und Leitung einer terroristischen Vereinigung“, gut, das war der Grund, weshalb er sowieso ursprünglich auf Lítla Dímun gelandet war, insofern hatte er es vielleicht auch nicht für nötig gehalten, das noch einmal extra zu erwähnen, „Körperverletzung“, er nickte leicht in Anjas Richtung, „Mord am Leiter der Aktiven“, dass er es gewesen war, der Elias getötet hatte, war ja wahrscheinlich sowieso jedem hier klar, auch wenn sich nur grundsätzlich die IMA zu diesem Mord bekannt hatte, „und so weiter.“ Da wäre ihm sicher noch Einiges eingefallen, aber war dann vielleicht auch nicht nötig. „Die Studentin habe ich technisch gesehen habe nicht getötet, das waren die Vampire, aber ich bin geschmeichelt, dass ihr das auch mir anrechnen möchtet.“ Immer noch klang Lars dabei so absolut ruhig, als würden sie vielleicht darüber reden, wann es ihnen allen am besten passte, sich zum Grillen zu verabreden. Tatsächlich hätten dabei manche Leute dabei vermutlich noch mehr Emotionen gezeigt als Lars, wenn er über diese Taten sprach. Aber gut, dass er nichts davon bereute, überraschte hier sicherlich auch niemanden mehr.
    Lars erwiderte das Lächeln. Mit seiner Größe und Statur wirkte er dabei zwar sicherlich nicht so niedlich wie sie, aber zumindest ziemlich abgebrüht in Anbetracht der Umstände. „Würde ich nicht empfehlen. Würde irgendwie negativ auf sie“, er nickte zu Simone, „zurückfallen, oder?“ Denn dass sie hier das Kommando hatte, hatte er natürlich bemerkt und dass sie nicht interveniert hätte, wenn jemand in ihrem Team ihn völlig mutwillig verletzte, würde mit Sicherheit kein gutes Licht auf sie werfen. Auch wenn man zugeben musste, dass ihre Karriere es vermutlich überstehen würde, in Anbetracht der Tatsache, dass sie ihn wieder eingefangen hatte. War aber vermutlich trotzdem nichts, was man leichtfertig in Kauf nehmen musste.
    „Außerdem“, beschloss Lars, noch einen drauf zu setzen, „wäre es schade, wenn ich euch nicht mehr so gut verstehen würde, oder? Das schränkt unsere Möglichkeiten, sich zu unterhalten, so unnötig ein. Und ihr wollt mich doch bestimmt fragen, wo unser nächster Anschlag stattfindet, oder? Der wird richtig gut, würde sich lohnen, darüber zu sprechen.“ Wenn sie nicht davon ausgingen, dass Lars gerade bluffte, aber nach dem, was sie über ihn wussten, müssten sie eigentlich wissen, dass es dumm gewesen wäre, nicht zumindest in Erwägung zu ziehen, dass Lars da schon irgendetwas Konkretes in Auftrag gegeben hatte.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Fr 21 Jul 2017, 23:04

    Aktive

    Der Typ war wirklich eine Nummer für sich. Ian musste zugeben, doch ein bisschen beeindruckt zu sein. Sich so wenig aus der Ruhe bringen zu lassen, grenzte an sein eigenes Talent dafür, die Nerven zu behalten. Das imponierte ihm, auch wenn das natürlich nichts an seiner Position ihm gegenüber änderte.
    „Junge, Junge, du hörst dich echt gerne reden, oder?“, stieg Ian darauf ein, denn er hätte im Gegensatz zu Simone gerade überhaupt kein Problem damit, in Lars' Fokus zu rücken. Das könnte höchstens interessant werden. So dachte er auch gar nicht daran, zumindest zum Schein eine respektvolle Anrede zu wählen, sondern blieb gleich beim Du, mit diesem Unterton, als wären sie alte Kumpels. „Wenn du das den Richtern auch so schön erzählst, brauchen wir uns eigentlich echt gar keine Arbeit mehr mit dir zu machen. Das wär's doch.“ Er haute Lars mit der Hand, mit der er ihn nicht festhielt, vor die Brust, so dass er definitiv ins Wanken geraten musste. Nur um zu demonstrieren, dass sie natürlich keine Kumpel waren.
    „Die Vampire, die Sie befehligen“, ging Daria einen Moment später spitz dazwischen.
    Simone bekam gerade innerlich die Krise. Sie liebte ihr Team, ohne Zweifel, aber hier sah sie gerade Probleme anrollen, denn das zumindest Daria und Ian tatsächlich Lust hatten, Lars ein bisschen zu sehr auf die Pelle zu rücken, entging zumindest ihr nicht. Mikaels Blick verriet, dass er ebenfalls skeptisch über die Dynamik war, die sich hier gerade zu entwickeln drohte.
    „Gutes Stichwort!“, reagierte wieder Ian auf Lars' Kommentar und es folgte ein weiteres Rütteln an Lars' Schulter, das selbst Mikael auf seiner anderen Seite fast aus dem Gleichgewicht brachte. „Ich wäre außerordentlich begeistert, dieses Verhör führen zu dürfen.“
    Simone stellten sich die Nackenhaare hoch, wenn sie darüber nachdachte, wie Lars und Ian in einem Raum saßen und sich gegenseitig mit Gelassenheit zu übertrumpfen versuchten. Die Erde hätte aufgehört sich zu drehen, bis einer von den beiden aus der Ruhe gebracht worden war. Irgendwie gefiel ihr gerade überhaupt nicht, dass sie hier tatsächlich eine Gemeinsamkeit zwischen Lars und einem ihrer Aktiven entdeckt hatte.
    „Das Problem mit der Verständigung umschiffen wir bestimmt locker“, sprang Daria ebenfalls wieder auf den Zug auf. „Wir haben bereits gehört, dass Ihnen die digitale Kommunikation ziemlich gut liegt.“ Eine klare Anspielung auf Marianne.
    Gerade zweifelte Simone am Verstand ihres Teams. Merkten die nicht, dass sie gerade mit ziemlicher Sicherheit zu Lars' persönlicher Bespaßung mutierten? „Das reicht“, intervenierte sie, bemüht, die Genervtheit aus ihrer Stimme zu verbannen.
    Gerade waren ja auch nun mal alle ziemlich überspannt und jeder von ihnen machte sich auf einem anderen Wege Luft. Nur erschien es ihr wenig sinnvoll, Stress in einer Diskussion mit Lars Viklund-Holm abbauen zu wollen. Das Verhör würde mit Sicherheit keiner von ihnen führen, denn das war ein Thema für die Hauptzentrale, zu der Lars auch überführt werden würde, wenn es überhaupt einen Zwischenstopp dort gab und es nicht direkt zurück nach Litla Dinum ging. Das würde sie mit dem neuen Leiter der Aktiven besprechen, sobald Lars in einer ihrer Zellen untergebracht war.
    „Informier die Zentrale“, wandte sie sich also an Daria, die das mobile Funkgerät an ihrem Gürtel bei sich trug. „Wir machen uns auf den Weg.“
    Das Aufräumteam würde schnell hier sein und dann auch Marianne und Anja versorgen. So unangenehm es Simone auch war, sie konnte das gerade nicht selbst übernehmen. Sie konnte Lars unmöglich aus den Augen lassen. Es war also mitnichten so, dass sie die beiden vergessen hätte. Aber Anja lebte, das hatte sie bereits gesehen und auch Marianne hatte zwar abgrundtief verschreckt gewirkt, aber keine großartigen Verletzungen gehabt. Zumindest nicht, als Simone einen Blick auf sie geworfen hatte. Von dem, was danach bei Anja und Marianne los gewesen war, hatte sie nichts mitbekommen, denn ihre Aufmerksamkeit ruhte ungeteilt auf Lars und ihrem Team, noch immer waren ihre Nerven zum Zerreißen gespannt und in ihrer Hand lag nach wie vor eine Injektionspistole, denn verdammt ja, sie rechnete fast nicht damit, dass es damit jetzt wirklich getan sein sollte. Es ließ sich echt nicht abstreiten, das Lars sie wahnsinnig nervös machte. Und das, obwohl sie noch nicht einmal wirklich mit ihm aneinander geraten war. Einem Verhör hatte sie auf Litla Dinum beigewohnt, um sowas kam man nicht herum. Da hatte sie seine Masche, Fragen nicht zu beantworten, schon kennengelernt. Aber eigentlich sollte sie das alles tatsächlich ruhiger sehen und nicht auf die unterschwellige Bedrohung, die er trotz seiner misslichen Lage nach wie vor ausstrahlte, reagieren.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Fr 21 Jul 2017, 23:58

