Pooly's Kunst und Schreibforum

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    Dave Pelzer - Sie nannten mich "es"

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    Dave Pelzer - Sie nannten mich "es"

    Beitrag von Tan am Mi 31 Jul 2013, 11:18



    Dave Pelzer
    Sie nannten mich "es"
    - Der Mut eines Kindes, zu überleben -


    Deutsche Erstausgabe:
    Mai 2000
    Wilhelm Goldmann Verlag, München
    Originalausgabe: 1995
    ISBN 3-442-15055-8
    145 Seiten




    Inhalt und Meinung

    "An den Wochenenden gab mir Mutter überhaupt nichts zu essen, um mich für die Diebstähle zu bestrafen. Am Sonntagabend lief mir das Wasser im Mund zusammen, wenn ich mir neue, narrensichere Methoden dafür ausdachte, wie ich stehlen konnte, ohne dabei erwischt zu werden. Einer meiner Pläne bestand darin, in anderen Klassen zu stehlen, wo man mich nicht so gut kannte. Am Montagmorgen sauste ich dann zu einem anderen Klassenzimmer, um die Lunchboxen zu durchforsten. Ich kam für kurze Zeit damit durch, aber der Direktor brauchte nicht lange, um die Diebstähle zu mir zurückzuverfolgen.
    Zu Hause ging die doppelte Bestrafung mit Essensentzug und brutalen Schlägen weiter. Mittlerweile gehörte ich, was das alltägliche Leben anbelangte, nicht mehr zur Familie. Ich existierte, aber ich wurde wenig oder gar nicht wahrgenommen. Mutter hatte aufgehört, meinen Namen zu verwenden. Für sie war ich nur noch 'der Junge'. Ich durfte nicht mit der Familie zusammen essen, nicht mit meinen Brüdern spielen, und nicht fernsehen. Ich hatte Hausarrest. Ich durfte niemanden ansehen und mit niemandem sprechen. Wenn ich aus der Schule nach Hause kam, erledigte ich sofort die verschiedenen Arbeiten im Haushalt, die Mutter mir auftrug. Sobald ich damit fertig war, ging ich direkt in die Garage, wo ich an der Wand stand, bis Mutter mir nach dem Abendessen befahl, den Tisch abzuräumen und den Abwasch zu machen. Sie machte ganz deutlich, dass es ernste Folgen haben würde, wenn sie mich sitzend oder liegend in der Garage erwischte.
    Ich war Mutters Sklave geworden."

    Ich habe dieses Buch an einem Tag innerhalb weniger Stunden verschlungen. Einfach weil ich wissen musste, was weiter passierte. Es hat mich vom ersten Augenblick an gefesselt.
    Dave Pelzer erzählt hier seine eigene Kindesgeschichte. Im zarten Alter von 5 oder 6 Jahren (genau geht er da nicht darauf ein) verändert sich seine sonst so fürsorgliche Mutter auf grauenhafte Weise. Sie beginnt zu trinken und wird aggressiv und gewalttätig. Von seinem Vater, den er als so stark empfindet, kann Dave - zu seinem Entsetzen - keine Hilfe erwarten. Er ist seiner Frau fügsam.
    Das ständige Hungern ist da nur ein Fakt, der Daves Kindheit grausam zerstört. Hinzu kommen Arbeiten im Haus, die er auch erledigen muss, wenn er sich vor Hunger kaum auf den Beinen halten kann. Er wird gezwungen, Seifenlauge und Spülmittel zu trinken, wird von seiner Mutter brutalst geschlagen, erleidet Verbrennungen, Demütigung und Nächte in Kälte und Einsamkeit - und ständig nagende Schmerzen vor Hunger und von den Schlägen und Misshandlungen.
    Daves Geschichte ist so offen und ehrlich erzählt, dass man von den Grausamkeiten nicht verschont bleibt. Das Buch hat mich tief berührt und bringt zum Nachdenken. Fast 10 Jahre musste er dies alles ertragen, bis seine Lehrer endlich die Inititative ergriffen und ihn mit 13 Jahren aus dem Höllenloch, das sein Zuhause ist, befreien ...
    Ein Buch, das wirklich nichts für schwache Nerven ist. Es hinterlässt nicht nur einen bitteren Nachgeschmack, sondern auch tiefstes Mitgefühl und Hass.

