Pooly's Kunst und Schreibforum

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    Was ist ein Versprechen wert?

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    CassediMcCollens
    Versucht sich selbst am Handwerk
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    Was ist ein Versprechen wert?

    Beitrag von CassediMcCollens am Mi 23 Okt 2013, 16:37

    Es gibt Tage, da wacht man Morgens auf und möchte am liebsten sterben. Kein einziger Funken Lebenswillen ist mehr in dir, die Welt ist trist und grau. Jeder Schritt bringt nur noch mehr Schmerz in deine zu tiefst geschundene Seele die schon so sehr vor Blut trieft, dass man kaum noch die tiefen Narben sehen kann die dein Leben ihr zugefügt hat. Wenn nicht noch etwas wäre, was dich im Leben festhällt, du hättest längst den letzten Schritt gemacht. Aber du hast es ja versprochen. Du hast geschworen zu Leben...und dieses Versprechen niemals zu vergessen.

    Ich erinnere mich gut an diesen einen Tag in meinem Leben. Es war ein Tag, kurz vor meinem siebten Geburtstag. Die Mobbingattacken meiner Klassenkamaraden hatten mich nach 2 Wochen Gnadenfrist in denen ich krank zuhause gelegen hatte, mal wieder brutal auf den Boden der Tatsachen zurück gerissen. Ich war nichts wert, niemand konnte mich leiden, ich war das letzte. Und so fühlte ich mich auch.

    Ich erinnere mich, dass ich mich an diesem Tag in meinem Zimmer zurück gezogen hatte und Mom sich große Sorgen um mich machte. Allerdings war sprechen damals nichts, was mir besonders lag. Ich konnte nicht erklären was in meiner Seele vor sich ging, was eigentlich nur hieß dass ich es nicht wollte, da ich nicht willens war, das jemand sah wie schwach ich eigentlich bin. Und da ich nicht mit ihr reden wollte, blieb ihr nichts anderes übrig als mich in meinem Zimmer vor mich hin weinen zu lassen. Ich weinte viel in dieser Zeit. Aber bei weiten nicht so viel, wie ich ab meinem 7. Geburtstag weinen sollte. Ich war nur ein Kind damals.  Und das waren also die letzten Tage meiner "Kindheit" die so oder so niemals eine gewesen war. Man hatte mich nie wirklich Kind sein lassen.

    Von klein auf war ich immer anders gewesen. Das einzige Patchwork Kind mit einem Rudel sehr viel älterer Geschwister, umgeben von eigebildeten Einzelkindern, Vorzeigefamilien. Ein neugieriges aber unendlich schüchternes Kind, dass nicht in der Lage war sich Namen zu merken, und nicht einmal mit seiner eigenen Großmutter sprach, geschweige denn mit anderen Kindern. Ich war schon immer anders. Ich bin geboren, um anders zu sein.

    Namen waren nie wichtig. Menschen mit denen ich reden wollte, waren immer nur "du." Das reichte für mich. Es war interessanter die Welt um mich zu verstehen. Zu erleben wie sie funktioniert, und was sie im innersten zusammen hällt. Ich wollte lernen, verstehen. So vieles, damals schon. Ich lernte Bücher die man mir vorlas beim zuhören auswendig, nahm sie und "las" einfach vor. Wortgenau, und dass obwohl ich keinen einzelnen Buchstaben auf den Seiten zu entziffern in der Lage war. Ich habe die Erwachsenen mit meinem fast unglaubwürdigen Gedächtnis erstaunt. Aber meine Eltern hatten stets andere Probleme, als sich um meine offensichtliche Hochbegabung zu kümmern. Und so blieb ich, Zeit meines Lebens, ein unverstandener Außenseiter. Ein ewiges Opfer für Spott und Hohn, dessen Seele bereits in jungen Jahren nur zu offensichtlich stark geschwunden wurde. Allerdings war ich in älteren Jahren auch nie bereit hilfe anzunehmen.

    Es gab also diesen einen Tag, an dem ich mich klein und unbrauchbar für die Welt fühlte, Gedankengänge vollzog die meine Gefühlswelt durcheinander brachten. Denn egal auf welcher hohen Ebene ich damals bereits zu denken in der Lage war, meine Gefühle waren die eines Kindes, und die kamen mit dem allen lange nicht zurecht. Was nur dazu beitrug, mich noch schlechter zu fühlen. Ich kam mir krank und falsch auf dieser Welt vor.