    Lars Viklund-Holm

    An seiner etwas ungünstigen Situation konnte Lars jetzt gerade auch nichts ändern, die hatten ihn jetzt nun mal festgesetzt und aus der Lage konnte er sich aktuell auch nicht befreien. Lars war ja nicht dumm, er wusste auch, wo seine Grenzen lagen und in Handschellen ohne magische Fähigkeiten mit einem angeschlagenen Kreislauf konnte er es nicht mit vier Aktiven aufnehmen. Nicht einmal mit einem.
    „Vermutlich“, gab Lars ruhig zurück. An der Anrede störte Lars sich nicht. Erstens war er Schwede, dort duzte sich sowieso jeder, zweitens hatte er lange genug in der Hauptzentrale des Magischen Rates gearbeitet, wo ebenfalls jeder vom noch so kleinen Aktiven bis hoch zum Präsidenten persönlich grundsätzlich geduzt wurde, weil der Rat nun einmal skandinavisch gefärbt war – viele, wenn auch nicht alle, Unterzentralen des Rates hielten es ja auch ähnlich – und drittens machte er sich nichts aus falscher Höflichkeit. Lars wusste, wer er war und er wusste, wie er auf andere Leute wirkte. Wenn sie ihn siezten, war das ihre Sache, es nagte aber nicht im Geringsten an seinem Ego, wenn sie es nicht taten. Ebenso wenig hatte die Tatsache, dass er alle Anwesenden konsequent duzte, etwas mit mangelndem Respekt zu tun, es war nur einfach normal für ihn. Die Bestätigung holte er sich auf anderen Wegen, unter anderem durch eine Diskussion wie diese hier.
    Dass er ihn aus dem Gleichgewicht brachte und Lars tatsächlich einknickte und umgefallen wäre, wäre er nicht immer noch festgehalten worden, störte ihn tatsächlich, auch wenn er es sich nicht anmerken ließ.
    „Kaum zu glauben, dass mir nachgesagt wird, ich wäre unkooperativ, oder? Dabei arbeite ich doch wirklich gut mit.“ Mangelnde Bereitschaft zur Kooperation mit den Aktiven war eines dieser Pseudo-Argumente gewesen, das man in die Ablehnung auf seinen Antrag auf Haftentlassung nach 20 Jahren geschrieben hatte. Die hatten ja schlecht schreiben können Du bist ein terroristisches Arschloch und wir würden uns eher die Augen ausstechen, als dich jemals freizulassen, also hatten sie eben andere Dinge hinein schreiben müssen. Manche davon waren auch sicher akkurat gewesen, andere eher etwas fadenscheiniger. Dabei war Lars natürlich auch vorher klar gewesen, dass die ihn nicht gehen ließen, es hätte ihn eher enttäuscht, wenn es so gewesen wäre, denn der Ausbruch war wesentlich amüsanter und öffentlichkeitswirksamer gewesen, aber er hatte den Antrag trotzdem gestellt, einfach um den Rat ein bisschen zu beschäftigen.
    „Das wiederum ist ein anderer Punkt“, räumte Lars an Daria gewandt ein.
    „Ah, ich fürchte, mir fehlt da das Training, ihr müsstet ewig auf Antworten von mir warten“, und Lars seufzte fast schon theatralisch auf, „außerdem ist es digital so viel einfacher, Lügen zu erzählen.“ Ebenfalls eine Anspielung darauf, dass möglicherweise nicht alles aus diesem Gespräch mit Marianne komplett der Wahrheit entsprochen hatte. „Sorry, Herzchen“, sagte er dann noch an Ian gewandt, „Ich fürchte, die in Kopenhagen werden das selber machen wollen. Aber ich mag dich irgendwie, ich kann bestimmt ein gutes Wort für dich einlegen, vielleicht lassen sie dich beim Verhör zusehen, wenn ich sage, dass ich mich nur mit dir unterhalten werde – bist du eigentlich vergeben?“ Er musterte Ian noch einmal, soweit es ihm möglich war. Das diente natürlich nicht dazu, tatsächlich mit Ian zu flirten – wobei, wieso nicht, er war auch bestimmt niemand, den Lars von der Bettkante stoßen würde – aber natürlich versuchte Lars noch immer, ihr kleines Wortduell zu gewinnen und es bestand immerhin die winzige Chance, dass ihn das ein bisschen aus der Fassung brachte. Man wurde schließlich nicht jeden Tag von Lars Viklund-Holm angebaggert und schon gar nicht in einer Situation wie dieser.
    Die Chefin hatte aber offenbar jetzt genug von der ganzen Sache und versuchte zumindest, durchzugreifen.
    Lars hätte es zwar niemals zugegeben, aber er war fast ein bisschen erleichtert, dass sie jetzt bald losfahren würden. Die Kräfteblocker nagten definitiv an ihm und er hatte keinen Bock, hier doch noch in sich zusammen zu sacken, weil er sich irgendwann doch nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Insofern würde er sich auch nicht wehren, wenn sie sich mit ihm in Bewegung setzten, sondern einfach abführen lassen.
    War halt echt kacke und er sah David jetzt schon toben – was auch schon eine Kunst für sich war, denn er war zwar auf einer anderen Ebene abgebrüht als Lars, aber auch nicht so leicht aus der Contenance zu bringen – aber ließ sich nun eben nicht mehr ändern. Nur ärgerlich, dass ein Mensch involviert war, das ließ ihn echt nicht so gut dastehen.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Sa 22 Jul 2017, 06:41