    Bis 1972 war der Fall von Dave Pelzer der drittschwerste Fall von Kindesmisshandlung im Staat Kalifornien.
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    Re: Dave Pelzer - Sie nannten mich "es"

    Beitrag von Pooly am Mi 31 Jul 2013, 16:36

    Hallo Tan,

    vielen Dank für diese Rezension. Ich habe bisher noch nie etwas von diesem Buch gehört, aber die Inhaltsangabe hat mich sofort gefesselt, denn sie klingt schockierend und unglaublich bedrückend. Man möchte sich - als gewöhnlicher Mensch - gar nicht vorstellen, dass es solche Fälle von Kindesmisshandlung tatsächlich im 'realen' Leben gibt und ich kann auf keiner Ebene nachvollziehen, wie man als Eltern (bzw. als Mutter) das einem so kleinen und hilflosen Kind antun kann. Die Geschichte dieses Jungen klingt schrecklich und berührend.

    Ich glaube, das werde ich mich demnächst mal für meinen Reader kaufen und lesen. Denn die Geschichte interessiert mich gerade wirklich sehr, auch wenn ich normalerweise bei solchen Themen eher schwächliche Nerven habe. Es nimmt mich oft einfach zu sehr mit.

    Viele liebe Grüße,
    Marie


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    Re: Dave Pelzer - Sie nannten mich "es"

    Beitrag von Tan am Mi 31 Jul 2013, 18:36

    Hey Marie,

    ja man sollte die Augen nicht vor solchen Dingen verschließen. Das Leid dieses Jungen war und ist unheimlich groß, und nur ein wenig kann man sich meiner Meinung nach wirklich in ihn hineinversetzen ...
    Jedoch - überlege es dir bitte gut ob du es liest. Es ist wirklich heftig.

    Liebe Grüße
    Tan
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    Re: Dave Pelzer - Sie nannten mich "es"

    Beitrag von Gast am Fr 02 Aug 2013, 02:42

    Hey Tan!

    Ich war heute in der Stadt, als ich diese Rezession gelesen habe und hatte das Buch dann auch wenige Minuten später in meiner Tasche.
    Es ist jetzt halb drei, ich werde vor Koffein wohl nicht schlafen können, aber ich habe es fast durch und kann einfach nicht mehr aufhören zu lesen.
    Normalerweise berühren mich 'ekelige' Stellen in Büchern so gut wie gar nicht, und auch solche schlimmen Stories nicht, und ich habe keine Ahnung, was genau mich an den Zeilen in diesem Buch dazu bewegt, einfach mal die Tasse wegzustellen und gegen die Übelkeit anzukämpfen - oder es liegt an dem Überschuss an Kaffee, aber sei's drum.
    Das Buch ist schlicht geschrieben und verdammt heftig, wie du sagst.

    Ich persönlich interessiere mich sehr für solche Erfahrungen, seitens der Täter und Opfer. Nicht, dass es mir Freude bereitet, wenn ein Kind gequält wird, eher reizt mich die Frage, was eine Mutter dazu bringt, dem eigenen Kind derartiges anzutun. Niemand sollte ein Kind verletzen, schon gar nicht die eigenen Eltern - doch was ist es, was die Eltern zu Gräueltaten antreibt, was ist es, dass die Kinder dazu bringt, ihr Leben nicht wegzuwerfen, wie gehen sie damit um und was werden sie selbst tun? Ihre Kinder besser behandeln oder ebenso gewalttätig werden?

    Aufgrund dieser Fragen und dem Wunsch, mit solchen Fällen zu 'arbeiten', bzw. helfen aus psychologischer Sicht, habe ich mir dieses Buch gekauft. Und wohl auch, weil man - wie du bereits sagtest - nicht die Augen vor solchen Dingen verschließen soll. Man sollte wissen, dass es solche Menschen gibt, und man sollte vielleicht selbst daraus lernen und wissen, wie es nicht geht.

    Ich habe großen Respekt vor Dave Pelzer, zum einen, weil er all das Leid überstanden hat und zum anderen, dass er den Mut hat, darüber zu schreiben. Auch deswegen - weil es wahr ist - ist dieses Buch auf jeden Fall lesenswert, starke Nerven hin oder her.

    Liebe Grüße
    Lisa
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    Re: Dave Pelzer - Sie nannten mich "es"

    Beitrag von Tan am Fr 02 Aug 2013, 09:38

    Hallo Lisa!

    Wow, du hast es dir gleich gekauft, nachdem du meine Rezi gelesen hast? Nicht dass ich das schlecht finde, so meine ich das nicht - ich bin nur grad etwas sprachlos ^^

    Das was du sagst, dass du nicht aufhören kannst es zu lesen, das kann ich nur bekräftigen. Es ist nicht so, dass man unbedingt mehr von diesem Übel lesen will - nein, man will eher wissen, wann es vorbei ist für Dave, wann er endlich herauskommt, weg von dieser Prozedur, hinein in den Anfang des wirklichen Lebens.

