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    Karl May - Der Schatz der Inkas

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    Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von Mordred am Do 31 Jan 2013, 00:14

    Ich habe ein Kindle. Nein, das soll keine Werbung sein. Es geht nicht um ein Statussymbol. Es ist ein Kindle, kein iPad. Aber eine Sache ist richtig cool am Kindle: Man kann sich für lau mit Lesestoff für Monate versorgen. Wenn man gerne mal einen Klassiker liest.

    Ich gehe davon aus, jeder hier weiß, wer Karl May war. Für diejenigen, die es (wie meine Kinder) nicht auf Anhieb wissen: Karl May ist schuld an den Winnetou-Filmen, weil er die literarischen Grundlagen gelegt hat. Dass Herr May die literarischen Vorlagen schuf, möchte ich so nicht sagen, denn die Filme sind eher frei, teilweise sehr frei nach Karl May. Manchmal sind nur die Figuren von ihm.

    Nun schrieb Karl May mehr als nur die bekannten Wild-West-Geschichten. Er schrieb einen Zyklus über den Orient, er schrieb Geschichten über Abenteuer und Abenteurer in Südamerika. Von einem solchen handelt "Der Schatz der Inkas".

    Worum geht es?

    Der Inhalt ist recht schnell zusammengefasst: Ein deutscher Paläontologe (Dr. Morgenstern) reist nach Argentinien, um "vorsündflutliche" Tiere zu suchen. Böse Männer planen einen Umsturz und wollen sich dabei der Hilfe böser Indianer bedienen. Den armen Paläontologen verwechseln die Bösen dabei zunächst mit einem Oberst der argentinischen Armee und versuchen ihn deshalb mehrfach beim Sterben zu Tode kommen zu lassen. Durch viel Glück werden der Deutsche und sein ebenso deutscher Diener (Fritze Kiesewetter aus Stralau am Rummelsburger See) wahlweise durch Zufall oder durch den großen und quasi unfehlbaren Helden der Geschichte, den Vater Jaguar, gerettet, der den Mörder seines Bruders sucht. Am Ende besiegen die Guten die Bösen mit Hilfe befreundeter Indianer und der letzten Nachfahren der Inkas die Bösen, finden heraus, dass einer der bösen Männer einst den Bruder des Vater Jaguar, der Andere den Vater des Inka-Jungen meuchelte und es wird blutige Rache genommen.


    Eigentlich schäumen Karl Mays Geschichten vor Stereotypen über. Der Vater Jaguar ist der Südamerikaersatz für Old Shatterhand. Er ist ehrenhaft und gut und rettet den Wissenschaftler auch zum 25. Mal aus der Predolie, obwohl dies eigentlich seinen Pläne durcheinander bringt. Karl-May-typisch erfährt er dabei aber jedesmal zufällig irgendetwas, das ihm dann doch wichtig ist. Der Kleine Wissenschaftler ist der komische, liebenswerte Kauz, der in der dortigen Umgebung eigentlich nicht lebensfähig ist und für mehr Ärger sorgt als die bösen Männer. Und die Bösen? Sind einfach böse und verschlagen. Reicht ja auch. Natürlich reicht ihre Verschlagenheit nicht aus, um den unfehlbaren Helden zu überlisten. Man könnte über die Karl-May-Bücher sagen: Kennste eins, kennste alle.

    Dennoch halte ich die Bücher allemal für lesenswert. Und die Gründe sind einfach.

    Zum einen sind da die farbigen und sehr detaillierten Bilder, die Karl May mit Worten malt. Ob es ein dichter Wald, ein Sumpf oder auch nur die wüste Einöde ist, Karl May malte mir die Bilder in den Kopf wie daVinci auf eine Leinwand, ohne aber dabei in Tolkiensche Ausschweifung zu verfallen.

    Zum anderen sind da die wenn auch stereotypen so aber doch liebevoll gezeichneten Charaktere.

    Vor allem aber ist da die Sprache. So, wie man die Bücher kostenlos downloaden kann, sind es wohl die Originaltexte. Keine "weichgespülten" Neubearbeitungen. Entsprechend sind die gewählten Worte, die Orthographie und die Grammatik.

    Und - zugegeben - es ist ein bisschen Nostalgie im Spiel. Ich sah als Kind die Karl-May-Filme rauf und runter. Da macht es Spaß, die Geschichten auch einmal zu lesen.
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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von Vampirmaedchen am Di 05 Feb 2013, 18:08

    Hallo Mordred!

