Pooly's Kunst und Schreibforum

Liebe Gäste und natürlich auch liebe Mitglieder!


Ich möchte euch alle herzlich willkommen heißen in Pooly's Kunst und Schreibforum!

Zu unseren Mitgliedern sage ich: willkommen zurück.

Und unseren Gästen möchte ich empfehlen, sich vielleicht etwas hier umzusehen. Vielleicht lohnt es sich ja für euch.
Lasst euch nicht abschrecken. Eventuell könnte die Anzahl unserer Foren euch etwas erschlagen. Aber es dauert wirklich nicht lange, bis man sich hier eingefunden hat und im Notfall sind alle User und Teammitglieder bereit, euch unter die Arme zu greifen :)

Viel Spaß!



Pooly & Co.

    Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

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    Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am So 16 Jul 2017, 13:29

    Ein paar einleitende Worte:
    Tada, ein Zweier-RPG-Thread. Ich hätte ja nicht damit gerechnet, mich hier herumzutreiben und Sina hätte sicher noch viel weniger damit gerechnet, dass sie sich hier herumtreiben wird, aber irgendwie … isses ausgeufert. Very Happy

    Seine Anfänge hat das genommen, als ich letzten November eine KuGe für Sinas Reihe geschrieben und einen Charakter von mir eingebaut habe, weil ich ihn passend fand.
    Weiter ging es mit der Charakter-Lounge während der Reunion-Party.
    Und eskaliert ist es nun mit dem Charakter-Talk, der mich zu einer weiteren FF inspiriert hat. *lach*

    Während dem Schreiben dort kommen uns nämlich ständig Ideen für Szenen, die man schreiben könnte und weil die einfach nie geschrieben würden und/oder wir uns über die Zuständigkeit uneinig wären („Das musst du aber schreiben!“, „Dir ist klar, dass ich jetzt eine KG dazu will?“) war dann diese Lösungsmöglichkeit auf einmal die Verlockenste. Mitten in der Nacht sieht man manche Sachen auf einmal so klar … Very Happy

    Der Titel passt zum einen inhaltlich zur Essenzen-Reihe und insbesondere einem der Hauptcharaktere, gleichzeitig drückt er aber auch die Absicht, die wir mit diesem RPG verfolgen, perfekt aus. Very Happy
    Wann immer uns nun also überkommt, werden wir Szenen hier verwursten. Very Happy


    Essenzen-Wahnsinn

    Ria Weber

    Ria schlug das Buch mit einem Knall zu, als der Kellner den bestellten Kaffee brachte.
    „Entschuldigung“, meinte sie sofort, als sie seinen Schrecken bemerkte.
    Mit einem Lächeln versuchte sie ihn zu beruhigen und sein Blick ruhte kurz auf dem Buchdeckel. „Remote Sensing for Geoscientists“. Er nickte verstehend und stellte den Becher ab, nahm von einem anderen Gedeck einen zweiten eingepackten Keks und legte ihn dazu.
    „Dankeschön“, lächelte Ria, erleichtert, dass er ihr das kurze Auszucken nicht übel nahm.
    „Uuuuuh!“, kommentierte Liz, die ihr gegenüber saß, gedehnt, als er auf dem Weg zurück in die Küche war, um das Gebäck zu ersetzen. „Dem hast du es aber angetan. Trotz deiner kratzbürstigen Art.“
    Ria griff nach der Tasse, den Kommentar ihrer braunhaarigen Freundin mit einem Augenrollen quittierend. Liz hatte den Bachelor schon hinter sich und brauchte sich gar nicht so anzustellen! Ria hingegen war mitten in den Vorbereitungen der Entwicklung der Fragestellung für die Bachelor-Thesis und obwohl sie ihr Fach, Geowissenschaft, liebte, raubte ihr die Sekundärliteratur bereits jetzt den letzten Nerv. Dabei hatte sie noch nicht einmal mit der Arbeit angefangen, geschweige denn, mit ihrem Professor gesprochen und überhaupt …
    „Atmen, Ria! Atmen! Alles ist in Ordnung! Es ist nur eine Bachelorarbeit. Herrje, seit wann bist du so panisch?“
    Ria stieß die Luft aus, während sie hektisch Zucker in die Tasse kippte.
    „Wenn ich nichts weiter zu tun hätte, als nur ein bisschen über die Probleme anderer Leute nachzudenken, wäre ich auch gechillter!“, grummelte sie zurück.
    Natürlich wusste sie, dass Liz' Psychologiestudium aus weitaus mehr bestand und die ganze Fachliteratur war vermutlich ähnlich schmeichelhaft wie ihre eigene, aber gerade kam es ihr viel einfacher vor, einen Beruf anzustreben, in dem man später, plakativ ausgedrückt, nur labern würde.
    „Verdammt, bin ich wieder ätzend“, kommentierte sie ihren Fehltritt selbst und räumte mit einer entschlossenen Bewegung das Buch in die Tasche und die Stifte gleich dazu.
    „Jetzt bin ich ganz bei dir!“ Sie lächelte die Freundin an, nicht gewillt, sich die nächsten Stunden wieder von dieser Thesis die Laune vermiesen zu lassen. Immerhin waren ihre Noten gut genug und es gab keinen Grund anzunehmen, warum sie nicht auch diesen Zwischenschritt schaffen würde.
    „Sehr gut!“ Ein Grinsen breitete sich auf Liz Gesicht aus und die Braunhaarige streckte ihre Hand in Rias Richtung aus.
    Sie brauchte einen Moment, um zu verstehen, was Liz von ihr wollte.
    „WAS?!“, quiekte sie schließlich los, als sie den Ring am Mittelfinger als das erkannte, was er war. „Du willst Tom heiraten?!“
    Liz kicherte nervös los. „Er hat mich gestern gefragt“, kikste sie los. „Was meinst du, warum ich mich heute UNBEDINGT mit dir treffen wollte? Das erzählt man nicht per WhatsApp!“
    Na bumm. Ria ließ sich nach hinten in den Stuhl fallen, während sie sich ihre beste Freundin und ihren Bruder in einer Ehe vorstellte. Sie zukünftige Psychologin, er relativ erfolgreicher Fußballer, sie das das villaartige Gebäude, dass sie sich irgendwann zulegen würden, schon förmlich vor sich.
    „Du kriegst dein eigenes Apartment bei uns!“ Darüber hatten sie schon vor Jahren geplänkelt, doch jetzt schien das plötzlich geplant zu sein.
    Liz griff nach ihren Händen, versuchte zu ergründen, was sie von all dem hielt. Und endlich breitete sich das ersehnte Lächeln auf Rias Gesicht aus und sie erwiderte den Händedruck.
    „Scheiße, ihr macht also echt so richtig ernst?!“
    Nervös nickte Liz. „Du wirst meine Trauzeugin! Darauf bestehe ich!“
    Daran hatte Ria keine Zweifel und nun, wo der Schreck verdaut war und diese Nachricht definitiv alle Unisorgen für eine Weile aus ihrem Hirn geblasen hatte, begann sie sich bereits jetzt darauf zu freuen. Noch immer Liz' Hände haltend, erhob sie sich umständlich vom Stuhl, um ihre Freundin hochzuziehen und in eine Umarmung zu ziehen. Das war … Wahnsinn! Sie und Tom waren schon etliche Jahre zusammen, hatten eine kleine Krise hinter sich gebracht, die sie nur noch enger zusammengeschweißt hatte und nun würden sie einen DER Schritte in einer Beziehung wagen. Ria könnte sich nicht vorstellen, zu heiraten, aber für Liz, die vor Freude in ihrem Arm zu schluchzen begonnen hatte, würde definitiv glücklich damit werden. Und für Tom würde Ria die Hand ins Feuer legen.
    „Atmen, Liz, atmen“, wiederholte Ria die vorherigen Worte ihrer Freundin mit neckendem Unterton. „Seit wann bist du denn so hysterisch?“
    „Halt bloß den Mund!“ Liz schubste Ria von sich und beide ließen sich wieder auf den Stühlen nieder.
    Nachdem Ria einen Schluck von ihrem Kaffee probiert hatte, winkte sie angewidert den Kellner herbei.
    „Kann ich einen Cappuccino haben, bitte?“, bestellte sie etwas Neues. „Ich hab … den echt verzuckert.“
    Liz lachte im Hintergrund leise los, während der Kellner mit einem leichten Grinsen nickte, den Müll der Zuckertüten zusammenräumte und die Tasse mitnahm.
    „Vielen Dank“, flötete Ria, angestachelt durch Liz' Enthüllung.
    Verlegenheit breitete sich auf dem Gesicht des jungen Kellners aus und Liz trat unter dem Tisch nach Rias Bein. Hach, der Tag hatte sich gerade enorm verbessert.
    „Da geht noch was!“, lachte Liz los und Ria stimmte mit ein. Jedenfalls war die trübliche Stimmung verflogen und Ria wüsste nicht, was ihr in den nächsten Stunden noch die Laune verderben sollte.


    Zuletzt von Jadelyn am So 16 Jul 2017, 15:43 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am So 16 Jul 2017, 13:58

    Viola (& Marco) Verusco

    Viola musste Marco nicht ansehen, um zu wissen, dass ihr Bruder langsam ungeduldig wurde. Ungeduld war allerdings eine Tugend, die ziemlich gefährlich werden konnte und so versuchte sie immer wieder, ihm nonverbal deutlich zu machen, dass jetzt vielleicht nicht die beste Gelegenheit war, um zu handeln. Natürlich konnte sie nachvollziehen, wieso ihn das nervös machte. Es ging hier immerhin um Terrorismus, und nicht nur um irgendeinen Terroristen, sondern um die IMA und um Lars Viklund-Holm. Diese Leute brachten seit Jahrzehnten Schrecken über die Welt und wenn Viola ehrlich war, machte sie sich Sorgen um die Verantwortung, die auf ihren Schultern ruhte. Die Person, die sie verhören wurde, hatte Kontakt mit Lars gehabt. Lars, der vermutlich Violas Tante Giulia auf dem Gewissen hatte. Lars, der von ihrem Onkel Savio und dem heutigen Präsidenten der Übernatürlichen verhaftet worden war. Das war eine riesige Sache und ja, Viola hatte Angst, es zu versauen. Oder dass ihr ungeduldiger, älterer Bruder das für sie erledigte.
    Die Zielperson saß mit einer Freundin im Café und die vergangenen zwanzig Minuten hatten Viola und Marco einfach an einem Tisch in der Nähe gesessen und so getan, als würden sie beide lesen. In Wirklichkeit hatten sie einfach zugehört (und Marco hatte, zugegebenermaßen, mit voranschreitender Zeit immer ungeduldiger mit dem Fuß vor sich hin gewackelt – verdammt, der machte sie wahnsinnig!).
    Es war immer mit einem gewissen Risiko verbunden, jemanden in der Öffentlichkeit mitzunehmen. Zwar würden sie im Zweifelsfall einfach als in Zivil gekleidete normale Polizisten durchgehen, trotzdem warf es schnell unangenehme Fragen auf. Es wäre einfacher gewesen, Marianne Weber einfach von zuhause abzuholen. Aber die Zeit saß ihnen im Nacken, denn in jeder Sekunde, die verstrich, konnte Lars Viklund-Holm irgendwelche schlimmen Dinge planen und seinem Ziel, die Magie zu enthüllen, einen Schritt näher kommen. In dem Sinne verstand Viola die Ungeduld ihres Bruders doch ganz gut.
    Viola legte die Zeitung, die sie zur Tarnung gelesen hatte, langsam auf dem Tisch ab und stand schließlich auf. Sie würden nicht drum herum kommen, sie anzusprechen und direkt mitzunehmen, wenn sie hier bald vorankommen wollten. Dummerweise schien Mariannes Freundin eine Blase aus Stahl zu haben, denn verflucht, konnte die nicht wenigstens langsam mal auf Toilette gehen, damit sie ungestört mit der Zielperson sprechen konnten?
    Marco blieb noch sitzen, aber das war gut so. Vielleicht würde die junge Frau bereit sein, sie direkt zu begleiten, vielleicht würde sie aber auch auf dumme Gedanken kommen und versuchen zu fliehen. In dem Fall wäre es besser gewesen, wenn sie glaubte, dass Viola ihr einziges Problem war.
    Schließlich war Viola am Tisch der beiden jungen Frauen angekommen und wandte sich Marianne zu. „Marianne Weber?“, fragte sie trotzdem noch mal nach. Natürlich wusste sie in Wirklichkeit bereits, wie sie aussah. Die Abteilung für Technik und Information hatte sichergestellt, dass Viola und Marco alle Informationen, die sie benötigten, bekommen hatten. „Mein Name ist Viola Verusco.“ Sie hielt Ria einen Ausweis hin, der auf den ersten Blick nicht von einem normalen Polizeiausweis zu unterscheiden war. Eigentlich hatten alle Aktive auch einen richtigen Dienstausweis, der auf ihren wahren Arbeitgeber – den magischen Rat – hindeutete, aber hier in der Öffentlichkeit war es legitim, sich als Polizistin auszugeben. „Ich muss Sie bitten, mich zu begleiten. Ich muss Ihnen ein paar Fragen stellen.“ Wäre die andere Frau nicht da gewesen, wäre das alles wesentlich leichter gewesen, denn dann hätte sie ihr auch direkt gesagt, dass es um Lars ging, aber so war das nicht so einfach.  
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am So 16 Jul 2017, 14:34

