von Bubble am Mi 09 Dez 2009, 18:49
Ich habe Angst davor, bewusst zu träumen, bzw. mich an meine Träume zu erinnern. Ich habe eigentlich fast nur Albträume. Wenn ich später am Tag darüber nachdenke oder sie jemanden erzähle, kommen sie meist nicht wirklich bedrohlich rüber, aber in dem Moment, in der ich die ganze Sache "live" mitkriege, ist es einfach nur schrecklich. Ich hatte auch mal so einen anhänglichen Traum, der kam wirklich jedes Jahr um die selbe Zeit wieder. Ich hab ihn mehrere Wochen jede Nacht lang geträumt, bis er schließlich irgendwann aufgehört hat. In dem Traum bin ich aus meinem Zimmer ins Wohnzimmer gegangen, hab die Balkontür aufgemacht und mich auf das Geländer gestellt. Ich bin weder gesprungen noch hab ich darüber nachgedacht, zu springen, aber ich hab jedesmal wie verrückt geschwankt. Und ich hatte das Gefühl, dass mir gleich das Herz aus der Brust springt, so schnell hat es geschlagen. Bei dem Traum hatte ich allerdings nie wirklich bewusste Gefühle wie Angst. Die Perspektive hat ständig gewechselt. Während ich durchs Wohnzimmer ging, habe ich alles aus meiner Sicht gesehen, hab den Teppich unter meinen Füßen gespürt und den kalten Griff von der Balkontür. Wenn ich oben stand, habe ich mich von unten herauf gesehen und gleichzeitig wieder das Holz gespürt. Aus dieser Perspektive habe ich allerdings bemerkt, dass ich ein Nachthemd anhabe (welches ich niemals besaß) und auch ganz anders ausgesehen habe. Aber selbst da hatte ich keine Angst, es kam mir irgendwie selbstverständlich vor. Der Traum hat damit aufgehört, dass mich meine Mutter fragte, warum ich nachts ständig aufstehe. Da ist mir bewusst geworden, dass der Traum vielleicht gar kein Traum war und bin richtig erschrocken. Wenig später hat meine Oma dann einen Stammbaum von unserer Familie erstellt, die während der Pest bis auf eine Frau vollkommen ausgestorben ist. Die Grundmauern unseres Bauernhofes und die Geschichte von unserer Familie selbst ist weit über 400 Jahre alt. Mein Vater ist auch so ein besonderer Fall. Er hat von einer schwankenden Leiter geträumt. Am Tag darauf ist er beim beschneiden unseres Nussbaumes von der Leiter gefallen, knapp neben den Betonboden. Er hatte eine schwere Gehirnerschütterung, sein Becken war sechsmal gebrochen und zwei Rippen waren geprellt. Er hat schon mehrerer solcher Unfälle überlebt, einer war sogar mal im Fernsehen. Der Heukran ist während des arbeitens abgerissen und hat ihn aufgespießt.
Ich mag Träume nicht. Sie sind für mich andere Welten, die dir wahnsinnig tiefe Einblicke in dich selbst und deinen Geist, die wahre Feinfühligkeit des Menschen für seine Umgebung und seine genetische Vorgeschichte, gewähren. (Mein letzter Traum war über eine Deutschex, die wir dann wirklich geschrieben haben. Im Traum war es ein anderer Lehrer und ein anderes Thema, aber der Kern ist sich gleich geblieben.)
Und auch wenn ich mich nicht bewusst daran erinnere, was ich geträumt habe, wache ich fast jeden Morgen mit einem bedrückendem, unguten Gefühl auf, das ich immer habe, wenn ich einen Albtraum hatte.