    Vielen Dank für deine Vorstellung des E-Books(?).

    Ich kenne Karl May als Autor nicht und die Verfilmungen auch nicht, weil ich nie ein Winnetou oder Western-Film-Fan war bzw immer noch bin (:
    Dennoch ist es schön zu lesen, dass dir der Klassiker gefallen hat. Wobei ich dein Satz sehr schön fand mit "Kennste eines, kennste alle." xD Ich denke, dass geh - muss ich mal so ganz ehrlich sagen - vielen "Klischeehaften" Autoren. Manchmal ist es einfach so, dass es immer einen Autor gibt, der immer und immer wieder das Gleiche schreibt nur mit anderen Handlungen. Ich denke du verstehst was ich sagen will, oder?

    Dennoch freue ich mich einfach für dich, dass dir das Buch gefallen hat :)

    Liebe Grüße,
    Vee

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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von Mordred am Di 05 Feb 2013, 22:22

    Hallo, liebe Vee,

    ja, ich sprach von einem eBook, welches sich aber inhaltlich von der Printausgabe nicht unterscheiden dürfte. Wink

    Bei einem zarten Alter von 20 Jahren ist es verständlich, dass Sie keinen allzu starken Bezug zu Herrn May haben. Ich hingegen bin quasi mit den Karl-May-Filmen aufgewachsen. In meiner Kindheit liefen sie während der Weihnachtszeit rauf und runter. In etwa wie heutzutage "Sissi" und "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Da hat man dann genau zwei Alternativen: Man kann ein Freund der Geschichten werden oder von ihnen genervt sein. Ich selbst sah die Filme immer wieder gerne.

    Darüber hinaus entdeckte ich in den letzten Jahren eine schlichte Affinität zu literarischen Klassikern, sei es nun Karl May oder Arthur Conan Doyle. Die dort verwendete und heute ungebräuchliche Sprache übt eine gewisse Faszination aus.

    Und ja, ich kenne die Sorte Autoren, die immer wieder dasselbe schreiben und es nur anders verpacken. Seltsamerweise liest man die Bücher trotzdem, obwohl man spätestens nach dem zweiten Buch in jedem weiteren nach 10 Seiten das Ende vorhersagen kann.

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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von schneeflocke am Mi 06 Feb 2013, 12:16

    Mordred,

    Karl May ist auch eine Zeitreise der besonderen Art.
    In meiner Jugend wollte man Karl May lesen.


    Und heute ? Ich sah diese Bücher erst in der letzten Woche in einem 1 Euro Laden als Restposten und Ramschware. Ja, es wurde das verramscht, was einst liebevoll verpackt unter dem Weihnachtsbaum lag einerseits, andererseits wird es an anderer Stelle kostenlos angeboten.

    Literatur hat also auch ein Verfallsdatum.
    Was vormals der meistgelesene Schriftsteller der deutschen Sprache war, liegt nun als Restposten irgendwo herum.

    Ich hoffte, Literatur ist ein klein wenig auch für die Ewigkeit, um dann anhand von Karl May festzustellen, dass es in diesem Fall nicht unbedingt so ist.

    Auch Bücher haben offensichtlich ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Schade. Bücher sind Zeugen ihrer Zeit, ebenso wie die Schriftsteller, die sie einst schrieben.

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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von Mordred am Mi 06 Feb 2013, 13:03

    Hallo liebe Schneeflocke,

    ich fürchte, Literatur ist heute mehr denn je eine Erscheinung der Mode. Wie die Mode kommt und geht auch die Kunst.

    Schauen wir uns in der Literaturlandschaft von heute um. Wie viele Klassiker, Bücher also, die über die Jahre in den Regalen blieben gibt es? Selbst die Werke Tolkiens, welche zumindest in ihrer Hauptsache (also der Hobbit, der Herr der Ringe und das Silmarillion) ständig in den Buchhandlungen zu finden sind, fanden erst durch Peter Jacksons Herr-der-Ringe-Filme wieder große Beachtung. Wer würde Harry Potter kennen, gäbe es nicht die Filme? Sicherlich einige Menschen, ich aber nicht. Die Twilight-Saga - ohne die Filmewürde niemand darüber sprechen. Der Weltbestseller des vergangenen Jahre - Shades of grey - gelangte zufällig an die Spitze der Verkaufscharts. Weil Sex sich verkauft. Doch sind all die Werke, mit denen der Buchmarkt in den vergangenen Jahren schier überflutet wurde, von Nachhalt?

