Pooly's Kunst und Schreibforum

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Pooly & Co.

    Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

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    Lotus
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Lotus am Di 14 Feb 2017, 01:02

    Azrael:

    Kalle hat mich offensichtlich als Halluzination abgetan, während Gregor noch einer Schockstarre verfallen scheint. Denn ersterer versucht sich an mir vorbei zu Lune durchzudrängen und Gregor bleibt an Ort und Stelle stehen.
    „Was glaubst du, was du da tust?“, fahre ich den Mann neben mir an und packe ihn am Hals. Meine Stimme klingt gar nicht mehr wie meine Stimme, mehr wie die eines Kettenrauchers. Rau und kratzig. Passt allerdings. Denn ich atme klare Nachtluft ein und puste schwarze Rauchschwaden aus, die sich heiß in meiner Lunge breit gemacht haben.
    Mit jedem Atemzug spüre ich, wie ich schwächer werde. Die Nacht ist in mich gefahren, aber entweicht mir auch wieder. Lange kann ich sie nicht mehr in mir halten. Sie bahnt sich ihren Weg durch meiner Kehle nach draußen.

    Mit einer übermenschlichen Kraftanstrengung hebe ich Kalle mit einer Hand in die Luft und schleudere ihn mit einer Puppe beiseite. Er prallt in ein paar Mülltonnen, die laut scheppernd umfallen. Der Mann steht nicht wieder auf.
    Dann wende ich mich Gregor zu.
    Doch gerade als er seinen Schock zu überwinden scheint und mit erhobenen Messer auf mich zustürmt, überkommt mich plötzlich ein monumentaler Hustenanfall. Mein Oberkörper verkrampft sich unter einem brennenden Schmerz. Jemand muss glühende Kohlen in meine Lunge gelegt haben. Ich huste Wolken dunklen Rauches aus, die sich in der Nacht verflüchtigen. Selbst durch meine Haut dringt sie nur hervor. Verzweifelt werfe ich meinen Mantel von mir, als würde er in Flammen stehen, doch das Brennen kommt von innen und nicht von außen.
    Ich breche zusammen, bleibe am Boden liegen und krümme mich vor Schmerzen, während der letzte Rest Dunkelheit meine Kehle verlässt und alles an mir wieder seine normale Farbe annimmt.
    Dann schaue ich nach oben.
    Über mir steht Gregor.
    Er lässt sein Messer auf mich hinabschnellen.
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Janey am Di 14 Feb 2017, 01:30

    Lune

    Zu viel, zu viel, zu viel! Atmen. Du musst atmen! Wo kommt das Messer her? Ich sehe es in Zeitlupe, wie es sich mit großer Kraft Azraels Oberkörper nähert. Immer weiter.
    Keine Luft. Nur Leere. Dann ein tiefer Zug.
    Ein Schrei dringt an meine Ohren, in meinen Kopf, lässt ihn schier zerplatzen. Überall ist Licht. Strahlend hell. Es reißt mich hoch. Vergessen all der Schmerz. Fühle mich mächtig und groß. Dann verebbt der Schrei. Das Licht ist schlagartig weg. Ich sinke zurück zu Boden.
    Und dann dringt alles wieder auf mich ein. Azrael! Ich schleppe mich zu ihm hinüber. Der andere mit dem Messer starrt mich an. Als er mich auf sich zukommen sieht, rennt er zu seinem Kollegen und schleppt ihn weg. Soll er doch. Ist mir auch egal. Ich knie zitternd vor dem blutenden Körper.
    „Azrael“, flehe ich. Und dann brechen die Tränen aus mir hervor. Mein ganzer Körper schüttelt sich und ich schluchze hemmungslos. Die Tränen fallen als leuchtende kleine Tropfen auf Azrael. Bis meine Kraft selbst dafür nicht mehr reicht und ich halb auf ihm zusammen sinke. Er darf nicht tot sein!

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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Lotus am Di 14 Feb 2017, 01:48

    Azrael:

    Ich habe das verdient...
    Das Messer dringt in meinen Körper. Gregor ist über mir. Holt erneut aus. Ich liege unter ihm und jeder Atemzug, jeder Herzschlag ist eine Qual. Dann steht Lune auf. Ich kann sie sehen.
    Lauf weg... Rette dich...
    Für Worte reicht es nicht. Und sie geht nicht. Sie bleibt. Und sie schreit. Ich kann Wut auf ihrem Gesicht sehen. Ein bisschen von mir selbst erkenne ich in ihr... Dann leuchtet sie. Sie leuchtet mit der Kraft von hundert Sternen. Zwei Messerspitzen dringen in meine Augen. Nichts als tanzende Lichter, wohin ich auch sehe. Gregor heult laut auf.