    Anja & Aktive

    Mikael verdrehte nun tatsächlich die Augen, als Lars es einfach nicht lassen konnte, weiter zu diskutieren. Irgendwie schien bei ihm der Ernst seiner Lage noch nicht im Hirn angekommen zu sein. Gut, wenn man so überzeugt von sich war, wie Lars Viklund-Holm, war das wohl auch alles ein bisschen schwerer einzusehen. Und immerhin, um der Ehrlichkeit Genüge zu tun, hätte von ihnen vier ja auch keiner damit gerechnet, dass ausgerechnet sie ihn schnappen würden. Natürlich waren sie nach Mariannes Auftauchen in ihrer Unterzentrale alarmiert gewesen und natürlich hatte Simone ihnen eingebläut, auf alles vorbereitet zu sein. Aber ihre Chefin war ja selbst geradezu überfordert mit der Tatsache, dass dieser so gut wie unmögliche Fall eingetreten war.
    Daria war sich nun doch zu fein, um diese sinnlose Debatte weiterzuführen. Die gehörte in einem Verhörraum geführt und nicht noch immer mitten auf der Straße in einem vermutlich so gut wie reinen Menschenviertel. Außerdem war sie ja nicht völlig unsensibel und merkte durchaus, dass Simone das alles allmählich zu viel wurde. Und das sie nicht mal eben einen Gefangenen willkürlich quälen durfte, war ihr natürich bewusst. Zwar sprachen sie hier von Lars, aber leider hatte er ja nun mal auch noch gewisse Rechtsgrundlagen, auch wenn das inoffiziell sicher gerade bei jemandem wie ihm gar nicht so eng gesehen werden würde. Lars spielte wohl darauf an, die Sache mit David nur dahergesagt zu haben, so interpretierte Daria es auf jeden Fall. Was nun die Wahrheit war, würde sich irgendwann hoffentlich zeigen. Auf jeden Fall hatte Lars zig Gründe, so eine Bemerkung fallen zu lassen, ob er das Menschenmädchen damit hatte quälen wollen, David eins reinwürgen oder es tatsächlich der Wahrheit entsprach, waren nur die drei Hauptrichtungen, die der Aussage zugrunde liegen konnten.
    Ian war wahrscheinlich der einzige, der – abgesehen von Lars auf seine verdrehte Art – hier Spaß hatte. Der Kerl hatte ja richtig Mumm! Er hatte schon einige Verbrecher dingfest gemacht, aber Töne wie Lars hatten die definitiv nicht von sich gegeben, spätestens nach den angedeuteten Handgreiflichkeiten war Schluss gewesen. Lars hingegen setzte noch einen drauf, schaffte es sogar, ihm dabei ins Gesicht zu blicken. Also sah der IMA-Anführer mit Sicherheit auch Ians amüsiertes Grinsen.
    „Das wäre super, Hase!“, gab er also mit einem bezaubernden Lächeln zurück. Tatsächlich war er so wenig schwul wie nur irgendwie möglich und unter normalen Umständen hätte er da wohl auch eher pikiert reagiert. Aber hey, wenn Lars Viklund-Holm einen abgrub, und wenn es auch nur war, um seine bescheidene Lage irgendwie zu verbessern, konnte man da schon mal drauf eingehen. Immerhin sah Ian ja nun auch nicht ein, den kleinen Machtkampf hier zu verlieren. Lars war ein würdiger Gegner.
    „Kneif mich mal!“, entfuhr es Mikael nun doch in Darias Richtung, obwohl er eigentlich den Mund hatte halten wollen, um die Stimmung nicht noch mehr anzuheizen.
    Aber Ians Antwort brachte selbst ihn innerlich zum Wanken. Das war ja schon reichlich abstrus jetzt.
    Simone beschloss, darüber hinwegzuhören. Einen Tobsuchtsanfall war das Ganze nicht wert und mit Ian würde sie später unter vier Augen reden können, dass es absolut nicht hilfreich war, solche Diskussionen nicht abzuwiegeln. Seine Ruhe war ja beneidenswert, aber dass Lars es tatsächlich gelungen war, ihn da irgendwie bei seinem Stolz zu packen, gefiel ihr überhaupt nicht und zeigte nur, wie gefährlich dieser Mann trotz Kräfteblocker und Handschellen noch immer war. Sie machte bereits die Geste zum endlich losgehen, sie würden das Auto des zweiten Teams, dessen Mitglieder bereits dazu übergegangen waren, eine Kollateralschadenüberprüfung vorzunehmen, um es dem Aufräumteam nachher einfacher zu machen, nehmen, denn mit Lars nun wieder durch die Vorgärten zu spazieren, erschien ihr wenig sinnvoll. Nicht, dass doch noch ein paar Menschen aus ihren Häusern kamen und verzückt darüber waren, dass gerade ein offensichtlicher Verbrecher abgeführt wurde.
    „Halt!“ Bei dem deutlichen Tonfall fuhr Simone auf dem Absatz herum. Langsam reichten ihr die Interventionen. Unglauben wallte in ihr auf, als sie Anja auf sich zukommen sah.