    Kennen Sie, liebe Schneeflocke, R.A. Salvatore? Kennen Sie Karl Edward Wagner und sein "Buch Kane"? Gerade das Buch Kane hat das Zeug zum Klassiker.

    Worauf will ich hinaus? Ganz einfach: Literatur ist an die Mode gebunden. Denken Sie nur an die Lyrik. In welcher Buchhandlung sahen Sie wann das letzte Mal ein großes und gut gefülltes Lyrikregal? Und ehrlich: Die meiste Lyrik im Internet ist Rosamunde-Pilcher-Romantik.

    Tausende Autoren krabbeln hervor und fluten den Buchmarkt. Wo will man anfangen zu lesen? Man muss Harry Potter gelesen haben (habe ich noch nicht - mea culpa). Man muss Percy Jackson gelesen haben (habe ich auch noch nicht - mea maxima culpa). Man muss Twilight und Shades of Grey gelesen haben (Sie ahnen es? Habe ich beides noch nicht gelesen. Mea non culpa). Es gibt schon fast ein Überangebot an Literatur und was macht man da mit Bücher, die man gelesen hat? Verramschen, denn das eigene Regal ist voll.

    Amazon bietet übrigens nur Bücher kostenlos an, bei denen es keinen Urheberrechtsschutz mehr gibt. Uralte Klassiker eben. Auf diese Weise gewinnt man Kunden fürs Kindle. Man kann trefflich darüber diskutieren, doch ich finde es gut. Auf diese Weise ermöglicht Amazon (ohne dieses Versandhaus in den Himmel loben zu wollen) den Klassikern nämlich, der von Ihnen erwähnte Bestimmung nachzukommen: Zeugen ihrer Zeit zu sein und ein Stück dieser Zeit in die Gegenwart und die Zukunft zu transportieren.

    Nein, ich glaube nicht, dass gute Literatur ein Verfallsdatum hat. Manchmal muss man sie den Leuten nur in Erinnerung rufen, sei es durch billigen Verkauf, sei es dadurch, dass man sie verschenkt.

    In diesem Sinne ermutige ich Sie, liebe Schneeflocke, hiermit, die Karl-May-Bücher für einen Euro zu kaufen und ihnen ein neues Heim zu schenken. Und wenn Sie gerade dabei sind, nehmen Sie doch Shakespeares Mittsommernachtstraum und Goethes Faust auch mit. Beide verdienen es, gelesen zu werden.

    Ergebenst -
    Ihr Mordred

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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von schneeflocke am Mi 06 Feb 2013, 14:42

    Mordred,

    sind Bücher wirklich zu einem Saison Artikel, zu einer Mode geworden ? Frei nach dem Motto: Im Sommer 2012 trage ich Shades of Grey und im Winter schmückt mich ein anderes Buch. Passend zum Kleid, zur Lippenstiftfarbe, passend zur neuen Kurzhaarfrisur. Nicht zu vergessen passend zum neuen Bücher Regal und FilmFilm.

    Ein Massenartikel, ein Wegwerfartikel, ein kurzweiliger Zeitvertreib, bitte gleich das nächste Buch. Was muss ich lesen, damit ich mitreden kann ?

    Bücher sind Massenware geworden. Jederzeit, immer und ständig verfügbar. Jeder kann heute ein Buch schreiben und es veröffentlichen. An und für sich ist diese Entwicklung durchaus positiv und zu begrüßen.

    Die Bücher von Karl May in einem Restpostenmarkt. Immerhin. Zumindest weckten die Bücher Erinnerungen in mir. Es gibt also eine gewisse Nachhaltigkeit.

    Der Tisch mit den zahlreichen Taschen-Büchern daneben, bunt gemischt, weckte beim Stöbern keine Erinnerungen in mir. Namen der Autoren ohne ein Gesicht und Erinnerung an irgendwas.

    Karl May war ordentlich gestapelt und sortiert im Regal. Vielleicht hatte derjenige, der die Bücher einräumte, so wie ich Erinnerungen gehabt und Karl May durfte -wenn auch im Restpostenmarkt - hoch erhobenen Hauptes in einem Regal stehen und wanderte nicht auf diesen einen Tisch.