    Ria Weber

    Das Thema war längst beim Punkt des Brautkleides angekommen und Ria versuchte Liz das weiße Kleid auszureden.
    "Mach was Unkonventionelles!", beharrte sie auf ihrer Meinung, Liz müsste die Hochzeitsgesellschaft irgendwie erschrecken.
    Liz sah das leider nicht so.
    „Meine Güte, ich will das schockierte Gesicht deiner Familie sehen“, packte Ria schließlich den letzten Trumpf aus, der das Thema leider beendete, denn Liz' Plan sah definitiv nicht vor, vor Empörung enterbt zu werden.
    Dass ihr Gespräch seit längerem belauscht wurde, war keinem von ihnen aufgefallen. Zwar hatten sie die anderen Gäste an den Tischen kurz mit ihren Blicken gestreift, doch da keiner von ihnen herausgestochen war (so wie der Betrunkene vor ein paar Wochen, oder der Punk mit Ratte auf der Schulter, der des Lokales verwiesen worden war, vor rund einem halben Jahr) hatten sie sie nicht weiter beachtet.
    Der Kellner brachte das neue Getränk und Ria bedankte sich überschwänglich, noch immer ganz begeistert von den neuen Enthüllungen. Nach seinem Verschwinden vom Tisch sprachen sie weiter und wurden schließlich durch eine Frau unterbrochen.
    „Ja“, erwiderte Ria verwirrt auf die Frage bezüglich ihres Namens hin und tauschte einen kurzen Blick mit Liz, die offenkundig irritiert war.
    Ein erster Schrecken machte sich in Ria breit, während sie verzweifelt überlegte, was zum Geier sie angestellt haben mochte, dass die Polizei sie suchte. Ria war mit dem Rad hier, keine Unfälle in der letzten Zeit, ihr Fahrrad stand auch noch angekettet an dem Mäuerchen, sie konnte es vom Platz aus sehen, entwendet oder beschädigt worden war es also offensichtlich nicht.
    „Worum geht es?“, erwiderte sie also perplex, während es in ihrem Kopf noch immer ratterte.
    Die einzige Geschichte, die sich zugetragen hatte und die mit viiiel Phantasie vielleicht die Polizei involvieren würde, war das unerlaubte Betreten eines Privatgeländes bei einer Geländeübung vor wenigen Monaten gewesen. Aber selbst das war mit dem Dozenten, in dessen Seminar die Übung stattgefunden hatte, im Nachhinein abgeklärt worden und der Besitzer hatte zwar seinen Unmut kundgetan, sich aber unter Murren breitschlagen lassen, keine Anzeige zu erstatten, sofern nun nicht regelmäßig marodierende Studenten (er hatte maßlos übertrieben, Ria und ihre Gruppe hatten nur eine inoffizielle Abkürzung genommen) auf seinem Grundstück hingen. Ansonsten … war da nichts. Außer …
    „Ist etwas mit meinen Eltern?“, formulierte sie den nächsten Gedanken laut aus.
    Das würde die Polizei erklären, vielleicht war ihrer Mutter etwas zugestoßen, sie hatte vor einer Weile erst gesundheitliche Beschwerden gehabt, es aber nicht mehr im Krankenhaus ausgehalten. Und ihr Vater reiste wie schon immer regelmäßig, da konnte natürlich auch etwas passiert sein, aber warum käme die Polizei dann zu ihr und nicht zum jeweils anderen Elternteil? Es sei denn, es hatte einen Unfall gegeben, der vielleicht beide …
    Sie merkte kaum, wie sich ihre Atmung beschleunigte, während sie sich gleichzeitig fragte, warum ihr dieser Gedanke nicht zuerst gekommen war. Es war so naheliegend, dass etwas geschehen sein musste, dass man das gar nicht erst in Erwägung zog …
    Liz beäugte die Polizistin ebenfalls, analysierte ihre angespannte Haltung automatisch, während sie auch Rias steigende Nervosität wahrnahm. Hoffentlich war nichts passiert, ihre Gedanken kreisten ebenfalls um eine Verunglückung der Webers und sie dachte automatisch daran, was sich Ria für Vorwürfe machen würde, wenn da etwas geschehen war und sie es nicht mitbekommen hatte.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am So 16 Jul 2017, 14:58

    Viola (& Marco) Verusco

    Natürlich war das nicht so einfach. Viola verspürte auch durchaus etwas Mitleid, weil sie die junge Frau scheinbar gerade so in Panik versetzte, andererseits bestand eben auch die Möglichkeit, dass sie mit Lars und seinen Absichten in irgendeiner Form sympathisierte. Das wäre für sie als Mensch zwar vergleichsweise dumm gewesen, das machte es allerdings nicht unmöglich. Das wäre immerhin nicht das erste Mal gewesen, dass Lars und seine Organisation irgendwelche Menschen rekrutierten, indem sie ihnen irgendwelche Märchen erzählten.
    „Es hat nichts mit Ihrer Familie zu tun, machen Sie sich keine Sorgen“, sagte Viola daher ruhig und nahm aus den Augenwinkeln wahr, dass Marco immer nervöser wurde. Wenn man ihn nicht gut kannte, war er vermutlich nach wie vor nichts anderes als ein Unbeteiligter, der bestenfalls neugierig geworden war, was da am anderen Tisch gerade vor sich ging, aber Viola kannte ihren Bruder gut genug, um zu wissen, dass ihm das alles schon wieder zu lange dauerte. Sie war froh, dass sie das Reden übernommen hatte. Marco hätte sich Marianne vermutlich einfach über die Schulter geworfen und in aller Öffentlichkeit zum Auto getragen, wenn alle Stricke rissen.
    „Ich möchte Ihnen nur ein paar Fragen stellen. Das würde ich aber gerne unter vier Augen machen. Sie können danach wieder gehen.“ Denn handfeste Beweise, dass sie etwas getan hatte, was nicht erlaubt war, gab es ohnehin nicht. Generell wollte sie das Mädchen auch noch nicht unbedingt als Schuldige sehen. Sie nahm die Sache ernst, aber im Idealfall war das alles nur ein blöder Zufall, der sie allerdings auf die richtige Spur bringen würde. Denn im Ernst, Lars musste nun einmal möglichst schnell wieder nach Lítla Dímun gebracht werden. Wer konnte schon wissen, was er ansonsten noch anstellen würde?
    Viola unterdrückte ein Seufzen. Sie waren so oder so schon aufgefallen und sie machte es sicherlich nicht besser, indem sie um das Problem herumredete. Also war es vermutlich doch besser, wenn sie ihr zumindest sagte, worum – oder eher um wen – es ging. „Ich habe nur einige Fragen zu Ihrem Gespräch mit Lars Viklund-Holm.“ Sie würde wohl so oder so jemandem Bescheid sagen müssen, dieses Ereignis aus dem Kopf von Mariannes Freundin zu löschen, insofern machte es keinen großen Unterschied mehr, ob sie den Namen nannte oder nicht. „Aber wie gesagt, ich möchte darüber nicht hier sprechen.“ Wenn Ria sie nun noch immer nicht begleitete, würden sie wohl deutlicher werden müssen und ihr klar machen, dass das hier nicht ausschließlich auf freiwilliger Basis lief, aber diese eine Chance wollte Viola ihr zumindest noch lassen, sich dazu zu entschließen, sie ohne großes Tamtam zu begleiten. Spätestens danach würde Marco vermutlich sowieso die Nerven verlieren und auch Violas Geduldsfaden hatte irgendwann schließlich ein Ende. 
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am So 16 Jul 2017, 15:42

    Ria Weber

    Ria stieß einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus. Sie hatte in den Sekunden, die die Antwort gedauert hatte, inzwischen tatsächlich das Schlimmste befürchtet.
    „Um was geht es dann?“, hakte sie weiter nach, obwohl sie im Grunde schon wusste, dass sie aus was für einer Sache auch immer wohl so bald nicht mehr raus kam und sich den entspannten Nachmittag mit Liz wohl abschmieren konnte.
    Sie wollte gerade weiter nachbohren, ob es sich um den Vorfall der Geländeübung handelte, als die Polizistin, Viola, den Nachnamen hatte sie schon wieder vergessen, endlich rausrückte, worum es ging.
    Ria starrte sie einige Momente lang nur an. Lars … war etwas, auf das sie am allerwenigsten gekommen wäre, weil sie seit diesem durch und durch dämlichen Abend, in dem sie sich zu einem Besuch in einem Chatraum hatte hinreißen lassen, um während ihrer Recherchen für eine Klausur zu prokrastinieren, konsequent damit beschäftigt gewesen war, dieses Gespräch zu verdrängen. Sie wusste bis heute nicht, ob er einfach ein Troll gewesen war oder sich etwas Handfestes dahinter verbarg. In ihrer Panik hatte sie schließlich sogar eine Email an die Pressestelle des Bundestages geschickt, um sich im Falle des Falles nichts vorwerfen zu müssen, obwohl eigentlich alles in ihr geschrieen hatte, was für ein Blödsinn das war. Allerdings hatte sie das bis vor rund zehn Jahren auch bezüglich Vampiren gedacht und war eines Besseren belehrt worden, weswegen sie nun auch Lars' Worte zumindest irgendwie in Erwägung gezogen hatte.
    Während das Bedürfnis, die Polizistin anzuschnauzen, dass sie dazu verdammt noch mal nichts zu sagen hatte, weil sie es einfach vergessen wollte, und das, einfach aufzuspringen und sie stehen zu lassen, obwohl das wohl ziemlich dumm wäre, um die Vorherrschaft rangen, schaltete Liz sich ein.
    „Der Bekloppte aus dem Internet?“
    „Ich hab … zu Lars nichts zu sagen“, stieß Ria schließlich leise hervor, obwohl nichts in ihrer Körperhaltung vermittelte, dass sie irgendwelche Dummheiten in Erwägung zog.
    Sie saß zusammengesunken da, während sie diesen Drecksack dafür verfluchte, ihr nun auch noch im Nachhinein solche Scherereien zu machen. Denn egal, ob nun irgendwas von seinen Worten wahr gewesen war oder nicht, die Scheiße hatte sie nun am Hals. Und wenn man das weiter dachte, hatte sie jetzt vielleicht noch nicht einmal die Polizei vor sich, sondern irgendeine übernatürliche Abteilung. Also in dem Fall, dass irgendwas von seinen Worten doch wahr war. Was wiederum bedeuten würde, dass tatsächlich ein Krieg bevorstand, was bedeutete … Ria schüttelte energisch den Kopf.
    „Ich habe wirklich nichts dazu zu sagen!“, sagte sie noch einmal, nun bestimmter.
    Sie hatte es in den letzten Wochen gerade geschafft, diesen Mist aus ihrem Kopf zu kriegen, die Unruhe in Studienarbeit umzulegen (etwas, was bei der Vampirsache damals schon im Abitur wunderbar geklappt hatte, sie konnte zumindest solchen Stress notentechnisch nützlich verwerten). Da brauchte sie nun niemanden, der das alles wieder aufwühlte.
    „Sie haben doch die Chatverläufe oder können Sie zumindest besorgen. Dann wissen Sie ganz genau, worum es ging.“
    Liz starrte ihre Freundin ungläubig an. Das war nicht gerade die Reaktion, die sie von ihr im Hinblick auf die Staatsgewalt erwartet hätte. Was auch immer da passiert war, Ria hatte sich diesbezüglich sehr verwaschen ausgedrückt und nur von einem Verrückten mit Wahnvorstellungen gesprochen, musste irgendwie doch ernster sein als angenommen. Ihr Blick fiel auf den Tisch, an dem die Polizistin zuvor gesessen hatte. Ein Mann beobachtete die Szenerie genau und Liz war sich sicher, dass es sich dabei nicht um eine Zufallsbekanntschaft der Frau handelte.
    „Du solltest besser mitgehen“, riet sie ihr also, bevor die Polizistin etwas sagen konnte. Wie das sonst enden würde, war offensichtlich und das konnte doch nicht nur ihr klar sein! „Ich kümmer mich um die Rechnung und hol dich nachher ab!“
    Ria wusste genau, dass an Liz' Ratschlag eigentlich kein Weg vorbei führte und doch schrie alles in ihr danach, jegliche Unterhaltung in Richtung Lars zu vermeiden. Was … irgendwie möglicherweise tatsächlich dumm wäre. Nicht … dass sie damit noch ein Bild erzeugte, das definitiv absolut durch und durch falsch war. Ihre Gegenwehr hier könnte immerhin auch ziemlich missverstanden werden, falls an Lars' Worten etwas dran war. Verdammt, das hatte sie nicht bedacht. Und würde sie nicht auch die Möglichkeit haben, endlich herauszufinden, ob etwas an seinen Worten dran war?
    „Ja“, stimmte sie also zu, was sowohl an Liz, als auch die Polizistin gerichtet war.
    Mit fahriger Handbewegung griff sie nach der Tasse, kippte den Cappuccino hinunter und stand schließlich auf, dabei nach ihrer bunten Handtasche greifend.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am So 16 Jul 2017, 16:16

