Pooly's Kunst und Schreibforum

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Pooly & Co.

    Drahtseilakt (Raven & June)

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    Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von June am So 06 Nov 2016, 21:05

    D R A H T S E I L A K T


    Maia Yvonne Wellenstein

    Mürrisch stapfte sie durch den Park, in dem zu dieser Zeit kaum noch Leute unterwegs waren. Nicht, dass das etwas geändert hätte, es konnte sie ja sowieso keiner sehen. Wenigstens spürte sie die zunehmende Kälte nicht, sonst hätte sie sicherlich erbärmlich gefroren.
    Ein paar Meter weiter schlich eine dicke Katze über den Weg, beobachtete die im Wind tanzenden Blätter als wollte sie eins davon zu ihrer neuen Mahlzeit machen. Wäre ihre Laune ein wenig besser gewesen, hätte Ivy darüber vermutlich gelacht. Doch der angestaute Frust darüber, dass sie noch immer keinen der Männer gefunden hatte, die sie schon seit Jahren suchte, ließ das an diesem Abend nicht zu.
    Dass bereits Jahre vergangen waren, wusste sie auch nur durch die Zeitungen, die sie manchmal fand. Jedes Mal erschrak sie wieder darüber.
    "Wenn noch mehr Zeit vergeht, finde ich sie nie! Denn dann sind sie bestimmt auch schon tot!", schimpfte sie vor sich hin und die dicke, braune Katze zuckte zusammen. "Entschuldigung."
    Sie hatte das Tier nicht aufschrecken wollen, aber für den Moment vergessen, dass sie nur für Menschen und Gestaltwandler unsichtbar war. Normale Tiere konnten sie sehr wohl sehen und hören. Wenn sie sprach. Ihre Schritte machten keine Geräusche, genauso wenig wie sie einen Schatten warf. Der Weg vor ihr wurde von der Laterne erhellt, an der sie gerade vorbei gegangen war. Als gäbe es Ivy nicht.
    Und so war es ja auch. Vor beinahe zwei Jahren hatte man sie umgebracht, aber sie war immer noch da. So lange, bis von ihren Mördern keiner mehr am Leben war. Das hatte sie sich vorgenommen.
    Hass wallte in ihr auf und sie beschleunigte ihre Schritte noch einmal. Irgendwo mussten diese Typen sein! Eines Tages würden sie vor ihr stehen und um Gnade winseln. Oh ja.
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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von Raven am So 06 Nov 2016, 22:13