    Als ich wieder etwas sehen kann, sind die Verbrecher fort und Lune beugt sich über mich. Ich kann ihren Arm an meiner Brust spüren. Sie hat das getan, was ich nicht konnte. Ich habe versagt und sie hat sich selbst gerettet. Gut so... Sie ist die Heldin. Ich bin ein Monster. Aber warum bleibt sie noch? Es ist kalt. Sie weint. Wegen mir?
    Ihr Tränen sind wie Sterne und wo sie auf meinen Körper treffen, kann ich spüren, wie die Schmerzen verschwinden. Meine Wunden haben aufgehört zu bluten.
    „Geh...“, keuche ich entkräftet und versuche sie mit der Hand wegzudrücken, doch sie gleitet nur kraftlos an ihrer Wange hinab und fällt zurück auf den Boden. „I-ch habe deine Tränen nicht verdient.“
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Janey am Di 14 Feb 2017, 21:19

    Lune

    Seine Hand streift meine Wange und ich werde wieder ruhiger. „Du lebst! Und red nicht so! Wenn du nicht da gewesen wärst …“ Ich verstumme. Ja, was wäre denn, wenn er nicht da gewesen wäre? Würde ich dann mit einem Messer in der Brust irgendwo liegen? Oder mich nackt irgendwo verkriechen, von Schmerzen geplagt, die ich mir nicht vorzustellen wage? Aber er war da. Ist da. Ich versuche ein Lächeln, was schwierig ist, weil ich immer noch zittere. Mir ist so kalt. Ich ziehe die Knie an meine Brust und schlinge die Arme darum. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Die Kälte ist auf einmal überall und es ist, als wären auf meinem Körper viele viele kleine spitze Nadeln in der Haut. Ich habe Gänsehaut und meine Zähne schlagen unaufhörlich auf einander. Ein Kälteschauer jagt den nächsten. In meinem leeren Kopf formen sich nach und nach einige Gedanken. Was nun? Wir müssen hier weg, wir müssen rein, ins Warme. Aber ich weiß nicht, wo wir sind. Wir könnten Kilometer weit von der Wohnung entfernt sein. Mich verlässt der Mut. Ich blicke zu Azrael. Und dann flammt ein Bild vor meinen Augen auf. Wie ihm Schwärze aus dem Mund, der Nase und den Augen läuft. Die pulsierenden schwarzen Adern. Sofort meldet sich mein Magen wieder. Ich bringe mich auf die Füße und schleppe mich an den Rand des Platzes, wo ich mich übergeben muss. Ich kann mich kaum auf den Beinen halten.
    "Wir müssen hier weg.", krächze ich. Und zwar schnell.
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Lotus am Di 14 Feb 2017, 21:43

    Azrael:

    Sie zittert ja... Stimmt... Es ist kalt. Sie kann frieren. Ich nicht.
    Das hier ist noch nicht vorbei. Ich balle die Fäuste und beginne mich aufzusetzen. Alles tut mir weh.
    „Was für ein beschissener Abend.“, ächze ich. Meine Stichwunde ist verschwunden, aber all die anderen Schläge kann ich noch deutlich spüren. Lune ist aufgestanden und ist sich übergeben gegangen. Auch mir ist danach zumute.
    Aber keine Zeit. Hab noch eine Aufgabe. Ich muss Lune in Sicherheit bringen... Alles andere ist nicht wichtig.
    Mich auf meine Knie abrollend, versuche ich, mich aufzurichten. Für einen Moment fühlt es sich so an, als würden meine Beine unter mit zusammenbrechen. Ich spucke einen klumpen schwarzen Speichels auf den Boden, verliere das Gleichgewicht und muss mich mit der linken Hand abfangen. Ein scharfer Schmerz zieht durch meine linke Schulter und für einen Moment ringe ich mit der Besinnungslosigkeit.
    „Nein Azrael, hier wird nicht schlappgemacht!“, fluche ich mit zusammengebissenen Zähnen
    Dann erhebe ich mich schwankend und gehe zu Lune hinüber. Auf dem Weg klaube ich meinen Mantel auf. Angekommen, hülle ich das Lichtmädchen sanft in das Kunstleder. Eine Hand auf jeder Schulter.
    „Komm, lass uns reingehen.“, murmle ich und suche ihren Blick mit meinen Augen. „Bevor sie wiederkommen...“
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Janey am Di 14 Feb 2017, 22:19