    Die Aktiven schienen das ganz gut im Griff zu haben, jedenfalls dauerte es nicht mehr lange und Lars befand sich in Handschellen gelegt zwischen zwei Männern wieder. Und tatsächlich besaß Lars noch die Kapazität, Anja einen unheilversprechenden Blick zuzuwerfen, bevor es zu einer Diskussion innerhalb der Gruppe kam. Seufzend stieß Anja sich vom Auto ab, um zu ihnen hinüber zu gehen. Ein paar Kleinigkeiten hatte sie Lars noch zu sagen und jetzt würde immerhin die letzte Gelegenheit dafür sein.
    „Halt!“, intervenierte sie also, immer noch diesen zackigen Tonfall benutzend, der Simone zu ihr herumfahren und sie mehr als skeptisch aus zusammengekniffenen Augen mustern ließ. Offensichtlich rechnete sie mit Schwierigkeiten. Tatsächlich fragte sich die Aktive, was das jetzt sollte, was Anja noch mit Lars zu schaffen hatte, und was deren verschlossene Gesichtszüge bedeuteten. Sie hatte noch nicht in Erfahrung bringen können, was da genau geschehen war, wieso zum Teufel sie noch lebte – nicht, dass das nicht gut war, aber es war nun einmal schier unmöglich, weil sie es Mensch war und es immerhin um Lars gegangen war – und wo Marianne sich befand. Ihre Konzentration war einfach komplett auf Lars gerichtet, für dessen Verwahrung nun sie die Verantwortung hatte. Das hätte sie sich auch nicht träumen lassen.
    „Das lief anders als erwartet, nicht wahr, Herr Viklund-Holm?“, richtete Anja das Wort an den Terroristen. „Ich verrate Ihnen was dazu.“
    Simone machte unmissverständlich nonverbal klar, dass ihr das gerade überhaupt nicht gefiel, Mikael schien ebenfalls verwirrt, Daria ließ das Funkgerät, mit dem sie die Hauptzentrale endlich hatte informieren wollen, sinken, nur Ian blickte einfach neugierig auf die Menschenfrau, die sich tatsächlich dicht vor Lars aufbaute, so dicht, dass Simone sich automatisch dazu genötigt sah, dazu zu treten und Mikael fast von seinem Platz an Lars' Seite drängte. Anja blickte zu ihm hoch, und jegliches Fehlen von Furcht oder überhaupt irgendeiner Regung irritierte selbst Ian. Dass er sich hier Wortgefechte mit Lars lieferte, wunderte ihn ja nun mal nicht. Das eine menschliche Polizistin scheinbar genau so wenig Angst vor ihm hatte, wie er selbst, hingegen schon.
    „Sie sind außerordentlich effektiv und erwartungsgemäß auf meinen Plan angesprungen“, sprach sie weiter.
    Simone griff in Anjas Uniform, um sie von ihm wegziehen zu können, doch die Polizistin hatte sich mit einem stabilen Stand vor Lars aufgebaut und obwohl er ein gutes Stück größer war als sie, wirkte ihre Präsenz da nicht gerade viel geringer.
    „Es ist nie darum gegangen, mich mit Ihnen zu messen; im Gegensatz zu Ihnen weiß ich, wo meine Grenzen sind“, klärte sie ihn mit emotionsloser Stimme auf. „Es ging nur darum, Sie hinzuhalten.“ Sie bedachte ihn mit einem Grinsen, das eher als Grimasse zu bezeichnen war.
    „Dummer, naiver Übernatürlicher! Du hast dich überschätzt!“ Seine Äußerungen ihr und Menschen gegenüber, zumindest inhaltlich, abgewandt, auf seine Situation angepasst.
    Sie spuckte ihm vor die Füße.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Sa 22 Jul 2017, 08:15