    Viola (& Marco) Verusco

    Die Anspannung war fast schon greifbar. Mittlerweile fürchtete Viola wirklich, dass ihr Bruder gleich kurzerhand aufspringen und sich Marianne schnappen würde. Sie hatte ihn aus den Augenwinkeln eben zumindest verdächtig zucken sehen. Im Prinzip war es ja auch ganz  einfach: Ria konnte sie nun entweder widerstandslos begleiten oder sie konnte ganz offiziell abgeführt werden. Aufmerksamkeit hatten sie so oder so schon auf sich gezogen, aber im Moment war das etwas, was sich unter Umständen noch wegerklären ließ. Der Rat wollte natürlich immer gern vermeiden, Gedächtnisse zu manipulieren, wenn es nicht unbedingt nötig war.
    Allerdings gestaltete sich das in diesem Fall auf jeden Fall schwieriger als zunächst erwartet, denn Marianne weigerte sich. Sie wollte also zu Lars nichts sagen. Das war interessant. Und ja, Viola kamen sofort diverse Gedanken dazu. Denn warum hätte sie sich dagegen sträuben sollen, wenn sie nichts zu verbergen hatte? Bisher hatte sie Marianne eher als Zeugin gesehen und weniger als tatsächliche Verdächtige, aber jetzt war sie sich nicht mehr so sicher. Dementsprechend war ihre linke Augenbraue etwas in die Höhe gewandert, als Marianne geäußert hatte, dass sie zu Lars nichts zu sagen hätte und als sie von den Chatverläufen anfing. Ja, natürlich konnte der Rat die Chatverläufe besorgen, aber verflucht noch mal, es ging hier um Lars Viklund-Holm, den gefährlichsten Terroristen, den die übernatürliche Bevölkerung jemals hervorgebracht hatte und nach allem, was sie wusste, konnte der komplette Chatverlauf auch gespickt sein mit irgendwelchen codierten Nachrichten. Außerdem hätten sie für den genauen Inhalt der Chatverläufe entweder mit den Menschen zusammen arbeiten oder sie ihnen abjagen müssen und das wurde vermieden, solange es möglich war. Wahrscheinlich behielten der Bundesnachrichtendienst und das Bundesamt für Verfassungsschutz Marianne Weber ihrerseits so oder so auch schon im Auge. Denen war wahrscheinlich auch nicht entgangen, dass sie mit Lars kommuniziert hatte.  
    Wenn es also sein musste, ja, dann würden sie und Marco Marianne notfalls an den Haaren aus diesem Café und in den nächstbesten Ratsverhörraum schleifen. Und wenn sie wirklich nichts zu verbergen hatte, dann tat es Viola natürlich auch leid, dass sie in diese ganze Sache mit hinein gezogen worden war, aber darauf konnte sie jetzt einfach keine Rücksicht nehmen. Dafür stand hier zu viel auf dem Spiel.
    Marco schien sich wieder zu entspannen, als klar wurde, dass Marianne sie nun doch noch begleiten würde. Aus den Augenwinkeln bemerkte Viola, dass ihr Bruder einen großzügigen Geldschein auf den Tisch legte, um zu bezahlen und ein nettes Trinkgeld zu liefern, und schließlich aufstand.
    „Danke, dass Sie so vernünftig sind, uns zu begleiten. Ich bin sicher, es lässt sich ganz schnell alles klären“, sagte Viola noch und lächelte zumindest ein wenig. Was nicht bedeutete, dass sie der Zielperson nun plötzlich vertraut hätte – im Gegenteil, ihr schlechtes Gefühl aufgrund ihrer Reaktion war noch immer vorhanden – aber das war ja noch kein Grund, unfreundlich zu sein.
    Damit begleitete sie Marianne, gefolgt von Marco, nun nach draußen und führte sie zu einem schwarzen Audi A5 Sportback, der fast direkt vor dem Café stand. „Setzen Sie sich auf den Rücksitz, mein Bruder Marco wird Ihnen dort Gesellschaft leisten“, forderte sie Ria freundlich, aber bestimmt auf. Mittlerweile war Marco noch immer dort. Somit setzte Viola sich auf den Vordersitz und wartete, bis Marco und Marianne auch eingestiegen sein würden. Notfalls würde Marco eben nachhelfen, wenn sie es sich doch noch anders überlegen sollte.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am So 16 Jul 2017, 17:02

    Ria Weber

    Ria wechselte noch einen kurzen Blick mit Liz, die ihr aufmunternd zulächelte, bevor sie Viola folgte. Neugierige Blicke der übrigen Gäste quittierte sie mit einer Grimasse, war ja schließlich nicht ihre verdammte Schuld, dass die Polizei sie hier gerade förmlich abschleppte.
    Auf die Worte Violas nickte sie nur leicht. Vermutlich dienten sie eh der reinen Höflichkeit. Was sollte sie dazu sagen? Kein Problem, mache ich gerne? Das wäre schlichtweg gelogen, denn sie befand sich definitiv nicht gerne auf diesem Ausflug. Dass es sich schnell klärte, hoffte sie auf jeden Fall intensivst!
    Ria sah keinen Grund, es sich nun noch anders zu überlegen. Sie würde bestimmt nicht versuchen zu türmen. Schließlich hatte SIE überhaupt nichts getan. Unsicher stieg sie also in den Wagen und griff schon automatisch nach dem Anschnaller, die würden sich ja kaum im Auto mit ihr unterhalten. Vermutlich kam sie in irgendeine geheime … Ria verbot sich weiter zu denken. Sie spürte, wie Nervosität jeden noch so kleinen Winkel ihres Körpers ausfüllte. Wenn das wirklich keine normalen Polizisten waren, weil Lars die Wahrheit gesagt hatte, saß sie hier vielleicht gerade mit Vampiren im Auto. Dieser Gedanke brachte sie wieder auf das, was Lars ihr vorgeworfen hatte. Sie schluckte mehrmals hektisch, diese ganze Übernatürlichen-Sache war ihr total suspekt und sie betete, obwohl sie kein gläubiger Mensch war, dass die ihr nun einfach sagen würden, dass Lars tatsächlich nicht mehr als ein stunkmachender Internetkleinkrimineller war. Alles andere … war nicht akzeptabel.
    Sie wollte irgendetwas sagen, ihrer Anspannung Luft machen, doch kein passendes Wort kam über ihre Lippen. Verdammt, wieso fühlte sie sich in irgendeiner Form als Schuldige? Egal, welche Erkenntnis dieses Gespräch bringen würde, sie war einfach der Idiot gewesen, der eben als Gesprächspartner hergehalten hatte. In welchem möglichen Szenario auch immer traf sie keine Schuld.
    „Wo fahren wir hin?“, stieß sie schließlich hervor, musste die Worte beinahe auswürgen, während sie sich gleichzeitig fragte, was die Polizisten in ihr sahen und ob der Mann neben ihr sie mit einer Waffe oder Magie in Schach halten würde, wenn die dumme Ideen hätte.
    Nicht, dass sie die hatte. Sie kauerte sich förmlich in ihrem Sitz zusammen, hatte gar keinen Blick für das Fahrzeugmodell, das sie ansonsten wohl begeistert hätte.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am So 16 Jul 2017, 17:29

    Viola (& Marco) Verusco

    Zumindest stießen sie nun nicht noch auf weitere Widerstände. Das war ein Fortschritt, denn Viola war sich wirklich nicht sicher gewesen, ob das nicht doch noch alles problematischer wurde, als zunächst gedacht. Jetzt war es aber ja doch noch gut ausgegangen und auch wenn die Gäste im Café neugierig gewesen war, würde niemand einen magischen Ursprung darin vermuten, sondern einfach davon ausgehen, dass sie eben irgendwelche Ermittler in Zivil waren. Insofern sollte es wohl keine großen Probleme geben. Wichtiger war es nun also, Marianne zur nächstbesten Ratsunterzentrale zu bringen, damit sie sich dort mit ihr unterhalten konnten.
    Viola ging allerdings nun auch nicht weiter auf Ria ein, denn den Rest konnte nun auch gut und gerne Marco unternehmen, immerhin saß dieser direkt neben der jungen Frau.
    „Wir sind Aktive beim Magischen Rat und wir bringen Sie in eine Unterzentrale des Rates, damit wir uns dort mit Ihnen unterhalten können“, entgegnete Marco und beobachte dabei aufmerksam ihre Reaktion.
    „Wir befragen nur selten Menschen“, warf Viola nun doch noch ein. „Aber ich bin wie gesagt zuversichtlich, dass sich der Sachverhalt bestimmt schnell klären wird.“
    „Ansonsten können Sie sich natürlich auch mit unseren Kollegen von den deutschen Geheimdiensten unterhalten, aber unter uns gesagt glaube ich, dass wir die netteren und nachsichtigeren Gesprächspartner sind“, fuhr Marco fort.
    Viola warf ihm über den Rückspiegel einen scharfen Blick zu. Er machte es nicht unbedingt besser, indem er sie jetzt schon indirekt unter Druck setzte. Manchmal war er echt ein Idiot, aber er war gut in seinem Job und wenn man guter Cop, böser Cop spielen wollte – denn ja, natürlich gab es die Masche auch bei Übernatürlichen – dann war er für letztere Rolle eine unglaublich gute Besetzung, denn man nahm ihm den einschüchternden Aktiven ohne Weiteres ab. Nur gab es für solche Maßnahmen in Violas Augen noch gar keinen Anlass. Sie mussten ja nicht gleich übertreiben, Lars hin oder her.
    „Die Fahrt wird auch nicht lange dauern“, informierte Viola Marianne und bog in eine Straße ein.
    Tatsächlich waren sie nur einige weitere Minuten gefahren, bis Viola durch die Schranke eines unscheinbaren Gebäudekomplexes gefahren war, der nach außen hin den Eindruck machte, einfach ein großes Glasgebilde zu sein, in dem sich vermutlich größtenteils irgendwelche Büros befanden. Die Übernatürlichen hatten im Laufe der Jahre ein echtes Händchen dafür entwickelt, ihre Gebäude so unscheinbar wirken zu lassen, dass sie neben den anderen Bürogebäuden der verschiedenen Großstädte nicht weiter auffielen. Viola zeigte an der Pforte kurz ihren Ausweis vor – diesmal den richtigen – damit sie hinein fahren konnten und stellte das Auto schließlich in einem Parkhaus ab. „Da sind wir auch schon“, verkündete sie und stieg aus. Marco tat es ihr gleich.
    „Lassen Sie uns rein gehen, dann können wir Ihnen unsere Fragen stellen und Sie sind uns auch bald schon wieder los.“ Nun, voraussichtlich. Wenn sich nun herausstellen sollte, dass sich Marianne doch nachweislich etwas zu Schulden hatte kommen lassen, war das natürlich etwas anderes. Und natürlich ließen sich Aktive auch immer die Möglichkeit offen, einen Zeugen – oder Verdächtigen – auch mal für ein paar Stunden da zu behalten, aber bisher war Marianne noch ganz offiziell lediglich eine Zeugin, also musste Viola wiederum gerade rein nach Ratsrecht nur ein Minimum an Aufklärung liefern.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am So 16 Jul 2017, 17:43

    Ria Weber

    Während der Antwort des Polizisten spürte Ria förmlich, wie ihr die Gesichtszüge entglitten. Aktive, Rat … das klang alles nach etwas, das in die Welt passte, von der Lars erzählt habe. Damit gab es dann nun auch keine Zweifel mehr, dass seine Worte zumindest das betreffend, wahr gewesen waren. Ria spürte ein flaues Gefühl in ihrem Bauch und bemühte sich einige Momente bewusst ein und aus zu atmen. Nicht, dass sie am Ende noch ihre bisherige Tagesspeisen auf den Sitzen verteilte …
    „Wieso tut ihr es dann bei mir?“, gab sie auf die Feststellung bezüglich der seltenen Menschenbefragung zurück.
    Bei der unverhohlenen Drohung stieg automatisch ein starkes Gefühl der Antipathie in ihr auf. Verdammt, sie kooperierte doch! Was sollte dieses Getue dann?
    „Erwecke ich gerade den Eindruck, einer Konversation gänzlich abgeneigt zu sein?“, erkundigte sie sich in fast schon scharfem Tonfall. „Spielen Sie auf vorhin an? Es tut mir leid, aber es ist nicht gerade eine alltägliche Situation, von einer übernatürlichen Staatsgewalt verschleppt zu werden! Mich mit meiner mangelnden Begeisterung verdächtig zu machen, lag definitiv nicht in meiner Absicht.“
    Es tat gut, verärgert zu sein, lenkte von dem Bedürfnis, sich heulend auf dem Sitz zusammenzurollen und zu hoffen, dass diese schräge Situation bald endete, ab.
    Sie presste die Lippen zusammen, starrte stur geradeaus, während sich ihre Gedanken überschlugen. Er hatte die Geheimdienste erwähnt. Also hingen die menschlichen Regierungen tatsächlich auch mit drinnen. Ob ihre Email dann wohl angekommen und nicht direkt im Papierkorb gelandet war? War es die gewesen, die diese Ermittler auf ihre Spur gebracht hatte?
    Am Zielort angekommen, stieg sie ebenfalls aus und hielt sich an Viola, die ihr wesentlich umgänglicher erschien. Vielleicht stimmten deren Worte ja wirklich und das Ganze ließe sich schnell über die Bühne bringen.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am So 16 Jul 2017, 18:25