    Lune

    Azraels Mantel ist warm auf meinen Schultern. Aber ich kann ihm nicht seinen Mantel weg nehmen, er muss doch auch frieren. Ich dränge das verstörende Bild beiseite, das immer wieder kommt und bedeute ihm, mit unter den Mantel zu kommen.
    „Wie …“ Er guckt mich an. Ich schlucke. Ich versuche es noch einmal. „Bist du …“ Ich kann es nicht. Ich kann ihn nicht fragen, ob er kein Mensch ist. Ein Dämon. Böse. Was wäre, wenn er so etwas wäre? Ich versuche das Thema zu wechseln und darüber hinweg zu täuschen. „Ich ehm … Danke!“ Dabei ziehe ich eine Schulter hoch, um den Bezug zum Mantel herzustellen. Dabei umfasst dieses Wort viel mehr. Ich könnte tot sein. Er auch. Vielleicht ist er aber schon tot? Es schüttelt mich. Meine Phantasien machen mir Angst. Die Ungewissheit macht mir Angst. Aber möchte ich wirklich wissen, was mit ihm los ist? Was er ist?
    In der Zwischenzeit haben wir uns in Bewegung gesetzt. Ich kann nicht sagen, wer wen stützt. Nach einigen Schritten, begleitet von wilden dunklen Phantasien zu Fabelwesen, halte ich es nicht mehr aus. Ich spüre seinen Blick in einigen Abständen immer wieder auf mir, kann ihn aber nicht ansehen, aus Angst, dass das schwarze Zeug wieder kommt.
    „Was war das?“, frage ich leise den Boden.

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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Lotus am Di 14 Feb 2017, 22:33

    Azrael:

    Ich lasse schweigend zu, wie sie den Mantel mit mir teilt. Ihr Arm schmiegt sich weich an meinen. Wir gehen aus der Gasse hinaus und stehen direkt vor unserer Haustür. Gregor und Kalle sind noch nicht hier. Oder sie warten oben auf uns...
    Ja... Gute Frage... Um herauszufinden wer oder was ich bin, studiere ich Theologie. Aber bislang ohne Ergebnis. Ich habe keine Ahnung, woher diese Kraft kommt, nur, wie die Menschen darauf reagieren. Sie fürchten mich und das ist noch der bessere Teil.
    Lange bin ich in Gedanken versunken und antworte ihr nicht.
    „Dasselbe könnte ich dich fragen.“, murmle ich schließlich, weil ich nicht weiß, was ich sonst sagen soll.
    Jeden anderen, der mich so offensichtlich fürchtet, wie Lune, hätte ich schon lange aus meinem Leben verbannt. Aber sie ist besonders. Selbst jetzt, nach all dem Schmerz, kann ich immer noch diesen unsichtbaren Faden fühlen, der uns verbindet.
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Janey am Di 14 Feb 2017, 22:53

    Lune

    Wie ich? Ich bleibe stehen. Er hat mich gesehen. Er wird mich … Eine erneute Woge der Panik ergreift mich. Ich lasse das Thema fallen. Zumindest fürs Erste.
    Wir erreichen unser Haus. Ich dachte wir wären viel weiter weg gewesen. Ich hatte völlig die Orientierung verloren.
    Ebenso schweigsam steigen wir die Treppe hoch. Vor der Wohnungstür will ich in meine Tasche greifen und merke, dass ich so gut wie nichts anhabe. Ich beginne mich zu schämen, so leicht bekleidet vor Azrael zu stehen und senke den Kopf.
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Lotus am Di 14 Feb 2017, 23:06

    Azrael:

    Ich krame nach dem Schlüssel, als mir etwas auffällt und ich die Tür aufstoße.
    „Du hast die Tür nicht verschlossen.“, murmle ich geistesabwesend. Wir betreten den Flur. Lune ist sehr schweigsam. Und ich bin nicht gut im Reden. „Schließ nächstes Mal die Tür ab, bevor du schlafwandelst.“
    Hab ich das gerade echt gesagt? Freak.
    Dann fällt mir ein, dass der Abschaum hier drinnen lauern könnte. Ich halte Lune mit der Hand zurück. Löse mich von ihr und lasse sie in meinem Mantel allein, während ich, so schnell das humpelnd geht, die Räume absuche. Als letztes öffne ich die Tür zu ihrem Zimmer. Es sieht einladender aus als meines.
    Schließlich kehre ich zu Lune zurück, nicke ihr mechanisch zu und schließe die Tür ab.

    „Es ist jetzt alles wieder gut.“, sage ich sowohl zu ihr, als auch zu mir. „Du bist hier sicher.“
    Nach einer kurzen Pause, in der ich in ihrem Blick ein Zeichen der Angst suche, füge ich noch hinzu: „Wenn du jetzt nicht mehr hier wohnen möchtest... Schon in Ordnung... Aber...“
    Ja, aber... Aber was? Ich mag dich und will nicht, dass du gehst?
    Schließlich sage ich nur: „Ich würde dir niemals etwas antun. Niemals.“
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Janey am Di 14 Feb 2017, 23:23

    Lune

    Ich schaue nach, wie Azrael in der Wohnung verschwindet und schlinge seinen Mantel enger um mich. Ich möchte nur noch ins Bett, die Augen zu machen, um dann am nächsten Morgen aus diesem Traum aufzuwachen. Weil sich das hier einfach nur wie ein einziger Albtraum anfühlt.
    Ich starre auf meine Füße, als Azrael schließlich wieder kommt. Er schließt endlich die Tür. Hätte ich auch selbst machen können.
    Aber wieso sollte ich gehen? Ich kann jetzt nicht gehen. Er kennt mein Geheimnis. Ich muss vorsichtig sein.
    „Ich gehe nicht“, sage ich nur. Wollte er noch etwas sagen? Ich schaue ihn fragend an.
    Dann halte ich ihm seinen Mantel hin. Ich will nur noch ins Bett.
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Lotus am Fr 17 Feb 2017, 13:59

    Azrael:

    Ich übernehme den Mantel und hänge ihn übertrieben sorgfältig an der Garderobe auf, während ich meinen Gedanken nachsinne.
    „Es gibt vieles, worüber ich mit dir reden möchte.“, sage ich mit den Rücken zu Lune, während mir plötzlich und unverhofft die Tränen in die Augen steigen. „Ich dachte immer, ich wäre allein damit...“
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Janey am Mo 27 Feb 2017, 21:54

    Lune


    Ich bleibe doch stehen und gucke auf Azraels Rücken. Ich sollte mich dem ganzen stellen. Was habe ich noch zu verlieren? Er hat gesehen, was zuvor noch nie passiert ist. Er hat das komische Leuchten gesehen, dem ich so machtlos gegenüberstehe. Ich atme tief ein und stoße dann die Luft geräuschvoll wieder aus. Mir ist immer noch wahnsinnig kalt und mir schlottern unkontrolliert die Beine. Ich schiele zu meiner Zimmertür.
    „Meinet wegen“, sage ich dann, „Aber was hast du damit zu tun?“
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Lotus am Mo 27 Feb 2017, 22:03

    Azrael:

    Ich drehe mich zu Lune um und humple an ihr vorbei in die Küche zu dem Schrank mit den Medikamenten, hole mir vier Schmerztabletten heraus, fülle mir ein Glas Wasser und schlucke sie alle auf einmal. Dann halte ich Lune anbietend die Packung hin.
    Währenddessen suche ich immer wieder ihren Blick und sage: „Na, du bist Licht und ich bin Dunkelheit. Du bist ein Engel und ich bin ein Dämon. Oder du bist Yin und ich bin Yang, wenn du so möchtest.
    Das ist in allen großen Schriften der letzten Jahrtausende festgehalten. In uns sind die Gegensätzlichen Kräfte der Menschheit festgehalten. Jetzt wo ich darüber nachdenke ergibt es immer mehr Sinn. Ich habe die letzten zwei Jahre meines Lebens damit verbracht nach einem Grund für das Ganze zu suchen. Und mir ist nie der Gedanke gekommen, dass ich nicht der einzige sein könnte. Ich meine... Du spürst es doch auch oder? Auch wenn wir uns in so vielen Dingen vollkommen unterscheiden, gibt es dennoch etwas, das uns ähm, nun ja... verbindet...“
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Janey am Mo 27 Feb 2017, 22:52