    Lars Viklund-Holm

    Nach wie vor wusste Lars einfach, dass er nicht gefangen bleiben würde. Möglicherweise würde David das in einem Anfall von Wut mal kurz in Erwägung ziehen, aber erstens war er ihm immer noch viel zu dankbar für die letzten zwanzig Jahre als dass er ihn nicht befreit hätte und zweitens brauchte er ihn wie gesagt. Natürlich war David absolut fähig, diese Organisation zu führen, er hatte sie ja auch gegründet und konnte sich im Zweifelsfall den nötigen Respekt verschaffen. Aber viele der Leute in den unteren Rängen kannten die Wahrheit nun einmal nicht und nahmen ihre Befehle nun einmal tendenziell eher von Lars entgegen als von jemandem, den sie vorrangig als den Präsidenten der Übernatürlichen kannten. Lars zu lassen, wo er war, hätte das, was sie noch alles vorhatten, also auf jeden Fall deutlich verkompliziert und für David unnötig riskant gemacht. Also konnte Lars jetzt auch das Beste aus seiner Situation machen und zumindest die Aufmerksamkeit genießen. Denn ja, dass hier vier Aktive um ihn herum standen, die – bis auf den einen vermutlich – alle ein bisschen nervös sein würden, war für Lars ein kleines Bisschen wie Weihnachten und es versüßte ihm seine Lage auf jeden Fall. Und es gab noch etwas, was Lars den Abend noch weiter versüßen würde, aber dazu würden sie später noch kommen.
    Die Kleine hatte nun offenbar auch keine Lust mehr, sich auf die Diskussion mit Lars einzulassen, blieb nur noch der andere. „Alles klar“, sagte Lars. „Dann haben wir wohl ein Date.“ Darauf bezogen, dass Lars sich für ihn aussprechen würde, damit er zugucken durfte und hey, vielleicht machte er das ja tatsächlich, denn der Kerl amüsierte ihn auf jeden Fall und er hatte eindeutig Mumm, nach wie vor war das etwas, was Lars würdigen konnte. Vielleicht würde es ihn irgendwann auch ankotzen, dass er Ian nicht aus dem Konzept bringen konnte, gerade hatte er allerdings noch Spaß an ihrem kleinen Wortgefecht.
    Und dann mischte sich die menschliche Polizistin plötzlich wieder ein. „Hey, Chefin“, sagte Lars und meinte damit natürlich Simone. „Du hast deine Leute hier nicht so richtig gut im Griff, kann das sein?“, fragte er nach. Natürlich gefiel es ihm nur umso besser, sie vielleicht noch ein bisschen nervöser machen zu können, als sie sowieso schon war. Lars war nun einmal ein aufmerksamer Beobachter, zumindest wenn ihm nicht gerade, so wie vorhin, sein Ego im Weg stand. Er war gut darin, die Schwachstellen anderer Leute zu finden und wusste dann auch meistens, welche Knöpfe er drücken musste. „Aber ich kann dir vielleicht mal einen kleinen Workshop geben, vielleicht lernst du noch was von mir in Punkto Führungsqualitäten.“
    Damit sah er Anja an. Sie war wirklich mutig. Und offensichtlich auch ziemlich dumm, dass sie die Tatsache, dass sie eine Begegnung mit ihm überlebt hatte, nicht mehr zu schätzen wusste. Offensichtlich wollte sie unbedingt, dass sie ihm im Gedächtnis blieb. Und ja, was sie sagte, machte ihn wütend. Natürlich war ihm das in der Zwischenzeit selbst klar geworden und ja, innerlich wallte der Zorn durch sein Blut, weil er so leichtsinnig gewesen war, sich von ihr hinhalten zu lassen. Aber dass sie ihn nun offensichtlich auch noch zusätzlich reizen wollte, zeugte nicht von besonders viel Intelligenz.
    Lars atmete einmal tief durch, ein erstes Anzeichen der Wut, die tatsächlich unter der Oberfläche brodelte. „Bist du dir sicher, dass es so eine gute Idee ist, mich zu reizen? Du solltest es mehr zu schätzen wissen, dass ich dich nicht getötet habe, nicht viele Menschen können von sich behaupten, eine Begegnung mit mir überlebt zu haben. Bist du dir sicher, dass du mir im Gedächtnis bleiben möchtest?“ Und dann wagte sie es auch noch, ihm vor die Füße zu spucken und ihn dumm und naiv zu nennen. Natürlich hätte er ihr nun auch weiter verbal drohen können, allerdings reichte der Blick, mit dem er sie bedachte, da vielleicht auch schon aus, denn dagegen hatte der Blick, den er ihr vorhin schon einmal geschenkt hatte, noch äußerst harmlos gewirkt. Jetzt starrte Lars sie einfach nur an. Nicht wütend, nicht überheblich, nicht einmal unmittelbar bedrohlich, aber der Blick drückte eine Sache ganz deutlich aus: Ich werde dich nicht vergessen. Und das wiederum konnte nichts sein, was ein Mensch sich von Lars wünschte, egal wie mutig diese Person sein mochte.
    „Du nennst mich also dumm“, sagte Lars nun aber und sah sie dabei weiter an. „Ich bin aber zumindest clever genug, dass ich eine Sache erkannt habe – korrigier mich gerne, wenn ich mich irre.“ Nun kehrte doch langsam wieder das selbstgefällige Grinsen zurück. „Ich habe ja vorhin schon festgestellt, dass du mich kennst. Du kennst mich besser als ein normaler Polizist. Deutlich besser. Du wusstest nicht nur, dass ich ein gesuchter, flüchtiger Verbrecher bin, du kanntest meinen Namen, du wusstest, was ich vorhatte. Aber mir ist noch etwas klar geworden.“ Dramatische Pause. „Du wusstest, dass die kommen.“ Er nickte in diesem Fall zu Mikael. „Mit irgendeinem von den vieren hier hast du also mehr Kontakt. Vermutlich führt ihr eine Beziehung, vielleicht liegt auch eine Verwandtschaft vor, aber das würde ich ausschließen, weil du offensichtlich keine magische Fähigkeiten hast, die aber allesamt schon.“ In Anbetracht der Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit höher war, dass jemand eine heterosexuelle Beziehung führte, lag zunächst die Vermutung näher, dass es einer der Männer war, aber die Reaktionen hier in der Runde vorhin hatten eine andere Sprache gesprochen. „Und so überrascht, wie du warst, als du sie gesehen hast, bist vermutlich du die Glückliche, Chefin, hm?“ Rhetorische Frage, er erwartete nicht, dass ihm darauf jemand tatsächlich klar antwortete. Verbal zumindest nicht. Allerdings behielt er die Polizistin ziemlich deutlich im Auge, in der Hoffnung, an ihrem Gesicht etwas ablesen zu können. „Ich an deiner Stelle wäre also vielleicht etwas vorsichtiger, denn ich würde nun einfach mal vermuten, dass ich einfach jemanden auf sie“, damit meinte er natürlich wieder Simone, „ansetzen müsste, um dich zu finden, wenn ich dich tot sehen wollte. Und da sie die war, die mich eingefangen hat, wird sie in der übernatürlichen Welt bald jeder kennen, die werden sie mit Beförderungsangeboten und Auszeichnungen vermutlich totwerfen. Dürfte also nicht so schwierig werden, sie zu finden – und damit dann wohl auch dich.“ Damit schenkte Lars ihr sein liebenswürdigstes Lächeln, zu dem er fähig war. „Hältst du mich noch immer für so dumm?“ Vielleicht überspannte er den Bogen hier gerade ein bisschen, aber er konnte nicht aufhören. Dafür genoss er das hier viel zu sehr. „Was sie wohl davon halten wird, dass du der Kleinen“, also Marianne, „fast eine Kugel in den Kopf gejagt hättest, falls ich nicht diese Eiswand vor ihr aufgebaut hätte?“ Damit hatte er das auch noch loswerden können. Zwietracht zu sähen war ihm einfach immer wieder ein großes Vergnügen.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Sa 22 Jul 2017, 16:55