    Viola (& Marco) Verusco

    Für gewöhnlich war Viola recht aufmerksam und so entging ihr auch in diesem Fall nicht, dass Marianne ziemlich angespannt wirkte. Allerdings war das auch nicht weiter verwunderlich und konnte tatsächlich ziemlich viele Ursachen haben. Im Endeffekt konnte der Grund ja auch ganz banal sein, dass sie eben Kontakt zu Lars hatte, noch immer, und deswegen nun langsam nervös wurde.
    „Weil die Ermittlungen rund um Lars Viklund-Holm in den Aufgabenbereich des Magischen Rates fallen“, klärte Marco Marianne schlicht auf. „Die Behörden der Menschen lassen uns den Vortritt, aber wenn wir nicht weiter kommen, werden sie sich sicher auch noch einschalten. Ich nehme an, dass Sie dort ohnehin bereits unter Beobachtung stehen.“
    Marco sah das also offensichtlich wie Viola. Er ging ebenfalls davon aus, dass die Geheimdienste mindestens der Bundesrepublik Deutschland schon Interesse an ihr hatten. Und wo die waren, waren vermutlich auch zumindest die amerikanischen und britischen Geheimdienste nicht weit. Lars stand nun einmal auch bei den menschlichen Behörden – oder zumindest bei ausgewählten Abteilungen ausgewählter Behörden – auf der Beobachtungsliste beziehungsweise sammelten die auch fleißig Informationen über alles, was sie zur IMA in die Finger bekommen konnten. Offiziell leugneten die Menschen zwar ganz gerne, den Rat und seine Angelegenheiten auszuspionieren. Trotzdem wusste jeder, dass die Menschen sie mit ihren Geheimdiensten ausspionierten und es war auch allen Übernatürlichen und allen menschlichen Regierungen mit Sicherheit restlos klar, dass die Abteilung für Technik und Information beim Magischen Rat wiederum auch die menschlichen Behörden im Auge behielt. Aber gut. Das war jetzt nicht weiter wichtig.
    „Wir haben Sie nicht verschleppt“, stellte Marco noch ruhig klar. „Wenn wir Ihnen auf dem Weg von Ihrer Uni nach Hause aufgelauert hätten und Sie einfach ohne Vorwarnung in ein Auto gezogen hätten - dann hätten wir Sie verschleppt. So haben wir einfach um ein Gespräch gebeten. Was es mit Ihrer Reaktion von vorhin auf sich hatte, wird sich noch zeigen.“
    Bravo, Marco. Er machte es wirklich nicht besser. Trotzdem hielt Viola sich noch zurück, denn es machte auch keinen besonders guten Eindruck, wenn sie ihren Bruder vor der Zeugin zurechtwies, solange es noch nicht unbedingt nötig wurde.
    Schließlich führte Viola Marianne in einen fensterlosen Verhörraum, der mit dem schlichten Tisch und den Stühlen, die um diesen Tisch herum standen sowie dem großen Einwegspiegel, eigentlich jedes Klischee eines Verhörraums erfüllte, wie man sie aus diversen Krimis kannte.
    Marco holte noch die Akte, bevor er sich zu ihnen gesellte.
    Viola und Marco setzten sich nebeneinander und die dunkelhaarige Aktive deutete auf den Stuhl, der ihren beiden gegenüber stand. „Setzen Sie sich bitte, Marianne.“ Sie nahm Marco die Akte ab und warf einen kurzen Blick hinein. An sich machte Marianne einen unscheinbaren Eindruck. Aber natürlich sah sich Viola die Akte jetzt nicht zum ersten Mal an und es gab schon die ein oder andere Ungereimtheit, der sie auf den Grund gehen würde. „Der Name Lars Viklund-Holm ist Ihnen offensichtlich nicht unbekannt, Sie haben vorhin darauf reagiert. Was können Sie uns über Ihr Gespräch mit ihm sagen? Sie müssen sich natürlich nicht selbst belasten.“
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am So 16 Jul 2017, 19:18

    Ria Weber

    Irgendwie hätte Ria sich diese Antwort denken können. Das machte natürlich Sinn. Immerhin ging es um einen ihrer Terroristen und um kein menschliches Problem.
    „Müssten nicht eigentlich Sie viel weiter kommen?“ machte sie ihrem Unglauben Luft, dass die Übernatürlichen auf die Hilfe der Menschengeheimdienste angewiesen wären. Wer hatte denn Magie und all das? Es wäre doch sicher kein Thema, in die Köpfe der Leute gucken zu können. Gedanken manipulieren konnten sie immerhin, zumindest laut Lars, und dass Vampire da ebenfalls nicht ganz unbewandert waren, wusste sie aus eigener Erfahrung.
    Unter Beobachtung beim Geheimdienst … wieder blieb Ria beinahe die Luft weg. Das … hatte sie schlichtweg nicht bedacht. Aber es war so logisch. Wahrscheinlich wussten bereits sämtliche Sicherheitsabteilungen mehr über sie, als sie selbst …
    „Ich kenne den Unterschied“, knirschte Ria beinahe, als Marco sie darüber aufklärte, sie nicht verschleppt zu haben. „Eine Wahlmöglichkeit hat Ihre Bitte allerdings offensichtlich nicht inkludiert!“
    War es unklug, so mit ihm zu reden? Ria wusste es nicht. Sie war ja nicht widerwillig, weil sie was zu verbergen hatte. Sie war widerwillig wegen Marcos Umgangsformen, wegen Lars, wegen den Übernatürlichen und all den Dingen, mit denen sie nun plötzlich konfrontiert war, obwohl am Morgen noch ihre größte Sorge gewesen war, ob sie Liz nicht mit ihrer Angespanntheit bezüglich des Bachelorthemas nerven würde.
    Ria folgte Viola widerstandslos. Beim Anblick des Verhörraumes musste sie trocken auflachen. Solche Zimmer hatte sie schon Dutzende Male gesehen; immer wenn sie die Krimis mit ihrer Mutter zusammen angeschaut hatte. Der letzte war noch nicht allzu lange her, irgendein Tatort. Sie ließ sich auf den Stuhl und die Tasche neben sich fallen, während ihr das alles unglaublich surreal vorkam. Jeden Moment erwartete sie das Auffliegen der Tür und einen lustigen, verkleideten Beamten, der ihr lachend ein „Willkommen bei 'Verstehen Sie Spaß' entgegen rief. Doch der Raum blieb verschlossen und anstelle einer derartigen Erleichterung klärte Viola sie über ihr Recht zu schweigen auf. Nicht, dass das in ihren Augen viel Sinn machen würde. Ihr 'Ich hab dazu nichts zu sagen.' hatte ihr schließlich schon genug Misstrauen eingebracht und inzwischen ärgerte sie sich darüber.
    „Ich hab mich vor ein paar Wochen am Abend beim Lernen durchs Internet geklickt und bin in einem Chat-Channel hängengeblieben“, begann sie also zu erzählen, überlegte kurz, an welchem Datum genau das gewesen war und nannte den Beamten (wobei, gab es ein Beamtensystem bei Übernatürlichen überhaupt oder waren die angestellt oder wie war das; Ria versuchte die unnütze Frage zur Seite zu schieben und sich wieder auf die Erzählung zu konzentrieren) den exakten Tag, den sie noch wusste, weil sie am entsprechenden Morgen ein paar Bücher hatte zuück geben müssen, um nicht die Mahngebühr zahlen zu müssen.
    „Ich bin mit ihm, ähnlich wie mit allen anderen, ins Gespräch gekommen, wir haben uns halt unterhalten und er hat irgendwann angefangen, diese Sachen zu erzählen. Von Übernatürlichen, von wertlosen Menschen und was er gedenkt mit ihnen zu tun. Ich … war mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Ob da einfach ein verrückter Rollenspieler hinterm Bildschirm sitzt oder ob irgendetwas davon der Wahrheit entspricht. Genau genommen bin ich mir bis vorhin nicht sicher gewesen. Ihr Auftauchen macht es allerdings ziemlich wahrscheinlich. Ich habe ihm gesagt, was ich davon halte, herzlich wenig, er hat mir gedroht und ich habe ihn schließlich ignoriert.“
    Gott, wäre sie eine von den Sicherheitsbeamten, würde sie sich das wohl selbst nicht glauben. Es klang echt bescheuert, wenn man in ihren Maßstäben dachte. Ein gesuchter Terrorist, der sich in Chat-Channels herumtrieb und seine Pläne preis gab? Klang tatsächlich ziemlich dämlich, wenn man es jemandem erzählte.
    „Ich hab Panik bekommen, wusste nicht, was ich machen soll, bei der Polizei anrufen erschien mir irgendwie wenig hilfreich, und habe dann mitten in der Nacht einen Brief an die Kontaktmailadresse des Bundestags geschickt, in der Hoffnung, dass die als vermutlich eingeweihte Politiker wohl wissen werden, was in dem Fall zu tun ist und dass ich mir die Scheiße nicht im Vollsuff aus den Fingern gesaugt habe.“
    Auch wenn es sich verdammt danach anhörte. Sie hatte seinen Namen genannt, von den Plänen die Weltordnung umzugestalten,erzählt, Davids Namen erwähnt, die Rolle der Menschen in dieser neuen Gesellschaft, den drohenden Tod aller hochrangiger menschlicher Politiker.
    „Was hätte ich denn sonst machen sollen? Es ignorieren? Dazu war die Gefahr zu groß, dass es doch wahr ist!“
    Verzweiflung war aus ihrer Stimme heraus zu hören und sie strich sich hektisch eine der violetten Haarsträhnen aus dem Gesicht. Wo blieb der verdammte lustige Beamte mit dem VSS-Schild?!


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am So 16 Jul 2017, 20:02

    Viola (& Marco) Verusco

    „Natürlich kommen wir weiter. Aber es ist nett, dass die Menschen uns den Vortritt lassen“, sagte Marco. Sie waren schließlich nicht unbedingt angewiesen auf die Mithilfe der menschlichen Geheimdienste, aber es besänftigte diese auf jeden Fall, wenn sie das Gefühl hatten, in den Ermittlungen rund um die IMA und Lars so eine Art Mitspracherecht zu haben. Und generell war der Rat ja sehr bemüht darum, gute diplomatische Beziehungen zu den Menschen zu halten. In Violas Augen war das gerade in diesem Fall auch gerechtfertigt, immerhin betraf es die Menschen letztendlich ja auch.
    „Wie gesagt, wenn es Ihnen widerstrebt, sich mit uns zu unterhalten, können Sie auch gerne mit Menschen reden. Das sind dann aber keine netten Polizisten, sondern Geheimdienstagenten und die können … unangenehm werden“, wies Marco noch einmal darauf hin, dass sie beide die wesentlich bessere Alternative waren. Er konnte es offensichtlich einfach nicht lassen. Die Tatsache, dass der Magische Rat auch unangenehm werden konnte, wenn er es für nötig hielt, ließ er weg und darüber war Viola auch ganz froh. Keiner hatte etwas davon, wenn ihr Bruder die Zeugin nun bereits völlig verschreckte.
    Also fing Marianne an zu erzählen … was es nicht besser machte. Viola konnte Marco förmlich mit den Augen rollen hören, dafür brauchte sie ihn nicht einmal anzusehen. Sie kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er ihrer Zeugin nicht das geringste Wort glaubte. Allerdings musste Viola zugeben, dass ihr das auch nicht besonders leicht fiel, denn im Ernst … das klang verdammt unglaubwürdig. Viola war sich lediglich noch unsicher, ob nicht vielleicht genau das dafür sprach, dass es die Wahrheit war oder ob Marianne sie vollkommen veräppeln wollte. In Anbetracht des Ernstes der allgemeinen Lage beschloss sie, vorsichtshalber erst einmal Letzteres verstärkt in Betracht zu ziehen.
    Allerdings kam Marco ihr sowieso wieder zuvor und reagierte, bevor Viola irgendetwas sagen konnte: „Sie möchten uns also sagen, dass Lars Viklund-Holm, ein international und sowohl bei Menschen als auch Übernatürlicher gesuchter Terrorist, in irgendwelchen Chaträumen irgendeinem fremden Menschen seine Pläne verrät? Verstehe ich das richtig?“ Er musterte Marianne wieder, griff nach der Akte, holte sie sich zurück und suchte offenbar nach etwas.
    „Ich habe da eine andere Theorie“, sagte er schließlich. „Den Unterlagen entnehme ich, dass sie vor einigen Jahren schon einmal Kontakt mit einem Übernatürlichen hatten. Ein Vampir, nicht wahr?“ Er machte eine kurze Sprechpause, ließ ihr aber eigentlich nicht die Gelegenheit, zuzustimmen oder es abzustreiten. „Ich vermute eher, dass dieser Vampir sie bereits mit der IMA vertraut gemacht und neugierig auf die Sache gemacht hat. Nun, da Lars frei ist, hat er also Kontakt zu Ihnen aufgenommen, damit sie ihm behilflich sein können. Warum sonst hätten Sie die Drohung an den Bundestag schreiben sollen?“
    Gut, Marco ging nun deutlich weniger subtil vor, als Viola es getan hätte, aber subtil zu sein, war einfach nicht sein Ding. Und vielleicht konnte er ihr auf die Art ja schon mal ein paar wichtige Informationen entlocken, weshalb Viola vorerst nicht eingriff, sondern Marco einfach machen ließ.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am So 16 Jul 2017, 20:30