    Es ging dir auch sehr schlecht damals. Die Dinge liefen nicht so, wie du dir es vorgestellt hattest. Mit meiner Mutter lief es nicht gut, mein Bruder hasste dich, dein eigener Sohn hatte Probleme einen Ausbildungsplatz zu finden, und meine Schwester war schwer depressiv, suizidgefährdet, und lies sich das im Gegensatz zu dir auch anmerken. Ich bekam es nicht mit. Heute weiß ich, dass sie sich ritzte, sich mehr als einmal fast ihr Leben nahm. Ich weiß dass ich das nicht verkraftet hätte, denn sie war es die mich dazu brachte immer weiter zu machen, zu lachen. Sie gab mir immer Kraft, egal wie schlecht es mir ging. Es ist schon ironisch, dass ich heute kaum noch Kontakt zu ihr habe, sondern nur noch zu dem Bruder, mit dem ich am allerwenigsten klar kam, mit dem ich mich früher jeden Tag nur angelegt und gezofft, geprügelt hatte.

    Ich erinnere mich, dass du an diesem Tag zu mir in mein Zimmer gekommen bist. Du hast mich gesehen, wie ich mit angewinkelten Beinen vor meinem Bett saß, und meine Knie unters Kinn gepresst hatte. Weich und verletzt. Und als du versuchtest mich an der Schulter zu berühren, mir irgendwie halt zu geben bin ich von dir Weg gerutscht. Ich erinnere mich gut, denn dieser Moment hat sich so tief in meinen Kopf eingebrannt. Wenige Tage zuvor warst du sehr ausgerastet, hattest das Telefon aus der Leitung gerissen, Bilder an die Wand geschmissen, und das Auto gegen eine Mauer gefahren. Zu deinem bedauern, ohne dass dir dabei etwas passiert war.  Ich hatte schreckliche Angst vor dir. Meinem eigenen Vater. Jedenfalls glaubte ich damals, dass du das warst.

    "Du brauchst keine Angst haben. Ich bin sowieso bald weg.", Diese Worte, sie haben sich so tief in meinem Kopf eingebrannt, sie werden mich mein Leben lang begleiten, und ich werde diese Situation nie wieder vergessen. Genau wie ich diesen einen Tag nie wieder vergessen werde.

    "Du musst mir etwas versprechen. Egal was in deinem Leben jemals passiert, wie schwach du dich auch fühlst, und wie schlecht es dir geht. Du darfst nicht aufgeben. Du musst weiter leben. Für die Menschen die du liebst, und die dich, egal wie sehr du auch daran zweifelst, genau so bedingungslos lieben, wie du es tust. Ich weiß du bist schon groß, und du verstehst was ich damit sagen möchte. Du musst mir das versprechen. Und du darfst dieses Versprechen niemals vergessen. Lebe. Tu es für mich.", Ich hatte damals ein sehr festes Band zu dir, wie ich es zu niemand anderem hatte. Und ich versprach es dir an jenem Tag. Ich versprach dir, dass ich Leben würde. Und dass ich dieses Versprechen niemals vergesse. Ich versprach es dir, als meinem Vater.

    Wenige Tage später sollte ich verstehen, warum du mir dieses Versprechen abgenommen hast. Denn wenige Tage später,hast du vor den Augen meiner Mutter, meiner Schwester, und auch vor meinen Kinderaugen Selbstmord begangen, und dir selbst mit einem Messer an deiner Kehle das Leben genommen. Du warst selbst zu schwach, zu kaputt  das zu tun, was ich dir versprechen musste. Du hast deinen eigenen Worten keinen glauben geschenkt.

    Meine Welt und meine Seele zerbrachen an diesem Tag, und bis ich jemals darüber reden sollte vergingen viele Jahre. Ich hörte auf die Welt mit Kinderaugen zu sehen - der Anblick hatte mich verändert. Meine Kindheit war vorbei - denn jedes, auch das einfältigste Kind wird erwachsen, wenn es erst einmal erkennt was w i r k l i c h e r  Schmerz ist.

    Ich habe dir dieses Versprechen gegeben. Dir meinem Vater, der mir nichts lies, außer meiner vollkommen kaputten Selbst, deinem Ehering und deinem Lieblingsbuch. Das war alles, was außer der bloßen, für mich heute kaum noch greifbaren Erinnerung. Und eben dieses Versprechen, an dass ich mich viele Jahre nach deinem Tod noch klammere. Ich habe es vielen anderen Menschen versprochen, die mich am Rande des Todes gehsehen haben, die angst hatten ich würde darüber hinaus gehen und dir in die Erlösung folgen.  Aber ich wollte ihnen nicht den Schmerz zumuten den zu in meine Seele gebracht hast. Niemand sollte jemals meinetwegen diesen Schmerz verspüren, der in mir niemals erlöschen wird.