    So zeigt man einem Buch vielleicht Respekt. Ein bißchen Würde im Restpostenmarkt.

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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von Mordred am Mi 06 Feb 2013, 15:25

    Ja, liebe Schneeflocke, ich fürchte, Bücher - nein, Literatur - ist ein wenig zum Saisonartikel geworden. Alle Nase lang gibt es einen neuen Weltbestseller und an viele Weltbestseller erinnert man sich ein paar Jahre später nicht mehr wirklich. "Shades of Grey? Ah, da war mal was. Aber was war es nur?"

    Bücher sind nicht nur Massenware geworden. Sie sind leider oft auch austauschbar. Manchmal ist es nicht ein Autor, bei dem man nach 10 Seiten das Ende vorhersehen kann, wenn man mal ein Buch von ihm las. Manchmal ist es sogar ein ganzes Genre oder zumindest eine Handvoll Vertreter dieses Genres, die einfach keine Überraschungen zulassen. Wie oft liest man Fantasy und weiß in dem Moment, in dem ein Charakter eingeführt wird: Er ist tot, Jim! Weil das Strickmuster immer das gleiche ist. Weil sich die Bücher manchmal fast wie ein Drehbuch zu einem Rollenspiel lesen.

    Leider ist es tatsächlich so, das Autoren in einem bestimmten Genre immer wieder Stereotypen diesen Genres bedienen. Es ist sonnenklar, dass der alte weise Zauberer nicht am Ende der Reise ankommt, weil er unterwegs den anderen Zeit verschafft und sich dafür opfert. So oder ähnlich. Ob es nun Gandalf ist, der in Moria fällt (ja, ich weiß, dass er wiederkommt) oder Dumbledore, der seinen Tod aus Snapes Hand hinnimmt, weil das letztlich auch Snapes Position verbessert.

    Literatur ist inzwischen austauschbare Massenware und nur wenige Werke stechen wie der Herr der Ringe oder das Lied von Eis und Feuer aus der Masse heraus.

    Und dann gibt es Klassiker, denen der Händler vielleicht wirklich Respekt zollte, indem er sie ordentlich ins Regal räumt. Vielleicht, weil er auch Erinnerungen daran hat. Vielleicht auch, weil Karl Mays Werke, so austauschbar sie untereinander erscheinen, gegen jeden anderen Autor einzigartig sind.

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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von schneeflocke am Mi 06 Feb 2013, 17:00

    Was sagen Bücher über einen Menschen aus, werter Mordred ?

    Kann man dann überhaupt behaupten, dass jemand belesen ist, nur weil er jeweils die Nummer 1 aus der aktuellen Bestseller Liste gelesen hat ?

    Leichte Kost, so wie Shades of Grey, liest sich wie ein Fotoroman aus einer Jugendzeitschrift im Vorbeigehen runter.

    Die Klassiker kennt man hingegen nur noch aus der Schule.
    Ist es daher zur Zeit "en vogue" zu lesen, es gehört zum guten Ton dazu, wenn man sich in bestimmten Kreisen bewegen will oder dazugehören möchte ?

    Und danach wird das Buch zu einem Ramschartikel, zu keinem Klassiker mehr. Die Vampire sterben aus und die nächste Generation huldigt einer Einhorn Saga ? incl. Film, Fernsehn, Serie, t-shirts ?

    Oder ist man nur dann belesen, wenn man Klassiker kennt ?

    Werter Lord Mordred,

    vielleicht hat auch nicht jedes Buch unseren Respekt verdient. In einigen Jahren werden wir wissen, was Nachhaltigkeit besitzen wird. Welches Buch schafft es aus der Gegenwart in die Zukunft ? Eine spannende Frage. Karl May hat es geschafft.

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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von Mordred am Do 07 Feb 2013, 10:46

    Ist man belesen, weil man Klassiker kennt? Oder ist man belesen, weil man den Brockhaus vom Aalangler aus Aachen bis zu den Zylindern auf Zypressen in Zypern rezitieren kann? Was ist Belesenheit? Die Fähigkeit, 257 Bücher inhaltlich wiedergeben zu können oder Wissen in seinem Köpfchen angehäuft zu haben?