    Ria Weber

    Ria ging nicht mehr auf die unterschwellige Drohung ein. Immerhin saß sie hier, bereit alles zu erzählen, was sie wusste. Noch während ihren letzten Sätzen bemerkte sie, dass sie offensichtlich jegliche Glaubwürdigkeit verloren hatte. Wie befürchtet. Vielleicht hätte sie doch … einfach nichts sagen sollen.
    Auf die Rückfrage hin nickte sie. „Ich weiß, wie das klingt“, räumte sie ein. „Aber es ist genau so und nicht anders gewesen … vielleicht … hatte er frei oder so. Und wollte die letzten 20 Jahre verpasste Technikentwicklung nachholen.“
    Himmel, sie wusste doch nicht, was Lars dazu bewogen hatte, sich in diesem Channel herumzutreiben. Vielleicht war ihm einfach verdammt langweilig gewesen an diesem Abend. Dass er sich gerne die Zeit damit vertrieb, andere mit seinem Scheiß zu nerven, war schließlich offensichtlich gewesen.
    Ria konnte dem thematischen Sprung im ersten Moment kaum folgen. Nun ging es plötzlich um Adrian?! Den wurde sie offensichtlich auch nicht mehr los … Der Vampir und sie hatten eine Menge Themen gehabt, auch solche die an das Thema Vampire gegrenzt hatten, zumindest am Ende, kurz bevor alles eskaliert war. Aber weder eine übernatürliche Gesellschaft, noch Lars, noch die IMA waren da je auch nur ansatzweise im Gespräch gewesen. Ihr Blick sprach Bände, als sie zu einer Antwort ansetze.
    „Adrian hat kein Wort über Lars, die IMA oder sonstige Dinge in diese Richtung verloren“, sagte sie schließlich.
    Sie schwieg einen Moment, durchkramte ihr Gedächtnis nach Dingen, die sie vielleicht vergessen hatte. Aber sie war sich absolut sicher! Oder war das ein unterschwelliges Thema und sie hatte es schlicht nicht mitbekommen? Blödsinn, so tickte Adrian nicht! Wenn sie ihre Vampirparanoia zur Seite schob, wusste sie, dass das nicht sein konnte.
    „Das.War.Eine.Verdammte.Warnung.“, presste sie mühsam zusammengerissen hervor.
    Wollten die sie verarschen? Sie hatte versucht, das Richtige zu tun, abzuwägen, was für Optionen sie hatte, und nun wurde sie verdächtigt, Lars' Verbündete zu sein?! Sie beugte sich ein Stück über den Tisch in Marcos Richtung, knautschte mit der rechten Hand ihre offene Jeansjacke zusammen, versucht, den Polizist nicht anzuschreien, weil sie genau wusste, dass es das nicht besser machen würde.
    „Ich weiß nicht, ob Ihnen das bereits aufgefallen ist“, begann sie in einigermaßen ruhigem Ton. „Aber ich bin ein Mensch. Glauben Sie allen Ernstes, dass dieser Umstand jemanden wie Lars und mich in irgendeiner Hinsicht kompatibel macht? Dieser Mann hatte seinen Spaß dabei, mir Panik zu machen, wie die Menschheit und ich enden werden. Der gesamte, einen einzigen verdammten Abend lang andauernde Kontakt hat aus dieser moralischen Debatte bestanden. Warum lesen Sie das nicht einfach nach?! Selbiges gilt für die Gespräche mit Adrian. Anstelle irgendwelche dummen Akten von mir auf dem Tisch bedeutungsvoll hin und her zu schieben, könnten Sie sich schwarz auf weiß ausdrucken und vorlegen lassen, worum es in diesen Gesprächen gegangen ist. Das war alles rein persönlicher, zwischenmenschlicher Natur und hatte mit nichts anderem zu tun. Er hat mir nicht mal erzählt, dass es noch was anderes außer Vampiren gibt. Wollen Sie jetzt auch noch im Detail wissen, wie dieser Kontakt zustande kam?“
    Sie musste sich zusammenreißen, das wusste sie. Aber es fiel ihr so verdammt schwer. Dieser Idiot, Marco, hatte sie vermutlich schon als Terroristin eingestuft, bevor er sie das erste Mal gesehen hatte. Weil sie auf einen Vampir gestoßen war. Weil sie auf Lars gestoßen war. Im Internet. Es war immer wieder dieses verfickte Internet. Gut, die erste Begegnung mit Adrian war vorher gewesen, aber nichtsdestotrotz hatte das Internet erst einen weiteren Kontakt ermöglicht. Der sie nun vielleicht in dasselbe Gefängnis brachte, in dem Lars gesessen hatte.
    „Darf ich etwas trinken?“, intervenierte sie abrupt das Verhör und deutete auf ihre Tasche, in der sich eine Wasserflasche befand. „Oder werde ich in Handschellen gelegt, weil ich in Wirklichkeit nach der Waffe greifen will, die Lars mir übers Internet gefaxt hat, nachdem Adrian sie gebaut hat?“


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am So 16 Jul 2017, 21:02

    (Viola &) Marco Verusco


    Jetzt mal ernsthaft … wollte die ihn verarschen? Unabhängig davon, wie tief sie in der Sache wohl drin hing, hatte Marco auf jeden Fall keinerlei Verständnis für irgendwelche Blödsinnigkeiten. Nicht wenn es um die IMA ging. Er war noch ein Kind gewesen, als die IMA das letzte Mal aktiv gewesen war, aber alt genug, um sich noch gut daran zu erinnern. Er erinnerte sich daran, was für einen tiefen Riss die IMA seiner Familie zugefügt hatte. Giulias Tod, dieser riesige Streit zwischen seinen Onkeln Giuseppe und Simone an diesem fast schon furchtbar legendären Weihnachtsfest 1998 … vieles davon hatte Marco erst hinterher verstanden, als er älter wurde, aber er erinnerte sich daran. Und schon allein deshalb verstand er absolut gar keinen Spaß, wenn es um Lars und die IMA ging.
    Ob dieser Vampir wirklich etwas damit zu tun hatte, war fraglich. Die Theorie hatte Marco auch hauptsächlich deshalb in den Raum geworfen, weil er Mariannes Reaktion hatte sehen wollen.
    „Ja, Sie sind ein Mensch, dieser Tatsache sind wir uns selbstverständlich bewusst. Aber Sie wären nicht der erste Mensch, der zur IMA überläuft. Insbesondere Lars ist sehr gut darin, andere in seine Fänge zu ziehen. Ihnen ist aber schon bewusst, dass Lars nicht an Frauen interessiert ist, oder?“ Gut, vielleicht ging er ein bisschen zu weit, ihr ein sexuelles Interesse an Lars zu unterstellen, schon allein deswegen, weil er um Einiges älter war, aber hey, das war alles schon da gewesen. Ihn überraschte nichts mehr.
    Auf die Sache mit den Chatverläufen ging er nicht ein. Das war mit einem Aufwand verbunden, der die Mühe selten lohnte, aber das war nichts, was er vorhatte, ihr auf die Nase zu binden.
    „Kommen wir noch einmal auf die Warnung zurück: Die IMA hat selbst oft Warnungen verschickt, um ihre Anschläge anzukündigen. Sowohl dem Magischen Rat als auch diversen menschlichen Regierungen wurde damals oft auf diese Weise gedroht. Offensichtlich fühlte die Bundesregierung sich von Ihrer kleinen Warnung an diese netten Hinweise seitens der IMA erinnert.“ Gut, hier übertrieb er vielleicht auch wieder ein bisschen, konkret hatte der Verteidigungsminister das Wort merkwürdig benutzt. Aber das ließ ja ein bisschen Interpretationsspielraum.
    Marco hob kurz die Hand, als wollte er sie beschwichtigen. „Nicht nötig. Wir kommen vielleicht später noch einmal auf diesen Adrian zurück.“ Zumindest die Option ließ er sich offen.
    Überraschend war, dass Viola sich so zurückhielt und ihn einfach machen ließ. Manchmal mischte sie sich ziemlich früh ein, wenn sie der Meinung war, dass er zu weit ging, aber in diesem Fall dachte sie wahrscheinlich auch, dass er nicht schaden konnte, Ria ein bisschen aus ihrer Komfortzone zu drängeln. Immerhin ging es hier um die verdammte IMA. Und da auch nicht um irgendeinen kleinen Fisch, sondern um den verfluchten, seit Wochen flüchtigen Anführer.
    Natürlich war Marco klar, dass sie keine Waffe hatte. Zumindest keine, die ihr über das Internet gefaxt worden war. Und da sie bisher auch keine Anstalten gemacht hatte, nach einer Waffe zu greifen, hatte sie vermutlich auch keine. Trotzdem mussten sie hier offensichtlich noch klar stellen, dass sie verdammt noch mal lieber kooperieren sollte. Somit sprang Marco von seinem Stuhl auf, war mit einem Satz mit den Knien auf dem Tisch, der die Grenze zwischen ihm und Viola auf der einen und Marianne auf der anderen Seite bildete und beugte sich zu ihr nach vorne. Sie wollte Handschellen? Die konnte sie haben!
    Also beugte Marco sich weiter vor, griff nach Mariannes Händen und legte ihr tatsächlich Handschellen an. Danach stieg er wieder vom Tisch und ließ sich zurück auf seinen Stuhl sinken, als wäre nichts gewesen. „Gehen wir besser auf Nummer sicher“, meinte er nur großmütig.
    Viola räusperte sich und stand auf. „Ich hole Ihnen ein Glas Wasser.“ Über Mariannes Schulter hinweg warf sie ihm ihren berühmten Darüber-reden-wir-später-Blick zu. Da würde er sich später wohl noch was anhören dürfen.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am So 16 Jul 2017, 21:31

    Ria Weber

    Ria war es schleierhaft, wie ein Mensch so dumm sein konnte, sich einer Organisation wie der IMA anzuschließen. Das grenzte an Unmöglichkeit, denn aus den Ambitionen die Menschen betreffend, machte Lars ja nun wirklich keinen Hehl.
    „Ich sympathisiere NICHT IM GERINGSTEN mit der IMA“, betonte sie noch einmal, auch wenn das offensichtlich überhaupt nicht ankam.
    „Ja ...“, hatte sie schon reflexartig auf die Frage bezüglich Lars' Uninteresse an Frauen und ihrer Kenntnis darüber geantwortet, das hatte er tatsächlich fallen lassen, als er über den Präsidenten gesprochen hatte.
    In dem Moment, wo die Aussage ihren Mund verlassen hatte, wurde ihr klar, dass Marco das vermutlich auch belastend interpretieren würde. Woher sollte sie sowas wissen, wenn sie doch nur einen Abend über moralische Differenzen gesprochen hatten? Da würde er vermutlich nur noch einen weiteren Beweis für einen monate- oder jahrelangen Kontakt zu Lars oder seinen Leuten sehen.
    „Gut, die Warnung war also eine dämliche Idee. Was hätte ich denn bitte sonst tun sollen? So ganz konkret? Was ist das richtige Vorgehen in so einem Fall?“ Nun fokussierte sie bewusst Viola, von der sie instinktiv eine sinnvollere Antwort als von Marco erwartete.
    „Natürlich wollen Sie nichts darüber wissen“, erwiderte Ria resignierend, als er ablehnte, mehr über Adrians und ihren Kontakt erfahren zu wollen. Denn dann müssten Sie vielleicht einsehen, dass tatsächlich nachweisbar ist, dass ihre übernatürliche Gesellschaft oder die IMA nie Thema gewesen sind.“
    Ob Adrian auch schon in einem ihrer Büros hockte und sich dämlichen Fragen unterziehen musste, warum er als Vampir Kontakt mit einem Schulmädchen gesucht hatte oder so?
    Ria schrie leise auf, als Marco plötzlich mit einem Satz auf den Tisch sprang und ihr tatsächlich so schnell Handschellen anlegte, dass sie sich nicht einmal hätte wehren können, wenn sie gewollt hätte. Verdammter Übernatürlicher! Schon saß er wieder auf seinem Platz, während das Mädchen um seine Fassung rang. Schon als zu zu sprechen begonnen hatte, war ihr klar gewesen, dass das eine ganz dumme Idee war. Aber sie hatte sich bei Marcos haltlosen Vorwürfen einfach nicht zurückhalten können. Was ihr nichts weiter gebracht hatte als eine noch demütigendere Position. Violas Worte hatte sie nur nebensächlich wahrgenommen und als sie zu einem Nicken ansetzte, war die Polizistin schon durch die Tür hinaus verschwunden. Gott, die konnte sie mit diesem Irren doch wohl nicht alleine lassen! Sie presste sich mit dem Rücken förmlich gegen die Lehne, um so weit von ihm weg, wie möglich zu sein. Sie spürte Tränen in ihren Augenwinkeln und fokussierte einen Punkt an der Wand. Unsauber verputzt, oder so. Kaum wahrnehmbar, aber genug, um sich darauf zu konzentrieren, und das Losschluchzbedürfnis hinunterzuschlucken. Dann würde sie eben gar nichts mehr sagen! War ja sowieso ganz egal, was sie sagte oder dachte!