    Off: Oh, da ist aber eine gut drauf. xD

    Luca Meyer

    Luca war heute ausnahmsweise auf zwei Beinen unterwegs. Das konnte normalerweise zweierlei Gründe haben. Entweder besuchte er Jess, was er in den letzten Wochen schändlich selten getan hatte, oder er ging in die Innenstadt, was er ebenfalls selten machte.
    Und, ausnahmsweise, traf dieses Mal keines von Beidem zu. Aus einem unerfindlichen Grund hatte sich Luca nämlich dazu entschieden, seine Mutter zu besuchen.
    Und, ausnahmsweise, hatte er dieses Mal niemanden dabei verprügelt.
    Jetzt war Luca gerade auf dem Rückweg, wiederwillig immer noch auf zwei Beinen, denn er kam an genug Beamten mit Feuerkraft vorbei und sein schlagendes Herz war ihm doch noch ein wenig lieb.
    Er bog nach links ab, griff in den Beutel und holte den Brotlaib raus, den er vor fünf Minuten noch gekauft hatte.
    Während er auf das letzte Haus der Straße zusteuerte, wickelte er ihn aus den Servietten und klingelte dann.
    Schon nach fünf Sekunden riss Noah die Tür auf und strahlte ihn an.
    "Wow", sagte Luca zur Begrüßung, "hast du Teleportation erlernt?"
    Der Kleine schüttelte grinsend den Kopf und schnappte sich das Brot, bevor Luca auch nur reagieren konnte.
    Ein flinker Junge.
    "Bleibst du?", fragte er, aber Luca schüttelte den Kopf.
    "Heute nicht. Sorry, Kleiner. Bei dir alles okay?"
    Noah nickte und Luca wuschelte dem Jungen durch die Harre, weil er wusste, dass Noah das nicht mochte, schenkte ihm ein Grinsen und drehte sich um.
    "Na dann, mach weiter, du Draufgänger."
    Noah schloss die Tür und Luca machte sich auf den Weg zurück. Er beschloss, den öden Hauswänden wenigstens für fünf Minuten zu entgehen, und schlug den Weg zum Park ein. Es war ein bisschen Grün außerhalb des Waldes, den er erreichen wollte.
    Er konnte den vielen Stein und den Asphalt nicht ausstehen, und wenn er seine Wohnung nicht finanzieren müsste, hätte er nicht mal den erbärmlichen Job, wegen dem er ab und zu in die Stadt musste, um nicht gefeuert zu werden.
    Luca wich einem Mädchen aus, das mit einer Schultasche auf dem Rücken nach Hause rannte.
    Er schüttelte den Kopf und steckte die Hände in die Tasche.
    Da vorne sprang eine Katze ein paar Blättern nach und ein Lächeln zuckte über sein Gesicht.
    Katzen, welch ein Wunder, hatte er schon immer geliebt. Wen wunderte es?
    Gedankenverloren beobachtete er weiter die Katze und beachtete die junge Frau gar nicht, die in einiger Entfernung langsam den Weg entlang ging, bis die Katze zusammenzuckte.
    Er suchte nach der Ursache-vielleicht ein Junge, der mit Steinen warf? Obwohl, einen Jungen hätte er wahrscheinlich nicht verprügelt-und hob den Blick, erstarrte aber in der Bewegung, als er das Gesicht der Frau erkannte. Einen Moment dachte er, er irrte sich, aber er hatte verdammt gute Augen und er erkannte sie ganz genau-obwohl sie tot war.
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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von June am So 06 Nov 2016, 22:25

    Maia Yvonne Wellenstein

    Es stand jemand auf dem Weg, der sie anstarrte. Ivy runzelte die Stirn, entschied sich dann aber dafür, dass das Starren sicherlich nicht ihr galt. Seit Jahren hatte sie niemand mehr gesehen, so aus heiterem Himmel würde jetzt nicht irgendein dahergelaufener Spaziergänger damit anfangen.
    Sie warf der Katze noch einen letzten Blick zu, ehe sie entschlossen weiter ging. Sie würde sich selbst beweisen, dass der Fremde, der ihr vage bekannt vorkam, sie nicht sehen konnte. Weil das niemand konnte.
    Ivy verzog das Gesicht vor Ärger, blieb aber nicht noch einmal stehen. Wozu auch? Sie hatte keine Zeit zu verlieren, wenn sie noch ein paar weitere Menschen sehen wollte, die möglicherweise mit dem Mord an ihrer Familie zu tun hatten. Schon bald würden alle in ihren Häusern sitzen, aber dort zu suchen würde schwierig werden.
    Sie verschwendete keinen weiteren Gedanken an den jungen Mann vor sich, obwohl das Gefühl, ihn zu kennen, immer deutlicher wurde, je näher sie ihm kam. Erst kurz vor seinen Füßen, blitzte eine Erinnerung in ihrem Geist auf. Er war ein ehemaliger Mitschüler von ihr ...
    Ivy seufzte tief und machte den letzten Schritt, der sie eigentlich durch ihn hindurch bringen würde. Stattdessen geschah jedoch etwas seltsames. So seltsam, dass sie trotz der niedrigen Geschwindigkeit das Gleichgewicht verlor.
    Instinktiv hielt sie sich an seinem Arm fest, bis sie wieder sicher stand, dann starrte sie nun ihrerseits in seine Augen.
    "Das ist ungewöhnlich", murmelte sie leise. Als könnte sie vielleicht doch noch durch seinen Körper hindurch gleiten, strich sie sacht mit den Fingern über seinen Arm, aber nichts passierte. Sie berührte ihn einfach nur. Wie früher.
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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von Raven am So 06 Nov 2016, 22:40