    Lune

    Ying, Yang, Engel, Dämon, uns verbindet … Was redet er denn da? „Aber …“ Die Tabletten in seiner Hand verwirren mich. Was soll ich damit? „Wie kann das … Ich verstehe das nicht!“ Wieso ich?!, schreit es in meinem Kopf. Ein Dämon? Azrael ein Dämon? Fangzähne und leuchtende Augen tauchen vor meinem inneren Auge auf. Schwarze Finsternis und Abgründe. Ich traue mich nicht ihm in die Augen zu sehen und trete langsam einen Schritt zurück. Meine Atmung beschleunigt sich und zum wiederholten Mal an diesem Abend bekomme ich nur schwer Luft. Der Raum beginnt zu schwanken. Mir wird übel und ich zittere am ganzen Körper. Kalter Schweiß tritt auf meine Stirn. „Wer bist du?“
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Lotus am Mo 27 Feb 2017, 23:18

    Azrael:

    Sie schwankt. Fällt sie? Bin ich zu weit gegangen, ihr jetzt noch ein Gespräch aufzudrängen? Auch ich bin eigentlich zu müde. Doch das ist wichtig.
    Ich gehe ein paar Schritte auf sie zu, strecke die Hand aus und versuche ihr Halt zu bieten.
    „Ich weiß, dass ist nicht einfach.“, sage ich aufrichtig und aus tiefstem Herzen. „Bei mir fing es vor zwei Jahren an. Damals... noch früher... Als Kind habe ich mich immer in den dunkelsten Ecken verkrochen, wenn mein Vater wieder einen seiner Wutausbrüche hatte. Und irgendwann ist mir die Dunkelheit dann zur Hilfe gekommen...“
    Ich presse die Zähne aufeinander, als die Erinnerungen mich überkommen. Noch nie habe ich jemanden davon erzählt... Ich kann spüren, wie mir der schwarze, selbsthassende Dunst aufsteigt nur dieses Mal brennt er in der Kehle und ich huste schwarze Wolken in die Luft.

    „Es war an meinem achtzehnten Geburtstag. Meine Mutter hat eine Flasche fallengelassen und... er hat so unglaublich laut gebrüllt. Als hätte sie das Haus angezündet oder so... Ich wollte einfach nur, dass er aufhört. Keine Ahnung, wie ich es gemacht habe... aber ich bin zu ihm hin und habe ihn blind gemacht, seine gottverdammten Augen mit all dem Schmerz gefüllt, der in mir war... Seitdem bin ich auf der Flucht. Nicht einmal meine Mutter weiß, wo ich bin oder WER ich bin. Den Namen Azrael habe ich mir selbst gegeben, aber um deine Frage zu beantworten: Das wusste ich lange auch nicht, doch nach zwei Jahren Recherche bin ich mir ziemlich sicher, dass ich ein Monster bin...“
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Janey am Mo 27 Feb 2017, 23:37

    Lune

    „Das tut mir leid“, sage ich aufrichtig. Als er mich berührt, hört der Raum auf zu schwanken und ich werde ruhiger. Ich schaue zu ihm auf. Schwarze Wolken aus Rauch steigen auf, wenn er hustet. Doch sie ziehen an meinem Blick vorbei, der an Azraels Augen geheftet ist und in sie eintaucht. Es ist, als könnte ich all das, was er mir gerade erzählt hat, in ihnen sehen. In diesem grünen und blauen Meer, das trotzdem unergründlich scheint.
    Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ob ich etwas sagen soll.
    Seine Hand wärmt meinen Körper, wo er mich berührt und löst Schauer aus. Mir ist so kalt.
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Lotus am Di 28 Feb 2017, 10:32

    Azrael:

    Und da ist es wieder, dieses unsichtbare Band, dass unsere Blicke aneinanderbindet. Ich verlaufe mich in ihren Augen und höre auf zu husten. Die Tatsache, dass sie wohlmöglich mein Gegenstück ist, macht mir wenig Angst, auch nicht, dass von Milliarden Menschen aus der Welt die beiden mir den genau entgegengesetzten Kräften in einer WG zusammenfinden ist mir wenig unheimlich. Vielleicht erlaubt sich Gott einen Scherz mit uns.
    Aber was mir wirklich Angst macht sind die Dinge an Lune, die ich nicht erklären kann.
    „Ich ähm... Ist schon gut...“, murmle ich und ziehe meine Hand zurück. „Die zwei hätten ohnehin keinen Preis für die Eltern des Jahres gewonnen. Ich vermisse sie nicht. So wie es ist, ist es für besser für sie und für mich.“
    Unter Anstrengung schaffe ich es, meinen Blick von Lune loszureißen. Ich sehe, wie sie zittert und weiß, das sie sich ausruhen muss, nach allem, was passiert ist, genau wie ich. Aber jetzt wo sie so leicht bekleidet vor mir steht, schreit alles in mir danach, ihr Nahe zu sein.
    Was willst du machen, Idiot?! Sie küssen?! Jetzt in dieser Situation und nach allem, was passiert ist?! Sie wird dich wegstoßen, schlagen, anschreien!
    Ich räuspere mich verlegen.
    „Vermutlich sollten wir jetzt schlafen gehen... Nach allem was passiert ist... Wir ähm... können dann morgen weiterreden.“
    Und ich mache einen zögerlichen Schritt auf Lune zu, um an ihr vorbei in den Flur zu gehen.
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Janey am Mi 01 März 2017, 22:17

    Lune

    Ich lächle ein wenig über seinen Kommentar. Er schafft es doch immer wieder den schlechten Situationen Kontra zu geben. Vor meinen Augen beginnt seine Fassade Risse zu bekommen und aufzubrechen. Nur ein klein Wenig, aber ich kann schon mehr von ihm erkennen. Der Schatten bekommt Gestalt. Wie ironisch.
    Er wendet den Blick ab, kommt aber näher. Ich glaube, ich weiß jetzt, was er mit diesem Band gemeint hat. Mir wird auf einmal ganz warm.
    Ins Bett gehen, das hört sich gut an. Raus aus diesem Verwirrspiel. Ich muss raus aus dieser unerklärlichen Situation, muss meine Gedanken ordnen. Muss wieder zu mir kommen.
    Ich nicke wirr und murmle ein zustimmendes „Mhm“, rühre mich aber nicht vom Fleck. Ich kann meinen Blick nicht vom ihm lösen, hänge an ihm fest.
    Oh ja, ich muss hier dringend raus!
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Lotus am Mi 01 März 2017, 22:40

    Azrael:

    Sie bleibt im Türrahmen stehen und ich gehe an ihr vorbei. Ein Déjà-vu. Unsere Arme streifen sich. Ich halte inne. Irgendetwas muss man doch machen oder sagen können... Warum ist die Welt so kompliziert, wenn Lune in der Nähe ist?
    Wagemutig strecke ich die Hand nach ihrer aus, doch am Ende hohlen mich die Zweifel doch wieder ein und meine Finger streifen im Vorbeigehen lediglich ihren Handrücken.
    „Schlaf gut.“, sage ich. „Und äh... keine Angst, du bist hier sicher, dafür sorge ich...“
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Janey am Mi 01 März 2017, 23:06

    Lune

    Schatten umfangen mich, schwarz und undurchdringlich. Aus ihnen tritt ein Mann hervor, von dem ich nur seine breite Statur erkennen kann. Er ist gesichtslos. Mit geradem direkten Schritt kommt er auf mich zu und rammt mir ein Messer in die Brust. „Du bist wie ich“, raunt er mir ins Ohr, „Wir gehören zusammen. Stirb für mich! Jetzt kann ich für immer leben!“
    Ich schrecke hoch. Das Mondlicht scheint durch das Fenster herein und holt mich zurück in die Wirklichkeit. Schon wieder schlecht geträumt. Ich versuche mich zu beruhigen. Schließlich stehe ich auf und gehe in die Küche, um mir ein Glas Wasser einzuschenken. Dann finde ich mich vor Azraels Zimmer wieder. Seine Tür ist leicht geöffnet. Durch den Spalt sehe ich das Ende seines Bettes. Ich öffne vorsichtig die Tür ein Stück weiter und gucke hinein. Azrael sieht so sanft und friedlich aus, wie er da in seinem Bett liegt und schläft. Ich lächle zu ihm hinunter, bevor ich die Tür wieder schließe und in mein eigenes Bett zurück gehe. Vor ihm muss ich keine Angst haben. Er passt auf mich auf.