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am So 16 Jul 2017, 21:58

    (Viola &) Marco Verusco


    „Interessant“, entgegnete Marco langsam. „Woher wussten Sie denn von Lars’ Sexualität?“ Hatte sie nicht eben noch behauptet, es wäre bei dem Gespräch nur um moralische Dinge gegangen? Das Mädchen machte sich wirklich mit jedem Wort verdächtiger und nur, weil sie ein Mensch war, glaubte er ihr noch lange nicht, dass sie nicht mit der IMA sympathisierte. Wie gesagt … da wäre sie nicht der erste Mensch gewesen, der sich zum Beispiel versprechen ließ, dass die IMA zwar die Menschen versklaven würde, dass man ihm oder ihr aber magische Fähigkeiten besorgen könne und dass er alle mögliche Macht bekam. Woher sollte ein Mensch auch wissen, dass man ihnen NICHT einfach so magische Fähigkeiten besorgen konnte oder Ähnliches? Und die Verlockung war bei einigen eben da.
    „Das ist tatsächlich nicht ganz einfach …“, räumte Viola ein. „Dafür gibt es nicht unbedingt einen Präzedenzfall. Am besten ist es immer, sich mit solchen Sachen direkt an den Rat zu wenden, aber ich denke, dass das für Menschen natürlich eher schwierig ist. Womöglich hat der Bundestag Ihre Warnung nur falsch verstanden.“
    Zumindest haute Viola ihn nicht vor Marianne in die Pfanne, indem sie sagte, dass eigentlich nur der Verteidigungsminister gesagt hatte, dass die Warnung sich eben irgendwie merkwürdig las.
    Den Vampir ließ Marco weiterhin beiseite. Der war gerade einfach nicht wichtig.
    Zumindest hatte er das Überraschungsmoment eindeutig auf seiner Seite, als er vorhechtete, um ihr Handschellen anzulegen. Mal im Ernst, er ließ sich nicht von ihr verarschen. Wenn sie glaubte, dass er es witzig fand, wenn sie so mit ihm redete, erteilte er ihr eben eine Lektion. Das hier war eine ernste Angelegenheit und wenn sie meinte, das durch solche Kommentare ins Lächerliche ziehen zu müssen, konnte er eben auch ungemütlich werden, wenn es sein musste.
    Viola hatte also den Raum verlassen und es war offensichtlich, dass Marianne es ihr am liebsten gleich getan hätte.
    Marco seufzte leicht. „Na schön. Da wir, denke ich, in einen Bereich kommen, in dem Sie eine mögliche Verdächtige sind und keine Zeugin mehr, weise ich Sie auf Ihre Rechte hin: Natürlich haben Sie nach wie vor das Recht zu schweigen. Sie können einen Anwalt, einen menschlichen Diplomaten oder beides anfordern.“
    Gut, es gab nach wie vor keine handfesten Beweise, ganz ehrlich, natürlich WUSSTE Marco auch nicht, ob sie wirklich etwas mit Lars zu tun hatte. Aber er hatte ein Zeitfenster, in dem er sich bewegen konnte und das würde er ausnutzen. Bis dahin würde er sie jetzt als Verdächtige ansehen, immerhin verhielt sie sich auch ziemlich verdächtig.
    Derweil kehrte Viola mit einer Flasche Wasser und einem Plastikbecher zu ihnen zurück. Sie füllte den Becher mit Wasser auf und schob ihn anschließend zu Marianne rüber.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am So 16 Jul 2017, 22:15

    Ria Weber

    Ria schwieg, während ihre Gedanken rasten. Schweigen? Oder zumindest versuchen, die Wahrheit zu sagen? Dann brauchte sie sich nicht vorwerfen, sich selbst noch weiter in diese Scheiße geritten zu haben.
    „Die Bemerkung fiel am Rande, als wir über David gesprochen haben“, entschloss sie sich zu einer weiteren Aussage, wieder ausdrücklich an Viola gewandt. „Dass wir über David gesprochen haben, wissen Sie bereits. Seine Rolle habe ich in dem Brief ebenfalls erwähnt.“
    Sie hätte sich also an den Rat wenden sollen? Super Idee, den hätte sie ja auch so leicht gefunden, stand wahrscheinlich im Verzeichnis von Googlemaps drinnen oder so … sie verkniff sich den Kommentar. „Also habe ich nichts anderes tun können, als abzuwägen, ob ich es ignoriere, was wohl auch falsch gewesen wäre, weil man mir dann vorgeworfen hätte, nichts zu tun, oder eben zu versuchen, die zu erreichen, die vielleicht wissen können, was ich damit meine.
    Während Marco sie über weiterführende Rechte aufklärte, fixierte sie weiterhin die Auffälligkeit an der Wand. Ein verkacktes Gerichtsverfahren, obwohl sie nichts getan hatte … und die offensichtliche Unwilligkeit dieses Beamten, das einzusehen.
    Rias Blick kehrte erst wieder zu den beiden Personen zurück, als Viola zurück war. Mit einem leichten Nicken bedankte sie sich für das Wasser, ohne einen Schluck davon zu nehmen.
    „Warum bemüht ihr euch nicht, meiner Behauptung nachzugehen und euren Präsidenten zu überprüfen?“, wandte sie sich wieder explizit an Viola. „Ich habe ihnen gesagt, wie das Gespräch abgelaufen ist, ich habe ihnen gesagt, warum ich glaube, dass er es geführt hat. Ich beantworte Ihnen gerne weitere Einzelheiten. Aber das wird rein gar nichts bringen, weil ich eben einfach der dumme Idiot war, den Lars sich für sein Spielchen ausgesucht hat. Wenn einer der anderen in diesem Chatraum auf ihn eingegangen wäre, wäre das der Idiot gewesen.“
    Während sie weiterhin Viola ansah, kreisten ihre Gedanken um diese Anwaltssache. Sie hatte noch nicht mal eine Rechtsschutzversicherung oder so … wie sollte sie einen Anwalt bezahlen können? Sie war eine verdammte Studentin, die gerade Miete, Essen und mal einen Kinobesuch finanziell gewuppt bekam. In ihrer Haushaltskasse war kein Posten für übernatürliche Ausgaben vorgesehen! Und zu einer Bank gehen und um einen Kredit für einen Prozess im Zusammenhang mit übernatürlichem Terrorismus bitten, konnte sie aus verständlichen Gründen auch eher nicht. In ihrer Panik dachte sie gar nicht daran, dass sowohl Pflichtverteidiger als auch Diplomat vermutlich Rechte waren, die gestellt wurden.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am So 16 Jul 2017, 22:33

    (Viola &) Marco Verusco


    Am liebsten hätte Marco laut geschnaubt, als sie ihre völlig lächerliche Behauptung, David Grünenthal hätte etwas mit der IMA zu schaffen, wiederholte. Oh ja, Marco wusste, was sie in diesem Brief behauptet hatte. Es war einer der Gründe, wieso er Marianne Weber kein Wort glaubte. Allein der Gedanke, dass womöglich der Präsident des Magischen Rates mit der IMA involviert sein könnte, war vollkommen absurd. Zudem fühlte Marco sich schon fast persönlich davon beleidigt. Indem sie Davids Integrität anzweifelte, zweifelte sie irgendwie schon fast die von Savio an, der immerhin mit ihm zusammen gearbeitet hatte und ihm vertraute. Die beiden waren befreundet und sein Onkel, einer der besten Aktiven, die vermutlich je gelebt hatten, war sicherlich nicht mit irgendwelchen Terroristen befreundet. „Ja. Davon hörte ich“, entgegnete Marco trotzdem möglichst ruhig. „Sie können sich sicherlich denken, dass wir eine Beteiligung des Präsidenten des Magischen Rates an den Verbrechen der IMA ausschließen. Er war damals immerhin einer der beiden Aktiven, die Lars überhaupt erst enttarnt und ins Gefängnis gebracht haben. Die bloße Anschuldigung, dass er etwas damit zu tun hätte, ist bereits so lächerlich, dass sie eigentlich nicht einmal eine Antwort verdient.“
    Aber mit ihm wollte sie offenbar nicht mehr kommunizieren, denn stattdessen wandte sie sich nun immer direkt an seine Schwester.
    „Ich verstehe, warum Sie sich an den Bundestag gewandt haben“, bestätigte Viola noch einmal und rang sich dabei sogar ein freundliches Lächeln ab. Aber gut, sie war schon immer viel diplomatischer gewesen als Marco. Er war nun einmal temperamentvoller.
    „Was David angeht, muss ich meinem Bruder Recht geben: Er war einer der Aktiven, die Lars enttarnt und ins Gefängnis gebracht haben. Auch wenn wir davon ausgehen, dass Sie nichts mit der ganzen Sache zu tun haben und nur unglücklicherweise über einen Terroristen im Internet gestolpert sind, bezweifle ich sehr stark, dass Lars ehrlich erzählen würde, dass David sein Komplize wäre, wenn es stimmen wäre. Das wäre dumm von ihm. Darüber hinaus würde es aber auch keinen Sinn ergeben, dass ausgerechnet David mit der IMA zu tun hat. Lars hat allerdings allen Grund, David in irgendeiner Form belasten zu wollen. Immerhin hat er ihm 20 Jahre Gefängnis zu verdanken“, erklärte Viola. Sie sah zu ihrem Bruder. „Hast du sie über ihre Rechte aufgeklärt?“
    „Natürlich habe ich sie über ihre Rechte aufgeklärt“, gab Marco gereizt zurück.
    „Okay. Gut.“ Viola sah Marianne lange an. „Vielleicht haben Sie wirklich nichts Verwerfliches getan. Das können wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen. Ich hoffe, Sie nehmen uns nicht übel, dass wir so misstrauisch sind. Lars macht uns alle ziemlich nervös.“
    Marco hätte ihr das sicherlich nicht gesagt, nicht solange noch das Risiko bestand, dass sie tatsächlich mit diesem Psychopathen kooperierte, aber er schwieg.
    „Soll ich Ihnen einen Anwalt oder einen Diplomaten rufen? Da Sie ein Mensch sind, würde ich Ihnen beides empfehlen. Da ich annehme, dass Sie als Studentin über keine großen finanziellen Mittel verfügen, trägt der Rat natürlich die Kosten, wenn Sie sich das nicht leisten können.“
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am So 16 Jul 2017, 22:50

    Ria Weber

    „Natürlich kann ich mir das denken“, gab Ria niedergeschlagen zurück. „Das ist immerhin Sinn und Zweck des Ganzen. Dass ihn keiner verdächtigt. Dass er als Held darstellt, der die IMA zerschlagen hat. Weil niemand glauben würde, dass das ein abgekartetes Spiel ist und Lars sich tatsächlich für die IMA und auch David persönlich geopfert hat.“
    Ria fand diese Behauptung tatsächlich immer weniger unwahrscheinlich. Denn es funktionierte ja offensichtlich genau so, wie Lars das beabsichtigt hatte. Niemand zog auch nur in Erwägung, dass da etwas dran war. Die Aktiven würden sich vermutlich am Abend bei einem Bier königlich über diese Behauptung amüsieren.
    „Wenn ich Sie wäre, würde ich den anderen Aktiven auch genau unter die Lupe nehmen. Da werden noch viel mehr Leute von euch drin stecken.“ Sie konnte ja nicht ahnen, in was für ein Wespennest sie damit schon wieder stach …
    „Wieso soll er es nicht erzählen? Es funktioniert doch. Ich hab noch mehr Panik. Sie glauben mir nicht, zweifeln meine ganze Geschichte noch mehr an, er kann sich später darüber freuen, dass er Ihnen diese Information sogar hat zukommen lassen.“
    Nahm sie es ihnen übel? Grundsätzlich sicher nicht. Dass sie die Dumme war, die hier herumsaß, machte es allerdings nicht besser. Zumindest die Frage nach der Finanzierung wurde beantwortet, ohne dass Ria sie aussprechen musste.
    „Dann … beides?“, erwiderte sie unsicher, während gleichzeitig die Horrorvorstellung darüber, dass diese Unterstützer auch von Lars geschmiert sein könnten, in ihr aufstieg.
    War das das, was er mit seiner Drohung, seinen Spaß mit ihr haben zu werden, gemeint hatte?
    „Kann der mich finden?“, schlüpfte es über ihre Lippen, bevor sie überhaupt darüber nachgedacht hatte, ob sie diese Befürchtung wirklich mit Viola und Marco teilen wollte. „Er hat in seinen Drohungen durchklingen lassen, dass er das durchaus amüsant fände.“
    Und wenn David mit drinnen hing, war es sicher ein Leichtes für ihn, ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Kurz stieg die wahnwitzige Idee in ihr auf, die Beamten doch noch weiter zu provozieren, um definitiv in U-Haft oder so gesteckt zu werden. Nur dass das jemanden wie ihn bestimmt auch nicht aufhalten würde …
    „Wie geht das jetzt weiter?“, versuchte sie ihre Panik durch weitere Analyse ihrer Situation einzudämmen. „Bin ich jetzt … verhaftet? Oder darf ich das Land nicht verlassen, bis irgendein Prozess stattgefunden hat? Was erklärt ihr den Menschen in meinem Umfeld, wenn ich plötzlich hier verschwinde?“