    Aber was ist ein Versprechen noch wert, wenn man erkennt, dass das alles nur eine Lüge war? Wenn mir im Alter von 16 Jahren aufeinmal brühwarm erzählt wird, dass du nie mein Vater warst, sondern jemand anderes? Jemand, der meiner Seele ebenfalls Schaden zugefügt hat, weil er ebenso depressiv war? Weil er sogar Gewalttätigen gegenüber meiner Mutter wurde? Und mein vertrauen in den Boden schmetterte, weil er sich nicht mehr um mich scherrte, und kein Versprechen dass er mir jemals gab hielt?
    `
    Was ist ein versprechen wert, dass ich einem Menschen gab, der nie das war, was er vorgab zu sein?


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    Re: Was ist ein Versprechen wert?

    Beitrag von June am Mi 20 Nov 2013, 15:08

    Hallo, liebe Cassy!

    Ich hatte deinen Text schon vor einer Weile gelesen und heute noch einmal, aber ich habe immer noch keine Idee, was ich dazu sagen kann. Es ist generell nicht einfach, so persönliche Geschichten zu kommentieren, sie auf die Worte im Forum zu reduzieren, obwohl man genau weiß, dass eine ganze Menge großer Gefühle dahinter stecken.

    Ich kann dir nur sagen, dass ich es furchtbar finde, dass so etwas passiert ist. Du hattest es sicherlich nicht einfach. Und viele andere Probleme anderer Menschen wirken dagegen klein und dumm.

    Anstelle eines "anständigen" Kommentars möchte ich versuchen, dir deine letzte Frage zu beantworten. Die Frage, um die sich die ganze Geschichte dreht.
    Versprechen und Schwüre werden so leichtfertig gegeben und genauso schnell wieder gebrochen, dass man sagen könnte, sie wären schon lange nichts mehr wert. Wichtig ist nur, was die Menschen, die ein Versprechen geben oder es annehmen, in diesem Moment empfunden haben.
    Und auch wenn dieser Mann nicht dein Vater war, so glaube ich doch, dass er nur das Beste für dich wollte. Er kam mit der Welt nicht zurecht, hat euch mit seinem Selbstmord Grausames angetan, aber er wollte trotzdem, dass es dir gut geht.
    Ich will ihn nicht entschuldigen, das kann man nicht. Aber ich bin mir sicher, dass dieses Versprechen, das er dir abrang, sein Versuch war, für dich da zu sein, auch wenn es ihm nicht möglich war, zu überleben.
    Ihm hat es also etwas bedeutet, was es dir wert ist, musst du selbst herausfinden. Damit kannst du dir auch ruhig Zeit lassen, denn es läuft dir ja nicht weg.
    Ein Versprechen ist eine Sammlung von Worten, die zwei oder mehr Menschen etwas bedeuten, aber jeder der Beteiligten entscheidet für sich selbst, wie viel sie wert sind :)

    Ganz liebe Grüße,
    Juny
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    Re: Was ist ein Versprechen wert?

    Beitrag von CassediMcCollens am Fr 22 Nov 2013, 19:51

    Hey June ^^ (Ich habe in den letzten Tagen wohl zu viel Musik gehört, ich hätte grade fast "Hey Jude!" geschrieben...)

    Mittlerweile habe ich denke ich schon eine Antwort auf diese Frage gefunden. Ich habe ihm dieses Versprechen damals ja nicht gegeben, weil er mein Vater war, sondern weil er mich, als Mensch, egal ob nun mit mir verwand oder nicht, darum gebeten habe. Außerdme habe ich es so vielen anderen versprochen, zuletzt meinem Freund, das ich denke, es hat immer noch sehr viel Wert. Leider ist es wahr, Versprechen werden oft leichtfertig gegeben und genau so gebrochen - aber ich hänge zumindest an diesem sehr. Auch wenn ich damals noch sehr jung war, und man möchte meinen ich hätte kaum verstanden was ich da versprach - mittlerweile, mit 16 ist es mir sehr bewusst, und wann immer ich am Leben zweifel, habe ich am Ende ja doch wieder im Kopf, das ich ein Versprechen gegeben habe.

    Danke, für deine kleine Hilfe =) *knuddel*

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    Re: Was ist ein Versprechen wert?

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