    Luca Meyer

    Er blieb so lange wie erstarrt stehen, bis er sich völlig sicher war, dass er sie kannte. Und dass sie nicht tot war, immerhin lief sie gerade auf ihn zu. Anscheinend hatte er sie verwechselt, mit irgendwem.
    Schon wollte sich eine Erinnerung in sein Bewusstsein drängen, aber Luca wollte sich nicht erinnern.
    Er verband etwas schlechtes mit der Frau, von der er noch nicht wusste, wer es war,
    er wusste nur, dass er es gar nicht wissen wollte.
    Ob es an ihr selbst lag oder an der Zeit, aus der diese Erinnerung stammte, konnte er nicht sagen,
    aber er wollte es auch nicht herausfinden.
    Also drehte er sich um, bis ihm wieder einfiel, dass er gar nicht in diese Richtung gehen konnte.
    Zumindest nicht, wenn er keine zehn Minuten seiner Zeit verschwenden wollte.
    Die würde er gerade viel lieber verschwenden, als der Erinnerung nachzugeben, aber etwas hielt ihn zurück und ließ ihn sich umdrehen, etwas, das er an ihr gesehen hatte.
    Sie war nur in einem ärmellosen Kleid hier draußen, abends, in der Kälte. Im Dezember.
    Sie musste erfrieren, aber sie schien nicht zu zittern.
    Und viel erschreckender war die Tatsache, dass das Licht der Straßenlaterne keinen Einfluss auf sie hatte.
    Sie warf keinen Schatten.
    In dem Moment, in dem ein Zeitungsartikel vor seinem inneren Auge aufblitzte, rannte sie in ihn hinein, als hätte sie vorgehabt, durch ihn hindurch zu laufen.
    Und da hatte ihn die Erkenntnis eingeholt: Genau das hatte sie vorgehabt.
    Er hatte sie nicht verwechselt.
    Sie war tot.
    Die Tote strauchelte und hielt sich an ihm fest, und das erschreckende dabei war, dass er es spürte.
    Sofort machte er einen Schritt rückwärts und riss seinen Arm weg, das schien sie aber gar nicht zu kümmern.
    Stattdessen fasste sie ihn auch noch an.
    Luca unterdrückte den Instinkt, ihr eine zu scheuern, und machte stattdessen nur einen Bogen um sie herum, während er sich über die Stelle rieb, an der sie ihn berührt hatte.
    Es fühlte sich komisch an.
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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von June am So 06 Nov 2016, 22:51

    Maia Yvonne Wellenstein

    Ein erschreckender Gedanke schoss durch ihren Geist, gerade als er sich von ihr entfernen wollte. Sie fuhr zu ihm herum, starrte ihm hinterher, unfähig, ihm zu folgen.
    "Warte!", rief sie ihm nach, damit er wenigstens stehen blieb. "Geh nicht weg, bitte!"
    Konnte es sein, dass er ebenfalls gestorben war? Dass sie ihn deswegen anfassen konnte? Sie hatte in den vergangenen Monaten nur Lebende getroffen, keine anderen Toten.
    Eilig machte sie sich daran, ihm zu folgen. Wenn es so war und er tatsächlich genauso tot wie sie, dann würde sie ihn ganz bestimmt nicht allein herumlaufen lassen. Sie erinnerte sich zu gut daran, wie verwirrend das im ersten Moment gewesen war. Wie einsam, wenn niemand einem antwortete ...
    Sie erwischte sein Handgelenk und hielt ihn fest.
    "Luca, warte. Nur einen Moment", bat sie dieses Mal deutlich eindringlicher. "Ich kann dir das erklären. Du brauchst nicht allein hier zu sein." Und ich auch nicht ...
    Die Aussicht darauf, endlich mit einem anderen menschlichen Wesen wieder sprechen zu können, hätte ihre Knie weich werden lassen, wären es welche aus Fleisch und Blut gewesen. Sie wollte ihn nicht gehen lassen, wollte nicht mehr allein durch die Tage und Nächte streifen.
    Um ihn daran zu hindern, trotzdem weiterzugehen, sprach sie einfach weiter. "Ich weiß, das ist verwirrend, wenn man stirbt und hier bleibt. Das ist nicht einfach zu akzeptieren, aber es geht schon irgendwie. Du musst jetzt nur herausfinden, warum du nicht ... weiter gegangen bist. Ich könnte dir dabei helfen, ich bin schon eine Weile hier. Es kann sicherlich nicht schaden, wenn jemand in der Nähe ist, der das alles auch schon durchgemacht hat, oder?"
    Beinahe hätte sie die Formulierung "der das alles schon erlebt hat" benutzt, aber das traf es nicht ganz und sie konnte sich im letzten Moment davon abhalten.