    Lekysha schrieb:Ich persönlich interessiere mich sehr für solche Erfahrungen, seitens der Täter und Opfer. Nicht, dass es mir Freude bereitet, wenn ein Kind gequält wird, eher reizt mich die Frage, was eine Mutter dazu bringt, dem eigenen Kind derartiges anzutun. Niemand sollte ein Kind verletzen, schon gar nicht die eigenen Eltern - doch was ist es, was die Eltern zu Gräueltaten antreibt, was ist es, dass die Kinder dazu bringt, ihr Leben nicht wegzuwerfen, wie gehen sie damit um und was werden sie selbst tun? Ihre Kinder besser behandeln oder ebenso gewalttätig werden?
    .... da haben wir was gemeinsam. Okay, alle Menschen fassen das anders auf - manche wollen nichts von den Tätern und ihren Gedanken wissen, mich jedoch interessiert auch die Psyche derjenigen, da ich weiß, dass da einfach etwas, sagen wir, völlig schief gegangen sein muss ... Ich weiß nicht. Ich meine nicht, dass ich die Täter verstehen will, denn das werde ich wohl nie können - ich will einfach nur die Hintergründe wissen. Denn dann kann man einen Ansatz finden, dagegen vorzubeugen, dass das vielleicht nicht im Umfeld passiert, oder man gegebenenfalls eventuell eher gegensteuern kann.

    Ja, ich habe auch wahnsinnig großen Respekt vor Dave und freue mich, dass es doch noch "gut" für ihn ausgegangen ist. Er wird all das wahrscheinlich nie ganz verwinden, das kann auch niemand von ihm erwarten. Aber ich finde es toll, dass er anderen helfen will, und seine Geschichte erzählt hat.

    Liebe Grüße
    Tan
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    Re: Dave Pelzer - Sie nannten mich "es"

    Beitrag von Gast am Fr 02 Aug 2013, 14:29

    Ich habe die Rezession gelesen und das Thema hat mich interessiert, und da ich sowieso neue Bücher brauchte, bin ich gleich in den Buchladen marschiert und hab es mir angesehen. Entweder gefällt mir ein Buch sofort, oder nicht, und es hat mir gefallen, also habe ich es mit ein paar anderen Büchern mitgenommen. Und da es das dünnste war, habe ich sofort reingelesen und klebte bis fünf Uhr morgens daran fest. Bis es zu Ende war.

    Es ist für mich schwer vorstellbar, dass diese Geschichte wahr ist. Natürlich zweifle ich nicht an der Wahrheit und den Geschehnissen, viel mehr interessieren mich auch hier Fragen, wie 'Warum ist er nicht abgehauen?' oder 'Warum hat er sich keine Hilfe gesucht?'
    Vielleicht aus Unwissen heraus, vielleicht aus bloßer Angst vor der Mutter.
    Und deswegen lässt mich das Buch auch jetzt nicht los und ich durchforste das Internet nach diesem Autor.

    Es war wirklich reines Interesse an dem Thema, weswegen ich das Buch sofort gekauft und verschlungen habe. Da muss ich auch nie lange überlegen, ob ich es kaufen soll, oder nicht. (:

    @Tan schrieb:Okay, alle Menschen fassen das anders auf - manche wollen nichts von den Tätern und ihren Gedanken wissen, mich jedoch interessiert auch die Psyche derjenigen, da ich weiß, dass da einfach etwas, sagen wir, völlig schief gegangen sein muss ... Ich weiß nicht. Ich meine nicht, dass ich die Täter verstehen will, denn das werde ich wohl nie können - ich will einfach nur die Hintergründe wissen. Denn dann kann man einen Ansatz finden, dagegen vorzubeugen, dass das vielleicht nicht im Umfeld passiert, oder man gegebenenfalls eventuell eher gegensteuern kann.

    Auch ein Grund, der mich reizt. Die Psyche der Täter zu verstehen - und ich kann das. Auch wenn es vielleicht verrückt klingt, aber ich habe selten ein Problem damit, die Hintergründe und das Verhalten zu verstehen, den Wunsch nach Folter nachzuvollziehen. Ich mag es nicht, aber ich kann es verstehen. Für mich ist das nicht 'fremd', nicht abstoßend. Es interessiert mich wahnsinnig. Die Tat und die Auswirkung. Ein Kind wird geschlagen, was wird dieses Kind tun?

    Und ich habe gerade gesehen, dass es sogar einen zweiten Teil gibt, den ich mir dann auch bald anschaffen werde. (:

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    Re: Dave Pelzer - Sie nannten mich "es"

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