    Ich glaube nicht, dass es "en vogue" ist, zu lesen, weil das zum guten Ton gehört. Das trifft bestenfalls auf bestimmte Kreise zu, in denen ohnehin immer irgendwas zum guten Tone gehört. Insgesamt würde ich sogar sagen, die Menschheit - zumindest in unseren "zivilisierten" Gegenden - sollte mehr lesen. Das würde uns so manchen seltsamen linguistischen Auswuchs ersparen. Dann würden die Menschen vielleicht immer noch einen Kontakt "zu ihrem Telefonbuch hinzufügen" statt ihn schlicht "zu adden".

    Wenn ich so darüber nachdenke, könnte die Twilightsaga vielleicht auch irgendwann zu einem Klassiker werden, doch sollte man darüber erst in zwanzig, dreißig Jahren urteilen. Die Werke Karl Mays waren und sich eigentlich auch nur schlichte Unterhaltungsliteratur. Und doch vollbrachte Herr May es irgendwie, die Zeit zu überdauern. Dennoch wird der Buchmarkt derzeit geradezu von austauschbarer Literatur überschwemmt. Als großer Freund der Fantasy erfuhr ich dies sozusagen leidvoll. Die Literatur hat geradezu industrielle Ausmaße angenommen.

    Die von Ihnen, liebe Schneeflocke, "zum Aussterben verurteilten" Vampire sind für diese These ein gutes Beispiel, denn man könnte sagen, die echten Vampire sind schon ausgestorben. Nehmen Sie die "Klassiker" der Vampirgeschichten. Nehmen Sie den Herrn Vladislaus Tsepesch, auch bekannt als Vlad Draculea oder kurz als Dracula. Bei Bram Stoker, war der Vampir ein ambivalenter Charakter. Bram Stokers Dracula ist eigentlich eine rührende, romantische Liebesgeschichte. Ich kann Dracula nicht einmal als das Böse betrachten, er ist ein tragischer Charakter. Aber er ist auch eines: ein Raubtier, ein Killer. Und heute? Heute glitzern Vampire in der Sonne. Heute werden sie vermenschlicht. Das tut sogar Anne Rice. Vampire werden entmystifiziert, indem man ihren Blutdurst damit erklärt, dass ihre Unsterblichkeit von Naniten herrührt, die für ihre korrekte Funktion Blut benötigen. Auf diese Weise werden die Geschichten familientauglich gemacht. Ihr wahres Wesen wird ihnen genommen. Der echte Vampir ist tot.

    Barbaren sind zwar wilde aber edle Krieger. Was ist aus dem echten Barbaren geworden, aus dem Barbaren, wie es Conan war? Conan war ein Krieger. Er hielt viel auf seine Ehre, war aber eher jemand, der für sich kämpfte. Ein Held manchmal, aber nicht immer. Conan war auch Dieb und Pirat. Der Barbar von heute ist familientauglich. Er kämpft strikt für das Gute. Der Barbar von heute ist der edle Wilde, als welchen auch Karl May seinen Winnetou beschrieb. Der Barbar von heute ist domestiziert. Familientauglich.

    Man könnte die Liste fortsetzen, aber das würde den Rahmen hier sprengen. Vielleicht sollten wir die Diskussion sogar an andere Stelle führen, in einem eigenen Thread.

    Verehrte Schneeflocke, ziemlich sicher hat nicht jedes Buch unseren Respekt verdient. Wenn im Werk einer gewissen Dame die "Heldin" nach ihrem ersten Mal Schmerzen leidet, sich aber erstmal darum sorgt, ob ihr Liebster auch seinen Spaß hatte, kann ich dem (vor allem vor dem persönlichen Hinter der Autorin als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage) nur Widerwillen äußern, sehe ich hier doch ein sehr konservatives Frauenbild bedient, konservativer fast, als es der Papst vertreten kann. Vor allem geht mein Respekt verloren, wenn ich beim Lesen eines Buches das Gefühl habe, das alles schon einmal gelesen (oder in einem nicht zum Buch gehörenden Film gesehen) zu haben. Dann kann ich mir auch die Dissertation des Herrn zu Guttenberg durchlesen.

    Literatur hat sich zu industrieller Massenware entwickelt. Und doch gibt es Werke, die aus der Masse herausstechen. Um diesen Goldnugget zu finden, muss man freilich die Sandkörner aussortieren. Und letztlich hat die Kritik an einem Werk immer eine Eigenschaft: Sie ist subjektiv. Ich kann nicht sagen, das Buch ist schlecht. Ich kann nur sagen, ich fände es schlecht. Und in einigen Jahren werden wir in der Tat sehen, welche Werke aus der Masse ragen und immer noch verkauft werden.