    [Off: Da sie sich das nicht erklären kann, geht sie davon aus, dass er wohl auch tot ist Very Happy ]
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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von Raven am So 06 Nov 2016, 23:41

    Luca Meyer

    Okay, sie war nicht tot. Offensichtlich nicht.
    Aber es hatte in der Zeitung gestanden, da war sich Luca sicher. Hatte sie ihren Tod vorgetäuscht? Vielleicht.
    Jedenfalls dackelte sie ihm gerade hinterher und das passte ihm gar nicht.
    Vielleicht war sie auch eine verschollene Zwillingsschwester.
    Und anscheinend war sie irre, aber eine Irre, die ihn kannte, denn sie rief seinen Namen.
    Er starrte sie kurz an und riss seine Hand weg, als sie danach griff. Schon wieder fühlte sich die Berührung äußerst komisch an.
    Auf ihr Angebot, es ihm zu erklären, erwiderte er nichts, stattdessen ging er einfach weiter.
    Du musst nicht alleine sein. Natürlich musste er nicht, aber was ging sie das an?
    “Ich bin offensichtlich nicht alleine. Allerdings bin ich auch nicht scharf auf Gesellschaft, also...“
    Er ging ein bisschen schneller. Da hinten sah er bereits den Wald.
    Also, sie war definitiv irre. Denn jetzt plapperte sie los, davon, dass es schwierig sei zu sterben. Ja klar. Er war tot, sie war tot.
    Sein Bruder war der Weinachtsmann.
    "Hör zu", herrschte er sie an, als er nicht mehr zuhören konnte, "die scheinen ja wirklich toll zu sein, deine Drogen, aber ich bin clean. Und ich hatte geradr einen beschissenen Tag, also quatsch jemand anderen an, bevor ich dir trotzdem eine runterhaue."
    Damit war das Gespräch für ihn beendet und er erreichte den ersehnten Waldrand. Erst hier fühlte er sich wieder gut, wo er sein eigenes Territorium betrat.
    Er stapfte weiter, ein wenig besser gelaunt. Wäre er nicht so schlecht drauf, hätte er das Gespräch mit der Irren interessant gefunden, aber so wollte er einfach nur schlafen.
    (Ich schreib gleich weiter)
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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von June am Mo 07 Nov 2016, 18:19

    Maia Yvonne Wellenstein

    Sie blieb schließlich doch stehen und starrte ihm hinterher. Vermutlich hatte er sie nicht erkannt, vielleicht steckte er noch im Übergang fest? Aber dann musste ja irgendwo seine Leiche sein, überlegte sie. Und dass er einen schlechten Tag gehabt hatte, konnte sie sich unglaublich gut vorstellen. Ihrer war damals auch nicht besonders angenehm gewesen ...
    Aber was sollte sie jetzt tun? Sollte sie ihm folgen? Oder sollte sie lieber erst herausfinden, wie er gestorben war? Aber sie würde ihn verlieren, wenn sie ihm nicht nachging.
    Ivy schüttelte sich bei der Erinnerung daran, wie schwer ihr die Eingewöhnung gefallen war. Wie unglaublich hart es war, ihre alten Freunde zu treffen, die sie nicht sehen konnten. Die von Leid geplagt auf ihrer Beerdigung geweint hatten, nicht bereit, ihre tote Freundin gehen zu lassen, die doch direkt neben ihnen stand.
    Langsam schlang Ivy die Arme um sich selbst, als könnte sie so die Kälte vertreiben, die sich ihrer Seele bemächtigt hatte. Richtig gefroren hatte sie schon lange nicht mehr, aber manchmal fühlte es sich so an, wenn sie sich den dunkleren Erinnerungen hingab. Sie wollte nicht mehr daran denken, wie schrecklich es gewesen war, nicht mit ihren Freundinnen sprechen zu können, sie nicht berühren zu können.
    Vorsichtig machte sie einen weiteren Schritt nach vorn, obwohl Luca bereits weit außer Sicht war. Ihn im Wald zu finden könnte schwierig sein ... aber Ivy wollte nicht mehr allein sein. Sie strich sich eine Strähne ihres Haares zurück und machte einen weiteren Schritt, dann noch einen und noch einen.
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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von Raven am Mo 07 Nov 2016, 20:56