    Anja & Aktive

    „Hervorragend. Blumen bring ich aber keine mit, nur damit das gleich klar ist, bin ich nicht so der Typ für“, antwortete Ian auf Lars' Date-Kommentar hin, während Daria erneut mit den Augen rollte. Manchmal war der Kerl echt unmöglich. Und irgendwas schien er an Lars auch gerade echt herausfordernd zu finden. Aber gut, Ian hatte auch immer schon behauptet, dass er irgendwann mal in das Vergnügen kommen wollte, sich diesen IMA-Gründer mit eigenen Augen anzuschauen. Denn Lars' Ruf eilte ihm ja nun wirklich voraus und Ian faszinierte die Panik, die alle vor ihm hatten. Wohl weil er sie offensichtlich tatsächlich gar nicht empfand. Daria für ihre Stücke war einfach froh, dass sie ihn nun endlich hatten. Ja, ihn noch ein bisschen quälen würde sicher Spaß bringen, aber Simone hatte sich ja zumindest indirekt nun schon dazu geäußert, dass sie keine Spielchen mochte. Also hielt Daria die Füße still.
    Simone hingegen war damit beschäftigt, nicht die Krise zu kriegen. Nicht nur, dass Lars sich offensichtlich königlich über sie amüsierte, weil ihre Leute gerade nicht Gewehr bei Fuß standen, was sie ihnen nun aber auch nie eingebläut hatte, weil sie sich alle als Team sah und nicht sich persönlich als Königin, der alle folgen mussten, sondern auch weil Anja aus welchen Gründen auch immer beschlossen hatte, die Szene, die gerade dabei war, sich endlich aufzulösen, wieder durcheinanderzubringen. Und das auf eine Art und Weise, die ihr überhaupt nicht gefiel.
    Anja indes war eigentlich schon gar nicht mehr in dieser Auseinandersetzung. Zumindest nicht emotional. Der ursprünglich geplante Ansatz, Lars eben zu provozieren, um ihn hinzuhalten, seine Art, sich zu verhalten, zu spiegeln, um ihn zu beschäftigen, hatte sich verselbstständigt und die Barriere zu einem Teil ihrer Vergangenheit, der mit Grund verbarrikadiert gewesen war, aufgeweicht. Nun war sie – im Krieg. Und da war eben kein Platz für Emotionen. Da geschahen am laufenden Band unschöne Dinge und dem Feind in die Augen blicken zu können war reiner Luxus, denn so wurde man nicht gerade hinterrücks von ihm erstochen. Und einem gefesselten Feind in die Augen zu gucken, war noch viel besser, denn so war man selbst derjenige, der das Ruder in der Hand hielt. So juckte sie Lars' Drohung auch überhaupt nicht weiter, denn den Teil des Überlebenswillens erreichte sie einfach nicht. Lars konnte gerade eh nichts tun, das war alles, was zählte. Und über morgen und übermorgen und dann den Tag machte sie sich keine Gedanken. Bis dahin würden bereits viele andere Soldaten gefallen sein.
    Simone hingegen wusste sehr genau, was Lars' Ansage bedeutete und tatsächlich fürchtete sie sogar in diesem Augenblick so sehr, dass er sich vor lauter Wut losreißen würde, dass sie Daria mit einem kleinen Nicken zu verstehen gab, ihm noch eine Dosis Kräfteblocker reinzujagen. Die zierliche Aktive kam der Order umgehend nach und überraschte Lars mit einer weiteren Injektion in den Nacken. Immerhin waren Kräfteblocker im Gefängnis so was wie sein Grundnahrungsmittel gewesen, da wollte sie nicht riskieren, eine zu niedrige Dosis erwischt zu haben. Und dann wurde es endlich Zeit, diesen Scheiß zu beenden! Nur dass weder Lars noch Anja das gerade einsahen. Die diskutierten munter weiter!
    Simone verfluchte sich für ihre Reaktion, die Lars diesen Umstand verraten hatte. Es war nie gut, wenn Leute wie er private Informationen über Aktive hatten. Das bedeutete Schwierigkeiten, doch noch immer kümmerte Anja das kaum. Stattdessen lauschte sie geradezu aufmerksam seinem Monolog, ohne sich auch nur ansatzweise davon aus der Ruhe bringen zu lassen. „Da hat jemand seine Hausaufgaben gemacht“, kommentierte sie nur trocken. „Ich bin beeindruckt.“ Ihre Stimme verriet, dass genau das Gegenteil der Fall war. Natürlich, irgendwann nach dieser Geschichte würde sie mit ziemlicher Sicherheit heulend zusammenbrechen, wenn sie an die Begegnung hier dachte. Aber das war eine Sache der anderen Anja. Nicht ihre.
    Simones fassungsloses „Wie bitte?!“, auf Lars' Kommentar bezüglich der Kleinen bezogen, brachte sie hingegen viel mehr aus dem Konzept und sie fühlte sich von der Empörung geradezu angegriffen.
    „Offensichtlich gefällt es ihr nicht“, antwortete sie also wieder Lars, der ja hier nun mal ihren aktuellen Fokuspunkt darstellte, immerhin war er das Problem. „Was mich wundert, denn jedem mit ein bisschen Grips zwischen den Ohren müsste klar sein, dass das die einzig logische Konsequenz gewesen ist, nachdem es unmöglich war, dich aus dem Weg zu räumen.“ Das sagte Anja tatsächlich aus Überzeugung.
    Simone stand buchstäblich der Mund offen. Nicht nur, dass Anja sich hier in Dinge einmischte, die sie nichts mehr angingen und das auf eine Art und Weise, die ihnen allen Probleme bringen würde, weil sie gerade fröhlich ihre Auseinandersetzung mit Lars reflektierte, nein sie unterhielt sich dabei mit ihm auch noch fröhlich über SIE. Das fühlte sich auf so vielfältige Art und Weise falsch an, dass es verdammt viel Mühe kostete, zumindest die gefühlsmäßige Reaktion zu unterdrücken. Die Polizistin stand offensichtlich unter einer Art Schock, irgendetwas, was da geschehen war, hatte sie in einen mentalen Zustand versetzt, den Simone nie kennengelernt hatte, weil sie erst während Anjas Polizeizeit in Kontakt gekommen waren. Das hier schien gerade eine völlig andere Person zu sein und Simone konnte nur mutmaßen, was alles passiert sein musste in der Armeezeit, dass diesen Teil Anjas geformt hatte. Viel darüber gesprochen hatte sie nie.
    „Wird es jetzt nicht Zeit, dass du uns unsere Arbeit machen lässt?“, presste Simone mühsam beherrscht hervor, sich nach wie vor auf den Punkt konzentrierend, dass Anja da gerade tatsächlich im Weg war, und die emotionale Ebene zur Seite schiebend. Die hatte hier gerade keine Relevanz, schließlich saßen sie nicht zusammen daheim auf dem Sofa!
    „Und ich dachte, ich hätte bisher alles gesehen ...“, entfuhr es Mikael leise, aber so, dass es doch zumindest Lars und Ian würden verstehen könnten, weil sie nun mal sehr dicht beieinanderstanden, unweigerlich, um Lars fixieren zu können. Er konnte gerade nicht glauben, was hier passierte. Unter normalen Umständen wäre er ja äußerst amüsiert gewesen, dass ausgerechnet ein Mensch Lars dermaßen widersprach, aber er sah da eben auch die möglichen Folgen. Noch nicht mal die eines Angriffs, denn Lars würde ihnen sicher nicht noch einmal entwischen. Sondern auch die persönlichen. Denn Simone war ganz definitiv kurz vorm Platzen.
    „Ich würde es jetzt ehrlich gut sein lassen!“, wandte er sich also ebenfalls an Anja, während er sich fragte, was verflucht noch mal in sie gefahren war. Er kannte sie privat, immerhin war er mit Simone befreundet und die mit ihr zusammen. Und er hatte Anja auch vom ersten Tag an gemocht. Aber das hier …
    Sogar Ian, der inzwischen einen Arm um Lars gelegt hatte, um ihn im Falle einer Eskalation, die er ja nun mal nicht ausschloss, zu Boden reißen zu können, nickte zustimmend.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Sa 22 Jul 2017, 17:25