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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Lotus am Mi 01 März 2017, 23:33

    Azrael:

    8 Uhr Morgens, der Wecker klingelt.
    Am nächsten Morgen fühlt sich mein Körper an wie ein rostiges Scharnier. Ich empfinde Schmerzen an Stellen, wo ich zuvor noch nicht mal gewusst habe, dass dort Gelenke existieren. Der Weg vom Bett ins Badezimmer ist mir noch nie so lang erschienen.
    Es ist Samstagmorgen... Es ist alles gut... Du musst nirgendwo mehr hin... Du kannst dich einfach den ganzen Tag verkriechen... Aua...
    Nach der morgendlichen Dusche und nachdem ich meine Blessuren an allen möglichen und unmöglichen Stellen durchgezählt habe, wanke ich desolat, aber in aller Morgenfrische durch den Flur in die Küche.
    Dort tue ich etwas, was ich in der Art noch nie getan habe. Ich mache Frühstück...
    Es ist nicht viel, was wir haben... Aber Lune soll sehen, dass sie trotz allem noch immer hier willkommen ist und dass... ich mich um sie kümmere...
    Aus dem Tiefkühlfach nehme ich ein paar Brötchen, backe sie auf und drapiere sie in einem Korb, der noch vom Vormieter übrig ist den ich aber nie benutzt habe. Danach decke ich sorgfältig Teller, zwei an der Zahl, und Besteck auf, koche Kaffee und hole all unseren Aufstrich aus dem Kühlschrank.
    Zufrieden mit meiner Arbeit lehne ich mich stöhnend an die Fensterbank und warte darauf, dass Lune aufsteht.
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Janey am Fr 10 März 2017, 21:41

    Lune

    Ich könnte jetzt sagen, dass mich die Sonne wachkitzelt. Oder dass ich mit einem Lächeln aufwache, in neuer Frische und motiviert für den Tag. Ein richtiger Samstagmorgen eben. Ahaha. Sehr witzig. Es fängt schon damit an, dass ich in der Nacht unruhig geschlafen und mich herumgewälzt habe. Deshalb wache ich auf, weil ich mich so sehr in der Decke verknotet habe, dass es nicht mehr auszuhalten ist. Oder ist es doch das Stechen im Hals, das mich nicht mehr schlafen lässt? Mir ist heiß, aber irgendwie auch nicht. In meinem Nacken hat sich ein Schweißfilm gebildet und auch das Kissen ist feucht. Ich fühle mich schrecklich. Ich winde mich aus der Bettdecke und ziehe meinen Morgenmantel über. Er ist weich und ich kann mich darin einkuscheln. Ich mag einfach nicht mehr im Bett bleiben. Ich suche nach meinem Schaal, bis mir einfällt, dass er an der Garderobe hängen muss. Und tatsächlich, er hängt ordentlich über meinem Poncho. Ich biege in die Küche ein, um mir einen Tee zu machen.
    Da steht Azrael hinter einem gedeckten Frühstückstisch. Ich kann es nicht glauben!
    „Danke!“, sage ich zu ihm und lächle ihn an. Dann entdecke ich die Tasse auf meiner Seite. „Sogar Tee hast du schon gemacht!“ Ich lasse mich auf den Stuhl vor mir fallen, ziehe die Beine hoch und nehme die Tasse in beide Hände. Er ist noch heiß. „Woher wusstest du, dass ich genau jetzt aufstehe?“ Die Wärme des Tees tut richtig gut. Und ich bin nicht alleine.