    Luca Meyer

    Luca strich mit den Händen über die Bäume und legte den Kopf in den Nacken. Er atmete tief durch und ließ sich einfach nach hinten fallen, auf den mit Laub und Nadeln weich gepolsterten Boden.
    Das war seine Stelle-von hier aus hatte er den perfekten Blick in den Himmel, gerahmt von kahlen oder orangeroten Bäumen.
    Er hatte Glück, es war einer der Wälder, in denen das Jagen illegalisiert wurde.
    Früher, da hatte man nicht einmal so nahe an der Stadt sicher umherstreifen und seine animalische Seite genießen können, ohen Angst zu haben, dass im nächsten Moment eine Kugel seine Brust durchbohrte.
    Als er ein Kind war, hatte sein Vater ihn nie rausgelassen, aus Angst, er könne einfach nicht mehr zurückkommen.
    Umso mehr genoss Luca jetzt den Wind auf seiner Haut und in seinen Haaren. Ärgerlicherweise hörte er ein leises Rascheln aus der Richtung, aus der er gekommen war; vermutlich die Irre, die gerade von links nach rechts durch den Wald huschte und den Weg zurück suchte.
    Wenn er nicht gespürt hätte, dass sie noch da war, hätte er seine menschliche Haut sofort abgelegt.
    Er schloss die Augen und unterdrückte das Bedürfnis, sich sofort zu verwandeln.
    Wenn sie weg ist, sagte er sich. Wenn sie weg ist.
    Er setzte sich auf und grub die Hände in das Laub. Es war sein Wald und kein Treffpunkt für Dealer. Er war endlich wieder clean.
    "Das Leben war sooo schön", rief er und setzte sich auf. "Warum nur? Warum ich?"
    Er wartete einen Moment, dann ließ er sich wieder in die Blätter fallen und fuhr sich durch die Haare.
    Warum ich? war eine berechtigte Frage. Warum wurde immer er von den Irren angequatscht?
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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von June am Mo 07 Nov 2016, 21:04

    Maia Yvonne Wellenstein

    Still ließ sie sich neben ihm auf dem Boden nieder, als er endlich doch mit ihr sprach. Ivy schlang die Arme um ihre Beine und blickte vor sich hin.
    "Weißt du", begann sie leise, "das habe ich mich auch gefragt. Es tut mir leid, wenn ich dich erschreckt habe. Es ist nur ... ich habe seit damals mit niemandem mehr gesprochen und alle meine Freunde sind immer durch mich hindurch gelaufen ..."
    An dieser Stelle unterbrach sie sich. Es war vermutlich keine gute Idee, direkt mit den negativen Seiten anzufangen. Und warum sprach sie überhaupt mit ihm? Vorhin hatte er ihr angedroht, sie zu schlagen, wenn sie ihm weiter folgte. Ob er das wirklich tun würde?
    Ihr Blick wanderte musternd über ihn hinweg. "Du siehst gut aus", sagte sie schließlich, dann lächelte sie kurz. "Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Seit der Schulzeit, oder?"
    Was für ein merkwürdiges Gefühl, hier zu sitzen und über so alltägliche Dinge zu sprechen, obwohl der Alltag sie schon längst ausgespuckt hatte, damit sie kein Teil mehr davon war.
    Ihre Finger glitten durch das Gras, wollten eigentlich mit den feinen Blättern spielen, doch Ivy bekam sie natürlich nicht zu fassen. Nur eins nahm sie sich fest vor. Wenn er jetzt wieder ging, weil sie ihn störte, dann würde sie ihn so lange in Ruhe lassen, bis er von selbst zu ihr kam. Manchmal war es einfach nicht in Ordnung, sich anderen Menschen aufzuzwingen. Wichtig war nur, dass er in der Zwischenzeit akzeptierte, nicht mehr am Leben zu sein, ohne deswegen den Verstand zu verlieren.
    So viele Fragen wollte sie ihm stellen. Wie es ihm in den letzten Jahren ergangen war ... woran er gestorben war ... warum er nicht weitergegangen war ... Aber sie behielt alle für sich. Für den Moment.
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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von Raven am Mo 07 Nov 2016, 21:28