    Lars Viklund-Holm

    „Ah, brauche ich auch nicht unbedingt“, entgegnete Lars ruhig. „Wir finden was anderes.“ Mittlerweile ging es vermutlich wirklich einfach nur noch darum, dass keiner von beiden der Erste sein wollte, der die Klappe hielt.
    Aber Lars war dann ja ohnehin erstmal von diesem Menschen abgelenkt und ja, unter der Oberfläche war er wütend, weil sie es überhaupt wagte, so mit ihm zu sprechen. Vorher war es noch amüsant gewesen, aber letzten Endes hasste er Menschen nun einmal und konnte deshalb auch nicht völlig darüber hinwegsehen, dass sie es wagte, so mit ihm zu sprechen, so sehr er ihren Mut bis zu einem gewissen Punkt schätzen mochte. Lars selbst nahm kaum wahr, dass seine Körperhaltung sich anspannte und ja, am liebsten hätte er sich losgerissen. Seine Körpersprache vermittelte das vielleicht ganz gut, obwohl er keine wirklichen Anstalten machte, sich loszureißen. Als der nächste Kräfteblocker in seinen Blutkreislauf eindrang, knickte Lars aber nun tatsächlich einfach in sich zusammen und wäre einfach nach vorne gefallen, wenn Ian und Mikael ihn nicht noch immer festgehalten hätten. Das war jetzt doch wohl echt verdammt unnötig gewesen! Lars hasste es, in irgendeiner Form Schwäche zu zeigen, aber das war jetzt der wievielte Kräfteblocker gewesen? Der dritte oder sogar schon der vierte? Er war eben auch nicht Noah, der wahrscheinlich erst beim dritten Kräfteblocker überhaupt registrierte, dass da irgendetwas war und für den die Forschungsabteilung des Rates extra noch einmal eine spezielle Zusammensetzung entwickelt hatte, die stärker war als bei den meisten anderen Leuten und die wahrscheinlich ausgereicht hätte, um im Zweifelsfall einen Elefanten schlafen zu schicken. Nein, Lars hatte zwar eine gewisse Toleranz gegen das Mittel aufgebaut, aber dann auch nicht so sehr, dass er das hier mal eben so wegsteckte. Also versuchte Lars, sich wieder so weit aufzurappeln, dass er mehr auf eigenen Füßen stand als dass er nur von den beiden Aktiven gehalten wurde, allerdings knickten seine Füße gleich wieder weg und so atmete Lars einmal tief durch und beließ es für den Moment dabei. Mussten die zwei ihn halt stützen, auch wenn es ihn ankotzte.
    Aber auch das brachte ihn zumindest nicht zum Schweigen. „Du hast jetzt offensichtlich noch keine Angst vor mir, aber das könnte sich ändern. Selbst, wenn ich verhindert sein sollte“, was sowieso nicht lange der Fall war, da war Lars zuversichtlich, „findet sich bestimmt jemand, der dir einen Besuch abstatten kann. Ich würde ungern das Blut von Übernatürlichen vergießen, wenn es nicht sein muss, aber du hast bestimmt auch noch eine Familie, hm? Eltern, Geschwister … Kinder?“ Sie war zwar mit einer Frau zusammen, aber das schloss Kinder ja nicht aus und sie war auf jeden Fall in einem Alter, in dem es theoretisch möglich war, dass sie welche hatte. „Die Frage ist, ob du noch der Meinung sein wirst, dass es eine gute Idee war, mich zu verspotten, wenn dir einer meiner Leute den Kopf eines engen Familienmitgliedes überreicht. Oh, ich hoffe, dass du Kinder hast, das wäre ganz besonders großartig.“ Bisher hatte Lars sich mit konkreten Drohungen ja noch zurückgehalten, aber sie hatte es ja nicht anders gewollt. Lars hatte auf jeden Fall das Gefühl, dass er hier mal seinen Standpunkt deutlich machen musste. Vielleicht hielt sie es aber ja auch für leere Drohungen. Dann hatte sie aber offensichtlich noch nicht genug Geschichten über ihn gehört, denn die meisten Leute, die Lars kannten, hätten wahrscheinlich zumindest nicht angezweifelt, dass er theoretisch zu solchen Dingen absolut in der Lage war. Körperlich eskalierte Lars allerdings nicht. Er schaffte es nun zwar wieder, seine eigenen Füße soweit zu benutzen, dass er eigenständig stehen konnte, aber gerade hätte er es körperlich vermutlich nicht mal mit diesem verfickten Menschen aufnehmen können. Die Kräfteblocker forderten wirklich ihren Tribut. „Du solltest auf dein Herzblatt hören und die Leute ihre Arbeit machen lassen.“
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Sa 22 Jul 2017, 18:00