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am So 16 Jul 2017, 23:19

    Viola (& Marco) Verusco


    Viola hatte Mitleid mit der Studentin. Ja, natürlich lag es durchaus im Bereich des Möglichen, dass sie in der ganzen Sache mit drin hing. Immerhin hatten sie genau deswegen ja überhaupt erst den Auftrag bekommen, sie abzuholen und mit ihr zu sprechen. Aber es war mindestens genauso gut möglich, dass sie die Wahrheit sagte. Mehr oder weniger zumindest. Das mit David war und blieb vollkommen absurd, aber was war, wenn Lars sich wirklich einen Spaß erlaubt hatte? Letzten Endes war es auch nicht auszuschließen, dass er dem Rat nur demonstrieren wollte, wie sehr er sie alle immer noch an der Nase herumführen konnte, indem er eben einfach mit einer unschuldigen Menschenfrau kommunizierte und ihr irgendwelche Dinge erzählte. Wahrscheinlich war Marianne sogar nur der Kollateralschaden, damit er dem Rat ordentlich ans Bein pinkeln konnte. Was war, wenn das hier nur ein Mittel war, die menschlichen Behörden weiter gegen die Übernatürlichen aufzuwiegeln, weil die sicher nicht begeistert waren, wenn das hier in irgendeiner Weise schief ging. Ein im schlimmsten Fall zu Unrecht vom Magischen Gericht verurteilter Mensch wäre wahrscheinlich so etwas wie der fleischgewordene Traum der IMA, denn damit kippten sie nur noch mehr Öl ins Feuer, was diesen ganzen Konflikt anging. Gleichzeitig war es aber eben auch wirklich möglich, dass sie mit Lars kooperierte, denn diese ganze Geschichte klang unglaublich schräg. So oder so hatten sie aktuell aber keine Beweise und Marianne hatte das Recht auf einen Anwalt und einen menschlichen Diplomaten – und wenn sie schlau war, nahm sie beides, auch ohne genau zu wissen, wie hier alles ablief.
    „Niemand würde freiwillig zwei Jahrzehnte im Gefängnis verbringen, während der, der die Strafe eigentlich bekommen sollte, den strahlenden Helden spielt“, sagte Marco.
    Als Marianne vorschlug, den anderen Aktiven auch noch unter die Lupe zu nehmen, brodelte etwas in Violas Magen und sie zwang sich zur Ruhe. Sie tauschte einen kurzen Blick mit Marco, dem die Wut wesentlich deutlicher in die Augen geschrieben stand als ihr.
    „Wie können Sie es wagen-“, setzte er an, doch Viola hob beschwichtigend die Hand, um ihn abzuwürgen.
    „Sie weiß womöglich überhaupt nicht, wovon sie redet“, warf Viola ein. „Beruhig dich, Marco, okay?“ Sie wandte sich Ria wieder direkt zu. „Der andere Aktive ist unser Onkel. Und ich kann Ihnen mit zweihundertprozentiger Sicherheit sagen, dass er wirklich absolut nichts damit zu tun hat.“ Das war sogar NOCH absurder als der Gedanke, dass David da mit drin hing.
    „Oh bitte!“, rief Marco empört aus. „Wer hängt Ihrer Meinung nach als nächstes mit drin? Der Leiter der Aktiven vielleicht?“
    Viola biss sich auf die Unterlippe. „Ich weiß es nicht“, antwortete sie ehrlich. „Wir wissen nicht, wie weit Lars’ Einfluss im Moment reicht. Wir vermuten, dass er mächtige Freunde hat, aber wir wissen nicht, wen. Hier sollten sie aber auf jeden Fall sicher sein.“ Viola wandte sich ihrem Bruder zu. „Hol ihr einen Anwalt, okay? Und guck, ob wir gerade irgendwelche menschlichen Diplomaten im Haus haben.“ Letzteres war vielleicht nicht so einfach, denn die meisten Leute beim Rat – auch in der diplomatischen Abteilung – waren nun mal Übernatürliche und mit Pech würden sie erst einmal jemanden aus Kopenhagen anfordern müssen. Aber vielleicht hatte Marianne ja Glück.
    Marco wirkte nicht gerade begeistert, als er aufstand und den Raum verließ, aber zumindest tat er es, ohne sein Missfallen zu äußern.
    „Normalerweise würden wir nicht so krasse Maßnahmen ergreifen“, erklärte Viola. „Aber die ganzen Ermittlungen um Lars und die IMA sind besondere Umstände, die besondere Mittel erfordern. Sie sind nicht verhaftet, nicht direkt zumindest. Wir können Sie erst einmal für 48 Stunden hier beim Rat behalten, wenn wir dann keine stichhaltigen Beweise haben, dass Sie ein Verbrechen begangen haben, müssen wir Sie gehen lassen. Dann können Sie gehen, wohin auch immer Sie wollen. Wenn wir innerhalb dieser 48 Stunden stichhaltige Beweise haben, dass Sie Lars in irgendeiner Form unterstützt haben, wird ein Richter eine richtige Untersuchungshaft bis zu Ihrem Prozess anordnen. Was die Menschen in Ihrem Umfeld angeht, wird sich dann zeigen, wie es in diesem Fall abläuft. Da Sie ein Mensch sind, sind die Umstände anders als sonst. Normalerweise haben wir hier mit Übernatürlichen zu tun und deren Familien erfahren die Wahrheit, so wie sie eben ist. In diesem Fall … darüber werden dann vermutlich die menschlichen Behörden zumindest mitentscheiden. Haben Sie noch mehr Fragen dazu?“
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am So 16 Jul 2017, 23:48

    Ria Weber

    Warum hatte sie eigentlich versucht, gegen Lars' Überzeugung zu gewinnen, anzureden? Sie bekam hier gerade den Beweis geliefert, dass wohl tatsächlich alles so lief, wie er sich das vorstellte. Die ahnten nichts, zogen es noch nicht einmal ansatzweise in Erwägung, obwohl jeder Fernsehcop wissen müsste, dass man so eine Vermutung zumindest überprüfen sollte, auch wenn sie noch so kurios erschien.
    „Doch, verdammt. Wenn ihre Reaktion auf diese Information genau das ist, was man damit erreichen möchte, schon. Warum schließt ihr das kategorisch aus? Weil es scheiße wäre? Tja, willkommen im Leben!“
    Sie stockte kurz, als sie von Viola erfuhr, was Marco so wütend machte. Natürlich hatte sie das nicht gewusst! Wenn sie sich in seine Lage versetzte, wäre sie wohl ebenso wütend. Aber das änderte nichts daran, dass er lieber professionell bleiben und auch das in Erwägung ziehen sollte.
    „Sie können mir auch mit Sicherheit sagen, dass David nicht mit drin hängt. Merkt ihr das Problem?“
    Um sich von weiteren dummen Aussagen abzuhalten, griff sie endlich nach dem Wasser, das Viola ihr gebracht hatte. Das Klirren der Handschellen führte die versuchte Beruhigung allerdings ad absurdum.
    „Ja. Das könnte ich mir durchaus auch vorstellen“, erwiderte sie, nun nicht mehr Marcos Blick ausweichend. „Darüber weiß ich allerdings nichts! Ein paar Überraschungen wollte Lars sich wohl trotzdem aufheben.“
    Unglaublich! Anstelle irgendeine ihrer Aussagen überprüfen zu lassen, flippte der Aktive richtiggehend aus, weil er sich in seinem Stolz verletzt fühlte. Ria hasste es, nicht ernst genommen zu werden! Sie war doch nicht hier, um Zeit zu verplempern! Sie wollte, wenn schon die Kacke am Dampfen war, wenigstens irgendwie etwas tun, um die Menschen zu retten. Aber ihre Bemühungen liefen ins Nichts! Wegen Leuten wie Marco, unfähigen Beamten, die sich wahrscheinlich nur den Arsch im Sessel platt sitzen wollten und Steuergelder dafür verprassten.
    „Vielleicht hängen SIE ja auch mit drin! Das würde zumindest erklären, warum sie seit Beginn dieses Gespräches nichts anderes im Sinn haben, als meine Aussagen zu konterkarieren!“ Noch während ihre Worte wirkten, trank sie endlich einen Schluck des Wassers, denn sie verspürte tatsächlich seit geraumer Zeit Durst.
    „Wenn ich mir den Affentanz hier so anschaue, weiß ich auf jeden Fall, warum Lars sich überhaupt keine Sorgen um die Umsetzung seiner Ziele machen muss und warum er die IMA-Pläne eigentlich auch gleich ans Schwarze Brett nageln könnte. Ihr spielt ihm mehr in die Hände, als ich ihm je helfen könnte.“
    Sie hatte ihre Worte ganz bewusst so schnell ausgesprochen, dass Marco sie auf jeden Fall vor Verlassen des Raumes noch mitbekommen haben musste. Und im Grunde gingen sie auch nur an ihn. Viola war zwar offensichtlich ähnlich misstrauisch, oder zumindest gab sie ihr nicht das Gefühl, ein dummer Mensch zu sein.
    „Ich verstehe das“, versuchte sie also einzulenken, als Viola ihre Fragen wesentlich kompetenter beantwortete. „Aber ihr … müsst das überprüfen! Wirklich. Er ist sich so sicher, dass er vollkommen leichtes Spiel mit euch hat. Und er wird Tausende Menschen töten. Und Millionen versklaven lassen. Und die werden sich das nicht gefallen lassen. Es wird einen Krieg geben und Bomben regnen. Und dann sind wir einfach ALLE tot.“
    Ihre Panik bei dieser Vorstellung konnte unmöglich gespielt sein, ihre Hände zitterten und sie verschüttete einen Teil des Getränks auf ihrem Rock; tatsächlich hatte sie sich da gerade in Rage geredet und vermutlich klang sie auch ein kleines bisschen wahnsinnig dabei. Aber sie wollte doch nur helfen.