    Luca Meyers

    Luca verdrehte die Augen, als sie sich neben ihn setzte. Vielleicht war er unwissentlich ein Magnet für Problemfälle.
    Aber eigentlich war das genau das Richtige gerade, ein lachhaftes Gespräch mit einer lachhaften Frau an einem lachhaften Tag zu führen.
    Er drehte den Kopf ein wenig, gerade so, dass er sie ansehen konnte.
    "Du hast mich nicht erschrocken, Kleine", fiel er ihr ins Wort und runzelte dann die Stirn.
    "Also, die laufen einfach durch dich hindurch? Ist ja eklig."
    Er sah wieder in den Himmel und breitete Arme und Beine aus, die bereits kribbelten.
    Und dann, dann erwähnte sie die Schulzeit und die Erinnerung drängte sich brutal in sein Blickfeld.
    Natürlich. Sie kam ihm nicht nur aus der Zeitung bekannt vor. Er kannte sie auch von früher.
    Aus der Schule.
    Er schloss die Augen und zog scharf die Luft ein.
    "Hm... Maia?", riet er und verzog nachdenklich das Gesicht. Er war sich fast sicher.
    "Du bist also tot, ja? Ganz schön scheiße."

    [off: Sorry, dass der so kurz ist. o:]
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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von June am Di 08 Nov 2016, 16:01

    [Off: Alles gut (: Man kann ja nicht jedes Mal so viel schreiben ^^]

    Maia Yvonne Wellenstein

    "Da bin ich froh, dass du dich nicht erschreckt hast", sagte sie mit einem ehrlichen Lächeln. "Und ja, sie gehen einfach durch mich hindurch - oder anders herum. Es fühlte sich an, als würde man kurz durch Wasser waten, nicht wirklich eklig." Ivy betrachtete ihn nachdenklich. "Aber das ist dir bestimmt auch schon passiert."
    Immerhin bemerkten die Menschen die Geister nicht, sondern liefen einfach weiter. Am Anfang ihrer neuen Existenz war ihr das so oft passiert, dass sie einmal dachte, sie müsste ertrinken, als sie eine größere Gruppe von Lebenden durchquerte.
    Dann lachte sie leise, als er feststellte, dass tot zu sein wohl scheiße war.
    "Lustig ist es nicht, das stimmt", entgegnete sie. "Aber man gewöhnt sich daran. Das schaffst du auch schon noch."
    Ein wenig unruhig veränderte sie ihre Position, um besser zu ihm hinüber sehen zu können.
    "Genau, Maia bin ich, aber es haben mich immer alle Ivy genannt." Sie lächelte kurz, spielte dann nervös mit einer Strähne ihres Haares. "Möchtest du mir erzählen, wie du gestorben bist?"
    Ein leichter Wind streifte durch sie hindurch, trug ein Blatt vorbei, das einfach durch ihre Schulter flog, als wäre sie gar nicht anwesend. Ivy schüttelte sich kurz. Diese unvermittelten Passierungen, wie sie das nannte, waren eine Spur unangenehmer als jene, auf die sie sich vorbereiten konnte.
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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von Raven am Fr 11 Nov 2016, 21:11