    Anja & Aktive

    Anja hörte sich seine Drohungen mit emotionsloser Miene an, war aber zumindest innerlich noch so weit da, dass sie in diesem Augenblick dankbar für ihre mentale Eskalation war. Denn sie wusste, ohne hätte Lars sie nun so weit vollkommen zu verzweifeln. Denn sie hatte tatsächlich Kinder, zwei Jungs. Und der Gedanke, dass ihnen etwas zustieß, vielleicht sogar noch etwas, sie sie in gewisser Weise verschuldet hatte, wäre schlimmer als alles, was Lars ihr, Simone oder sonst jemandem antun könnte. So nahm sie es nur in sich auf und verarbeitete es zu der einzigen logischen Schlussfolgerung. Der Chance, ihnen etwas zu tun, musste endlich vorgebeugt werden. Eigentlich war es ja sowieso darum gegangen, aber Lars hatte es ihr gerade sehr einfach gemacht, absolut überhaupt keine Hemmungen mehr zu haben, das zu tun, was die Aktiven längst hätten tun sollen.
    „Ich sehe nur leider nicht, dass die hier gerade ihren Job machen“, stellte Anja also fest.
    Sie standen hier und unterhielten sich, während Lars sie fröhlich verhöhnte, während er zwar angeschlagen, aber offensichtlich noch immer viel zu fit, zwischen den beiden männlichen Aktiven hing. Das stellte sie sich nicht unter 'einen Feind unschädlich machen' vor. Aber gut, das war ja auch nicht jedermanns Sache. „Aber ich kann mich darum kümmern. Ich bin ja schließlich nicht nur hier, um Strafzettel zu verteilen. Und wir wollen ja nicht, dass du noch mal die Chance hast, ihnen zu entkommen.“ Mit diesen Worten zückte sie eine Pistole und richtete sie auf Lars' Kopf.
    Damit war es mit Simones Beherrschung endgültig vorbei. Es gab eine klare Anweisung vom Rat, der selbst bei Männern wie Lars griff. Es wurden Gefangene gemacht und Verurteilungen ausgesprochen. Und keinem sinnlosen Morden gefrönt. Und das wäre es nun mal in dem Moment, wo Lars nun krepierte, obwohl er längst in Gewahrsam und unschädlich war. Zumal er ja auch definitiv wichtige Kenntnisse über die IMA hatte, die in Verhören herauszufinden waren. Wäre er nun im Kampf gestorben, wäre das irgendwie vertretbar gewesen, weil es eben manchmal einfach eskalierte. Aber eine in dem Augenblick wehrlose Person zu töten, stand jedem Prinzip des Rates entgegen. Und das er ihr drohte und Dinge sagte, die sie nicht hören wollte, war ja keine Überraschung, nachdem sie sich wie Rambo persönlich vor ihm präsentierte. War ja auch nicht so, dass Simone in den letzten Monaten nicht wie viele Male erklärt hatte, dass es das Beste war, Lars Viklund-Holm nie zu begegnen. Aber es war nicht nur die Empörung, sondern vielmehr auch die Tatsache, dass Anja da gerade tatsächlich unterstellte, sie und ihr Team würden keine anständige Arbeit leisten. Das verletzte die Aktive zutiefst. Immerhin hatten sie den verdammten Lars Viklund-Holm nun mal gefangen. Und da konnte Anja noch so viel dazu beigetragen haben, ihn lange genug hinzuhalten, sie und ihre Aktive hatten ihren Job verdammt noch mal scheiße gut gemacht! Und überhaupt … was nahm sich ein verdammter Mensch heraus, die Arbeit der Aktiven beurteilen zu wollen oder gar konkrete Vorgaben anzubringen? Ihre Leute riskierten hier Tag und Nacht ihren Arsch, um die Menschen vor der IMA zu bewahren, denn die IMA war nun mal im Grunde das Hauptproblem für die Menschen. Jeder Übernatürliche war wesentlich sicherer vor ihnen, nein, es waren die Menschen, für die sie das alles machten, Bollwerk für jegliche Angriffe der übernatürlichen Terroristen spielten, sich Regeln der Regierungen aufdiktieren ließen, aber gut genug für die Drecksarbeit waren, und dieser Mensch hier vor ihr nahm sich nun raus, genau das zu kritisieren? Simone war gerade verflucht egal, in welcher Beziehung sie zu Anja stand, das war eine einzige bodenlose Frechheit. Flammen tanzten um ihre Finger, als sie mit einer derart schnellen Bewegung nach Anjas Waffe griff, dass die Polizistin tatsächlich überrumpelt war, weil ihre gesamte Konzentration nun einmal noch immer auf ihrem Ziel gelegen und sie die Aktiven nicht als potentielle Gefahr gesehen hatte.
    „Du“, schnauzte sie sie an, geradezu außer sich vor Wut, weil sich die gesamte geballte Frustration, die nicht zuletzt auch Lars die letzten Minuten in ihr geschürt hatte, mit einem Mal entlud. „Behinderst die Arbeit des Rates.“ Mit diesen Worten war sie schon hinter Anja gewirbelt, hatte ihr ein Bein in die Kniekehle gerammt, und sie somit zu Fall gebracht. „Damit mache ich Gebrauch von meinem Recht, dich zu verhaften. Wegen Behinderung der Staatsgewalt.“
    Gut, sie fielen technisch gesehen nicht unter die Staatsgewalt, aber auch diese Feinheit war Simone gerade herzlich egal. Stattdessen legte sie Anja tatsächlich Handschellen an.
    „Scheiß die Wand an!“, rief Ian leise aus.
    Dafür würden die Menschen ihnen so was von den Arsch aufreißen, wenn Anja die Geschichte richtig verkaufte. Mikael ging jedoch nicht davon aus, dass sie das tun würde. Vielmehr hatte sie wohl wirklich einen Schuss vor den Bug gebraucht, denn nun schien sie geradezu überrumpelt und hielt zumindest endlich den Mund.
    „Schaff mir diesen Mensch aus den Augen!“, knurrte die Dämonin eine Anweisung Richtung Mikael und nahm seinen Platz an Lars' Seite ein, als er ihrer Order Folge leistete, ohne sie zu hinterfragen und Anja ein Stück von ihnen weg führte, um sie in das nächste Aktiven-Auto zu setzen.
    „Und du bewegst dich jetzt! Die Theateraufführung ist zu Ende!“ Damit begann sie Lars Richtung Auto zu ziehen, damit dieser scheiß Abend hier endlich ein Ende hatte.


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      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Fr 20 Okt 2017, 17:53