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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Lotus am Fr 10 März 2017, 22:06

    Azrael:

    Ich falte die Hände hinter dem Kopf zusammen, wie ein schüchterner Schuljunge, lasse sie dann direkt wieder fallen und ärgere mich darüber. Toll machst du das... Wirklich toll.
    Wir laufen uns morgens normalerweise nie über den Weg. Sie jetzt hier im Morgenmantel zu sehen hat fast schon was... intimes? Nein, aus! Schlag dir das aus dem Kopf, Idiot!
    „Äh...“, gebe ich betreten von mir. „Seit du hier wohnst ist Tee in den Schränken, also dachte ich, uhm du trinkst ihn und öhm... Ich wusste nicht, dass du jetzt aufstehst, ich bin einfach so früh wie möglich aufgestanden und... wollte dann auf dich warten...“
    Weil mir nichts Besseres einfällt, setzte ich mich ungelenk zu ihr an den Tisch, ohne mir Kaffee eingeschenkt zu haben, muss dann noch mal aufstehen, die Kanne holen, dann setze ich mich wieder hin, nur um festzustellen, dass ich auch vergessen habe, mir eine Tasse aufzudecken, dann nochmal aufstehen und zum Schrank laufen muss, um mir eine Tasse holen und wieder zurück zum Tisch...
    Wie ein Clown, du Trottel. Wie ein Clown.
    Währenddessen bin ich mal wieder sehr, sehr froh darüber, dass ich nicht rot anlaufen kann, aber es fehlt nicht mehr viel und in der Küche wird es stockdunkel...

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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Janey am Fr 10 März 2017, 22:25

    Lune

    Ich schaue Azrael zu, wie er immer wieder aufsteht und muss leise lachen. Ihn so zu sehen, als ganz normalen vergesslichen Jungen, lässt mich gleich besser fühlen. Es steht im Kontrast zu dem, was ich gestern Nacht von ihm gesehen habe. Oder glaube von ihm gesehen zu haben. Die Szene hat sich im Traum so oft wiederholt, dass ich nicht mehr klar sagen kann, was davon wirklich passiert ist.
    „Du, wegen gestern Abend … ich ehm … Danke! Ich glaube, wenn du nicht da gewesen wärst, hätten die sonst was mit mir gemacht. Ich war völlig weggetreten und in diesem Traum gefangen. Ich weiß gar nicht, wie ich da überhaupt hingekommen bin.“ Beschämt senke ich den Blick auf den Tee in meiner Hand. Und dann kann ich den Tee nicht mehr sehen. Es wird so dunkel in der Küche, dass ich beinahe gar nichts mehr sehen kann.
    „Bist du das?“, frage ich irritiert.
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Lotus am Fr 10 März 2017, 22:40

    Azrael:

    „Ja...“, murmle ich betreten und schaue zu Lune hinüber. Ihr in die Augen. Genau da ist es. Das unsichtbare Band. Es ist immer noch da und rückt all diese albtraumhaften Bilder auf Kollisionskurs direkt in meine Realität
    Was gestern passiert ist würde ich so gerne einfach von mir wegschieben, aber ich kann nicht... Es ist zu nah an mir dran... Sie ist mir zu nahe...
    „Nur sehe ich bei Dunkelheit anders als du...“, erkläre ich, um mich abzulenken. „Am Anfang habe ich es nicht gar nichts bemerkt, außer dass alle sich immer über das Licht beschwert haben, wenn ich wütend oder traurig war. Die Sache ist die...“, ich atme tief durch, damit Lune wieder besser sehen kann. Die Dunkelheit legt sich ein bisschen. „Ich weiß, was in den dunkelsten Ecken dieser Stadt passiert.“, ich umklammere meine Kaffeetasse, als wäre sie die Kehle von Gregor; So fest, dass sie Risse bekommt und ein leises Knirschen zu hören ist.
    „Ich weiß genau, was sie getan hätten und wenn ich daran denke ist es so, als würde man mir Nadeln durch die Fingerspitzen treiben...“
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    Re: Wo Licht ist, ist auch Schatten (Lotus & Janey)

    Beitrag von Janey am Fr 10 März 2017, 22:53

    Lune

    Ich muss schlucken. Seine Worte treffen mich und stacheln meine Phantasie an. Ich kämpfe gegen sie an und bleibe hier. Ich möchte ihm die Tasse aus der Hand nehmen. Mir sind seine Gefühle zu viel, denn ich kann mit ihnen nicht umgehen, nehme sie nur in mich auf, wo sie dann herum spuken. Ich traue mich aber nicht in seinen Bereich zu kommen. Also ziehe ich mich in mich zurück und versuche mit seinen und meinen Gefühlen umzugehen. Es wird ein wenig heller, sodass ich sein Gesicht wieder erkennen kann.
    „Wie lange machst du das schon? Kannst du das kontrollieren?“

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