    Luca Meyers

    Luca setzte sich auf und musterte sie. Hm. Sie wirkte ziemlich wach, anwesend, nicht wie ein Junkie, aber er hielt an der Theorie fest. Und wenn sie einer war, musste er sie irgendwie loswerden. Er wollte endlich aus seiner Haut, seine Sorgen für ein paar Stunden vergessen. Und wenn sie keiner war...
    Was sollte sie sonst sein?
    Ehrlich, eine Verrückte wollte er noch weniger am Hals haben. Für den Moment spielte er noch mit, weil er neugierig war.
    Also hörte er zu.
    Er versuchte, sich vorzustellen, wie es wäre, wenn man kaum mehr als Luft war, aber trotzdem etwas spürte.
    Allerdings hatte er noch nie ein besonders ausgeprägtes Vorstellungsvermögen besessen.
    "Oh, ja", betäuerte er und machte ein möglichst ernstes Gesicht.
    Wenigstens hatte er Recht gehabt, was ihren Namen betraf. Sein Erinnerungsvermögen war nicht unbedingt das Beste,
    aber wenn er sich eines merken konnte, dann Gesichter und Namen-auch wenn er nicht immer eines dem anderen zuordnen konnte.
    Ivy, okay.
    Als sie ihn fragte, wie er gestorben war, war für ihn allerdings Schluss.
    "Gut, das reicht jetzt, Kleine. Ab nach Hause."
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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von June am Sa 12 Nov 2016, 15:17

    Maia Yvonne Wellenstein

    Ivy seufzte leise, als Luca versuchte, sie fortzuschicken.
    "Ich habe kein Zuhause mehr, dort leben jetzt Fremde." Das Haus hatte zwar ihrer Familie gehört, war nach ihrem Tod jedoch versteigert worden, weil es keine anderen Erben gab. Wer hätte sich auch vorstellen mögen, dass die ganze Familie aufeinmal ausgelöscht werden könnte?
    Einen Moment lang betrachtete sie Luca aufmerksam, dann kam ihr ein Gedanke.
    "Du glaubst mir nicht", stellte sie langsam, sehr ruhig, fest. "Dann muss ich es dir wohl beweisen, hm?"
    Sie mochte ihn berühren können, aber der Baum dort neben ihnen, das war eine ganz andere Geschichte. Ivy erhob sich kurzerhand und trat auf den Baum zu. Nachdem sie sich noch einmal umgeblickt hatte, um zu sehen, ob er ihr wirklich aufmerksam zuschaute, wischte sie einfach mit der Hand durch den Stamm. Aber ... ob das gereicht hatte?
    Entschlossen holte sie einmal tief Luft (ein Überbleibsel aus ihren Lebenstagen, das sie noch nicht hatte ablegen können), dann machte sie einen Schritt durch den Baum hindurch. Sie blieb einen Moment auf dessen anderer Seite, bevor sie denselben Weg wieder zurück ging.
    "So. Reicht das? Oder noch mal?"
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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

    Beitrag von Raven am Do 26 Jan 2017, 21:35

    Luca Meyers

    Seine erste Reaktion war, unspektakulärer Weise, den Mund aufzuklappen, aufzulassen und wieder zu schließen. Es dauerte eine Weile, bis die Informationen vollständig in seinem Bewusstsein angelangt waren.
    Selbst dann dachte er noch, mit einer leisen, zweifelnden Ecke in seinem Verstand, dass er vielleicht Drogen intus hatte, obwohl er gleichzeitig wusste, dass er keine nahm.
    Vielleicht hatte er sich auch den Kopf angeschlagen.
    Gestaltwandler, Tierwesen, Hexen, für ihn alles okay. Aber Geister? Und das musste sie ja sein, etwas anderes konnte er sich nicht vorstellen. Wenigstens würde das erklären, warum er dachte, sie sei tot. Einfach, weil sie es war.
    ,,Komm... Komm mal her." Um seine in dem Satz mitschwingende Unsicherheit zu überspielen, grinste er und legte den Kopf schief. ,,Süße", fügte er hinzu. Das war nicht nur eine leere Phrase, sie war süß. Total vertrackt, aber süß.
    Er rappelte sich hoch und streckte ihr die Hand hin, oder eher nach ihr aus. Er wusste, er hatte sie berührt, das hatte er gespürt, aber der Baum hatte wohl gerade gar nichts gespürt.
    Sprichwörtlich, gar nichts.
    Es juckte ihm unter der Haut, die Sonne reizte seine Sinne noch mehr, doch er riss sich zusammen. Allerdings, andererseits, genaugenommen wusste er nicht, wieso er sich zusammenriss. Trotzdem.

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    Re: Drahtseilakt (Raven & June)

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      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Mi 18 Okt 2017, 18:37