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 00:24

    Viola (& Marco) Verusco


    In einer Sache hatte Marianne auf jeden Fall Recht: Für den Fall, dass das mit David tatsächlich stimmte, war es mit Sicherheit genau das, was man erreichen wollte. Und wenn man den Gedanken zumindest für eine Sekunde zuließ, dann musste man zugeben, dass es, wenn es stimmte, genial war. Natürlich wäre es eine krasse Maßnahme gewesen. Man brauchte immerhin jemanden, der bereit war, möglicherweise den Rest seines Lebens im Gefängnis zu verbringen, um eine andere Person zu decken. Aber wenn es stimmte … Viola traute sich kaum, das fertig zu denken. Das war ein Gedankenspiel, das sie eigentlich nicht verfolgen wollte, denn ihr gefiel nicht, was am Ende dieses Gedankenspiels stand. Wenn es wirklich wahr war, was Marianne ihnen sagte, dann war dieser ganze Kampf verloren, bevor er überhaupt angefangen hatte. Denn wenn David und Lars wirklich unter einer Decke steckten und tatsächlich so gerissen waren, ein solch extremes, abgekartertes Spiel zu spielen, dann waren sie vermutlich nicht so dumm gewesen, irgendwelche Beweise zu hinterlassen, die David wirklich mit Lars in Verbindung brachte. Was bedeutete, dass, selbst wenn ihnen irgendjemand jemals glauben würde, dass der Präsident des Magischen Rates, der Mann, der als Held galt, weil er diese Terrororganisation zerschlagen hatte, ein Terrorist war, niemand etwas gegen ihn tun konnte. Natürlich hätte die magische Regierung ein Amtsenthebungsverfahren starten können – nur wenn David wirklich ein Terrorist gewesen wäre, wie viele andere innerhalb der Regierung waren es womöglich ebenfalls? Und wie viele andere würden jeden, der so etwas behauptete, für lächerlich erklären? Dass irgendjemand gegen David stimmte, war unwahrscheinlich. Dass die benötigten 2/3 dafür stimmen würden, ihn abzusetzen, war lächerlich.
    Marianne machte es nicht besser, indem sie nun auch noch Marco vorwarf, etwas damit zu tun zu haben. Einen Moment lang fürchtete Viola, dass ihr Bruder nun wirklich endgültig ausrastete, zu ihrer Erleichterung atmete er einmal tief durch und ging trotzdem, um spätestens jetzt wahrscheinlich den unfähigsten Anwalt zu holen, den er finden konnte.
    „Okay“, sagte Viola schließlich. „Ich verspreche Ihnen, dass ich dieser Anschuldigung auf den Grund gehe.“ Sie wusste nicht, ob sie ihr das mit David glaubte, denn es stellte einfach alles auf den Kopf, woran sie ihr ganzes Leben lang geglaubt hatte. David und Savio waren beide immer ihre großen Vorbilder gewesen, so wie wahrscheinlich die jedes anderen Aktiven ab Mitte der 90er Jahre. Aber sie hatte zumindest das Gefühl, dass ihre Panik nicht gespielt war. Vielleicht war sie verrückt, vielleicht hatte Lars ihr auch auf die eine oder andere Art (nicht zwingend im romantischen Sinn) völlig den Kopf verdreht, ja, vielleicht sagte sie auch die Wahrheit, unabhängig davon, ob Lars ihr wiederum die Wahrheit gesagt hatte oder nicht. Aber Viola glaubte zumindest, dass Marianne davon überzeugt war, dass sie die Wahrheit sagte, egal ob es nun wahr war oder nicht. „Aber wenn das wirklich stimmen sollte …“ Viola suchte nach den richtigen Worten. „Ich nehme nicht an, dass Sie für Ihre Anschuldigungen irgendwelche Beweise haben? Irgendetwas anderes als Lars’ Worte?“ Wahrscheinlich nicht. Wie sollte sie auch? Wenn Lars bewusst die Wahrheit gesagt hatte, musste er sich sicher sein, dass es nicht zu beweisen war. Und Viola war sich nach wie vor nicht sicher, ob sie wirklich auch nur die Möglichkeit ernsthaft in Betracht zog.
    Zu ihrer Überraschung ging bereits jetzt die Tür wieder auf und ein sehr mies gelaunter Marco trat in Begleitung von zwei weiteren Männern ein.
    „Der Rat hat uns schon im Vorfeld einen menschlichen Diplomaten extra aus Kopenhagen hergeschickt – so eine schöne Überraschung“, sagte Marco und gab sich nicht einmal Mühe, den schneidenden Sarkasmus in seiner Stimme zu verbergen.
    Viola fragte sie, ob sie die Tatsache, dass der Rat extra jemanden aus der Hauptzentrale hergeschickt hatte, überraschen sollte, aber auf der anderen Seite überraschte sie im Nachhinein doch eher, dass sie erst jetzt davon erfahren hatte. Dem Rat musste immerhin auch klar sein, dass bei einer Sache wie dieser eine ganze Menge ordentlich schief gehen konnte. Natürlich wollten die dann kein Risiko eingehen.
    Sie war sich auch ziemlich sicher, dass sie den Diplomaten schon einmal gesehen hatte.
    „Cillian Cavanaugh“, stellte der Diplomat sich vor.
    Plötzlich fiel es Viola wieder ein. Der Typ war der Bruder von diesem Serienmörder. Sie sagte allerdings nichts dazu.
    „Wir möchten gerne kurz alleine mit ihr sprechen“, fuhr Cillian fort.
    Marco wirkte alles andere als begeistert, aber da Cillians Stimme nicht wirklich eine Option offen gelassen hatte und der Anwalt ebenfalls schon ansetzte, etwas sagen zu wollen, stand Viola schon auf.
    „Schon gut. Wir gehen erstmal raus“, sagte sie und ging mit ihrem mürrischen Bruder nach draußen.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 00:39

    Ria Weber

    Marco reagierte nicht auf ihre Worte und Ria war nicht sicher, ob sie enttäuscht, weil sie irgendwie eine Bestätigung ihrer Aussagen darin sah, oder erleichtert darüber sein sollte, denn so machte sie es schließlich nicht NOCH schlimmer.
    „Das ist gut“, murmelte Ria auf Violas Zusicherung hin. „Glauben Sie mir, ich weiß, wie bescheuert das klingt. Und ich hoffe, dass ich mich irre. Ich schätze das lieber komplett falsch ein, als richtig zu liegen. Denn das bedeutet Krieg.“
    Natürlich hatte sie keine Beweise und schüttelte den Kopf. „Ich habe wirklich nur dieses eine Gespräch mit ihm geführt“, beteuerte sie noch einmal. „Und glauben Sie mir, dass ich seit diesem Abend aufs Ärgste bereue, in diesen verdammten Chat gegangen zu sein. Aber … wenn das irgendwie dazu dient, dass Sie Ihre Arbeit sinnvoll machen können, soll mir auch das recht gewesen sein!“
    Es dauerte nicht lang, bis Marco in Begleitung zweier Unbekannter zurückkehrte. Einer von ihnen stellte sich als Cillian Cavanaugh vor, der andere schwieg. Viola kam ihrer Aufforderung, den Raum zu verlassen, nach und Ria blickte ihr beinahe bedauernd nach. Bisher war sie ihr noch am gescheitesten erschienen. Aber diese beiden Männer sollten ihr schließlich helfen, also sollte sie wohl ein gewisses Maß an Grundvertrauen versuchen aufzubringen.
    Sie nickte ihnen zu, sich unglaublich schäbig in ihren Handschellen fühlend. Wenn die ihr nicht glaubten, konnte sie einpacken. Immerhin waren das ihre Verteidiger. Scheiße, wenn sie sie nicht überzeugen konnte, unschuldig zu sein, brauchte sie bei dieser drohenden Gerichtsverhandlung gar nicht erst zu erscheinen, sondern konnte gleich in den Bau gehen. Was sollte sie ihnen sagen? Es durfte nichts sein, was den Behauptungen von vorhin widersprach, aber vielleicht sollte sie es irgendwie so formulieren, dass es nicht so unglaubwürdig klang. Aber verdammt, das war einfach nicht zu machen, dass Lars ihr alles in einer Chatplauderei erzählt hatte, war nun einmal nicht glaubwürdiger rüberzubringen. Weswegen er sich diesen Scherz wohl überhaupt erst erlaubt hatte. Ihre Hände umklammerten noch immer den Wasserbecher, während sie zu eruieren versuchte, was sie für Leute vor sich hatten. Waren sie Menschen? Oder Übernatürliche?


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Imaginary am Mo 17 Jul 2017, 01:00

    Cillian Cavanaugh


    Cillian war, harmlos ausgedrückt, stinkwütend. Dass die Aktiven angefangen hatten, bevor er hier war, war zwar nicht weiter überraschend, aber er wünschte sich wirklich, dass sie es nicht getan hätten. Verflucht, die Situation zwischen Menschen und Übernatürlichen war auch so bereits chronisch angespannt. Musste so eine Aktion dann auch noch sein? Er selber wusste noch nicht, was er über Marianne Weber und die ganze Sache hier dachte. Allerdings wäre es in seinen Augen grundlegend falsch gewesen, sie gleich im Vorfeld zu verurteilen, bevor sie auch nur eine Chance gehabt hätte, sich in irgendeiner Form zu verteidigen.
    Der Anwalt machte auf den ersten Blick einen recht jungen Eindruck, aber das musste bei den Übernatürlichen ja nichts bedeuten. Nach einem Dämon sah er nicht aus und wenn er doch einer war, trug er Kontaktlinsen, denn seine Augen sahen völlig normal aus. Blieben allerdings noch Hexen, Gestaltwandler, Werwölfe oder Vampire. Oder er war ein Mensch. Auch das war ja nicht völlig auszuschließen.
    „Hallo Frau Weber, mein Name ist Carsten Wedemeyer. Ich bin Ihr Anwalt.“ Offenbar hielt er es aber zumindest nicht wichtig, zu erwähnen, welcher Rasse er angehörte. Allerdings war das jetzt, zugegebenermaßen, auch nicht unbedingt der wichtigste Punkt von allen.
    „Meinen Namen kennen Sie ja schon“, sagte Cillian langsam. Sein Deutsch war noch ein bisschen träge; seine Mutter war Deutsche und theoretisch wusste er, wie man es sprach, aber er war ein bisschen aus der Übung, auch wenn er wusste, dass er an sich ganz gut darin war. Seinen Akzent hörte man ihm vermutlich an, aber solange er gut zu verstehen war, war das ja nicht weiter problematisch. „Ich bin Diplomat in der Hauptzentrale des Magischen Rates in Kopenhagen. Ich bin ein Mensch.“ In seinem Fall fand er es nicht unwichtig, das zu erwähnen, vielleicht half es, damit sie ihm vertraute und begriff, dass sie wirklich hier waren, um ihr zu helfen.
    „Was genau haben Sie den Aktiven erzählt?“, fragte Carsten und setzte sich nun. „Haben die beiden Sie unter Druck gesetzt oder bedroht?“
    Na, hoffentlich nicht. Ansonsten würden die menschlichen Behörden den Boden mit dem Rat aufwischen, wenn sie davon Wind bekamen. „Möchten Sie uns vielleicht Ihre Version der Geschichte noch einmal in Ruhe erzählen?“, fragte Cillian auch noch einmal spezifischer nach. „Wir sind auf jeden Fall hier, um Ihnen zu helfen.“ Es war ihm wirklich wichtig, das noch einmal deutlich zu machen.
    Natürlich bestand irgendwo die winzige Möglichkeit, dass sie mit Lars kooperierte, aber Cillian glaubte nicht wirklich daran. Welcher Mensch war schon so blöd, sich selbst so dermaßen ins Knie zu schießen, dass er mit der IMA zusammen arbeitete? Gut, es gab solche Fälle, wenn jemand sich von ihnen hatte einwickeln lassen und irgendwelche Lügen glaubte, aber auch Cillian hatte Mariannes Akte gelesen und nach allem, was dort drin stand, hielt er sie nicht für dumm.
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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

    Beitrag von Jadelyn am Mo 17 Jul 2017, 01:22

    Ria Weber

    Natürlich wussten sie ihren Namen bereits. Vermutlich hatten sie die Akte ebenfalls ausführlich in Augenschein genommen. Ria konnte also nur abermals nicken, nachdem eine Vorstellung ja überflüssig geworden war.
    Cillian wirkte umgänglicher auf sie, zumindest er machte kein Geheimnis daraus, ein Artgenosse zu sein und Ria musste zugeben, sich doch ein kleines bisschen erleichtert zu fühlen. Instinktiv beschloss sie, sich in erster Linie an ihn zu halten, sollte ihr Anwalt Fragen haben, würde er schließlich intervenieren können.
    Die erste Frage kam prompt und sie zuckte unsicher mit den Schultern. Was zählte in diesen Kreisen zu unter Druck setzen? „Marco hat mich an menschliche Geheimdienste verwiesen“, antwortete sie schließlich. „Und mir die angelegt.“ Sie klimperte mit den Handschellen. „Daran bin ich aber nicht ganz unbeteiligt, fürchte ich. Viola war umgänglicher und hat sich zumindest bemüht, mir zuzuhören, auch wenn sie mir wohl genau so wenig glaubt.“
    Im Anschluss wiederholte sie, was sie den Aktiven im Großen und Ganzen erzählt hatte, diesmal direkt anführend, dass sie wusste, wie krude sich das anhörte. „Ich hab ihnen mehrmals gesagt, sich alles zu diesen Gesprächen, sowohl Adrian, als auch Lars betreffend, anschauen zu können. Sie haben sich vehement geweigert“, fügte sie noch hinzu, um deutlich zu machen, dass sie in keiner der Angelegenheiten etwas zu verbergen hatte.
    Während sie das tat, musste sie an Lars' Worte zurückdenken. Die Äußerungen, dass sie nicht weniger rassistisch war als er. Das hatte wehgetan, weil es einen Punkt in ihr berührt hatte, an dem sie selbst ins Grübeln gekommen war. Aber bewies sie nicht gerade, dass seine Anschuldigungen, sie würde etwas gegen Vampire tun, wenn sie könnte, falsch waren? Immerhin hätte sie gerade DIE Gelegenheit, Adrian zumindest Schwierigkeiten zu machen. Bei den Aktiven vorhin hatte sie noch nicht daran gedacht, aber selbst jetzt würde das wohl noch locker reichen, um ihn ebenfalls in den Dreck mit hineinzuziehen. Aber sie sah einfach keinen Grund dazu, da konnte sie noch so sauer auf ihn sein. Sie war definitiv nicht wie Lars! Ob das indirekte in Schutz nehmen nun aus ihr kam oder sie einfach nicht wie Lars unterstellt hatte, reagieren zu wollen, wusste sie nicht. Und sie hatte auch gerade definitiv andere Sorgen, als ihre eigenen Beweggründe zu analysieren.
    „Ich halte das mit David nach wie vor für wahr“, betonte sie noch einmal diese absolut schräge Behauptung. „Und irgendeinen Wahnsinnigen, der aus dem Gefängnis geholt wurde, will er wohl auch noch rekrutieren. Um ihm zu helfen, angeblich. Ich denke, er ist schlicht auf die Fähigkeiten scharf. Das habe ich vorhin vergessen zu erzählen … wobei sie mir vermutlich eh nicht geglaubt hätten.“
    Oder würde Marco das nun so drehen, dass sie widersprüchliche Aussagen gemacht hatte und dadurch noch verdächtiger war, wenn er davon erfuhr?
    „Ich habe und hatte mit Lars außer diesem Gespräch nichts zu tun! Auch wenn Marco das ständig zu widerlegen versucht“, betonte sie noch einmal ihre Position in dem Ganzen. „Er hat mir sogar zumindest indirekt ein sexuelles Interesse an Lars unterstellt.“
    Alleine bei dem Gedanken schüttelte es sie


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    Re: Essenzen-Wahnsinn (Imaginary & Jadelyn)

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