    Beinahe könnte man sagen, zu lesen sei wie Sex. Manches Buch ist ein Vergnügen für den Augenblick. Manches Buch ist auch gar kein Vergnügen. Und dann gibt es da die besonderen Bücher, die Juwelen, denen man sich wieder und wieder hingibt, die die Lust immer von neuem entfachen, Bücher, die den Leser auf lange Zeit fesseln.

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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von schneeflocke am Do 07 Feb 2013, 11:58

    Mordred,

    wir befinden uns hier auf dem Pfade der Rezensionen.

    Familienfreundliche Vampire, die in der Sonne glitzern und Bücher als Massenware zu verstehen, die es kaum in die Zukunft schaffen werden und die Frage, ab wann man sich belesen nennen darf, und ob Lesen "en vogue" ist in einem Zeitalter von twitter und Co. würde ich jedoch gerne weiter mit Ihnen diskutieren wollen.

    Gerne auch in 20 oder 30 Jahren, um Fragen abschließend beantworten zu können, gerne aber auch zeitnah, da wir beide nicht mehr die Jüngsten sind.

    Auch darf ich Sie daran erinnern, dass es den gedruckten Brockhaus nicht mehr gibt. Aber korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege. Das www. schrottet so manches, was es über viele Jahre gab. Und wir werden noch mehr Verluste hinnehmen müssen, für die es (k)einen Ersatz geben wird. Viele Dinge sind unwiederbringbar verloren. Auch darüber könnte man reden.

    In diesem Sinne verbleibe ich
    grüßend und ohne Narrenkappe, auch wenn heute Fastnacht der alten Weiber ist.

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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von Floh am Do 07 Feb 2013, 12:18

    Hallo Mordred

    Den Schatz der Inkas kenne ich nicht, auch wenn ich selbst vier Karl May-Bücher auf meinem SuB habe.
    Danke für die Vorstellung.

    Um zu schneeflockes und Ihrer Diskussion etwas zu sagen:
    Ich finde es ebenfalls sehr schade, dass Literatur zur Massenware geworden ist. Ich weiß, mit meinen 14 Jahren kann ich noch nicht so wirklich mitreden, aber mein Vater und meine Großeltern haben mir immer wieder neue "alte" Bücher gezeigt (Moby Dick, Robinson Crusoe, Robin Hodd, etc.)Auch muss ich sagen, dass ich diese Klassiker sehr gerne lese, weil ich diese alte Ausdrucksweise sehr mag. Ich habe auch noch seeehr viele John le Carré und Robert Ludlum Bücher auf meinem SuB, die ich vorhabe, dieses Jahr zu lesen. Nur Shakespeare im (deutschen) Original war mir dann zu viel des Guten Wink
    Ich habe alle Agatha Christie-Krimis meines Vaters verschlungen, und als ich dann eines im Deutschunterricht vorgestellt habe, hat keiner meiner Klassenkameraden davon auch nur gehört, was ich sehr schade fand.
    Ich habe aber auch die "Bestseller" (Twilight, HP) gelesen, weil ich finde, man sollte allen Büchern eine Chance geben. Teilweise haben mir die Charaktere gefallen (Alice, Emmett; Hermine, Hagrid) aber die Hauptpersonen gine´gen mir - salopp gesagt - auf den Keks. Harry war arrogant und Edward und Bella nervtötend.

    Noch einmal Danke für die Vorstellung von "Schatz der Inkas"
    Liebe Grüße
    Floh

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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von Mordred am Do 07 Feb 2013, 13:22

    Ich muss gestehen, Moby Dick auch noch nicht gelesen zu haben. Dafür kenne ich nicht nur Robinson Crusoe sondern auch Stevensons Schatzinsel.

    Natürlich sollte man auch den "Bestsellern" eine Chance geben. Deshalb las ich neulich ein Buch mit dem schönen Titel "Vampir á la carte". Dies ist das Buch mit der Entmystifizierung der Vampire. Und es ist hier so, wie Sie es bezüglich anderer "Bestseller" beschreiben: Die Nebencharaktere sind (zumindest zum Teil) cool. Die Hauptpersonen wiederum sind wenn schon nicht nervtötend und arrogant so doch zumindest farblos. Ich weiß, dass Vampire nicht unbedingt für einen rosigen Teint bekannt sind, aber die waren noch farbloser. Ich glaube, hier liegt das Hauptproblem moderner Literatur: Die Autoren bedienen reihenweise Stereotypen und bauen diese teilweise sogar noch stereotyper aus, als die Stereotypen ohnehin schon sind. Meine Wortschöpfung von noch stereotyperen Stereotypen möge mir der geneigte Leser dieses Beitrags verzeihen, doch ein kleiner Pleonasmus hier und da schadet nicht.

    Vielleicht ist die Ursache auch, dass alles irgendwie schon einmal da war. Man schreibe mal eine Indianergeschichte. Wie viel Neues kann man denn bringen, das nicht schon von Karl May, James Ferimore Cooper oder Lieselotte Welskopf-Henrich erzählt wurde? Es ist nicht leicht, eine komplett eigenständige Welt zu erschaffen.

    Und doch kommt mir bei der Massenliteratur immer wieder ein Zitat aus dem schönen Film "Ford Fairlane - Roch'n'Roll Detective" (den Sie, liebe Floh leider noch nicht sehen dürfen) in den Kopf, in welchem ein Plattenproduzent sagt: "Wir maßschneidern diesem Kyle Toy oder Troy - ist das sein Name - eine Platinplatte, damit die Teenies sie klaufen und darauf einen Abgang kriegen." Man merkt es besonders an den Vampiren, die gerade eine Renaissance zu erleben scheinen, dabei aber weichgespült werden und eigentlich keine echten Vampire mehr sind. Sie sind entweder nervtötend oder verkommen zu bloßen Actionfiguren wie in den "Underworld"-Filmen, damit sie familien-, unterhaltungs- und hollywoodkompatibel sind.

    Letztlich gibt es nur ein wirkliches Rätsel, das weder Film noch Literatur bisher entwirren konnten: Können Zombies rennen? Wink

    Es ist jedoch schön, dass jemand, der problemlos meine Tochter sein könnte, Interesse für die klassische Literatur hat. Es lässt mich hoffen.
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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von Floh am Do 07 Feb 2013, 13:29

    Ja, die "Schatzinsel" ist auch noch auf meinem SuB Very Happy

    Es stimmt; die Nebencharaktere sind meist besser beschrieben als die Hauptprotagonisten, oder zumindest sympathischer.

    Letztlich gibt es nur ein wirkliches Rätsel, das weder Film noch Literatur bisher entwirren konnten: Können Zombies rennen?
    Das wäre mal interessant zu erfahren Very Happy

    Es ist jedoch schön, dass jemand, der problemlos meine Tochter sein könnte, Interesse für die klassische Literatur hat. Es lässt mich hoffen.
    Ich kenne sonst nur zwei Leute, die auch klassische Literatur lesen, zwei meiner Freundinnen. Wir tauschen uns dann über diese ganzen Klassiker aus, zB habe ich von einer ein sehr großes Lob über "Dracula" gehört, was mich nur noch mehr gespannt auf das Buch macht, das ich lesen will, sobald ich meinen SuB abgearbeitet habe Very Happy

    Herzliche Grüße
    Floh

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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von Mordred am Do 07 Feb 2013, 16:40

    Liebe Schneeflocke,

    dieses Thema ist in der Tat diskussionswürdig.

    In der Tat darf ich Sie aber darauf hinweisen, dass es den Brockhaus durchaus noch in gedruckter Form zu geben scheint (http://www.brockhaus.de/produktuebersicht.php?we_objectID=1922). Er ist nur auf einen Band zusammengeschrumpft. Die dreißigbändige Enzyklopädie kann man in der Tat nur noch gebraucht in der 2005er Ausgabe erstehen.

    Gerne führe ich diese Diskussion weiter. Vielleicht meldet sich ja noch der eine oder andere Mitleser zu Wort.

    Liebe Moderation, sollten Sie der Meinung sein, diese Diskussion gehöre nicht an diese Stelle, bitte ich um ein Zeichen. Gegebenenfalls können Sie auch gerne einen Umzug veranlassen.

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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

    Beitrag von Mordred am Do 07 Feb 2013, 16:43

    Ich muss gar noch einen Irrtum einräumen. Man kann die 30bändige Enzyklopädie tatsächlich noch beim Verlag bestellen.

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    Re: Karl May - Der Schatz der Inkas

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